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ADS:
Gibt´s das wirklich?
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Kritisch
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Ritalin:
Ein folgen-
schwerer
Irrtum
Aus der
Sicht unserer
Kinder
Das
Verschwinden der Mädchen
von der
Bildfläche
Gibt es ein
Bisschen ADS?
Exklusiv:
Die HÜTHER-Studie
Das Anlage-Umwelt-
Problem
Oh wie
verführerisch
ist doch
das ADS!
Alternativen
bei ADS
Fragiles X-Syndrom
Alternative
Behandlung
bei ADD
Familie und
ADS
Alternative
Sichtweisen bei ADS
Fundsachen:
ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 1
Fundsachen:
ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 2
Quellensammlung
Böse Witze
Jacob
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Liebe Gäste,
wieder steht ein aktuelles Thema an:

§ 35 a
Ein Paragraf und
sein Missbrauch
Zur Lage
Überall im Lande klagen die Jugendhilfeträger über die
explodierenden Kosten in Verbindung mit dem § 35 a des
Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG). In den Medien wird über Sozialmissbrauch im Zusammenhang
mit diesem Paragrafen geschimpft. Ausgerechnet besonders
gut und sehr gut verdienende Eltern
bedienen sich mit
seiner Hilfe beim Steuerzahler, um ihre angeblich verzogenen
Kinder auf teure Privatschulen wie z.B. die HEBO-Schule
in Bonn-Bad Godesberg (s.u.) schicken zu können, wird behauptet.
§ 35 a des KJHG
verschafft Kindern und Jugendlichen, die "seelisch
behindert oder von einer solchen Behinderung bedroht"
sind, einen individuellen Leistungsanspruch beim
Jugendhilfeträger. Früher waren solche Leistungen der
sog. Eingliederungshilfen dem § 39 des
Bundessozialhilfegesetzes (BSHG) und damit dem
überörtlichen Sozialhilfeträger zugeordnet gewesen.
Das KJHG hat diese frühere Aufteilung, derzufolge "Verhaltensstörungen"
und "Dissozialität" dem Zuständigkeitsbereich
der Jugendhilfe, "seelische Behinderung" aber
dem Sozialhilfeträger zugeordnet waren, beenden und eine
jahrelange, unfruchtbare Abgrenzungsdiskussion beenden
wollen. Eingliederungshilfen im Sinne dieses Paragrafen
können stationär oder ambulant erfolgen. Sie können
von einer Heimunterbringung bis zur außerschulischen
Lese-Rechtschreibförderung reichen und in ambulanter
Form auch in Erziehungs- und Familienberatungsstellen
angeboten werden.
Diese lobenswerte
Zielsetzung schaffte inzwischen allerdings neue
Schwierigkeiten. Die gummiartige Formulierung einer
"drohenden seelischen Behinderung" bietet sich
zur Plünderung öffentlicher Kassen förmlich an. Vor
allem die fehlende Eigenbeteiligung gut verdienender
Eltern rückt die Eingliederungshilfe in ein zunehmend
schiefes Licht. Eltern mit mehreren 100 000.- Euro
Jahreseinkommen muss der Steuerzahler z.B. monatlich
zusätzlich 2000.- Euro für ein Internat für Ihren
schwierigen Sohnemann finanzieren. Meist reicht eine
knappe ärztliche Bescheinigung, in der das Drohen einer
"seelischen Behinderung" bestätigt wird. Eine
Eigenbeteiligung sieht § 35 a nicht vor. Bundesweit sind
die Kosten für Eingliederungshilfen so auf derzeit über
400 Millionen Euro angestiegen, Tendenz steigend. Aber
auch andere Verschlimmbesserungen in diesem Teil des KJHG
sind bemerkenswert: Berücksichtigt man, daß bei der
Zuordnung der Eingliederungshilfe für "seelisch
behinderte" Kinder und Jugendliche zur Jugendhilfe
auf das bis dahin in § 39 BSHG enthaltene Kriterium der wesentlichen Behinderung verzichtet worden ist, so wird
der Kreis der Anspruchsberechtigten erheblich erweitert:
Auch Kinder und Jugendliche, die also nicht wesentlich
behindert sind oder von einer solchen Behinderung bedroht
sind, haben daher einen Rechtsanspruch auf
Eingliederungshilfe. Darüber hinaus verzichtet § 35
a KJHG auf die Voraussetzung der Dauerhaftigkeit
("nicht nur vorübergehend") einer Behinderung,
wie sie § 39 BSHG enthält. Daher besteht auch
bei nur vorübergehenden bzw. vorübergehend drohenden
"seelischen Behinderungen" ein Anspruch auf
Eingliederungshilfe. Damit wird der Übergang zur Praxis
der Erziehungsberatung sowohl hinsichtlich der Diagnostik
wie auch in bezug auf Beratung und Therapie fließend und
eine Zuordnung zu der einen oder anderen Rechtsgrundlage
sehr willkürlich. In der Praxis wird dabei auch oft
nicht entsprechend berücksichtigt, dass im Einzelfall
eine (oft unmögliche) Abgrenzung vorzunehmen ist:
Krankheit, Behinderung
und/oder erzieherischer Bedarf?
Die Fähigkeit zur Eingliederung in die Gesellschaft gilt
dann im Sinne einer "seelischen Behinderung"
als beeinträchtigt, wenn ihr die in § 3
DVO genannten seelischen Störungen zugrundeliegen:
1. körperlich nicht
begründbare Psychosen,
2. seelische Störungen als Folge von Krankheiten oder
Verletzungen des Gehirns, von Anfallsleiden oder von
anderen Krankheiten oder körperlichen
Beeinträchtigungen,
3. Suchtkrankheiten
4. Neurosen und Persönlichkeitsstörungen.
Diese Einteilung beruht
aber auf einem veralteten psychiatrischen Diagnoseschema, das überdies nicht an Problemlagen von
Kindern und Jugendlichen orientiert war. Deshalb ist von
Kinderpsychiatern die Orientierung an neueren
Klassifikationssystemen (lCD - 10; DSM
IV) gefordert worden. Aber auch solche scheinbaren
Modernisierungen lösen nicht das grundlegende Problem,
daß nun eine Klassifikation der betroffenen Kinder und
Jugendlichen nach drei unterschiedlichen Begriffssystemen
erforderlich wird:
Eine "seelische
Behinderung" ist zum Einen begrifflich gebunden an
das Vorliegen einer seelischen Störung im Sinne einer
Krankheit. Werden die Verhaltensauffälligkeiten, die zur
Vorstellung eines Kindes oder Jugendlichen geführt haben,
also als Krankheit diagnostiziert,
so ergeben sich zunächst nur Ansprüche auf
Krankenbehandlung nach § 27 SGB
V, nicht auf Leistungen der Jugendhilfe. Führt die
seelische Erkrankung aber zugleich oder konsekutiv zur
Beeinträchtigung bei der Eingliederung in die
Gesellschaft, so ist sozialrechtlich von einer Behinderung zu sprechen und es entsteht damit ein
Anspruch auf Eingliederungshilfe. Viele der
Auffälligkeiten und neurotischen Bilder, die Kinder oder
Jugendliche präsentieren, wie z.B. Einnässen,
Schlafstörungen, Schulleistungsprobleme, Ängste,
Aggressionen, Konzentrationsschwierigkeiten, Unruhe
können aber auch ein Anzeichen dafür sein, daß eine
dem Wohl des Kindes oder Jugendlichen entsprechende
Erziehung nicht gewährleistet ist, also ein erzieherischer
Bedarf nach § 27 Abs. 2 KJHG und damit
lediglich ein Anspruch auf Hilfe zur Erziehung besteht.
Zwischen diesen unterschiedlichen Anspruchsgrundlagen
sind klare Abgrenzungen in der Praxis aber meistens gar
nicht möglich.
