| ARCHIV:
ADS-Bücher: Kritisch Ritalin: Ein folgen- Das Verschwinden der Mädchen von der Oh wie verführerisch Alternative Behandlung Alternative Sichtweisen bei ADS Fundsachen: ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 1 |
Liebe Gäste, Es geht um ein altes Spiel: Wie kann ich
jemanden, den ich nicht leiden kann, verletzen, ohne als
Aggressor zu erscheinen. Im Alltag nennt man sowas
Mobbing. Irgendetwas findet sich da leicht. Sie müssen
nur irgendeinen "Fehler" bei demjenigen finden,
und wenn Sie keinen finden, konstruieren Sie einfach
einen. Und damit gehen Sie dann offensiv in die
Öffentlichkeit. Ich und alle hier haben mit Scientology und
sonstigen Extremisten rein gar nichts am Hut. Das weiss
eigentlich auch jeder. Ich distanziere mich ausdrücklich
von dieser wissenschaftlich-religiös verbrämten
Pseudosekte (die eigentlich ein Wirtschaftskonzern ist)
und ihren Praktiken. Gerade die echte Unabhängigkeit und
Wissenschaftlichkeit meiner Fachmeinung ist mir oberste
Richtschnur (aber gerade dies schafft natürlich Feinde,
wenn es um ein so polarisiertes Thema wie ADS geht). In Deutschland benutzt man die Waffe, jemand sei Scientologe, im Internet sehr gern, wenn einem die Sachargumente ausgegangen sind und man jemanden mundtot machen will, weil einem seine Meinung nicht gefällt und er immer mehr Anhänger gewinnt. Einer (von mehreren) Gründen zur Schließung meines früheren Forums war, mich auch abzuschotten von den Einnahmeversuchen der Scientology. Aber auch andere Extremisten aus dem Lager der fanatisierten ADS-Funktionäre waren und sind mir genau so zuwider. Den meisten Ärger hatte ich bisher mit letzteren. Was haben sie nicht alles schon versucht, um mich mundtot zu machen! Die "Annäherungsversuche" der Scientology waren damit verglichen wirklich fair. Der gegenwärtige alberne Rufmordversuch kommt denn auch nicht aus dieser Richtung. Diejenigen Leute, die die Scientology benutzen, um ihr Geschäft zu betreiben, sind hier federführend. Ich kenne die meisten namentlich. Es ist ein leicht durchschaubares Spiel. Auf die Möglichkeit einer solchen Richtigstellung hat mich Ingo Heinemann, renommierter Scientology-Kritiker, freundlicherweise aufmerksam gemacht. Leider hat er nichts zu meiner Kernfrage gesagt, welche Erfahrungen er mit unbegründeten, verleumdenden Scientology-Vorwürfen hat. Er meinte aber, man dürfe da nicht zu empfindlich sein. Und damit hat er sicher vollkommen Recht (ich bin gespannt, was er über Breggin herausfindet. Meiner Meinung nach war Breggin, ein brillanter und manchmal extremer Psychiater, nie selbst Scientologe, nur seine Frau). P.S. Herr Heinemann bestätigt mir heute (14.4.), dass Breggin kein Scientologe war und sich von Scientology distanziert hat. Nun aber zurück zu den wirklich wichtigen Themen! Mit Gruß,
Ihr H.-R. Schmidt
Wenn Sie mal Ihrem
gröbsten Feind ein Buch schenken müssen, empfehle ich
Ihnen die "Geschichte der Psychiatrie"
von Edward Shorter, Lehrstuhlinhaber aus
Toronto. Dieses Buch ist aus wissenschaftlicher Sicht
betrachtet ein einziges Pamphlet. Shorter bekennt sich
darin als Antisemit, als extremer Hirnbiologe und -pharmakologe
in der Psychiatrie, so dass L. Lütgehaus in DIE
ZEIT vom 9.12.1999 von einer "Festschrift
der Psychopharmakologie" schimpfte. "Betrachten wir zum
Beispiel die Probleme heranwachsender Jugendlicher. Lange
Zeit waren Schwärmereien wie die eines Tom Sawyer als
etwas in diesem Alter völlig Natürliches gewertet
worden. In den sechziger Jahren wurden sie jedoch
plötzlich als krankhaft eingestuft, und man schoss
gleich mit schwerem Kaliber. Plötzlich hieß es in der
Terminologie der fünfziger und sechziger Jahre, dass
solche Verhaltensweisen zumindest durch »geringfügige
Hirnfunktionsstörungen« verursacht würden. Mit anderen
Worten: Tom Sawyer hatte einen Dachschaden. Diese
Diagnose wurde zwar als völlig absurd später wieder
verworfen, doch dafür begann man sich auf
Hyperaktivität und Konzentrationsschwäche zu stürzen,
weil es manchmal anstrengend ist, Jungen im Klassenzimmer
zur Ruhe zu bringen. Ohne auch nur einen Blick auf die
Lehrerpsyche zu werfen, griffen Erziehungswissenschaftler
dankbar nach dieser neuen Pathologisierung der
Knabenpsyche. 1968 wurde die »hyperkinetische Reaktion«,
die sich angeblich während der Kindheit oder Adoleszenz
durch Ruhelosigkeit und Unaufmerksamkeit manifestiert,
zum offiziellen Fachbegriff: 1980 erfand man dafür die
Formulierung »hyperaktive Aufmerksamkeitsschwäche« (ADD,
»attention deficit disorder with hyperactivity«). Bis
heute ist unklar, ob es unter den mit ADD
diagnostizierten Kindern einen harten Kern gibt, der
unter organischen Störungen leidet. Aber das
Entscheidende war, dass die Behandlung solcher Fälle nur
von Medizinern durchgeführt werden konnte, zum Beispiel
mit dem amphetaminartigen Präparat »Ritalin« (Methylphenidat).
Bis 1995 verschrieben Ärzte in den USA dieses Präparat
sechsmillionenmal jährlich, 2,5 Millionen amerikanische
Kinder nahmen es ein. Das ist eine Möglichkeit, sich
einen Marktanteil zu sichern."
