| ARCHIV: ADS: Gibt´s das wirklich?
ADS-Bücher: Kritisch
betrachtet
Ritalin: Ein folgen-
schwerer
Irrtum
Aus der Sicht unserer
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Das Verschwinden der Mädchen von der
Bildfläche
Gibt es ein Bisschen ADS?
Exklusiv: Die HÜTHER-Studie
Das Anlage-Umwelt-
Problem
Oh wie verführerisch
ist doch das ADS!
Alternativen bei ADS
Fragiles X-Syndrom
Alternative Behandlung
bei ADD
Familie und ADS
Alternative Sichtweisen bei ADS
Fundsachen: ADS-Foren kritisch
betrachtet Teil 1
Fundsachen: ADS-Foren kritisch
betrachtet Teil 2
Quellensammlung
Böse Witze
|

Liebe
Gäste,
vor gut zwei Jahren veröffentlichte R. Barkley
die bekannte internationale Konsenserklärung zur ADHS. Nun reagieren S.
Timimi und weitere 32 Wissenschaftler und
Praktiker darauf mit einer sehr guten Replik. Sie
erscheint dieser Tage in Clinical Child and Family
Psychology Review, Vol. 7, No. 1, March 2004, und
sie fasst sehr prägnant zusammen, was auch wir hier im Café Holunder seit Jahren zum Thema "ADHS"
vertreten. Deshalb darf sie Ihnen nicht vorenthalten
bleiben. Denn wo sonst im Internet können Sie so etwas
Gutes so aktuell lesen wie hier bei uns? Diese ADHS-kritische
Konsenserklärung ist in Deutschland noch unbekannt. S.
Timimi begrüßt es sehr, dass wir sie in
Deutschland bekannt machen.
Timimi S, Moncrieff J, Jureidini J, Leo
J, Cohen D, Whitfield C, Double D, Bindman J, Andrews H,
Asen E, Bracken P, Duncan B, Dunlap M, Albert G, Green M,
Greening T, Hill J, Huws R, Karon B, Kean B, McCubbin M,
Miatra B, Mosher L, Parry S, DuBose Ravenel S, Riccio D,
Shulman R, Stolzer J, Thomas P, Vimpani G, Wadsworth A,
Walker D, Wetzel N, White R; 33 Coendorsers.
Clinical
Child and Family Psychology Review, Vol. 7, No. 1, March
2004:
Kritik der
internationalen Konsenserklärung zur ADHS
Die Autoren fragen sich
und uns zunächst, warum bedeutende Psychiater und
Psychologen um Barkley eine Erklärung beschließen, die
die freie Diskussion über Sinn und Unsinn der
weitverbreiteten Diagnose und medikamentösen Behandlung
von ADHS unterbinden will. Wenn wissenschaftliche
Erkenntnisse zu ADHS so eindeutig seien wie behauptet,
bräuchte es doch eigentlich gar keine solche
Konsenserklärung.
Der wirkliche Grund
für das Konsenspapier von Barkley et.al. liege darin,
dass die Annahmen, ADHS sei eine echte medizinische
Krankheit und Psychopharmaka seien wirkliche Heilmittel,
inzwischen durch die wissenschaftliche Kritik
erschüttert wurden. Es sei nicht nur gegen Geist und
Praxis jeder Wissenschaft, den wissenschaftlichen Diskurs
über die Gültigkeit von "ADHS" zu beenden,
wie es das Barkley-Konsenspapier verlange. Es gebe im
Gegenteil eine ethische und moralische Verpflichtung zu
einem solchen Diskurs, meinen die Autoren vollkommen zu
Recht.
Die Autoren
führen weiter aus (wobei wir die jeweiligen
Literaturbelege des Originalartikels weglassen. Der
hieran interessierte Leser wird auf den Originalartikel
verwiesen; es bleibt dort jedenfalls keine der gemachten
Aussagen wissenschaftlich unbelegt),
1. dass der
Forschungsstand nicht die Behauptung stütze, bei ADHS-Kindern
handele es sich um eine homogene Gruppe mit einer
gemeinsamen und spezifischen neurobiologischen Störung.
Es gebe keine kognitiven, metabolischen oder
neurologischen Marker für ADHS, weshalb es auch keinen
medizinischen Test für die Diagnose gebe. Es gebe
bereits seit 30 Jahren offenkundige Schwierigkeiten, die
Störung überhaupt eindeutig zu definieren;
2. dass trotz der
Versuche, die Diagnosekriterien zu standardisieren,
erhebliche Unterschiede zwischen Diagnostikern nicht nur
verschiedener Nationen, sondern sogar ein und derselben
Nation bestehen. In den USA schwanke zum Beispiel die
Zahl der Diagnosen innerhalb eines Staates von Gemeinde
zu Gemeinde um den Faktor 10;
3. dass drei Viertel
aller mit ADHS diagnostitzierten Kinder auch die
Kriterien für andere psychiatrische Störungen (Verhaltensstörungen,
Angststörungen, Depressionen etc.) erfüllen. Solch hohe
Komorbiditäten legten aber den Schluss nahe, dass sich
das ADHS-Konstrukt zur Erklärung des klinischen Alltags
gar nicht eigne;
4. dass nach nunmehr 25jähriger
bildgebender Forschung und über 30 Studien immer noch
die simple Studie fehle, in der eine Gruppe unbehandelter
ADHSler mit einer Gruppe behandelter verglichen werde.
Die bisherigen bildgebenden Studien hätten unspezifische
und inkonsistente Ergebnisse erbracht, wobei die
Untersuchungsgruppen klein waren und in keinem Falle
klinisch abnormale Gehirne gefunden worden seien (ganz zu
schweigen von ADHS-spezifisch abnormalen). Tierstudien
lassen zudem vermuten, dass die in einigen Studien bei
Kindern gefundenen Hirnbesonderheiten eine Folge ihrer
Medikamentierung sein können;
5. dass sogar ein
Regierungsbericht der USA zu ADHS feststelle, dass es
keine überzeugenden Belege dafür gebe, dass ADHS eine
biochemische Störung sei;
6. dass die Erforschung
möglicher Umweltfaktoren als Ursache für ADHS bisher
weitgehendst unterblieben ist, obwohl es vielfältige
Erfahrungen gibt, dass psychosoziale Faktoren wie Traumen
oder Missbrauch ursächlich sein können;
7. dass
Forschungsergebnisse zur Genetik und Vererbung
Interpretationssache seien. Die Genetik von ADHS sei
nicht unterscheidbar von Verhaltensstörungen und anderen
externalisierenden Störungen, und auch die Vererbung sei
nicht spezifisch, falls es eine solche überhaupt gibt;
8. dass die Menge der
an Kinder gegebenen Psychopharmaka in den USA
besorgniserregend sei. Im Jahre 1996 hätten 6 Prozent
aller Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren Psychopharmaka
bekommen, ein Prozentsatz, der heute wahrscheinlich noch
höher sei. Auch der Psychopharmakaverbrauch bei
Vorschulkindern im Alter von 2 bis 4 Jahren sei stark
angestiegen. Eine Studie in Virginia habe in zwei
Schuldistrikten bei 17 Prozent aller weißen
Grundschüler Psychopharmaka-Konsum festgestellt. Aber
die Autoren der internationalen Konsenserklärung um
Barkley glauben dennoch, dass derzeit leider nur weniger
als die Hälfte aller Kinder mit ADHS angemessen
medikamentös behandelt würden;
9. dass viele der
Mitautoren der Barkley-Konsenserklärung wohlbekannte
Fürsprecher einer medikamentösen Behandlung von Kindern
mit ADHS seien, aber nirgends ihre diesbezüglichen
finanziellen Interessen und Verbindungen zur
Pharmaindustrie offenlegten;
10. dass
Psychostimulanzien keine ADHS-spezifische Behandlung
darstellen, sondern auch bei normalen Kindern und ganz
unabhängig von ihrer Diagnose wirken. Eine kürzliche
Metaanalyse von Studien zur Methylphenidatwirkung zeige,
dass die Studien methodisch schlecht und voller Fehler
seien, dass Kurzzeiteffekte inkonsistent, Nebenwirkungen
aber häufig seien, und dass Langzeiteffekte über 4
Wochen hinaus nicht belegt werden;
11. dass die Autoren
der Konsenserklärung behaupten, unbehandelte ADHS führe
bei den Betroffenen zu erheblichen Folgebeschwerden,
wobei sie aus einem statistischen Zusammenhang eine
fragliche Kausalbeziehung ableiten. Andere Forschungen
hätten ergeben, dass medikamentöse Behandlung
bestenfalls einen fast bedeutungslosen Langzeiteffekt
habe;
12. dass den möglichen
Langzeitwirkungen von Psychostimulanzien mehr Sorge
zukommen sollte, als Barkley u.a. zulassen wollen.
