Willkommen im CAFÉ HOLUNDER
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ADS-Bücher: Kritisch
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Ritalin: Ein folgen-
schwerer Irrtum

Aus der Sicht unserer
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Das Verschwinden der Mädchen von der
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Gibt es ein Bisschen ADS?

Exklusiv: Die HÜTHER-Studie

Das Anlage-Umwelt-
Problem

Oh wie verführerisch
ist doch das ADS!

Alternativen bei ADS

Fragiles X-Syndrom

Alternative Behandlung
bei ADD

Familie und ADS

Alternative Sichtweisen bei ADS

Fundsachen: ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 1

Fundsachen: ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 2

Quellensammlung

Böse Witze


 

 

GEWISSENSFRAGEN

GEWISSENSFRAGE 7
Wie denken Sie darüber?
Seelische Faktoren oder Umwelteinflüsse können "ADS/ADHS" verursachen
Das halte ich für möglich 96 48,98 %
Das halte ich für unmöglich 100 51,02 %
Gesamtbeteiligung: 196

Und wieder haben sich viele Gäste unseres Café Holunder an der Gewissensfrage beteiligt. Vielen Dank! Diesmal war es ein echtes Kopf-an-Kopf-Rennen. Aus der Meinungsforschung weiss man, dass solche knappen Abstimmungsergebnisse besonders "heisse Eisen" widerspiegeln. Die Frage, ob "ADHS" durch seelische Faktoren bzw. Umwelteinflüsse verursacht werden kann (also keine ausschließlich genetische Störung ist), wird demnach sehr kontrovers diskutiert. Fazit: Nichts ist eindeutig bei "ADHS", die Meinungen gehen extrem auseinander. Kein Wunder bei einem derartig unklaren, diffusen und beliebigen Störungsbild, in das jeder hieninpackt, was ihm so gefällt (in Abwandlung eines bekannten Werbe-Slogans: Sind wir nicht alle ein bisschen "ADHS"?)


Ein mutiger Schritt:
Eigener Ausschuss für HRSchmidt

Der einzige und einmalige (the one and only) Michael von den fabulösen hypies hat für HRSchmidt endlich einen eigenen Ausschuss gegründet. Dort wird der geneigte Leser in Hinkunft die eher seltenen, weil kostbaren Beiträge von HRSchmidt finden.

Das ist doch was Besonderes, eben passend zu den hypies. Während andere ADS-Foren den Mut hatten, HRSchmidt mehr oder weniger sang- und klanglos zu löschen bzw. ihm mit dem Zuchthause zu drohen, hat der in seiner Eitelkeit arg verletzte Michael in geübt-schöngeistig-verspätet-68er Eiertanz-Manier eine geniale Zwischenlösung gefunden: ein eigener Ausschuss! Ob sich HRSchmidt dieser Ehrung würdig erweisen wird? Warten wir es hyperaktiv-ungeduldig sowie heftig novelty-seeking ab. Setzen wir unser Ritalin in nächster Zeit lieber ab, damit uns nichts davon nebulös entgeht.

Ist es nicht nach wie vor amüsant, gegen ADS zu sein?

Ulli
2.2.2003

Am Rande bemerkt: Platzhirsche unter sich
Hallo Ulli,
ich glaube, es war weniger unsere "Anti-ADHS"-Position, die Herrn Garnatz so fuchsteufelswild machte, sondern unser Anspruch, die einzige deutschsprachige website zu sein, die "ADHS" kritisch hinterfragt. Das hat er ja mehrmals bekrittelt. Offenbar fühlte er sich dadurch in seiner Einzigartigkeit geschmälert. Als ich das dann in seinem Forum vermutet habe, sprang er ja auch wie zur Bestätigung im Karrée. Ich finde seine website zwar sehr originell, künstlerisch anspruchsvoll und intelligent. Aber besonders "ADHS"-kritisch finde ich sie nicht. Im Gegenteil, es gibt dort einen seltsamen Eiertanz um das goldene "ADHS"-Kalb herum, als könnte man sich dabei in etwas total Faszinierendem und Schillerndem, das mit viel Schnickschnack und intellektuellem Gehabe daherkommt, selbstdarstellen. Wenn man allein diese alberne Hartmann- (der mit dem Farmer-Jäger-Märchen) Verehrung verfolgt hat! Ich frage mich schon länger, wer Herr Garnatz eigentlich ist? Auf seinen Webseiten erfährt man gar nichts über ihn und seine Qualifikation (über die meine mokiert er sich ja; da hat er es gut, weil ich sie nicht verheimliche). Ist er vielleicht identisch mit dem gleichnamigen Buchhalter in Berlin ("Der Filmgeschäftsführer")? Auf diesem illustren ADS-Gebiet tummeln sich ja im Internet die verschiedensten "ADHS"-Fachleute, die verunsicherte Eltern in die Geheimnisse der "ADHS"-Kunst einzuweisen pflegen: Tierärzte, Rentenfachleute, Lehrer, Bäuerinnen, Babysitter, Hausfrauen, Psychologen, Ärzte, math.-technische Assistentinnen, und natürlich all die "Betroffenen", die das Faszinosum "ADHS" zum Lebensinhalt gemacht zu haben scheinen.
Unter den Webseiten- und Forenanbietern gibt es eben einen heftigen Platzhirsch-Wettbewerb. Dass Michael Garnatz dabei auch mitmischt, ist doch eine interessante und gleichzeitig beruhigende Erkenntnis. Irgendwie ist der Lack ein wenig ab bei den Hypies, findet ein enttäuschter

H.-R. Schmidt
4.2.2003


IKK-Bundesverband fordert eine bessere Qualifikation von Ärzten, die Kinder und Jugendliche mit Ritalin therapieren

Ärzte, die Kindern und Jugendlichen Ritalin verschreiben, sollten nach Ansicht des IKK-Bundesverbandes eine besondere Qualifikation nachweisen. Eine Therapie mit einem Medikament, dass eine Suchtgefahr in sich bergen könnte, dürfe nur durch spezialisierte Mediziner durchgeführt werden.