ADS-Vorbeugung
im Babyalter Viele Eltern von sog. "ADS-Kindern" berichten, dass ihre Kinder bereits im Säuglingsalter, praktisch von Geburt an, ja manchmal bereits im Mutterleib, besonders unruhig und "nervenaufreibend" waren. Viele Fachleute machen darauf aufmerksam, dass der richtige Umgang mit solchen anstrengenden Babies für eine "ADS"-Vorbeugung ausschlaggebend sein kann. Wenn es den Eltern gelingt, sich optimal auf das "schwierige" Baby einzustellen, verschwinden die Symptome nicht nur rascher, es können auch Langzeitfolgen belasteter Eltern-Kind-Beziehungen (und eben auch "ADS") vermieden werden. Hier im Café Holunder hat besonders Hüther darauf hingewiesen. Das exzessive Schreien der sog. "Schreibabies" stellt für jede Familie eine extreme seelische Belastungsprobe dar, zumal oft noch Schlafprobleme des Babies und andere Verhaltensprobleme hinzu kommen. Man schätzt, dass bis zu jedes dritte Baby in seinen ersten drei Lebensmonaten unter solchen mehr oder weniger ausgeprägten Unruhezuständen (intensives Schreien, Quengeln, Unruhe, Schlafstörungen, Gedeihstörungen, Essstörungen, Koliken, Kontaktstörungen etc.) leidet. Wenn ein Baby über mehrere Monate hinweg viele Stunden täglich schreit, bemühen sich die verzweifelten Eltern intensiv, die Ursache zu finden und Abhilfe zu schaffen. Und wenn das nicht gelingt (was häufig berichtet wird), werden die intuitiven Verhaltensbereitschaften der Eltern ermatten, und Ohnmachts- bzw. Wutgefühle stellen sich ein. Übrigens sind viele Eltern über die Intensität der Wutgefühle, die bei ihnen gegenüber ihrem "nervenden" Baby entstehen können, zutiefst erschreckt. Sie reagieren dann mit starken Schuldgefühlen, die zusätzlich die Beziehungsgestaltung zum Baby negativ färben. Viele solche geplagten Eltern zeigen ein seelisches Erschöpfungssyndrom, sie verhalten sich immer ignorierender und abgestumpfter, manchmal sind sie in Gefahr, emotional "durchzudrehen": Exzessives Schreien im Kleinkindalter ist nachgewiesenermaßen die häufigste Ursache für körperliche Misshandlung von Kindern. Die interdisziplinäre Säuglingsforschung geht davon aus, dass bei solchen Babies Reifungsverzögerungen und postpartale Anpassungsstörungen im Sinne einer reifungsbedingten Verhaltensregulationsstörung vorliegen. Die Babies können innere Biorhythmen wie den Schlaf-Wach-Rhythmus noch wenig steuern, haben Gleichgewichts- und andere reifungsabhängige Wahrnehmungsstörungen. Die Fähigkeit zum Tiefschlaf ist z.B. an Reifungsvorgänge des Gehirns gekoppelt, die bei diesen Babies noch "unfertig" sind. Eltern solcher Babies berichten, dass es ihnen schwerfällt, die Signale ihres Kindes richtig zu lesen und einzuschätzen, um verstehen zu können, was das Kind braucht oder will. Das Risiko einer frühen Bindungsstörung zwischen Eltern und Säugling ist also in diesen Fällen erheblich vergrößert. Wenn Eltern aber intuitiv oder mit Hilfe von Fachleuten lernen, sich an die Babies anzupassen, reifen die Babies rasch nach und holen ihre Reifungsverzögerungen ohne gravierendere frühe Beziehungsstörungen problemlos auf. Ich bin der Ansicht, dass dieser Anpassungsprozess bei vielen der derzeit als "ADS" diagnostizierten Kinder im Kleinkindalter nicht optimal gelungen ist. Einer meiner eigenen Söhne war selbst ein (milder starkes) Schreibaby. Die Zusammenarbeit mit meiner Frau in dieser belastenden Zeit war sehr wichtig, beide Eltern sind dabei gefragt (was bei einer alleinerziehenden Mutter mit einem Schreibaby leider allein auf der Mutter lastet). Bald hatten wir herausgefunden, dass unser Söhnchen immer dann, wenn ich ihn mir über die Schulter legte, mit ihm fröhlich herumspazierte, ihm was vorsang und ihm bunte Dinge zeigte, sofort sehr aufmerksam und gut gelaunt wurde. Das tat ich dann täglich ausgiebig (am Wochenende stundenlang), bis nach einigen Monaten alles vorbei war. Ich habe ihn bei diesen Spaziergängen besonders lieben gelernt, weil wir uns dabei wirklich sehr intensiv miteinander vergnügt haben. Er ist heute erwachsen und ein ausgeglichener, fröhlicher und erfolgreicher Student. "Gelassenheit" ist deshalb ja auch die wichtigste Eigenschaft, die Eltern eines Schreibabies bewahren können müssen, damit sich nicht eine Eskalation der Gereiztheit zwischen Eltern und Baby aufschaukelt. Wenn
Eltern diese "Gelassenheit" nicht mehr alleine
herstellen können, sollten sie sich unbedingt
professionell helfen lassen. In den immer häufigeren
"Schreiambulanzen" finden sie dann
Unterstützung, Austausch und kompetente fachliche Hilfe.
Aber auch in den meisten Frühförderzentren, in vielen
Erziehungsberatungsstellen und Sozialpädiatrischen
Zentren gibt es Fachleute für Eltern mit Schreibabies.
Hier können die Weichen frühzeitig so gestellt werden,
dass die Babies ungestört "nachreifen" und
glückliche Kinder, Jugendliche und Erwachsene werden. Lesen
Sie auch: 10.4.2002
Da der Beitrag lang ist, empfehle ich
regelmäßiges Nachbestellen von Café au lait oder
Espresso oder...
Wie Kim hier bereits feststellte, sind Ratten zwar keine Menschen, für Tierversuche im Vorfeld klinischer Erprobungen von Medikamenten sind sie aber leider noch unverzichtbar. Menschen sind auch keine Affen (obwohl man sich da bei einigen Zeitgenossen manchmal nicht so sicher sein kann!). Was glauben Sie aber, wie groß die genetische Übereinstimmung von Mensch und Schimpanse wohl ist:
Die
richtige Antwort lautet: Gene können demnach zu bestimmten Zeiten an- und abgeschaltet sein, können mehr oder weniger häufig abgelesen werden und mehr oder weniger große Proteinmengen herstellen. Sie können also ganz verschiedene Aktivitätsmuster zeigen. Während sich die Gen-Aktivitätsmuster von Blut und Leber bei Mensch und Schimpanse sehr ähneln, unterscheiden sie sich gravierend in der Großhirnrinde, fand die Forschergruppe um Svant Pääbo vom Max-Planck-Institut der Universität Leipzig heraus. Der Unterschied zwischen Mensch und Schimpanse liegt also nicht in den Genen begründet, sondern in ihrer unterschiedlichen Nutzung, in der Gehirnentwicklung. In den vergangenen Jahrmillionen veränderten sich die Gen-Aktivierungsmuster des menschlichen Gehirns offenbar etwa 6mal schneller als diejenigen von Blut und Leber. Warum und wie dies funktionierte: das weiss man (noch) nicht. Es ist so
ähnlich, als hätten Mensch und Schimpanse denselben
Computer eingebaut, beim Menschen würde aber ein
