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ADS-Bücher: Kritisch Ritalin: Ein folgen- Das Verschwinden der Mädchen von der Oh wie verführerisch Alternative Behandlung Alternative Sichtweisen bei ADS Fundsachen: ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 1 |
GEWISSENSFRAGEN
Und wieder haben sich viele Gäste unseres Café Holunder an der Gewissensfrage beteiligt. Vielen Dank! Diesmal war es ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen. Aus der Meinungsforschung weiss man, dass solche knappen Abstimmungsergebnisse besonders "heisse Eisen" widerspiegeln. Die Frage, ob "ADHS" durch seelische Faktoren bzw. Umwelteinflüsse verursacht werden kann (also keine ausschließlich genetische Störung ist), wird demnach sehr kontrovers diskutiert. Fazit: Nichts ist eindeutig bei "ADHS", die Meinungen gehen extrem auseinander. Kein Wunder bei einem derartig unklaren, diffusen und beliebigen Störungsbild, in das jeder hieninpackt, was ihm so gefällt (in Abwandlung eines bekannten Werbe-Slogans: Sind wir nicht alle ein bisschen "ADHS"?) Ein mutiger Schritt: Der einzige und einmalige (the one and only) Michael von den fabulösen hypies hat für HRSchmidt endlich einen eigenen Ausschuss gegründet. Dort wird der geneigte Leser in Hinkunft die eher seltenen, weil kostbaren Beiträge von HRSchmidt finden. Das ist doch was Besonderes, eben passend zu den hypies. Während andere ADS-Foren den Mut hatten, HRSchmidt mehr oder weniger sang- und klanglos zu löschen bzw. ihm mit dem Zuchthause zu drohen, hat der in seiner Eitelkeit arg verletzte Michael in geübt-schöngeistig-verspätet-68er Eiertanz-Manier eine geniale Zwischenlösung gefunden: ein eigener Ausschuss! Ob sich HRSchmidt dieser Ehrung würdig erweisen wird? Warten wir es hyperaktiv-ungeduldig sowie heftig novelty-seeking ab. Setzen wir unser Ritalin in nächster Zeit lieber ab, damit uns nichts davon nebulös entgeht. Ist es nicht nach wie vor amüsant,
gegen ADS zu sein? Am Rande bemerkt: Platzhirsche unter sich IKK-Bundesverband fordert eine bessere Qualifikation von Ärzten, die Kinder und Jugendliche mit Ritalin therapieren Ärzte, die Kindern und Jugendlichen Ritalin verschreiben, sollten nach Ansicht des IKK-Bundesverbandes eine besondere Qualifikation nachweisen. Eine Therapie mit einem Medikament, dass eine Suchtgefahr in sich bergen könnte, dürfe nur durch spezialisierte Mediziner durchgeführt werden. Ritalin, ein Psychostimulanzium und amphetaminartiges Medikament, wird bei Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) bzw. Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) eingesetzt (ADHS wird im Volksmund auch "Zappelphilipp-Syndrom" genannt). Grund für diese Forderung ist ein erschreckender Anstieg an Ritalin-Verschreibungen bei Kindern und Jungendlichen. Diese Entwicklung ist nach den statistischen Auswertungen sowohl bei den Innungskrankenkassen als auch in der gesamten Gesetzlichen Krankenversicherung feststellbar. Allein im Zeitraum von 1999 bis 2002 steigerten sich die Verordnungszahlen bei IKK-Versicherten um das zwei- bis dreifache. Nicht immer, so das Ergebnis von Wissenschaftlern, sei dabei die Verordnung sinnvoll. "Diese Entwicklung kann