"ADHS"
und 35 a
Besonders die Diagnose "ADS" bzw. "ADHS"
entwickelt sich immer mehr zu einem Fass ohne Boden, in
das alle möglichen und unmöglichen Probleme und
Störungen von Kindern und Jugendlichen geschüttet
werden. In den Jugendämtern sind regionale und
überregionale Ärzte zunehmend namentlich bekannt, bei
denen sich Eltern gezielt die ADHS-Diagnose holen, nicht
selten auf der Basis eines Privathonorars und nach
oberflächlichster Diagnostik. Private Nachhilfe-Einrichtungen
und Schulen sowie ADHS-Elternverbände und -Selbsthilfegruppen
schicken anfragende Eltern an solche Ärzte, um auf der
Grundlage ihrer Diagnose vom Jugendamt (sprich
Steuerzahler) eine schulische Nachilfe, eine
außerschulische Lese-Rechtschreib- oder
Rechnenförderung (die die zuständige Schule gemäß
ministeriellem Erlass eigentlich in der Regel
innerschulisch vorhalten müsste, dies aber oft nicht
genügend tut), eine "ADHS"-Freizeitmaßnahme
("Jäger-Lager" etc.), einen "ADHS"-Elternkurs,
eine "ADHS"-Eltern-Kind-Kur bis hin zu einer
sehr teuren Spezialbeschulung bezahlt zu bekommen.
In diesem Zusammenhang
wird inzwischen auch die HeBo-Privatschule in Bonn-Bad-Godesberg
immer häufiger erwähnt. Deren Schulleiter
Biegert (ZEITZEUGEN 5) tingelt
seit Jahren von einem ADS-Symposium zum anderen und
erzählt besorgten Eltern von ADS als genetischer,
vererbter Krankheit, mit der allerdings in seiner Schule
(deren Schulträger er selbst ist) pädagogisch optimal
umgegangen werde. Eine Beschulung kostet bei ihm etwa
1000.- Euro monatlich, nicht eingerechnet die
zusätzlichen Kosten einer Heim-Vollunterbringung vieler
auswärtiger Kinder, da die Schule kein eigenes Internat
unterhält. Die ADHS-Kinder wohnen deshalb in vielen
Fällen extern in einem ortsansässigen Kinderheim
anderer Trägerschaft, dessen Personal bei Erwähnung des
Kürzels "ADHS" gern verstohlen die Augen zum
Himmel dreht, weil die Eltern dieser Kinder sich nicht
ins übliche Heimreglement einordnen möchten; ihre
Kinder seien immerhin keine üblichen "Heimkinder".
Es gibt Jugendämter, die hierfür monatlich brutto mehr
als 6000.- Euro pro Kind zahlen. In einem bundesweit zur
Kenntnis genommenen Gerichtsurteil wurde im Dezember
letzten Jahres das Lübecker Jugendamt zur Zahlung der
HeBo-Kosten inkl. Internatsunterbringung für einen
Schüler verurteilt, für den 2 Ärzte die Diagnose ADHS
gestellt hatten. Das dortige Jugendamt hatte sich etwas
hilflos verhalten. Anstatt die Diagnose ADHS
grundsätzlich in Frage zu stellen und therapeutische
Alternativen zu begründen, hatte es sich nur rein formal
gewehrt.
Jugendämter gehen deshalb
immer mehr dazu über, eigene Gutachter zu beauftragen,
um der Flut von Gefälligkeitsgutachten bzw.
unqualifierten Stellungnahmen aller möglichen ADHS-Fachleute
Herr zu werden. Vor allem die Abgrenzung von Krankheit,
Behinderung und erzieherischem Bedarf muss aus der Sicht
der Jugendämter in einem Gutachten genauer abgewogen
werden. So ist es z.B. durchaus möglich, ADHS als
medizinische Krankheit zu betrachten, bei der im
Einzelfall noch keine Integrationsprobleme aufscheinen,
so dass Jugendhilfe gar nicht in der Pflicht ist (sondern
die Krankenkasse). Wenn aber psychosoziale
Integrationsprobleme drohen oder bereits ausgeprägt
vorhanden sind, ist es auch möglich, das Vorliegen einer
medizinischen Krankheit zu verneinen und bei
Vorhandensein einer gestörten Familiendynamik einen
primären erzieherischen Bedarf festzustellen, dem im
Rahmen einer Psychotherapie z.B. in einer
Erziehungsberatungsstelle kostenlos entsprochen werden
kann. Man kann den Standpunkt fachlich begründen, dass
das angebliche Vorliegen einer ADHS allein keine
seelische Behinderung (oder das Drohen einer solchen)
bedeutet, sondern erst in Kombination mit familiären
Milieufaktoren, deren psychotherapeutische Bearbeitung
dann aber Priorität haben sollte. Wir kennen aber nicht
wenige Familien, die solche Entscheidungen bzw.
Empfehlungen heftigst ablehnen und lieber zum
Verwaltungsgericht gehen, als ihre familiären Probleme
wirklich ernsthaft familientherapeutisch anzugehen. Trotz
in vielen Fällen jahrelanger vergeblicher "Odysseen"
von einer Behandlung zur anderen haben sie bisher meist
keine Gelegenheit gefunden oder nützen können, ihre
eigene Verwicklung in die Probleme ihres Kindes
familientherapeutisch zu verstehen.
Dann soll es eben nicht selten § 35 a bringen.
H.-R. Schmidt
24.2.2004
Aktualisierung:
Am 8. 7.2005 hat der
Deutsche Bundesrat wesentliche Neuerungen zum § 35a SGB
VIII beschlossen, denen vorher bereits der Bundestag
zugestimmt hatte (im Rahmen von KICK: Kinder- u.
Jugendhilfe-Erweiterungsgesetz). Danach wird von Eltern
ab sofort eine Kostenbeteiligung verlangt, mit der sie
sich an Privatbeschulungen und damit verbundenen
Internats- und Heimunterbringungen ihrem Einkommen
entsprechend werden beteiligen müssen. Gutachtliche
Stellungnahmen bei (drohender) seelischer Behinderung
dürfen nur noch von einem begrenzten Kreis von
Fachleuten erstellt werden (Kinder- u. Jugendpsychiater,
Kinder- u. Jugendlichenpsychotherapeut, Psychologischer
Psychotherapeut oder Arzt mit langer einschlägiger
fachlicher Erfahrung) und müssen sich an die
Diagnoseregeln des ICD 10 halten.
H.-R.
Schmidt
1.9.2005
|
|
| Wie
sehen Sie es? |
| AD(H)S ist die
Abkürzung für |
| eine
Hirnfunktionsstörung |
38 |
25,33 % |
| ein Sammelsurium
verschiedenster anderer Diagnosen |
61 |
40,67 % |
| eine spezielle
Verhaltensstörung ohne organische
Ursache |
11 |
7,33 % |
| ein Deckmantel für
unerkannte seelische Probleme |
17 |
11,33 % |
| etwas, das hier
nicht aufgeführt ist. |
23 |
15,33 % |
| Gesamtbeteiligung:
150 |
|
Nur noch jeder Vierte
hält das Kürzel ADHS für eine Hirnfunktionsstörung,
während 41 % darin ein Sammelsurium verschiedenster
anderer Diagnosen sehen. Immerhin 15 % sehen in ADHS
etwas, das hier nicht aufgeführt ist. Was wohl? Leider
wurde danach ncht gefragt.
© Café Holunder 2/200
Mit den Augen des Kindes
Erstes Beispiel:
Eine Mutter beklagt sich heftig über ihren 9jährigen
Sohn: Er mache seine Hausaufgaben nicht regelmäßig,
obwohl sie täglich neben ihm sitze und in Absprache mit
der Lehrerin alles kontrolliere. Sohnemann müsse in der
Schule täglich aufschreiben, was an Hausaufgaben anfalle,
und die Lehrerin kontrolliere dies ihrerseits. Und
trotzdem schaffe es der Sohn immer wieder, keine oder
falsche Hausaufgaben zu machen, trotz Ritalin morgens und
mittags. Sie sei völlig ratlos.
Zweites Beispiel:
Wieder beklagt eine Mutter ("...mit den Nerven
völlig fertig") das Verhalten ihres Sohnes,
der Wutanfälle bekomme, keine Freunde finde, nicht mit
ihr rede, nicht nach Hause komme, lüge und stehle. Auch
sie sei völlig ratlos und erhoffe sich im Internet
Medikamenten-Tipps.