hochversierter Benutzer dransitzen, während beim
Schimpansen ein geistig Behinderter damit arbeitet. Dörte ZEITZEUGEN (8) ADD: Gibt´s das wirklich? Vor einigen Jahren war ich für eine Organisation tätig, die Lehrer beim Kunstunterricht unterstützte. Wir waren in einem großen Warenhaus in Cambridge, Massachusetts, untergebracht, und einige Kinder aus der umgebenden unteren Arbeiterklasse-Nachbarschaft waren dort in Aushilfsjobs beschäftigt. Ich erinnere mich an Eddie, einen 9jährigen amerikanischen Schwarzen, der eine große Lebendigkeit und Energie ausstrahlte, und der in der Lage war, bei vielen Tätigkeiten auszuhelfen. Die Aushilfsjobs beinhalteten z.B., gemeinsam mit einer erwachsenen Aufsichtsperson in der Stadt herumzulaufen und recycelte Materialien zu sammeln, die Lehrer für ihren Kunstunterricht verwenden konnten, sie zu organisieren und im Hauptquartier auszuprobieren. Im Zusammenhang mit dieser Kunstorganisation war Eddie eine ausgesprochene Hilfe. Einige Monate später war ich an einem speziellen Programm des Lesley College in Cambridge beteiligt, wo ich meinen Master-Titel in Erziehungswissenschaft erhielt. Dieses Projekt beinhaltete das Studium spezieller Erziehungsprogramme, die entwickelt worden waren, um Studenten mit Lern- und Verhaltensproblemen in normalen Schulklassen in einigen Bostoner Schuldistrikten zu helfen. Bei einem Besuch einer Klasse stieß ich unerwartet auf Eddie. Eddie war ein echtes Problem. Er hielt es nicht auf seinem Stuhl aus, wanderte im Zimmer herum, redete dazwischen und machte dem Lehrer das Leben elendiglich schwer. Eddie wirkte wie ein Fisch, den man aus dem Wasser geholt hat. Im Rahmen dieses speziellen Schulprogramms war Eddie alles andere als eine ausgesprochene Hilfe. Rückschauend wirkte er, als wolle er die Definition eines Kindes mit Aufmerksamkeits-Defizit-Störung bestätigen. In den letzten 15 Jahren entwickelte sich ADD von einer nur wenigen Wahrnehmungsforschern und Sondererziehern bekannten Störung zu einem nationalen Phänomen. Bücher zu diesem Thema überfluteten den Markt, ebenso Spezialuntersuchungen, Lernprogramme, Sonderschulen, Elterngruppen, klinische Dienste und Medikationen, um diese "Störung" zu behandeln. (...) Die Störung wird vom Department of Education, von der American Psychiatric Association und vielen anderen Gruppen als eigenständiges medizinisches Problem massiv vertreten. Die Geschwindigkeit, mit der die Öffentlichkeit und die Fachwelt ADD begeistert aufnahm, macht mich misstrauisch. Wenn ich an mein Erlebnis mit Eddie denke, wie unterschiedlich Eddie im Kunstprogramm und Eddie im speziellen Erziehungsprogramm war, frage ich mich, ob diese "Störung" wirklich im Kind selbst oder nicht doch viel eher in den Beziehungen des Kindes zu seiner jeweiligen Umgebung wurzelt. Ganz im Unterschied zu anderen medizinischen Krankheiten wie Diabetes oder Lungenentzündung erscheint diese Störung in einer bestimmten Situation und verschwindet in einer anderen. Die Mutter eines ADD-diagnostizierten Kindes, eine Ärztin, schrieb mir vor Kurzem über ihre Frustration mit dieser ständig wechselnden Diagnose: "Ich habe in der Öffentlichkeit dargestellt, dass mein Kind zu lang dauernder Konzentration fähig ist, wenn es z.B. sein Lieblingsvideo oder das Innenleben eines Stift-Kippschalter-Schlosses sehen darf. Darauf stellte ich fest, dass ein Jahr später die Definition dahingehend verändert wurde, dass nun Kinder mit ADD in gewissen besonderen Umgebungen zu normaler Konzentration in der Lage seien. Toll! Sofort fallen einige weitere tausend Kinder unter diese Definition". Es gibt tatsächlich deutliche Hinweise dafür, dass sog. ADD-Kinder je nach Alltagskontext keine störungstypischen Symptome zeigen. Zunächst einmal wirken 80 % von ihnen nicht als ADDler, wenn sie in der Arztpraxis sind. Auch scheinen sie sich in anderen nicht-familiären Zusammenhängen, in denen es einen direkten Kontakt zu einem Erwachsenen gibt (und dies trifft besonders dann zu, wenn dieser Erwachsene zufällig ihr Vater ist), ganz normal zu verhalten. Weiterhin sind sie in Schulklassen von den sog. normalen Kindern nicht zu unterscheiden, wenn sie ihre Lernaktivitäten selbst wählen und steuern dürfen. Zum Dritten scheinen sie ganz normal zu funktionieren, wenn sie für besondere Handlungen, die dazu dienen sollen, Aufmerksamkeit zu zeigen, belohnt werden. Viertens, und das ist besonders wichtig, verhalten sich sog. ADD-Kinder ganz normal, wenn sie mit Dingen beschäftigt sind, die sie interessieren, die in gewisser Weise neu für sie sind und die einen gewissen Anreiz auf sie ausüben. Und schließlich werden etwa 70 % dieser Kinder erwachsen und stellen dann fest, dass ADD augenscheinlich einfach verschwunden ist. Es ist deshalb verständlich, dass die Vorstellungen über die Prävalenz von ADD weit auseinandergehen, viel weiter, als die 3-5 %, die populäre Bücher und Artikel als Standard vorgeben. Russell Barkley stellt in seinem klassischen Werk über das Aufmerksamkeitsdefizit: "ADHD: Ein Handbuch für Diagnostik und Therapie" heraus, dass "die Werte davon abhängen, wie man ADHD jeweils definiert, welche Population man gerade untersucht, von der geografischen Herkunft der Stichprobe und sogar vom Grad der Übereinstimmung zwischen Eltern, Lehrern und Fachleuten...Schätzungen schwanken zwischen 1 bis 20 Prozent." In Wirklichkeit schwanken die Schätzungen noch stärker, als Barkley meint. In einer epidemiologischen Studie in England wurden nur 2 von 2199 Kindern als "hyperaktiv" diagnostiziert (0.09 %). In Israel dagegen wurden 28 Prozent der Kinder von Lehrern als hyperaktiv eingestuft. Und in einer älteren Studie in den USA schätzten Lehrer 49,7 % der Jungen als ruhelos, 43,5 mit einer "kurzen Aufmerksamkeisspanne" und 43,5 % als "unaufmerksam für das, was andere sagen" ein. Das Ratespiel Da diese Schätzskalen also auf Meinungen statt auf Fakten beruhen, gibt es keinerlei objektive Kriterien, mit Hilfe derer man entscheiden kann, wie stark ein Kind ADD-Symptome zeigt. Worin soll zum Beispiel der Unterschied in harten Daten zwischen zwei Kindern liegen, von denen das eine bei "Zappelig" bei 5, das andere bei 4 liegt? Bedeuten die Werte, dass das erste Kind einen Punkt zappeliger ist als das zweite? Natürlich nicht. Der Versuch, einem Verhaltensmerkmal eine Zahl