Psychostimulanzien haben erhebliche medizinische, aber
auch psychosoziale Nebenwirkungen und sind grundsätzlich
suchterzeugend;
13. dass man trotz der
heftigen Bemühungen des Barkley-Papiers, Kinder, Eltern
oder Lehrer aus der Verantwortung für ADHS heraus zu
nehmen, ein aufbauendes und engagiertes
familienberaterisch-erzieherisches psychosoziales
Unterstützungsangebot aufbauen müsse.
Die Autoren
berücksichtigen auch ausführlich kulturell-gesellschaftliche
Aspekte bei ADHS, worauf wir hier der Kürze halber nicht
weiter eingehen können. Sie fassen abschließend
zusammen, dass sich Barkley u.a. sehr schlecht verkaufen,
wenn sie weitere Kritik an Diagnostik und Behandlung von
ADHS mit der Behauptung gleichsetzen, die Erde sei eine
Scheibe. Es sei sehr bedauerlich, dass Barkley die
wissenschaftliche Diskussion vorzeitig beenden wolle,
denn der Forschungsstand zeige, dass die Debatte noch
lange nicht zu Ende sei.
H.-R. Schmidt
17.5.2004
ADS ist keine Diagnose
Immer mehr Kindern wird
die Diagnose ADS angehängt. Mediziner erklären ADS als
Stoffwechselstörung im Gehirn. Der Hannoveraner
Erziehungswissenschafter und Psychologe Wolfgang Bergmann
bestreitet diese Definition. Er sieht die
Aufmerksamkeitsstörung als tiefgreifendes kulturelles
Phänomen, bei dem vor allem die Eltern gefordert sind.
win-future
MfG Dörte
21.5.2004
Hallo liebe Bande um HRS,
herzliche Grüße vom großen ADHS-Thing in Torshavn auf
den Färöer-Inseln! Der Kongress hier ist sehr
interessant, nicht zuletzt weil der rührende R. Barkley
gerade wieder mit großem Ernst von ADHS als
eigenständiger Krankheit gesprochen hat und nach der
sehr kritischen Diskussion gekränkt ob seines
Lebenswerks in den Saal rief:
"Und sie dreht sich doch!"
Aber die Einheimischen hier hielten ADHS bislang für
Lebertran aus ihren Pilotwalen, die sie gerne jagen.
"ADHS" heißt wohl auf färingisch so ähnlich
wie Lebertran. By the way: Gibt es schon Studien über
Lebertran bei ADHS? Bestimmt wirkt es. Ich weiss noch
genau, dass ich als Kind immer ganz brav war, damit ich
ihn nicht schlucken musste.
Überhaupt sind sie hier alle Jäger (von Fischen), und
insofern gibt es hier ein breites und noch brachliegendes
Entwicklungsland für "Ritalin". Schließlich
gibt es langsam aber sicher immer weniger Fische, und
wohin sollen dann all die sich langweilenden Fischer mit
ihrer Energie? Die Fischärzte hier werden über kurz
oder lang auf ADHS-Arzt umschulen müssen. Das Thema
meines Vortrags lautete denn auch: "Korrelative
Zusammenhänge zwischen dem Verschwinden der Fischgründe
und dem Anwachsen von ADHS auf den Färöern".
Während T. Hartmann täglich Unmengen Fisch verspeist
und das Jagen desselben nur als andere Art, die Welt zu
sehen sieht, mag Barkley keinen Fisch, weil er
befürchtet, sich dann zu vergessen, denn zuviel Eiweiss
störe die Selbstbeherrschung. Frau Neuhaus hat da
weniger Probleme.
Jetzt aber genug getratscht. Auf dem Foto seht ihr mich
im Plenum (Kreis). Das wird wohl einige zu Hause sehr
interessieren.
Bis bald, euer
Ulli
22.5.2004
Hallo,
ist ja spannend, dass man sich allmählich einmal
aufmacht und nach den Ursachen sucht. Mal schauen, was
dabei heraus kommt...
Hyperaktivität:
Institut sucht nach Ursachen
Frankfurt/Main
(dpa) Das Sigmund-Freud-Institut
in Frankfurt will in zwei Studien die Ursachen des
Aufmerksamkeits-Defizit- Hyperaktivitäts-Syndrom (AHDS)
erforschen. «Wir werden zum einen zwei Jahre lang 500
Kinder in Frankfurter Kindergärten mit Angeboten gezielt
fördern», sagte die Projektleiterin, Prof. Marianne
Leuzinger-Bohleber, am Donnerstag in Frankfurt. In einer
weiteren Studie
werde überprüft, wie sich die Kinder entwickelt haben,
die an dem Institut wegen ADHS behandelt wurden. Die
betroffenen Kinder können sich oft nur schwer
konzentrieren, sind zappelig, impulsiv und haben eine
niedrige Frustrationsschwelle. In Deutschland sind hier
von etwa 400 000 Kinder betroffen. Knapp ein Drittel
dieser Kinder werden nach Angaben des SFI mit dem
umstrittenen Psychopharmakum Ritalin behandelt. «Wir
haben uns für die Studie in den Kindergärten
entschieden, weil man in diesem Alter die Entwicklungen
noch sehr gut fördern und eventuell korrigieren kann»,
sagte Leuzinger-Bohleber. Zwei Jahre lang werden die
Kindergärten von Psychologen besucht. Eltern und
Erzieher sollen speziell geschult werden und es gibt
Extra-Angebote für den Nachwuchs, in denen zum Beispiel
ihre Körperwahrnehmung gefördert werden soll. Bei
Erfolg des Programmes müsste die Zahl der Schüler mit
ADHS zurückgehen, wenn diese Kinder eingeschult werden.