In "ADHS"-Internetforen
finden wir unzählige derartige Beispiele, denen eines
gemeinsam ist: Die Mütter fragen nur danach, ob und wie
sie die Probleme mittels Psychopharmaka in den Griff
bekommen könnten. Sie fragen, ob ihr Kind vielleicht
unter- (selten über-) dosiert sei oder das Medikament
durch ein anderes ersetzt werden sollte. Sie sind
nämlich überzeugt davon, dass ihr "ADHS-Kind"
medizinisch krank ist und vordringlich medikamentös
behandelt werden muss. Wenn das Verhalten ihres Kindes
nicht wunschgemäß ist, kann es aus ihrer Sicht nur am
Medikament und seiner Anwendung liegen. Deshalb fragen
sie natürlich erst gar nicht, wie sie das Verhalten
ihres Kindes vielleicht verstehen könnten, um dann für
Abhilfe sorgen zu können.
Sie fragen nicht, ob das
Verhalten ihres Kindes vielleicht etwas zu tun haben
könnte mit ihrem Erziehungsstil, mit ihrem Familienklima,
mit ihrer Ehekrise oder ihren wirtschaftlichen Problemen,
mit ihrer Scheidung, mit ihren eigenen psychischen
Störungen... Sie fragen einfach immer nur nach einem
Medikament. Und ansonsten sind Sie vollkommen ratlos!
Und diese Einstellung wird
von den anderen Forenteilnehmern, denen es genau so geht,
dann ausgiebig gefördert. Niemand käme auf die Idee,
nach solchen Familienfaktoren und wie sie sich subjektiv
aus der Sicht eines Kindes darstellen, zu fragen. Alle
ergehen sich in ziemlich leichtfertigen und
pseudokompetenten medikamentösen Ratschlägen und
verallgemeinern ihre eigenen völlig subjektiven sog.
"ADHS"-Probleme. Bestenfalls schimpft man auf
Lehrer oder Erzieherinnen. Aber vor der eigenen Haustür
darf absolut nicht gekehrt werden.
Was man so schmerzlich
vermisst ist der ernsthafte Versuch, die Sicht des Kindes
ein- und ernst zu nehmen. Was bewegt den Sohn wirklich,
die Mutter und die Lehrerin bei den Hausaufgaben zu
unterlaufen? Was bewegt den Sohn wirklich, mit
Wutanfällen und Weglaufen zu reagieren? Es ist einfach
unzulässig und verantwortungslos, solche
Einfühlungsversuche mit der Ausrede zu unterlassen, das
Kind sei einfach nur krank und brauche bloß ein
passendes Medikament. Die derzeitige "ADHS"-Szene
macht sich schuldig an unseren Kindern, weil sie es
unterstützt, dass sich Eltern gar nicht mehr in ihre
Kinder einfühlen, sich selbst dabei nicht hinterfragen
und in ihrem eigenen Verhalten die Sicht des Kindes nicht
angemessen wirksam werden lassen.
MfG Dörte
28.2.2004
Null Bock ist
hausgemacht
HIRNFORSCHUNG: Kinder
brauchen Vorbilder, sagt der Göttinger Neurobiologe
Gerald Hüther
Unser Kommentar: Auch viele (nicht alle)
Schwierigkeiten unserer Kinder, die sich gegenwärtig
unter der Diagnose "ADHS" wiederfinden, haben
in inner- und außerfamiliären (frühen bzw.
langanhaltenden) Beziehungsproblemen ihre tiefere
psychologische Ursache. Wann nimmt die offizielle ADHS-Funktionärsszene
(aber nicht nur die) diese ziemlich alte Erkenntnis
endlich ernst? Solange dies nicht geschieht, wird unseren
Kindern weiterhin massiv Unrecht getan, wenn man sie
leichtfertig für medizinisch krank und deshalb für
medikamentös behandlungsbedürftig erklärt.
Preiser
4.3.2004
|
|
| Was
ist Ihre Meinung? |
| ADHS ist
eine von der Pharmaindustrie erfundene
Krankheit |
| Ja |
111 |
52,86 % |
| Vielleicht |
6 |
2,86 % |
| Nein |
93 |
44,29 % |
| Gesamtbeteiligung:
210 |
|
|
|
Die Mehrheit der
Teilnehmer ist der Meinung, ADHS sei eine erfundene, also
aus verschiedenen Interessen hauptsächlich der
Pharmaindustrie heraus ausgedachte und nicht wirklich
existente Krankheit. J. Blech hat offensichtlich eine
ganze Menge Fürsprecher!
© Café Holunder 3/2004
AD(H)S ist überholt
oder: Die
Wiedergeburt von MCD
Wenn man die AD(H)S-Geschichte einige Jahre zurück
verfolgt, stößt man unweigerlich auf das
Vorgängerkonzept MCD (Minimale zerebrale Dysfunktion),
seine seinerzeitige massenhafte Propagierung und
kritiklose Alltags-Übernahme, und seinen sang- und
klanglosen Untergang als Folge der Untersuchungen von M.H.
Schmidt u. Esser (s.u.). Diese Forscher haben sich nicht
allein auf Studien mit Inanspruchnahme-Populationen (also
klinische Fälle), sondern vor allem auf Stichproben aus
der Normalbevölkerung konzentriert, um den fehlenden
Syndromcharakter und die fehlende Validität der Diagnose
bzw. Störung überzeugend zu begründen. Dies hatte zur
Folge, dass diejenigen Kliniker, die bisher schon immer
an diesem Konzept gezweifelt hatten, sich bestätigt
fühlen konnten und endgültigen Abschied davon nahmen.
Eine andere Gruppe von Forschern und Klinikern aber sann
seither sozusagen auf "Rache" bzw. auf die
Wiedergeburt ihrer Überzeugung von einer einheitlichen
körperlich begründbaren Krankheit bzw. Störung
bestimmter kindlicher Verhaltens- und
Entwicklungsprobleme. Wenn man den folgenden bereits
klassischen Artikel von M.H. Schmidt noch einmal in aller
Ruhe studiert (es lohnt sich wirklich!) und jedesmal für
das Kürzel MCD das Kürzel AD(H)S (bzw. für den Begriff
minimale zerebrale Dysfunktion die Umschreibung
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) einsetzt,
wird sehr deutlich, dass das AD(H)S-Konstrukt u.a. den
Versuch einer Wiedergeburt des MCD-Konstrukts -sozusagen
durch die genetische Hintertür- darstellt. Während M.H.
Schmidt noch warnend auf die häufige und falsche
Gleichsetzung von MCD und HKS (Hyperkinetisches Syndrom)
hinwies, wirft man heute AD(H)S und HKS wahllos in einen
Topf.
Es wird
hoffentlich nicht mehr allzu lange dauern und man wird
mit der gleichen Methodik, wie sie Schmidt und Esser bei
MCD angewendet haben, auch bei AD(H)S begründen können:
AD(H)S ist überholt. Die Parallelen springen ja
förmlich ins Auge. Fragt sich nur, was danach kommt!
Hier nun
der unverändert sehr lesenswerte Beitrag
H.-R. Schmidt
12.3.2004
Hans-Reinhard
Schmidt
Ist
AD(H)S eine Neurose?
Der Begriff Neurose stammt aus dem
Jahr 1776 und wurde damals von dem schottischen Arzt W.
Cullen geprägt. Ursprünglich galten Neurosen als sog.
funktionelle Nervenkrankheiten ohne organischen Befund.
Von Anfang an war dabei fraglich, mit welcher
Berechtigung man von Krankheit sprechen kann, wenn
keinerlei organisch lokalisierbare oder sonstwie
körperlich festzumachende Schäden zu finden sind. Von
Anfang an war aber auch klar, dass es sich bei diesen
Störungen dennoch um Krankheiten handeln könnte, denn
das Nicht-Finden einer organischen Ursache beweist ja
nicht á priori ihr Nicht-Vorhandensein. Die Wissenschaft
kann ja einfach noch nicht in der Lage sein, solche
vorhandenen organischen Ursachen zu entdecken. Auf jeden
Fall war aber auch von Anfang an deutlich, dass die
betroffenen Menschen leiden und ihnen die Zubilligung
einer Krankheit eine psychosoziale Entlastung im Sinne
einer Freisprechung von persönlicher Schuld oder
Verantwortung bringen sollte. Das kennen wir auch heute
bei AD(H)S sehr gut.
