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ADS-Bücher: Kritisch Ritalin: Ein folgen- Das Verschwinden der Mädchen von der Oh wie verführerisch Alternative Behandlung Alternative Sichtweisen bei ADS Fundsachen: ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 1 |
ZEITZEUGEN (10)
Prof. Dr. Dr. Horst-Eberhard Richter, Psychiater, Sozialphilosoph und Psychoanalytiker war viele Jahre geschäftsführender Direktor des Psychosomatischen Universitätszentrums in Gießen. Mitbegründer der bundesdeutschen Sektion der IPPNW, ehem. Direktor des Sigmund-Freud-Institutes Frankfurt, erster Geschäftsführer und Sprecher der bundesdeutschen IPPNW, Ehrenvorstandsmitglied der deutschen IPPNW. 1980 erhielt er den Theodor-Heuss-Preis. In diesen Tagen wurde er mit dem Goethepreis der Stadt Frankfurt geehrt. Diesen Preis erhielt bereits Sigmund Freud im Jahre 1930. Café Holunder gratuliert ganz ganz herzlich! Prof. Richter
veröffentliche zahlreiche Bücher wie "Eltern, Kind
und Neurose", "Patient Familie" oder
"Der Gotteskomplex". Entscheidend ist und war
für ihn stets die Verteidigung eines - immer wieder
gefährdeten - humanistischen Weltbilds. H.-R. Richter war viele Jahre Direktor des international bekannten Instituts für Psychoanalyse in Frankfurt, das 1929 durch Heinrich Meng, den Namenspatron und Freund des Gründers meines derzeitigen Instituts, Prof. Dr. Gerd Biermann, gemeinsam mit Karl Landauer gegründet und geleitet worden war. Auch aus dieser historischen Verwandtschaft fühlen wir uns H.-R. Richter verbunden. He´s a real good guy! H.-R. Schmidt
Erfurt: Solche schrecklichen Ereignisse
sind leider immer wieder der Moment der kollektiven
Heuchelei und Ursachenverdrängung. Bei ähnlichen
Ereignissen in USA hörte das öffentliche Gewissen
jeweils bei der Frage auf, woher die Kids die Waffen
hatten. Man überlegte nicht tiefer: Warum haben sich diese Kids die Waffen
besorgt und die Tat begangen? Man überlegt lieber nicht
tiefer, weil das Ganze sonst eine zwischenmenschliche
Beziehungsdimension annähme, der man sich persönlich
dann nicht mehr so leicht entziehen könnte. Auch die so
vordergründige Überlegung, ob (un)behandeltes "ADS"
bei dem 19jährigen Täter vorgelegen haben könnte,
funktioniert nach diesem Verdrängungsmechanismus. P.S.:
Wenn man so manche beflissene Betroffenheitsbekundung in
einschlägigen Internetforen von Leuten liest, die noch
gerade eben über andere Forenteilnehmer oder sonstige
Internetmenschen demütigend und niederträchtig
hergefallen sind... Wer wirklich vorbeugen will, muss bei
sich selbst anfangen, und das kann sogar beim Umgang
miteinander im Internet geschehen.
Mit Gruß, Ihr H.-R.
Schmidt
Endlich: Die Neue Preisfrage! Hier auf vielfachen Wunsch eines Einzelnen
unser neues Preisrätsel! Und hier die
heißersehnte Preisfrage: A: ADHS ist
eine genetisch bedingte, vererbbare, unheilbare
Hirnfunktionsstörung Hinweis: Sie müssen bei Ihrer Antwort einfach nur den oder die richtigen Buchstaben (A, B, C) nennen. Es können ein oder zwei oder drei Buchstaben richtig sein (tut mir leid, aber allzu leicht soll´s ja auch nicht sein für anspruchsvolle Café-Holunder-Gäste wie Sie, gell, net wahr, ohlreit und allesklar, woll?). Viel
Glück und viel Segen Ulli Deprivierte Ratten entwickelten Hirnveränderungen und hyperaktives Verhalten Die Bedeutung der Umwelt für die Entwicklung des kindlichen Gehirns von Prof. Dr. Anna Katharina Braun Die Behandlung von Lern- und Verhaltensstörungen und von psychischen Erkrankungen erfordert fundierte Kenntnisse der zellulären Mechanismen von lern- und erfahrungsinduzierten neuronalen und synaptischen Veränderungen. Es wird seit langem vermutet, dass der erste emotionale Lernprozess, die Entstehung der Kind-Mutter Bindung, eine wichtige regulatorische Funktion bei der psychischen und intellektuellen Reifung spielt. Ganz vergleichbar zur erfahrungsabhängigen funktionellen Reifung sensorischer Systeme beeinflussen frühe positive oder negative emotionale Erfahrungen und Lernprozesse die Reifung von emotionalen "limbischen" Schaltkreisen, die die Basis für die Verhaltensentwicklung bilden. Beobachtungen aus der Kinderpsychologie und psychiatrie haben schon sehr früh klar gemacht, dass emotionale Erlebnisse in früher Kindheit einen dauerhaften Einfluss auf die soziale und intellektuelle Entwicklung haben. Wenn es hier zu Störungen kommt, beispielsweise durch Verlust der Bezugspersonen oder traumatische Erlebnisse, dann kann es zu geistiger Retardierung oder zu seelischen Erkrankungen kommen. Eines der berühmtesten Beispiele ist Kaspar