nicht einfach stillschweigend hingenommen werden," erklärte Rolf Stuppardt, Vorstandsvorsitzender des IKK-Bundesverbandes. In den letzten Monaten wurde in Fachkreisen und Medien die medikamentöse Behandlung von ADS bzw. ADHS durch das Medikament Ritalin bzw. den Wirkstoff Methylphenidat verstärkt diskutiert. Hintergrund ist der rapide Anstieg der Diagnose von ADHS bei Kindern und Jugendlichen und die damit verbundene Therapierung mit dem Wirkstoff Methylphenidat. Verkürzt wird die Diskussion meist auf die Gegensätze "Ritalin - ein Segen für ADHS-Patienten und Angehörige" und "ADHS und Ritalin - Modediagnose und Lifestyle-Droge". So einfach könne die Diskussion aber nicht geführt werden, stellt Rolf Stuppardt klar. Wir werden aber nur den Kindern und ihren Angehörigen gerecht, wenn endlich die Qualität der Diagnose und der dann folgenden Therapie gesichert und hochwertig ist. Vielfach, so dass Ergebnis von Wissenschaftlern, sei eine Psychotherapie zielführender, als die medikamentöse Behandlung. (Zit. aus der Pressemitteilung des IKK Bundesverband vom 24. Januar 2003) Preiser ZEITZEUGEN (16)
Kennen Sie eigentlich die kompetente Psychologie-Seite von Stangl-Taller? Nein? Dann lohnt es sich unbedingt, dort mal reinzuschauen. Lesen Sie z.B., was er über "ADHS" schreibt: "...Ein Großteil der in der BRD tätigen (nicht-medizinischen) Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten steht dem neuen Trend, die ADD-Diagnose massenweise zu verteilen und mit Ritalin zu behandeln, ebenfalls sehr kritisch gegenüber. Ein Großteil der als ADD diagnostizierten Beeinträchtigungen sind bei genauer Diagnostik als andere psychische Störungen zu kennzeichnen, oder aber die ADD-Diagnose ist zumindest als alleiniger Verursacher der vorhandenen Probleme des Kindes sehr fraglich. Mittlerweile entsteht ein Trend, "normale", nur etwas lebhafte Kinder mit der ADD-Diagnose zu belegen und Ritalin zu verschreiben, gemäß der zirkulären Diagnose: wenn Ritalin wirkt, liegt ADD vor. Selbst die (medizinischen) Kinder- und Jugendpsychiater geben in ihren Leitlinien die Empfehlung zu sorgfältiger Differentialdiagnostik und zurückhaltender Medikation. Siehe z.B. die offizielle Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie http://www.dgkjp.de/stellung.htm.Man kann vermuten, daß es sich bei den Phänomenen, die heutzutage einfach unter der Diagnose ADD zusammengefasst werden, um eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Phänomene mit unterschiedlichen Ursachen (teils neurophysiologisch, teils psychosozial, teils psychodynamisch) handelt. Insofern ist von einer rein symptomatologischen ADD-Diagnostik nicht viel zu halten und die standardmäßige Verschreibung von Ritalin, teils ohne Effektüberprüfung, müßte kritischer unter die Lupe genommen werden. Im Übrigen sollte man fragen, wer am meisten Interesse daran haben könnte, daß es so etwas wie eine organisch begründete "Krankheit" ADD gibt und mit Medikamenten behandelt wird, und das gleich massenweise ..." Dem können wir ausnahmsweise mal gar nichts hinzufügen. H.