So galt vor nun bereits
100 Jahren die Neurasthenie oder allgemeine
Nervenschwäche nicht nur als weit verbreitete Krankheit,
sondern auch als allgemeiner Ausdruck der modernen,
unruhigen Zeit, der kulturellen Überreizung des geistig
überbeanspruchten Nervensystems. Die damals populäre
Wochenschrift "Gartenlaube" veröffenlichte
jährlich bis zu vier Beiträge zu diesem Thema. Soziale
und kulturelle Reformen, wie die Abschaffung der
Sonntagsarbeit, das Recht auf einen Kuraufenthalt oder
die Verkürzung der Schulunterrichtszeit wurden im
Zusammenhang mit der Neurasthenie diskutiert. Die
Neurasthenie war dabei eine typische
Mittelschichtkrankheit. Während sich die "Gartenlaube"
des Themas intensiv annahm, veröffentlichte der damalige
"Simplizissimus" stattdessen lediglich
vielfältige Angebote von allen möglichen Heilmitteln
gegen die besagte Krankheit. Die Analyse dieser Anzeigen
zeigt, welch vielfältige Störungen bereits damals unter
den Begriff "Neurasthenie" zusammengefasst
wurden. So wurde z.B. der "vorzeitige Orgasmus"
des Mannes als "Männer-Nervenschwäche"
diagnostiziert, als Schwäche des männlichen
Sexualorgans, gegen das alle möglichen Medikamente
helfen sollten. Auch diese Denkweise erinnert deutlich an
unsere heutige "AD(H)S".
Nachdem sich aber bis
heute bei Neurosen keine ursächlichen körperlichen
Störungen finden ließen, bleibt es das Verdienst von S.
Freud und seiner Psychoanalyse, ein damals wie bis in
unsere Gegenwart neues und revolutionäres Konzept der
Neurose im Sinne einer erworbenen (gelernten)
Verhaltensstörung entwickelt zu haben, das sich nicht
mehr unter den bisherigen biologischen Krankheitsbegriff
subsumieren ließ. Seither geht man davon aus, dass eine
Neurose durch die entwicklungsabhängig misslungene
Verarbeitung starker (plötzlicher oder chronischer)
Affekte entsteht (wobei der Umkehrschluss nicht zulässig
ist).
Das gegenwärtige AD(H)S-Konstrukt
wiederholt aus meiner Sicht die Geschichte der Neurose.
Angefangen bei der Vorstellung einer biologischen
Krankheit, über das Konzept einer Störung der
Selbstbeherrschung (Barkley) reduzieren sich Diagnostik
und Syndromatik derzeit immer mehr auf eine reine
Verhaltensdiagnostik und -beschreibung bei Ausschluss
körperlicher Ursachen. Wenn AD(H)S also praktisch eine
Verhaltensstörung ist, was unterscheidet sie dann von
der klassischen Neurose?
Interessanterweise gibt es
hierzu -soweit mir bekannt- noch keinerlei Forschung.
Dabei liegen die Parallelen deutlich auf der Hand. Nach
wie gilt es zwar als strenges AD(H)S-Dogma, dass die
Störung nicht durch Erfahrungen oder Umwelteinflüsse
verursacht sei (sie sei sogar ursächlich "erziehungsunabhängig!"),
ein überzeugender wissenschaftlicher Beleg hierfür
steht aber völlig aus. Wenn man sich auf den kleinen
Anteil von Kindern mit Hirnreifestörungen und
funktionellen Entwicklungsstörungen beschränkt, die es
unter den heute mit "AD(H)S" titulierten
Kindern zweifelsohne gibt und die eher unter den
früheren Terminus MCD gefallen wären (s.o.), mag die
These der Erziehungsunabhängigkeit sogar teilweise
zutreffen; für die überwiegende Mehrheit der so
titulierten Kinder trifft sie aber keinesfalls zu, wie
jeder Kliniker fast täglich beobachten kann.
Wir haben
hier einmal eine kleine, nicht repräsentative und eher
spielerische Umfrage gemacht, bei der die Teilnehmer einige
Fragen zu ihrer neurotischen Tendenz (á la Eysenck)
beantworteten. Ausserdem gaben sie an, ob sie mit AD(H)S
diagnostiziert waren (bzw. ob sie zumindest davon
überzeugt waren, dass die Diagnose auf sie zuträfe)
oder nicht. Das Ergebnis war
eindeutig (Teilnehmer am 23.6.2003: 43/33): Teilnehmer mit AD(H)S erzielten
klar erkennbar höhere Neurosewerte als Teilnehmer ohne
AD(H)S. Dies könnte darauf hindeuten, dass es sich bei
AD(H)S und Neurosetendenz um identische Phänomene
handelt.
Intro-/Extraversion,
Neurose und ADHS:
Wenn man die beiden klassischen und empirisch sehr gut
erforschten, voneinander unabhängigen
Persönlichkeitsdimensionen "Intro-/Extraversion"
und "Neurotizismus" (Eysenck) heranzieht,
fällt auf, dass die AD(H)S-Symptomatik sehr gut auf
Menschen zutrifft, die gleichzeitig extravertiert und
neurotisch sind (das "Träumerle" wäre
demzufolge ein introvertierter und neurotischer Mensch).
Der Grad der Störung wird hier jeweils durch die
Neurosetendenz bestimmt; Intro-/Extraversion beschreiben
für sich betrachtet lediglich
unterschiedlicheTemperamente/Interessen/Wahrnehmungsstrukturen.
Wenn hier ein(e) Student(in)
mitliest: Wie wäre es mit einer Diplomarbeit zu diesem
Themenkreis? Letztes Jahr hat es schon mal jemand
versucht, bekam aber nicht genug erwachsene AD(H)Sler
zusammen, was sich wahrscheinklich inzwischen geändert
haben könnte...
Meine These: Der AD(H)Sler ist der moderne Neurotiker.
(Siehe auch den sehr guten
Beitrag im Deutschen
Ärzteblatt)
H.-R. Schmidt
22.3.2004
  Neues vom Zappelphilipp:
Brille auf, Brille ab
Wer Gegensätze liebt und aushält, sollte sich beide
Bücher zur kindlichen Hyperaktivität auf seinen
Nachtschrank legen und abwechselnd darin lesen. Das
große ADHS-Handbuch hat der englische Experte Russel A.
Barkley vorgelegt. Es gehört unter das Kopfkissen all
jener, die schon immer davon überzeugt waren oder
sich gern davon überzeugen lassen dass ADHS eine
klar umschriebene, eindeutig diagnostizierbare, genetisch
bedingte, und deshalb nur medikamentös behandelbare
Erkrankung darstellt.
Es geht heute nicht mehr darum Schuldige zu finden
ADHS ist primär genetisch bedingt und kann
medikamentös beeinflusst werden!, verkündet
bereits ein Hinweis auf dem Titelbild. Na
also, denkt sich der geneigte Leser endlich
bringt einer Klarheit in diese verworrene ADHS- und
Ritalindebatte, blättert noch ein wenig in dem
sehr übersichtlich aufgebauten und verständlich
geschriebenen Leitfaden herum, freut sich über klare
Handlungsanweisungen und Fallbeispiele und
schläft zufrieden ein.
Als Kernproblem der Zappelkinder nennt Barkley einen
behandlungsbedürftigen Mangel an Selbstbeherrschung.
Aber obwohl dieser eklatante Mangel an Selbstbeherrschung
nach Barkley primär genetisch bedingt sein soll und
daher durch Erziehungsmaßnahmen eigentlich nicht zu
ändern ist, erteilt er dennoch seitenweise Ratschläge,
was Eltern und Lehrer tun sollten, um dieses Defizit zu
überwinden. Wenn all das nichts hilft, wäre da noch die
Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung. Diese
beschreibt Barkley erstaunlich kurz und knapp, aber
didaktisch wohl bedacht genau dort, wo man sie sich am
besten merken kann, am Schluss.
Für den nächsten Abend bietet sich das Kontrastprogramm
"Kinder mit gestörter Aufmerksamkeit" dreier
Professoren an. Der Sozialmediziner Hartmut Amft und die
beiden Heilpädagogen Manfred Gerspach und Dieter Mattner
wollen das Thema und Problem als genuin
pädagogisches wieder in den Mittelpunkt stellen.