Die Präventionsstudie beginnt noch in diesem Frühjahr,
2007 soll sie ausgewertet sein. Die Studie, in der die
Entwicklung von ADHS- Kindern untersucht werden, läuft
bereits und wird im kommenden Frühjahr abgeschlossen.
netdoktor
Hubert Geue
25.5.2004
|
|
| WIE SEHEN
SIE ES? |
| Früher gab es
die Diagnose MCD ("leichte
frühkindliche
Hirnfunktionsstörung"). Die
heutige Diagnose AD(H)S ist davon
eine Weiterführung. |
| Ja |
98 |
56,32
% |
| Teilweise |
54 |
31,03
% |
| Nein |
22 |
12,64
% |
| Gesamtbeteiligung: |
174 |
|
|
Die weit überwiegende
Mehrheit sieht in "ADHS" lediglich eine
Weiterführung des MCD-Konstrukts. Und da Letzteres
wissenschaftlich lange "out" ist, fragt sich
natürlich, ob diese Weiterführung wirklich weiter
führt oder nur eine verkleidete Wiederauferstehung von
bereits Totgeglaubtem ist...
© Café Holunder 5/04
Der
Schweizer Psychologe Piero Rossi hat letztes Jahr in
Koblenz einen interessanten Vortrag zu ADHS gehalten. Es wird in dem Vortrag
sehr deutlich, wie ein eingefleischter ADHS-Protagonist
mit jahrelanger praktischer Erfahrung, also eigentlich
ein "alter ADHS-Hase", immer mehr an ADHS
grundlegend zu zweifeln scheint. Ich zitiere hier nur
einige seiner prägnantesten Aussagen:
(K)ein Fall
von ADHS
1. Zur neurobiologischen
Diagnostik von ADHS:
"Leider haben sich die bisherigen ...Forschungsbefunde
als nicht kennzeichnend genug erwiesen, um als
diagnostisches Kriterium Verwendung zu finden" (S. 6).
Medizinisch ist also keine valide Diagnostik möglich.
Was jedermann schon lange wusste... Aber nun vielleicht:
2. Zur Fragebogen- und
Checklisten-Diagnostik bei ADHS:
"Zusammenfassend kann man sagen, dass
standardisierte Fragebögen geeignete Instrumente
darstellen, um Informationen über einen Patienten zu
erhalten. Eine diagnostische Zuordnung (zu ADHS,
Einfügung von mir) ermöglichen sie indes nicht"
(S. 7).
Mit Fragebögen und Checklisten ist also auch keine
valide Diagnostik möglich. Wussten wir auch schon, aber
aus solch einem Munde...
3. Zur testpsychologischen ADHS-Diagnostik:
Als zwei "Stolpersteine" der ADHS-Diagnostik
werden angeführt: " Wenn ein Kind in der Schule
und daheim Lern- und Verhaltensprobleme hat, ein ADHS-Verdacht
besteht und das Kind in einer psychologischen
Testuntersuchung unauffällige Leistungen erbringt,
heisst das nicht zwingend, dass keine ADHS vorliegt."
(S.10), sowie: "Wenn ein Kind in der Schule und
daheim an Lern- und Verhaltensproblemen leidet und Tests
ADHS-typische Resultate zeigen, heisst das nicht zwingend,
dass eine ADHS vorliegt." (S. 11). "In
Sachen Testdiagnostik der ADHS sieht es also recht
düster aus." (S. 13).
Besser kann man nicht umschreiben, dass die gesamte ADHS-Testuntersuchung
unspezifisch und damit nutzlos ist.
4. Zum Aufmerksamkeitsdefizit:
"Leider konnte in Untersuchungen bisher
keine ADHS-spezifische Aufmerksamkeitsschwäche gefunden
werden...Wahrscheinlich wird man das ADHS-kennzeichnende
Aufmerksamkeitsdefizit gar nie entdecken, da es -so meine
persönliche Vermutung- gar nicht existiert." (S.12).
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Was ist
denn dann überhaupt noch übrig von ADHS? Die
Hyperaktivität doch wohl nicht im Ernst, oder?
5. Zur Testuntersuchung
allgemein:
Wie bereits erwähnt: "In Sachen
Testdiagnostik der ADHS sieht es also recht düster aus."
(S. 13). Rossi kritisiert aber trotzdem die Empfehlungen
der Forchheimer AG ADHS der Kinder- u. Jugendärzte e.V.
mit ihren "ADHS-Leitlinien", die psychologische
Tests als überflüssig betrachten und bestenfalls einen
Intelligenztest für nötig halten. Warum? Wo er doch
soeben den Nutzen solcher Tests selber bezweifelte.
6. Das Ausschlusskriterium E:
Rossi versucht sich aus diesem vollkommen hoffnungslosen
Gesamtzustand zu retten, indem er sich auf DSM-IV Pkt. E
bezieht, worin die Ausschlussdiagnostik bei ADHS
beschrieben ist. Das kennen wir ja auch schon zur Genüge:
ADHS ist angeblich das, was übrigbleiben soll, wenn
angeblich alles andere ausgeschlossen ist. Für die
klinische Praxis also ein völlig absurdes Kriterium. Es
erhöht nur unnötig die Diagnostik-Kosten (und damit zum
Glück die Einnahmen des Diagnostikers).
Mein Resumee:
Rossis Ausführungen sind recht differenziert
und kritisch. Man versteht allerdings nicht, wieso er
nach solchen Aussagen überhaupt noch an ADHS festhält,
und wie man ADHS denn nun valide und reliabel
diagnostizieren kann. Mich hat er jedenfalls darin
bestätigt, dass man das gar nicht kann. Und ob es etwas
überhaupt gibt, das man gar nicht diagnostizieren kann,
beantwortet sich dann von selbst.
Belmondo
28.5.2004
INTERVIEW
MIT MARTHA FARAH
"Die Scham wird
verschwinden"
Die renommierte Professorin für
Psychologie der Universität von Pennsylvania, USA,
Martha Farah, die das dortige Center for Cognitive
Neuroscience leitet, äußert sich in Technology
Review 6/04 in einem Interview mit Birgit Will zu
Psychopharmaka wie Ritalin.
Sie stellt fest, dass immer mehr
ansonsten gesunde Menschen Stimulanzien einnehmen, um
ihre Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit zu
verbessern. Auf die Frage, ob es also einen zunehmenden
Trend gäbe, auch gesunde Gehirne mit Psychopharmaka zu
"verbessern", antwortet sie:
"Ja. Bislang mag das vor allem ein
amerikanisches Phänomen sein, aber ich bezweifle, dass
das so bleiben wird. Letzte Woche habe ich mich mit
einigen Psychiatern unterhalten, die von Patienten mit
ebendiesen Fragen konfrontiert werden und nach der
richtigen Antwort suchen. Ein Student mit
durchschnittlichen Noten wollte beispielsweise das
Aufputschmittel Ritalin einnehmen, um seine Leistung zu
"maximieren". Er hatte miterlebt, wie das bei
seinem Mitbewohner gewirkt hatte, und nun wollte er das
Gleiche. Vor zehn oder fünfzehn Jahren haben Eltern noch
protestiert, wenn ein Kollege ihren Kindern Ritalin
verschrieb. Jetzt werden Eltern wütend, wenn er keine
Medikamente verschreibt".