-R. Schmidt "Reden Sie doch Klartext!" Wenn man bei ADS genau nachfragt, kriegt man selten gescheite Antworten. Sogar Fachleute, die alles Mögliche bei ADS behaupten, bleiben die Begründung dann schuldig. Im Eltern-Forum fand eine typische Diskussion zwischen Hans-Reinhard Schmidt (HRS) und Bernhard Klasen (BK) zur Frage der Heilbarkeit von ADHS statt. Ich finde es sehr aufschlussreich, was dabei herauskommt, wenn man mal ganz genau nachfragt. Trotz hartnäckiger Nachfragen erhielt Herr Schmidt keine vernünftige Begründung. Medizinische Krankheiten zu heilen bedeutet, ihre Ursachen zu beseitigen. Wild wuchernde Krebszellen restlos zu vernichten, Bakterien oder Viren auszurotten, funktionsgestörte Organe zu "reparieren". Heilung setzt dabei die genaue Kenntnis der Krankheitsursachen voraus. Viele Krankheiten sind in diesem Sinne nicht heilbar, es können nur ihre Symptome gemildert oder der Krankheitsverlauf verzögert werden. Andere wiederum können weitgehend oder fast vollständig komplett ausgelöscht werden (z.B. die Pocken). Von ADHS wird immer wieder behauptet, sie sei unheilbar. Viele Eltern betroffener Kinder sind davon überzeugt, die medizinische Krankheit ADHS ihres Kindes sei unheilbar, ihre Symptome könnten medikamentös nur unterdrückt werden. Eine sicher sehr gravierende Sache, die die weitere Entwicklung des Kindes beeinflussen wird. Worauf aber gründen die Vertreter dieser Auffassung ihre Überzeugung? Im Forum von eltern.de fand kürzlich eine Diskussion hierzu statt. Zwei Fachleute (Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt und Dipl.-Psych. B. Klasen) befassten sich mit der Frage der Unheilbarkeit von ADHS. B. Klasen hatte zunächst die Behauptung in den Raum gestellt, "eine Heilung der ADHS ist nicht zu erwarten". Auf seiner website hatte er ausserdem als Überschrift geschrieben, eine Therapie der ADHS sei nicht möglich. Chr. Falk-Frühbrodt, ebenfalls fachlich mit ADHS befasst, griff diese Behauptung hinterfragend auf, woran sich H.-R. Schmidt anschloss.
"BK Wenn "ADHS" eine medizinische Krankheit ist, wie ja behauptet wird, müssten sich eigentlich klare Aussagen über ihre Heilbarkeit machen lassen. Jedenfalls sind solche Aussagen bei allen bekannten medizinischen Krankheiten möglich. Bei "ADHS" ist es nun aber so, dass man bisher keinen klaren Nachweis dafür gefunden hat, dass sie wirklich eine medizinische Krankheit ist. Man kennt hier kein pathophysiologisches Substrat, keinen ursächlichen Organdefekt oder-schaden, keinen Virus, keinen Hormonmangel oder wie auch immer. Deshalb ist eine Aussage über die (Un)Heilbarkeit der "ADHS" als medizinischer Krankheit eigentlich gar nicht möglich. Wie sollte man sie prüfen? Dem weicht Herr Klasen aber aus, indem er weiter ausführt: "BK Hier verzettelt sich Herr Klasen, indem er mit der in Exprimenten üblichen Nullhypothese argumentiert. Herrn Schmidt geht es aber gar nicht um ein psychologisches Experiment, sondern um die einfache Logik, dass man Behauptungen normalerweise belegen können sollte. Außerdem will Herr Klasen offenkundig das unangenehme Thema wechseln und über "symptomatische Diagnosen" sprechen. Herr Schmidt reagiert darauf wie folgt: "HRS Herr Klasen zieht die
Sache mit der Nullhypothese nun zurück, versucht aber
weiterhin, auszuweichen und das Thema zu wechseln.