Hauser, der im Alter von etwa 17 Jahren als Findelkind gefunden wurde. Es war auffallend, dass er weder sprechen konnte, noch normales menschliches Verhalten zeigte, und es wurde sehr bald deutlich, dass ihm in diesem fortgeschrittenen Lebensalter das Sprechen bzw. normale soziale Verhaltensweisen nur noch schwer beizubringen waren. Dieses Beispiel zeigt, dass es offenbar sensible Zeitfenster in der psychischen Entwicklung gibt, in denen bestimmte Fähigkeiten, wie zum Beispiel die Sprache, effizienter erlernt werden können als in anderen Lebensphasen. Diese sensiblen Phasen korrelieren höchstwahrscheinlich mit bestimmten Entwicklungsphasen des Gehirns, in denen die am Lernvorgang beteiligten Hirnareale besonders plastisch sind. René Spitz, der Untersuchungen zur Entwicklung von Heimkindern durchgeführt hat, hat als einer der ersten folgende Hypothese aufgestellt: Wenn es zu frühen emotionalen negativen Umweltbedingungen kommt, kann es zu "seelischen Narben" kommen, die dann das Individuum übersensibel gegen spätere Negativerlebnisse machen könnten. Er postulierte also eine erhöhte seelische Vulnerabilität, die durch frühe traumatische Erlebnisse hervorgerufen wurde. Wir haben diese Hypothese übertragen in die Neurobiologie: wir postulieren, dass solche "psychischen Narben" das Resultat von frühkindlichen, durch ungünstige Umweltbedingungen entstandene Funktionsstörungen bestimmter Hirnsysteme sind, die dann auch die Ursache für die erhöhte Vulnerabilität gegenüber später eintretenden adversen Umwelteinflüssen sein könnten. Die ersten emotionalen Erfahrungen werden bei der Interaktion zwischen dem Neugeborenen und seinen Bezugspersonen gemacht und sind daher "prägend" für alle weiteren emotionalen Erfahrungen. In unserer Arbeitshypothese, die wir seit einigen Jahren an Tiermodellen überprüfen, gehen wir davon aus, dass die Kind-Eltern-Interaktion eine emotionale Regulation und Stabilisierung des Kindes bewirkt, und dass sich diese Regulationsmechanismen auf die funktionelle Reifung des Gehirns auswirken. Wir postulieren, dass es hierbei zu einer Reorganisation der synaptischen Verschaltungsmuster zwischen den Nervenzellen im Gehirn kommt, und zwar insbesondere im limbischen System, welches nicht nur für die emotionale Verhaltenssteuerung, sondern auch für Lernen und die Gedächtnisbildung von Bedeutung ist. Die Kind-Eltern-Interaktion wirkt sich also auf die funktionelle Reifung dieser für spätere Lern- und Verhaltensleistungen essentiellen Hirnschaltkreise aus. Findet diese Interaktion in einer adäquaten Art und Weise statt, entstehen normal funktionierende limbische Funktionen und es kommt zu einer normalen emotionalen und intellektuellen Reifung. Im pathologischen Falle, beispielsweise wenn die Eltern-Kind-Interaktion zeitweise oder auf Dauer unterbrochen wird - und das können wir im Labor bei unseren Tieren unter sehr kontrollierten Bedingungen induzieren kommt es ebenfalls zu einer Reorganisation dieser Hirnschaltkreise, aber vermutlich in eine andere Richtung. Wir vermuten, dass es in solchen Fällen entweder zu einer unvollständigen Reifung der limbischen Schaltkreise kommt oder sogar zu "defekten" synaptischen Verschaltungsmustern, die dann letztendlich vielleicht den seelischen und kognitiven Störungen zugrunde liegen, die in der Kinderpsychiatrie oder auch in der Erwachsenenpsychiatrie diagnostiziert werden. Ich werde im Folgenden nun versuchen, Ihnen an ein paar Beispielen zu zeigen, dass es zumindest aus dem tierexperimentellen Forschungsbereich einige Befunde gibt, die unsere Arbeitshypothese zumindest zum Teil belegen. Nur an geeigneten Tiermodellen können wir die Umwelt experimentell und unter kontrollierten Bedingungen verändern, und nur beim Tier können wir dann auch die Auswirkungen dieser Umweltveränderungen auf die Hirnentwicklung überprüfen. Was verändert sich bei frühen emotionalen Lernprozessen in den Strukturen, die im Gehirn die Informationsübertragung bewerkstelligen, nämlich den Nervenzellen und ihren Kontaktstellen, den Synapsen? In meiner Arbeitsgruppe untersuchen wir die Strauchratte (Octodon degus) als Tiermodell. Strauchrattenjunge werden, - wie der menschliche Säugling -, mit voll funktionsfähigen sensorischen Systemen geboren und können daher sofort nach der Geburt jede Umweltveränderung wahrnehmen. Sie leben monogam und zeigen, ebenso wie der Mensch, ein ausgeprägtes komplexes Sozial- und Vokalisationsverhalten. Eine weitere, im Tierreich sehr seltene Eigenschaft ist, dass die Väter mindestens genauso intensiv an der Kinderaufzucht beteiligt sind wie die Mütter. Hirnbiologische