Ritalin, ein Psychostimulanzium und amphetaminartiges Medikament, wird bei Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom (ADS) bzw. Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) eingesetzt (ADHS wird im Volksmund auch "Zappelphilipp-Syndrom" genannt).

Grund für diese Forderung ist ein erschreckender Anstieg an Ritalin-Verschreibungen bei Kindern und Jungendlichen. Diese Entwicklung ist nach den statistischen Auswertungen sowohl bei den Innungskrankenkassen als auch in der gesamten Gesetzlichen Krankenversicherung feststellbar. Allein im Zeitraum von 1999 bis 2002 steigerten sich die Verordnungszahlen bei IKK-Versicherten um das zwei- bis dreifache. Nicht immer, so das Ergebnis von Wissenschaftlern, sei dabei die Verordnung sinnvoll. "Diese Entwicklung kann nicht einfach stillschweigend hingenommen werden," erklärte Rolf Stuppardt, Vorstandsvorsitzender des IKK-Bundesverbandes. In den letzten Monaten wurde in Fachkreisen und Medien die medikamentöse Behandlung von ADS bzw. ADHS durch das Medikament Ritalin bzw. den Wirkstoff Methylphenidat verstärkt diskutiert. Hintergrund ist der rapide Anstieg der Diagnose von ADHS bei Kindern und Jugendlichen und die damit verbundene Therapierung mit dem Wirkstoff Methylphenidat. Verkürzt wird die Diskussion meist auf die Gegensätze "Ritalin - ein Segen für ADHS-Patienten und Angehörige" und "ADHS und Ritalin - Modediagnose und Lifestyle-Droge". So einfach könne die Diskussion aber nicht geführt werden, stellt Rolf Stuppardt klar. Wir werden aber nur den Kindern und ihren Angehörigen gerecht, wenn endlich die Qualität der Diagnose und der dann folgenden Therapie gesichert und hochwertig ist. Vielfach, so dass Ergebnis von Wissenschaftlern, sei eine Psychotherapie zielführender, als die medikamentöse Behandlung.

(Zit. aus der Pressemitteilung  des IKK Bundesverband vom 24. Januar 2003)

Preiser
3.2.2003


ZEITZEUGEN (16)

Der mit dem Bart...

Kennen Sie eigentlich die kompetente Psychologie-Seite von Stangl-Taller? Nein? Dann lohnt es sich unbedingt, dort mal reinzuschauen. Lesen Sie z.B., was er über "ADHS" schreibt:

"...Ein Großteil der in der BRD tätigen (nicht-medizinischen) Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten steht dem neuen Trend, die ADD-Diagnose massenweise zu verteilen und mit Ritalin zu behandeln, ebenfalls sehr kritisch gegenüber. Ein Großteil der als ADD diagnostizierten Beeinträchtigungen sind bei genauer Diagnostik als andere psychische Störungen zu kennzeichnen, oder aber die ADD-Diagnose ist zumindest als alleiniger Verursacher der vorhandenen Probleme des Kindes sehr fraglich. Mittlerweile entsteht ein Trend, "normale", nur etwas lebhafte Kinder mit der ADD-Diagnose zu belegen und Ritalin zu verschreiben, gemäß der zirkulären Diagnose: wenn Ritalin wirkt, liegt ADD vor. Selbst die (medizinischen) Kinder- und Jugendpsychiater geben in ihren Leitlinien die Empfehlung zu sorgfältiger Differentialdiagnostik und zurückhaltender Medikation. Siehe z.B. die offizielle Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie http://www.dgkjp.de/stellung.htm.Man kann vermuten, daß es sich bei den Phänomenen, die heutzutage einfach unter der Diagnose ADD zusammengefasst werden, um eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Phänomene mit unterschiedlichen Ursachen (teils neurophysiologisch, teils psychosozial, teils psychodynamisch) handelt. Insofern ist von einer rein symptomatologischen ADD-Diagnostik nicht viel zu halten und die standardmäßige Verschreibung von Ritalin, teils ohne Effektüberprüfung, müßte kritischer unter die Lupe genommen werden. Im Übrigen sollte man fragen, wer am meisten Interesse daran haben könnte, daß es so etwas wie eine organisch begründete "Krankheit" ADD gibt und mit Medikamenten behandelt wird, und das gleich massenweise ..."

Dem können wir ausnahmsweise mal gar nichts hinzufügen.

H.-R. Schmidt
4.2.2003


"Reden Sie doch Klartext!"

Wenn man bei ADS genau nachfragt, kriegt man selten gescheite Antworten. Sogar Fachleute, die alles Mögliche bei ADS behaupten, bleiben die Begründung dann schuldig. Im Eltern-Forum fand eine typische Diskussion zwischen Hans-Reinhard Schmidt (HRS) und Bernhard Klasen (BK) zur Frage der Heilbarkeit von ADHS statt. Ich finde es sehr aufschlussreich, was dabei herauskommt, wenn man mal ganz genau nachfragt. Trotz hartnäckiger Nachfragen erhielt Herr Schmidt keine vernünftige Begründung.

Medizinische Krankheiten zu heilen bedeutet, ihre Ursachen zu beseitigen. Wild wuchernde Krebszellen restlos zu vernichten, Bakterien oder Viren auszurotten, funktionsgestörte Organe zu "reparieren". Heilung setzt dabei die genaue Kenntnis der Krankheitsursachen voraus. Viele Krankheiten sind in diesem Sinne nicht heilbar, es können nur ihre Symptome gemildert oder der Krankheitsverlauf verzögert werden. Andere wiederum können weitgehend oder fast vollständig komplett ausgelöscht werden (z.B. die Pocken).