zuzuordnen, bringt das eben schon erwähnte Problem des jeweiligen Kontextes mit sich. Das Kind kann beim Merkmal "Zappeligkeit" in bestimmten Situation bei 5, in anderen Situationen bei 1 liegen. Wer kann entscheiden, wo die Gesamteinschätzung für dieses Kind liegt? Wenn ein Lehrer dem Lernen mit dem Arbeitsbuch mehr Bedeutung zumisst als der Handarbeit, (z. B. dem Türmebauen), wird seine Einschätzung in Richtung akademischer Aufgabenstellungen verfälscht, wobei solch ein Verfahren kein zuverlässiges Gesamtbild des Kindes für die Schule abgeben kann, für sein sonstiges Leben erst recht nicht. Es überrascht denn auch nicht, dass es oft keine Übereinstimmung zwischen Eltern, Lehrern und Fachleuten bei der Anwendung solcher Schätzskalen gibt, wenn es darum geht, genau einzustufen, wer hyperaktiv ist oder ADD hat. In einer Studie mit 5000 Grundschülern wurden Eltern, Lehrer und Fachleute gebeten, hyperaktive Kinder zu benennen. Die Beurteilergruppen stuften 5 % der Kinder als hyperaktiv ein, aber nur in 1 % der Fälle stimmten sie dabei überein. In einer anderen Studie, in der ein sehr bekanntes Schätzverfahren zur Anwendung kam, stimmten Vater und Mutter bei ihrem eigenen Kind nur zu etwa 32 % überein, und die Übereinstimmung zwischen Eltern und Lehrer war noch schlechter: sie stimmten nur in 13 % überein. Diese Schätzskalen fordern Eltern und Lehrer implizit dazu auf, die Aufmerksamkeit und das Verhalten eines potentiellen ADD-Kindes mit einem "normalen" Kind zu vergleichen. Das stellt uns aber die Frage: Was ist normales Verhalten? Zappeln normale Kinder? Natürlich! Haben normale Kinder Schwierigkeiten, aufmerksam zu sein? Ja, unter bestimmten Bedingungen. Wann genau aber geht normales Zappeln in ADD-Zappeln über, und wann wird aus einer normalen Aufmerksamkeitsschwierigkeit ADD? Solche Fragen wurden bisher von den Fachleuten nicht angemessen gestellt, was die Legitimität dieser Schätzskalen ernsthaft in Frage stellt. Bei aller Konzentration auf die Kinder, die am oberen Ende von Hyperaktivität zu liegen kommen, fragt sich seltsamerweise niemand, was mit denjenigen Kindern los ist, die statistisch am anderen Skalenende zu liegen kommen: Kinder, die zu aufmerksam sind, zu angepasst, zu still oder zu hypoaktiv. Warum gibt es keine Sonderklassen, Medikationen und Therapien auch für diese Kinder? Eine schöne neue
Welt seelenloser Tests Ganz abgesehen davon, dass diese Aufgabe keinerlei Bezug zu irgendetwas hat, was Kinder jemals in ihrem Leben tun werden, erzeugt GDS einen angeblich "objektiven" Wert, der als bedeutsame Messung der Aufmerksamkeit eines Kindes betrachtet wird. Tatsächlich aber sagt uns der Wert nichts, ausser, wie gut ein Kind dabei abschneidet, wenn es sich auf eine sinnlose Wiederholungsreihe bedeutungsloser Zahlen in einer seelenlosen Aufgabe konzentriert. Dennoch schreibt ADD-Experte Russell Barkley: "(GDS) ist die einzige CPT, die genügend Aufschluss gibt...um in der klinischen Praxis angewendet zu werden." GDS wird deshalb nicht nur im Rahmen der ADD-Diagnostik angewendet, sondern auch zur medikamentösen Dosisanpassung bei diagnostizierten Kindern. Es gibt noch eine weitere Schwierigkeit bei der Anwendung sog. standardisierter Verfahren in der ADD-Diagnostik bei Kindern. Die meisten dieser Tests (einschließlich der Schätzskalen und CPTs) wurden auf ihre Gültigkeit hin untersucht, indem man sie bei Kindern anwendete, die bereits vorher auf anderen Wegen die Diagnose ADD erhalten hatten, und ihre Testwerte dann mit als normal eingestuften Kindern verglich. Wenn sich dann die beiden Gruppen bedeutsam unterschieden, wurde dies als gültiger Indikator für ADD ausgelegt. Man muss aber fragen, wie die ADD-Kinder der Untersuchungsgruppe zu ihrer früheren Diagnose kamen. Die Antwort wird lauten: Mit Hilfe eines früheren, anderen Tests. Und woher soll man wissen, dass dieser andere Test ein gültiger ADD-Indikator war? Weil er durch den Vergleich zweier Gruppen geprüft wurde: Normale versus ADD-Kinder. Aber woher soll man wissen, ob diese ADD-Kinder wirklich ADD-Kinder waren? Durch einen noch früheren Test... und so weiter und so fort. Es gibt einfach keinen Erstauslöser in dieser Kette aufeinanderfolgender Tests, keinen Ersten Test für ADD, der selbsterklärend und unfehlbar wäre. Folglich muss die Gültigkeit solcher Tests immer zweifelhaft bleiben. Die Suche nach dem
Defizit In einer anderen Studie der Universität Groningen, Niederlande, wurde untersucht, wie sich Kinder durch irrelevante Informationen von ihrer Hauptaufgabe (sie mussten auf einem Blatt Papier 4-Punkte-Gruppen im Unterschied zu 3-Punkte-Gruppen heraussuchen) stören lassen. Die sog. hyperaktiven Kinder liessen sich nicht stärker ablenken als die sog. normalen Kinder, was die Forscher zur Schlussfolgerung veranlasste, dass die hyperaktiven Kinder kein umgrenztes Aufmerksamkeits-Defizit zu haben schienen. Auch andere Studien legen nahe, dass "ADD-Kinder" anscheinend keine Probleme mit dem Kurzzeitgedächtnis und mit anderen Faktoren haben, die für die Aufmerksamkeitsfunktion wichtig sind. Wo also ist das Aufmerksamkeits-Defizit? Ein Maschinen-Krankheits-Modell Auf einer nationalen Konferenz über ADD hörte ich Fachleute ähnliche Erklärungen für betroffene Kinder austauschen, indem sie Flugzeuge zum Vergleich heranzogen ("dein Gehirn ist wie ein großes Flugzeug...du hast Probleme im cockpit"), oder ein Autoradio ("du hast Schwierigkeiten, Störgeräusche auszublenden") oder den Fernseher ("du erlebst Probleme mit der Senderwahl"). Solche vereinfachenden Bilder scheinen die Vorstellung zu vermitteln, dass Menschen wirklich keine besonders komplizierten Organismen sind, dass man nur den richtigen Schraubenschlüssel braucht, das passende Benzin einfüllen oder am passendenen Schaltkasten herumbasteln muss - und alles wird gut. Von hier aus ist es auch nur ein kleiner Schritt zu noch verletzenderen mechanistischen Metaphern ("dein Fahrstuhl kommt nicht immer bis ganz nach oben"). Ein anderes Merkmal des ADD-Mythos, das mich umtreibt, ist die Fixierung auf "Krankheit" und "Unfähigkeit". Diese Einstellung hat mich teilweise fast erschlagen, als ich auf einem workshop einen führenden ADD-Vertreter seinen Vortrag damit einleiten hörte, dass er ADD als eine medizinische Krankheit mit eigener Ätiologie (Ursache), Pathogenese (Entwicklung), Epidemiologie (Vorkommen) und eigenem klinischen Ausdruck (Symptome) betrachte. Vorreiter dieser Sichtweise reden davon, dass es "keine Heilung" bei ADD gebe und Eltern durch einen "bedrückenden Prozess" gehen müssten, wenn ihr Kind erst einmal diese "Diagnose" erhalten hätte. Der ADD-Guru Russell Barkley meinte kürzlich: "Obwohl diese Kinder nicht körperlich beeinträchtigt aussehen, so sind sie dennoch neurologisch beeinträchtigt...vergessen Sie nicht, es sind beeinträchtigte Kinder". Zu dieser Sichtweise passt es nicht, die Begabungen oder gesunden Anteile eines Kindes -Merkmale, die entscheidend sind, um dem Kind zu einem erfolgreichen Leben zu verhelfen- auch nur zu erwähnen. Es ist wirklich so: Literatur über die Stärken, Begabungen und Fähigkeiten der sog. ADD-Kinder existiert praktisch nicht. Auf der Suche nach