Veränderungen nach zeitweiser oder chronischer Trennung
von den Eltern Eine Nervenzelle (Abb. 4a) besteht aus einem Zellkörper, von dem verzweigte Fasern abgehen, die die Empfangsstationen, also die "Antennen", für Informationen von anderen Nervenzellen sind. Kleine, gerade noch im Lichtmikroskop sichtbare Dörnchen, auf englisch "spines" genannt, sind die Andockstationen, an denen die Fasern von anderen Nervenzellen ihre Informationen übermitteln. Es wurden in diesem Experiment vier Tiergruppen im Alter von 45 Tagen untersucht, das entspricht bei dieser Tierart dem Zeitraum kurz vor der Pubertät. Eine Kontrollgruppe wurde ungestört bei der Familie aufgezogen. Eine zweite Gruppe wurde dreimal täglich, und zwar beginnend vom ersten Lebenstag an, für eine Stunde aus dem Elternhaus entfernt, wobei jedes Jungtier einzeln in ein kleines Kistchen gesetzt wurde, so dass sie ihre Geschwister hören und riechen, aber nicht kontaktieren konnten. Ab dem 21. Postnataltag können die Tiere selbständig Nahrung aufnehmen und verblieben dann ungestört im Familienverband. Eine dritte Gruppe wurde in den ersten drei Lebenswochen wie die vorhergehende behandelt, die Tiere wurden jedoch dann vom 21. Lebenstag an einzeln in Käfigen ohne jeden Sozialkontakt mit Artgenossen aufgezogen. Als Ergebnis fanden wir, dass die deprivierten Tiere sehr viel mehr Spine-Synapsen besitzen als die Kontrolltiere. Dies erscheint zunächst verblüffend, weil man vielleicht eher erwartet hätte, dass eine Deprivation zu einer Verminderung von synaptischen Verschaltungen führen sollte. Viele Synapsen im Gehirn sind jedoch nicht notwendigerweise gleichzusetzen mit besonders guten Denk- und Lernleistungen. Es ist nicht so sehr die Quantität sondern eher die Qualität und Spezifität der synaptischen Verschaltungen, die die Leistungen des Gehirns ausmachen. Es gibt genetisch bedingte Erkrankungen bei Menschen, z.B. das fragile X-Syndrom, bei dem gezeigt wurde, dass die geistig retardierten Patienten zu viele Spine-Synapsen im Gehirn haben, und eine Studie an Schizophrenen zeigte, dass diese Patienten im Präfrontal-Cortex zu viele Synapsen besitzen. Ein Zuviel an Synapsen kann demnach durchaus zu gestörten Hirnfunktionen führen, indem z.B. die überzähligen Verschaltungen im Gesamtnetzwerk vielleicht zu "Hintergrundsrauschen" oder "Chaos" führen könnten. Die Effizienz eines neuronalen Netzwerkes wird also eher durch die richtige Anzahl, die richtige Kombination und Balance der synaptischen Kontakte determiniert. In der Tat ergab unsere elektronenmikroskopische Studie, dass die im überwiegenden Falle erregend wirkenden Spine-Synapsen zwar zunehmen, aber ein zweiter, als Schaft-Synapsen bezeichneter Typ wird abgebaut, dieser Synapsentyp kann auch hemmende Funktion besitzen. Bei den deprivierten Tieren ist es also zu einer Verschiebung der Synapsentypen gekommen. In einem weiteren Experiment wurden die Moleküle untersucht, die an den Spine- und Schaftsynapsen die Informationsübertragung von einer Nervenzelle zur anderen bewerkstelligen, die Transmitterrezeptoren. Werden auch diese funktionellen Bausteine des Gehirns durch die frühkindliche Trennung von der Familie verändert? Es wurden in dieser Studie drei Tiergruppen im Alter von 14 Tagen untersucht. Die Kontrollgruppe wurde wieder ungestört bei den Eltern aufgezogen, eine zweite Gruppe wurde beginnend mit dem 8. Lebenstag zweimal täglich einzeln für drei Minuten aus dem Elternhaus herausgenommen. Vom elften Lebenstag an verblieben die Tiere dann ungestört bei ihrer Familie. Die dritte Gruppe wurde wie die zweite Gruppe behandelt, konnte jedoch während der Trennung von der Familie die Stimme der Mutter hören. Die akustische Präsenz der Mutter sollte einen Beruhigungseffekt auf die isolierten Tiere ausüben, und wir wollten sehen, ob dadurch vielleicht die erwarteten Veränderungen der Rezeptoren gemindert oder sogar ganz verhindert werden. Ich zeige Ihnen heute aus Zeitgründen nur das Ergebnis für die dopaminergen D1 Rezeptoren. Dopamin ist ein Botenstoff (Neurotransmitter) im Gehirn, welcher insbesondere bei emotionalen Prozessen von den Nervenzellen ausgeschüttet wird. Einigen Erkrankungen, z.B. der Parkinsonschen Schüttellähmung liegt z.B. ein Defizit dieser Substanz zugrunde, während bestimmte Drogen, z.B. Amphetamine und Cocain über eine Erhöhung der Dopaminkonzentrationen im Gehirn Veränderungen der emotionalen Empfindungen bewirken. Inwieweit ändert sich das dopaminerge System, wenn die Tiere von ihren Eltern getrennt