Willkommen im CAFÉ HOLUNDER
ARCHIV:

ADS: Gibt´s das wirklich?

ADS-Bücher: Kritisch
betrachtet

Ritalin: Ein folgen-
schwerer Irrtum

Aus der Sicht unserer
Kinder

Das Verschwinden der Mädchen von der
Bildfläche

Gibt es ein Bisschen ADS?

Exklusiv: Die HÜTHER-Studie

Das Anlage-Umwelt-
Problem

Oh wie verführerisch
ist doch das ADS!

Alternativen bei ADS

Fragiles X-Syndrom

Alternative Behandlung
bei ADD

Familie und ADS

Alternative Sichtweisen bei ADS

Fundsachen: ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 1

Fundsachen: ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 2

Quellensammlung

Böse Witze

Jacob Cartoons


AD(H)S-KRITIK
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Willkommen im Café Holunder, in dem "ADS" bzw. "ADHS" ("Aufmerksamkeits- Defizit- Störung mit oder ohne Hyperaktivität") kritisch hinterfragt wird. Sie starten hier auf der aktuellen Seite 38. Oben sind alle Seiten bis ins Jahr 2001 verlinkt. Auch auf den Seitenbalken finden Sie interessante Informationen. Sie denken bei ADHS kritisch? Wie Ihr Hans Reinhard Schmidt.

Liebe Gäste des Café Holunder!
Nach 15 Jahren werden wir diese Webseite nicht mehr aktualisieren. Dies hat nicht zuletzt technische Gründe, denn die software, mit der wir diese Seite viele Jahre betrieben haben, ist nun wirklich vorsintflutlich und lässt sich kaum mehr aktualisieren.

Café Holunder ist nicht nur in Deutschland in ADHS-Kreisen ein fester Begriff geworden, geliebt und gehasst, wie es sich gehört. Fast 700 000 Gäste konnten wir in all den Jahren bewirten, ADS-Disk wurde sogar über 1 Mio mal besucht und bleibt auch in Zukunft offen. Café Holunder bleibt aber natürlich im Netz, so dass Sie auch weiterhin jederzeit die ca. 500 kritischen ADHS-Beiträge genießen können. Wir arbeiten inzwischen an einem Buch, in dem Sie viele der Beiträge wiederfinden werden.

Inzwischen hat sich unsere neue Filiale auf facebook Café Holunder: ADHS in der Kritik bei unseren Gästen durchgesetzt. Mehr als 100 000 Gäste konnten wir dort in kurzer Zeit bereits begrüßen, so dass wir uns hier immer aktuell und jederzeit treffen werden, und immer können Sie mitdiskutieren. Herr Zuckerberg nimmt uns ja dankenswerterweise auch alle software-Probleme ab.

Bleiben Sie uns also weiterhin gewogen! Bleiben Sie ein kritischer ADHS-Zeitgenosse. Sie wissen ja: Was Sie im Café Holunder bekommen, bekommen Sie nirgends sonst so gut. 

Café Latte, Capuccino oder Crème Arabica gefällig, auf Kosten des Hauses? 

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EMOTIONALE INTELLIGENZ BEUGT "ADHS" VOR

Daniel Goleman schreibt in seinem sehr empfehlenswerten Buch "EQ: Emotionale Intelligenz" auf Seite 240:
"Das Familienleben ist unsere erste Schule für das emotionale Lernen; in diesem engen Kessel lernen wir, wir wir uns selbst empfinden sollen und wie andere auf unsere Empfindungen reagieren, wie wir von diesen Empfindungen denken sollen und welche Reaktionen uns offenstehen, wie wir unsere Hoffnungen und Befürchtungen deuten und ausdrücken sollen. Diese Schulung der Gefühle erfolgt nicht bloß mittels der Dinge, die Eltern ihren Kindern direkt sagen oder die sie mit ihnen machen, sondern auch über die Vorbilder, die sie abgeben bezüglich des Umgangs mit ihren eigenen Gefühlen und mit den Gefühlen, die zwischen Mann und Frau ausgetauscht werden. Manche Eltern sind begabte emotionale Lehrer, andere sind entsetzlich."

Emotionale Intelligenz ist erziehungsabhängig. Emotional intelligente Erziehung und die Entwicklung von Empathie
schlagen sich auch in der Ausprägung spezieller Hirnstrukturen nieder (Spiegelneuronen). In einer aktuellen
Studie wurde nun gezeigt, dass emotional intelligente Kinder weniger "ADHS" entwickeln. Es zeigte sich
ein deutlicher negativer Zusammenhang zwischen emotionaler Intelligenz und "ADHS": Wenn Kinder eigene
und fremde Gefühle gut verstehen und ausdrücken können, können sie eigene Gefühle besser regulieren und
erhalten später viel seltener eine ADHS-Diagnose.

Ein erneuter Beleg dafür, dass "ADHS" eine ganz profane erziehungsbedingte Verhaltensauffälligkeit ist.
http://www.news4teachers.de/…/studie-wenig-verstaendnis-fu…/


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DONALD DUCK HAT ADHS

Anlässlich des 10. Todestages der geliebten Erika Fuchs, die Entenhausen nach Oberfranken in Deutschland verlegte und geniale Spruchblasen ausdachte wie: Dem Ingeniör ist nichts zu schwör, möchten wir zur Aufklärung der hochverehrten Öffentlichkeit allerfreundlichst darauf aufmerksam machen, dass Donald Duck DER typische ADHSler ist:

Als ADHSler befindet sich Donald Duck in bester Promi-Gesellschaft (mit z.B. Dschordsch Dabbelju Busch, Albert Einstein, Popeye, Maite, dem Lieben Gott, Nicole Referendarin (unveränderliches Kennzeichen: 26 = 5 + 21), Rumpelstilzchen, Rudolf Scharping (einer der äußerst seltenen und vom Aussterben bedrohten Hypos, weshalb ihn heute auch kaum einer mehr kennt), Britney Spears, Paris Hilton, Robin Williams, Jennifer Lopez, um nur die Allerwichtigsten zu nennen).

Über Donalds Eltern wissen wir nichts außer der belanglosen Tatsache, dass seine Mutter eine geborene Jungerpel war. Wo auch immer er aufwuchs: seine Kindheitsentwicklung unterlag Störungen, unter denen er als Erwachsener zu leiden hatte. Eine Identifikation mit einem der beiden Elternteile fand nicht statt, die notwendige frühkindliche Abspaltung des Über-Ich vom Ich unterblieb. Auf der Suche nach der frühverlorenen Identität entwickelte er ein Ich-Ideal, das bloßer Reflex vorgegebener Leitbilder und herrschender Werte bleibt.

Mit unbeirrbarer Hartnäckigkeit und auf den verschiedensten Wegen jagt Donald der öffentlichen Anerkennung nach, getrieben von dem Verlangen, etwas Spektakuläres zu tun: So wie Dussel Duck, der Held von Entenhausen! Im Jahre 1882 warnte er die Entenhausener vor dem Herannahen der großen Schnupfenepidemie, so dass sich alle noch rechtzeitig mit Papiertaschentüchern eindecken konnten.
Beherzt schreitet er zu Taten. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit will er den Ärmelkanal durchschwimmen und dabei eine Pampelmuse auf einer Makkaroni balancieren. Obwohl völlig untrainiert, nimmt er an den Ausscheidungswettkämpfen zu den Olympischen Spielen teil, denn schließlich hatte er ja drei Jahre zuvor den dritten Preis im Sackhüpfen beim Wiesenfest gewonnen.

Die steten Misserfolge Donalds bedrücken auch seine Neffen. Sie zeigen eine gewisse menschliche Größe,
indem sie nicht offen mit ihm hadern, unter sechs Augen aber verhehlen sie ihren Kummer nicht: „Wenn Onkel
Donald ein Künstler wär‘ und im Fernsehen aufträte, könnten wir auch stolz sein. Ist er aber nicht.“  Wo es nur geht, versuchen sie, seinem Ansehen aufzuhelfen. Eine Gelegenheit bietet sich, als der größte Kinderfreund Entenhausens gesucht wird. Donald bewirbt sich und führt gegen den Konkurrenten Gustav Gans einen Wahlkampf im besten Waschmittelstil: „Für diejenigen unter Ihnen, meine kleine Herren und Damen, die mich noch nicht kennen sollten,
möchte ich bemerken, dass ich selbst einmal jung war.“ Er unterstützt seine Selbstanpreisung mit dem
bedenkenlosen Verteilen von Wahlgeschenken, was nicht verhindert, dass er auch bei diesem Sprung in
die Öffentlichkeit wieder einmal auf den Pürzel fällt.