Von ADHS wird immer wieder behauptet, sie sei unheilbar. Viele Eltern betroffener Kinder sind davon überzeugt, die medizinische Krankheit ADHS ihres Kindes sei unheilbar, ihre Symptome könnten medikamentös nur unterdrückt werden. Eine sicher sehr gravierende Sache, die die weitere Entwicklung des Kindes beeinflussen wird. Worauf aber gründen die Vertreter dieser Auffassung ihre Überzeugung?

Im Forum von eltern.de fand kürzlich eine Diskussion hierzu statt. Zwei Fachleute (Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt und Dipl.-Psych. B. Klasen) befassten sich mit der Frage der Unheilbarkeit von ADHS. B. Klasen hatte zunächst die Behauptung in den Raum gestellt, "eine Heilung der ADHS ist nicht zu erwarten". Auf seiner website hatte er ausserdem als Überschrift geschrieben, eine Therapie der ADHS sei nicht möglich. Chr. Falk-Frühbrodt, ebenfalls fachlich mit ADHS befasst, griff diese Behauptung hinterfragend auf, woran sich H.-R. Schmidt anschloss.


"Lieber Herr Klasen,
ist Ihr Satz "Eine Heilung der ADHS ist nicht zu erwarten" nicht auch eine extreme Aussage?
Sich selbst erfüllende Prophezeiungen wären doch auch ein interessantes Thema für Ihre Website.
Vielleicht schreibe ich etwas dazu. Ich gebe Bescheid, wenn es fertig ist.
Viele Grüße
Christine Falk-Frühbrodt"

"BK
Es ist eine extreme Aussage. Da haben Sie recht. Aber sie ist fundiert.
Kennen Sie Untersuchungen über therapeutische Methoden, nach denen ADHS heilbar ist. Welche evidenzbasierte Therapie verspricht eine Heilung der ADHS?"

"HRS
>Es ist eine extreme Aussage. Da haben Sie recht. Aber sie ist fundiert. <
Bitte wodurch?
Beweisen muss immer derjenige, der eine Behauptung aufstellt. Wenn Sie behaupten, ADHS sei unheilbar, müssen Sie es belegen. Frau F.-F. hat nicht behauptet, ADHS sei heilbar. Deshalb muss sie es auch nicht belegen.
In Klammern: In Wahrheit kann man weder das eine noch das andere beweisen, weil man nicht weiss, was "ADHS" eigentlich ist. Es ist wie mit Aussagen der Art: "Gott lebt"."

Wenn "ADHS" eine medizinische Krankheit ist, wie ja behauptet wird, müssten sich eigentlich klare Aussagen über ihre Heilbarkeit machen lassen. Jedenfalls sind solche Aussagen bei allen bekannten medizinischen Krankheiten möglich. Bei "ADHS" ist es nun aber so, dass man bisher keinen klaren Nachweis dafür gefunden hat, dass sie wirklich eine medizinische Krankheit ist. Man kennt hier kein pathophysiologisches Substrat, keinen ursächlichen Organdefekt oder-schaden, keinen Virus, keinen Hormonmangel oder wie auch immer. Deshalb ist eine Aussage über die (Un)Heilbarkeit der "ADHS" als medizinischer Krankheit eigentlich gar nicht möglich. Wie sollte man sie prüfen? Dem weicht Herr Klasen aber aus, indem er weiter ausführt:

"BK
Gegenfrage:
Heilen Sie Leute, die angeben ADHS zu haben? Momentan sei es hinten angestellt, wie man das Problem nennt.
Sie irren, wenn Sie sagen:
<Beweisen muss immer derjenige, der eine Behauptung aufstellt. >
Ich stelle die Nullhypothese auf. Heilung wäre ein Behandlungseffekt, die Alternativhypothese. Kann letztere nicht bestätigt werden, gilt die Nullhypothese. Ich kann keine Studien vorlegen, ADHS wäre heilbar.
Brauchen Sie Literaturangaben zu Grundlagen der Methodenlehre ;-)
Wie schauts aus, mit der anderen Frage? (symptomatische Diagnostik)."

Hier verzettelt sich Herr Klasen, indem er mit der in Exprimenten üblichen Nullhypothese argumentiert. Herrn Schmidt geht es aber gar nicht um ein psychologisches Experiment, sondern um die einfache Logik, dass man Behauptungen normalerweise belegen können sollte. Außerdem will Herr Klasen offenkundig das unangenehme Thema wechseln und über "symptomatische Diagnosen" sprechen. Herr Schmidt reagiert darauf wie folgt:

"HRS
Hallo kleiner Schlaumeier,
>Heilen Sie Leute, die angeben ADHS zu haben? Momentan sei es hinten angestellt, wie man das Problem nennt. <
Wir helfen Familien und ihren Kindern, von denen gesagt wird, sie hätten "ADHS". Was wollen Sie mit der Frage sagen?
>>Sie irren, wenn Sie sagen: >Beweisen muss immer derjenige, der eine Behauptung aufstellt. <<
Sie sind ein Scherzkeks, wenn Sie das anzweifeln. Sonst könnte ich ja einfach behaupten, Herr Klasen sei ein Mörder, ohne Beweis, einfach so. Wenn ich das täte und hätte keinen Beweis, könnten Sie mich mit Recht von einem Gericht verurteilen lassen wegen falscher Beschuldigung. Auch die Nullhypothese "Herr Klasen ist kein Mörder" muss man erst belegen können, bevor sie gilt.
Oder glauben Sie im Ernst, man müsse eine Nullhypothese nicht belegen können? (Oder dachten Sie, "Null" stehe für "kein Beleg"?)
Wenn Sie nämlich von der Nullhypothese einer "Nicht-Heilbarkeit" ausgehen, müssen Sie erst einmal Ihre Behauptung belegen, dass "ADHS" überhaupt eine eigenständige nosologische Entität bzw. Krankheit/Störung ist. Sonst können Sie Ihre Nullhypothese gar nicht aufstellen. Also: Der Beleg dafür, dass "ADHS" eine Krankheit ist und diese nicht heilbar, liegt nach wie vor bei Ihnen. Wenn Sie nicht belegen können, dass "ADHS" eine Krankheit ist, können Sie keinerlei Hypothesen (auch keine Null-) über ihre Heil- oder Unheilbarkeit aufstellen.
Im Übrigen kann man eine Nullhypothese nicht schon dann als bestätigt betrachten, wenn die Alternativhypothese noch gar nicht überprüft wurde. Konkret: Wenn noch niemand erforscht hat, ob "ADHS" heilbar ist, darf daraus nicht geschlossen werden, es sei belegt, dass "ADHS" unheilbar ist (ein ähnlicher Fehler wird ja immer gegenüber der Psychoanalyse gemacht: Weil sie bisher empirisch kaum geprüft wurde, behauptet man, sie sei unwirksam).
Wenn Sie also keine Studien vorlegen können, die die Heil- oder Unheilbarkeit belegen (weil eben noch keiner danach geforscht hat), können Sie nicht sagen, die Unheilbarkeit sei damit belegt.
Zusammenfassung (und Wiederholung): Die Aussage, "ADHS" sei heilbar (oder unheilbar), ist nicht prüfbar. Deshalb sollte man sie unterlassen."