werden? Zum Nachweis im Gehirn wurde der D1-Rezeptor radioaktiv mit Tritium markiert und lässt sich dadurch auf Röntgenbildern von Gehirnschnitten messen: Je dunkler die Region, um so höher ist die Dichte der D1-Rezeptoren in der jeweiligen Region. Von besonderem Interesse waren auch hier der Präfrontalcortex, cinguläre Cortex, präzentraler-medialer und prä- und infralimbischer Cortex. Der Vergleich der Kontrollgruppe mit der Gruppe, die zweimal täglich für drei Minuten von dem Elternhaus herausgenommen wurde, ergab, dass die D1-Rezeptoren bereits durch diese relativ milde Deprivationssituation sehr stark hochreguliert werden, und zwar sowohl bei den weiblichen als auch bei den männlichen Tieren. Bei den weiblichen Jungtieren, die isoliert wurden, aber dabei die Stimme einer Mutter gehört hatten, unterbleibt diese D1-Rezeptor Hochregulation völlig, während dieser "Puffer-Effekt" bei den männlichen Tieren nicht auftritt. Diese Veränderungen zeigen sich nicht nur im cingulären Cortex, sondern auch in allen anderen Regionen des Präfrontalcortex. Die akustische Präsenz der Mutter scheint also zumindest bei den weiblichen Jungtieren bereits auszureichen, um einer deprivationsinduzierten Rezeptor-Verschiebung gegenzuwirken. Die vokale Kommunikation zwischen der Mutter und ihren Kindern kann offenbar über emotionale Regulationsmechanismen in die Hirnentwicklung eingreifen. Wir haben uns auch andere Transmittersysteme angeschaut und es ergibt sich insgesamt betrachtet das Bild, dass die Trennung von den Eltern zu einer verschobenen Balance der verschiedenen erregenden und hemmenden Transmitterrezeptor-Systeme führt. Es bleibt zu klären, in welcher Weise dies die Funktionen des Gehirns und das Verhalten im weiteren Lebensverlauf beeinflussen wird. Unsere bisherigen Analysen des Verhaltens der deprivierten Tiere geben erste Hinweise darauf, dass die bei den deprivierten Tieren nachgewiesenen hirnbiologischen Veränderungen einhergehen mit Veränderungen des Verhaltens. Beim Verhaltensexperiment wird die junge Strauchratte aus dem Nest genommen und in eine ihr fremde Umgebung, ein sogenanntes "open field" (Offenfeld) gebracht, es werden ansonsten keinerlei Aussenreize angeboten. Das Tier exploriert die neue Umgebung und seine Verhaltensweisen werden gemessen (z.B. Laufstrecken, Anzahl der Rufe nach den Eltern etc.). In einen weiteren Experiment konnten die Tiere wieder die Stimme der Mutter über Lautsprecher hören, und es wurde geprüft, ob die akustische Präsenz der Mutter zu einer Veränderung des Explorationsverhaltens führt. Die erste Beobachtung war, dass die Tiere, die schon von Geburt an wiederholt von den Eltern getrennt worden waren, deutlich aktiver in der fremden Umgebung herumlaufen im Vergleich zu den Kontrolltieren, die ungestört bei der Familie aufwuchsen. Die mehrmals täglich wiederholte stundenweise Trennung von der Familie führt nach einigen Tagen oder Wochen offensichtlich zu hyperaktivem Verhalten, das bei den männlichen und weiblichen Jungtieren gleichermaßen zu beobachten war. Etwas anders sieht es beim Experiment aus, bei dem wir die Mutterstimme präsentierten. Vergleicht man hier die unter normalen familiären Bedingungen aufgewachsenen Kontrolltiere mit jenen, die während des Experimentes die Mutter nicht gehört haben, zeigt sich, dass die akustische Präsenz der Mutter das Laufverhalten beeinflusst. Die Tiere sind weniger aufgeregt und laufen weniger herum, wenn sie die Stimme der Mutter hören. Wenn wir uns aber die Tiere anschauen, die vorher schon wiederholt von der Familie getrennt wurden, sieht man diesen "Beruhigungs-Effekt" der Mutterstimme nicht mehr. Das könnte einerseits ein Hinweis darauf sein, dass die Tiere in ihrer selektiven Aufmerksamkeit gegenüber emotional relevanten Reizen gestört sind. Es könnte weiterhin auch bedeuten, dass die emotionale Regulation bei diesen Tieren durch die ständige Trennung von den Eltern in irgendeiner Phase unterbrochen ist. Sie hören zwar noch ihre Mutter, können aber vielleicht die emotionale Bedeutung der Lockrufe, nämlich: Nahrung, Wärme und Geborgenheit nicht mehr "interpretieren", oder sie sind emotional "abgestumpft" und reagieren deshalb nicht mehr mit einer Verhaltensänderung. Zusammenfassend ist festzustellen, dass eine wiederholte zeitweise oder langandauernde Unterbrechung des Eltern-Kind-Kontaktes, wie wir sie im Labor erzeugen konnten, zu hirnbiologischen Veränderungen führt, die einhergehen mit Veränderungen des Verhaltens. Zu klären bleibt jedoch noch, ob diese Veränderungen in positive oder in