dem ADD-Gehirn Bei dieser Suche nach einer physischen Ursache sah sich die ADD-Bewegung im Jahre 1990 durch eine Veröffentlichung von Alan Zametkin vom Nationalen Institut für geistige Gesundheit im "New England Journal of Medicine" am Ziel angekommen. Diese Studie fand einen Zusammenhang zwischen der Hyperaktivität Erwachsener und einer Glukose-Stoffwechselstörung in Hirnarealen, die mit der Steuerung von Aufmerksamkeit, Planung und motorischer Aktivität zu tun haben (prämotorischer und präfontaler Cortex). Mit anderen Worten: Zametkin zufolge arbeiteten diese Hirnareale nicht so, wie sie sollten. Die Medien griffen diese Studie auf und verbreiteten sie landesweit. ADD-Vertreter beriefen sich ab jetzt auf diesen "Beweis" der medizinischen Ursache von ADD. Hirnbilder, die die Glukoseverbreitung eines "ADD-Gehirns" im Vergleich zu einem "normalen" Gehirn darstellten, wurden bei Konferenzen und Treffen von CHADD ("Children and Adults with Attention Deficit Disorder") gezeigt. Eine ADD-Advokatin sprach offenbar für viele aus der ADD-Bwegung, als sie schrieb: "Im November 1990 äusserten viele Eltern von ADD-Kindern einen allgemeinen Seufzer der Erleichterung, als Dr. Alan Zametkin einen Forschungsbericht veröffentlichte, dass Hyperaktivität (die mit ADD eng verbunden ist) von einer Glukose-Stoffwechselstörung verursacht wird. Endlich haben wir eine Antwort auf die Skeptiker, die alles nur als schlechtes Benehmen und Ergebnis von Erziehungsfehlern betrachten". Was die Medien und CHADD allerdings nicht veröffentlichten war die Studie von Zametkin et. al., die drei Jahre später in "Archives of General Psychiatry" erschien. Im Versuch, die Ergebnisse der Studie aus 1990 diesmal bei Jugendlichen zu wiederholen, fanden die Forscher keinen Unterschied zwischen den Hirnen der sog. "Hyperaktiven" und der sog. "Normalen". Und die Ergebnisse der Studie aus 1990 erschienen rückblickend auch nicht besonders gut. Wenn man die Ergebnisse dieser Originalstudie hinsichtlich des Geschlechts der Versuchspersonen korrigierte (ursprünglich gab es in der Versuchsgruppe mehr Männer als in der Kontrollgruppe), ergab sich kein bedeutsamer Unterschied zwischen den untersuchten Gruppen. Fakultätsangehörige der University of Nebraska haben kürzlich in einer Kritik der Forschungen Zametkins betont, dass seine Studien keine Antwort auf die Frage liefern, ob die beobachtete Glukose-Stoffwechselstörung die Ursache oder die Folge der Aufmerksamkeitsstörung sei. Die Kritiker gaben zu bedenken, dass man z.B. bei Menschen, die man erschreckt hat und deren Adrenalinspiegel deshalb erhöht ist, ja auch keine "Adrenalin-Störung" diagnostizieren würde. Man würde wohl stattdessen nach den Ursachen des erhöhten Adrenalinspiegels fragen. Genauso müssten wir immer dann, wenn es biochemische Abweichungen im "ADD-Gehirn" gibt, nach den nicht-biologischen Faktoren fragen, die einige dieser Unterschiede bewirken können, wie Stress, Lernstil und Temperament. Das Stigma ADD Im Jahre 1991, als so bedeutende Erziehungsorganisationen wie die National Education Association (NEA), die National Association of School Psychologists (NASP) und die National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) gegen eine Anerkennung des Kongresses von ADD als gesetzlich anerkannte Behinderung erfolgreich vorgegangen waren, schrieb die NEA-Sprecherin Debra DeLee: " Wenn wir eine neue Kategorie wie ADD, die ausschliesslich auf Verhaltensbeobachtungen wie Hyperaktivität, Impulsivität und Unaufmerksamkeit basiert, einführen, erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit, Studenten aus rassischen, ethnischen und linguistischen Minoritäten zu stigmatisieren". Und Peg Dawson, ehemaliger NASP-Präsident, betonte: "Wir sind nicht der Ansicht, dass eine Ausbreitung von Diagnosen der geeignete Weg ist, mit ADD umzugehen. Es ist im besten Interesse unserer Kinder, dass wir mit diskriminierenden Diagnosen aufhören und stattdessen nach den ganz individuellen Bedürfnissen jedes Kindes fragen". Dennoch wird ADD weiterhin in der amerikanischen Erziehung an Boden gewinnen. Es ist deshalb an der Zeit, inne zu halten und eine Bestandsaufnahme dieser "Krankeit" vorzunehmen und zu entscheiden, ob es diese Krankheit wirklich gibt, oder ob es nicht vielmehr eine Manifestation des Bedürfnisses unserer Gesellschaft nach einer solchen Krankheit ist. (Quelle: Dr. Thomas
Armstrong. Copyright © 1998-2000 Dr. Thomas Armstrong Die Bundesregierung wird handeln Alles Lobby-und Funktionärsgeschrei war umsonst: Wie DER SPIEGEL berichtet, wird die Bundesregierung die bereits vor längerer Zeit angekündigten Schritte einleiten, um die Verschreibungspraxis für Methylphenidat in Deutschland zu verbessern. Wir vom Café Holunder haben das von Anfang an unterstützt. H.-R. Schmidt ZEITZEUGEN (9)
Als ganz
typischer ADSler befindet sich Donald Duck
in
bester Promi-Gesellschaft (mit z.B. Dschordsch Dabbelju
Busch, Albert Einstein, Popeye, Maite, dem Lieben Gott,
Nicole Referendarin (unveränderliches Kennzeichen: 26 =
5 + 21), Rumpelstilzchen, Scharping (einer der äußerst
seltenen und vom Aussterben bedrohten Hypos), um nur die