Offenkundig will oder kann er keine Antwort finden, wie
er seine Behauptung von der Unheilbarkeit begründen
könnte. Aber anstatt das einfach einzu gestehen (was ja
keine Schande wäre)... Herr Schmidt muss
mehrmals hartnäckig wiederholen, was er möchte. Herr
Klasen hatte das zwar schon lange verstanden, hoffte aber
wohl nach wie vor, davon ablenken zu können. Warum es
nur so schwer ist, einfach zuzugeben, dass man derzeit
einfach nicht mit Bestimmtheit sagen kann, ob "ADHS"
als medizinische Krankheit heilbar ist oder nicht. Jetzt hat Herr
Klasen eine neue Idee: Er wirft Herrn Schmidt einfach mal
falsches Zitieren vor. Herr Schmidt macht ihn aber auf
eine Überschrift in Herrn Klasens eigener website
aufmerksam: "HRS Es existieren ja schon eine ganze Menge klinische Erfahrungen und empirische Studien, dass die für "ADHS" charakteristischen Verhaltensweisen psychotherapeutisch durchaus veränderbar bzw. heilbar sind. Darauf sollten Eltern in jedem Fall aufmerksam gemacht werden, anstatt sie mit der Behauptung einer Unheilbarkeit zu erschrecken. Die Behauptung der Unheilbarkeit basiert auf der unbewiesenen These, ADHS sei eine medizinisch-genetische Krankheit, die derzeit nicht heilbar sei. Ein klassischer Zirkelschluss also. Wenn man ADHS als Verhaltensstörung (also nicht als medizinische Krankheit) interpretiert (und was anderes ist derzeit eigentlich gar nicht möglich), dann ist sie eben doch heilbar. Das symptomatische Verhalten lässt sich durchaus beeinflussen und beheben. Die Dission spiegelt sehr deutlich wider, dass bei genauem und hartnäckigem Nachfragen Sätze wie "ADHS ist unheilbar" nicht begründbar sind. Warum sich B. Klasen so schwer tut, das auch so zu sehen, bleibt sein Geheimnis. Auf seiner website hat er jedenfalls inzwischen in die besagte Überschrift das Wörtchen "oft" eingefügt: "Eine Therapie der ADHS ist oft nicht möglich." Na also, damit sagt er ja nun, dass sie zumindest manchmal doch heilbar sei. ADHS als Verhaltensstörung betrachtet, ist dieser Satz aber wohl wieder falsch. Als medizinische Krankheit betrachtet unverändert nicht belegbar, denn dann müsste man ja in manchen Fällen die Krankheitsursache beheben können. Das kann man aber, wie gesagt, nicht, weil man sie gar nicht kennt. . (Quelle der Zitate (jeweils in Anführungszeichen und Schrägschrift): Eltern.de-Forum) MfG Dörte 50 Ursachen für ADHS Auf dieser (englischsprachigen) website findest du 50 Störungen, die genauso aussehen wie ADHS, bzw. die auch ADHS sind, je nach deiner Meinung zu ADHS (und hier sind die Meinungen ja besonders frei). Die Frage, ob es sich um 50mal unterschiedliche ADHS handelt, oder ob es 50 Störungsbilder sind, die mit ADHS verwechselt werden können, muss die Wissenschaft noch beantworten. Man fragt sich jedenfalls erneut, wie in der diagnostischen Alltagspraxis da noch die Spreu vom Weizen trennbar sein soll. Aber auch diese Frage wird die Wissenschaft wohl noch beantworten (oder nicht, wen juckt´s, dich etwa?) Werner