negative Richtung zu interpretieren sind. Eine Interpretation in negative Richtung ist in Abb. 6 skizziert, diese noch rein spekulative Interpretation muss jedoch in weiterfürhenden experimentellen Untersuchungen überprüft werden. Eine deprivationsinduzierte Fehlfunktion des limbischen Systems könnte dazu führen, dass die Umwelt von diesen Tieren anders, quasi "verzerrt" wahrgenommen wird, was eine inadäquate Interaktion des Individuums mit diesen verzerrt wahrgenommenen Umweltreizen nach sich zieht. Diese veränderte, oder sogar als "gestört" zu bezeichnende Auseinandersetzung mit der Umwelt wirkt sich wiederum auf die funktionelle Entwicklung des limbischen Systems aus. Das kann sich zu einem Kreislauf entwickeln, so dass sich die Funktionsweise des Gehirns und die daraus resultierenden Verhaltensweisen zwar an die ungünstigen (z.B. ständige Trennung von den Eltern) Umweltfaktoren anpassen, wenn sich das Individuum aber dann im späteren Leben in einem normalen sozio-emotionalen Umfeld befindet, können Gehirn und Verhalten hier dann nicht mehr adäquat funktionieren, sind also nicht "passend" für diese veränderten Bedingungen. Kann diese Wechselwirkung Umwelt Verhalten - Hirnfunktion durch Verhaltenstraining, Therapie, Resozialisierung oder medikamentelle Behandlung aufgehalten oder sogar umgekehrt werden? Können die "fehlangepassten" Schaltkreise auch im erwachsenen Gehirn nochmals umgebaut und an normale Umweltbedingungen angepasst werden, so dass sich die gestörten Verhaltensweisen wieder normalisieren? Dies sind Fragen, die wir in weiteren experimentellen Untersuchungen zu klären versuchen, wobei hier eine interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Neurobiologen, Psychologen und Medizinern längerfristig vielleicht sogar auch zu klinisch anwendbaren Resultaten führen könnte. Prof. Dr. Anna Katharina Braun ist Lehrstuhlinhaberin am Institut für Biologie der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Abteilung Zoologie/Entwicklungsbiologie Quelle: Frühe Kindheit 4/01
Pressemitteilung vom 30.4.2002: Hyperaktiven Kindern wird durch analytische Psychotherapie geholfen »Sprechende Medizin« hat Erfolg / Eltern werden miteinbezogen / Gesellschaft als Mitverursacher Für die psychotherapeutische Behandlung hyperaktiver Kinder stehen in Deutschland mehr als 1500 analytische Kinderpsychotherapeuten zur Verfügung, unterstreicht Marieanne Simon, Pressesprecherin der Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten in Deutschland (VAKJP) auf der wissenschaftlichen Jahrestagung vom 26.-28.4. 2002 in Stuttgart: »Die Kinder finden mit ihren Eltern in der Psychotherapie nicht nur Heilung von den quälenden und nervenaufreibenden Symptomen, sondern auch zu einer emotionalen Einsicht in die krankmachenden Zusammenhänge.« Der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut Dr. Hans Hopf, Baiersbronn, weist darauf hin, dass Kinder in analytischer Psychotherapie für sich selbst ein »Ausschleichen« des Psychopharmakums Ritalin in die Wege leiten. »Sie handeln damit selbstverantwortlich und im Wissen um ihre Probleme«, unterstreicht der Experte in der Behandlung hyperaktiver Kinder. »So ist das Aufgeben des Medikamentes ein erster Schritt zur Heilung und gibt den Blick frei für das psychische Leiden dieser Kinder und ihrer Familien. In die Behandlung werden die Eltern begleitend miteinbezogen, da auch sie Verständnis für ihre Situation brauchen.« Dr. Hopf hofft weiter, dass sich das Bewußtsein bei allen Beteiligten durchsetzen wird, dass der lebensgeschichtliche Hintergrund beim hyperaktiven Kind von entscheidender Bedeutung sei: »Wenn das anerkannt wird, dann wird sich auch die Erkenntnis durchsetzen, dass Veränderung durch Psychotherapie möglich und nötig ist. Ritalin ist dann nur noch in akuten Fällen notwendig, echte Veränderung bewirkt die Psychotherapie.« Damit soll ein Umkehrprozess in Deutschland eingeleitet werden: Weg von dem jährlich sich verdoppelnden Konsum der Psychodroge Ritalin hin zu einem Verständnis und zu einer Heilung der hyperaktiven Kinder, so die Forderung der über 400 in Stuttgart versammelten analytischen Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten. Für Nachfragen und
Interviews stehe ich zu Ihrer Verfügung. Marieanne Simon (Pressesprecherin der VAKJP und Vorstandsmitglied) Preiser
ich möchte
nicht nur fragen (siehe andere E-mail) und Informationen
abrufen, sondern auch
meinen Beitrag liefern. Auf der Website wird - unter dem Link "Alternativen"
- das Buch von Hüther/Bonney erwähnt.
Ein sehr interessanter Ansatz...
