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ADS:
Gibt´s das wirklich?
ADS-Bücher:
Kritisch
betrachtet
Ritalin:
Ein folgen-
schwerer
Irrtum
Aus der
Sicht unserer
Kinder
Das
Verschwinden der Mädchen
von der
Bildfläche
Gibt es ein
Bisschen ADS?
Exklusiv:
Die HÜTHER-Studie
Das Anlage-Umwelt-
Problem
Oh wie
verführerisch
ist doch
das ADS!
Alternativen
bei ADS
Fragiles X-Syndrom
Alternative
Behandlung
bei ADD
Familie und
ADS
Alternative
Sichtweisen bei ADS
Fundsachen:
ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 1
Fundsachen:
ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 2
Quellensammlung
Böse Witze
Jacob Cartoons
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Willkommen im
Café Holunder, in dem "ADS" bzw.
"ADHS" ("Aufmerksamkeits-
Defizitstörung mit oder ohne Hyperaktivität")
kritisch hinterfragt wird. Sie starten hier auf
der aktuellen Seite 36. Oben sind alle
vorhergehenden Seiten verlinkt.
Ihr Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt |
ICH LERNE WIE EIN ZOMBIE
Plädoyer
für das Abschaffen von ADHS
Dieses Buch muss man lesen,.wenn man sich wirklich
umfassend und objektiv informieren will. Eltern unruhiger,
unaufmerksamer oder einfach sehr lebhafter Kinder hören
immer öfter: "Lass es doch mal auf ADHS testen."
Nicht selten greifen sie solche Ratschläge dankbar auf
und sind erleichtert, endlich eine Erklärung für das
auffällige Verhalten ihres Kindes gefunden zu haben.
Anderen Eltern reden ÄrztInnen, PsychologInnen,
LehrerInnen und ErzieherInnen ein, ihr Kind habe ADHS
und sie sind keineswegs erleichtert, sondern am
Boden zerstört.
ADHS, das Kürzel für "Aufmerksamkeits-Defizitstörung
mit oder ohne Hyperaktivität", ist
weltweit zur am häufigsten gestellten
kinderpsychiatrischen Diagnose geworden. In Deutschland
rechnet man derzeit mit bis zu 500 000 angeblich
behandlungsbedürftigen Kindern. Kein anderes Medikament
verzeichnet derartige Zuwachsraten wie Methylphenidat, v.a.
bekannt als Ritalin. Jeden Tag nehmen weltweit ca. 10
Millionen Kinder solche auf das noch in Entwicklung
begriffene kindliche Gehirn wirkende Psychopharmaka ein.
Was hat es aber bei einer kritischen Betrachtung mit dem
Phänomen "ADHS" wirklich auf sich? Handelt es
sich tatsächlich um eine medizinisch-neuropsychologische
Krankheit, die langjährig mit Psychopharmaka behandelt
werden muss? Was sollten Eltern wissen, wenn sie mit dem
"Verdacht auf ADHS" konfrontiert werden?
Antworten sowie sehr viele Hintergrundinformationen und
Forschungsergebnisse, die der modische ADHS-Mainstream
gerne ignoriert, bietet dieses unbedingt lesenswerte Buch
von Dipl-Psychologe Hans-Reinhard Schmidt
amazon
Alm
oder Ritalin?
Ritalin
stellt ruhig
Es rauscht wieder mal
erheblich im ADHS-Blätterblatt! Einige vorweihnachtliche
Presse- veröffentlichungen haben die Gemüter der braven
deutschen ADHS-Gemeinschaft stark aufgewühlt. Der STERN, der SPIEGEL und auch GEO
haben sich mit ADHS und Ritalin auf eine Weise
beschäftigt, die bei Anhängern des schulmedizinischen
ADHS-Konstrukts wieder mal für helle Empörung gesorgt
hat. In allerlei seitenlangen und teils polemischen sowie
fachlich falschen Stellungnahmen haben sich ADHS-Verbände
und Foren an ihre Fans und die Verlage gewendet,
Überlegungen zur Anrufung des Presserats und sogar der
europäischen Menschenrechtskomission (!) in den Diskurs
geworfen, sowie sich haareraufend geschworen, keine
solchen bunten Blätter mehr zu kaufen. Sie
werfen den Redaktionen Falschinformation der
Öffentlichkeit vor, scheuen sich aber gleichzeitig nicht,
in ihren eigenen Stellungnahmen so manchen Unsinn zu
behaupten.
Worum geht es?
Unter wissenschaftlicher Begleitung von G. Hüther
verbrachten einige ADHS-Kinder 8 Wochen auf einer Alm,
wobei sie auf ihre gewohnte tägliche Ritalin-Dosis
verzichteten. Der STERN berichtete darüber. Den Kindern
ging es dort offenkundig sehr gut, sie und ihre Eltern
waren sehr zufrieden mit dem Erfolg. Dahinter steckte die
Überzeugung, dass ADHS keine krankhafte
Hirnfunktionsstörung sei, sondern eine angelernte
Verhaltensproblematik, die genauso wieder verlernt werden
könne. Für die konservative ADHS-Gemeinde eine
Provokation. Für die Wissenschaft eine immer aktueller
werdende Variante im Diskurs um ADHS. Der
SPIEGEL berichtete über den Missbrauch von
Psychostimulanzien im Sinne des Neuro-Enhancements bzw.
Hirndopings und schilderte den tragischen Werdegang einer
ritalinsüchtigen Pharmazeutin. Ritalin und Sucht? Für
die konservative ADHS-Gemeinde eine Provokation. Für die
Wissenschaft nach wie vor eine offene Frage.
Nie wieder
kaufe ich den STERN
So oder ähnlich lautete die trotzig-kindliche
Reaktion vieler sogenannter ADHS-Betroffener. STERN,
SPIEGEL und GEO können dies natürlich leicht verkraften,
denn die weit überwiegende Mehrheit der Leser denkt wie
sie. Wir wollen hier nicht ausführlicher eingehen auf
die Stellungnahmen von z.B. ADHS-Deutschland oder TOKOL. Der
geneigte Leser möge sie sich selber zu Gemüte führen.