Wichtigsten kurz zu nennen). Beherzt schreitet er zu Taten. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit will er den Ärmelkanal durchschwimmen und dabei eine Pampelmuse auf einer Makkaroni balancieren. Obwohl völlig untrainiert, nimmt er an den Ausscheidungswettkämpfen zu den Olympischen Spielen teil, denn schließlich hatte er ja drei Jahre zuvor »den dritten Preis im Sackhüpfen beim Wiesenfest gewonnen. « Die steten Mißerfolge Donalds bedrücken auch seine Neffen. Sie zeigen eine gewisse menschliche Größe, indem sie nicht offen mit ihm hadern, unter sechs Augen aber verhehlen sie ihren Kummer nicht: »Wenn Onkel Donald ein Künstler wär und im Fernsehen aufträte, könnten wir auch stolz sein. Ist er aber nicht.« Wo es nur geht, versuchen sie, seinem Ansehen aufzuhelfen. Eine Gelegenheit bietet sich, als der größte Kinderfreund Entenhausens gesucht wird. Donald bewirbt sich und führt gegen den Konkurrenten Gustav Gans einen Wahlkampf im besten Waschmittelstil: »Für diejenigen unter Ihnen, meine kleine Herren und Damen, die mich noch nicht kennen sollten, möchte ich bemerken, daß ich selbst einmal jung war.. . Er unterstützt seine Selbstanpreisung mit dem bedenkenlosen Verteilen von Wahlgeschenken, was nicht verhindert, daß er auch bei diesem Sprung in die Öffentlichkeit wieder einmal auf den Pürzel fällt. Ein widriges Geschick namens ADS versagt ihm stets den Erfolg und zwingt ihn immer wieder in entwürdigende Lohnabhängigkeit zurück. Gewiß erledigt Donald seine Aufgabe nicht ungeschickt, doch in welchen Abgrund der Entfremdung stürzt er sich und um welchen Preis! Dabei ist er keineswegs zu dumm oder ungeschickt, um in einem ausgewogenen Verhältnis von Fähigkeit und Leistung nützliche Arbeit zu tun. Zum Beispiel ist er ein glänzender Autofahrer und ein Meister der Flugkunst, der es versteht, Regenwolken präzise über durstigem Acker zur Entladung zu bringen. Sein labiler Charakter aber, gepaart mit überspannten Hoffnungen auf gesellschaftliche Reputation, verkehrt sein Talent ins Negative. Der Stand der Wissenschaft verbietet uns die Annahme, daß Donalds negative Eigenschaften als dünne Striche auf seinen Chromosomen eingezeichnet sind. Vielmehr fällt er unter die Bruchquote einer prestigeorientierten Leistungsgesellschaft. Sein Hang zur Uniform ist notorisch. Feuerwehrmann und Postbote, Stationsvorsteher und Grenzpolizist sind Berufe, die ihn begeistern. Einen Höhepunkt in dieser Sparte erreicht er als Schulpolizist. Hier bricht der latente Faschismus eines in seiner Persönlichkeitsentwicklung gehemmten und in seiner sozialen Rolle total verunsicherten Menschen auf. Literatur: Ulli
Liebe Gäste, zu den
innerfamiliären Risikofaktoren für die Entwicklung
psychischer Störungen bei Kindern gehören personale
Verlusterlebnisse (Tod des Vaters, der Mutter, eines
Geschwisters, aber auch "Verschwinden" eines
Elternteils durch Scheidung etc.). Konzentrations- und
Verhaltensstörungen bei Kindern können mit solchen
unverarbeiteten Traumata in Beziehung stehen, ein
empirisch sehr gut belegter Zusammenhang, der in
Internetforen zu ADHS fast vollkommen aus dem Bewusstsein
ausgeblendet wird (obwohl er sehr oft zwischen den Zeilen
durchscheint und dem aufmerksamen Leser praktisch "ins
Auge springt"). Deshalb hier die Kurzform eines
meiner Vorträge, die ich regelmäßig für Eltern halte: Wenn Kinder trauern von Hans-Reinhard Schmidt Frau Müller ist ratlos: ihr 9-jähriger Sohn Martin schwänzt die Schule, ist mürrisch und verschlossen. Danach befragt, ob es in Martins Umwelt oder seiner Familie in letzter Zeit irgendwelche Besonderheiten gegeben habe, antwortet die Mutter: "Nein, alles war ganz normal." Allerdings sei Ihr Mann, Martins Vater, vor 14 Monaten bei einem Autounfall ums Leben gekommen, aber daran könne es doch wohl nicht liegen, das sei doch schon so lange her... Für Martins Verhalten kann es natürlich viele Gründe geben. Mutter, Martin und der Erziehungsberater finden aber keinen besonderen Grund, und weil der Tod eines engen Familienangehörigen immer ein einschneidendes Erlebnis ist, sollten wir doch genauer untersuchen, ob Martin noch stärker unter dem plötzlichen Tod seines Vaters leidet, als die Mutter glaubt. Martin kam damals gut gelaunt vom Spielen herein und sah gerade noch, wie zwei Polizisten die Wohnung verließen. Die Mutter sei ganz blass gewesen und in der Wohnung hin- und hergelaufen. Martin habe nicht gewusst, was passiert sei. Dann sei die Mutter im Schlafzimmer verschwunden und Martin habe sie laut weinen hören. Das habe ihn sehr erschreckt, so dass er sich in sein Bett verkrochen habe. Dort sei er eingeschlafen. Als er wieder aufgewacht sei, sei es schon dunkel gewesen und er habe alles vergessen gehabt. Seine l2jährige Schwester sei ins Zimmer gekommen und habe gesagt, der Papa sei tot. Martin habe nach seiner Mutter gesucht, die sei aber nicht zu Hause gewesen. Da habe er mit der Schwester Memory gespielt. Noch später habe ihn die Schwester ins Bett gebracht und er habe wieder geschlafen. Am nächsten Morgen seien viele Leute in der Wohnung gewesen, Nachbarn, Freunde der Eltern, die Oma. Die Mutter sei mittendrin gesessen und habe ab und zu geweint, alle hätten sich um sie gekümmert und sie getröstet. Die Schwester habe sich eng an die Mutter geschmiegt. Zuerst habe gar keiner auf Martin geachtet. Dann aber habe die Oma ihn auf den Schoß genommen und ihm erzählt, dass alles so schlimm sei und er jetzt ganz tapfer sein müsse. Frau Müller erzählt, wie empört die Oma gewesen sei, als Martin verlangt habe, dass die Mutter heute mit ihm zum Spielplatz gehen solle. Es war vereinbart gewesen, dass der Vater heute mit Martin zum Spielplatz gehen wollte, und weil der ja jetzt nicht könne, müsse eben die Mama mit ihm gehen. Martin habe seinen Vater nicht wieder gesehen, auch nicht bei der Beerdigung, da sei "die Holzkiste", in der der Papa gelegen sein soll, zu gewesen. Der Papa liege jetzt auf dem Friedhof, sage die Mama. Jede Woche gehe er mit der Mama dort hin, dann legen sie Blumen aufs Grab. Neulich habe Martin beim Abendessen gesagt: "Mama, heb die Wurst auf, die kann der Papa essen, wenn er nachher von der Arbeit kommt." Da habe die Schwester gesagt, er sei wohl blöde! Er habe in der Folgezeit noch öfter gefragt, wann der Papa denn endlich wieder komme. Die Mutter habe dann meistens zu weinen angefangen, aber seit sie vor kurzem einen neuen Partner kennengelernt habe (einen getrennt lebenden Familienvater), sei sie über alles hinweggekommen. Martin habe nie geweint oder irgendwelche Gefühle im Zusammenhang mit dem toten Vater gezeigt. Mit Trauer bezeichnen wir menschliches (und übrigens auch tierisches) Verhalten nach einem Verlusterlebnis, nach dem