1. Klassische
Homöopathie: 2. Spezielle
diätetische Behandlung: Hallo
liebe Gäste,
Das KiSS-Syndrom - Oder wie Ärzte aus gesunden Kindern zahlende Patienten machen Von Jan Schweitzer Bei einer Routineuntersuchung sagte der Arzt der Mutter, dass mit ihrer Tochter etwas nicht stimme. Symptome zeige das Kind zwar keine. Aber später, da drohe Ungemach. Der Mediziner prophezeite der vierjährigen Sabine eine schwierige Zukunft: Konzentrationsstörungen würden das Kind beeinträchtigen, ein Zappelphilipp werde es, Probleme in der Schule seien die fast zwangsläufige Folge - wenn man nicht schon jetzt etwas gegen das Problem mit dem Namen KiSS unternehme. So wurde aus
dem bis dahin gesunden Mädchen für die nächsten Monate
eine Dauerpatientin in der Orthopädiepraxis einer
Kleinstadt nahe Hamburg. "Bevor man etwas falsch
macht, folgt man besser dem Rat des Arztes", sagte
sich die verunsicherte KiSS ist die Abkürzung für Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störungen. Weil ihr Kopfgelenk blockiert sein soll, liegen die betroffenen Kinder mit etwas gebogenem Rücken im Bett. Oder sie drehen ihren Kopf nur zu einer Seite. Glaubt man den KiSS-Ärzten, dann hat die für Unkundige harmlos aussehende Schiefhaltung fatale Folgen: Sie machen das Syndrom für Schlafstörungen, Fieberschübe und Hyperaktivität verantwortlich. Bei bis zu 90 Prozent der Kinder mit chronischem, dauerhaftem Kopfschmerz ist KiSS die Ursache, schätzt Lutz Erik Koch, Allgemeinmediziner und KiSS-Therapeut aus Eckernförde in Schleswig-Holstein. Derart eindeutig ist die
Diagnose aber längst nicht für alle Fachleute. KiSS hat
vielmehr einen heftigen Medizinerstreit ausgelöst. Auf
der einen Seite stehen die Verfechter des KiSS-Syndroms,
zumeist Einzelkämpfer aus den Reihen der
niedergelassenen Ärzte. Auf Trotz aller Zweifel beharren viele Eltern darauf, ihre Kinder seien KiSS-krank. Der Befund ist Balsam auf ihre Seelen, vermutet der Bielefelder Jugendforscher Klaus Hurrelmann: Die handfeste medizinische Diagnose "entlastet die Eltern unheimlich". Macht der Balg Schwierigkeiten, dann gibt es für die Probleme endlich einen wissenschaftlichen Namen. Die Erziehung kann ja nicht schuld sein, wenn das Kind eine Krankheit wie Masern oder Röteln hat. Der "Erfinder"
von KiSS ist gebürtiger Schwabe. Seine Privatpraxis in
Dortmund ist gut besucht. Heiner Biedermann hat schon
Tausende von KiSS-Kindern mit seiner speziellen manuellen
Chirotherapie behandelt: Mit einem Finger drückt er den
kleinen Patienten sanft auf einen bestimmten Punkt im
Nacken. Auf welche Weise die Behandlung im Körper wirken
soll, kann der Meister genauso wenig erklären wie alle
seine Jünger. "Man sollte sehr zurückhaltend sein
mit großen Erklärungen", schreibt Biedermann in
seinem gut verkauften Buch KiSS-Kinder. Selbst nach zehn
Jahren eiern die KiSS-Therapeuten durchs medizinische
Wörterbuch, wenn sie das Rätsel KiSS zu erklären
versuchen. Vage spricht Biedermanns Mitstreiter Koch von
"Wahrnehmungsrezeptoren" im Nacken, von "falschen
Informationen, die dort reingehen und damit auch die
Gehirnfunktion beeinflussen". Deutlicher wird er
erst, als er den Auslöser des Schiefhaltesyndroms
benennen soll: die Geburt. "Kein Tier, bis auf eine
Affenart, muss eine so schlimme Persönliche Beobachtungen
statt wissenschaftlicher Belege diktieren das Konzept der
KiSS-Verfechter. In einem Punkt aber sind sie sicher:
Ihre Behandlung hat Erfolg. Der Druck auf den Nacken der
Kinder löse Blockierungen in der Wirbelsäule. 50 bis
100 Mark Und die Heilung soll anhalten. Das vom KiSS-Syndrom befreite Kind kann sich normal entwickeln: keine Angst mehr vor einem hyperaktiven Rabauken, keine Panik angesichts zukünftiger Störenfriede. Es gibt kaum ein Kinderleiden, das KiSS-Therapeuten nicht zu kurieren versprechen, die Palette der Verheißungen wird jährlich größer. Forsch reden sie auch über Zahlen. Koch schätzt zehn Prozent aller Säuglinge als "auffällig" ein. Übersetzt heißt das: Jedes zehnte Kind hat seiner Meinung nach das Schiefhaltesyndrom. Mal mehr, mal weniger, mal gar nicht sichtbar - und natürlich immer nur vom erfahrenen KiSS-Spezialisten behandelbar. Die medizinischen Gegner
solcher Methoden hingegen meinen, es gebe bei KiSS gar
nichts zu behandeln. Der Heidelberger Kinderorthopäde
Carstens sagt, die meisten Schiefhaltesymptome
verschwänden durch "intensives Abwarten". Dem
