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ADS-Bücher: Kritisch Ritalin: Ein folgen- Das Verschwinden der Mädchen von der Oh wie verführerisch Alternative Behandlung Alternative Sichtweisen bei ADS Fundsachen: ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 1 |
"Wir waren höllisch überrascht!",
Der Glaube, Ritalin sei lediglich ein mildes Stimulanz, wurde in den vergangenen Jahrzehnten von Ärzten, der Pharmalobby und "ADS-Funktionären" weit verbreitet und von vielen Millionen hilfesuchender Eltern gern angenommen. Man ließ sich all die Jahre allzu gern dadurch täuschen, dass Ritalin geringere Nebenwirkungen und kaum Suchtpotential im Vergleich mit anderen bzw. anders dosierten und zugeführten Amphetaminen zu entwickeln schien. Dabei war bei Usern und Klinikern aber recht schnell bekannt, dass Methylphenidat, ein Amphetaminabkömmling wie auch Exstasy, Speed, Pervitin, bei entsprechender Dosierung und Einnahme, wie alle Amphetamine oder "Weckamine", süchtig machen kann und schädliche neurologische Wirkungen hat. Bei gleicher Dosierung und Zuführung wirkt es fast genau wie Kokain. Andererseits trugen die "hilfreichen" Wirkungen der Substanz auf die Verhaltensprobleme sogenannter "ADHS"-Kinder das ihrige zur Verharmlosung der Schattenseite dieser Droge bei. Dieser Glaube an eine harmlose, segensreiche Wundermedizin wurde mit dem Aufsatz: "Warnung! Ritalin wirkt wie Kokain!" von Brian Vastag im Journal of American Medical Association letztes Jahr gründlich erschüttert. Vastag diskutierte die Ergebnisse der Ritalin- und Kokainforschungen der Gruppe um Nora Volkow, die ihre Daten damit zusammenfasst, dass der Glaube, Ritalin sei ein harmloses Stimulanz, "vollkommen unzutreffend" sei. Gerade in diesen Tagen berichten G. Ricaurte u.a. über die von ihnen festgestellte ernsthafte Hirnschädigung durch partyübliche Dosierungen von Exstasy, der bekannten und ebenfalls stets verharmlosten Mode- und Partydroge. Auch Exstasy ist ein Amphetamin-Abkömmling, so wie Ritalin. Und die alarmierenden
Befunde Gerald Hüthers, denen zufolge
Methylphenidat im Tierversuch dauerhafte
Hirnschädigungen erzeugt, sind ebenfalls noch in
lebhafter Erinnerung. Alles in allem verdichten sich die
Forschungshinweise immer mehr, dass Amphetamine und ihre
Derivate, auch das bei Milllionen von Kindern weltweit
oft jahrelang zur Anwendung kommende Ritalin,
hirnschädigend sind. Literatur: Psychopharmacology (Berl)
1999 Sep 1;146(1):93-100 Life Sci 1999;65(1):PL7-12 J. Americ. Med. Ass. 2001,
286 (8) J Child Adolesc
Psychopharmacol 2001 Spring;11(1):15-24 Science 2002 Sep 27;297(5590):2260-3 Mit Gruß, Ihr
Erstaunlich, dass fast jeder Fünfte sich unsicher ist, ob es sich Eltern, die an die Diagnose "ADS" glauben, zu leicht machen. Und dass die Mehrheit diese Frage mit "Ja" beantwortet, macht wieder deutlich, dass unsere Café-Holunder-Gäste überwiegend "ADS"-kritisch eingstellt sind (in den einschlägigen Internetforen trauen sich viele ja kaum mehr kritisch zu sein, weil sie dort sonst weggemobbt würden) 8.10.2002