Ein widriges Geschick namens ADHS versagt ihm stets den Erfolg und zwingt ihn immer wieder in entwürdigende Lohnabhängigkeit zurück. Gewiss erledigt Donald seine Aufgabe nicht ungeschickt, doch in welchen Abgrund der Entfremdung stürzt er sich und um welchen Preis! Dabei ist er keineswegs zu dumm oder ungeschickt, um in einem ausgewogenen Verhältnis von Fähigkeit und Leistung nützliche Arbeit zu tun. Zum Beispiel ist er ein glänzender
Autofahrer und ein Meister der Flugkunst, der es versteht, Regenwolken präzise über durstigem Acker zur
Entladung zu bringen. Sein labiler Charakter aber, gepaart mit überspannten Hoffnungen auf gesellschaftliche
Reputation, verkehrt sein Talent ins Negative. Der Stand der Wissenschaft verbietet uns die Annahme, dass Donalds negative Eigenschaften als dünne Striche auf seinen Chromosomen eingezeichnet sind. Vielmehr fällt er unter die Bruchquote einer prestigeorientierten Leistungsgesellschaft.

Sein Hang zur Uniform ist notorisch. Feuerwehrmann und Postbote, Stationsvorsteher und Grenzpolizist sind Berufe, die ihn begeistern. Einen Höhepunkt in dieser Sparte erreicht er als Schulpolizist. Hier bricht der latente Faschismus eines in seiner Persönlichkeitsentwicklung gehemmten und in seiner sozialen Rolle total verunsicherten Menschen auf (Doppel-Seufz).  

http://www.duckipedia.de/index.php5?title=Erika_Fuchs

Literatur:
Grobian Gans: Die Ducks. Psychogramm einer Sippe. Soziologie unserer Tage in der Wissenschaftlichen
Verlagsanstalt zur Pflege Deutschen Sinngutes
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Schmidt Hans R.: Ich lerne wie ein Zombie. Plädoyer
für das Abschaffen von ADHS.

Bald als Neuauflage bei SPRINGER im Handel. Der Psychotherapeut Hans Reinhard Schmidt unterzieht nun das Konstrukt ADHS in
einem Buch, das dieser Tage bei Centaurus erschienen ist, einer radikalen Kritik. Er
kommt zum Ergebnis, dass die Konstruktion dieser Krankheit mehr Unheil als Segen mit
sich bringt und abgeschafft bzw. überwunden werden sollte." kinder-lobby.at am 24.08.2010. "Insgesamt arbeitet Schmidt als seine Position heraus: Es gibt kein ADHS und kein ADHS-Kind, sondern viele verschiedene Kinder mit vielen verschiedenen Gründen für ihre Unaufmerksamkeit und Unruhe." Lothar Unzner.
Rezension vom 10.01.2011 zu: Hans Reinhard Schmidt: Ich lerne wie ein Zombie. Centaurus Verlag & Media KG
(Freiburg) 2010. 332 Seiten. ISBN 978-3-86226-010-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245

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ADHS UND DIE GENE:  EINE IRRFAHRT

In der ZEIT  liest man dieser Tage Verwunderliches über die Macht unserer Gene:  Der US- Psychologe Plomin hat tausende eineiige und zweieiige Zwillinge miteinander verglichen und fand, dass unsere Intelligenz zu 60 Prozent genetisch festgelegt sei. Dabei handelt es sich allerdings um eine traditionelle Studie zur Verhaltensgenetik, bei der gar keine Gene, sondern nur menschliches Verhalten gemessen wird. Die Verhaltensgenetik sah sich in der Vergangenheit denn auch starker Methodenkritik ausgesetzt, weshalb die Plomin-Studie eher in den Bereich wissenschaftlichen Aberglaubens fällt. Beim Vergleich eineiiger mit zweieiigen Zwillingen wird z. B. von der falschen Annahme gleicher Umwelten ausgegangen (EEA= Equal Environment Assumption). Gruppenunterschiede sollen dann ganz einfach auf die unterschiedlichen Gene zurückgehen.Dabei wird aber ausgeblendet, dass sich die psychologische Umwelt bei eineiigen Zwillingen von derjenigen von zweieiigen Zwillingen deutlich unterscheidet. Die psychosoziale Umwelt reagiert auf eineiige Zwillinge anders als auf Mehrlinge oder Geschwister. Die Bindungsforschung konnte z.B. zeigen, dass Geschwisterkinder zu 50 bis 65% denselben Bindungstyp an die Mutter aufweisen, Zwillinge aber nur zu 30 bis 50 %. Zwillinge zeigten sich häufiger ganz unterschiedlich an die Mutter gebunden, als Geschwisterkinder. Fazit: Studien, die die EEA bei Zwillingen unterstellen, sind daher wissenschaftlich leider ziemlich wertlos.

So hat der amerikanische Forscher Jay Joseph 2011 die Fortschritte der Verhaltensgenetik der letzten 20 Jahre insgesamt, also inklusive ADHS, kritisch analysiert und kommt zu einem sehr ernüchternden Ergebnis: Trotz erheblicher Methodenkritik an der Verhaltensgenetik mit all ihren Vergleichen von gemeinsam oder getrennt aufgewachsenen Zwillingen, eineiigen und zweieiigen Zwillingen, Adoptiv- und Geschwisterkindern behaupten immer noch Wissenschaftler, dass z. B. ADHS bis zu 90% vererbt sei, obwohl Familien- und Zwillingsstudien in Wahrheit überhaupt keine Aussage über Genetik versus Umwelt zulassen. All die auftretenden Unterschiede lassen sich auch vollständig durch nicht-genetische Einflüsse erklären. Joseph resümiert: „Wir können nicht erwarten, dass die führenden Verhaltensgenetiker eingestehen, dass die Grundannahmen ihres Forschungsgebiets falsch sind, dass ihre hochgelobten Forschungsmethoden massiv fehlerhaft und durch Umwelteinflüsse konfundiert sind, und dass familiäre, soziale, kulturelle, ökonomische und politische Einflüsse es sind, - und nicht genetische-, die psychiatrische Störungen und die Variation menschlichen Verhaltens hauptsächlich begründen.“ (Joseph 2011).Nun aber zur Molekulargenetik, bei der man nicht vom Verhalten ausgeht, sondern gezielt nach beteiligten Genen sucht. Von ihr erhoffte man sich eine Überwindung der Methodenschwäche der Verhaltensgenetik. Bobb u.a. haben 2004 alle über 100 Forschungsstudien zur molekularen Genetik der ADHS der Jahre 1991-2004 kritisch gesichtet, darunter 3 genomweite Assoziationsstudien mit 94 Polymorphismen und 33 Kandidatengenen. Sie finden, dass ADHS eine sehr "komplexe" Störung mit vielfältiger, aber jeweils schwacher genetischer Beteiligung sei, und fassen dann zusammen, dass es nur für 4 Gene einigermaßen gesicherte, aber nur bescheidene und auch nur statistische Zusammenhänge gibt. 36 % aller Studien konnten Zusammenhänge finden, 47 % aber nicht, die restlichen 17 % zeigten nur 'Trends", wobei man diese 17 % statistisch nicht gesicherten Studien durchaus zu den erfolglosen 47 % addieren darf. Damit sind also 64 % aller Genstudien zu ADHS in 13 Forschungsjahren ergebnislos geblieben. Aber auch bei den "positiven" Ergebnissen besteht nach wie vor das Problem einer nur sehr bescheidenen Beteiligung dieser Gene an ADHS-Verhalten, betonen die Autoren. Die Befunde decken meist nur ca. 5% des Verhaltens ab, 95% bleiben also unklar. Die Kausalität ist dabei ohnedies immer unklar, ein statistischer Zusammenhang zweier Merkmale besagt ja nicht viel mehr, als dass der Storch die Kinder bringt, weil die Geburtenzahl zeitgleich mit der Rückkehr der Störche aus dem Süden steigt.

In einer ganz aktuellen Metaanalyse von sogar über 300 molekulargenetischen Studien zu ADHS stellen Li u. a. 2014 abschließend fest: "...current findings from genetic studies of ADHD are still inconsistent and inconclusive..." Übersetzt: Der gegenwärtige Forschungsstand genetischer Studien zu ADHS ist immer noch uneinheitlich und ergebnislos, aber die Zukunft (und damit weitere Forschungsgelder) werde alles klären. Deutlicher kann man nicht klarstellen, wie es mit Behauptungen aussieht, ADHS sei eindeutig genetisch bedingt!