Dort wird z.B. solch Unsinn behauptet, dass bestimmte
Trägerstoffe der Ritalinpillen Depressionen auslösen
können. Die vor Empörung nur so strotzenden Antworten
an die Redaktionen von SPIEGEL und STERN blieben denn
auch ohne jede Reaktion, nirgends wurden sie
veröffentlicht. Keine Redaktion veröffentlicht solche
ellenlangen Stellungnahmen. Ein Beleg für die
Weltfremdheit der ADHS-Gemeinde, oder anders ausgedrückt:
reine ADHS-Selbstbefriedigung.
Aber auf eine Klage
in diesen Stellungnahmen möchten wir doch einmal etwas
ausführlicher eingehen, weil sie immer wieder
vorgebracht wird, aber dadurch natürlich nicht wahrer
wird: J. Streif bringt sie so vor: Die Fehler
beginnen
mit der Aussage, hunderttausende von
Kindern würden mittels Methylphenidat (MPH)
ruhiggestellt. Abgesehen von der Frage, warum
der stern im Weiteren mit großer
Hartnäckigkeit für den Markennamen Ritalin
Werbung macht, ist der Begriff der
Ruhigstellung angesichts eines Medikamentes,
das zu den Stimulanzien zählt, schlicht falsch. ADHS-Deutschland . Auch TOKOL und einige andere blasen ins
gleiche Horn.
Ritalin stellt
ruhig
Eines ist klar: Ritalin ist ein Stimulanz, das
pharmakodynamisch u.a. wie folgt wirkt:
- stimmungsaufhellend und
euphorisierend
- vermittelt ein Gefühl erhöhter
Energie
- steigert die Aufmerksamkeit,
Wachheitsgrad und Leistungsfähigkeit
- senkt den Appetit
- vertreibt Müdigkeit
- Blutdruck und Puls steigen
- die Pupillen erweitern sich
- die Muskulatur wird stärker
durchblutet
- Sauerstoff und
Glucosekonzentration im Blut steigen an
- Zum Teil können auch empathogene
und halluzinogene Effekte auftreten (n. Rätsch
1998).
Aber das alles interessiert in der Praxis
natürlich nur Wissenschaftler oder hoffentlich manchmal
auch Ärzte. Eltern, Lehrer und Erzieherinnen
interessiert das nicht. Sie interessieren sich allein
für das wunschgemäß veränderte Verhalten eines pillen-schluckenden
Kindes.Sie geben dem Kinde Ritalin, weil es das Verhalten
paradoxerweise beruhigt, weil es die Kinder ruhiger macht,
ruhig stellt. Psychostimulanzien können nämlich nach
vielerlei Aussagen von ADHS-Fachleuten und Betroffenen
- die Ablenkbarkeit reduzieren,
- die Fähigkeit, Aufgaben abzuschliessen,
verbessern,
- Hyperaktivität und Ruhelosigkeit
reduzieren
- und die Impulsivität abschwächen (Rossi & Winkler)
Hyperaktivität und
Ruhelosigkeit zu reduzieren, bedeutet natürlich nichts
anderes als ruhigmachen, ruhigstellen. Eichlseder fand,
dass 71 % der Eltern, die wegen ADHS zu ihm in die Praxis
kamen, über motorische Unruhe ihres Kindes klagten. Er
stellt fest, dass die Verabreichung von Amphetaminen die
Kinder in positivem Sinne verändert, was
nichts anderes heißt, als dass sie auch motorisch
ruhiggestellt werden (Eichlseder) . Leslie Iversen fragt: Wie lässt sich die
scheinbar paradoxe Wirkung der Psychostimulanzien
erklären, die Kinder mit ADHS beruhigt und ihre
kognitive Leistungsfähigkeit verbessert? (Iversen
2009). Auch Sponsel stellt klar: Das Amphetamin
Ritalin® wirkt bei Kindern eher beruhigend. Sponsel
Besonders klar wird
die ruhigstellende Wunschwirkung aber in den vielen
Beobachtungen der Ritalin-Mütter, die sich in
einschlägigen Internetforen austauschen: Eine Mutter
teilt mit: Gegessen hat er sowieso mehr schlecht als
recht mit ihnen, ewig Bauchschmerzen, ruhig und traurig.
Hauptsache, er passt gut auf und schreibt schön!.... Eine
andere Mutter schreibt: Die Wirkung scheint bei ihm
auch sehr lange zu halten. Ich habe das Gefühl, daß es
mehr als 4 Stunden wirkt, heute war er wirklich von 9 Uhr
morgens ( Einnahme) bis 16 Uhr sehr ruhig und
ausgeglichen. Mein Sohn nimmt jetzt seit Samstag 10 mg
Ritalin morgens ( im Moment um 8-8.30 Uhr, da wir in
Urlaub sind) und er scheint 1/2 Stunde später
tatsächlich ruhiger/mitarbeitswilliger zu sein als
vorher. Vor der Tablette nörgelt er rum, danach ist er
den "liebsten" Sohn... ADS-Hyperaktivität . Bei Tokol liest man in einem Erfahrungsbericht eines
Betroffenen: METHYLPHENIDAT wirkt bei AD(H)S in der
Form, dass es diesen Fluss, auf dem die Schiffchen
schwimmen, beruhigt und so der Betroffene die
Möglichkeit hat, den Kurs der Schiffe richtig zu
lenken
Wer die alltägliche
Ritalinwirkung auf Kinder beobachtet, hat überhaupt
keinen Zweifel an der ruhigstellenden Wirkung des
Psychopharmakons. Diese Wirkung ist einer der
Hauptgründe für die massenhafte Verschreibung. Es ist
ein Skandal, dass die ADHS-Lobby diese Realität nach wie
vor ausblenden und schönreden will. Es passt einfach
nicht in ihr medizinisch- biologistisches
Krankheitsmodell von ADHS, dass Eltern, Lehrer und
Erzieherinnen ganz einfach Kinder, denen sie in ihrem
familialen und beruflichen Alltag nicht gerecht werden
wollen oder können, mittels Psychopharmaka pflegeleicht
und ruhiggestellt machen wollen. ADHS hat ganz einfach
eine genetisch bedingte Krankheit zu sein. Eltern-,
Lehrer- oder Erzieherinnenverantwortung oder ihr Versagen
passen da nicht ins Bild.