Wie Kapaun JD. und Nasewhite M. in einer neuen Studie nachweisen, ist das MNS (Mutiple Nose Syndrome) eindeutig komorbid mit ADHS! Dass die Betroffenen besonders unter der Intoleranz ihrer Umgebung leiden, sehen Sie hier ganz erschreckend deutlich. Es gilt also noch sehr viel Aufklärungsarbeit zu leisten: Ulli
Die
Ratten verlassen das sinkende Schiff Was
spricht für diese "düstere" Prognose? 2. Für eine Neufassung des DSM-IV wird man das gegenwärtige ADS-Konzept ändern. Es wird dann "Hyperaktivität im Zusammenhang mit Angststörungen" geben, also psychische Störungen als Ursache von Hyperaktivität (eine deutliche Absage bzw. Einschränkung an ADS als medizinische Krankheit). 3. Die ADS-Forscher verlieren immer mehr die Lust, weil nach über 30 Jahren einseitig biologistischer, monokausaler Forschung einfach nichts Gescheites herauskommen will. Die neuen Ergebnisse der Hirnforschung mit ihren Erkenntnissen über die bisher unberücksichtigte "Plastizität" des menschlichen Gehirns (dass also Hirnveränderungen auch die Folge von Lernerfahrungen sein können), wirft ihnen alles über den Haufen. Auch die Gene wollen bei ADS nicht so, wie man hoffte. 4. Stattdessen kommen immer mehr erschreckende Forschungsergebnisse über die Langzeit-Hirnschäden von bisher sträflich verharmlosten Psychopharmaka (hier: Stimulanzien) in die aufgerüttelte Öffentlichkeit. Viele frühere Studien über ADS ließen diese möglichen Schädigungen durch die Medikamente vollkommen außer acht. Viele frühere Forschungsergebnisse können ja demnach nicht auf ADS, sondern auf die Medikamente zurückgeführt werden. Zumindest wurde dieser Störfaktor meist gar nicht berücksichtigt. 5. Viele "betroffene" und nachdenkliche Eltern verlieren angesichts der Widersprüchlichkeit und der Uneinigkeit beim Konzept ADS die Übersicht, sind einfach mit Recht vollkommen verunsichert und verwirrt. Der Eine sagt es ihnen so, der Andere ganz anders, und der Dritte nochmals anders. Und das nicht deshalb, weil die Fachleute böswillig wären, sondern weil das gesamte ADS-Konstrukt in sich widersprüchlich und unhaltbar ist. Dazu kommt an erster Stelle die begründete Angst bei der einseitigen, langjährigen Ritalinbehandlung bei oft schlechter ärztlich-psychologischer Begleitung ihrer Kinder. Viele Eltern machen ausserdem die leidvolle Erfahrung, dass ihnen die Konzentration auf das schulmedizinische ADS-Konzept nur so lange hilft, wie Ritalin wirkt. Das erscheint ihnen mit Recht auf Dauer zu wenig. 6. In Deutschland wird die Bundesregierung die Ritalinverschreibungs-Praxis strenger fassen und besser kontrollieren. Wenn so etwas nötig ist, sagt das vielen Eltern natürlich, dass bisher etwas nicht stimmte. 7. Nicht
zuletzt merkt man in den gängigen ADS-Internetforen eine
zunehmend hysterisch-paranoide Gereiztheit für ADS-kritische
Stimmen. Diese werden immer mehr sofort zensiert und
sogar mit strafrechtlichen Schritten bedroht, obwohl sie
keinerlei Etikette verletzen (was noch nicht mal strafbar
wäre) oder Geschäftsinteressen verletzen (die gibt es
dort aber auch nicht). Solch lächerlich-peinliche
Überreaktionen lassen sich nur vor dem Hintergrund einer
zunehmend angeschlagenen "ADS-Selbstsicherheit"