Herr Klasen zieht die Sache mit der Nullhypothese nun zurück, versucht aber weiterhin, auszuweichen und das Thema zu wechseln. Offenkundig will oder kann er keine Antwort finden, wie er seine Behauptung von der Unheilbarkeit begründen könnte. Aber anstatt das einfach einzu gestehen (was ja keine Schande wäre)...

"HRS
Ich hätte eigentlich doch noch gern eine Antwort von Ihnen auf meine (und Frau F.-F.`s) Eingangsfrage, wie Sie Ihre Behauptung, "ADHS" sei unheilbar, begründen? Das ist doch für mitlesende betroffene Eltern eine extrem wichtige Kernfrage. Oder sind Sie nicht auch mit mir der Ansicht, eine solche Behauptung sei unzulässig?
Anschließend können wir gerne noch ein wenig fachsimpeln"

"HRS
>Reden Sie doch Klarttext, was Sie wollen. <
Ich möchte nichts Anderes als eine wissenschaftliche Begründung für Ihre Behauptung, "ADHS" sei unheilbar. Sie haben gesagt, diese Aussage sei zwar extrem, aber fundiert. Also werden Sie sie doch wissenschaftlich fundieren können.
Das ist doch Klartext, oder? Und es ist eine sehr wichtige Frage.
>Ich sagte doch bereits, dass der Nachweis der Wirksamkeit (im Sinne von Heilung) nicht erbracht wurde. <
Es gibt darüber noch gar keine Studien. Und damit ist die Unheilbarkeit, wie gesagt, keineswegs bewiesen. Fehlende Forschung beweist doch nichts, ausser, dass sie fehlt."

Herr Schmidt muss mehrmals hartnäckig wiederholen, was er möchte. Herr Klasen hatte das zwar schon lange verstanden, hoffte aber wohl nach wie vor, davon ablenken zu können. Warum es nur so schwer ist, einfach zuzugeben, dass man derzeit einfach nicht mit Bestimmtheit sagen kann, ob "ADHS" als medizinische Krankheit heilbar ist oder nicht.

"HRS
>Da bleibt noch die Frage nach seinen Motiven .... <
Das dürfte Ihnen sicher nicht verborgen geblieben sein, Herr Kollege. Ihre Ablenkungsmanöver retten Sie nicht aus der peinlichen Sackgasse heraus, in die Sie sich manövriert haben.
Wenn Sie als Diplompsychologe in einem öffentlichen Internetforum den Eindruck erwecken, es sei wissenschaftlich fundiert, "ADHS" sei unheilbar, so wissen Sie sicher, dass das viele Eltern lesen und glauben werden, kommt es doch von einem Fachmann. Ihre Aussage wird deshalb im Einzelfall gravierende Auswirkungen auf Familien und Kinder haben. Sind Sie sich dessen wirklich voll bewusst, oder machen Sie solche Behauptungen einfach so leichtfertig dahin?
Als verantwortungsvoller Diplompsychologe dürfen Sie bei der Verbreitung solch folgenschwerer fachlicher Behauptungen nicht den Eindruck erwecken, sie seien wissenschaftlich fundiert, wenn dies in keiner Weise, auch nicht ansatzweise, gegeben ist.
Ich erwarte deshalb von Ihnen, dass Sie hier erklären, dass die Annahme, "ADHS" sei unheilbar, derzeit wissenschaftlich nicht begründbar ist.
Diese Klarstellung sind wir den Lesern hier schuldig"

"HRS
>Es hat hier niemand Ihre Erwartungen zu erfüllen!<
Meine Güte! Es geht doch nicht um meine Erwartungen! Es geht darum, was Sie (und andere) Eltern und Kindern auf Ihren websites (und wohl auch live in der Praxis) einreden."

Jetzt hat Herr Klasen eine neue Idee: Er wirft Herrn Schmidt einfach mal falsches Zitieren vor. Herr Schmidt macht ihn aber auf eine Überschrift in Herrn Klasens eigener website aufmerksam:

"HRS
Sie scheinen Ihre eigenen Webseiten nicht zu kennen. Dort liest man von Ihnen:
>Eine Therapie der ADHS ist nicht möglich.<
Ich habe Sie keineswegs falsch zitiert, sondern Ihre Position zur Unheilbarkeit korrekt wiedergegeben. Also immer bei der Wahrheit bleiben, Herr Kollege!"

Und abschließend stellt Herr Schmidt fest:

"HRS
>Sie scheinen ja ausserordentlich viel Spass am Geplänkel zu haben! <
Dass Sie Eltern als Diplompsychologe sagen, "ADHS" sei unheilbar, ohne es belegen zu können, finden Sie also ein "Geplänkel"? Ich finde das verantwortungslos."