Sie bemängeln: ADS wird heute immer noch völlig
undifferenziert als Krankheit bezeichnet, die es
medikamentös zu behandeln gilt. Ihr Buch ist
höchstens halb so dick, aber doppelt so schwer zu
verdauen wie die leichte Kost des Vorabends, denn hier
wird dem Leser keine Brille aufgesetzt, sondern eine
abgenommen. Dieter Mattner macht in seinem Beitrag über
die Biologisierung abweichenden kindlichen Verhaltens
deutlich, auf welche Weise ein Krankheitsbild wie ADHS
von Medizinern geschaffen und nicht zuletzt durch
soche Handbücher wie das von Barkley im
öffentlichen Bewusstsein verankert werden kann. Hartmut
Amft zeigt, dass es durchaus möglich ist, das
Zappelphilippsyndrom aus medizinischer Sicht zu
betrachten, ohne ein klar umschriebenes und nur
medizinisch behandelbares Krankheitsbild daraus zu machen.
Dieses Kapitel ist gewissermaßen die Antithese zu
Barkleys Handbuch. Es endet daher auch nicht mit dem
Hinweis auf medikamentöse Behandlungen, sondern mit der
sehr berechtigten Frage, ob Hyperaktivität bei Kindern
unter Umständen nichts weiter ist, als das Symptom einer
kranken Gesellschaft. Was Eltern und Lehrer für solche
problemanzeigenden Kinder tun können, fasst Manfred
Gerspach in seinem Beitrag mit einem Satz zusammen: Die
Kinder verstehen lernen, und die Welt verändern, in die
diese Kinder hineinwachsen und in der sie sich
zurechtfinden müssen.
Und spätestens jetzt wird
auch deutlich, worin sich diese beiden Bücher über ein
und dasselbe Thema so grundsätzlich unterschieden: Das
erste ist mit kaltem Sachverstand für ratsuchende Eltern,
das zweite mit besorgter Nachdenklichkeit über die
gesellschaftlichen Verhältnisse geschrieben, die
gestörte Kinder und ratsuchende Eltern hervorbringen.
Rasch einschlafen wird man nach dieser Lektüre wohl
nicht können, aber bisweilen ist es ja auch ganz heilsam,
wenn man auf Gedanken stößt, die zum Weiterdenken
zwingen.
Gerald Hüther
(Professor für Neurobiologie an der Universität
Göttingen. Sachbücher: Bedienungsanleitung für ein
menschliches Gehirn. Vandenhoeck & Ruprecht 2001,
Zusammen mit Helmut Bonney Neues vom Zappelphilipp. ADS:
verstehen, vorbeugen, behandeln. Walter-Verlag 2002).
Russel A. Barkley: Das große ADHS-Handbuch
für Eltern. Verantwortung übernehmen für Kinder mit
Aufmerksamkeitsdefizit und Hyperaktivität. Huber, Bern
2002
Hartmut Amft, Manfred Gerspach, Dieter Mattner:
Kinder mit gestörter Aufmerksamkeit. ADS als
Herausforderung für Pädagogik und Therapie. Kohlhammer,
Stuttgart 2002
aus: winfuture
Liebe
Gäste, wir freuen uns sehr, Ihnen Barry Turner
vorzustellen. Die deutsche Übersetzung seines englischen
Beitrages steuert er selbst bei:
Barry
Turner
BA
MPhil., Department of Biological Sciences, University of
Lincoln, UK
Beweisaufnahme:
ADHS
oder: Gibt es den
Nikolaus?
Einige Fachleute
bestreiten, dass es ADHS gibt. Ihnen wird vorgeworfen,
verantwortungslos zu sein, wenn sie es zulassen, dass
diese Krankheit zu wenig erkannt wird, und sogar
verursachen, dass die Leidtragenden zur Selbstmedikation
mit illegalen Drogen und Alkohol greifen. Wenn es nicht
um die Tatsache ginge, dass das explosionsartige
Diagnostizieren von ADHD und die Behandlung mit
Stimulantien wie Ritalin ( Methylphenidate ) die
größte medizinische Katastrophe seit Thalidomid
darstellt, wären diese Aussagen lächerlich.
Glauben die Hersteller solcher Aussagen wirklich, dass
die Millionen, die Exstasy (MDMA) und andere illegale
Substanzen nehmen, die dem Ritalin ( Methylphenidate)
sehr ähnlich sind, - in Tausenden von Nachtlokalen jedes
Wochenende - sich selbst mit Medikamenten behandeln,
wobei und weil sie eigentlich nicht richtig untersucht
worden sind ? Wie kann ein medizinischer Wissenschaftler
sagen, dass eine Krankheit" zu wenig erkannt
wird, auf Grund welcher Daten ?
Es gibt absolut keinen Grund, warum jene, die gegen den
Mythos sind, ADHS sei eine Krankheit, diese Position
rechtfertigen müssen. Die Sache ist klar. Den Beweis
antreten müssen jene, die die Position beibehalten, dass
ADHS eine Krankheit ist. Dieser Beweis jedoch muss auf
Daten beruhen, die unter experimentellen Bedingungen
gesammelt werden, so dass sie von objektiven
Wiederholungsstudien bestätigt werden können.
Ein Nachweis beruht auf drei Elementen: Dem
offensichtlichen (autoptic) Beweis, der zusammenhängt
mit materiellen oder physikalischen Anhaltspunkten wie
chemischen Rückständen oder Fingerabdrücken. Dem
direkten Beweis, der durch
einen Zeugen oder Experten vorgelegt wird, und dem
Indizienbeweis, die schwächste Beweisart von allen.
Der Autoptic-Beweis wird von den Sinnen wahrgenommen und
wird gewöhnlich wirklicher" Beweis genannt.
Bei Krankheiten ist dieser Beweis immer vorhanden. Bei
Karzinomen erbringen Biopsien den Nachweis von
Zellmutationen, bei
kardio-vaskulären Krankheiten können nekrotische
Muskelgewebe, arterielle Beläge oder verkalkte Arterien
beobachtet werden. Bei ansteckenden Krankheiten
können die Pathogene, welche die Infektionen verursachen,
gesammelt und identifiziert
werden. Der Nachweis ist dort für alle medizinischen
Profis zu sehen. Nicht so bei ADHS.
Ein direkter Beweis ist das, was ein Augenzeuge oder ein
Experte an eigenen, direkten Beobachtungen beschreibt.
Was sagen die Experten ?
ADHS könnte (vielleicht?) genetisch sein.... niemand hat
dieses als logisch und notwendig nachgewiesen, indem er
identifiziert hat, welches Chromosom dieses mangelhafte
Gen hat, und warum der Defekt dort ist. Sind blaue Augen,
übrigens genetisch festgelegt, deshalb eine Krankheit ?
ADHS beruht vielleicht (wieder) auf biochemischen
Ungleichgewicht.... Nicht ein einziges Beweisstück
existiert, das darauf hinweist. Tatsächlich: Wo
biochemische Ungleichgewichte vorgeschlagen werden, gibt
es wieder einen beachtlichen Mangel an empirischem Beweis,
um die Theorie zu unterstützen (empirisch bedeutet, dass
es wiederholt, geprüft, gemessen, verifiziert werden
kann ).
ADHS ist vielleicht (und wieder) erblich: Genau wie die
unberechtigte Behauptung einer Genetik", ist
dies bestenfalls unabsichtlich und im schlimmsten Fall
absichtliche Irreführung. Kriminelles Verhalten sei auch
Vererbung, kriminelle Väter haben öfter kriminelle
Söhne ( und Töchter ). Das Verhalten wird gelernt
und ebenso wie musikalische Eltern musikalische Kinder
und sportlich begeisterte Eltern sportliche Sprösslinge
hervorbringen, ist dies kein Beweis für Genetik oder
erbliche Ursachen. Es sollte bekannt sein, dass
chinesische Kinder dazu neigen, chinesisch zu sprechen,
wenn sie in China aufwachsen. Jene, die von westlichen
Eltern adoptiert wurden und nach Amerika geholt worden
sind, haben zum Beispiel noch nicht spontan angefangen,
chinesisch zu sprechen, weil dies für sie erblich oder
genetisch bedingt wäre. Sprache wie Verhalten werden
gelernt.
Was ist mit der schwächsten Art des Beweises, dem
Indizienbeweis ? Ah, endlich haben die ADHS-Verfechter
etwas. Kinder benehmen sich schlecht und treiben sich
herum, sie sind trotzig und sind schnell gelangweilt.
Naja, sie haben es immer so gemacht. Die Umstände dieses
anomalen" Verhaltens suggerieren diesen ADHS-Beobachtern,
dass etwas falsch ist, das Kind muss krank"
sein. Es sollte zu ihnen gebracht werden, damit dem Kind
geholfen werde; sie sind es, die ADHS-Beobachter, die an
Beobachtungsungenauigkeit und Verzerrungskrankheit"
leiden.
