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ADS-KRITIK
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Liebe Gäste,

vor gut zwei Jahren veröffentlichte R. Barkley die bekannte internationale
Konsenserklärung zur ADHS. Nun reagieren S. Timimi und weitere 32 Wissenschaftler und Praktiker darauf mit einer sehr guten Replik. Sie erscheint dieser Tage in Clinical Child and Family Psychology Review, Vol. 7, No. 1, March 2004, und sie fasst sehr prägnant zusammen, was auch wir hier im Café Holunder seit Jahren zum Thema "ADHS" vertreten. Deshalb darf sie Ihnen nicht vorenthalten bleiben. Denn wo sonst im Internet können Sie so etwas Gutes so aktuell lesen wie hier bei uns? Diese ADHS-kritische Konsenserklärung ist in Deutschland noch unbekannt. S. Timimi begrüßt es sehr, dass wir sie in Deutschland bekannt machen.

Timimi S, Moncrieff J, Jureidini J, Leo J, Cohen D, Whitfield C, Double D, Bindman J, Andrews H, Asen E, Bracken P, Duncan B, Dunlap M, Albert G, Green M, Greening T, Hill J, Huws R, Karon B, Kean B, McCubbin M, Miatra B, Mosher L, Parry S, DuBose Ravenel S, Riccio D, Shulman R, Stolzer J, Thomas P, Vimpani G, Wadsworth A, Walker D, Wetzel N, White R; 33 Coendorsers.

Clinical Child and Family Psychology Review, Vol. 7, No. 1, March 2004:
Kritik der internationalen Konsenserklärung zur ADHS

Die Autoren fragen sich und uns zunächst, warum bedeutende Psychiater und Psychologen um Barkley eine Erklärung beschließen, die die freie Diskussion über Sinn und Unsinn der weitverbreiteten Diagnose und medikamentösen Behandlung von ADHS unterbinden will. Wenn wissenschaftliche Erkenntnisse zu ADHS so eindeutig seien wie behauptet, bräuchte es doch eigentlich gar keine solche Konsenserklärung.

Der wirkliche Grund für das Konsenspapier von Barkley et.al. liege darin, dass die Annahmen, ADHS sei eine echte medizinische Krankheit und Psychopharmaka seien wirkliche Heilmittel, inzwischen durch die wissenschaftliche Kritik erschüttert wurden. Es sei nicht nur gegen Geist und Praxis jeder Wissenschaft, den wissenschaftlichen Diskurs über die Gültigkeit von "ADHS" zu beenden, wie es das Barkley-Konsenspapier verlange. Es gebe im Gegenteil eine ethische und moralische Verpflichtung zu einem solchen Diskurs, meinen die Autoren vollkommen zu Recht.

Die Autoren führen weiter aus (wobei wir die jeweiligen Literaturbelege des Originalartikels weglassen. Der hieran interessierte Leser wird auf den Originalartikel verwiesen; es bleibt dort jedenfalls keine der gemachten Aussagen wissenschaftlich unbelegt),

1. dass der Forschungsstand nicht die Behauptung stütze, bei ADHS-Kindern handele es sich um eine homogene Gruppe mit einer gemeinsamen und spezifischen neurobiologischen Störung. Es gebe keine kognitiven, metabolischen oder neurologischen Marker für ADHS, weshalb es auch keinen medizinischen Test für die Diagnose gebe. Es gebe bereits seit 30 Jahren offenkundige Schwierigkeiten, die Störung überhaupt eindeutig zu definieren;

2. dass trotz der Versuche, die Diagnosekriterien zu standardisieren, erhebliche Unterschiede zwischen Diagnostikern nicht nur verschiedener Nationen, sondern sogar ein und derselben Nation bestehen. In den USA schwanke zum Beispiel die Zahl der Diagnosen innerhalb eines Staates von Gemeinde zu Gemeinde um den Faktor 10;

3. dass drei Viertel aller mit ADHS diagnostitzierten Kinder auch die Kriterien für andere psychiatrische Störungen (Verhaltensstörungen, Angststörungen, Depressionen etc.) erfüllen. Solch hohe Komorbiditäten legten aber den Schluss nahe, dass sich das ADHS-Konstrukt zur Erklärung des klinischen Alltags gar nicht eigne;

4. dass nach nunmehr 25jähriger bildgebender Forschung und über 30 Studien immer noch die simple Studie fehle, in der eine Gruppe unbehandelter ADHSler mit einer Gruppe behandelter verglichen werde. Die bisherigen bildgebenden Studien hätten unspezifische und inkonsistente Ergebnisse erbracht, wobei die Untersuchungsgruppen klein waren und in keinem Falle klinisch abnormale Gehirne gefunden worden seien (ganz zu schweigen von ADHS-spezifisch abnormalen). Tierstudien lassen zudem vermuten, dass die in einigen Studien bei Kindern gefundenen Hirnbesonderheiten eine Folge ihrer Medikamentierung sein können;

5. dass sogar ein Regierungsbericht der USA zu ADHS feststelle, dass es keine überzeugenden Belege dafür gebe, dass ADHS eine biochemische Störung sei;

6. dass die Erforschung möglicher Umweltfaktoren als Ursache für ADHS bisher weitgehendst unterblieben ist, obwohl es vielfältige Erfahrungen gibt, dass psychosoziale Faktoren wie Traumen oder Missbrauch ursächlich sein können;

7. dass Forschungsergebnisse zur Genetik und Vererbung Interpretationssache seien. Die Genetik von ADHS sei nicht unterscheidbar von Verhaltensstörungen und anderen externalisierenden Störungen, und auch die Vererbung sei nicht spezifisch, falls es eine solche überhaupt gibt;