Plomin, der international bekannte Verhaltensgenetiker, konnte 2011 keinen einzigen replizierten, also in Nachfolgestudien bestätigten, Genfund anführen. Statt nun aber den Schluss aus diesem jahrzehntelangen Forschungsdesaster zu ziehen und festzustellen, dass es gar keine Gene gibt, die komplexes menschliches Verhalten kausal festmachen (Gene machen kein Verhalten, sie kodieren nur Proteine), proklamieren Forscher in Analogie zur schwarzen Materie im Weltall die sog. „unentdeckte Erblichkeit“ (missing heritability), um die krasse Differenz zwischen quantitativen und molekulargenetischen Befunden zu erklären. Es müsse diese Erblichkeit auch molekulargenetisch ganz einfach geben, man habe sie bisher nur noch nicht entdeckt.

Was aber ausschlaggebend ist: Die neueren Erkenntnisse der Epigenetik lassen die gesamte Genetik zu einem Teilbereich des Hirnstoffwechsels werden und differenzieren die bisherigen Kenntnisse. Es ist Tatsache, dass die Umsetzung von genetischen Informationen unter dem Einfluss der Umwelt geschieht. “Es gibt einen zweiten Eingabepfad, und an dem sitzt nicht die DNA, sondern die Umwelt an der Tastatur” (Kegel 2009, 181). Der damit einhergehende Fortschritt besteht zunächst darin, dass nicht mehr behauptet werden kann, es ginge bei der Genetik um die Vermittlung vorgegebener Codierungen - die klassische Vorstellung von “Erblichkeit”. Ein Gen kann noch so viel Pathologie enthalten: nur wenn es aktiviert wird, kommen diese Gene zur Wirkung. Damit gewinnen aktivierende oder abschaltende Einflüsse –sprich: Umweltfaktoren- entscheidende Bedeutung. Aber die Erkenntnisse der Epigenetik sind weit davon entfernt, eine neue Phase zur Entschlüsselung des Genoms einzuleiten. Im Gegenteil:  sie machen deutlich, dass die Genetik mit ihren unendlich vielfältigen wechselseitigen Wirkfaktoren den Gesetzen der Komplexität unterliegt und das Geschehen daher nicht durch die Eigenschaften einzelner Elemente, sondern durch deren Bedeutung im jeweiligen Kontext bestimmt wird. Offenbar orientiert sich daran auch die Rolle der Gene. Dann erscheint es weniger erstaunlich, dass der Mensch mit so wenig Genen auskommt und andere Faktoren offenbar von größerer Bedeutung sind. Angesichts dieses Erkenntnisstands ist es eher erstaunlich, dass in der Fachliteratur über die Verursachung psychopathologischer Krankheits-“Bilder” wie „ADHS“ häufig noch die klassische Vorstellung von “Erblichkeit” vertreten wird, sobald familiäre Häufung und möglicherweise noch molekulargenetische Auffälligkeiten zu beobachten sind. Offenbar fällt es schwer, sich auf die Verunsicherung durch nichtlineare Systeme einzulassen. Diese Angst scheint so schwer zu wiegen, dass sie wissenschaftliche Befunde ausblenden lässt. Dies gilt nicht zufällig auch für die Thematik der Nichtlinearität in der Neurobiologie.

Li, Z. u. a.: (2014): Molecular genetic studies of ADHD and its candidate genes. A review.
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24863865

Joseph, J. (2011): The crumbling pillars of  behavioral genetics.
http://www.criticalpsychiatry.net/?p=624
Von Lüpke, H.: Epigenetik. In: Evertz, K., Janus, L., Linder, L. (Hg.): Lehrbuch der Pränatalen Psychologie. Mattes Verlag Heidelberg (2014), S.104-110.
Bobb, AF (2004): Molecular genetic studies of ADHD: 1991 to 2004. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15700344
Die ZEIT
http://www.zeit.de/…/23/intelligenz-vererbung-iq-robert-plo…

Café Holunder im Juni 2015

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THE HUFFINGTON-POST
Hans-Reinhard Schmidt
DOPING FÜR ALLE

http://www.huffingtonpost.de/hansreinhard-schmidt/doping-fuer-alle-adhs-kinder-medikamente_b_7210960.html

 

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ADHS gibt es nicht!
Unter den Millionen Menschen mit der Diagnose ADHS ist kein einziger zu finden, der wirklich ADHS hat. Das behauptet der amerikanische Kinderarzt und Neurologe Richard Saul. Das Schlimme daran: Die von dieser Diagnose Betroffenen werden alle falsch behandelt. Der Autor erläutert, was wirklich hinter den Auffälligkeiten und Symptomen steckt.

In den vergangenen Jahrzehnten hat es eine rasante Zunahme der Diagnosen und Arzneiverordnungen für ADHS-Patienten gegeben. Bundesweit wird 6,5 Prozent aller zehn- bis zwölfjährigen Jungen ein Präparat wie Ritalin verordnet. Substanzen, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, gravierende Nebenwirkungen haben, abhängig machen können und die Betroffenen nicht heilen. Dabei gibt es, laut Saul, das Krankheitsbild ADHS überhaupt nicht. In Wirklichkeit liegen den beobachteten Symptomen ganz andere Störungsbilder zugrunde. Erkennt und therapiert man diese, so verschwinden auch bald die Symptome der Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsanzeichen.
Klett-Cotta

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Erneut kritisiert UNO: Schweizer Kinder schlucken zu viel Ritalin
Der UNO-Kinderrechtsausschuss geht mit der Schweiz hart ins Gericht. Bei Kindern und Jugendlichen werde «exzessiv» ADHS diagnostiziert und entsprechend würde Ritalin verabreicht.

Lesen mehr hier:
UNO-Kinderrechteausschuss

 

Sensationelles Forschungsergebnis.
HYPERAKTIVER PUDDING ENDLICH RUHIGGESTELLT


Betroffene Eltern wissen es seit Langem: Wackelpeter (Götterspeise) flutscht vom Löffel, wackelt und glippert unentwegt. Für unsere eh schon hyperaktiven Kinder eine einzige Ferkelei. Nun winkt endlich Abhilfe.
Der Pharmakonzern Filly weist jetzt in einer bezahlten Studie nach, dass eine Zugabe von 5mg Riddelin zum Wackelpeter dessen bisherige Hyperaktivität völlig ruhigstellt. Das Foto bewist es. Für unsere betroffenen Kinder ein starker Verbraucherhinweis. Filly weist darauf hin, dass farbliche Hautveränderungen der Kinder allein auf den Wackelpeter zurückgehen.

 

Pharma-Konzern Shire zahlt über 56 Millionen Dollar Strafe in Sachen Elvanse

Der amerikanische Pharmakonzern Shire wurde wegen zahlreicher Unregelmäßigkeiten und Betrügereien im Zusammenhang mit der Zulassung des ADHS-Medikaments Elvanse zu einer hohen Geldstrafe verurteilt. Das Mittel hat außerdem keinen Zusatznutzen im Vergleich zu anderen Medikamenten, trotzdem wurde es in Deutschland zugelassen und wird seit Kurzem sogar von den Krankenkassen erstattet. Ausführlicher zu diesem Skandal.

Wer sich darüber hinaus mit diesem Dauerfiasko beschäftigen will ( - und das sollte eigentlich jeder, der hier mitliest!), dem empfehle ich das aktuelle Buch von Peter C. Gotsche. Bei der Lektüre gehen einem die Haare aus - ganz ohne Medikamente.

Heiner Mittel
Nov. 2014

 


Wir alle haben ein Gen für einen Tierschwanz.
Aber wen juckt das?


Nach wie vor behaupten Fachleute (und Laien sowieso), dass "ADHS" genetisch bedingt sei. Also eine Hirnfunktionsstörung
genetischen Ursprungs. In Wirklichkeit gibt die Wissenschaft aber eine solch kühne Behauptung keineswegs her. Wie es um
die Forschungsergebnisse der Verhaltensgenetik aussieht, haben wir hier bereits mehrfach berichtet (
Felix Hasler, auch
Schwarze Materie
). Die bisher gefundenen Gene, die mit "ADHS" zusammenhängen sollen, decken jeweils nur einen ganz
kleinen Varianzteil des Verhaltens ab (ca. 5%, 95% bleiben also unklar), außerdem sind sie nur statistisch korrelativ ermittelt und erklären kausal rein gar nichts. Die Geburtenrate korreliert ja bekanntlich mit der Rückkehr der Störche, ohne dass es dabei einen ursächlichen Zusammenhang gibt. Gene erzeugen ganz einfach kein spezifisches Verhalten, sie erzeugen nur Proteine.