Das gesellschaftliche Bewusstsein über
die Psychopharmakagabe auch bei Gesunden verändere sich
gerade: "Vor einem Monat habe ich in einem Vortrag
gesagt, dass eine Steigerung der Gedächtnisleistung
durch Neuropharmaka noch in der Zukunft liegt. Danach kam
einer der Zuhörer zu mir und korrigierte mich in aller
Öffentlichkeit: Er erzählte, dass er eben zu diesem
Zweck Piracetam einnähme! Ich glaube, unsere Scham
angesichts dieser Dinge wird bald schwinden".
Prof. Farah gibt zu bedenken, dass wir
nicht alle Gründe für die normalen Grenzen unserer
kognitiven Fähigkeiten kennen. "Tatsächlich
könnte ...das, was uns als suboptimal erscheint, in
Wahrheit optimal sein. Das Gedächtnis ist dafür ein
gutes Beispiel. Möglicherweise ist die normale Rate, mit
der wir Dinge vergessen, eigentlich ideal. Wenn wir sie
steigern oder erhöhen, dann verlieren wir vielleicht die
Fähigkeit, aus speziellen Erlebnissen allgemeine
Prinzipien abzuleiten".
Gegen die Einnahme von
Psychostimulanzien zur Leistungssteigerung spreche aus
ihrer Sicht zu allererst die Frage nach den Risiken, die
bei einem freiwillig und ohne medizinische Begründung
eingenommenen Stoff stärker ins Gewicht falle als bei
einem Heilmittel mit medizinischer Indikation. Außerdem
manipuliere man ja ein hochkomplexes System, das Gehirn,
und zwar mit unabsehbaren Folgen: "Könnte
beispielsweise die Einnahme von Ritalin vorzeitigen
geistigen Verfall im Alter bedeuten? Rein intuitiv
misstrauen wir Erfolgen, die wir uns nicht erarbeitet
haben - in der steten Furcht, es könnte sich um einen
faustischen Pakt handeln", so Prof. Farah. Ferner bestehe die Sorge, ob der
Einzelne in Zukunft noch frei entscheiden könne, ob er
solche Medikamente nehmen wolle oder nicht, wenn sein
Erfolg in der Schule oder am Arbeitsplatz davon abhänge,
dass er solche Mittel einnimmt. Auch die jetzt schon
ungerechte Verteilung solcher Substanzen sei bedenklich:
"Wenn wir uns ansehen, welche gesunden Menschen
Ritalin einnehmen, dann sind das momentan vor allem
College-Studenten, die ohnehin schon privilegiert sind."
Aber selbst bei einer gerechten
Verteilung von Neuropharmaka und wenn der Einzelne frei
entscheiden könnte und keine Nebenwirkungen befürchten
müsste, bliebe immer noch eine Frage: "Verändern
wir mit solchen Mitteln nicht die eigene Persönlichkeit?
Schließlich handelt es sich nicht nur darum, den Motor
eines Autos zu verbessern. Untergraben wir damit nicht
menschliche Werte wie die Wertschätzung von harter
Arbeit und von Unvollkommenheit? Sind wir mit Ritalin
noch derselbe Mensch wie zuvor? Und unterscheidet sich
diese Veränderung prinzipiell von der durch ein Glas
Wein oder durch einen Urlaub? Das sind wichtige Fragen.
Ob Fluch oder Segen, die Auswirkungen der Neuropharmaka
werden keinesfalls trivial sein".
Auf die Frage, ob wir vielleicht den
Wunsch und die Fähigkeit verlieren, unsere Umgebung an
unsere eigenen menschlichen Bedürfnisse anzupassen, wenn
wir stattdessen zunehmend unser Gehirn künstlich an die
Anforderungen der Umwelt anpassen, meint Prof. Farah:
"Ich glaube tatsächlich, dass manche Menschen
ohnehin schon zu hart arbeiten und sich zu sehr um ihren
beruflichen Erfolg sorgen. In gewissem Sinne könnten
Neuropharmaka sie in die Lage versetzen, ihr Leben noch
weiter in diese Richtung zu entstellen. Ein wenig
Müdigkeit und Konzentrationsschwäche können auch ihr
Gutes haben: Anstatt künstlich gesteigert einen 12-Stunden-Tag
hinzulegen, geht man vielleicht vor acht Uhr abends nach
Hause und spielt mit seinen Kindern!"
Preiser
4.6.2004
Ist
ADHS "hausgemacht"?
In der OffenbachPost liest man über Dr. Martin Winkler:
"Winkler machte
deutlich, dass ADHS nicht durch Fehler der Erziehung
bedingt ist oder durch Traumatisierung oder
Vernachlässigung".
Viele Eltern unruhiger Kinder werden
sich darüber freuen, denn solche Behauptungen entlasten
sie verständlicherweise. Dabei sieht der Forschungsstand
zu dieser für Eltern so wichtigen Frage in Wahrheit
anders aus:
Es existiert m.W. nur eine einzige gute prospektive
Studie, die den verursachenden Einfluss der Erziehung auf
ADHS verneint, nämlich diejenige von Gottman (1).
Gottman hat den Einfluss der emotionalen Beziehung
zwischen Eltern und Kindern bei 53 Kindern über 3 Jahre
hinweg prospektiv untersucht und einen nicht nur
psychologisch, sondern auch körperlich nachweisbaren
starken Einfluss der emotionalen Beziehungsqualität auf
die neuropsychologische Selbstregulation der Kinder
belegen können. Bei einer hyperkinetischen Störung (nicht
identisch mit "ADHS"!) war aber trotz
vergleichbarer Erziehung ein Unterschied in der
Aufmerksamkeitssteuerung und Hyperkinetik feststellbar.
Gottmans Untersuchungsgruppe war allerdings sehr klein.
Außerdem waren die Kinder am Beginn der Studie bereits 4-5
Jahre alt, so dass bei den wenigen hyperkinetischen
Kindern die Störung bereits bestand, ohne dass man weiss,
warum.
Dagegen gibt es mehrere andere gute
Studien, die den verursachenden Einfluss der Erziehung
auf "ADHS" bestätigen. Ich möchte nur zwei
anführen: In einer Untersuchung von Carlson EA u.a. (2)
wurden 191 Kinder bereits ab ihrem 6. Lebensmonat über
14 Jahre lang (!) prospektiv untersucht. Die Forscher fanden heraus, dass
vor allem Familienkriterien eine Voraussage zulassen, ob
Kinder "ADHS" entwickeln werden oder nicht. In
der frühen Kindheit liess die elterliche Zuwendung sehr
viel deutlichere Voraussagen auf frühe Ablenkbarkeit (einem
Vorläufer späterer Hyperaktivität) zu als frühe
biologische oder (eher genetisch bedingte)
Temperamentsfaktoren. Elterliche Zuwendung und familiäre
Kontextfaktoren (wie eheliche Geburt, Ausmaß der
emotionalen Zuwendung, die die primäre Bezugsperson des
Kindes erhielt etc.) plus frühe Ablenkbarkeit ließen
eine zuverlässige Vorhersage auf Hyperaktivität in der
mittleren Kindheit zu.
Die zweite Studie ist bereits klassisch und stammt noch aus der
"MCD"-Epoche. Sie lässt aber an Aktualität
auch für "ADHS" nichts zu wünschen übrig.
Sie stammt von G. Esser, M.H.
Schmidt (3) und belegt überzeugend den ausschlaggebenden
Einfluss des Umweltfaktors im Vergleich zum körperlichen.