so der Harward-Biologe Lewontin. Anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Entdeckung der chromosomalen Doppelhelix, jener zwei wunderschönen Phosphat-Zucker-Stränge, zwischen denen sich Basenpaare wie Treppenstufen aufreihen, durch Watson und Crick befasst sich die dieswöchige SPIEGEL-Geschichte sehr anschaulich mit dem "Geheimnis des Lebens" (SPIEGEL 9/03, S.160-170. Alle folgenden Zitate entstammen dieser Quelle). Darin finden sich auch einige Erkenntnisse, die für unser Thema "ADHS" sehr interessant sind und hier nicht unerwähnt bleiben sollen. Nach der senationellen Entdeckung der Doppelhelix (an der übrigens ausser Crick und Watson noch vier andere Wissenschaftler massgeblich beteiligt waren, von denen aber nie so viel Aufhebens gemacht wurde: Franklin, Schrödinger, Pauling und Chargaff) brach eine Forschungs- und gentechnisch motivierte Euphorie los, die anfangs durch die Entdeckung eindeutig genetisch bedingter Krankheiten (Mukoviszidose, Down-Syndrom, Huntington) beflügelt wurde. Seitdem stoßen Verhaltensgenetiker praktisch täglich auf neue Intelligenz-, Alkoholismus-, Schüchternheits-, Homosexualitäts- (oder ADHS-Gene, eingefügt von mir), und lassen sich in ihrer Euphorie auch nicht dadurch abschrecken, dass sie ihre Entdeckungen meist genau so schnell wieder revidieren müssen, wie sie sie hinausposaunt haben. Doch langsam regt sich Widerstand. Immer mehr Biologen dämmert, dass ein so einfacher Gendeterminismus die Botschaft der Doppelhelix missversteht. Ernst Ludwig Winnacker, Münchner Genforscher und Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, meint, dass in der Forschung "Biologismus pur zur neuen Religion" geworden ist. Gene sind in Wirklichkeit nur mittelbar und im Sinne von Hintergrund-Modulatoren am Verhalten beteiligt. Dabei hätte es so schön sein können: Ein Gen gibt den Befehl zur Produktion eines Proteins, das dann das Verhalten formt. "Dabei lässt sich die Geschichte des Lebens auch ganz anders lesen: Gerade die Evolution vom primitiven Bakterium bis hin zum homo sapiens kann auch verstanden werden als die Geschichte einer grandiosen Emanzipation von den Genen". Der bedeutsamste Schritt weg von der Allmacht der Gene war dabei die Entwicklung des Nervensystems. Indem die Evolution die Fessel der Gene immer mehr lockerte, stattete sie ihre Geschöpfe mit der Fähigkeit immer flexibleren, erfahrungsabhängigen Verhaltens aus. Dies zeigt sich immer deutlicher in der Entdeckung der enormen Plastizität des menschlichen Gehirns. Während Sie diesen Text hier lesen, "sprießen in Ihrem Kopf neue Nervenästlein aus, unentwegt heften sie sich aneinander, lockern ihre Bande oder sterben wieder ab". Die Hirne eineiiger Zwillingen gleichen sich deshalb nie völlig, obwohl sie identische Gene haben. Ihre unterschiedliche Lebenserfahrung macht den Unterschied aus. Der Klon-Experte Jaenisch sagt: "Jede Epoche hat ihre eigene Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis von Umwelt und Genen. In den sechziger und siebziger Jahren wurde fast alles der Umwelt zugeschrieben, in den achtziger und neunziger Jahren den Erbanlagen. Derzeit schlägt das Pendel wieder zurück" Keine guten Aussichten für das heutige
Verständnis von "ADHS", findet Zwei Kongresse sind
anzukündigen: Und vor allem sehr wichtig und empfehlenswert ist der SCHULKONGRESS 2003 an der Universität Koblenz-Landau, veranstaltet von Prof. Dr. R. Voß. Im Rahmen dieses wirklich beeindruckenden und hochinteressanten Programms wird H.-R. Schmidt das Thema ADHS moderieren. Referenten sind G. Glaeske, G. Hüther, K. Gebauer, H. v. Lüpke. Wie wichtig das Thema Schule für unsere Kinder und ihre Zukunft ist, kann nicht genug betont werden. Dieser Kongress bietet vielfältige Möglichkeiten, hier zu neuen, kreativen Alternativen aufzubrechen, auch beim Thema "ADHS". 7.3.2003