Eines dieser "ADHS-Gene" nennt man DRD4-Gen. Seine Mutation soll mitverantwortlich dafür sein, dass ein Kind die
Krankheit ADHS hat. Was davon zu halten ist, zeigt eine wissenschaftliche Studie von Marian Bakermans-Kranenburg: Sie
untersuchte kleine verhaltensauffällige Kinder von 1 - 3 Jahren. Es waren Kinder, die kaum ruhig zu kriegen waren, um sich
schlugen und auf ihre Altersgenossen einprügelten, die also alle Anzeichen einer späteren ADHS-Diagnose zeigten.
Bakermans besuchte die Familien dieser Kinder 8 Monate lang, filmte ihr Familienleben und beriet sie in Erziehungsfragen.
Am stärksten blühten dabei diejenigen Kinder auf, die eine Mutation im besagten DRD4-Gen aufwiesen, während die anderen ADHS-Kinder, die diese Mutation nicht hatten, auch, aber deutlich weniger profitierten. Wenn die genmutierten Kinder feinfühlige Eltern hatten, waren sie im Alter von 3 Jahren sogar besonders umgänglich, ihr Liebreiz war stärker als der von anderen Kindern (zit. Chr. Berndt).

Interessant, nicht wahr? Erstens ist erstaunlich, dass viele ADHS-Kinder das mutierte Gen gar nicht aufwiesen. Zweitens ist
erstaunlich, dass Familientherapie gerade bei denjenigen Kindern besonders effektiv war, die dieses mutierte Gen hatten. Man kann dies eigentlich nur so verstehen, dass das mutierte DRD4-Gen gar nicht mit "ADHS" zusammenhängt, sondern mit
einer erhöhten Sensibilität für Umwelteinflüsse. Diese Erklärung wird ja auch durch zunehmend viele Forschungsergebnisse
untermauert, die sich mit Gen-Umweltinteraktionen beschäftigen: "Schlechte" Gene kommen nur dann zur Geltung, wenn auch "schlechte" Umwelterfahrungen auftreten. Unter "guten" Umwelterfahrungen jucken uns solche Gene überhaupt nicht. Schliesslich haben wir alle auch ein Gen zur Entwicklung eines Tierschwanzes. Aber wen juckt das?

Fazit: Es wird höchste Zeit, dass die ADHS-Forschung Umwelterfahrungen nicht länger ausblendet. Es wird deshalb auch
höchste Zeit, dass die ADHS-Forschung und vor allem die -praxis die Effektivität von Psychotherapie akzeptiert.


1. Bakermans-Kranenburg, MJ. et. al.(2008):Experimental evidence of differential suscebtibility: Dopamine D4 receptor
polymorphism (DRD4 VNTR) moderates intervention effect on toddler´s externalizing behavior in a randomized controlled trial.
Dev.Psychol., Bd. 44, S. 293
2. Chr. Berndt: Resilienz. dtv 2014

Café Holunder September 2014


MAINZER LANDTAG PRÜFT ADHS
ADHS-DEUTSCHLAND VON PHARMAKONZERN GESPONSERT


Wir haben kürzlich hier darüber berichtet, dass Rheinland-Pfalz in Deutschland die höchste Anzahl von ADHS-Diagnosen und -Medikationen hat. Dies hat inzwischen die dortige Politik auf den Plan gerufen, man hat sich sachkundig gemacht, wobei auch unsere KONFERENZ ADHS Aufklärung liefern konnte. Frau Prof. Dr. Birgit. Herz, Leibniz-Universität Hannover und Kuratoriumsmitglied der KONFERENZ ADHS, wurde gebeten, eine ausführliche fachliche Stellungnahme abzugeben, die inwischen in einen Prüfantrag der dortigen CDU-Fraktion eingeflossen ist.

Auf der Ursachensuche für die peinlich hohe ADHS-Dichte in Rheinland-Pfalz hatten wir auf JUVEMUS, Mitglied der Bundesvereinigung Aufmerksamkeitsstörung Deutschland e.V. (BVAD), hingewiesen. Solche Selbsthilfe-Vereine propagieren oft eine einseitige und unkritische Sicht auf ADHS, die zur unbegründeten Verbreitung von Diagnose und Medikation führen kann.

Eine weitere mögliche Ursache erwähnt Ludger Fittkau kürzlich:im DEUTSCHLANDFUNK : "Ein international agierender Produzent von ADHS-Medikamenten mit Sitz auf der Insel Jersey spendierte der deutschen Selbsthilfegruppe ADHS Deutschland e.V. für Telefonberatung im vergangenen Jahr mehrere tausend Euro. Selbsthilfegruppen gelten als gute Multiplikatoren für Arzneimittel." (zit. Fittkau DLF 02.06.2014). Der Pharmariese ist wohl Shire.

Ob also Ratsuchende, die sich an die Telefonberatung des Vereins ADHS-Deutschland wenden, wirklich unabhängig beraten werden, müssen sie nun selbst entscheiden.


Deutschlandfunk
Landtag Rheinland-Pfalz: Antrag CDU


Methylphenidat: Chaos im Cortex

Der AOK-Fehlzeiten-Report 2013 belegt einen erschreckenden Anstieg von Fehltagen, die auf Hirndoping zurückzuführen sind: von 8000 auf knapp 30 00. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass ein großer Anteil der Bevölkerung kognitive Stimulantien konsumiert“, so die Autoren einer aktuellen US-amerikanischen Studie (1). Gerade unter Schülern und Studenten nehme der Leistungsdruck immer mehr zu. Häufig greifen die Betroffenen dabei auf den Wirkstoff Methylphenidat zurück, der u. a. unter dem Handelsnamen Ritalin® zur Behandlung der Aufmerksamkeitsstörung ADHS verschrieben wird (2)..

Das bleibt nicht ohne Langzeitfolgen, warnen die Wissenschaftler. Bei Kindern und Jugendlichen ist der präfrontale Kortex noch in der Entwicklung, weshalb Psychopharmaka wie Ritalin die Ausreifung dieses Hirngebiets stören und zu bleibenden Verhaltensänderungen führen können. Im Tierversuch konnten die Forscher erneut bestätigen, was man schon länger auch aus anderen Studien kennt: Langfristig werden das Arbeitsgedächnis und die Lernfähigkeit verringert, die Verhaltensflexibilität wird wahrscheinlich insgesamt lebenslang beeinträchtigt (1). In starker Ausprägung kennt man dies unter dem Begriff "Zombie".

Die Autoren empfehlen deshalb etwas blauäugig, Methylphenidat nur bei "gesicherter ADHS-Diagnose" zu verschreiben. Aber wann ist diese Diagnose "gesichert"? Es gibt ja keinerlei einigermaßen objektive oder medizinische Marker, die diese Diagnose sichern könnten. Schlichte Fragebögen und subjektive Verhaltensbeschreibungen, bei Erwachsenen sogar weit rückblickend (!), sind keineswegs geeignet, eine medizinische Diagnose zu begründen, die den Einsatz von in ihrer Langzeitwirkung besorgniserregenden Psychopharmaka rechtfertigen. Die ADHS-Diagnose ist und bleibt eine medizinische Pseudo-Diagnose, die weit überwiegend medizinisch gesunde Kinder und Jugendliche zu Hirnkranken macht.

Wenn man die hier zitierte Studie heranzieht: im wahrsten Sinne des Wortes.

(1) Kimberly R. Urban et. al. Performance enhancement at the cost of potential brain plasticity
(2)
Caos im Cortex

Cafe Holunder Juli 2014


Angstmachen mit "ADHS"

Kürzlich erzählte uns ein Vater, dass der Kinderarzt ihn gewarnt habe, wenn man seine kleine 7-jährige Tochter jetzt nicht gegen ADHS mit Pillen "therapiere", werde sie später einmal wahrscheinlich drogensüchtig und/oder kriminell. Zum Kinderarzt waren die besorgten Eltern von der Lehrerin geschickt worden, die sich als kompetent in Sachen ADHS bezeichnet hatte (ihr eigener Stiefsohn leide daran), weil das Töchterchen im Unterricht "unaufmerksam" sei. Verständlich, dass diese Eltern in Panik gerieten und nach einer zweiten Fachmeinung suchten.

Derartige skandalöse Vorkommnisse werden uns immer häufiger vorgetragen, mit der Bitte, dazu Stellung zu nehmen. Was uns immer wieder verwundert ist, dass Eltern beim Verdacht auf Verhaltensschwierigkeiten ihres Kindes als Erstes zum Arzt rennen und sich stattdessen nicht an den Erziehungsberater oder Schulpsychologen wenden. Allgemeinaerzte sind für psychogene Verhaltensschwierigkeiten oft gar nicht kompetent. Sie sind zuständig für medizinische Krankheiten, und ADHS ist gar keine solche.