Nimmt man zur
Beantwortung der Ausgangsfrage nur einmal diese
Untersuchungen heran, dann muss die Antwort für
den Einfluss der Erziehung ausfallen. Zumindest müsste
man sagen, dass es "solche und solche" Studien
gibt. Aber einseitig zu behaupten, was in dem o.g.
Winkler-Zeitungszitat als wissenschaftliche Tatsache
verallgemeinert wird, ist tendenziös. Man fragt sich
ernsthaft, mit welchen Studien Winkler seine Aussage
belegen kann.
Insgesamt sieht der
Forschungsstand sowieso so mager aus, dass eine
abschließende wissenschaftliche Aussage gar nicht
möglich ist. Man hat sich bisher in vielen Tausend
Studien lieber mit der Wirkung von Medikamenten und der
körperlich-medizinischen Seite von "ADHS"
beschäftigt. Aus dem Fehlen einschlägiger Studien wird
nicht selten unzulässigerweise geschlossen, dass es
etwas nicht gebe. Außerdem: Wenn jemand seine Behauptung,
es gäbe Ufos, damit untermauert, dass es keine
gegenteiligen Beweise gäbe, dann kennzeichnet dies
drastisch den Argumentationsstil bei "ADHS" in
der Frage, ob es "hausgemacht" ist.
Die klinische Erfahrung
in der Praxis sieht sowieso ganz anders aus, als von
Winkler behauptet. Wenn ich allein in meiner
Erziehungsberatungsstelle die letzten 10 Kinder, die mit
der Diagnose "ADHS" kamen (weil die Familien
begleitende Psychotherapie suchten, oder weil sie der
Diagnose misstrauten, oder weil sie die
Psychostimulantien vermeiden oder absetzen wollten)
betrachte, dann gab es in jedem Fall deutliche und
chronische Familien- und Erziehungsprobleme, die teils
schon vor der Geburt des Kindes existierten und durch
deren erfolgreiche Bearbeitung sich die "ADHS"-Symptomatik
der Kinder stark mildern oder beseitigen ließ. In keinem
Fall waren längerfristig Medikamente nötig. Und die
Frage, ob ein symptomfreies Kind trotzdem noch "ADHS"
haben soll, halte ich bekanntermaßen sowieso für
hanebüchen.
(1) Gottman, J.M.; Katz, L.F.; Hooven,
C.:
Meta- Emotion. How Families Communicate Emotionally.
Mahwah NJ: Lawrence Erlbaum Associates (1997)
(2) Carlson EA, Jacobvitz D, Sroufe LA
A developmental investigation of inattentiveness and
hyperactivity.
Child Dev. 1995 Feb;66(1):37-54.
(3) G. Esser, M.H. Schmidt:
Epidemiologie und Verlauf kinderpsychiatrischer
Störungen im Schulalter - Ergebnisse einer
Längsschnittstudie.
Nervenheilkunde 1987, 6, 27-35).
H.-R. Schmidt
9.6.2004
Rauchen als "Selbsttherapie"
?
Erstaunliche wissenschaftliche
Neuigkeiten entnehmen wir wieder einmal der Presse:
"Hinter der Nikotinsucht jugendlicher Raucher
könnte sich in manchen Fällen ein instinktiver, aber
schädlicher Versuch der Selbsttherapie verbergen:
Nikotin mildert die große motorische Unruhe, die durch
eine Hyperaktivitätsstörung (ADHS) hervorgerufen wird.
Darauf weist jetzt der "Berufsverband der Arzte für
Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie"
nach Auswertung einer Studie mit erwachsenen ADHS-Patienten
hin: Fast alle von Ihnen rauchten. Mögliche Erklärung:
Nikotin, so fanden die Mediziner Johanna und Klaus-Henning
Krause an der Ludwig-Maximilians-Universität in München
heraus, beeinflusst den Dopamintransport im Gehirn.
Während der Botenstoff, der die Erregungszustände in
Nervenzellen regelt, bei den rauchenden ADHS- Patienten
fast normale Werte erreichte, war der Level bei den
hyperaktiven Nichtrauchern deutlich zu niedrig. Bei
rauchenden Kindern und Jugendlichen sollten deshalb
Eltern, Lehrer und Ärzte eine mögliche
Hyperaktivitätsstörung als Grund für die
Nikotinabhängigkeit in Betracht ziehen und bei Kindern
mit ADHS-Diagnose die erhöhte Neigung zum Glimmstängel
besonders im Auge behalten".
(zit.:
DER SPIEGEL 24/2004)
Das war uns zwischendurch einen kleinen
Leserbrief wert:
SPIEGEL-Verlag
Brandstwiete 19
20457 HamburgLeserbrief
zu "Rauchen als Selbsttherapie" in DER
SPIEGEL 24/04, S. 136:
Dass Genussgifte wie Alkohol,
Nikotin usw. immer auch die Möglichkeit zu einer
"Selbsttherapie" mit sich bringen, ist
eine Binsenweisheit. Jeder, der sich seinen
Kummer "wegtrinkt" oder sich mit einer
Zigarette "beruhigt", weiß das.
Dass damit aber eine zugrunde
liegende biologische Krankheit namens "ADHS"
zu therapieren versucht wird, kann getrost als
modernes Märchen betrachtet werden, das von
Teilen der Schulmedizin derzeit heftig propagiert
wird. Es gibt keine eindeutigen Belege für die
Existenz einer solchen Krankheit. Vielmehr
ignoriert das Ehepaar Krause, dass die noch dazu
unspezifischen hirnfunktionellen Besonderheiten
sog. "ADHS"-Patienten nicht Ursache
einer medizinischen Störung, sondern Folge oder
Begleiterscheinung von psychologischen
Erfahrungen der Betreffenden sein können. Im
Übrigen: Wenn jemand verliebt ist, weist auch er
hirnfunktionelle Unterschiede zu einem
Nichtverliebten auf. Kein Mensch käme aber auf
die Idee, diese hirnfunktionellen Besonderheiten
für die Ursache der Verliebtheit oder gar für
eine hirnfunktionelle Störung mit Krankheitswert
zu halten.
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard
Schmidt
Psychologischer Psychotherapeut
8.6.2004
|
Lieber
Herr Schmidt,
hier ein kleiner ergänzender Leserbrief an Sie:
Das Problem bei dieser (und vielen ähnlichen)
Studien ist ja auch, dass die sog. unabhängige
Variable "Rauchende versus nichtrauchende
ADHSler" nicht experimentell hergestellt und
auf diese Weise kontrolliert wurde. Niemand kennt
also die Gründe dafür, dass die einen ADHSler
rauchten und die anderen nicht. Und genau diese
unbekannten und unkontrollierten Gründe können
das Forschungsergebnis (zumindest mit-)bestimmen.
Es könnte ja sein, dass sich diese beide Gruppen
in wesentlichen, aber in der Studie nicht
berücksichtigten Kriterien unterscheiden (z.B.
könnten die rauchenden ADHSler immer schon, also
schon als nichtrauchende Kinder, normale
Dopaminwerte gehabt haben, und die
nichtrauchenden haben aus wieder anderen,
unbekannten Gründen zu niedrige Werte, etc). Eigentlich müsste man nichtrauchende
ADHSler zu echten Rauchern machen und ihre Vorher-Nachher-Werte
messen. Oder man gewöhnt rauchenden ADHSlern das
Rauchen ab und misst ebenfalls Vorher-Nachher.