Es existieren ja schon eine ganze Menge klinische Erfahrungen und empirische Studien, dass die für "ADHS" charakteristischen Verhaltensweisen psychotherapeutisch durchaus veränderbar bzw. heilbar sind. Darauf sollten Eltern in jedem Fall aufmerksam gemacht werden, anstatt sie mit der Behauptung einer Unheilbarkeit zu erschrecken. Die Behauptung der Unheilbarkeit basiert auf der unbewiesenen These, ADHS sei eine medizinisch-genetische Krankheit, die derzeit nicht heilbar sei. Ein klassischer Zirkelschluss also. Wenn man ADHS als Verhaltensstörung (also nicht als medizinische Krankheit) interpretiert (und was anderes ist derzeit eigentlich gar nicht möglich), dann ist sie eben doch heilbar. Das symptomatische Verhalten lässt sich durchaus beeinflussen und beheben.

Die Dission spiegelt sehr deutlich wider, dass bei genauem und hartnäckigem Nachfragen Sätze wie "ADHS ist unheilbar" nicht begründbar sind. Warum sich B. Klasen so schwer tut, das auch so zu sehen, bleibt sein Geheimnis. Auf seiner website hat er jedenfalls inzwischen in die besagte Überschrift das Wörtchen "oft" eingefügt: "Eine Therapie der ADHS ist oft nicht möglich." Na also, damit sagt er ja nun, dass sie zumindest manchmal doch heilbar sei. ADHS als Verhaltensstörung betrachtet, ist dieser Satz aber wohl wieder falsch. Als medizinische Krankheit betrachtet unverändert nicht belegbar, denn dann müsste man ja in manchen Fällen die Krankheitsursache beheben können. Das kann man aber, wie gesagt, nicht, weil man sie gar nicht kennt. .

(Quelle der Zitate (jeweils in Anführungszeichen und Schrägschrift): Eltern.de-Forum)

MfG Dörte
17.2.2003


50 Ursachen für ADHS
oder 50mal "so wie" ADHS?

Auf dieser (englischsprachigen) website findest du 50 Störungen, die genauso aussehen wie ADHS, bzw. die auch ADHS sind, je nach deiner Meinung zu ADHS (und hier sind die Meinungen ja besonders frei). Die Frage, ob es sich um 50mal unterschiedliche ADHS handelt, oder ob es 50 Störungsbilder sind, die mit ADHS verwechselt werden können, muss die Wissenschaft noch beantworten. Man fragt sich jedenfalls erneut, wie in der diagnostischen Alltagspraxis da noch die Spreu vom Weizen trennbar sein soll. Aber auch diese Frage wird die Wissenschaft wohl noch beantworten (oder nicht, wen juckt´s, dich etwa?)

Werner
20.2.2003


"Das Gen ist zum Fetisch geworden",

so der Harward-Biologe Lewontin. Anlässlich des 50jährigen Jubiläums der Entdeckung der chromosomalen Doppelhelix, jener zwei wunderschönen Phosphat-Zucker-Stränge, zwischen denen sich Basenpaare wie Treppenstufen aufreihen, durch Watson und Crick befasst sich die dieswöchige SPIEGEL-Geschichte sehr anschaulich mit dem "Geheimnis des Lebens" (SPIEGEL 9/03, S.160-170. Alle folgenden Zitate entstammen dieser Quelle). Darin finden sich auch einige Erkenntnisse, die für unser Thema "ADHS" sehr interessant sind und hier nicht unerwähnt bleiben sollen.

Nach der senationellen Entdeckung der Doppelhelix (an der übrigens ausser Crick und Watson noch vier andere Wissenschaftler massgeblich beteiligt waren, von denen aber nie so viel Aufhebens gemacht wurde: Franklin, Schrödinger, Pauling und Chargaff) brach eine Forschungs- und gentechnisch motivierte Euphorie los, die anfangs durch die Entdeckung eindeutig genetisch bedingter Krankheiten (Mukoviszidose, Down-Syndrom, Huntington) beflügelt wurde. Seitdem stoßen Verhaltensgenetiker praktisch täglich auf neue Intelligenz-, Alkoholismus-, Schüchternheits-, Homosexualitäts- (oder ADHS-Gene, eingefügt von mir), und lassen sich in ihrer Euphorie auch nicht dadurch abschrecken, dass sie ihre Entdeckungen meist genau so schnell wieder revidieren müssen, wie sie sie hinausposaunt haben. Doch langsam regt sich Widerstand. Immer mehr Biologen dämmert, dass ein so einfacher Gendeterminismus die Botschaft der Doppelhelix missversteht. Ernst Ludwig Winnacker, Münchner Genforscher und Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, meint, dass in der Forschung "Biologismus pur zur neuen Religion" geworden ist. Gene sind in Wirklichkeit nur mittelbar und im Sinne von Hintergrund-Modulatoren am Verhalten beteiligt.

Dabei hätte es so schön sein können: Ein Gen gibt den Befehl zur Produktion eines Proteins, das dann das Verhalten formt. "Dabei lässt sich die Geschichte des Lebens auch ganz anders lesen: Gerade die Evolution vom primitiven Bakterium bis hin zum homo sapiens kann auch verstanden werden als die Geschichte einer grandiosen Emanzipation von den Genen". Der bedeutsamste Schritt weg von der Allmacht der Gene war dabei die Entwicklung des Nervensystems. Indem die Evolution die Fessel der Gene immer mehr lockerte, stattete sie ihre Geschöpfe mit der Fähigkeit immer flexibleren, erfahrungsabhängigen Verhaltens aus. Dies zeigt sich immer deutlicher in der Entdeckung der enormen Plastizität des menschlichen Gehirns. Während Sie diesen Text hier lesen, "sprießen in Ihrem Kopf neue Nervenästlein aus, unentwegt heften sie sich aneinander, lockern ihre Bande oder sterben wieder ab". Die Hirne eineiiger Zwillingen gleichen sich deshalb nie völlig, obwohl sie identische Gene haben. Ihre unterschiedliche Lebenserfahrung macht den Unterschied aus.