Was den erschreckten Vater betrifft, konnten wir ihn z. B. mit der aktuellen Forschungsstudie von Dragana Ostojic, Alice Charach u. a. beruhigen. Die kanadischen Forscher fanden, dass die Diagnose ADHS Jahre später bei Jugendlichen in keinem Zusammenhang stand mit Zigarettenrauchen, Alkohol- oder Cannabisgenuss. Die Jugendlichen unterschieden sich nicht von der Allgemeinbevölkerung. Die Forscher unterstreichen außerdem, dass ihr Ergebnis in einer zunehmenden Reihe von Forschungsstudien zu sehen ist, die keinerlei Zusammenhang von ADHS mit späterem Drogenmissbrauch bei Jugendlichen feststellen.
Die widersprüchliche Forschungslage hängt damit zusammen, dass oft nicht sorgfältig zwischen ADHS und psychoreaktiven Verhaltensproblemen unterschieden wird. Gängige frühkindliche Verhaltensstörungen stehen durchaus im Zusammenhang mit späterer Drogensucht oder Kriminalität. Reines ADHS aber keineswegs.

Ob dies der erwähnte Arzt aber in angemessener Zeit zur Kenntnis nehmen wird, ist zu hoffen.

Childhood ADHD and Addictive Behaviours in Adolescence: A Canadian Sample


KONFERENZ ADHS: NEUES POSITIONSPAPIER
"ADHS" BEZEICHNET VERHALTEN, NICHT DESSEN URSACHEN

1. Es ist pseudowissenschaftlich, unredlich und unverantwortlich, zu behaupten, Verhaltensauffälligkeiten, psychische und soziale Probleme seien biologische oder medizinische. Das entspricht nicht dem wissenschaftlichen Stand und ignoriert die Erkenntnisse der Säuglings-, Bindungs-, Gen- und Hirnforschung der letzten Jahrzehnte, die belegen, dass die Nervensysteme aller Menschen interaktiv-plastisch sind und sich subjektive Erfahrungen der mitmenschlichen Beziehungsumwelt strukturell in ihnen niederschlagen.
Das bedeutet: Alle Kinder, die psychisch leiden und später andere und sich selbst leiden lassen, haben früh subjektive Problemlagen mit ihren engsten Bezugspersonen erlebt. Sie haben einen Anspruch darauf, mit diesen Erfahrungen gesehen, ernst genommen, verstanden und nicht einfach mit einer Diagnose als "hirnkrank" abgestempelt zu werden.
Es geht dabei nicht um "Schuld", sondern um erlebbare Zusammenhänge. (Lesen Sie weiter...)
Positionserklaerung

Cafe Holunder, Mai 2014


Die UNO und ADHS
UNO-Berater kritisiert ADHS
"Ritalin ist fast immer überflüssig"


Der UNO-Berater Pascal Rudin kritisiert ADHS und ihre Medikation. Der hohe Ritalin-Konsum werde zum Thema für die Uno, sagt er. Die Uno dürfte der Schweiz deshalb empfehlen, strengere Regeln für den Ritalin-Konsum von Kindern aufzustellen. Pascal Rudin: Das Problem ist, dass Ritalin verwendet wird, um eine Störung zu behandeln. Die Kernfrage lautet also: Was ist unser Verständnis von Störung? Klar ist, dass ein Kind im schulischen Umfeld relativ schnell einmal stören kann. Aber das heisst noch nicht, dass es eine Störung im medizinischen Sinn hat. Das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom ADHS wird als Krankheit definiert, lässt sich aber medizinisch kaum messen. Es werden also Kinder stigmatisiert, nur weil Ritalin kurzfristig funktioniert und effizient ist. Die Uno dürfte in diesem Zusammenhang auch auf grundlegende ethische Prinzipien verweisen: Ärzte sollten uns therapieren, nicht unsere Leistung steigern.

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ADHS gibt es nicht (Teil 2)

Wie wir bereits mehrmals belegt haben, gibt es "ADHS" als spezifische Störung oder Krankheit gar nicht. Die Symptomatik ist ganz einfach multikausal.

Ob es "ADHS" als eigenständiges Syndrom oder als eigenständige Krankheit gibt, lässt sich nur herausfinden, wenn man Vergleiche mit anderen Störungen oder Krankheiten anstellt. Man muss also "ADHSler" nicht mit Normalos, sondern mit anderen Störungen oder Krankheiten vergleichen (differentielle Validität). Erstaunlicherweise (oder auch nicht) ist das bisher selten geschehen. Banaschewski
u.a. stellen bereits 2005 fest, dass die bisherige Forschung genau diese Frage, ob es "ADHS" als von anderen unterscheidbare spezifische Störung überhaupt gibt, im Unklaren lasse. Aus ihrer Forschungsübersicht bisheriger Vergleiche von "ADHS" mit anderen neuropsychologischen, neurobiologischen und genetischen Korrelaten ziehen sie den ernüchternden Schluss, dass es keine ADHS-Spezifität gibt (1). Den großen Überschneidungsgrad mit vielen anderen Störungsbildern betrachtete man dann lieber als Komorbiditäten, obwohl der Schluss naheliegt, dass es sich um unterschiedliche Störungen mit gleicher Symptomatik handelt.

Die Unsitte hat inzwischen zu solchen Absurditäten geführt, dass derzeit kaum noch jemand eine LRS, eine feinmotorische Entwicklungsstörung oder eine psychoreaktive Verhaltensstörung allein hat – nein, "ADHS" ist als allumfassende Grundstörung (wie nach Art einer kostenlosen Dreingabe) immer mit dabei. "Ohne" geht gar nicht mehr. Eine Mutter drückt dies so aus: "Nicht nur, dass unser Sohn eine Wahrnehmungsstörung hat, jetzt hat er auch noch ADHS! Ein Unglück kommt wirklich selten allein, aber warum gerade bei uns?"

Diese unaufgeklärte Mutter glaubt, ihr Kind habe zwei voneinander abgrenzbare Krankheiten. Dabei müsste man zu ihrer Entlastung betonen, dass ihr Kind nur an einer einzigen und gut trainierbaren Auffälligkeit leidet: einer simplen Wahrnehmungsstörung. Die macht die angeblichen ADHS-Symptome.

Nun stellen niederländische Forscher nach einer kritischen Analyse 5 typischer Annahmen zu ADHS erneut fest, dass

ADHS keine Krankheit ist
ADHS nicht die Ursache auffälligen Verhaltens ist
ADHS in den meisten Fällen nicht chronisch ist


Sie betonen, dass eine schrittweise Diagnostik die gegenwärtige Überdiagnostik verringern kann, ohne eine Unterdiagnostik zu riskieren (2).

(1) http://www.ads-kritik.de/ADS-Kritik29.htm
(2)
Exploring five common assumptions on Attention... [Acta Paediatr. 2014] - PubMed - NCBI


Kinderkrippe und „ADHS“:
Schlechte Krippen erhöhen die Zahl von ADHS-Diagnosen

Obwohl es mittlerweile rein zahlenmäßig genügend Kitaplätze in Deutschland gibt, ist die Qualität der Kinderbetreuung insgesamt ungenügend. Darauf weist auch der Münchner Kinderpsychiater Karl Heinz Brisch kürzlich wieder deutlich hin (1). Brisch hat die frühe Eltern-Kind-Bindung intensiv erforscht, auch zusammen mit dem kürzlich verstorbenen Pionier der Kinderheilkunde Prof. Dr. Theodor Hellbrügge, der stets vor zu früher und mangelhafter Fremdbetreuung von Kleinkindern in Kinderkrippen gewarnt hat.

Die Relation von Kindern, die eine Erzieherin in unseren Kitas zu betreuen hat, ist eines der wesentlichen strukturellen Qualitätsmerkmale der Kinderbetreuung. In Deutschland kommen derzeit auf eine Erzieherin im Durchschnitt 4,8 Babies und Kleinkinder von 0-3 Jahren, 5,2 Kinder im Alter von 0-8 Jahren oder 9,3 Kinder im Alter von 2-8 Jahren (2). Das ist in allen Fällen mangelhaft. Karl Heinz Brisch setzt im Einklang mit anderen Bindungsforschern einen Personalschlüssel für Säuglinge
und Kinder bis zum 1. Geburtstag von 1:2, für ältere Kleinkinder von 1:3 voraus, damit die Kinder eine ungestörte Entwicklung nehmen können. Das ist in den allermeisten deutschen Kitas aber nicht gegeben (1).