verstehen. Wenn ADS nicht mehr wäre, wären diese
Forenmaster und ihre sektiererischen Anhänger plötzlich
ihrer Schein-Identität beraubt und müssten sich (zumindest
in einem bekannten hyperaktiven.de Fall) endlich einmal
kritisch mit ihren Übereltern auseinandersetzen. Was soll´s! Nur weiter so, ich schicke zwar dauernd Rettungsboote hinaus, kann aber keinen zwingen, aufzuspringen. Preiser
Die erschreckenden Untersuchungsergebnisse von ANGOLD u.a. (1), die bei 75 Prozent aller mit "ADHS" diagnostizierten Kinder in den USA eine Falschdiagnose feststellen, beunruhigen nachhaltig. Sie weisen eindeutig nach, dass in der klinisch-diagnostischen Praxis sehr oberflächlich und die diagnostischen Richtlinien leichtfertig ignorierend vorgegangen wird. Das mag mit daran liegen, dass diese Richtlinien unpraktisch, weil zu zeit- und kostenaufwändig sind, andererseits fachlich für viele Praktiker auch nicht überzeugend, weil teils willkürlich-theoretisch erstellt. Ausschlussdiagnosen ("wenn nichts mehr übrig bleibt, nennen wir´s halt "ADS"") bei einem Syndrom ("was es genau ist, wissen wir nicht") bringen natürlich von Hause aus diagnostische Unmöglichkeiten und unhandbare Diagnoseprozeduren mit sich, zumal das diagnostische Instrumentarium selbst (Fragebogen, Eltern- und Lehrerbeurteilungen) methodisch problematisch ist und das Syndrom selbst uneinheitlich und vieldeutig beschrieben wird. Was bei der Diagnostik wie genau, zuverlässig und valide eigentlich gemessen wird, weiss niemand. Wird eine medizinische Krankheit gemessen, oder nur normale Verhaltens-Variationen, oder ganz "alltägliche" psychoreaktive Verhaltensstörungen unterschiedlichster Genese? Wenn 3 Fachleute über "ADS" sprechen, meint wahrscheinlich jeder von ihnen etwas Anderes, ganz abgesehen von den vielen nur ganz oberflächlich informierten Eltern betroffener Kinder, die teils abenteuerliche Vorstellungen von den Problemen ihrer Kinder wider besseren Wissens und aufgrund der mangelhaften Aufklärung durch "Fachleute" mit dem Etikett "ADS" bemänteln. Ein eindeutiger biologischer bzw. morphopathologischer Marker für die "Krankheit ADS" existiert natürlich erst recht nicht, sonst hätte man ja den ganzen gegenwärtigen Brassel mit der unzuverlässigen und vieldeutigen, rein klinischen Verhaltensdiagnostik nicht. Nach wie vor gibt es keinen eindeutigen ADS-Test, weder einen psychologischen, noch einen medizinischen. Eine der vielen Quellen
für folgenschwere Falschdiagnosen bei "ADS"
liegt in unerkannten Traumafolgen bei Kindern und
Jugendlichen, also besonders schwerwiegenden,
traumatisierenden Erfahrungen wie sexuelle und/oder
körperliche Misshandlung oder Gewalt. Wie WEINSTEIN
u.a. (2) betonen, erzeugen
kindliche Traumata wie sexueller Missbrauch und
Gewalterfahrungen Symptome, die genau so aussehen können
wie die sog. "ADHS"-Symptome und
differentialdiagnostisch sehr leicht zu Fehldiagnosen
führen. Das bedeutet dann ganz konkret für ein
betroffenes Kind, dass es von niemandem in seinem
wirklichen Leid erkannt und verstanden wird. Seine
seelischen Notsignale werden als "ADHS"-Symptome
bagatellisiert und meist rasch medikamentös verdrängt.