Was ist mit dem berühmten Vorschlag, dass diese Kinder
andere" oder kleinere Gehirne haben ? Gut, die
Studien, die mit dieser Theorie ankamen, sehen gut aus,
bis man sie fünf Minuten gelesen hat. Nach fünf Minuten
wird der Leser merken, dass die Forschungskohorte in der
Tat durcheinander ist, einige Kinder bekommen Medikamente,
einige nicht. Einige der normalen" Kinder sind
mehrere Jahre älter als jene mit den kleineren Gehirnen.
Die Statistiken laden zur gut bekannten
wissenschaftlichen und bewährten Diskssion
Korrelationen sind keine Begründungen" ein.
Dies ist die Art von Wissenschaft, die folgert, dass
Orangen verschieden sind von Avocados, weil Orangen
weniger grün als Avocados sind. Diese
Wissenschaftler" sollten einfach einmal kosten,
um sich aufklären zu lassen.
Die Sprache der ADHS-Lobby ist ein wunderbares Zeichen
dafür, wie genau die Wissenschaft ist, die hier am Werke
ist. ADHD ist vielleicht...." ,
ADHS ist wahrscheinlich...." , Studien
zeigen...." , Wissenschaftler glauben..."
Nicht e i n Beweisstück existiert, um diese
Gegebenheiten kategorisch in irgendeine Klassifikation
von Krankheiten einordnen zu können.
Die drei Beweisarten, die oben erwähnt werden, sind
wissenschaftlich klare Beweise. Sie sind das Material,
mit Hilfe dessen dafür oder dagegen, sozusagen schuldig
oder nicht schuldig entschieden wird. Es gibt aber noch
eine Beweisart, die ausgelassen worden ist:
Ein Hörensagen-Beweis ist es, wenn aus zweiter oder
dritter Hand berichtet wird. Sein Wert wird insofern
schwerwiegend eingeschränkt, als er nicht mit den
normalen Methoden geprüft werden kann, die bei den
anderen erwähnten Beweisen angewendet werden. Die Person,
die berichtet, kennt die Tatsachen nicht, sondern nur die
Beobachtungen, die ihr berichtet wurden. Einfach wie eine
Connors-Einschätzskala für ADHS. Der kleine Johnny ist
überaktiv, sagt der Lehrer. Geben Sie ihm Ritalin, sagt
der Arzt. Der kleine Jimmy kann sich nicht auf seine
Schularbeit konzentrieren, sagt der Lehrer. Geben Sie ihm
Adderal, sagt der Arzt. Die kleine Sally benimmt sich
schlecht in der Klasse, sagt der Lehrer. Geben Sie ihr
Concerta, sagt der Arzt. Wie viele Ärzte verordnen ihren
Patienten Insulin, weil ihr Nachbar berichtet, dass er
gesehen habe, wie viel Wasser sie tränken, und hörten,
dass ihre Füße oft prickeln ?
Wenn die ADHS-Verfechter vor Gericht angeklagt würden,
weil sie der Welt diese Geißel aufgedrückt haben,
würden sie bestimmt fordern, dass die Anklage eindeutige
Beweise beibringen muss, bevor man sie verurteilt.
Und dann wäre eines sicher: sie würden heftig über
Rechtsmissbrauch klagen, wenn man sie nur wegen Indizien-
und Hörensagenbeweisen verurteilen würde. Welche Ironie,
das im Fall eigener Betroffenheit eine zu dünne
Beweislage genügen würde, sie frei zu sprechen,
während sie gleichzeitig auch nur auf Grund von
Hörensagen und Indizienbeweisen Kindern und sogar
Kleinkindern süchtigmachende und gefährliche
Medikamente geben.
Wir, die wir hier gegen diesen unerhörten Missbrauch
medizinischer Wissenschaft opponieren, müssen unsere
Position nicht rechtfertigen. Wir müssen keine Beweise
liefern, dass ADHS nicht existiert, genau so wenig, wie
wir einen Beweis liefern müssten, dass der Nikolaus
nicht existiert. Die Verfechter müssen diese Fragen
beantworten:
§ Was ist die Ätiologie von ADHS ?
§ Wo ist der harte Beweis (objektiv,
wissenschaftlich und empirisch bestätigt)?
§ Wenn es eine Krankheit ist, warum
sucht eigentlich niemand eine Heilmethode ?
Aus Mangel an überzeugenden Antworten auf diese Fragen
ist ADHS nur ein Glaubenssystem, wie der Glauben an Feen
oder Nikolaus, keine Krankheit oder irgendeine andere Art
von medizinischer Veranlagung.
The author is a Lecturer in Legal Studies in Forensic
Science in the Department of Biological Sciences,
University of Lincoln, United Kingdom, Criminal Litigator
and Mental Health Law Consultant
Barry
Turner
Barry Turner
© Café Holunder
29.3.2004
ZEITZEUGEN
(19)
Sir Peter Ustinov
ist tot
Ein großer Humanist und Menschenfreund, ein
einzigartiger Mensch und Weltbürger ist gestorben. Sein
Geist, sein Witz, sein Intellekt und seine Kinderliebe
fehlen ab sofort. Er meinte zwar erst kürzlich noch,
sein Personalausweis sei bis 2008 zugelassen und er habe
nicht vor, vorher davon zu laufen... Ein kleines altes
deutsches Kindergebet nur für ihn:

Abends, wenn ich schlafen geh,
Vierzehn Engel bei mir stehn:
Zwei zu meiner Rechten
Zwei zu meiner Linken,
Zwei zu meinen Häupten,
Zwei zu meinen Füßen,
Zwei, die mich decken,
Zwei, die mich wecken,
Zwei, die mich weisen
in das himmlische Paradeisen.
Café Holunder
29.3.2004
Fernsehen macht Kleinkinder
unruhig
"...Die Autoren der Studie, Dimitri Christakis vom
Kinderkrankenhaus Seattle und Kollegen, verglichen das
Verhalten siebenjähriger Schulkinder mit den Angaben
ihrer Mütter über den Fernsehkonsum in Vorschuljahren.
Dabei kam heraus, dass Kinder mit dem häufigsten TV-Konsum
unter jenen zehn Prozent der Schulanfänger
wiederzufinden waren, die die meisten Probleme mit
Konzentrationsstörungen, Impulsivität und Unruhe hatten.
Einige von ihnen litten auch unter dem so genannten
Zappelphilipp-Syndrom (ADHD)..."
Hubert Geue
6.4.2004
Mutterliebe und ADHS
Niedriges Geburtsgewicht z.B. bei Frühgeborenen steht
bekanntlich im Zusammenhang mit späteren ADHS-Symptomen.
Tully LA, Arseneault L, Caspi A, Moffitt TE, Morgan J.
vom Institut für Psychiatrie des King´s College, London,
fanden nun bei ihrer Untersuchung von über 2200 Zwillingen einen
bedeutsamen Zusammenhang zwischen "mütterlicher
Wärme" und diesem Einfluss des Geburtsgewichts auf
spätere ADHS-Symptome. Die Hälfte der Kinder hatte
weniger als 2500g Geburtsgewicht gehabt. Eltern und
Lehrer stuften ADHS-Symptome der Kinder ein. Mütterliche
Wärme wurde anhand von Videoaufzeichnungen ihrer
Beschreibungen der Kinder bewertet. Außerdem wurde der
IQ der Kinder gemessen. Der Einfluss des niedrigen
Geburtsgewichts auf spätere ADHS war bei denjenigen
Kindern, deren Mütter im Merkmal "mütterliche
Wärme" hoch abschnitten, bedeutsam geringer als im
umgekehrten Fall.
Für den IQ ergab sich
kein solcher Zusammenhang. Aber was ADHS anbelangt, legen
die Ergebnisse den Schluss nahe, dass mütterliche Wärme
den Einfluss eines geringen Geburtsgewichts auf eine
spätere ADHS bedeutsam mildert, und dass anhaltende
mütterliche Wärme die Verhaltensprobleme unter den
immer häufigeren Kindern mit niedrigem Geburtsgewicht
verhindern kann.
Mutterliebe entscheidet
also darüber, ob von Geburt an körperlich
entwicklungsschwierige Kinder später ADHS entwickeln.