Bei einer gelungenen Raucherentwöhnung müsste
dann eigentlich ein normaler Dopaminwert
vorliegen (was Prof. Krause aber wohl nicht
glauben könnte. Würde es ja den Schluss
nahelegen, dass der Dopaminwert grundsätzlich
hirn-nutzungsabhängig ist und nicht für eine
biologische Krankheit stehen muss).
Belmondo
17.6.2004
|
Was Thommy Interessantes entdeckte (er zitiert sogar die
"Hüther-Studie"):
"Thom Hartmann
setzt sich weltweit für eine positive, ressourcen-orientierte
Sichtweise der Menschen mit ADHD ("attention deficit
and hyperactive disorder") ein. Er betont in seinem
letzten Newsletter, selbst nicht unbedingt Gegner der
Medikation bei ADHD zu sein - jedoch angesichts neuer
Forschungsergebnisse zu befürchten, dass ernsthafte und
irreversible Schäden für Millionen von betroffenen
Kindern und Erwachsenen entstehen könnten. Wieder einmal
fordert Hartmann veränderte Schulbedingungen mit
stimulierenderer Umgebung - um den Bedarf an
stimulierenden Medikamenten reduzieren oder gar vermeiden
zu können.
Hartmann zitiert eine
Studie aus dem Jahre 1986 (Nasrallah HA, Loney J., Olson
SC, McCalley- Whitters M, Kramer J., Jacoby DG. Cortical
atrophy in young adults with a history of hyperactivity
in childhood; Psychiatry Res., 17/3, 421-246). Gehirne
von jungen Erwachsenen und Kindern mit ADHD wurden mit
PET-Scan untersucht. Die Ergebnisse zeigten, daß die
Frontal-Lappen - verglichen mit einer "normalen"
Population - verkümmert oder weniger funktional waren.
Die Autoren glaubten damit die These stützen zu können,
ADHD sei eine genetische Erkrankung ganz ohne
Überlebensbedeutung und ohne Wert im menschlichen Genom.
Tatsächlich aber waren 100 % der untersuchten Probanden
Langzeit-Benutzer von Ritalin oder anderer Stimulantien.
Für Hartmann stellt
sich hier die Frage: "Trat die Gehirn-Atrophie als
Resultat von ADHD oder der stimulierenden Drogen ein?"
Hartmann zitiert andere
Untersuchungen zu dieser Frage, z.B. jene gut
dokumentierten Ergebnisse, dass Ekstasy-Konsumenten
langzeitlich und möglicherweise dauerhaft einen Verlust
an Gehirnzellen (nigrostiatal DA neurones) erleiden mit
langanhaltenden Einschränkungen im Kurzzeit-Gedächtnis.
Eine Studie aus 2000, veröffentlicht in "Proceedings
of the National Academy of Sciences of the USA"
differenziert, dass diese Schäden durch die
Kontamination von Amphetaminen, nicht durch das Ekstasy
selbst verursacht werden. In einer Studie im "Journal
of Child and Adolescent Psychopharmacology" (2002,
Early methylphenidate administration to young rats causes
a persistent reduction in the density of striatal
dopamine transporters) wird der Mangel an systematischen
Langzeit-Studien über die Wirkung auf das Gehirn bei
Ritalin-Einnahme kritisiert. Die Studie untersucht, wie
sich Gehirne von Ratten verändern, die im jungen Alter
Methylphenidat (Ritalin) erhalten hatten. Die Ergebnisse
belegen, dass Ratten, die in der Kindheit dieses
Medikament erhielten, einen dauerhaften Verlust von bis
der Hälfte der Neurotransmitter-Transporter in best.
Regionen der erwachsenen Gehirne erlitten. "... die
Dichte von Dopamin Transporter (Bmax Werte von (eH)-GBR-
Verbindungen im Striatum, aber nicht im Mittelhirn) war
signifikant reduziert nach früher Methylphenidat-Verabreichung
(um 25 % an Tag 45) und diese Abnahme erreichte nahezu 50
% im Erwachsenenalter (Tag 70), d.h. lange nach der
Beendigung der Behandlung." Zahlreiche weitere
Studien, die in einzelnen US-Staaten vor allem durch
staatliche Anti- Drogenzentren in Auftrag gegeben wurden,
haben den Gebrauch von Amphetaminen (ein Bestandteil, der
in der zweit-häufigsten ADHD-Medikation enthalten ist)
mit einem Langzeit-Verlust von Gehirnzellen in Verbindung
gebracht. Zitate: "Amphetamin-induzierter Verlust
von menschlicher Dopamine Transport-Aktivität." -
"Eine einzelne Amphetamin-Gabe ist hinreichend für
andauernde behaviorale, neuroendokrinologische und
neurochemische Sensitivierung bei Ratten." - "
Veränderungen in striataler D sub(2)-Rezeptoren-Dichte
nach chronischer Behandlung mit Amphetaminen nachgewiesen
durch PET bei nichtmenschlichen Primaten."
Das "National
Institute on Drug Abuse" förderte Stamm-Zellenforschung
in der Hoffnung, es könne Zellen bereitstellen, die jene
durch den Gebrauch von stimulierenden Drogen
verkümmerten Zellen ersetzen. Ein Nationales Gesundheits-Institut
bemerkt "Vielseitig verwendbare Stammzellen bieten
ein potentielles Mittel, Neurone zu ersetzen, die durch
Drogen-Mißbrauch zerstört wurden. Kürzliche Studien
zeigten, dass Methamphetamine toxische Auswirkungen auf
dopaminergische und serotonergische Neurone im Gehirn
haben können. Angesichts des verbreiteten Gebrauchs
dieser Droge kann dies dramatische Effekte auf das
Verhalten, einschließlich Psychose-ähnliche
Verhaltensmuster bei manchen Konsumenten erklären."
Hartmann erfuhr durch zahlreiche Erwachsene, die über
Jahre stimulierende Medikamente bei ADHD einnahmen,
Einschränkungen im Kurzzeit-Gedächtnis - was sie mit
dem Altern erklärten und darüber spaßten. Hartmann:
"Vielleicht ist es kein Spaß. Es ist Zeit für
einen Dialog über diese Studien und die
besorgniserregenden Fragen daraus, und für uns alle
über die erneute Frage, wie wir unsere Schulen
verbessern können, so dass weniger Kinder Medikationen
benötigen, um Erfolg zu haben."
Quelle
Thom Hartmann
Hubert Geue
1.7.2004
Frag´
Dr. van den Haag!
Heute
in Dr. van den Haags ADS-Sprechstunde:
Herta Wurst aus Darmstadt
Herta Wurst: Herr
Dr. von dem Hack, Sie sind DER
anerkannte ADHS-Fachmann in Ozeanien. Was kostets
eigentlich, wenn Sie mich braten?
Dr. van den Haag: Pro Frage 50 Euro. Und
wie lautet Ihre zweite Frage?
Herta Wurst: Also, ich leide sehr unter mein
Namen. Was kann ich da bloß tun?
Dr. van den Haag: Wie wär´s mit Wilhelmine
Wurst?