Dass eine mangelhafte Krippenbetreuung bei Kleinkindern auch die Wahrscheinlichkeit erhöht, später eine ADHS-Diagnose zu erhalten, konnten Babchishin u. a. kürzlich in einer prospektiven Studie eindrucksvoll belegen (3). Die kanadischen Forscher konnten zeigen, dass die Qualität der Krippenbetreuung im ersten Lebensjahr einen deutlichen Einfluss auf das Verhalten der Kinder im Alter von 6-7 Jahren hat. Mangelhafte Krippenbetreuung im ersten Lebensjahr stand in klarem Zusammenhang mit späterer Hyperaktivität und Unaufmerksamkeit, welche gemeinhin als Hauptsymptome einer vermeintlichen ADHS gelten.

Auch der Psychoanalytiker Hans Hopf, Kuratoriumsmitglied der
KONFERENZ ADHS, beobachtet eine Zunahme von
Therapieanträgen für Kinder, die viel zu früh in die Krippe gekommen sind, oft im 4. Lebensmonat, so dass ihre frühen
Abhängigkeitsbedürfnisse ungestillt geblieben sind. Oft haben sie Angststörungen, die Jungen erhalten die Diagnose
„ADHS“ und bekommen Ritalin, obwohl dies besonders bei Angststörungen kontraindiziert ist (4).

Die Qualität der Kinderbetreuung in deutschen Kitas muss also deutlich verbessert werden, um spätere psychische
Störungen unserer Kinder, die dann nicht selten zu einer ADHS-Diagnose führen, zu vermeiden. Ein erheblich
verbesserter Personalschlüssel als strukturelles Qualitätsmerkmal ist dringend erforderlich.

Quellen:
1. Brinck, Christine: Das Krippenrisiko. DIE ZEIT 4/2014, S. 61 ff.
2. Statistisches Bundesamt https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Soziales/KinderJugendhilfe/
KindertageseinrichtungenPersonalschluessel5225409129004.pdf?__blob=publicationFile
3. Babchishin, Lyzon K., Weegar, K., Romano, E.: Early Child Care Effects on Later Behavioral Outcomes Using a Canadian
Nation-Wide Sample. J. Educational Developmental Psychology; Vol. 3, No. 2; 2013
4. Hopf, Hans: Persönliche Mitteilung 2014

Pressemitteilung der KONFERENZ ADHS Februar 2014


Ritalin wirkt (doch!) auch bei Gesunden
Methylphenidat ist gar kein Medikament  Immer wieder wird behauptet, Methylphenidat (der Wirkstoff in Ritalin etc.) wirke spezifisch nur bei ADHS-Erkrankten. Damit wird denn auch seine Verabreichung als Medikament begründet, denn wenn es auch bei Gesunden wirken würde, wäre es ja nicht wirklich ein Medikament. So mancher behauptet sogar noch, die Wirkung von Ritalin beweise die Diagnose ADHS. In Klammern: Ganz so einfach ist es natürlich nicht, denn Morphium oder auch Cannabis wirken ja bekanntlich auch bei Gesunden, werden aber auch medikamentös eingesetzt. Allerdings sind hier die bei Gesunden und Kranken erhofften Wirkungen (z.B. Schmerzlinderung versus Sinnesrausch) doch sehr unterschiedlich. Wie verhält sich dies bei RitaliIn einer Auswertung aller vorliegenden relevanten Forschungsstudien zur Wirkung von Methylphenidat bei Gesunden kommen Linssen u. a. zum Ergebnis, dass bereits eine übliche Einmaldosis von Methylphenidat das Arbeitsgedächtnis, die Denkgeschwindigkeit, das verbale Lernen und Merken, die allgemeine Aufmerksamkeit und geistige Wachheit, das Nachdenken und Problemlösen deutlich verbessern. Das sind alles Verbesserungen, die man auch bei sogenannten ADHS-Patienten erzielen will. Es wird also deutlich, dass es keinen wesentlichen Unterschied macht, ob man Ritalin als Medikament oder als Neuroenhancement bei Gesunden verwendet. Kein Wunder bei einem Amphetaminabkömmling. Kein Wunder also, wenn schulisch (aus welchen Gründen auch immer) beeinträchtigte Kinder mit Ritalin "besser" werden, bis hin zu einer leserlicheren Handschrift. Kein Wunder, wenn es auch Menschen mit allerlei anderen Malaisen damit besser zu gehen scheint. Kein Wunder auch, wenn Ritalin als Alltagsdoping im Sinne von Neuro-Enhancement verwendet wird.

Methylphenidat ist gar kein Medikament. Es ist Doping für alle, leider vor allem für kleine Kinder. Eigentlich ein nach oben offener Markt für die Pharm
a.

Quelle:

Linssen AM, Sambeth A, Vuurman EF, Riedel WJ.: Cognitive effects of methylphenidate in healthy volunteers: a review of single dose studies. Int J Neuropsychopharmacol.2014 Jan 15:1-17.

 Cafe Holunder im Januar 2014

APA verlangt Verschreibungs-Stopp

Das ist sensationell: Die einflussreiche USA-Psychiatrie-Vereinigung APA, sonst nicht gerade bekannt für eine psychopharmakritische Haltung, verlangt einen Verschreibungsstopp für Antipsychotika bei allen nichtpsychotischen Störungen, vor allem bei Kindern. Weil auch bei der Modekrankheit ADHS immer mehr (nicht für Kinder zugelassene) Neuroleptika verordnet werden, ist dies längst überfällig und sehr begrüßenswert. Diese starken Psychopharmaka sollen nur noch bei eindeutigen Psychosen verordnet werden, und nicht etwa bei Verhaltensstörungen oder Schulschwierigkeiten. Wir werden diesen Stopp auch in Deutschland verlangen, wo dieses Problem allerdings bisher nicht in der Dimension zu beobachten ist wie in USA. Aber wehret den Anfängen!

APA
Epidemie


Ritalin und das kindliche Gehirn:
Aufmerksamkeitssteigerung auf Kosten der Neuroplastizität?

Erinnern Sie sich? Vor nun schon 12 Jahren warnte Prof. Dr. Gerald Hüther hier im Café Holunder vor den möglichen Folgen von Methylphenidat ("Ritalin") auf die Entwicklung des kindlichen Gehirns (1). Dafür wurden ihm anschließend jahrelang polemische und verleumderische Vorwürfe gemacht. Er schrieb uns damals:

Der dritte Vorwurf zielt auf eine durch das Bekanntwerden dieses Beitrages ausgelöste Verunsicherung der ohnehin schon schwer belasteten Eltern von "ADHDKindern". Der Hinweis auf mögliche unerwünschte und nicht genau absehbare Spätfolgen der Verabreichung von Psychostimulantien während der Phase der Hirnentwicklung unterminiere in
verantwortungsloser Weise die Kooperationsbereitschaft und den Behandlungserfolg. Wo die Fähigkeit zur Übernahme von
Verantwortung beginnt und wo sie endet, habe ich an anderer Stelle ausführlich herauszuarbeiten versucht (G. Hüther:
Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn, Vandenhoeck & Ruprecht, 2001). Auch wenn es unbequem ist und
bisweilen sogar Angst macht, ohne immer neue Verunsicherungen, ohne die kritische Hinterfragung bisher für richtig
gehaltener Vorstellungen, ohne die Erschütterung einmal entwickelter Überzeugungen kann sich nichts weiterentwickeln (2).


Es ging immer wieder auch um die Frage, was Ritalin im Gehirn von gesunden Kindern macht. Eine Frage, die angesichts der extrem zahlreichen Fehldiagnosen von ADHS nach wie vor von erheblicher Brisanz ist. Und nun, nach 12 Jahren, lesen wir in einer Studie von Urban & Goa (wir übersetzen das Abstract):

Methylphenidat (Ritalin u. a.) ist das meistverordnete Psychopharmakon bei Kindern und Erwachsenen und wurde in den
vergangenen Jahrzehnten als relativ sicher betrachtet. Ein gründliches Literaturstudium macht jedoch deutlich, dass
altersabhängige Effekte, vor allem auch mögliche Effekte des Wirkstoffs auf die normale Entwicklung, weitehend ignoriert
wurden. Die Diagnose der ADHS ist außerdem subjektiv und lässt Fehldiagnosen und damit einhergehendem exzessiven
Medikamentenverbrauch zu.