Die Diagnose "ADHS" führt bei all solchen
missverstandenen Kindern zum fachlich legitimierten
Vorenthalten angemessener Hilfe. Ihr massives seelisches
Leid wird offiziell ignoriert und oft jahrzehntelang bei
Seite geschoben. Die Diagnose "ADHS" fügt
diesen Kindern damit ein zusätzliches schweres Trauma
hinzu. Zwei jüngste Beispiele aus meiner Praxis beleuchten dies: Der 7jährige Cen aus Bosnien, der mit seiner asylsuchenden Familie seit 4 Jahren in Deutschland lebt, fällt in der Grundschule durch seine extreme Unruhe und Aggressivität auf. Die Lehrer können sich mit den Eltern wegen der Sprachprobleme nur sehr schlecht verständigen, die Eltern entziehen sich auch den Lehrern und scheinen sich so kaum um Cen zu kümmern. Ein Kinderarzt diagnostiziert innerhalb von 10 Minuten "ADHS" und verschreibt Ritalin. Eine Mitarbeiterin einer Flüchlingshilfeorganisation empfiehlt die Familie daraufhin in unsere Beratungsstelle. Cens älteste Schwester dolmetscht im Beratungsgespräch. Es stellt sich heraus, dass Cen kriegstraumatisiert ist: Er musste als Kleinkind erleben, wie ein Soldat seinem älteren Bruder ein Messer in den Bauch stieß und anschließend seine Mutter vergewaltigte, weil sie den Aufenthaltsort ihres Mannes (Cens Vater) nicht verraten wollte. Cen und seiner Schwester wurde mit Köpfen gedroht. Der Vater war untergetaucht. Seitdem die Familie in Deutschland in Sicherheit lebt, leidet Cen unter massiven nächtlichen Albträumen und Panikattacken. Niemand in der Schule und beim Kinderarzt hatte sich dafür interessiert, wirkte sein Verhalten doch sofort "typisch ADHS". Die 11jährige
Jessica ist in der Hauptschule sehr
unkonzentriert, schwänzt oft die Schule, hat
Mitschülern Geld gestohlen, ist zu Hause "faul"
und schlampig. Zwischen ihrer alleinerziehenden Mutter (die
Eltern ließen sich vor 6 Jahren scheiden und seitdem hat
sie keinen Kontakt mehr zu ihrem Vater) und der Schule
gibt es heftige Streitereien, weil die Schule der Mutter
Erziehungsversagen vorwirft, die Mutter aber den Lehrern
Ungerechtigkeit und Benachteiligung ihrer Tochter ("mobbing"
nennt sie dies). In ihrer Not sucht die Mutter im
Internet nach einem "ADS-Arzt", nachdem sie in
einem Internetforum darauf hingewiesen wurde, dass ihre
Tochter "ADHS" haben könnte. Sie findet einen
solchen Arzt und ist sehr wütend auf ihn, als er ihr
"die Diagnose" verweigert. Schließlich findet
die Mutter aber doch noch den "richtigen" Arzt
(ein Erwachsenen-Psychiater), der ihrem Kind endlich
Ritalin verschreibt. Er macht ihr aber zur Auflage, eine
begleitende Therapie für die Tochter zu machen. Und so
kommt sie also in unsere Beratungsstelle. Im Verlaufe
einer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie stellt sich
schließlich heraus, dass der drogensüchtige Vater
Jessica als Kleinkind längere Zeit massiv sexuell
missbraucht hatte. Die Mutter hatte den Vater dabei
ertappt und daraufhin die Scheidung eingereicht. Die
Kinderpsychotherapeutin war der erste Mensch, den die
Familie seitdem in diese Tragödie einzuweihen wagte. (1) Angold A, Erkanli A,
Egger HL, Costello EJ.: (2) Weinstein D,
Staffelbach D, Biaggio M. H.-R. Schmidt
Viele
Grüße, Dörte "ADHS"
und Hirnvolumen Eine ganze Anzahl von Studien zum Hirnvolumen bei "ADHS" kam in den vergangenen 15 Jahren zum Ergebnis, dass das Gesamthirn oder bestimmte Hirnareale bei "ADHS"-Patienten kleiner seien als bei Menschen ohne "ADHS", womit die eindeutige Ursache für "ADHS" sowie "ADHS" als medizinische Krankheit bewiesen zu sein schienen. Was bei all diesen Studien aber als Fehlerquelle übersehen wurde war die Möglichkeit, dass Psychostimulanzien (und nicht "ADHS") diese Hirnveränderungen verursacht haben konnten, denn die Versuchspersonen waren (im Unterschied zu den Kontrollgruppen) in allen diesen Studien überwiegend medikamentös behandelt worden. Castellanos et al. fanden zum Beispiel 1996 ein im Vergleich zu einer Kontrollgruppe um 4,7 Prozent kleineres Hirnvolumen bei ihren ADHS-Patienten. Sie schlossen daraus, dass Hirnschrumpfung die Ursache für ADHS sei, fügten ganz am Schluss aber wie nebenbei hinzu, dass 93 Prozent ihrer Versuchspersonen mit Stimulanzien behandelt worden waren und man deshalb nicht sicher sein könne, ob das geringere Hirnvolumen nicht auch medikamentös bedingt sei. Um dies ausschließen zu können, müsste man "ADHS"-Patienten, die niemals medikamentös behandelt wurden, mit Normalpersonen und medikamentös behandelten ADHS-Patienten