8. dass die Menge der an Kinder gegebenen Psychopharmaka in den USA besorgniserregend sei. Im Jahre 1996 hätten 6 Prozent aller Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren Psychopharmaka bekommen, ein Prozentsatz, der heute wahrscheinlich noch höher sei. Auch der Psychopharmakaverbrauch bei Vorschulkindern im Alter von 2 bis 4 Jahren sei stark angestiegen. Eine Studie in Virginia habe in zwei Schuldistrikten bei 17 Prozent aller weißen Grundschüler Psychopharmaka-Konsum festgestellt. Aber die Autoren der internationalen Konsenserklärung um Barkley glauben dennoch, dass derzeit leider nur weniger als die Hälfte aller Kinder mit ADHS angemessen medikamentös behandelt würden;

9. dass viele der Mitautoren der Barkley-Konsenserklärung wohlbekannte Fürsprecher einer medikamentösen Behandlung von Kindern mit ADHS seien, aber nirgends ihre diesbezüglichen finanziellen Interessen und Verbindungen zur Pharmaindustrie offenlegten;

10. dass Psychostimulanzien keine ADHS-spezifische Behandlung darstellen, sondern auch bei normalen Kindern und ganz unabhängig von ihrer Diagnose wirken. Eine kürzliche Metaanalyse von Studien zur Methylphenidatwirkung zeige, dass die Studien methodisch schlecht und voller Fehler seien, dass Kurzzeiteffekte inkonsistent, Nebenwirkungen aber häufig seien, und dass Langzeiteffekte über 4 Wochen hinaus nicht belegt werden;

11. dass die Autoren der Konsenserklärung behaupten, unbehandelte ADHS führe bei den Betroffenen zu erheblichen Folgebeschwerden, wobei sie aus einem statistischen Zusammenhang eine fragliche Kausalbeziehung ableiten. Andere Forschungen hätten ergeben, dass medikamentöse Behandlung bestenfalls einen fast bedeutungslosen Langzeiteffekt habe;

12. dass den möglichen Langzeitwirkungen von Psychostimulanzien mehr Sorge zukommen sollte, als Barkley u.a. zulassen wollen. Psychostimulanzien haben erhebliche medizinische, aber auch psychosoziale Nebenwirkungen und sind grundsätzlich suchterzeugend;

13. dass man trotz der heftigen Bemühungen des Barkley-Papiers, Kinder, Eltern oder Lehrer aus der Verantwortung für ADHS heraus zu nehmen, ein aufbauendes und engagiertes familienberaterisch-erzieherisches psychosoziales Unterstützungsangebot aufbauen müsse.

Die Autoren berücksichtigen auch ausführlich kulturell-gesellschaftliche Aspekte bei ADHS, worauf wir hier der Kürze halber nicht weiter eingehen können. Sie fassen abschließend zusammen, dass sich Barkley u.a. sehr schlecht verkaufen, wenn sie weitere Kritik an Diagnostik und Behandlung von ADHS mit der Behauptung gleichsetzen, die Erde sei eine Scheibe. Es sei sehr bedauerlich, dass Barkley die wissenschaftliche Diskussion vorzeitig beenden wolle, denn der Forschungsstand zeige, dass die Debatte noch lange nicht zu Ende sei.

H.-R. Schmidt
17.5.2004

 

ADS ist keine Diagnose
I
mmer mehr Kindern wird die Diagnose ADS angehängt. Mediziner erklären ADS als Stoffwechselstörung im Gehirn. Der Hannoveraner Erziehungswissenschafter und Psychologe Wolfgang Bergmann bestreitet diese Definition. Er sieht die Aufmerksamkeitsstörung als tiefgreifendes kulturelles Phänomen, bei dem vor allem die Eltern gefordert sind.
win-future

MfG Dörte
21.5.2004


 

Hallo liebe Bande um HRS,

herzliche Grüße vom großen ADHS-Thing in Torshavn auf den Färöer-Inseln! Der Kongress hier ist sehr interessant, nicht zuletzt weil der rührende R. Barkley gerade wieder mit großem Ernst von ADHS als eigenständiger Krankheit gesprochen hat und nach der sehr kritischen Diskussion gekränkt ob seines Lebenswerks in den Saal rief:
"Und sie dreht sich doch!"
Aber die Einheimischen hier hielten ADHS bislang für Lebertran aus ihren Pilotwalen, die sie gerne jagen. "ADHS" heißt wohl auf färingisch so ähnlich wie Lebertran. By the way: Gibt es schon Studien über Lebertran bei ADHS? Bestimmt wirkt es. Ich weiss noch genau, dass ich als Kind immer ganz brav war, damit ich ihn nicht schlucken musste.
Überhaupt sind sie hier alle Jäger (von Fischen), und insofern gibt es hier ein breites und noch brachliegendes Entwicklungsland für "Ritalin". Schließlich gibt es langsam aber sicher immer weniger Fische, und wohin sollen dann all die sich langweilenden Fischer mit ihrer Energie? Die Fischärzte hier werden über kurz oder lang auf ADHS-Arzt umschulen müssen. Das Thema meines Vortrags lautete denn auch: "Korrelative Zusammenhänge zwischen dem Verschwinden der Fischgründe und dem Anwachsen von ADHS auf den Färöern".
Während T. Hartmann täglich Unmengen Fisch verspeist und das Jagen desselben nur als andere Art, die Welt zu sehen sieht, mag Barkley keinen Fisch, weil er befürchtet, sich dann zu vergessen, denn zuviel Eiweiss störe die Selbstbeherrschung.
Jetzt aber genug getratscht. Auf dem Foto seht ihr mich im Plenum (Kreis). Das wird wohl einige zu Hause sehr interessieren.