Der Klon-Experte Jaenisch sagt: "Jede Epoche hat ihre eigene Antwort auf die Frage nach dem Verhältnis von Umwelt und Genen. In den sechziger und siebziger Jahren wurde fast alles der Umwelt zugeschrieben, in den achtziger und neunziger Jahren den Erbanlagen. Derzeit schlägt das Pendel wieder zurück"

Keine guten Aussichten für das heutige Verständnis von "ADHS", findet
Preiser
24.2.2003


Zwei Kongresse sind anzukündigen:

Die Vereinigung analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (VAKJP) veranstaltet ihre 50. Jahrestagung.

Und vor allem sehr wichtig und empfehlenswert ist der SCHULKONGRESS 2003 an der Universität Koblenz-Landau, veranstaltet von Prof. Dr. R. Voß. Im Rahmen dieses wirklich beeindruckenden und hochinteressanten Programms wird H.-R. Schmidt das Thema ADHS moderieren. Referenten sind G. Glaeske, G. Hüther, K. Gebauer, H. v. Lüpke. Wie wichtig das Thema Schule für unsere Kinder und ihre Zukunft ist, kann nicht genug betont werden. Dieser Kongress bietet vielfältige Möglichkeiten, hier zu neuen, kreativen Alternativen aufzubrechen, auch beim Thema "ADHS".

7.3.2003


Können wir ADHS-Kinder verstehen?

Die aktuelle Ausgabe der Fachzeitschrift "Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie" (die letztes Jahr die sog. "Hüther-Studie" veröffentlichte, nachdem diese als Vorabdruck bereits hier im Café Holunder erschienen war) befasst sich erneut mit dem Thema "Unruhige Kinder und Jugendliche". Darin möchten wir auf einen sehr interessanten Beitrag der bekannten Prof. Dr. Dipl.-Psych. Evelyn Heinemann von der Universität Mainz aufmerksam machen.

Im Rahmen eines psychoanalytischen Gender-Forschungsprojekts zu AD(H)S hat Prof. Heinemann 43 Familien mit 49 als AD(H)S diagnostizierten Kindern im Hausbesuch ausführlich befragt und kennengelernt. Ziel ihres Forschungsprojekts ist es nicht, einen Beitrag zur Diagnostik oder Therapie zu leisten. Vielmehr geht es ihr darum, der Frage nachzugehen, die unbewussten Konflikte der Kinder, die diese Diagnose erhalten, psychoanalytisch im Sinne des "Szenischen Verstehens" (Lorenzer 1983) verstehen zu können. "Was verbirgt sich aus psychoanalytischer Sicht hinter der Diagnose, die derzeit so inflationär gestellt wird?" Prof. Heinemann sprach mindestens 3 Stunden mit jeder Familie (wobei beide Eltern und das Kind anwesend waren) im Sinne eines psychoanalytischen Erstinterviews, wie gesagt, bei den Familien zu Hause.

Die Methode des szenischen Verstehens nach Lorenzer versucht, aktuelle Szenen, wie sie eine Familie spontan darstellt, als Reproduktionen oder Darstellung erwünschter Szenen der Familienmitglieder vor dem Hintergrund ihrer Biografien zu erklären und verstehbar zu machen. Dabei wird auch immer die spontane emotionale Reaktion der Erwachsenen (inklusive des Therapeuten bzw. Lehrers etc.) auf das Verhalten eines Kindes als Diagnostikum einbezogen, also ein echt systemischer Ansatz. Diese Zugehensweise zu AD(H)S wiegelt die Probleme der Kinder also nicht damit ab, dass auf eine organische und nicht einfühlbare Krankheit rekurriert wird. Stattdessen wird ernsthaft versucht, die meist unbewussten Motive der Kinder in ihrer Familie zu verstehen und ihnen mittels dieses Verstehens zu helfen.

Um dies zu verdeutlichen, hier ein Ausschnitt aus einem der drei Fallbeispiele, die Heinemann anführt:
"Im Kindergarten hat Johann (5) massive Probleme. Er hört nicht auf die Erzieherinnen, macht anderen Kindern die Spielsachen kaputt, wird abgelehnt und darf bei Ausflügen nicht mitgehen...Der Kinderarzt diagnostizierte "ADS mit Hyperaktivität". Seitdem bekomme er Amphetaminsaft... Auf Aufforderung der Mutter kam Johann jetzt zu uns. Er wollte mir sogleich sein Zimmer zeigen und mit mir Schach spielen...Auf meine Frage, was ihn so am Schach begeistere, meinte er: dem König die Dame wegnehmen. Als ich mich an eine Regel nicht mehr erinnere und die Mutter fragte, gab diese mir einen Tipp. Erregt und wütend sprang Johann auf, beschimpfte seine Mutter, rannte im Zimmer herum, war sogleich hyperaktiv, woraufhin ihn die Mutter zu trösten versuchte...Johann wurde immer unruhiger, zog an Vater und Mutter, liess sich auf den Boden fallen, ging zur Toilette, kam mit offener Hose zurück. Der Vater stand hilflos und wie angewurzelt da.
Können wir Johanns Unruhe psychoanalytisch verstehen?
Frau A. beschreibt sich selbst als besonders ängstlich. Johann bleibt an die Angst der Mutter gebunden, zeigt gegenüber der Mutter ein stark besitzergreifendes Verhalten. Er muss die Angst der Mutter beschwichtigen. Er sucht ihre Nähe (nachts auch im Bett) provoziert ihre Ängste und wehrt sich gleichzeitig gegen ihre übermäßßige Nähe durch Hyperaktivität. Johanns Vater dagegen wagt nicht, "dazwischen" zu gehen oder zu disziplinieren und steht hilflos dabei. "Während die Mütter...disziplinieren, drohen, schimpfen, stehen die Väter meist ohne ein Wort zu sagen dabei." Dadurch bleiben die Söhne meist in einer fast sexualisierten körperlich-seelischen Annäherung an die Mutter fixiert, aus der sie sich durch Wegbewegungsimpulse immer wieder zu entfernen suchen. Das Verbot der Mutter wird provoziert, aber nicht eingehalten, was eine hochgradige Erregung erzeugt. "Die Hyperaktivität dient bei Jungen der Abwehr inzestuöser Ängste und Phantasien bei einem Verleugnen der väterlichen Autorität..." Die Väter steuern dabei durch reale Abwesenheit oder Ohnmächtigkeit oder Desinteresse ihren sehr wichtigen Teil bei. Das Kind bleibt also dauerhaft zu nahe bei der Mutter und zu weit entfernt vom Vater - eine allgemein neurotisierende Konstellation für das Kind.