Diese Leute sind langsam aber sicher von Vorgestern. ADHS
entpuppt sich nämlich immer mehr als das, was es
wirklich ist: Eine psychogene Verhaltensstörung.
Psychotherapie und Psychoedukation heilen. Ritalin stellt
nur ruhig.
Literatur:
L. Iversen: Speed, Ecstasy, Ritalin. Amphetamine
Theorie und Praxis. Huber 2009
Chr. Rätsch: Enzyklopädie der psychoaktiven
Pflanzen. Botanik, Ethnopharmakologie und Anwendung.
Stuttgart: Wiss. Verl.-Ges. Aarau 1998
O. Belchamps
08.01.2010
Frag` Dr. van den Haag!
Heute:
Evidenzbasierte Medizin empfiehlt:
Kümmel
für Kümmerling
Otthilie Kümmerling:
Herr Dr. van den Haag, ich brauche wieder meine
Monatstonne Edronax gegen mein ADHS nebst komorbider
Depression. Also rücken Sie schon Ihren vorausgefüllten
Rezeptblockbuster raus und überziehen Sie Ihr Budget!
Dr. van den Haag: Edronax nützt nix! Das
verschreib ich nit meh.
Otthilie Kümmerling: Was soll das heißen,
bedeuten und gleichzeitig aussagen bzw. klarstellen? Will
sagen richtigstellen? Oder aufklären? Immerhin haben Sie
mir dies Zeug jetzt 6 Jahre lang verschrieben. Geholfen
hat es zwar nix, aber ich bin mittlerweile davon total
abhängig. Also zücken Sie schon Ihr Ding, Ihren
Füllfederhalter!
Dr. van den Haag: Lassen Sie uns hierauf erstmal
einen Kümmel trinken, Frau Kümmerling. Es ist so, dass
die meisten Dingens gegen Depressionen nix nützen, nach
neuen Erkenntnissen der evidenzbasierten Medizin.
Otthilie Kümmerling: Prost, Dokterchen. Aber
sag einer an, wenn dem so ist, wieso hat er dann das Zeug
so lange verschrieben (bitte einen zweiten, doppelten
Kümmerling auf diesen Schock gereicht zu bekommen.
Dankesehr!)
Dr. van den Haag: Prost, Otthilie, aber ich
konnte ja nicht wissen, dass die Pharma immer nur
positive Forschungsergebnisse veröffentlicht, und die
negativen versteckt. Die Firma hat mir ja auch nich
schlecht extra gelöhnt dafür, wenn ich das Zeug
verschreibe. Aber weissu, Otthilie, trinken wir noch nen
Kümmerding, und alles andre muss dich ja garnich
kümmeln.
Otthilie Kümmerling: Prosit, Dokter! Fühle
mich bereisdeulich besser im Sinne von beschwingt und
total dudeljöh! Besuch bei Dir lohnt sich doch jesmal.
Was heiss übichens evdensbas Medizin (hickup hoch zwei)?
Dr. van den Haag: Das is Mezin die wo sich nach
Foschungsdergenissen von Herrn Sawicki
richtet. Aber mein liebe Kümmeling, darauf können wir
verzichennichwahr? Haupsach wiaham unsan Kümmel-Ding,
nichwahr!
Otthile von Kümmerling: Dann verschreim Sie mir
mal gleich nen Hektoliter davon, gen mein ADHS mit
koformidabler Deperession! Offleibel sebstänlich.
Wo die starken Kerle wohnen...
Nach dem Bericht im
STERN nun im TV in der Serie 37 Grad
http://37grad.zdf.de/ZDFde/inhalt/14/0,1872,1020910_idDispatch:9388100,00.html
Ein halbes Jahr später: stern fragt
nach.
ADRIANS
NEUES LEBEN
Sie sollten lernen, ohne Tabletten
auszukommen. Dazu verbrachten 11 Jungen mit ADHS
den Sommer 2009 auf einer Südtiroler Alm. Der stern, der
über das Projekt berichtete,
hat einige der Eltern und Kinder erneut befragt. Wie
kommen die Jungs heute in ihrem
Alltag zurecht?
Von 11 Kindern nehmen ein halbes Jahr später 10 keine
Tabletten mehr.
Hier für alle, die geschworen haben, niemehr den stern
zu kaufen, zum heimlichen Lesen:
Alm statt Ritalin
Hüther widerlegt?
Sehr schade, dass so viele ADHS-Fans in ihrer teils
wahnhaften Kritik an der von Prof. Dr. Gerald Hüther im
Zusammenhang mit Methylphenidat bereits 2001 geäußerten
Parkinson-Sorge überhaupt nicht verstehen, worum es
genau geht. Derzeit macht eine Studie von Rössner u.a.
unter der triumphalen Überschrift die Runde : "Hüther
endgültig widerlegt". Erstaunlich, was in diese
Studie alles hineinphantasiert wird. Worum geht es
wirklich?
Trotz tausender Studien zur
Medikamentenwirkung werden die Nebenwirkungen und Folgen
einer Methylphenidatbehandlung erst in letzter Zeit etwas
intensiver untersucht. Dabei zeigen sich
besorgniserregende Befunde. Moll, Hüther u.a. machten
2001 den Anfang und fanden im Tierversuch, dass
Methylphenidat dauerhafte Hirnveränderungen bzw. -schädigungen
erzeugt (Moll 2001). Hüther machte auf ein dadurch
möglicherweise erhöhtes späteres Parkinsonrisiko
aufmerksam und löste damit in ADHS-Kreisen eine heftige
und andauernde, aber völlig irrationale Empörung aus (Hüther
2002). Erst in jüngster Zeit haben Rössner u.a. im
Tierversuch Moll und Hüther darin bestätigt, dass
Methylphenidat das Dopaminsystem bei ADHS sozusagen
zurückstutzt, beim hyperaktiven ADHS-Subtyp
stärker als beim nur unaufmerksamen. Sie haben
allerdings nicht untersucht, wie sich Methylphenidat auf
ein von Hause aus normales Dopaminsystem
auswirkt, und genau hierauf bezog sich ja Hüthers
Parkinsonverdacht. Hüther warnte ja davor, dass
Methylphenidat bei Kindern, die gar kein
überentwickeltes Dopaminsystem haben, Langzeitschäden
bewirken könnte. Viele derzeit mit Methylphenidat
behandelte Kinder haben nämlich wahrscheinlich gar kein
übermäßig ausgeprägtes dopaminerges System, und wenn
bei denen eine Rückstutzung bewirkt werde,
könnte es langfristig bedenklich sein. Die Aussage, dass
Hüthers Parkinsonverdacht widerlegt sei, lässt sich
also aus dieser Studie nicht ableiten.