Bis bald, euer
Ulli
22.5.2004

 

Hallo,
ist ja spannend, dass man sich allmählich einmal aufmacht und nach den Ursachen sucht. Mal schauen, was dabei heraus kommt...

Hyperaktivität: Institut sucht nach Ursachen 

Frankfurt/Main (dpa) Das Sigmund-Freud-Institut in Frankfurt will in zwei Studien die Ursachen des Aufmerksamkeits-Defizit- Hyperaktivitäts-Syndrom (AHDS) erforschen. «Wir werden zum einen zwei Jahre lang 500 Kinder in Frankfurter Kindergärten mit Angeboten gezielt fördern», sagte die Projektleiterin, Prof. Marianne Leuzinger-Bohleber, am Donnerstag in Frankfurt. In einer weiteren Studie
werde überprüft, wie sich die Kinder entwickelt haben, die an dem Institut wegen ADHS behandelt wurden. Die betroffenen Kinder können sich oft nur schwer konzentrieren, sind zappelig, impulsiv und haben eine niedrige Frustrationsschwelle. In Deutschland sind hier von etwa 400 000 Kinder betroffen. Knapp ein Drittel dieser Kinder werden nach Angaben des SFI mit dem umstrittenen Psychopharmakum Ritalin behandelt. «Wir haben uns für die Studie in den Kindergärten entschieden, weil man in diesem Alter die Entwicklungen noch sehr gut fördern und eventuell korrigieren kann», sagte Leuzinger-Bohleber. Zwei Jahre lang werden die Kindergärten von Psychologen besucht. Eltern und Erzieher sollen speziell geschult werden und es gibt Extra-Angebote für den Nachwuchs, in denen zum Beispiel ihre Körperwahrnehmung gefördert werden soll. Bei Erfolg des Programmes müsste die Zahl der Schüler mit ADHS zurückgehen, wenn diese Kinder eingeschult werden. Die Präventionsstudie beginnt noch in diesem Frühjahr, 2007 soll sie ausgewertet sein. Die Studie, in der die Entwicklung von ADHS- Kindern untersucht werden, läuft bereits und wird im kommenden Frühjahr abgeschlossen.


netdoktor

Hubert Geue

25.5.2004

GEWISSENSFRAGE 21
WIE SEHEN SIE ES?
Früher gab es die Diagnose MCD ("leichte frühkindliche Hirnfunktionsstörung"). Die heutige Diagnose AD(H)S ist davon eine Weiterführung.
Ja 98 56,32 %
Teilweise 54 31,03 %
Nein 22 12,64 %
Gesamtbeteiligung: 174

Die weit überwiegende Mehrheit sieht in "ADHS" lediglich eine Weiterführung des MCD-Konstrukts. Und da Letzteres wissenschaftlich lange "out" ist, fragt sich natürlich, ob diese Weiterführung wirklich weiter führt oder nur eine verkleidete Wiederauferstehung von bereits Totgeglaubtem ist...

© Café Holunder 5/04

 

Der Schweizer Psychologe Piero Rossi hat letztes Jahr in Koblenz einen interessanten Vortrag zu ADHS gehalten. Es wird in dem Vortrag sehr deutlich, wie ein eingefleischter ADHS-Protagonist mit jahrelanger praktischer Erfahrung, also eigentlich ein "alter ADHS-Hase", immer mehr an ADHS grundlegend zu zweifeln scheint. Ich zitiere hier nur einige seiner prägnantesten Aussagen:

(K)ein Fall von ADHS

1. Zur neurobiologischen Diagnostik von ADHS:
"Leider haben sich die bisherigen ...Forschungsbefunde als nicht kennzeichnend genug erwiesen, um als diagnostisches Kriterium Verwendung zu finden" (S. 6).
Medizinisch ist also keine valide Diagnostik möglich. Was jedermann schon lange wusste... Aber nun vielleicht:

2. Zur Fragebogen- und Checklisten-Diagnostik bei ADHS:
"Zusammenfassend kann man sagen, dass standardisierte Fragebögen geeignete Instrumente darstellen, um Informationen über einen Patienten zu erhalten. Eine diagnostische Zuordnung (zu ADHS, Einfügung von mir) ermöglichen sie indes nicht" (S. 7).
Mit Fragebögen und Checklisten ist also auch keine valide Diagnostik möglich. Wussten wir auch schon, aber aus solch einem Munde...

3. Zur testpsychologischen ADHS-Diagnostik:
Als zwei "Stolpersteine" der ADHS-Diagnostik werden angeführt: " Wenn ein Kind in der Schule und daheim Lern- und Verhaltensprobleme hat, ein ADHS-Verdacht besteht und das Kind in einer psychologischen Testuntersuchung unauffällige Leistungen erbringt, heisst das nicht zwingend, dass keine ADHS vorliegt." (S.10), sowie: "Wenn ein Kind in der Schule und daheim an Lern- und Verhaltensproblemen leidet und Tests ADHS-typische Resultate zeigen, heisst das nicht zwingend, dass eine ADHS vorliegt." (S. 11). "In Sachen Testdiagnostik der ADHS sieht es also recht düster aus." (S. 13).
Besser kann man nicht umschreiben, dass die gesamte ADHS-Testuntersuchung unspezifisch und damit nutzlos ist.

4. Zum Aufmerksamkeitsdefizit:
"Leider konnte in Untersuchungen bisher keine ADHS-spezifische Aufmerksamkeitsschwäche gefunden werden...Wahrscheinlich wird man das ADHS-kennzeichnende Aufmerksamkeitsdefizit gar nie entdecken, da es -so meine persönliche Vermutung- gar nicht existiert." (S.12).
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen! Was ist denn dann überhaupt noch übrig von ADHS? Die Hyperaktivität doch wohl nicht im Ernst, oder?