Wieder mal ein deutlicher Beleg für die
Erziehungsabhängigkeit von ADHS.
H.-W.
7.4.2004
Antidepressiva erhöhen das
Selbstmordrisiko bei Kindern - Pharmaindustrie
verheimlicht Studien
Wie die Pharmaindustrie und mit ihr die FDA der USA
geschäftsschädigende Forschungsergebnisse verheimlicht,
obwohl die Selbstmordgefahr für medikamentös behandelte
Kinder um das Zweifache ansteigt, zeigen die aktuellen
aufschlussreichen Vorgänge um Antidepressiva in den USA
und Großbritannien, die Lawrence Diller beschreibt:
Lawrence Diller, M.D.
Ärzte im
Dunkeln gelassen
Wegen der steigenden Selbstmordtendenz durch die Einnahme
von Antidepressiva wie Prozac gab die Food
and Drug Administration (FDA), USA, diese Woche eine
offizielle Warnung heraus. Die Hersteller von Prozac
und fast allen anderen Antidepressiva, die in unserem
Land eingenommen werden (Paxil, Zoloft, Wellbutrin,
Effexor, Celexa, Lexipro), müssen im
Beipackzettel einen diesbezüglichen neuen Warnhinweis
einfügen. Dieser Vorgang ist der vorläufige Höhepunkt
zehnjähriger Bemühungen, Licht in die möglichen
Gefahren dieser Medikamente zu bringen.
Der neue
Warnhinweis macht Ärzte und Patienten darauf aufmerksam,
dass in den ersten Tagen und Wochen einer Behandlung
Nebenwirkungen wie Erregung, Panik, Verwirrtheit,
Schlaflosigkeit und schwere Ruhelosigkeit vorkommen
können, die allesamt zu einem steigenden
Selbstmordrisiko beitragen. Ähnliche Befürchtungen
bezüglich Prozac sind bereits vor über 10 Jahren mit
einem Ansturm sogenannter "Expertenaussagen"
industriell bezahlter Forscher und finanziell großzügig
gekaufter Betroffener und ihrer Familien in US-Gerichten
niedergeschlagen worden.
Wenn es
nicht Ausländer, vor allem britische Ärzte gegeben
hätte, die den Nutzen medikamentöser Behandlungen von
Depressionen bei Kindern skeptischer bewerteten, hätten
wir das Wissen über Antidepressiva heute wahrscheinlich
noch gar nicht. Die Medicines and Healthcare products
Regulatory Agency, Englands FDA, gab letzten Sommer
zunächst eine Warnung vor Paxil und Effexor
heraus. Im Oktober wurden dann alle als SSRIs bekannte
Antidepressiva, mit Ausnahme von Prozac, verboten,
nachdem USA-Studien gezeigt hatten, dass sie bei der
Behandlung kindlicher Depressionen nicht wirkten, dass
sie aber mit 200prozentig erhöhter Wahrscheinlichkeit,
verglichen mit Placebos, zum Selbstmord führten.
Die
britische Entscheidung veranlasste die FDA, im Februar
eine Anhörung durchzuführen. Bis zu diesem Zeitpunkt
hatten nur 3 von 7 zum SSRI-Gebrauch bei kindlicher
Depression durchgeführte und veröffentlichte Studien
eine im Vergleich zu Placebos positive Wirkung gezeigt.
Bei der Anhörung erfuhren Ärzte und Patienten, dass die
FDA weitere 8 Studien verborgen gehalten hatte, die
ebenfalls keinerlei positive Wirkung gezeigt hatten und
nie veröffentlicht worden waren. Die Pharmafirmen hatten
diese Studien gemäß der "pädiatrischen Regel"
veranlasst, der zu Folge sich ihre Patente für diese
Medikamente um 6 Monate verlängern. Die Firmen waren
allerdings gesetzlich nicht verpflichtet, diese Studien
zu veröffentlichen, und deshalb blieben sie im Dunkeln,
bis uns die Entscheidung der britischen Regierung auf sie
aufmerksam machte.
Bei der
Anhörung plädierten sogar Forscher und
Hochschulpsychiater, die sonst als Verfechter einer
medikamentösen Behandlung von Kindern wohlbekannt sind,
für Transparenz bei Forschungsergebnissen. Wie können
Ärzte sensible Entscheidungen treffen, wenn die meisten
Studien dem öffentlichen Urteil entzogen sind? Die
Pharmafirmen entgegneten, die Studien seien ihr
persönlicher Privatbesitz und eine Veröffentlichung
würde ihrem Produkt und ihren Aktionären schaden.
Das
ökonomische Interesse der Firmen schließt obendrein
jede systematische Kontrolle der medikamentösen
Langzeitwirkung aus, sobald ein Medikament von der FDA
erst einmal zugelassen ist. Die meisten Studien, die von
der FDA als Beleg verlangt werden, umfassen lediglich
wenige Monate. Einmal zugelassen können diese
Medikamente für immer verwendet werden, für welchen
Zweck auch immer ein Doktor sie für geeignet hält. Die
Pharmafirmen haben wenig Anlass zu überprüfen, ob ihre
Medikamente noch Jahre später wirken. Und es kann
jahrelange bestimmungsgemäße Anwendung dauern, bevor
Nebenwirkungen entdeckt werden, die mit dem Medikament
einhergehen.
Anscheinend
haben nur Rechtsanwälte ein persönliches Interesse an
der Langzeitwirkung von Medikamenten. Das gegenwärtige
Verbrauchs-Kontrollsystem ist sowohl für die
Gesellschaft, die die gesetzlichen Kosten auffängt, als
auch für die geschädigten Patienten teuer, bis einmal
genügend öffentliches Interesse oder ökonomischer
Druck dazu führen, dass Hersteller ein Medikament
ändern oder vom Markt nehmen. Fast 80 % der Teilnehmer
an einer Umfrage auf meiner website erklärten sich
bereit, mindestens 1 % Zuzahlung auf ihre Medikamente zu
zahlen, um damit unabhängige, systematische
pharmazeutische Langzeitstudien zu finanzieren.
Die
Entscheidung der FDA, eine Warnung vor Antidepressiva
herauszugeben, ist eine Rechtfertigung, obgleich viel zu
späte "bittere Pille" für diejenigen Familien,
die ein Kind durch Selbstmord verloren haben, weil es mit
etwas behandelt wurde, das nicht besser gewesen sein mag
als ein Placebo. Wie viele weitere Kinder müssen noch an
fragwürdigen Medikamenten sterben, bis unsere Regierung
die nötigen Schritte unternimmt, um die "kranke"
Regulierung unserer pharmazeutischen Industrie zu heilen?
(Washington
Post vom 24.3.2004)
Übersetzung:
H.-R.Schmidt
17.4.2004
Siehe auch
zu diesem Thema:
Alec´s Geschichte
Zeitzeugen 15
ADS & Co:
Braucht mein Kind Medikamente?
Ritalin: Ein
folgenschwerer Irrtum?
Ritalin: Die
verkannte Gefahr
Frag´ Dr. van den Haag!
Frau Prof. Dr. mult. Luise Wonne-Proppen aus W. fragt
heute: "Herr Doktor, hilfe, aber woran erkenne ich ein fake
?"
Dr.
van den Haag antwortet:
Liebe Frau Prof. Dr. mult. Luise Wonne-Proppen aus W.: Es gibt ja bekanntlich Zeitgenossen,
die nicht wirklich ehrliche Botschaften in Internetforen
verbreiten. Sie tun nur so. Und wenn man drauf reinfällt,
ist man selberin schuld. Also ist es sehr wischtisch, ein
Auge (oder drei) für fakes (sprüsch: fe-ix bzw. fäix bzw.
fäääks. Ach, sprich es wie du willst!) zu haben. Für
Kurz- oder Weitsichtige deshalb hier einige meiner
existenziellen Tipps:
Ein
fake liegt sicher vor,
1. wenn ein Posting mit schlauen Sprüchen oder sog.