Roessner, V., Sagvolden, T.,
Dasbanerjee, T., Middleton, F.A., Faraone, S.V., Walaas,
S.I., Becker, A., Rothenberger, A., Bock, N.:
Methylphenidate normalizes elevated dopamine transporter
densities in an animal model of the attention-deficit/hyperactivity
disorder combined type, but not to the same extent in one
of the attention-deficit/hyperactivity disorder
inattentive type. Neuroscience. 2010 Mar 6
ADHS und
Sucht
Im Mai veranstaltet die Landesvereinigung für Gesundheit und Akademie
für Sozialmedizin Niedersachsen e.V. eine Tagung
zum Dauerthema ADHS und Sucht. G. Hüther wird
den Einleitungsvortrag halten. Wir nehmen dies zum Anlass,
dazu noch einmal eine kleine Zusammenfassung zu bringen.
Es handelt sich um einen Abschnitt des demnächst im
Centaurus-Verlag erscheinenden Buches Ich lerne wie
ein Zombie. Plädoyer für das Abschaffen von ADHS
von Hans-Reinhard Schmidt. Die Literaturquellen können
dort nachgelesen werden.
"Ritalin" erhöht Alkoholkonsum
Wie Kokain
Gene Haislip,
Abteilungsleiter der DEA (USA), sagt: "Wir sind das
einzige Land der Welt, in dem Kinder eine solch riesige
Menge von Stimulantien verschrieben bekommen, die
praktisch die gleichen Eigenschaften haben wie Kokain"
(zit. DeGrandpre 2002). Methylphenidat wirkt bekanntlich
grundsätzlich wie Kokain und ist diesem auch
pharmakologisch fast identisch (Volkow 1995, Vastag 2001).
Und Kokain ist eindeutig gefährlich und suchterzeugend,
sein Kauf, Verkauf und Gebrauch sind klare kriminelle
Handlungen. Das Paradoxe an Methylphenidat als Medikament
besteht denn auch weniger in seiner nur scheinbar
beruhigenden Wirkung auf unruhige Kinder, sondern in dem
Umstand, dass es angeblich nicht süchtig macht. Wie ist
das zu erklären?
Zum Einen liegt dies an der oralen Einnahme. Eine orale
Einnahme verzögert die Wirkstoffaufnahme und gilt
deshalb generell nicht als ideale Förderung für Sucht.
Sie verhindert durch ihren Umweg über den
Verdauungstrakt den "Kick", das rasche "High"
einer Droge. Die Kinder merken meist nicht viel von der
schleichenden Medikamentenwirkung. Wer "Ritalin"
missbrauchen will, umgeht denn auch die orale Einnahme z.B.
durch Schnupfen oder Spritzen. Dann wirkt es bei
vergleichbarer Dosierung wie Kokain. Als Medikament ist
Methylphenidat ausserdem relativ niedrig dosiert, so dass
neben seiner oralen Verzögerung auch diese
Niedrigdosierung einer Suchterzeugung entgegen wirkt. Im
Vergleich zu anderen Psychopharmaka wie z.B. Prozac, das
erst nach Wochen wirkt, stellt sich die Ritalinwirkung
dennoch aber schon nach wenigen Minuten ein. Ritalin ist
also trotz Niedrigdosierung und oraler Anwendung über
den Verdauungstrakt ein starkes Psychopharmakon mit
grundsätzlich hohem Missbrauchs- und Suchtpotential.
Derzeit wird gern verbreitet, dass die Frage, ob
Methylphenidat süchtig mache, endgültig mit Nein zu
beantworten sei: In der Tat gab es eine Reihe
wissenschaftlicher Studien, die zeigten, dass angeblich
von ADHS betroffene Menschen, die nicht mit
Methylphenidat behandelt wurden, ein etwas höheres
Risiko zu späterer Drogenabhängigkeit aufwiesen als mit
dem Psychopharmakon behandelte Patienten oder angeblich
Gesunde. Methylphenidat mache nicht süchtig, es
verhindere sogar spätere Drogensucht, wurde aus den
Studien geschlossen (z.B. Barkley 2003). Dass bei diesen
Studien unzulässige Kausalitäten zwischen Drogensucht
und Verhalten á la ADHS hergestellt wurden, sei hier nur
am Rande betont. Ob einer Drogensucht ein ADHS
zugrundeliegt oder die Drogensucht nicht vielmehr
Verhaltensstörungen á la ADHS hervorbringt, ist in
Wahrheit ungeklärt. Davon einmal abgesehen waren diese
Studien aber auch sonst methodisch eher bescheiden und
ihr Wert deshalb zweifelhaft. Sie verwendeten meistens
Selbstauskünfte der befragten Personen, die bekanntlich
subjektiv verfälscht sein können. Hin und wieder ergab
sich sogar der Verdacht methodischer Manipulation: die
allgemein bekannten kritischen Einwände gegen eine
lobbygesteuerte Praxis wissenschaftlicher
Veröffentlichungen im Phar-mabereich müssen gerade hier
besonders ernst genommen werden (Diller 2004).
Ins Bild passen auch nicht Forschungsergebnisse über
Ritalin und Rauchen. Dass D-Amphetamin (Dexedrin) den
Zigarettenkonsum erhöht, ist bereits bekannt. Aber
obwohl Methylphenidat zu den meistverschriebenen
Substanzen zählt und sehr ähnliche Wirkungen wie
Dexedrin zeigt, ist sein Zusammenhang mit dem
Zigarettenkonsum erstaunlicherweise bisher nicht genau
erforscht. Dass angebliche ADHSler mehr rauchen, ist
bekannt. Aber dass Methylphenidat das Rauchen verstärkt
und damit suchtfördernd wirkt, wird bestritten. Rush u.a.
konnten aber bestätigen, dass Methylphenidat bei
gesunden Personen den Zigarettenkonsum eindeutig erhöht.