5. Zur Testuntersuchung allgemein:
Wie bereits erwähnt: "In Sachen Testdiagnostik der ADHS sieht es also recht düster aus." (S. 13). Rossi kritisiert aber trotzdem die Empfehlungen der Forchheimer AG ADHS der Kinder- u. Jugendärzte e.V. mit ihren "ADHS-Leitlinien", die psychologische Tests als überflüssig betrachten und bestenfalls einen Intelligenztest für nötig halten. Warum? Wo er doch soeben den Nutzen solcher Tests selber bezweifelte.

6. Das Ausschlusskriterium E:
Rossi versucht sich aus diesem vollkommen hoffnungslosen Gesamtzustand zu retten, indem er sich auf DSM-IV Pkt. E bezieht, worin die Ausschlussdiagnostik bei ADHS beschrieben ist. Das kennen wir ja auch schon zur Genüge: ADHS ist angeblich das, was übrigbleiben soll, wenn angeblich alles andere ausgeschlossen ist. Für die klinische Praxis also ein völlig absurdes Kriterium. Es erhöht nur unnötig die Diagnostik-Kosten (und damit zum Glück die Einnahmen des Diagnostikers).

Mein Resumee:
Rossis Ausführungen sind recht differenziert und kritisch. Man versteht allerdings nicht, wieso er nach solchen Aussagen überhaupt noch an ADHS festhält, und wie man ADHS denn nun valide und reliabel diagnostizieren kann. Mich hat er jedenfalls darin bestätigt, dass man das gar nicht kann. Und ob es etwas überhaupt gibt, das man gar nicht diagnostizieren kann, beantwortet sich dann von selbst.

Belmondo
28.5.2004

 

INTERVIEW MIT MARTHA FARAH

"Die Scham wird verschwinden"

Die renommierte Professorin für Psychologie der Universität von Pennsylvania, USA, Martha Farah, die das dortige Center for Cognitive Neuroscience leitet, äußert sich in Technology Review 6/04 in einem Interview mit Birgit Will zu Psychopharmaka wie Ritalin.

Sie stellt fest, dass immer mehr ansonsten gesunde Menschen Stimulanzien einnehmen, um ihre Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit zu verbessern. Auf die Frage, ob es also einen zunehmenden Trend gäbe, auch gesunde Gehirne mit Psychopharmaka zu "verbessern", antwortet sie:

"Ja. Bislang mag das vor allem ein amerikanisches Phänomen sein, aber ich bezweifle, dass das so bleiben wird. Letzte Woche habe ich mich mit einigen Psychiatern unterhalten, die von Patienten mit ebendiesen Fragen konfrontiert werden und nach der richtigen Antwort suchen. Ein Student mit durchschnittlichen Noten wollte beispielsweise das Aufputschmittel Ritalin einnehmen, um seine Leistung zu "maximieren". Er hatte miterlebt, wie das bei seinem Mitbewohner gewirkt hatte, und nun wollte er das Gleiche. Vor zehn oder fünfzehn Jahren haben Eltern noch protestiert, wenn ein Kollege ihren Kindern Ritalin verschrieb. Jetzt werden Eltern wütend, wenn er keine Medikamente verschreibt".

Das gesellschaftliche Bewusstsein über die Psychopharmakagabe auch bei Gesunden verändere sich gerade: "Vor einem Monat habe ich in einem Vortrag gesagt, dass eine Steigerung der Gedächtnisleistung durch Neuropharmaka noch in der Zukunft liegt. Danach kam einer der Zuhörer zu mir und korrigierte mich in aller Öffentlichkeit: Er erzählte, dass er eben zu diesem Zweck Piracetam einnähme! Ich glaube, unsere Scham angesichts dieser Dinge wird bald schwinden".

Prof. Farah gibt zu bedenken, dass wir nicht alle Gründe für die normalen Grenzen unserer kognitiven Fähigkeiten kennen. "Tatsächlich könnte ...das, was uns als suboptimal erscheint, in Wahrheit optimal sein. Das Gedächtnis ist dafür ein gutes Beispiel. Möglicherweise ist die normale Rate, mit der wir Dinge vergessen, eigentlich ideal. Wenn wir sie steigern oder erhöhen, dann verlieren wir vielleicht die Fähigkeit, aus speziellen Erlebnissen allgemeine Prinzipien abzuleiten".

Gegen die Einnahme von Psychostimulanzien zur Leistungssteigerung spreche aus ihrer Sicht zu allererst die Frage nach den Risiken, die bei einem freiwillig und ohne medizinische Begründung eingenommenen Stoff stärker ins Gewicht falle als bei einem Heilmittel mit medizinischer Indikation. Außerdem manipuliere man ja ein hochkomplexes System, das Gehirn, und zwar mit unabsehbaren Folgen: "Könnte beispielsweise die Einnahme von Ritalin vorzeitigen geistigen Verfall im Alter bedeuten? Rein intuitiv misstrauen wir Erfolgen, die wir uns nicht erarbeitet haben - in der steten Furcht, es könnte sich um einen faustischen Pakt handeln", so Prof. Farah. Ferner bestehe die Sorge, ob der Einzelne in Zukunft noch frei entscheiden könne, ob er solche Medikamente nehmen wolle oder nicht, wenn sein Erfolg in der Schule oder am Arbeitsplatz davon abhänge, dass er solche Mittel einnimmt. Auch die jetzt schon ungerechte Verteilung solcher Substanzen sei bedenklich: "Wenn wir uns ansehen, welche gesunden Menschen Ritalin einnehmen, dann sind das momentan vor allem College-Studenten, die ohnehin schon privilegiert sind."