Lebensweisheiten untermauert wird. Wenn jemand z.B.
regelmäßig anmerkt: "Kopf hoch, auch wenn der Hals
dreckig ist", muss es sich unzweifelhaft um ein fake handeln. Welcher Mensch sonst
würde dem Leser sowas raten? Man könnte den Hals doch
besser mal waschen! Oder wenn jemand anmerkt: "Zur
Erziehung eines Kindes braucht es ein ganzes Dorf",
muss es sich auf jeden Fall um ein fake handeln, denn diesen Satz zitiert
schließlich der verhasste Prof. Hüther in jedem seiner
Vorträge;
2. wenn jemand behauptet,
es sei längst widerlegt, dass Ritalin Parkinson macht. Dass
es Parkinson macht, ist natürlich noch nicht bewiesen,
aber widerlegt ist es erst recht nicht. Es muss sich
einfach um ein fake handeln, denn niemand sonst würde sowas
behaupten;
3. wenn jemand auf die
Frage, ob Methylphenidat (z.B. Ritalin) bei gleicher
Dosierung wie Kokain wirkt, gar nichts antwortet. Diese
Nicht-Antwort ist mit Sicherheit ein fake;
4. wenn jemand seine
Postings immer betont sachlich und höflich beginnt ("...ich
teile mit meiner vollen Zustimmung Ihre interessante
Ansicht, dass...") und dann, je länger das
Posting geht, umso mehr die Selbstbeherrschung verliert ("...solltest
du erst mal Lesen lernen, was man ja wohl noch erwarten
darf..."). Denn ein echter Poster hätte
schließlich dank Ritalin seine Selbstbeherrschung voll
im Griff; also: Fake!
5. wenn jemand auf ein
Posting von einer Herta Wurst öffentlich damit droht,
seine Wurstmaschine aus dem Keller zu holen. Es muss sich
um ein
fake handeln,
denn andererseits wäre es selbstverständlich wegen
seelischer Grausamkeit gelöscht worden. (Wer hat heute
außer Metzgern außerdem solch Maschine im Keller?
Fällt das nicht unter das Waffengesetz? Oder handelt es
sich um die Verfilmung des Schockers "Herta 3: Die
Wurst schlägt zurück"?);
6. wenn jemand behauptet,
es sei bewiesen, dass ADHS eine biologische Krankheit ist.
Kein vernünftiger Mensch (mit Ausnahme der arg
darniederliegenden Pharmaindustrie und einiger weniger,
aber umso bekannterererer Fachleute, die davon leben)
würde das behaupten. Also: Fake!
7. wenn
jemand das Angebot eines Posters, einen Presseartikel
über ADHS zu schreiben, für ein fake
erklärt.
Wahrscheinlich handelt es sich zwar wirklich bei Ersterem
um ein
fake (denn welcher Journalist, der noch alle
Sinne beieinander hat, geht da dran), aber bei Letzterem
liegt gleichzeitig auch ein fake vor (sog. paradoxes
Doppelfake), weil hier ein Fiesling aus Angst, es
könnte sich um einen seriösen Journalisten handeln,
einen guten Presseartikel über ADHS verhindern will;
8. wenn
jemand behauptet, ADHS würde sich deshalb verbreiten,
weil sich ein einflussreicher Psychiater dafür einsetzt.
Das muss einfach ein fake sein, denn
biologische Krankheiten führen sich ja nicht ein, nur
weil ein Psychiater dies so wünscht. Solche Krankheiten
sollten eigentlich wissenschaftlich objektiver begründet
sein.
9. wenn
jemand behauptet, in England seien SSRIs für Kinder (Antidepressiva)
verboten worden, und in den USA müsste in den
Beipackzetteln ein Warnhinweis auf erhöhte
Selbstmordneigung eingefügt werden. Das muss ein fake sein, denn genauso
argumentiert Scientology.
10. wenn
jemand behauptet, ich hätte mich die letzten Wochen mit
Teneriffaarbeit aufgehalten. Das muss ein fake sein, denn
Handarbeit liegt mir eigentlich gar nicht.
Ulli
21.4.2004
Die Hälfte aller Kinder, die "Ritalin"
nehmen müssen, haben gar keine ADHS!
Nur jedes 3. Kind mit ADHS braucht Medikamente.
Mindestens einmal jährlich sollte ein Auslassversuch
gemacht werden / Medikament dient nicht der
Leistungssteigerung
HAMBURG (ugr). Wird bei Kindern die Diagnose
Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom mit oder ohne
Hyperaktivität (ADHS) gestellt, ist in etwa 30 Prozent
der Fälle eine Therapie mit Methylphenidat notwendig.
Diese Meinung hat Professor Manfred Döpfner von der
Klinik für Kinderpsychiatrie der Uni Köln bei einer
internationalen ADHS-Konferenz in Hamburg vertreten.
Aus Amerika wissen wir, daß es bei einem Besorgnis
erregend hohen Anteil von Kindern, die Methylphenidat
einnehmen, keine Hinweise auf ADHS gibt. Dieser Anteil
liegt einer Studie zufolge bei 50 Prozent." Für
Deutschland gebe es keine vergleichbaren Zahlen. Doch
Döpfner vermutet, daß auch hierzulande Kinder ohne
ausreichende Diagnostik die gängigen Präparate
Ritalin® oder
Medikinet® verabreicht bekommen.
Aus: Ärzte Zeitung (Diesen Hinweis verdanken wir
Hubert Geue).
Wir möchten der
Überschrift die Frage hinzufügen:
Und vor allem:
Wer kümmert sich um sowas?
Sie erinnern sich vielleicht, was mir Prof. Döpfner zu
diesem Thema bereits 2001 mitteilte:
Lieber Herr Schmidt,
Kompliment, Sie lesen genau. Nach unseren Studien
benötigt 1/3 der Kinder, bei denen wir mit VT beginnen,
zusätzlich Stimulanzien. Im weiteren Verlauf der Studie
zeigte sich, dass noch einige Kinder später zusätzlich
auf Stimulanzien eingestellt werden mussten, so dass 1/3
aller Kinder mit der Diagnose die Untergrenze darstellt
und ein Spektrum von 1/3 bis 1/2 sicher eine gute
Schätzung ist.
Mit freundlichen Grüßen!
Manfred Döpfner
Prof. Dr. sc. hum. Manfred Döpfner, Dipl.-Psych.
Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
des Kindes und Jugendalters der Universität zu Köln
Robert-Koch Str- 10, 50931 Köln
Aus diesen Angaben hatte ich damals auf 40 Prozent
medikamentös behandelte "ADHS"-diagnostizierte
Kinder getippt. In Hamburg teilte Döpfner demgegenüber
mit, dass nur 30 Prozent das Medikament brauchen, dass
also 70 Prozent der "ADHS"-diagnostizierten
Kinder gar kein Ritalin brauchen, wenn sie vernünftig
psychotherapeutisch behandelt werden. Und dass jedes
zweite Kind, das mit "Ritalin" behandelt wird,
gar keine "ADHS" hat.
Aus der Praxis meiner
Erziehungsberatungsstelle schätze ich, dass nur 5 % der
(meistens ziemlich willkürlich) "ADHS"-diagnostizierten
Kinder bei umfassender (das psychosoziale Umfeld
einbeziehender) systemischer Familientherapie zeitweilig
medikamentöse Unterstützung brauchen. Döpfner sieht
sicher einen insgesamt schwerer gestörten Patienten-Ausschnitt
im Vergleich zu uns.
Das sind in der Tat
erstaunliche Verhältnisse! Wieso hat immer noch niemand
in Deutschland (wie in USA) die Gültigkeit der Diagnose
"ADHS" wissenschaftlich im Alltag überprüft?
Wie sieht es mit regelmäßigen Auslassversuchen aus?
Dieser Begriff taucht in sog. Selbsthilfegruppen und -foren
im Verhältnis zu anderen Themen praktisch überhaupt
nicht auf. Warum werden Auslassversuche offiziell nicht
empfohlen? Wenn man liest, was deutsche Kinderärzte in
sog. Leitlinien vertreten, bestätigt sich unsere
besorgniserregende klinische Erfahrung, dass eine
Medikation angeblich zwingend sei, wenn
"ADHS" (wie auch immer) diagnostiziert wurde
oder wenn nur ein sog. "Leidensdruck" von
Patienten vorliegt (was heißt das?). So allgemein,
unklar und unspezifisch diese Leitlinien formuliert sind,
so beliebig und unkontrolliert erscheint auch insgesamt
die oft unbegründete und unkontrollierte, dennoch oft
jahrelange Behandlung der Kinder mit fragwürdigen
Psychopharmaka.
H.-R. Schmidt
28.4.2004
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