vergleichen. Festzuhalten bleibt, dass bisher keine dieser Studien mit medikamentös behandelten Versuchspersonen ein im Vergleich zu Normalpersonen gleich großes Hirnvolumen fand. Fast durchgehend war das Volumen insgesamt oder das bestimmter Areale kleiner. Man fand sogar einen linearen Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Hirnschrumpfung und der "ADHS"-Symptomstärke. Was besagen diese Studien, wenn wir der unkontrollierten Störvariable "Stimulanzienbehandlung" einfach einmal keine Bedeutung beimessen? Ein kleineres, sozusagen unterentwickeltes Hirnvolumen wäre dann zunächst einmal überhaupt nichts "ADHS"-Spezifisches. Ein kleineres Hirnvolumen findet man bei sehr vielen unterschiedlichen Störungsbildern. Beispielsweise ist chronischer Alkoholismus verantwortlich für eine Hirnrindenatrophie und Hirnvolumenverminderung. Auch bei Depressionen und Schizophrenien (bei letzteren vor allem im Stirnhirnbereich) zeigen sich Hirnsubstanzminderungen. Menschen mit chronisch hohem Blutdruck haben mit 45 Jahren das Hirnvolumen eines 70jährigen. Frühgeborene Kinder haben dauerhaft ein bis zu 35 Prozent kleineres Hirn als normal ausgetragene Kinder. Menschen mit hohem Neurotizismus-Score, die über viel privaten Ärger berichten, haben kleinere Gehirne als sorgenfreiere Menschen ("Neurotiker-Hirn ärgert sich schrumpelig"). Chronischer Drogenmissbrauch (z.B. Ecstasy) geht mit geringerem Hirnvolumen und erweiterten Liquorräumen einher. Auch chronische Mangel- und Fehlernährung ist mit reduziertem Hirnvolumen assoziiert. Aus der Reihe fallen Beobachtungen, nach denen das anfängliche Hirnwachstum bei Autisten beschleunigt zu sein scheint. Man hat übrigens bisher keine eindeutigen Zusammenhänge eines reduzierten Hirnvolumens mit irgendwelchen Hirnfunktionsstörungen gefunden (mit Ausnahme der Multiplen Sklerose). Dass ein geringeres Hirnvolumen andererseits nicht in jedem Fall für eine Störung stehen muss, sieht man an dem Umstand, dass das Gehirn von Frauen von Natur aus ein um 10 Prozent geringeres Volumen hat als das der Männer. Darin liegt aber natürlich keinerlei Pathologie. Immerhin macht es deutlich, dass das Volumen allein auch nicht alles bedeutet ("size doesn´t matter"). Es hat also den Anschein, dass sehr viele (alle?) ungünstigen Entwicklungsbedingungen mit einem reduzierten Hirnvolumen einhergehen können. Die moderne Neurobiologie liefert immer mehr Erkenntnisse dafür, dass solche Hirnveränderungen nicht nur auf "innere" (genetische) Störungen zurückgehen, sondern auch in bisher ungeahntem Ausmaß direkt oder indirekt auf psychosoziale Stressoren. Und gerade dieser Umstand wird in den besagten "ADHS"-Studien in keiner Weise berücksichtigt. Es wurde nicht nur der mögliche Einfluss der Stimulanzien auf das geringere Hirnvolumen der Versuchspersonen ignoriert: es wurden und werden vor allem auch die Umwelterfahrungen und Entwicklungsbedingungen der Versuchs- und Kontrollpersonen völlig außen vor gelassen. Wenn "ADHS"-Symptome im Zusammeng stehen mit geringerem Hirnvolumen, und geringeres Hirnvolumen auch umweltbedingte Ursachen haben kann, ist nicht auszuschließen, dass all diese Studien in ihren Versuchspersonengruppen Menschen zusammenfassen, die unter ungünstigeren Umweltbedingungen aufgewachsen sind und deshalb ein geringeres Hirnvolumen und als Folge davon "ADHS" haben. Um endlich wenigstens dem Dauervorwurf der fehlenden Kontrolle der Stimulanzienwirkung zu entgehen, haben Castellanos et. al. nun eine neue Studie vorgelegt, in der sie das Hirnvolumen von medikamentös-behandelten und unbehandelten "ADHS"-Patienten mit sog. Normalpersonen vergleichen. Und siehe da: Plötzlich ist das Hirnvolumen medikamentös behandelter "ADHS"-Patienten nicht mehr kleiner, sondern genau so groß wie das der Normalpersonen, während dasjenige der unbehandelten "ADHS"-Patienten kleiner ist! Das Hirnvolumen wächst also nun plötzlich durch die Stimulanziengabe, wird behauptet, während alle früheren Studien bei behandelten "ADHS"-Patienten (unfreiwillig) genau das Gegenteil bewiesen hatten. Wenn die Stimulanziengabe das kleine "ADHS"-Hirn angeblich auf "Normalmaß" reifen lässt, warum hatten dann in allen früheren Studien die mit Stimulanzien behandelten "ADHS-Patienten ein so auffallend kleines Hirn? Wer soll da nicht auf die
böse Idee kommen, die Forscher seien in ihrem Übereifer,
die Störvariable "Stimulanzienbehandlung"
auszuschalten, ein wenig über das Ziel hinausgeschossen?