Nachdem die Versuchspersonen (Raucher ohne ADHS, die
nicht den Wunsch hatten, mit Rauchen aufzuhören) im
halbblinden Versuch MPH bzw. ein Placebo bekommen hatten,
rauchten sie als Folge der MPH-Gabe und in linearer
Abhängigkeit von der Dosis die nächsten vier Stunden
mehr Zigaretten gieriger als sonst, aßen weniger und
nahmen weniger Kalorien zu sich (Rush 2005). Wie das die
üblichen Ritalin-Propagandisten mit ihrer Behauptung
vereinbaren, es verhalte sich alles in Wirklichkeit genau
umgekehrt - MPH wäre nicht suchtfördernd, sondern
geradezu suchteindämmend - würde ich gerne mal wissen.
Wird hier
unter den Teppich gekehrt?
Russell Barkley u.a. fanden übrigens, dass die
Stimulantiengabe bei Kindern durchaus den
Kokainmissbrauch als Erwachsener fördere (Barkley 2003).
Die Autoren bringen diesen statistisch bedeutsamen
Zusammenhang dann aber methodisch wieder zum Verschwinden,
indem sie den Schweregrad von ADHS und
Verhaltenssstörungen parallelisieren. Man weiß aus
anderen Untersuchungen, dass in solchen Fällen gern
unterschieden wird zwischen "reinem" ADHS und
Verhaltensstörungen, und dass dann unliebsame Ergebnisse
gern auf die Verhaltensstörungen, nicht aber auf ADHS
zurückgeführt werden (oder umgekehrt, wie es eben so
passt).
Dieses Vorgehen von Barkley u.a. kritisiert denn auch
Lydia Furman. Sie äußert ihr Erstaunen darüber, welche
Mühe sich die Autoren gäben, ein ihnen unbequemes
Forschungsergebnis zum Verschwinden zu bringen (Furman
2003). Sie meint, die Autoren hätten "unglücklicherweise"
herausgefunden, dass eine Stimulantienbehandlung bei
Kindern den späteren Kokainmissbrauch wahrscheinlicher
mache, und gäben sich dann große Mühe, dem Leser
deutlich zu machen, dass daran angeblich doch nichts sei.
Furman verdächtigt die Autoren der Datenmanipulation im
erwünschten Sinne. Die Autoren seien nicht objektiv und
neutral, sondern unterlägen ihrer Voreingenommenheit im
Sinne einer grundsätzlichen Pro-Stimulantien-Einstellung,
der sich die statistischen Daten zu fügen hätten.
Schließlich strengten sie sich nicht gleichermaßen an,
ihre anderen, erwünschteren Ergebnisse ebenso kritisch
zu überprüfen. Darauf entgegnet Barkley, dass das
betreffende Ergebnis Zufall sein könne. Denn in vielen
anderen, ebenfalls kritischen Überprüfungen habe sich
nirgends ein Zusammenhang zwischen Stimulantienbehandlung
in der Kindheit und Drogenmissbrauch als Erwachsener
gezeigt. Er bleibe bei seiner Überzeugung, dass es
keinerlei überzeugenden Beleg für einen solchen
Zusammenhang gebe. Der Leser solle sich selbst ein Bild
davon machen, ob er, Barkley, voreingenommen sei (Barkley
2003, im Anschluss an Furman 2003).
Biedermann
u. a. fanden in einer zehnjährigen Studie, dass eine
Methylphenidatbehandlung für eine deutliche spätere
Alkoholabhängigkeit sorgte, und nicht etwa für einen
Schutz vor anderen Substanzen wie Nikotin oder illegalen
Drogen, wie es bisher Forscher behauptet hatten (Biederman
2008). Während man früher gedacht hatte, Methylphenidat
schütze vor späterer Sucht, zeigte sich also auch hier
keinerlei Schutzfaktor. Stattdessen trat erhöhter
Alkoholkonsum auf. Die Leute haben also unverändert
geraucht und kamen unverändert schwer an illegale Drogen
heran. Dafür haben sie aber mehr getrunken. Soll das
etwa bestätigen, dass Methylphenidat nicht süchtig
macht? Eher umgekehrt wird ein Schuh daraus.
"Wir
waren höllisch überrascht!",
so die international renommierte und bereits erwähnte
Hirnforscherin Nora Volkow über ihren Befund, dass
Methylphenidat nicht nur genauso, sondern sogar stärker
wirkt als Kokain. "Das hatten wir nicht erwartet!"
(Volkow 1995). Die werbewirksame Behauotung, Ritalin sei
lediglich ein harmloses Stimulans, wurde bisher von
vielen Ärzten, der Pharmalobby und ADS-Funktionären
weit verbreitet und von vielen Millionen hilfesuchender
Eltern gern angenommen. Man ließ sich all die Jahre
allzu gern dadurch täuschen, dass Ritalin geringere
Nebenwirkungen und kaum Suchtpotential im Vergleich mit
anderen bzw. anders dosierten Amphetaminen zu entwickeln
schien. Dabei war bei Usern und Klinikern aber recht
schnell bekannt, dass Methylphenidat, ein
Amphetaminabkömmling wie auch Exstasy, Speed, Pervitin,
bei entsprechender Dosierung und Einnahme, wie alle
Amphetamine oder "Weckamine", süchtig machen
kann und schädliche neurologische Wirkungen hat. Bei
gleicher Dosierung und Zuführung wirkt es, wie bereits
erwähnt, wie Kokain. Andererseits trugen die "hilfreichen"
Wirkungen der Substanz auf die Verhaltensprobleme
sogenannter ADHS-Kinder das ihrige zur Verharmlosung der
Schattenseite dieser Droge bei. Dieser Glaube an eine
harmlose, segensreiche Wundermedizin wurde mit dem
Aufsatz: "Warnung! Ritalin wirkt wie Kokain!"