vollständigen oder teilweisen (partiellen) Verlust eines Menschen, zu dem wir eine Beziehung, eine Bindung haben. Sie sehen also, dass wir Trauer nur verstehen können, wenn wir eine Vorstellung von Bindungen haben. Der berühmte britische Psychiater John Bowlby hat menschliche Bindungen und die Wirkung von Bindungsverlusten ausführlich erforscht. Seine Bindungstheorie besagt, daß der Mensch als soziales Wesen von Geburt an das überlebenswichtige Bedürfnis nach engen Bindungen zu anderen Menschen mitbringt. Sobald diese Bindungen gefährdet oder verloren sind, treten charakteristische, stark emotionale Verhaltensweisen auf, die zunächst darauf ausgerichtet sind, den drohenden Verlust zu verhindern oder, wenn er nicht zu verhindern war, zu überwinden und andere oder neue Bindungen einzurichten. Es handelt sich dabei um Verhaltensweisen, die sich beim Menschen nicht wesentlich von höheren Tieren zu unterscheiden scheinen. Trauern als Anpassung an einen Verlust müssen wir uns als einen Prozess vorstellen, der ganz bestimmte Verhaltensabfolgen umfasst und der vor allem seine Zeit braucht. Dabei ist Trauer nichts, was passiv mit uns passieren muss, sondern ein Prozess, den wir (im Unterschied zu den Tieren) aktiv beeinflussen, d.h. sowohl fördern als auch behindern können. Sigmund Freud sprach denn auch von Trauerarbeit, um deutlich zu machen, dass Trauern Anstrengung und seelische Aktivität bedeutet. Trauern ist kein Zustand, sondern ein Vorgang. Der amerikanische
Psychiater J. William Worden, der dies betont und
auf den ich mich beziehe (J. W Worden: Beratung und
Therapie in Trauerfällen. Huber 1999) geht davon aus,
dass ein trauernder Mensch vier Aufgaben aktiv
bewältigen muss, wenn er einen Trauerfall ohne
seelischen Schaden erfolgreich bewältigen will. Diese 4
Traueraufgaben heißen:
Was ist damit gemeint? Den Verlust als Realität akzeptieren. Unsere erste Reaktion auf die Mitteilung, dass eine uns nahestehende Person verstorben ist, ist nicht selten der Ausruf: "Nein!" oder "Das kann nicht wahr sein!" oder etwas Ähnliches, was verdeutlicht, wie schwer es uns fällt, die Realität des Todes anzunehmen. Das ist etwas ganz Normales. Wir haben einfach keine Vorstellung vom Tod, niemand von uns war schon einmal tot. Die Information, dass jemand tot ist, hat deshalb oft zunächst etwas Unwirkliches, Unvorstellbares, schwer in Worte zu Fassendes an sich. Nicht-Wahrhaben-Wollen und Verleugnen des Todes können ganz unterschiedliche Ausprägungen annehmen: von leichten, normalen Formen bis zu ausgeprägten Wahnvorstellungen. Von dem Erschrecken darüber, den Verstorbenen z.B. in einer Menschenmenge wiedererkennen zu glauben, bis man dann den Irrtum feststellt, über das Unverändern des Zimmers des Toten, so als ob alles so sein solle wie immer, wenn der Tote wieder zurückkommen sollte, bis hin zur Weigerung der Ehefrau, den Tod ihres Ehemannes jemandem zu erzählen, den Toten tage- und wochenlang im Bett liegen zu lassen, mit ihm zu sprechen, für ihn zu kochen usw. Ein klassisches Filmbeispiel hierfür kennen Sie vielleicht ais Hitchcocks "Psycho", wo der verwirrte Sohn seine tote Mutter täglich ans Fenster setzt, damit sie hinausschauen kann. Es ist also sehr wichtig, sich davon zu überzeugen oder überzeugen zu lassen, daß derjenige wirklich tot ist. Das fängt, wie gesagt, bereits mit der Sprache an: Kinder brauchen genau wie Erwachsene auch die klare Mitteilung über den Tod des geliebten Menschen, möglichst direkt klar und wahrheitsgemäß. Nur so fühlt sich das Kind ernstgenommen und in die Trauer der Familie eingebunden. Wenn die Kinder auf diese Mitteilungen weitere Einzelheiten wissen wollen, soll man sie ihnen ausführlich berichten, soweit man sie selber weiß. Manchmal kommen solche Fragen aber nicht sofort, sondern erst Tage oder Wochen später. Man soll sie aber erst beantworten, wenn sie kommen, d.h. man soll die Kinder nicht mit Einzelheiten bedrängen, nach denen sie noch gar nicht gefragt haben. Nur wenn lange Zeit gar keine Fragen kommen, soll man von sich aus das Gespräch mit dem Kind suchen und Einzelheiten erzählen. Man sieht dann schon, wie das Kind reagiert, ob es weitere Einzelheiten wissen will oder vorerst nicht. Wenn sich jemand umgebracht hat, fällt dies uns allen besonders schwer. Schuldgefühle, die Angst, verantwortlich zu sein für den Tod des anderen, sorgen dafür, daß der Selbstmord in unserer Gesellschaft besonders stark tabuisiert ist. Aber trotzdem sollen Kinder eine wahre Antwort auch hier erhalten. Man kann z.B. sagen: "Sie war so traurig, daß sie wohl nicht mehr leben wollte. Kinder können eigentlich nicht so traurig werden, daß sie so etwas tun. Ich war auch noch nie so sehr traurig" In dieser Erklärung schwingt gleich die Beruhigung bei der Angst mit, daß sich andere oder man selbst auch umbringen könnten. Man distanziert sich sozusagen ein bißchen vom Selbstmord des Toten. Wenn z.B. eine Krebserkrankung der Todesgrund war, kann man einem 6jährigen Kind etwa sagen: ,, Die Susanne hatte eine schlimme Krankheit, die heißt Krebs, die kann man leider noch nicht heilen, und daran ist sie gestorben, die Arme. So eine Krankheit ist aber ganz selten bei Kindern, und man kann sie auch nicht erben. Hoffentlich kann man in ein paar Jahren so eine Krankheit heilen." Kompliziert kann es sein, wenn man den Verstorbenen gehasst hat und Genugtuung über seinen Tod empfindet. Solch ein Gefühl darf nicht ins Bewusstsein dringen, sich über den Tod eines Familienmitgliedes zu freuen, ist tabu. Der notwendige Verdrängungsprozess verlängert die Trauer meist erheblich und sorgt für manchmal mannigfache neurotische Begleiterfahrungen. Ideal im Sinne einer geglückten Trauerarbeit ist es, wenn man sich dann von der betreffenden Person noch zu Lebzeiten irgendwie verabschieden kann. So etwas ist heutzutage selten. Sobald der Tod naht, werden Sterbende heute oft aus dem Haus in eine anonyme Klinik verbracht, wo sie nicht selten auf einer Intensivstation dahin dämmern und ein Apparat ein Signal gibt, wenn sie schon tot sind. Als Willy Millowitsch in Köln starb, erleichterte der Umstand, dass er in seinem Theater aufgebahrt zur Schau gestellt wurde, seinen vielen Hundert vorbeiflanierenden Anhängern (Erwachsene und viele Kinder) die Realisierung seines Todes. Allerdings konnte man ihn abends wieder im Fernsehen herumhüpfen