Die aktuelle Ausgabe der Fachzeitschrift "Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie" (die letztes Jahr die sog. "Hüther-Studie" veröffentlichte, nachdem diese als Vorabdruck bereits hier im Café Holunder erschienen war) befasst sich erneut mit dem Thema "Unruhige Kinder und Jugendliche". Darin möchten wir auf einen sehr interessanten Beitrag der bekannten Prof. Dr. Dipl.-Psych. Evelyn Heinemann von der Universität Mainz aufmerksam machen. Im Rahmen eines psychoanalytischen Gender-Forschungsprojekts zu AD(H)S hat Prof. Heinemann 43 Familien mit 49 als AD(H)S diagnostizierten Kindern im Hausbesuch ausführlich befragt und kennengelernt. Ziel ihres Forschungsprojekts ist es nicht, einen Beitrag zur Diagnostik oder Therapie zu leisten. Vielmehr geht es ihr darum, der Frage nachzugehen, die unbewussten Konflikte der Kinder, die diese Diagnose erhalten, psychoanalytisch im Sinne des "Szenischen Verstehens" (Lorenzer 1983) verstehen zu können. "Was verbirgt sich aus psychoanalytischer Sicht hinter der Diagnose, die derzeit so inflationär gestellt wird?" Prof. Heinemann sprach mindestens 3 Stunden mit jeder Familie (wobei beide Eltern und das Kind anwesend waren) im Sinne eines psychoanalytischen Erstinterviews, wie gesagt, bei den Familien zu Hause. Die Methode des szenischen Verstehens nach Lorenzer versucht, aktuelle Szenen, wie sie eine Familie spontan darstellt, als Reproduktionen oder Darstellung erwünschter Szenen der Familienmitglieder vor dem Hintergrund ihrer Biografien zu erklären und verstehbar zu machen. Dabei wird auch immer die spontane emotionale Reaktion der Erwachsenen (inklusive des Therapeuten bzw. Lehrers etc.) auf das Verhalten eines Kindes als Diagnostikum einbezogen, also ein echt systemischer Ansatz. Diese Zugehensweise zu AD(H)S wiegelt die Probleme der Kinder also nicht damit ab, dass auf eine organische und nicht einfühlbare Krankheit rekurriert wird. Stattdessen wird ernsthaft versucht, die meist unbewussten Motive der Kinder in ihrer Familie zu verstehen und ihnen mittels dieses Verstehens zu helfen. Um dies zu verdeutlichen, hier ein
Ausschnitt aus einem der drei Fallbeispiele, die
Heinemann anführt: Diese klassisch-ödipale Familiendynamik findet man in sehr vielen AD(H)S-Familien, übrigens auf ihre eigene Art auch bei Mädchen. Egal, ob diese Dynamik AD(H)S verursachen mag oder eine vorhandene Vulnerabilität nur verstärkt -die Entscheidung über solche Fragen bleibt der Forschung überlassen-: das Verstehen und Verändern solcher Konfliktkonstellationen wirkt heilsam. Auch bei AD(H)S. Literatur: Preiser Methylphenidat wirkt unterschiedlich bei Erwachsenen und "ADHS"-Kindern Moll GH., Heinrich H. und Rothenberger
A. (Erlangen und Göttingen) haben 12 gesunden
Erwachsenen eine Normaldosis Methylphenidat verabreicht
und vor sowie 70 Minuten nach der Einnahme deren
kortikale Erregbarket gemessen. Während kürzlich
bereits gezeigt werden konnte, dass Methylphenidat bei
sog. "ADHS"-Kindern die korikale Hemmung
erhöht, auf die kortikale Erregung aber nicht wirkt,
zeigte sich in dieser Studie der entgegengesetzte Effekt:
Bei den Erwachsenen blieb die kortikale Hemmung
unbeeinflusst, während sich die Erregung erhöhte. Pferdefuß der Studie ist allerdings, dass Kinder mit Erwachsenen verglichen werden, was methodisch nicht unbedingt zulässig ist. Man müsste entweder Kinder mit Kindern, oder Erwachsene mit Erwachsenen vergleichen. Das Problem ist dabei nur, dass man gesunden Kindern kein Methylphenidat geben will und darf, und dass "Erwachsenen-ADHS" grundsätzlich sehr fraglich ist. Quelle: Moll GH, Heinrich H,
Rothenberger A. W.-H.