Herta Wurst: Ich sehe schon, Herr Dr.
van Hackfleisch, Sie verstehen die Menschheit! Da leiste
ich mir gleich noch mehr Fragen: Meinen Sie, ich leide
unter ADHS?
Dr. van den Haag: ADS sollte ja heute
jeder haben, es ist einfach in. Ich rate allen Beladenen
und Belasteten dieser Welt: Holt euch euer ADHS!
Kaptataaaaa...!
Herta Wurst: Wie belieben, Herr
Hackepeter?
Dr. van den Haag: Entschuldigen Sie,
Frau Brust, ich leide unter Blähungen, und immer, wenn
es mir passiert, übertöne ich es einfach mit diesem
Ausruf. Trinken Sie auch einen Holundersaft?
Herta Wurst: Das hab ich schon alles
durch. Rote Beete, Magnesium, Heinos Haselnusstorte,
Akkupunktur, Spargelsud, Morgen-Urin, grüne Algen,
diverse Diäten, Glutamat, Biofeedback (schmeckt
scheußlich!!): Nix hat was gebracht!
Dr. van den Haag: Ruhig Blut, hahaha,
ich hab doch nur gefragt, ob Sie auch ein Glas
Holundersaft mögen. Dafür haben Sie jetzt aber die
nächste Frage gratis!
Herta Wurst: Oh, danke! Aber was könnte
ich jetzt bloß kostenlos fragen...?
Dr. van den Haag: Das war´s. Die
nächste Frage kostet wieder!
Herta Wurst: Oh, natürlich! Herr Prof.
Hackbraten, kostet es auch was, wenn Sie mich was fragen?
Dr. van den Haag: Nur die Antwort,
verehrte Frau Wulst. Wie stellen Sie sich also zum
Bleistift eine ideale ADHS-Klinik vor?
Herta Wurst: Oh, eine schöne Frage! Als
Erstes müsstes da als Terapie freien Sex geben, nicht
nur unter den Pazienten, sondern auch mit den Ärsten,
weil ich Ärste nun mal soooo liebe! Und hinterher jeden
Tag mein Leibgericht Wiener Schnitzl mit Gurkensalat. Und
sontags Singen mit Gotthilf Fischer, oder mit Heino und
seiner schwarzbraunen Haselnuss. Und wenn ich mal total
daneben bin, muss mich einer im Matschraum mit heißen
Pellkartoffeln beschmeißen. Dafür putz ich dann auch
die Klinik .
Dr. van den Haag: Sie sind wohl bekloppt?
Herta Wurst: Ist das Ihre Diagnose? Ich
dachte, ich hätte bloß ADHS....Mein 35jähriger Sohn
hat übrigens auch ADHS und Hochbegabung, von mir hat er
das jedenfalls nicht und ich weiß nicht, wie ich da sin
Griff kriegen oll.
Dr. van den Haag: Liebe Frau Borscht,
ers oll täglich in ADHS-Internetforen lese nun
dschreiben. Dadurch lässt seine Intelligenz nach und Sie
haben schon ein Problem mit ihm weniger.
Herta Wurst: Oh, wunderbar! Wozu doch
diese Foren alles gut sind! Und was mach ich mit mein
andren Sohn, der hat auch ADHS und für 250.- Euro
telefioniert auf meine Rechnung, obwohl mein Konto schon
im minus is zwecks der jetzigen Beratung bei Ihnen, Herr
Prof. Dr. Fandin Hackbeil?
Dr. van den Haag: Sagen Sie ihm, er soll
mich öfter mal anrufen. Aber, liebe Frau über den
Durscht, ich muss nun unsere Beratung beenden, weil mein
Sohn gerade im Wohnzimmer...he...er schmeisst
Blumentöpfe ins Meißner Porzellan...nein...!!!
Herta Wurst: Hallo Ihr, ich hoff ich
kann die Beratungsrechnung beim Dr. Vandensack vielleicht
durchs putzen begleichen. Aber ich bitte auch recht
herzlich um Spenden ans Café Holunder für eine arme
ADSHlerin plus ebensolchen Sohn mit obendreiniger
Hochbegabung.
Ulli
3.7.2004
Danke, lieber Papi!
Hellinger
zieht in Hitlers "Reichskanzlei"
Gab
das den Ausschlag für den Bruch?
Vom Guru Bert Hellinger haben wir uns
von Anfang an, also bereits seit vielen Jahren deutlich
distanziert. Ich erinnere auch gern an den entlarvenden
Arikel in DER SPIEGEL 2/2002. Nun bricht auch endlich die Systemische
Gesellschaft (SG) mit Arist von Schlippe endgültig mit
Hellinger, wie im folgenden Offenen Brief, der uns heute
erreicht, deutlich wird. Man fragt sich allerdings, warum
dieser Bruch erst so spät kommt:
2.5.04
Lieber Bert,
diesen Brief zu schreiben, fällt mir sehr schwer, aber
es muss sein. Ich schreibe ihn auch als "offenen
Brief", weil er nicht nur an Dich geht, sondern auch
an Kolleginnen und Kollegen aus der systemischen Therapie.
Was ist der Kern des Briefes: es ist eine deutliche
Absage an Dich. Schon vor längerer Zeit habe ich mich
innerlich von Dir verabschiedet, nachdem ich lange sehr
beeindruckt war. Dennoch habe ich die vielen kritischen
Berichte über Deine Äußerungen und Dein Vorgehen, von
denen ich mitbekam, anfangs für verzerrte und aus dem
Zusammenhang gerissene Formen der Berichterstattung
gehalten. Später versuchte ich, sie als Zeichen einer im
Alter starrer werdenden Haltung zu entschuldigen. Lange
habe ich versucht, sie durch Schweigen zu übergehen. Als
das nicht mehr möglich wurde, weil mich immer wieder
Menschen fragten, was ich denn dazu sage, habe ich in
vielen Gesprächen immer wieder hervorgehoben, wie viel
ich von dir gelernt habe, was ich an Dir schätze und
dafür plädiert, dass die offensichtlich kritikwürdigen
Geschehnisse aus vielen Berichten über Dich doch bitte
nicht die Möglichkeit entwerten sollten,
Aufstellungsarbeit systemisch anzusehen und sie in einem
anderen Sinn und Geist zu vertreten.
Ich habe Dich verteidigt gegen Vorwürfe, die in Deinen
Konzepten die Rhizome faschistischen Denkens sehen und
mehr als einmal mein Bedauern darüber geäußert, dass
Konzepte, die im Kontext einer Ausbildung von
hochqualifizierten Therapeuten interessante und wertvolle
Anregungen bieten, durch den Showcharakter von
Großveranstaltungen entwertet werden. Ich sehe es heute
als Fehler an, dass ich Dich 1995 zu einer solchen nach
Bremen eingeladen habe, und so selbst mit dazu
beigetragen habe, dass es durch diese Art der
Präsentation zu einer Inflationierung Deiner Konzepte
kam. Ich denke, dass Du durch den ungeheuren Zulauf den
Sinn für Maßstäbe verloren hast - und so droht nun
alles kaputtzugehen, was Du aufgebaut hast, ja vielleicht
noch mehr, denn Hunderte, vielleicht sogar noch mehr der
Therapeuten, die sich in ihrem Vorgehen auf Dich berufen,
berufen sich auch auf die Systemische Therapie. Mit dem
Buch "Zweierlei Glück" wurde Dein Ansatz als
systemischer Ansatz markiert und ist mit diesem Modell
seither verbunden.