von Brian Vastag im Journal of American Medical
Association gründlich erschüttert (Vastag 2001). Vastag
diskutierte die Ergebnisse der Ritalin- und
Kokainforschungen der Gruppe um Nora Volkow, die ihre
Daten damit zusammenfasst, dass der Glaube, Ritalin sei
ein harmloses Stimulans, "vollkommen unzutreffend"
sei. G. Ricaurte u.a. berichten über die von ihnen im
Tierversuch festge-stellte ernsthafte Hirnschädigung
durch partyübliche Dosierungen von Exstasy, der
bekannten und ebenfalls stets verharmlosten Mode- und
Partydroge (Ricaurte 2002). Auch Exstasy ist ein
Amphetamin-Abkömmling, so wie Ritalin. Auch die Befunde
Gerald Hüthers u.a., denen zufolge Methylphenidat im
Tierversuch dauerhafte Hirnveränderungen erzeugt, sind
noch in lebhafter Erinnerung (Moll 2001).
Es ist alles
komplizierter
Die Forschungsstudien von Nora Volkow zeigen, dass die
Dinge komplizierter sind, als bisher behauptet (u.a.
Volkow 1999, 2003, 2008). Die Forscher untersuchten die
Auswirkungen langfristiger oraler Methylphenidatgabe auf
Kokainsucht und striatale Dopamin-D2-Rezeptoren im
Tierversuch. Sie fanden, dass bei längerfristiger
Behandlung im Jugendalter die Neigung zur Kokainsucht im
Erwachsenenalter abnahm, während die Verfügbarkeit der
dopaminären D2-Rezeptoren über das Normalmaß der
Kontrollgruppe hinaus anwuchs. Während in der
Kontrollgruppe die D2-Verfügbarkeit mit wachsendem Alter
abnahm, stieg sie in den behandelten Gruppen mit der
Behandlungsdauer an. Bei kurzfristiger Behandlung zeigte
sich allerdings eine unter das Normalmaß absinkende D2-Verfügbarkeit.
Da man inzwischen aus anderen Studien von Volkow u.a.
weiß, dass eine niedrige D2-Rezeptorenzahl bei Mensch
und Tier mit erhöhter Neigung zur Drogensucht
einhergehen könnte (Volkow 1999), befürchten die
Autoren denn auch zu recht, dass sich bei entsprechender
Behandlungsdauer in entsprechendem Behandlungsalter eine
erhöhte Neigung zur Drogensucht im Erwachsenenalter
entwickeln könnte.
Volkow und Swanson stellen in jüngerer Zeit erneut
heraus, dass es nach wie vor eine Kontroverse gebe,
welche Effekte die frühe Methylphenidatgabe auf eine
spätere Drogensucht habe (Volkow 2008). Tatsache sei
zunächst, dass Methylphenidat genauso wie andere
suchtgefährdende Drogen die Dopaminkonzentration im
Gehirn erhöhe und potenziell suchtgefährdend ist.
Tatsache sei auch, dass Methylphenidat und Amphetamine
mit der Gefahr einer Suchtentstehung missbraucht werden.
Epidemiologische Studien haben gezeigt, dass der
Zeitpunkt im Leben eines Menschen, zu dem er potentiell
suchtgefährdenden Substanzen (wie Alkohol oder Nikotin)
ausgesetzt ist, eine wesentliche Rolle für eine spätere
Abhängigkeit spielt: Je früher. desto schädlicher.
Jeder erfahrene Kliniker kann bestätigen, dass früher
Gebrauch von Suchtmitteln spätere Drogensucht befördert.
Schon Stanton hat dies herausgestellt (Stanton 1979).
Andererseits wird behauptet, dass es für Kinder und
Jugendliche mit ADHS geradezu suchtverhindernd sei, sie
möglichst früh mit Methylphenidat zu behandeln. Wenn
man bedenkt, dass Kinder mit ADHS ohnedies stärker zu
späterer Drogensucht neigen sollen, ist diese
Kontroverse von erheblicher Bedeutung. Es sei
verwunderlich, stellen die Autoren fest, wie wenige
Studien sich mit dieser Kontroverse bisher befassten (Volkow
2008).
Aus Tierversuchen weiß man schon länger, dass
kokainsüchtige Tiere Methylphenidat als Kokainersatz
wählen. Dasselbe wird von kokainsüchtigen Menschen
berichtet (Breggin 2002). Lambert fand, dass mit
Methylphenidat behandelte ADHS-Kinder als junge
Erwachsene ein erhöhtes Risiko für Kokainmissbrauch
hatten (Lambert 1988; Lambert u. Hartsough 1998).
Volkow und Swanson zitieren zwei Forschungsstudien, die
eine von Biederman u.a. (Biederman 2008), die andere von
Mannuzza u.a. (Mannuzza 2008): Biederman verglich die
spätere Drogensucht von medikamentierten versus nicht
medikamentierten ADHSlern. Mannuzza untersuchte den
Zusammenhang zwischen dem Lebensalter zu Beginn einer
Medikation in der Kindheit mit späterem Drogenkonsum als
Erwachsener. Er verglich auch den Drogengebrauch in einer
ADHS-Gruppe im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne
ADHS und fand einen erhöhten Drogenmissbrauch in der
ADHS-Gruppe. Dass Drogenmissbrauch keineswegs spezifisch
für ADHS ist, sondern bei nahezu jeder psychischen
Störung komorbid ist, ist z.B. für die Schizophrenie
bekannt, bei der fast jeder zweite Kranke auch
Drogenmissbrauch zeigt (Volkow 2009).
In beiden von Volkow und Swanson zitierten Studien ergab
sich denn auch ein hoher Drogenmissbrauch in den
Erwachsenengruppen (bis zu 45%), aber beide Studien
zeigten auch, dass die kindliche Medikation mit
Methylphenidat keinerlei (weder steigernden noch
senkenden) Einfluss auf Drogenmissbrauch im
Erwachsenenalter hatte. Diese Studien waren methodisch
zwar nicht fehlerfrei (zu kleine Versuchsgruppen, nicht
gleichverteilte und unklare Medikationsbedingungen und -dauern,
etc.) und geben deshalb auf die wichtige Frage nach dem
Zusammenhang zwischen Lebensalter bei Beginn der
Medikation und späterem Drogengebrauch keine klare
Antwort. Man weiss aber aus anderen Studien, dass der
Beginn einer Methylphenidattherapie in der Pubertät (im
Unterschied zum Beginn in der Kindheit) die spätere
Sensitivität für Kokain erhöht (Volkow 2003). Volkow
und Swanson verweisen hier auf die zu diesem Zeitpunkt
noch laufende MTA-Studie, die hoffentlich mehr Aufschluss
hierüber liefern könnte.