Quelle: Gesundsein W.-H. ZEITZEUGEN (17)
Der international anerkannte Kinderarzt und Psychoanalytiker Gerd Biermann war 1978 für ein Jahr lang mein Chef, bevor er in den Ruhestand trat. Er hat mich aus Erlangen ins Rheinland gelockt. Geboren 1914 in Berlin, Medizinstudium in Berlin, Heidelberg und Freiburg. Nach siebenjähriger Tätigkeit als pathologischer Anatom kinderfachärztliche Ausbildung in Hamburg und psychoanalytische Weiterbildung an der psychosomatischen Klinik in Heidelberg. Psychiatrische Fachausbildung in Wil/St. Gallen. Errichtung von psychosomatischen Abteilungen an Kinderkliniken in Hamburg und Heidelberg. Von 1959 bis 1970 Leiter der psychosomatischen Beratungsstelle für Kinder bei der Universitäts-Kinderpolikiinik München, Habilitation für Psychosomatik des Kindes. Von 1970 bis 1979 Leiter des Institutes für Psychohygiene -Heinrich-Meng-Institut des Erftkreises- in Brühl bei Köln. Über 500 Veröffentlichungen über Kinderpsychologie, Psychosomatik Kinderpsychotherapie und Kind im Krankenhaus. Herausgeber des 5-bändigen Handbuches der Kinderpsychotherapie. Seit 1995 Leiter von Balintgruppen mit Kinderärzten. Ehemaliger Vorsitzender der Ärztlichen Akademie für Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen. Gerd Biermann hat sich bisher wie kaum ein anderer Kinderarzt für die psychohygienischen Belange unserer Kinder und Familien fachlich und sozialpolitisch eingesetzt. Schwerpunkte seines Engagements sind u.a. das Thema "Mutter und Kind im Krankenhaus" (Stichwort: rooming-in, das er in Deutschland maßgeblich durchzusetzen half), die familienorientierte Behandlung aller denkbaren kinderpsychiatrischen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten, die Weiterbildung von Ärzten in Psychotherapie, die Betonung einer psychoanalytischen Pädagogik (heutzutage in "Pisa-Zeiten" eine Kostbarkeit!), sein bewundernswerter Einsatz für die Kinder von Tschernobyl und Semipalatinsk. Er verbringt derzeit seinen wohlverdienten (Un-)Ruhestand in Brixen und sitzt dort hoffentlich oft auf der "Brühler Bank". H.-R. Schmidt
Fast zwei Drittel der Befragten meinen, dass es mit den derzeitigen Auffassungen zu ADHS nicht allzu weit her ist. Schon bald werden sie veraltet sein. © Café Holunder März 2003 Und wieder ein Leckerbissen
für unsere Freunde von der biologistischen ADHS-Front: Ein kleiner Artikel im
SPIEGEL dieser Woche ist sehr interessant. Unter dem
Titel "Klonen für die Katz" wird erläutert,
dass sich immer deutlicher herausstellt, dass geklonte
Katzen, Schafe, Mäuse, Schweine, Kälber oder sonstige
Kreaturen -obgleich sie genetisch vollkommen identisch
sind- völlig anders aussehen und sich auch ganz anders
verhalten. Wie stark ist also die Macht der Gene? Welche Antwort halten die Klonversuche bereit für die alte Frage, ob eher das Erbe oder eher die Umwelt ein Leben dominiert? Sicher ist nun, dass niemand durch Klonen wiedergeboren wird, wie bisher geglaubt. Rael, der wirrköpfige Gründer der Raelianer-Sekte, plante, Adolf Hitler zu klonen, um ihn vor Gericht stellen zu können. Daraus wird aber nun nichts. Obwohl also Klone und Ausgangstier völlig identische Gene haben, unterscheiden sie sich darin, welche ihrer Gene aktiv sind und welche nicht. Viele Eigenschaften, z.B. bei Tieren die Fellmusterung oder die Fingerabdrücke beim Menschen, werden erst im Mutterleib festgelegt. Die Lage in der Gebärmutter, Nährstoffversorgung oder Zellwanderungen entscheiden, wie sich der Fötus entwickelt. Die Umwelt prägt also den Organismus schon vor der Geburt, eine für Biologisten wieder einmal offensichtlich erstaunliche Erkenntnis! Erstaunlich! Die Lebensbedingungen von Säugetieren unterscheiden sich bereits in der Schwangerschaft, weshalb auch bei Klontieren Variationen auftreten. Klonen ist also keine Wiederaufersteheung, sondern nur eine spezielle Form der Reproduktion. Mit sehr unangenehmen Begleiterscheinungen: die meisten Klontiere sind krank. (Quelle: DER SPIEGEL 13/2003, S.192) Werner |
Jugend- bke Bundeskonferenz
für Erziehungs- |
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