Ich bin Vorsitzender der Systemischen Gesellschaft, eines
der beiden großen Dachverbände für systemische
Therapie - und so ist mir das auch jenseits persönlicher
Betroffenheit und Enttäuschung alles andere als einerlei.
Wir haben uns von der SG aus bemüht, differenziert
Stellung zu beziehen und nicht in die undifferenzierte
Kritik oder ignorante Polemik einzustimmen, die bei
vielen Kritikern zu beobachten ist. Es ging uns darum,
deutlich die Grenze zu markieren zwischen einer
Aufstellungsarbeit, die mit systemisch-konstruktivistischem
Denken vereinbar ist und einer, die diesem nicht
entspricht und nicht passt. Und dennoch - es rumort und
gärt weiter in
der "systemischen Szene" und - ich erlebe es
wie eine Spaltungsdynamik, die von Dir ausgeht - die
immer stärker werdende Polarisierung macht mir ernstlich
Sorgen.
Nun kommt noch etwas Aktuelles dazu. Ein Kollege mailt
mir einige Internetadressen, in denen ich Aussagen von
Dir lese wie:
a.. "(Das) jüdische Volk (findet) erst dann
seinen Frieden mit sich selbst, mit seinen arabischen
Nachbarn und mit der Welt, wenn auch der letzte Jude für
Hitler das Totengebet gesprochen hat" (aus: Mit der
Seele gehen, 2001, S. 50)
b.. Und eine "Rede an Hitler": "Wenn
ich dich achte, achte ich auch mich. Wenn ich dich
verabscheue, verabscheue ich auch mich. Darf ich dich
dann lieben? Muss ich dich vielleicht lieben, weil ich
sonst auch mich nicht lieben darf?" (aus: "Gottesgedanken",
S. 247).
c.. Gleichzeitig sehe ich Fotos, wie Du in die
ehemalige Reichskanzlei in Berchtesgaden, Dein aktuelles
Wohnhaus einziehst. Dazu fällt mir nun wirklich nichts mehr ein.
Oder vielmehr: es fällt mir doch eine Menge ein! Ich
erinnere mich etwa daran, wie enttäuscht ich war, als
mein israelischer Freund, dem ich Dein Aufstellungsvideo
über die Arbeit mit Holocaustopfern und ihren Nachkommen
gegeben hatte, mir sagte, er habe aus Empörung über
Dich und Deine Arroganz das Band nicht zuende sehen
können. Heute denke ich, ich habe mich in Dir getäuscht
(und dafür muss ich natürlich selbst die Verantwortung
übernehmen). Ich habe etwas nicht sehen können, was er
sehr scharf wahrgenommen hat - ob Du nun sagen wirst, er
als Jude müsse sich erst noch vor seinen Eltern, beide
polnische KZ-Opfer - verneigen oder gemäß der "Gottesgedanken"
vor Hitler? Bert, das geht zu weit! Deine Aussagen in der
Rede sehe ich als schwammige Wertaussagen, die in ihrer
Allgemeinheit für alle Menschen gelten, - jeder Mensch
hat ein Recht auf die Anerkennung seines Menschseins und
auf Respektierung dieser, auch wenn er gerade dieses
Recht Millionen anderer Menschen verweigerte. Hitler
bleibt Symbol für die tiefsten und finstersten
Verirrungen, in die ein Mensch in einer besonderen
historischen Situation hineingeraten - und auch aktiv
hineingehen kann. Und es ist und bleibt verfehlt, dies zu
relativieren, durch welche Art von Begriffen und
Beschreibungen auch immer.
Und so möchte ich heute Dir gegenüber klar Position
beziehen - nicht versteckt hinter allgemeinen Aussagen
oder einer Verbandsstellungnahme. Ich muss und will es
sehr deutlich sagen: das, was ich in den letzten Jahren
von Dir gehört und mitbekommen habe, kann ich nicht
mittragen - weder die krassen Kausalzuschreibungen, noch
die unglaublich verkürzten Ideen über psychosomatische
Zusammenhänge, noch die Vorstellungen, einer "Wahrheit"
teilhaftig zu sein, noch die mehr und mehr allgemein
werdenden Aussagen über Männer und Frauen. Und nun
Deine letzten Aussagen - verbunden mit dem Einzug in
Hitlers Wohnhaus stellen sie in meinen Augen eine
unglaubliche Instinktlosigkeit dar. Das kann doch nicht
sein! Ich fasse es nicht! Meine Absage gilt jeder Form
von absoluten und totalitären Beschreibungen und in
diese sehe ich Dich immer mehr hineingeraten.
Das Ganze wäre Deine Privatsache oder eine Angelegenheit
einer Gruppierung wie vielleicht einer Sekte. Doch die
Konzepte, die Du verwendest und propagierst, sind zum
Teil aus der systemischen Familientherapie gekommen, zum
Teil werden sie in der Öffentlichkeit mit ihr
gleichgesetzt. Weißt Du, was Du der Systemischen
Therapie damit angetan hast? Wahrscheinlich wirst Du nun
irgendetwas Kluges sagen wie, dass Du nicht für das
verantwortlich bist, was Deine Schüler - ach ich vergaß,
Du hast ja keine - aus dem machen, was Du vertrittst.
Nein, ich sehe Dich als verantwortlich! Du hast Konzepte
aufgegriffen und weiterentwickelt, die im Kontext
systemischer Therapie genutzt werden und die auch weiter
nutzbar sind - sofern sie professionell sorgfältig und
vorsichtig eingesetzt werden. "Aufstellungsarbeit
nach Hellinger" hat mit systemischer Therapie, so
wie ich sie verstehe, nichts zu tun! Die Chance bestand -
und als ich Dich Ende der 80er Jahre kennen lernte,
dachte ich, dass es so werden würde -, dass diese
Konzepte die systemische Therapie um interessante
Facetten erweitern würde, dass Du einen Satz von
Heuristiken im Sinne von Möglichkeiten anbieten würdest,
die helfen können, das Geschehen in Systemen besser zu
verstehen und darauf aufbauende Instrumente, die
therapeutisch hilfreich sind. Ich habe deshalb auch gegen
manche Widerstände dafür gesorgt, dass ein Abschnitt
über diese Konzepte in das "Lehrbuch der
systemischen Therapie und Beratung" hineinkommt.
Und viele der Gedanken, die ich bei dir kennengelernt
habe, finde ich ja auch noch heute anregend und oft auch
als hilfreiche Möglichkeiten. Doch erlebe ich, dass Du
alles, was Du an Gutem aufgebaut hast, selbst entwertest,
indem Du durch unsägliche Kommentare, verbunden mit
einer Attitüde von Allwissenheit nicht nur Dich, sondern
auch die systemische Therapie der Lächerlichkeit und der
Zwielichtigkeit anheim gibst. Das ist eigentlich das, was
ich am meisten bedaure: Du hättest die Psychotherapie
als Ganzes ein Stück weiterbringen können. Doch Deine
Entwicklung ist anders weiter gegangen.
Si tacuisses, Bert!
Leb wohl,
Priv.-Doz. Dr.phil. Arist v.Schlippe,
Wielandstr.15, 49078 Osnabrück
Vorsitzender der Sytemischen Gesellschaft
H.-R. Schmidt
12.7.2004
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