Diese klassisch-ödipale Familiendynamik findet man in sehr vielen AD(H)S-Familien, übrigens auf ihre eigene Art auch bei Mädchen. Egal, ob diese Dynamik AD(H)S verursachen mag oder eine vorhandene Vulnerabilität nur verstärkt -die Entscheidung über solche Fragen bleibt der Forschung überlassen-: das Verstehen und Verändern solcher Konfliktkonstellationen wirkt heilsam. Auch bei AD(H)S.

Literatur:
1) Heinemann, E.: ADS mit und ohne Hyperaktivität bei Jungen und Mädchen - ein psychoanalytisches Forschungsprojekt zur Genderforschung. Analytische Kinder- u. Jgdl.-Psychotherapie 117, 1/2003, S. 25-43. Brandes&Apsel 2003.
2) Heinemann, E.: Psychoanalyse und Pädagogik im Unterricht der Sonderschule. In E. Heinemenn u.a.: Gewalttätige Kinder. Fischer 1992
3) Lorenzer, A.: Sprache, Lebenspraxis und szenisches Verstehen in der psychoanalytischen Praxis. Psyche 1983, 37, S. 97-115.

Preiser
10.3.2003


Methylphenidat wirkt unterschiedlich bei Erwachsenen und "ADHS"-Kindern

Moll GH., Heinrich H. und Rothenberger A. (Erlangen und Göttingen) haben 12 gesunden Erwachsenen eine Normaldosis Methylphenidat verabreicht und vor sowie 70 Minuten nach der Einnahme deren kortikale Erregbarket gemessen. Während kürzlich bereits gezeigt werden konnte, dass Methylphenidat bei sog. "ADHS"-Kindern die korikale Hemmung erhöht, auf die kortikale Erregung aber nicht wirkt, zeigte sich in dieser Studie der entgegengesetzte Effekt: Bei den Erwachsenen blieb die kortikale Hemmung unbeeinflusst, während sich die Erregung erhöhte.
Die Autoren werten diesen Befund als ersten Hinweis auf eine entgegengesetzte Wirkung von Methylphenidat bei ADHS und Gesunden.

Pferdefuß der Studie ist allerdings, dass Kinder mit Erwachsenen verglichen werden, was methodisch nicht unbedingt zulässig ist. Man müsste entweder Kinder mit Kindern, oder Erwachsene mit Erwachsenen vergleichen. Das Problem ist dabei nur, dass man gesunden Kindern kein Methylphenidat geben will und darf, und dass "Erwachsenen-ADHS" grundsätzlich sehr fraglich ist.

Quelle: Moll GH, Heinrich H, Rothenberger A.
Acta Psychiatr Scand 2003 Jan;107(1):69-72
Methylphenidate and intracortical excitability: opposite effects in healthy subjects and attention-deficit hyperactivity disorder.

W.-H.
14.3.2003


Kernspintomographie des Gehirns beweist:
Liebe trübt Gedächtnis und Konzentration
Die Große Liebe sitzt in winzig kleinen Regionen des menschlichen Gehirns. Dem Schweizer Neurowissenschaftler Andreas Bartels gelang es im Rahmen seiner Forschungen sie durch computergenerierte Hirnbilder sichtbar zu machen. Dafür mussten elf Frauen und sechs Männer jeweils mehrere Minuten bewegungslos in einem halbkugelförmigen, funktionellen Kernspintomographen liegen. In dieser Zeit sahen die Studienteilnehmer Porträts ihrer Herzallerliebsten. Bei der anschließenden Auswertung zeigte sich, dass nur vier eng begrenzte Regionen des Gehirns hinter dem linken Ohr beim Anblick des Geliebten aktiv wurden.
Diese Gehirnbezirke waren bereits früher schon von anderen Wissenschaftlern mit Glücksgefühlen und Emotionen in Zusammenhang gebracht worden. In der von Bartels identifizierten Liebeszone wird unter anderen der Botenstoff Dopamin ausgeschüttet, wenn Testpersonen in einem Videospiel erfolgreich sind. Diese Bereiche werden auch bei der Einnahme von Kokain aktiviert.
Bei seinen Forschungen hat Bartels auch eine Erklärung für eine Behauptung des Volksmundes "Liebe macht blind" gefunden: Ein einziger Blick auf das Ebenbild der Geliebten genügte, um die Funktion jener Hirnregionen zu beeinträchtigen, die für Gedächtnis, Aufmerksamkeit sowie für die Fähigkeit komplizierte Aufgaben zu lösen, gebraucht werden. Gleichzeitig wurde die Region abgeschaltet, die ansonsten bei Depressionen besonders aktiv ist. Auch die für Angstgefühle zuständige Hirnmasse wurde beim Auslösen der Liebesgefühle deaktiviert."

Hier sehen wir es wieder mal ganz genau. In der Logik der ADS-Forschung würde man ohne Wissen der Liebesgefühle der Menschen die dabei zu findenden Hirnveränderungen leicht für eine Hirnfunktionsstörung halten können. Typische Verhaltensweisen bei Verliebten würde man dann als Syndrom benennen, das hirnfunktionell verursacht ist.