stimmt auch der Ärztlicher Aktionismus kann gefährlich werden. Doch der Mediziner warnt davor, die KiSS-Therapie bloß als ärztlichen Aktionismus abzutun. Gefährlich wird die Diagnose, wenn sie von ernsthaften Krankheiten wie Tumoren oder Fehlbildungen ablenkt. "Ich habe die Sorge, dass nicht mehr nachgedacht wird, wenn KiSS diagnostiziert wurde", sagt er. Die wirklich helfende Therapie würde dann verzögert, meint auch Ralf Stücker, Leiter der Orthopädie am Kinderkrankenhaus Altona in Hamburg. Stücker selbst hat kürzlich ein Kind behandelt, dessen Gesundheit durch eine KiSS-Therapie beinahe ruiniert worden wäre. Der kleine Patient hatte einen schiefen Hals, konnte den Kopf nicht mehr richtig bewegen. Ein KiSS-Heiler hatte "Kopfgelenk-induzierte Symmetrie-Störungen" diagnostiziert und das Kind mit manueller Therapie bearbeitet. Erst der Orthopäde Stücker entdeckte später die eigentliche Ursache der Probleme: Die Halswirbel waren nicht fest miteinander verankert, die Gelenkbänder locker. Das Kind hatte Glück, dass es bei der manuellen Therapie nicht zu einer Verletzung mit Querschnittslähmung kam. Rechtzeitig konnten die Hamburger Ärzte die Wirbelsäule operieren und Schlimmeres verhindern. So warnt die Gesellschaft für Neuropädiatrie, die Vereinigung der deutschen Kindernervenärzte, in einer Stellungnahme zur manuellen Therapie bei KiSS denn auch vor "Manipulationen im Halswirbelsäulen-Bereich". Davon lassen sich die KiSS-Therapeuten nicht beirren. Das Drücken im Genickbereich soll sogar die so genannte Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung (ADHD) vereiteln. Damit versprechen sie, etwas zu verhindern, das wahrscheinlich niemals entsteht. Denn die angeblich so hohe Anzahl von ADHD-Kindern wird von vielen Experten ebenfalls angezweifelt, jetzt erst wieder in einer amerikanischen Studie. Genauso anfechtbar ist der angebliche Erfolg der KiSS-Therapeuten bei Schreikindern. Die Münchner Psychiaterin Mechthild Papousek ist überzeugt, dass Blockierungen in der Halswirbelsäule in den wenigsten Fällen schuld am ununterbrochenen Schreien der Babys seien. Vielmehr sieht sie die Ursache oft bei den stark belasteten Müttern. Es gebe alle möglichen Gründe, sagt die Leiterin der Münchner Sprechstunde für Schreibabys, das KiSS-Syndrom aber sei nicht verantwortlich. Helfe die manuelle Therapie, liege das meist an der "Suggestivwirkung", also am Placeboeffekt. Der Freiburger
Korinthenberg bezeichnet es als "Geschenk Gottes,
wenn ein Arzt zu den Eltern sagt: Macht euch mal keine
Sorgen. Es ist das KiSS-Syndrom, und ich mach euch das
weg!" Kein Wunder, dass die KiSS-Ärzte regen Zulauf
haben: Eltern, die zum Vielleicht liegt das Problem gar nicht bei den Kindern, sondern bei den Eltern. Dass ein Kind unruhig sei, hänge mitunter davon ab, "ob die Eltern es so erleben", sagt Korinthenberg. Oft seien die Mütter und Väter schlicht vom gesellschaftlichen Druck überfordert, dass aus ihrem Sprössling mal etwas werde. Da wird schon für das Neugeborene Spielzeug nach den psychologisch richtigen Farben zusammengestellt, und die Musik-CD fürs Kinderzimmer soll helfen, aus dem Nachwuchs einen angesehenen Anwalt oder Architekten zu machen. Auf dem Weg zum Erfolg wird jede noch so kleine Abweichung von der vermeintlichen Norm argwöhnisch beobachtet und als krankhaft eingestuft. KiSS-Therapeuten wie
Biedermann oder Koch nehmen die Herausforderung gerne an.
Sollen sie einem zwei Monate alten Säugling, der sich
und die Eltern mit seinem Gebrüll quält, das
segensreiche Handauflegen verwehren? "Eltern und
Schreikindern ist es ein Auch der Orthopäde von Sabine und Stefan legte einfach mal los. Dabei hätte der KiSS-Mediziner den nach Ansicht der Mutter "absolut unauffälligen" Kindern viele überflüssige Arztbesuche ersparen können. Er hätte sich bloß an eine englische Übersetzung des Begriffs KiSS halten sollen, die manch kritischer Kollege für angemessener hält: Keep it Straight and Simple - frei übersetzt: Warum kompliziert, wenn´s einfach geht. (Aus: DIE ZEIT 35/2000)
Wir
müssen sagen, wir sind angenehm überrascht! Wir hatten
ein Antwortverhältnis von so etwa 90:10 gewettet. Dass
aber 36 Prozent der Ansicht sind, ADHS gebe es als
medizinische Krankheit gar nicht, ist ziemlich toll.
Unser Café
Holunder wird ja bekanntermaßen
überwiegend von (teils fanatischen) "ADHS-Anhängern"
besucht. Leute, die ADHS kritisch gegenüber stehen, ihre
feste ablehnende Meinung dazu haben oder davon nichts
wissen (wollen), gehen ja verständlicherweise meist
lieber wo anders hin. Wie dem auch sei, wir haben
vielleicht (oder hoffentlich) selber bereits einiges dazu
beigetragen, dass die öffentliche Meinung über ADHS
differenzierter und kritischer wird. Wir werden dieselbe
Gewissensfrage irgendwann einmal wiederholen und die
Ergebnisse miteinander vergleichen. Dann kann man sehen,
wie die Entwicklung weitergegangen ist.