Aber selbst bei einer gerechten Verteilung von Neuropharmaka und wenn der Einzelne frei entscheiden könnte und keine Nebenwirkungen befürchten müsste, bliebe immer noch eine Frage: "Verändern wir mit solchen Mitteln nicht die eigene Persönlichkeit? Schließlich handelt es sich nicht nur darum, den Motor eines Autos zu verbessern. Untergraben wir damit nicht menschliche Werte wie die Wertschätzung von harter Arbeit und von Unvollkommenheit? Sind wir mit Ritalin noch derselbe Mensch wie zuvor? Und unterscheidet sich diese Veränderung prinzipiell von der durch ein Glas Wein oder durch einen Urlaub? Das sind wichtige Fragen. Ob Fluch oder Segen, die Auswirkungen der Neuropharmaka werden keinesfalls trivial sein".

Auf die Frage, ob wir vielleicht den Wunsch und die Fähigkeit verlieren, unsere Umgebung an unsere eigenen menschlichen Bedürfnisse anzupassen, wenn wir stattdessen zunehmend unser Gehirn künstlich an die Anforderungen der Umwelt anpassen, meint Prof. Farah: "Ich glaube tatsächlich, dass manche Menschen ohnehin schon zu hart arbeiten und sich zu sehr um ihren beruflichen Erfolg sorgen. In gewissem Sinne könnten Neuropharmaka sie in die Lage versetzen, ihr Leben noch weiter in diese Richtung zu entstellen. Ein wenig Müdigkeit und Konzentrationsschwäche können auch ihr Gutes haben: Anstatt künstlich gesteigert einen 12-Stunden-Tag hinzulegen, geht man vielleicht vor acht Uhr abends nach Hause und spielt mit seinen Kindern!"

Preiser
4.6.2004

 

Ist ADHS "hausgemacht"?

In der OffenbachPost liest man über Dr. Martin Winkler:

"Winkler machte deutlich, dass ADHS nicht durch Fehler der Erziehung bedingt ist oder durch Traumatisierung oder Vernachlässigung".

Viele Eltern unruhiger Kinder werden sich darüber freuen, denn solche Behauptungen entlasten sie verständlicherweise. Dabei sieht der Forschungsstand zu dieser für Eltern so wichtigen Frage in Wahrheit anders aus:

Es existiert m.W. nur eine einzige gute prospektive Studie, die den verursachenden Einfluss der Erziehung auf ADHS verneint, nämlich diejenige von Gottman (1). Gottman hat den Einfluss der emotionalen Beziehung zwischen Eltern und Kindern bei 53 Kindern über 3 Jahre hinweg prospektiv untersucht und einen nicht nur psychologisch, sondern auch körperlich nachweisbaren starken Einfluss der emotionalen Beziehungsqualität auf die neuropsychologische Selbstregulation der Kinder belegen können. Bei einer hyperkinetischen Störung (nicht identisch mit "ADHS"!) war aber trotz vergleichbarer Erziehung ein Unterschied in der Aufmerksamkeitssteuerung und Hyperkinetik feststellbar. Gottmans Untersuchungsgruppe war allerdings sehr klein. Außerdem waren die Kinder am Beginn der Studie bereits 4-5 Jahre alt, so dass bei den wenigen hyperkinetischen Kindern die Störung bereits bestand, ohne dass man weiss, warum.

Dagegen gibt es mehrere andere gute Studien, die den verursachenden Einfluss der Erziehung auf "ADHS" bestätigen. Ich möchte nur zwei anführen: In einer Untersuchung von Carlson EA u.a. (2) wurden 191 Kinder bereits ab ihrem 6. Lebensmonat über 14 Jahre lang (!) prospektiv untersucht. Die Forscher fanden heraus, dass vor allem Familienkriterien eine Voraussage zulassen, ob Kinder "ADHS" entwickeln werden oder nicht. In der frühen Kindheit liess die elterliche Zuwendung sehr viel deutlichere Voraussagen auf frühe Ablenkbarkeit (einem Vorläufer späterer Hyperaktivität) zu als frühe biologische oder (eher genetisch bedingte) Temperamentsfaktoren. Elterliche Zuwendung und familiäre Kontextfaktoren (wie eheliche Geburt, Ausmaß der emotionalen Zuwendung, die die primäre Bezugsperson des Kindes erhielt etc.) plus frühe Ablenkbarkeit ließen eine zuverlässige Vorhersage auf Hyperaktivität in der mittleren Kindheit zu.

Die zweite Studie ist bereits klassisch und stammt noch aus der "MCD"-Epoche. Sie lässt aber an Aktualität auch für "ADHS" nichts zu wünschen übrig. Sie stammt von G. Esser, M.H. Schmidt (3) und belegt überzeugend den ausschlaggebenden Einfluss des Umweltfaktors im Vergleich zum körperlichen.

Nimmt man zur Beantwortung der Ausgangsfrage nur einmal diese Untersuchungen heran, dann muss die Antwort für den Einfluss der Erziehung ausfallen. Zumindest müsste man sagen, dass es "solche und solche" Studien gibt. Aber einseitig zu behaupten, was in dem o.g. Winkler-Zeitungszitat als wissenschaftliche Tatsache verallgemeinert wird, ist tendenziös. Man fragt sich ernsthaft, mit welchen Studien Winkler seine Aussage belegen kann.

Insgesamt sieht der Forschungsstand sowieso so mager aus, dass eine abschließende wissenschaftliche Aussage gar nicht möglich ist. Man hat sich bisher in vielen Tausend Studien lieber mit der Wirkung von Medikamenten und der körperlich-medizinischen Seite von "ADHS" beschäftigt. Aus dem Fehlen einschlägiger Studien wird nicht selten unzulässigerweise geschlossen, dass es etwas nicht gebe. Außerdem: Wenn jemand seine Behauptung, es gäbe Ufos, damit untermauert, dass es keine gegenteiligen Beweise gäbe, dann kennzeichnet dies drastisch den Argumentationsstil bei "ADHS" in der Frage, ob es "hausgemacht" ist.