Ihr widersprüchliches Wunsch-Ergebnis lässt jedenfalls
sehr an ihrer Objektivität zweifeln. Hätten sie nicht
herausfinden können, dass das Hirnvolumen der
behandelten und der unbehandelten ADSler gleich klein (kleiner
als das der Normalpersonen) ist? Dann hätten sie doch
klar gezeigt, dass die Stimulanziengabe ohne Einfluss ist,
und die früheren Studien wären auch noch rehabilitiert
gewesen. Aber so? Sehr komisch, nicht wahr?
Der berühmte Forscher de Lamarck hat im 19. Jahrhundert in seiner "Giraffen-Theorie" darüber spekuliert, dass der lange Hals bei den Giraffen dadurch entstanden sei, dass sie sich immer nach Baumblättern recken mussten. Dadurch habe sich ihr Hals langsam verlängert, und diese erworbene Eigenschaft habe sich seither vererbt. Erworbene Eigenschaften würden sich also in einer genetischen Verankerung niederschlagen, das Erbgut verändern. Auch Darwin hatte schon darüber nachgedacht, dass es möglich sein könnte, dass Erfahrungen vererbbar sein könnten. Dass ein lebender Organismus mehr ist als die Summe seiner Gene, erscheint ethisch selbstverständlich. Aber Genetiker haben erst in den letzten Jahren entdeckt, dass Gene möglicherweise nur wie Marionetten sind, die von bestimmten Enzymen sozusagen an- und ausgeschaltet werden. Die moderne Epigenetik hat sich die Erforschung dieser komplizierten Mechanismen vorgenommen, über die man derzeit noch sehr wenig weiss. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft DFG hat sich erst dieses Jahr dieses Bereiches angenommen. Nur in einigen Tierversuchen finden sich bisher deutliche Belege für das Wirken solcher epigenetischer Prozesse, die darüber entscheiden, was mit den Genen jeweils passiert. Allerdings hat kürzlich der schwedische Sozialmediziner Gunnar Kaati (1) herausbekommen, dass geerbter Diabetes Generationen vorher erworben sein könnte: das Diabetes-Sterberisiko von Menschen war 4fach erhöht, wenn ihre Großväter im Überfluss gelebt hatten. Die Ernährungsgewohnheiten der Großväter, meint Kaati, hätten ihr Erbgut verändert, und diese Veränderung wurde dann vererbt. Man sieht also, wie hochkompliziert das mit unseren Genen ist! Unsere Gene sind möglicherweise nicht unabhängig von Lernerfahrungen und Umwelteinflüssen. Freundliche
Grüße, (1) Kaati, G., Bygren, L.O. &
Edvinsson, S. Cardiovascular and diabetes mortality
determined by nutrition during parents' and grandparents'
slow growth period. (2) Science 2001
Hier der nicht zu übertreffende Beleg aus dem Forum einer Wildkatze: "Hallö, Einfach köstlich, findet |
Jugend- bke Bundeskonferenz
für Erziehungs- |
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