Festzuhalten ist aber, dass beide zitierten Studien
herausfinden, dass der Einsatz von Methylphenidat
keineswegs späteren Drogenmissbrauch reduziert, wie
vorher gern behauptet wurde. Auch die Annahme, frühe
Methylphenidatgabe verringere das Entstehen von
Verhaltensstörungen besser als eine spätere Gabe,
wodurch auch späterer Drogenmissbrauch reduziert werde,
lässt sich durch die bisherigen Ergebnisse der großen
MTA-Studie nicht belegen: Dort hat sich gezeigt, dass die
frühe Methylphenidattherapie spätere
Verhaltensstörungen nicht verhindern kann. Auch die
Tatsache, dass sich in USA trotz eines dramatischen
Anstiegs der Methylphenidatgabe die Zahl von
Verhaltensstörungen nicht verringert hat, bestätigt
dies (Volkow 2008).
Man kann davon ausgehen, dass das letzte Wort noch nicht
gesprochen ist, ob und unter welchen Bedingungen
Methylphenidat spätere Drogensucht unbeeinflusst lässt,
eindämmt oder fördert. Die bisherigen Studien sind zu
undifferenziert und methodenschwach, sie haben sich z.B.
noch nie mit der so wichtigen Frage beschäftigt, ob die
Methylphenidatgabe nicht im Sinne einer Substitution (wie
Methadon für Heroin) selbst bereits eine
Drogenabhängigkeit kaschieren kann. Wenn eine psychische
Störung mit erhöhter Suchtgefahr einhergeht, kann ja
die Gabe eines Amphetamin-abkömmlings durchaus die
Möglichkeit einer legalisierten, medizinisch verbrämten
Suchtförderung bedeuten. Der Kinderarzt sozusagen als
Drogendealer. Der SPIEGEL erzählt die Geschichte der
ritalinsüchtigen Pharmazeutin Maria Westermann, die
ihren Alltagsstress anfangs mit einer Pille alle zwei
Tage beschwichtigen konnte. Aber bald konnte sie auf die
tägliche Dosis nicht verzichten, und nach sieben Monaten
musste sie 10 Tabletten täglich einnehmen, um die
gewünschten Effekte zu erreichen. Als sie nach zwei
Jahren bis zu 18 Tabletten am Tag schluckte, begann sie
zu zittern und hatte ständige Kopfschmerzen. Nun ging es
mit ihr bergab. Sie wurde reizbar, entwickelte paranoide
Verfolgungsideen und musste stationär in eine
Suchtklinik gehen (Der Spiegel 44/2009). Man muss
befürchten, dass solche Fälle immer mehr zunehmen
werden und die Behauptung, Ritalin mache nicht süchtig,
Lügen strafen.
Die zweite
Seite der Medaille
Dies führt uns nahtlos zur in der bisherigen
Argumentation sträflich ausge-blendeten Betonung
psychosozialer Einflüsse auf die Entstehung von
Drogensucht. Die bisherigen Ausführungen mögen
lediglich als neurobiologische Korrelate psychischer
Erfahrungen gelten. Hat Drogensucht eher soziale oder
biologische Ursachen? Das ist die typische Frage mit der
Sowohl-Als-auch-Antwort. Volkow und ihre KollegInnen
entdeckten einen Mechanismus im Hirn, der zumindest
unterschiedliche Reaktionen auf Rauschmittel erklären
kann. Demnach spielt, wie gesagt, die Anzahl der Dopamin-D2-Rezeptoren
im Hirn eine Rolle: Je weniger dieser Rezeptoren
vorhanden sind (warum auch immer), desto eher schätzt
eine Versuchsperson Methylphenidat. Menschen mit (warum
auch immer) höherer Rezeptorzahl, an denen normalerweise
der Botenstoff Dopamin "andockt", beschrieben
den Effekt von Methylphenidat eher als unangenehm. Aber
Volkow und KollegInnen räumen immerhin ein, dass es noch
"anderer Faktoren" bedürfe, um die Entstehung
einer Drogenabhängigkeit zu erklären (Volkow 1999).
Diese Einschränkung lässt hoffen, dass in Zukunft in
solche Untersuchungen endlich auch solche Faktoren im
Sinne von Erfahrungen und Umweltfaktoren einbezogen
werden.
Denn diese anderen Ursachen (und die Antwort
auf die obigen Warum-Auch-Immer-Fragen) liegen ohne
Zweifel in den lebensgeschichtlich begründeten
Lernerfahrungen eines Menschen, in den unterschiedlichen
Nutzungsbedingungen seines Gehirns (Hüther 2002)
begründet. Dass frühkindliche Traumatisierungen und
psychosoziale Mangelerfahrungen vielfältige Verhaltens-,
Entwicklungs- und Persönlichkeitsstörungen zur Folge
haben können, ist mittlerweile wissenschaftliches
Allgemeingut und muss hier nicht gesondert belegt werden.
Dennoch wird dies in der internationalen Therapie und
Diskussion von ADHS nach wie vor total ausgeblendet.
Früh gestörte Familienverhältnisse und
Bindungsstörungen (Brisch 2009), symtomneurotisch bzw.
charakterneurotisch gestörte Familiendynamiken (Richter
1976; 2007), insbesonders auch frühe Vaterlosigkeit bei
Söhnen (Fthenakis 1985) sind lange bekannt als
Risikofaktoren u.a. für spätere Sucht und Kriminalität.
In keiner bisherigen ADHS-Studie wurden derartige
lebensgeschichtliche Traumatisierungen einkalkuliert bzw.
kontrolliert. Die Forschung zu ADHS ist
bezeichnenderweise bisher nahezu ausschliesslich
biologistisch ausgerichtet, sie wird so die Frage nach
den Zusammenhängen von Sucht und ADHS nie umfassend
beantworten können.