Magenschmerzen, Doppelbilder, Schwindelanfälle, unmotivierte Lachkrämpfe: Ich machte mir wirklich Sorgen um meine Gesundheit. Mein Psychoanalytiker diagnostizierte eine posttraumatische Belastungsstörung. In der Analyse zeigte sich, dass die Symptome nach dem Besuch eines gelben ADS-Internetforums entstanden waren. Nachdem ein anderes überflüssiges Forum, in dem ich hin und wieder, wenn mir langweilig war, etwas gelesen hatte, sich kurz vorher selbst erschossen hatte, als dort die Leute im Anschluss an "Erfurt" Amok gelaufen waren, war ich in das gelbe Forum geraten, wo ich Folgendes las: Nathalie:
"Wie bekannt poste ich hier nicht mehr. Das wollte
ich hiermit noch einmal betonen. Tschüs zusammen!" Verstehen Sie jetzt meine
seelische Krise? Ich wünsche mir jedenfalls schon mal
gute Besserung, Ihr ZEITZEUGEN (11) Prof. Dr. Walter
Toman ist mein tief verehrter psychologischer
Lehrer und mein fachliches Vorbild. He´s a Real good fellow! H.-R. Schmidt
Die
Autoren des Buches zitieren diese Analyse (neben einer
Studie von J. Lanton zur erfolgreichen Behandlung von
ADHS mit homöopathischen Mitteln (2)) natürlich, um
ihre These zu begründen, dass klassische Homöopathie
die Therapie der Wahl sei, wenn Eltern auf Psychopharmaka
verzichten wollen (und wer wollte dies nicht). Die Frage
ist allerdings: So gesehen ist es zweifelhaft, ob die potenzierten Medikamente der klassischen Homöopathie per se überhaupt und speziell für "ADHS" wirksam sein können. Wahrscheinlich ist es "nur" das Zusammenwirken von Spontanremissionen, Placebo-Effekten und Psychotherapie. Aber immerhin: Eine Heilung durch Homöopathie wäre einer jahrelangen Ritalin-Medikation dennoch vorzuziehen, wenn eine andere Art der Psychotherapie nicht möglich ist. H.-R.
Schmidt Lieber Herr
Schmidt,
Die bekannte Forscherin Nora Volkow hat kürzlich in einer PET-Studie die individuell unterschiedliche Wirkung von Methylphenidat auf den Dopamin-Haushalt des Gehirns untersucht. Sie fand, dass die unterschiedliche Wirkung nicht auf die bei den Versuchspersonen etwa gleich ausgeprägte Blockade der Dopamin-Rücktransporter zurückgeht, sondern auf die wahrscheinlich individuell unterschiedliche zelluläre Produktion von Dopamin. Es gab keinen Zusammenhang zwischen der Rücktransporter-Blockade und extrazellulärem Dopamin. Die Methylphenidatwirkung kann also nicht durch die Transporterblockade erklärt werden. Bei Menschen mit von Haus aus hoher zellularer Dopaminproduktion bewirkt Methylphenidat größere Veränderungen als bei Menschen mit niedriger Produktion, schließt Volkow deshalb aus ihren Funden. Die Studie
wurde mit 10 gesunden Erwachsenen gemacht. Ausser der
damit wieder erbrachten Bestätigung, dass Methylphenidat
auch bei Gesunden wirkt (also nicht nur "ADHS"-spezifisch),
ist sehr interessant, dass hier Hüthers Dopamin-Überschuss-Theorie
wohl bestätigt wird: Wenn bei "ADHS" ein
Dopamin-Überschuss vorliegt, erzeugt Methylphenidat den
zusätzlichen Dopaminschuss, der "das Fass zum
Überlaufen" bringt mit anschließendem
stundenlangen Dopaminmangel. Wenn bei "ADHS"
dagegen ein Dopaminmangel vorläge, dürfte
Methylphenidat nach dieser Studie eigentlich kaum wirken.
Hyperaktivitätssyndrom bei Kindern verantwortungsbewusst behandelnGesundheit/Antrag Berlin (hib/NEI) Die
Bundesregierung soll darauf hinwirken, dass Diagnose und
Therapie des "Aufmerksamkeitsdefizits und
Hyperaktivitätsyndroms" (ADHS) nur noch von
hierfür qualifizierten Ärzten vorgenommen werden.
Dafür setzt sich eine Gruppe von 118 Abgeordneten aller
Fraktionen in einem Antrag (14/8912) ein. Es soll damit dem Kernproblem einer
Fehldiagnose des ADHS und der allzu leichtfertigen
Verordnung von Methylphenidat entgegengewirkt werden.
Unter ADHS wird eine übermäßige Unaufmerksamkeit,
Impulsivität und Hyperaktivität im Sinne einer
überhöhten motorischen Unruhe verstanden. Die
Bundesregierung soll sich deshalb dafür einsetzen, dass
die Forschung im Bereich der Langzeitfolgen der Einnahme
von Methylphenidat vorangetrieben wird. Darüber hinaus
treten die Abgeordneten für eine verstärkte Aufklärung
von Ärzten, Eltern und Erziehern über den Stand der
Wissenschaft und die mit der Anwendung des Medikamentes
verbundenen Vor- und Nachteile ein. Methylphenidat
gehört in die Gruppe der Amphetamine. Es kann abhängig
machen und fällt daher unter das Betäubungsmittelgesetz.
Als mögliche Nebenwirkungen werden Angst,
Schlaflosigkeit und Verfolgungswahn genannt. Es wird
darauf hingewiesen, dass ADHS vermutlich bei zwei bis
zehn Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland
auftritt. |
Jugend- bke Bundeskonferenz
für Erziehungs- |
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