Neue Studien haben gezeigt, dass früher Methylphenidatkonsum beim gesunden Tier zu einem veränderten
Schlaf-Wachrhythmus, außerdem zu erhöhter Stressanfälligkeit und bereits bei einer ansonsten als therapeutisch eingestuften
Dosis zur Unterdrückung neuronaler Funktionen beim jungen Tier führt. Darüber hinaus entwickeln junge Tiere, die mit einer
Kleindosis Methylphenidat behandelt werden, Veränderungen bei Markern der Neuroplastizität des Gehirn, was darauf
hindeutet, dass das Medikament grundlegende Eigenschaften präfrontaler Gehirnfunktionen verändert.

Nach unserem Überblick neuerer Fachliteratur gehen wir davon aus, dass früher Gebrauch von Methylphenidat eine gestörte
präfrontale Hirnfunktion sowie eine beeinträchtigte Neuroplastizität des gesunden Gehirns auslösen kann. Wir betonen die
Bedeutung eines sorgfältigeren Verständnisses der Wirkung von Methylphenidat auf die Entwicklung des kindlichen Gehirns
sowie eine bessere Diagnostik von ADHS (3).


So viele Jahre später, weiterhin besorgniserregende Befunde, die unter den Tisch gekehrt werden, und ansonsten kein
Fortschritt!

Quellen:
(1) G. Hüther: Kritische Anmerkungen zu den bei ADHD-Kindern beobachteten neurobiologischen Veränderungen und den
vermuteten Wirkungen von Psychostimulanzien (Ritalin). Analytische Kinder- und Jugendlichen Psychotherapie,
Heft 112, XXXII. Jg., 4/2000, 471-486.
(2) G. Hüther: Nachbemerkungen.
http://www.ads-kritik.de/ADS-Kritik7.htm
(3) Urban KR, Gao WJ.(2013): Methylphenidate and the juvenile brain: Enhancement of attention at the expense of cortical
plasticity? SourceDepartment of Neurobiology and Anatomy, Drexel University College of Medicine, Philadelphia, PA 19129, United
States


DU PSYCHO
Die entseelte moderne Psychodiagnostik-Maschinerie

Nachdem sich DIE ZEIT vor Kurzem darin gefiel, undifferenziertes, ja dummes Zeug über ADHS zum Besten zu geben, und vorher ein wirklich hasserfülltes Pamphlet über Gerald Hüther im selben Blatt erschienen war, glänzt nun wieder der SPIEGEL: Auch dort schildert eine Mutter die (unter anderem) ADS-Diagnose-Tortur ihrer kleinen Tochter, allerdings im krassen Unterschied zur ZEIT-Mutter selbstkritisch und geläutert. Sie schreibt:

"Wir haben zu spät verstanden, dass sich mit einer Diagnose wie ADS etwas Dramatisches verändert: der liebevolle Blick aufs eigene Kind. Eine pathologische Sicht gesellt sich dazu. Und leider wachsen Kinder den Erwartungen der Erwachsenen entgegen, auch den schlechten. Und so machten unsere Bemühungen, Lenja zu helfen, ihr -und uns- das Leben noch mehr zur Qual." (DER SPIEGEL 39/2013, S.127)

Schlimm, was diese Eltern in der seelenlosen klinischen Diagnosemühle erleben mussten, vor allem auch bei einer angeblichen Professoren-Koryphäe, Leiter einer Krankenhaus-Kinderneurologie (wir kennen seinen Namen).

Die Mutter hat ihre Erfahrungen in einem Buch verarbeitet, das allen Eltern wärmstens empfohlen sei: Anonyma: Plötzlich ein Sorgenkind. Aus dem Leben einer aufmerksamkeitsgestörten Familie. DVA 2013. Aber vor allem Kliniker sollten dieses Buch sehr ernst nehmen, in der Hoffnung, sie halten endlich einmal etwas inne und reflektieren selbstkritisch, ob sie ihre Patienten mit ihrer entseelten Testmechanik wirklich verstehen.

Siehe auch das Interview mit der Mutter in der
WELT


Vorbild Frankreich
Warum französische Kinder kein ADHS haben.


Wenn ich meine befreundeten französischen Familien besuche, staune ich
immer wieder über deren kleine Kinder: sie sind freundlich, aufgeschlossen,
intelligent. Man kann mit ihnen wunderbar abends ins Restaurant gehen, sie
bleiben das ganze Menue über entspannt am Tisch sitzen, plaudern und essen gutgelaunt. Ich habe mich und die Freunde oft gefragt, wie es in Frankreich eigentlich mit ADHS aussieht. Dieser Frage ist auch die Familientherapeutin und Autorin Marilyn Wedge in Psychology Today nachgegangen (1).

Während in den USA ca. 9% aller Schulkinder, in manchen Landesgegenden sogar bis zu 20%, die Diagnose ADHS erhalten haben und Psychoipharmaka nehmen, sind es in Frankreich nur ca 3 - 4%. Auch in Deutschland sind bereits 10 Prozent unserer Schulkinder angeblich zerebral krank im Sinne von ADHS. Wie konmmt es zu solch drastischen Unterschieden?

Nun, die Antwort fällt nicht schwer: Es kommt darauf an, welche Theorie man über kindliche Verhaltensauffälligkeiten hat.
Wenn man dahinter eine körperliche, genetische Krankheit sieht, dann ist der Arzt und der Apotheker gefragt, der die Diagnose
ADHS und die Psychopharmaka-Einnahme favorisiert. Wenn man aber dahinter vielerlei Umwelteinwirkungen, in der
Hauptsache erzieherischer Art, postuliert, gibt man sich mit der simplen ADHS-Diagnose natürlich nicht vorschnell zufrieden,
sondern sucht nach den im Einzelfall ursächlichen Umweltfaktoren und hilft ihnen entsprechend ab. So ist es in Frankreich Goldstandard. Und so soll es auch bleiben.

Die französichen Kliniker hatten sich bereits 1983 auf eine eigene, bessere Alternative zum amerikanischen Diagnosekatalog
DSM3 besonnen und ihren eigenen Katalog entwickelt (CFTMEA: Classification Française des Troubles Mentaux de L'Enfant
et de L'Adolescent).

Warum folgen die deutschen Kliniker diesem lobenswerten Vorbild beim DSM5 nicht?

1. Psychology Today
2.
Sueddeutsche

W. Hafner 2013


Die AG-ADHS mit dem Plastikschwert

Zu den Lobbyisten einer Proklamation von "ADHS" gehört zweifelsohne die Arbeitsgemeinschaft ADHS der Kinder- und Jugendärzte (AG-ADHS) e. V. um die Kinderärzte Klaus Skrodzki (Forchheim) und Kirsten Stollhoff (Hamburg) (1). Der Verein hat nach Selbstauskunft ca. 600 Mitglieder und gefällt sich seit vielen Jahren in einer biologistischen Sicht auf "ADHS". Klaus Skrodzki sieht sich als Vater eines betroffenen Kindes, während Frau Stollhoff seit ihrem alarmistischen Eltern-Verschrecker-Buch "Hochrisiko ADHS" bekannt ist (Hamburg macht übrigens inzwischen der deutschen Ritalin-Hochburg Würzburg unrühmliche Konkurrenz).

Wenn sich irgendwo der Kopf der ADHS-Kritik zu erheben wagt, zückt dieser Verein gerne mal sein Plastikschwert und schlägt ihn ab. In einer Stellungnahme zum Barmer GEK Arztreport 2013 behauptet er z. B. kürzlich: „Ein unbehandeltes ADHS kann, wie alle Langzeitstudien zeigen, zu einer gestörten psychosozialen Entwicklung führen. Folgen davon können fehlende soziale Integration, Schulabbruch, Arbeitslosigkeit und Depressionen sein. Studienbelegt kommt es überdurchschnittlich häufig zu Unfällen, Sucht, Kriminalität und Suizid“ (2).

Wer solche Heilsversprechen abgibt, muss sich natürlich der Kritik stellen. Stimmt es wirklich, dass die medikamentöse Behandlung mit Psychopharmaka á la Ritalin all die aufgeführte Unbill verhindert? Kann die Medikation heilen? Müssen Eltern, die ihr Kind nicht „behandeln“ lassen, ein furchtbar schlechtes Gewissen haben? Um es gleich vorab zu verraten: ein dreimaliges Nein!