Die klinische Erfahrung in der Praxis sieht sowieso ganz anders aus, als von Winkler behauptet. Wenn ich allein in meiner Erziehungsberatungsstelle die letzten 10 Kinder, die mit der Diagnose "ADHS" kamen (weil die Familien begleitende Psychotherapie suchten, oder weil sie der Diagnose misstrauten, oder weil sie die Psychostimulantien vermeiden oder absetzen wollten) betrachte, dann gab es in jedem Fall deutliche und chronische Familien- und Erziehungsprobleme, die teils schon vor der Geburt des Kindes existierten und durch deren erfolgreiche Bearbeitung sich die "ADHS"-Symptomatik der Kinder stark mildern oder beseitigen ließ. In keinem Fall waren längerfristig Medikamente nötig. Und die Frage, ob ein symptomfreies Kind trotzdem noch "ADHS" haben soll, halte ich bekanntermaßen sowieso für hanebüchen.

(1) Gottman, J.M.; Katz, L.F.; Hooven, C.:
Meta- Emotion. How Families Communicate Emotionally.
Mahwah NJ: Lawrence Erlbaum Associates (1997)

(2) Carlson EA, Jacobvitz D, Sroufe LA
A developmental investigation of inattentiveness and hyperactivity.
Child Dev. 1995 Feb;66(1):37-54.

(3) G. Esser, M.H. Schmidt:
Epidemiologie und Verlauf kinderpsychiatrischer Störungen im Schulalter - Ergebnisse einer Längsschnittstudie.
Nervenheilkunde 1987, 6, 27-35).

H.-R. Schmidt
9.6.2004

 

Rauchen als "Selbsttherapie" ?

Erstaunliche wissenschaftliche Neuigkeiten entnehmen wir wieder einmal der Presse:

"Hinter der Nikotinsucht jugendlicher Raucher könnte sich in manchen Fällen ein instinktiver, aber schädlicher Versuch der Selbsttherapie verbergen: Nikotin mildert die große motorische Unruhe, die durch eine Hyperaktivitätsstörung (ADHS) hervorgerufen wird. Darauf weist jetzt der "Berufsverband der Arzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie" nach Auswertung einer Studie mit erwachsenen ADHS-Patienten hin: Fast alle von Ihnen rauchten. Mögliche Erklärung:
Nikotin, so fanden die Mediziner Johanna und Klaus-Henning Krause an der Ludwig-Maximilians-Universität in München heraus, beeinflusst den Dopamintransport im Gehirn. Während der Botenstoff, der die Erregungszustände in Nervenzellen regelt, bei den rauchenden ADHS- Patienten fast normale Werte erreichte, war der Level bei den hyperaktiven Nichtrauchern deutlich zu niedrig. Bei rauchenden Kindern und Jugendlichen sollten deshalb Eltern, Lehrer und Ärzte eine mögliche Hyperaktivitätsstörung als Grund für die Nikotinabhängigkeit in Betracht ziehen und bei Kindern mit ADHS-Diagnose die erhöhte Neigung zum Glimmstängel besonders im Auge behalten".

(zit.: DER SPIEGEL 24/2004)

Das war uns zwischendurch einen kleinen Leserbrief wert:

SPIEGEL-Verlag
Brandstwiete 19
20457 Hamburg

Leserbrief zu "Rauchen als Selbsttherapie" in DER SPIEGEL 24/04, S. 136:

Dass Genussgifte wie Alkohol, Nikotin usw. immer auch die Möglichkeit zu einer "Selbsttherapie" mit sich bringen, ist eine Binsenweisheit. Jeder, der sich seinen Kummer "wegtrinkt" oder sich mit einer Zigarette "beruhigt", weiß das.

Dass damit aber eine zugrunde liegende biologische Krankheit namens "ADHS" zu therapieren versucht wird, kann getrost als modernes Märchen betrachtet werden, das von Teilen der Schulmedizin derzeit heftig propagiert wird. Es gibt keine eindeutigen Belege für die Existenz einer solchen Krankheit. Vielmehr ignoriert das Ehepaar Krause, dass die noch dazu unspezifischen hirnfunktionellen Besonderheiten sog. "ADHS"-Patienten nicht Ursache einer medizinischen Störung, sondern Folge oder Begleiterscheinung von psychologischen Erfahrungen der Betreffenden sein können. Im Übrigen: Wenn jemand verliebt ist, weist auch er hirnfunktionelle Unterschiede zu einem Nichtverliebten auf. Kein Mensch käme aber auf die Idee, diese hirnfunktionellen Besonderheiten für die Ursache der Verliebtheit oder gar für eine hirnfunktionelle Störung mit Krankheitswert zu halten.

Dipl.-Psych. Hans-Reinhard Schmidt
Psychologischer Psychotherapeut
8.6.2004

Lieber Herr Schmidt,
hier ein kleiner ergänzender Leserbrief an Sie:

Das Problem bei dieser (und vielen ähnlichen) Studien ist ja auch, dass die sog. unabhängige Variable "Rauchende versus nichtrauchende ADHSler" nicht experimentell hergestellt und auf diese Weise kontrolliert wurde. Niemand kennt also die Gründe dafür, dass die einen ADHSler rauchten und die anderen nicht. Und genau diese unbekannten und unkontrollierten Gründe können das Forschungsergebnis (zumindest mit-)bestimmen. Es könnte ja sein, dass sich diese beide Gruppen in wesentlichen, aber in der Studie nicht berücksichtigten Kriterien unterscheiden (z.B. könnten die rauchenden ADHSler immer schon, also schon als nichtrauchende Kinder, normale Dopaminwerte gehabt haben, und die nichtrauchenden haben aus wieder anderen, unbekannten Gründen zu niedrige Werte, etc).