ADHS bei Erwachsenen
Ritalin hilft auch
ohne ADHS
Die ADHS-Erwachsenen-Diagnose ist derzeit noch eine
relative Rarität, nimmt aber auch als Folge des
erheblichen pharmazeutischen Werbedrucks immer mehr zu.
Immer mehr Forschungsstudien erscheinen, die die
segensreiche Methylphenidatwirkung auch bei Erwachsenen
belegen. Das Ziel ist, den Markt zu erweitern und
Methylphenidat auch für Erwachsene zuzulassen. Es gibt
bereits Kliniken mit ADHS-Ambulanzen oder Stationen für
Erwachsene, wobei man bei näherer Betrachtung des
Therapieangebots den Eindruck gewinnt, dass diese
Entwicklung eher dem härter gewordenen
marktwirtschaftlichen Wettbewerb unter den
Krankenhäusern als einem wirklichen klinischen Bedarf
zuzuschreiben ist. Man fragt sich bereits, was danach
kommt: Methylphenidat bei Senioren-ADHS, besonders zu
empfehlen für die Bewohner von überforderten
Altenheimen?
Dass Methylphenidat in seiner Wirkung keinen Unterschied
macht zwischen ADHS-diagnostizierten Erwachsenen und
Normalpersonen, konnten Agay u. a. erst kürzlich in
einer methodisch guten Studie belegen: Es verbesserte in
jedem Fall und in demselben Ausmaß kognitive Leistung
und Entscheidungsprozess der Versuchspersonen, egal, ob
sie angeblich ADHS hatten oder nicht (Agay 2010). Der
Grazer Psychiater und Gerichtssachverständige Prof. Dr.
Peter Hofmann bringt es auf den Punkt: "Das ADHS ist
die gebräuchlichste Ausrede, um Österreich
flächendeckend mit Amphetaminen zu versorgen!" (Hofmann
2010).
Agay,
N., Yechiam, E., Carmel, Z., Levkovitz, Y.: Non-specific
effects of methylphenidate (Ritalin) on cognitive ability
and decision-making of ADHD and healthy adults.
Psychopharmacology (Berl). 2010 Apr 28
http://tinyurl.com/2g7tu57
Cafe Holunder Mai 2010
ADHS: Ritalin statt Erziehung?
Was Praktiker und Psychotherapeuten seit langem aus ihrem
Alltag kennen, haben nun erneut Forscher bestätigt:
Stockholm An einer
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (AHDS)
leiden bevorzugt Kinder aus sogenannten schwierigen
Familienverhältnissen. Schwedische Public Health-Forscher
führen in Acta Paediatrica (2010; 99: 920-924) die
Hälfte aller Erkrankungen auf ein niedriges
Bildungsniveau der Mutter und auf Alleinerziehende
zurück (1). Die Forscher fanden einen starken
Zusammenhang zwischen ADHS und sozioökonomischen
Faktoren. Mütter mit der geringsten Schulbildung hatten
zu 130 Prozent häufiger ein Kind mit ADHS als besser
ausgebildete Mütter.
Kinder von Alleinerziehenden bekamen 54 Prozent häufiger
Medikamente verordnet als Kinder, die zusammen mit beiden
Elternteilen wohnen. Die Tatsache, dass die Familien
Sozialhilfe erhielten, erhöhte die Wahrscheinlichkeit
einer AHDS-Medikation um 135 Prozent.
Mütter mit geringer Bildung sind oft auch in anderen
Bereichen sozial benachteiligt, schreiben die Autoren: Es
gebe mehr Stressfaktoren und die Kinder seien häufiger
schwer erziehbar. Alleinerziehenden fehle es häufig an
Zeit, Geld und sozialer Unterstützung. Hinzu kämen
nicht selten Familienkonflikte durch Trennung und
Scheidung sowie die Abwesenheit eines Elternteils (1).
Die gefundenen Zusammenhänge müssen natürlich kausal
nicht bedeuten, dass widrige sozioökonomische
Familienverhältnisse die Ursache seien für ADHS und die
Medikation. Aber der gefundene eindeutige und starke
Zusammenhang gibt dennoch sehr zu denken. Sollten die
Eltern etwa in ungünstigen sozioökonomischen
Verhältnissen leben, weil sie selber genetisch bedingt
unter ADHS leiden, das sie wiederum an ihre Kinder
vererben, so, wie sie es selber bereits von ihren Eltern
geerbt haben? Niedrige Bildung und gestörte
Familienverhältnisse also Folge genetischer Ursachen?
Diese Horrorvorstellung, die an den Rassenwahn des
Hitlerfaschismus erinnert, wagt wohl ernstlich niemand zu
postulieren. Also wird es wohl eher doch kausal so sein,
dass widrige Familienbedingungen, die psychosozial "vererbt"
werden, die Ursache für vielerlei psychische Störungen
und Entwicklungshindernisse, also auch "ADHS",
sind.
Erziehung, Psychoedukation und frühe Hilfen für
benachteiligte Kinder sind also das Rezept. Nicht das
Ritalin-Rezept.
(1) Aerzteblatt
Navi bei ADHS unbrauchbar
Wie neueste Forschungsergebnisse belegen, sind die in
Autos üblichen Navigationsgeräte (Navi) bei ADHS
unbrauchbar. Die mildtätige Ritalingabe hilft aber auch
hier.
Ohne Medikation neigen ADHSler allerdings aufgrund ihrer
typischen oppositionellen Tendenz dazu, den Anweisungen
des Navis entgegenzutreten und sie entweder zu ignorieren
oder ihr genaues Gegenteil auszuführen. ADHSler
verfahren sich also mithilfe des Navis generell.
Allerdings arbeitet die Industrie mittlerweile an einem
ADHS-Navi, das jeweils das Gegenteil der korrekten
Anweisungen mitteilt und die oppositionelle Tendenz des
ADHSlers dazu benutzt, auch ohne Ritalin problemlos ans
Wunschziel zu gelangen.
Quelle: Zeise
Ulli
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