Quelle: Gesundsein

W.-H.
14.3.2003


ZEITZEUGEN (17)

Prof. Dr. Gerd Biermann
Sicher kennen Sie den Slogan
"Mutter und Kind im Krankenhaus." Dann müssen Sie auch ihn kennen.

Der international anerkannte Kinderarzt und Psychoanalytiker Gerd Biermann war 1978 für ein Jahr lang mein Chef, bevor er in den Ruhestand trat. Er hat mich aus Erlangen ins Rheinland gelockt.

Geboren 1914 in Berlin, Medizinstudium in Berlin, Heidelberg und Freiburg.

Nach siebenjähriger Tätigkeit als pathologischer Anatom kinderfachärztliche Ausbildung in Hamburg und psychoanalytische Weiterbildung an der psychosomatischen Klinik in Heidelberg. Psychiatrische Fachausbildung in Wil/St. Gallen. Errichtung von psychosomatischen Abteilungen an Kinderkliniken in Hamburg und Heidelberg.

Von 1959 bis 1970 Leiter der psychosomatischen Beratungsstelle für Kinder bei der Universitäts-Kinderpolikiinik München, Habilitation für Psychosomatik des Kindes.

Von 1970 bis 1979 Leiter des Institutes für Psychohygiene -Heinrich-Meng-Institut des Erftkreises- in Brühl bei Köln. Über 500 Veröffentlichungen über Kinderpsychologie, Psychosomatik Kinderpsychotherapie und Kind im Krankenhaus. Herausgeber des 5-bändigen Handbuches der Kinderpsychotherapie. Seit 1995 Leiter von Balintgruppen mit Kinderärzten. Ehemaliger Vorsitzender der Ärztlichen Akademie für Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen.

Gerd Biermann hat sich bisher wie kaum ein anderer Kinderarzt für die psychohygienischen Belange unserer Kinder und Familien fachlich und sozialpolitisch eingesetzt. Schwerpunkte seines Engagements sind u.a. das Thema "Mutter und Kind im Krankenhaus" (Stichwort: rooming-in, das er in Deutschland maßgeblich durchzusetzen half), die familienorientierte Behandlung aller denkbaren kinderpsychiatrischen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten, die Weiterbildung von Ärzten in Psychotherapie, die Betonung einer psychoanalytischen Pädagogik (heutzutage in "Pisa-Zeiten" eine Kostbarkeit!), sein bewundernswerter Einsatz für die Kinder von Tschernobyl und Semipalatinsk.

Er verbringt derzeit seinen wohlverdienten (Un-)Ruhestand in Brixen und sitzt dort hoffentlich oft auf der "Brühler Bank".

H.-R. Schmidt
21.3.2003

GEWISSENSFRAGE 8
Wie sehen Sie es?
Die heutigen wissenschaftlichen Auffassungen von AD(H)S werden schon bald veraltet sein
Das sehe ich auch so 75 60,98 %
Das sehe ich nicht so 39 31,71 %
Das kann ich nicht beurteilen 9 7,32 %
Gesamtbeteiligung: 123  

Fast zwei Drittel der Befragten meinen, dass es mit den derzeitigen Auffassungen zu ADHS nicht allzu weit her ist. Schon bald werden sie veraltet sein.

© Café Holunder März 2003


Und wieder ein Leckerbissen für unsere Freunde von der biologistischen ADHS-Front:WIE STARK IST DIE MACHT DER GENE?

Ein kleiner Artikel im SPIEGEL dieser Woche ist sehr interessant. Unter dem Titel "Klonen für die Katz" wird erläutert, dass sich immer deutlicher herausstellt, dass geklonte Katzen, Schafe, Mäuse, Schweine, Kälber oder sonstige Kreaturen -obgleich sie genetisch vollkommen identisch sind- völlig anders aussehen und sich auch ganz anders verhalten.
Ein Millionär hatte viele Millionen Dollar hingelegt, damit man seinen Lieblingshund klone, was aber nicht gelang. Die Forscher klonten lieber erst einmal eine Katze und stellten zum Ärger des Millionärs fest, dass die (nach 86 vergeblichen Versuchen) geklonte Katze viel mehr irgendeiner Katze aus dem Tierheim ähnelte, als ihrem Klonzwilling. Auch das Verhalten war ganz anders. Geklonte Schweine verhielten sich z.B. genau so unterschiedlich, wie ganz normal gezeugte Tiere. Genidentische Mäuse haben verschiedene Fellfarben, Klonkälber sind verschieden groß, unterschiedlich gemustert und schwer.

Wie stark ist also die Macht der Gene? Welche Antwort halten die Klonversuche bereit für die alte Frage, ob eher das Erbe oder eher die Umwelt ein Leben dominiert? Sicher ist nun, dass niemand durch Klonen wiedergeboren wird, wie bisher geglaubt. Rael, der wirrköpfige Gründer der Raelianer-Sekte, plante, Adolf Hitler zu klonen, um ihn vor Gericht stellen zu können. Daraus wird aber nun nichts.

Obwohl also Klone und Ausgangstier völlig identische Gene haben, unterscheiden sie sich darin, welche ihrer Gene aktiv sind und welche nicht. Viele Eigenschaften, z.B. bei Tieren die Fellmusterung oder die Fingerabdrücke beim Menschen, werden erst im Mutterleib festgelegt. Die Lage in der Gebärmutter, Nährstoffversorgung oder Zellwanderungen entscheiden, wie sich der Fötus entwickelt. Die Umwelt prägt also den Organismus schon vor der Geburt, eine für Biologisten wieder einmal offensichtlich erstaunliche Erkenntnis! Erstaunlich!

Die Lebensbedingungen von Säugetieren unterscheiden sich bereits in der Schwangerschaft, weshalb auch bei Klontieren Variationen auftreten. Klonen ist also keine Wiederaufersteheung, sondern nur eine spezielle Form der Reproduktion. Mit sehr unangenehmen Begleiterscheinungen: die meisten Klontiere sind krank.

(Quelle: DER SPIEGEL 13/2003, S.192)

Werner
24.3.2003

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