Eigentlich müsste man nichtrauchende ADHSler zu echten Rauchern machen und ihre Vorher-Nachher-Werte messen. Oder man gewöhnt rauchenden ADHSlern das Rauchen ab und misst ebenfalls Vorher-Nachher. Bei einer gelungenen Raucherentwöhnung müsste dann eigentlich ein normaler Dopaminwert vorliegen (was Prof. Krause aber wohl nicht glauben könnte. Würde es ja den Schluss nahelegen, dass der Dopaminwert grundsätzlich hirn-nutzungsabhängig ist und nicht für eine biologische Krankheit stehen muss).

Belmondo
17.6.2004

 

Was Thommy Interessantes entdeckte (er zitiert sogar die "Hüther-Studie"):

"Thom Hartmann setzt sich weltweit für eine positive, ressourcen-orientierte Sichtweise der Menschen mit ADHD ("attention deficit and hyperactive disorder") ein. Er betont in seinem letzten Newsletter, selbst nicht unbedingt Gegner der Medikation bei ADHD zu sein - jedoch angesichts neuer Forschungsergebnisse zu befürchten, dass ernsthafte und irreversible Schäden für Millionen von betroffenen Kindern und Erwachsenen entstehen könnten. Wieder einmal fordert Hartmann veränderte Schulbedingungen mit stimulierenderer Umgebung - um den Bedarf an stimulierenden Medikamenten reduzieren oder gar vermeiden zu können.

Hartmann zitiert eine Studie aus dem Jahre 1986 (Nasrallah HA, Loney J., Olson SC, McCalley- Whitters M, Kramer J., Jacoby DG. Cortical atrophy in young adults with a history of hyperactivity in childhood; Psychiatry Res., 17/3, 421-246). Gehirne von jungen Erwachsenen und Kindern mit ADHD wurden mit PET-Scan untersucht. Die Ergebnisse zeigten, daß die Frontal-Lappen - verglichen mit einer "normalen" Population - verkümmert oder weniger funktional waren. Die Autoren glaubten damit die These stützen zu können, ADHD sei eine genetische Erkrankung ganz ohne Überlebensbedeutung und ohne Wert im menschlichen Genom. Tatsächlich aber waren 100 % der untersuchten Probanden Langzeit-Benutzer von Ritalin oder anderer Stimulantien.

Für Hartmann stellt sich hier die Frage: "Trat die Gehirn-Atrophie als Resultat von ADHD oder der stimulierenden Drogen ein?"

Hartmann zitiert andere Untersuchungen zu dieser Frage, z.B. jene gut dokumentierten Ergebnisse, dass Ekstasy-Konsumenten langzeitlich und möglicherweise dauerhaft einen Verlust an Gehirnzellen (nigrostiatal DA neurones) erleiden mit langanhaltenden Einschränkungen im Kurzzeit-Gedächtnis. Eine Studie aus 2000, veröffentlicht in "Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA" differenziert, dass diese Schäden durch die Kontamination von Amphetaminen, nicht durch das Ekstasy selbst verursacht werden. In einer Studie im "Journal of Child and Adolescent Psychopharmacology" (2002, Early methylphenidate administration to young rats causes a persistent reduction in the density of striatal dopamine transporters) wird der Mangel an systematischen Langzeit-Studien über die Wirkung auf das Gehirn bei Ritalin-Einnahme kritisiert. Die Studie untersucht, wie sich Gehirne von Ratten verändern, die im jungen Alter Methylphenidat (Ritalin) erhalten hatten. Die Ergebnisse belegen, dass Ratten, die in der Kindheit dieses Medikament erhielten, einen dauerhaften Verlust von bis der Hälfte der Neurotransmitter-Transporter in best. Regionen der erwachsenen Gehirne erlitten. "... die Dichte von Dopamin Transporter (Bmax Werte von (eH)-GBR- Verbindungen im Striatum, aber nicht im Mittelhirn) war signifikant reduziert nach früher Methylphenidat-Verabreichung (um 25 % an Tag 45) und diese Abnahme erreichte nahezu 50 % im Erwachsenenalter (Tag 70), d.h. lange nach der Beendigung der Behandlung." Zahlreiche weitere Studien, die in einzelnen US-Staaten vor allem durch staatliche Anti- Drogenzentren in Auftrag gegeben wurden, haben den Gebrauch von Amphetaminen (ein Bestandteil, der in der zweit-häufigsten ADHD-Medikation enthalten ist) mit einem Langzeit-Verlust von Gehirnzellen in Verbindung gebracht. Zitate: "Amphetamin-induzierter Verlust von menschlicher Dopamine Transport-Aktivität." - "Eine einzelne Amphetamin-Gabe ist hinreichend für andauernde behaviorale, neuroendokrinologische und neurochemische Sensitivierung bei Ratten." - " Veränderungen in striataler D sub(2)-Rezeptoren-Dichte nach chronischer Behandlung mit Amphetaminen nachgewiesen durch PET bei nichtmenschlichen Primaten."