Was z. B. die Sucht betrifft: Erst kürzlich hat eine Metaanalyse gezeigt, dass die Medikation bei ADHS eine spätere Sucht weder fördert noch verhindert. Wenn man davon ausgeht, dass bei ADHS das Suchtrisiko von Hause aus höher ist, dann hat eine Medikation mit Ritalin et. al. darauf langfristig keinerlei positiven Einfluss (3). Stattdessen handelt man sich aber die ganzen Nebenwirkungen und Risiken ein, die die Psychostimulanzien mit sich bringen. Das Ergebnis dieser Studie deckt sich denn auch mit der sog. MTA-Studie, wohl der größten jemals unternommenen Langzeitstudie der Kinderpsychiatrie weltweit: die Medikation hatte nur 1 bis 2 Jahre lang einen (unterdrückenden) Effekt auf die ADHS-Symptomatik. Als eine Folgestudie nach 36 Monaten erschien, zeigten sich zur Verwunderung der Forscher aber keinerlei Unterschiede mehr zwischen den unterschiedlich behandelten Gruppen. Egal, was zur Anwendung gekommen war, die Kinder zeigten alle gleichermaßen deutliche Verbesserungen, sogar die nur im Sinne einer Grundversorgung behandelten. Auch späterer Drogenmissbrauch bzw. Kriminalität ließen sich bei ADHS-Kindern nicht über das Maß hinaus verringern, das bei Nicht-ADHSlern erwartet werden kann. Nach 8 Jahren späterer Nachuntersuchung der Versuchspersonen bestätigte sich: Es gibt keinerlei Langzeitunterschiede der behandelten (bzw. im Sinne einer Grundversorgung nur unspezifisch behandelten) Gruppen, egal, ob mit oder ohne Psychopharmaka, nur Verhaltenstherapie oder Grundversorgung (4).

Die übliche Rede von Ritalin als Goldstandard einer ADHS-Behandlung ist seither einer erheblichen Ernüchterung gewichen.

(1) AG-ADHS: http://www.ag-adhs.de/startseite.html
(2) Stellungnahme zum Barmer GEK Arztreport 2013 vom 29.1.2013
http://www.ag-adhs.de/aktuelles.html
(3) Humphreys, KL. et. al.: Stimulant Medication and Substance Use Outcomes: A Meta-analysis. JAMA Psychiatry. 2013 Jul 1;70(7):740-9. doi: 10.1001/jamapsychiatry.2013
(4) Molina, B.S u.a.: MTA at 8 Years: Prospective Follow-up of Children Treated for Combined-Type ADHD in a Multisite Study. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry. 2009 Mar 23.


Neuroimaging: Hoffnung und Wirklichkeit

Ein weiterer vielgeglaubter ADHS-Mythos besagt, dass das Gehirn von ADHSlern funktionelle "Besonderheiten" zeige, die mit bildgebenden Techniken (Neuroimaging) belegt seien. ADHS sei also objektivierbar. Was ist davon zu halten?

Man muss wissen, dass mittels fMRT (funktioneller Magnetresonanz-Tomographie) hergestellte Bilder keine 1:1-Abbildungen darstellen wie z. B. eine traditionelle Röntgenaufnahme, die praktisch ein Foto ist. Neuroimaging-Techniken nennen sich denn auch nicht Bildverfahren, sondern nur bildgebende Verfahren. Die Bilder sind das Ergebnis komplizierter, störanfälliger und leicht manipulierbarer Rechenprozesse aus gemessenem Blutdurchfluss und Sauerstoffverbrauch im Gehirn. Sie zeigen bestenfalls unspezifische Aktivierungsmuster, die alleine keinerlei pathologische Aussage erlauben.

Jedes lebende Gehirn erzeugt ununterbrochen solche Aktivierungsmuster. In den meisten fMRT-Studien wird suggeriert, es gäbe für ganz bestimmte Verhaltensweisen in ganz bestimmten Hirnregionen ganz spezifische Aktivierungsmuster. Das ist aber überhaupt nicht belegt. Aktivierungen im anterioren cingulären Cortex (ACC) findet man beispielsweise bei frisch
Verliebten, oder bei amerikanischen Wechselwählern, die Bilder von Hilary Clinton sehen, oder wenn Esssüchtige einen Milchshake vorgesetzt bekommen, oder wenn Männer an die eigene Sterblichkeit erinnert werden, oder wenn man im MRT-Scanner gekitzelt wird, oder...(zit. Hasler, S. 50). fMRT-Bilder belegen also bestenfalls unspezifische Aktivierungsmuster bei Menschen mit irgendeinem Verhalten. Eine Störung oder Krankheit "ADHS" belegen sie nicht.

Es besteht in der Wissenschaft Einigkeit, dass Forschungsergebnisse, die sich in einer oder mehreren nachfolgenden Studien nicht wiederholen lassen, wissenschaftlich wertlos sind. In einer aktuellen Übersicht über die Forschungsergebnisse bildgebender Verfahren konstatieren M. Falcone u. a. denn auch ernüchtert, dass bisher kaum eine Studie repliziert
werden konnte (Falcone u. a.).

Die allgemeine Aussage, ADHS sei per Neuroimaging als Krankheit objektivierbar, ist also falsch.


Hasler, Felix: Neuromythologie. Transcript-Verlag 2012.
Falcone, M u. a.: Neuroimaging in Psychiatric Pharmacogenetics Research: The Promise and Pitfalls, 2013.
_______________________________________________________

ADHS-Forschung: Weiterhin mit blindem Fleck

Einer der verbreitetsten Mythen über ADHS lautet, die Störung sei in hohem Maße genetisch bedingt. Das habe die Zwillingsforschung immer wieder eindeutig belegt. Molekulargenetisch hat man bisher zwar keinerlei Gene gefunden, die einen spezifischen und nennenswerten Beitrag leisten, das tut den Verfechtern der ADHS-Genetik aber keinerlei Abbruch.

In einer aktuellen Studie bemühen sich nun Banaschewski u.a. anhand der Versicherungsdaten von deutschen Kindern erneut, die Genetik von ADHS mittels Vergleich von Zwillingen und Geschwistern zu belegen (1). Mit einem Vergleich der Konkordanzrate von eineiigen, gleichgeschlechtlichen Zwillingen mit der von verschiedengeschlechtlichen Geschwistern finden sie denn auch eine sehr hohe Konkordanzrate bei den Zwillingen. Daraus schließen die Forscher auf die klar belegte Genetik von ADHS.

Es ist erstaunlich, dass dabei wieder einmal völlig ignoriert wird, dass sich das Ergebnis auch ganz ohne Rückschluss auf
die Genetik, sondern allein durch Umwelteinflüsse erklären lässt. Die gesamte bisherige Zwillingsforschung zu psychischen
Störungen krankt nämlich daran, dass die Annahme gleicher Umwelten von Zwillingen und Geschwistern (Equal Environment Assumption: EEA) falsch ist. Die traditionelle Zwillingsforschung geht immer davon aus, dass die Umwelt von eineiiigen oder zweieiigen Zwillingen oder Geschwistern gleich sei, weshalb Unterschiede zwischen ihnen allein auf ihre genetischen Unterschiede zurückgingen. Die EEA ist aber falsch oder zumindest sehr zweifelhaft. Eineiige Zwillinge erleben eine viel ähnlichere Umwelt (bis hin zur Ego-Diffusion) als Geschwister, ja sogar als zweieiige Zwillinge. Höhere Konkordanzraten bei ihnen können also auch durch ihre größere Umweltähnlichkeit bedingt sein (2). Studien haben z. B. gezeigt, dass gleichgeschlechtliche zweieiige Zwillinge höhere Konkordanzraten für psychische Störungen aufweisen als verschiedengeschlechtliche zweieiige Zwillinge oder Geschwister, was sich nicht genetisch deuten lässt, denn ihre gemeinsamen Gene sind gleich. Gottesman (3) fand z. B. bei zweieiigen Zwillingen eine Konkordanzrate für Schizophrenie
von 17 %, bei Geschwistern aber nur 9%. Wie klar sein dürfte: genetisch lässt sich so etwas nicht erklären, sondern eher
durch die vergleichweise ähnlichere Umwelterfahrung der Zwillinge.

Es stünde Wissenschaftlern gut an, solche Konfundierungen ihrer Ergebnisse zu nennen und zu berücksichtigen.
__________________________________

(1) Banaschwski, T u.a.: (2013) Twin and sibling studies using health insurance dat... [PLoS One. 2013] - PubMed - NCBI
(2) Joseph, J (2006): The Missing Gene. Psychiatrie, Heredity and the Fruitless Search for Genes. Algora Publishing
(3) Gottesman, I.I. u. Shields, J (1966): Contributions of twin studies to perspectives of schizophrenia. Academic Press New York

Cafe Holunder Mai 2013



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