sehen, so, als wäre er doch gar nicht gestorben! Alles, was die Unterdrückung des Trauerschmerzes fördert, verlängert die Trauer. Deshalb soll man einen Trauernden, auch ein Kind, nicht zu rasch aufzuheitern oder abzulenken versuchen. Vor allem der Zorn über den Toten oder über das ungerechte Schicksal, das einen getroffen zu haben scheint, wird rasch geleugnet oder verdrängt. "De mortiis nil nisi bene, über die Toten nur Gutes, sagt der alte Lateiner. Dabei ist die Wut oder der Zorn beim Verlassenwerden von einer geliebten Person etwas ganz Normales. Als der 7jährige Tobias erfuhr, dass sein Vater sich umgebracht hatte, sagte er: "Das ist ganz gemein von dem, der wollte mir doch ein neues Fahrrad schenken! Dieser Zorn kann einen Hinterbliebenen verwirren, so daß er ihn nicht zuläßt und auf ein anderes Objekt verschiebt: man ist dann wütend über die Ärzte, die versagt haben, oder über sich selbst, weil man glaubt, irgend etwas versäumt zu haben, was den Verstorbenen angeblich hätte retten können. Dieser nach innen gerichtete Zorn kann die Trauerarbeit stark behindern. Eine unter Depressionen leidende Mutter machte sich zeitlebens Vorwürfe, dass sie ihrem 17jährigen Sohn erlaubt hatte, den Motorroller-Führerschein zu machen. Er war mit dem Roller tödlich verunglückt. Andere Gefühlszustände in Folge eines Verlustes sind Angst, Hilflosigkeit, Sehnsucht nach dem Verstorbenen, Einsamkeit und Verlassenheitsgefühle, Müdigkeit und Apathie, aber auch Gefühle der Befreiung und der Erleichterung: eine junge Frau hatte unter der Tyrannei ihres Vaters gelitten. Als er an einem Herzinfarkt starb, zeigte sie normale Trauerreaktionen, aber gab auch ein Gefühl der Erleichterung zu, das sie zunächst zu unterdrücken versuchte, dann aber als normal und verständlich akzeptieren konnte. Wenn ein realistischer Umgang mit dem Todesfall und ein Zulassen des Trauerschmerzes stattgefunden haben, steht wenig im Wege, die dritte Traueraufgabe zu lösen: Sich anpassen an eine Umwelt, in der der Verstorbene fehlt. Der 9jährige Peter schimpft beim Mittagessen: "Wir sind gar keine richtige Familie, bei uns fehlt ja der Vater. Alle meine Freunde haben einen Papa, bloß ich nicht:" Sein Vater war vor 2 Jahren gestorben. Peter begreift, was es heißt, ohne Vater zu leben. Die Mutter sollte nicht unwirsch, ablenkend oder peinlich berührt reagieren, sondern ganz nüchtern mit Peter besprechen, welche Vor- und Nachteile ein Leben ohne Vater möglicherweise hat (dabei erzählt Peter z.B. von seinem Freund Michael der seinen Vater überhaupt nicht leiden könne und ihn manchmal auf den Mond wünsche), und ob Peter sich vielleicht einen Ersatzvater wünscht. Vielleicht soll die Mutter neu heiraten meint Peter? (er erzählt von seinem Freund Hans, der sogar 2 Väter habe, einen echten geschiedenen, und einen "Zweitvater). Solche Überlegungen und Gespräche zwischen Mutter und Sohn zeigen das Bemühen beider, ohne den Verstorbenen leben zu lernen, neue Wege zu überlegen, das Fehlen des Verstorbenen offen zu diskutieren und sich damit aktiv auseinander zu setzen. Nach der Schmerzphase der Trauerverarbeitung wenden sie sich nun schrittweise wieder der sozialen Lebenswirklichkeit zu und planen ihre weiteren Verhaltensmöglichkeiten. Gerade alleinerziehende Mütter sprechen meist sehr wenig mit ihren Kindern über den doch so wesentlichen Umstand, dass kein Vater da ist, sei er tot oder nur durch Scheidung abwesend. Die Auswirkungen des fehlenden Vaters werden oft geleugnet oder sogar als einseitig positiv missdeutet. In dieser Trauerphase stellt man nicht selten, fest, dass man Dinge anders tun muss und kann, die bisher der Verstorbene getan hat. Ein Vater tut sich z.B. schwer bei der Vorstellung, dass er nun zu den Elternabenden in der Schule seines Sohnes gehen müsste, die bisher immer seine verstorbene Ehefrau besucht hatte. Eine Tochter findet heraus, dass sie ihre Probleme mit ihrem Freund auch mit dem Vater besprechen kann (oder auch nicht), was sie bisher immer mit der verstorbenen Mutter konnte. Ungewohnte neue Rollen und Aufgaben müssen übernommen und aktiv gestaltet werden. Emotionale Energie vom Verstorbenen abziehen und in eine andere Beziehung investieren. Was ist darunter zu verstehen? Bei dieser Aufgabe geht es darum, sich soweit gefühlsmäßig vom Verstorbenen zu lösen, dass gelingende neue Beziehungen möglich werden oder die gefühlsmäßigen Bindungen an den Verstorbenen zumindest nicht mehr die Zukunftsplanung lähmen und verhindern. Man geht befreit und wahrscheinlich an Erfahrung reicher aus dem Verlusttrauma hervor und zuversichtlich in die Zukunft. Verwitwete Ehepartner heiraten nur zu 25 % neu, während gleichaltrige Geschiedene zu 75 % wieder heiraten. Dies verdeutlicht die traumatische Wirkung eines Todesfalles im Vergleich zu einem oftmals bewusst beeinflussten Beziehungsabbruch. Wenn sich ein Kind an den verstorbenen Menschen satt-erinnert und seiner satt-gesehnt hat, so ist es frei für seine Zukunft, für andere Interessen, für neue Menschen, für einen neuen Partner der Mutter oder des Vaters, für ein neues Geschwisterchen. Aber in jeder späteren Entwicklungsphase kann der Verlust erneut schmerzlich erinnert werden. Er bleibt für das ganze Leben prägend, aber nicht behindemd. Einem Teenager fiel es sehr schwer, sich mit dem Tode seines Vaters abzufinden. Nach einiger Zeit (sie studierte im Ausland) schrieb sie ihrer Mutter: "Es gibt andere Menschen, die man liebhaben kann. Das bedeutet nicht, dass ich Papa weniger liebhabe." Seit vielen
Monaten wartete Familie Schumann, Mutter, Vater und zwei
Kinder, mit Freude auf das "neue" Baby. Am
Abend begannen die Wehen. Oma kam, um auf die Kinder
aufzupassen. Die Eltern fuhren in die Klinik. Am
nächsten Mittag kam der Anruf des Vaters aus der Klinik,
das Baby sei am späten Abend, kurz nach der Geburt,
gestorben. Die Oma fuhr mit den beiden Kindern in die
Klinik, wo sie die Eltern mit dem toten Kind in einem
ruhigen Zimmer vorfanden. Der Vater hatte das tote Baby
im Arm... es hatte den blauen Strampelanzug an, den der
Vater gestern mit den Kindern gekauft hatte. Die Kinder
konnten das tote Baby anschauen... weinen... es anfassen
und streicheln... darüber sprechen, warum es nicht leben
konnte... alle waren sehr traurig und hatten das tote
Baby sehr lieb. |
Jugend- bke Bundeskonferenz
für Erziehungs- |