Das "National Institute on Drug Abuse" förderte Stamm-Zellenforschung in der Hoffnung, es könne Zellen bereitstellen, die jene durch den Gebrauch von stimulierenden Drogen verkümmerten Zellen ersetzen. Ein Nationales Gesundheits-Institut bemerkt "Vielseitig verwendbare Stammzellen bieten ein potentielles Mittel, Neurone zu ersetzen, die durch Drogen-Mißbrauch zerstört wurden. Kürzliche Studien zeigten, dass Methamphetamine toxische Auswirkungen auf dopaminergische und serotonergische Neurone im Gehirn haben können. Angesichts des verbreiteten Gebrauchs dieser Droge kann dies dramatische Effekte auf das Verhalten, einschließlich Psychose-ähnliche Verhaltensmuster bei manchen Konsumenten erklären." Hartmann erfuhr durch zahlreiche Erwachsene, die über Jahre stimulierende Medikamente bei ADHD einnahmen, Einschränkungen im Kurzzeit-Gedächtnis - was sie mit dem Altern erklärten und darüber spaßten. Hartmann: "Vielleicht ist es kein Spaß. Es ist Zeit für einen Dialog über diese Studien und die besorgniserregenden Fragen daraus, und für uns alle über die erneute Frage, wie wir unsere Schulen verbessern können, so dass weniger Kinder Medikationen benötigen, um Erfolg zu haben."

Quelle
Thom Hartmann

Hubert Geue
1.7.2004

 

Frag´ Dr. van den Haag!
Heute in Dr. van den Haags ADS-Sprechstunde:
Herta Wurst aus Darmstadt

Herta Wurst: Herr Dr. von dem Hack, Sie sind DER anerkannte ADHS-Fachmann in Ozeanien. Was kostets eigentlich, wenn Sie mich braten?
Dr. van den Haag: Pro Frage 50 Euro. Und wie lautet Ihre zweite Frage?
Herta Wurst:
Also, ich leide sehr unter mein Namen. Was kann ich da bloß tun?
Dr. van den Haag: Wie wär´s mit Wilhelmine Wurst?
Herta Wurst: Ich sehe schon, Herr Dr. van Hackfleisch, Sie verstehen die Menschheit! Da leiste ich mir gleich noch mehr Fragen: Meinen Sie, ich leide unter ADHS?
Dr. van den Haag: ADS sollte ja heute jeder haben, es ist einfach in. Ich rate allen Beladenen und Belasteten dieser Welt: Holt euch euer ADHS! Kaptataaaaa...!
Herta Wurst: Wie belieben, Herr Hackepeter?
Dr. van den Haag: Entschuldigen Sie, Frau Brust, ich leide unter Blähungen, und immer, wenn es mir passiert, übertöne ich es einfach mit diesem Ausruf. Trinken Sie auch einen Holundersaft?
Herta Wurst: Das hab ich schon alles durch. Rote Beete, Magnesium, Heinos Haselnusstorte, Akkupunktur, Spargelsud, Morgen-Urin, grüne Algen, diverse Diäten, Glutamat, Biofeedback (schmeckt scheußlich!!): Nix hat was gebracht!
Dr. van den Haag: Ruhig Blut, hahaha, ich hab doch nur gefragt, ob Sie auch ein Glas Holundersaft mögen. Dafür haben Sie jetzt aber die nächste Frage gratis!
Herta Wurst: Oh, danke! Aber was könnte ich jetzt bloß kostenlos fragen...?
Dr. van den Haag: Das war´s. Die nächste Frage kostet wieder!
Herta Wurst: Oh, natürlich! Herr Prof. Hackbraten, kostet es auch was, wenn Sie mich was fragen?
Dr. van den Haag: Nur die Antwort, verehrte Frau Wulst. Wie stellen Sie sich also zum Bleistift eine ideale ADHS-Klinik vor?
Herta Wurst: Oh, eine schöne Frage! Als Erstes müsstes da als Terapie freien Sex geben, nicht nur unter den Pazienten, sondern auch mit den Ärsten, weil ich Ärste nun mal soooo liebe! Und hinterher jeden Tag mein Leibgericht Wiener Schnitzl mit Gurkensalat. Und sontags Singen mit Gotthilf Fischer, oder mit Heino und seiner schwarzbraunen Haselnuss. Und wenn ich mal total daneben bin, muss mich einer im Matschraum mit heißen Pellkartoffeln beschmeißen. Dafür putz ich dann auch die Klinik .
Dr. van den Haag: Sie sind wohl bekloppt?
Herta Wurst: Ist das Ihre Diagnose? Ich dachte, ich hätte bloß ADHS....Mein 35jähriger Sohn hat übrigens auch ADHS und Hochbegabung, von mir hat er das jedenfalls nicht und ich weiß nicht, wie ich da sin Griff kriegen oll.
Dr. van den Haag: Liebe Frau Borscht, ers oll täglich in ADHS-Internetforen lese nun dschreiben. Dadurch lässt seine Intelligenz nach und Sie haben schon ein Problem mit ihm weniger.
Herta Wurst: Oh, wunderbar! Wozu doch diese Foren alles gut sind! Und was mach ich mit mein andren Sohn, der hat auch ADHS und für 250.- Euro telefioniert auf meine Rechnung, obwohl mein Konto schon im minus is zwecks der jetzigen Beratung bei Ihnen, Herr Prof. Dr. Fandin Hackbeil?
Dr. van den Haag: Sagen Sie ihm, er soll mich öfter mal anrufen. Aber, liebe Frau über den Durscht, ich muss nun unsere Beratung beenden, weil mein Sohn gerade im Wohnzimmer...he...er schmeisst Blumentöpfe ins Meißner Porzellan...nein...!!!
Herta Wurst: Hallo Ihr, ich hoff ich kann die Beratungsrechnung beim Dr. Vandensack vielleicht durchs putzen begleichen. Aber ich bitte auch recht herzlich um Spenden ans Café Holunder für eine arme ADSHlerin plus ebensolchen Sohn mit obendreiniger Hochbegabung.

Ulli
3.7.2004

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