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ADS-Bücher: Kritisch Ritalin: Ein folgen- Das Verschwinden der Mädchen von der Oh wie verführerisch Alternative Behandlung Alternative Sichtweisen bei ADS Fundsachen: ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 1 |
Liebe Gäste, Außerdem freue ich mich ganz besonders, ab sofort den Cartoonisten Jacob auf der Startseite begrüßen zu dürfen. Seine Cartoons sind dort wöchentlich neu. Bleiben
Sie uns inzwischen wie bisher gewogen! Hat
mein Kind ADHS? Eltern unruhiger, unaufmerksamer oder besonders lebhafter Kinder hören heute immer öfter Ratschläge wie : "Lass ihn doch mal auf ADHS testen." Oder: "Meiner war auch so, aber seit wir endlich die Diagnose ADHS haben und er Ritalin nimmt, ist es viel besser in der Schule mit ihm geworden." Oder: "Ich kann einen Arzt empfehlen, der bei ADHS kompetent ist und Ritalin verschreibt. Geh doch auch mal zu ihm (aber rasch, denn er hat sehr lange Wartezeiten!)" ADHS, das Kürzel für "Aufmerksamkeits-Defizitstörung mit (oder ohne) Hyperaktivität", ist mittlerweile zur am häufigsten gestellten kinderpsychiatrischen Diagnose geworden. In den USA stieg die Zahl der als angeblich behandlungsbedürftig eingestuften Kinder von 1 Million im Jahr 1990 auf über 10 Millionen Kinder im Jahr 2000. In Deutschland rechnet man derzeit mit bis zu 400 000 angeblich behandlungsbedürftigen Kindern. Kein anderes Medikament verzeichnete denn auch derartige Zuwachsraten wie Methylphenidat (Handelsnamen z.B. Ritalin oder Medikinet). Weltweit nehmen derzeit jeden Tag ca. 10 Millionen Kinder solche auf das meist noch in Entwicklung begriffene Gehirn wirkende Psychopharmaka ein. Was hat es aber bei kritischer Betrachtung mit diesem Phänomen "ADHS" wirklich auf sich? Handelt es sich tatsächlich um eine medizinisch-neuropsychologische Krankheit, um eine genetisch bedingte, vererbbare, ursächlich erziehungsunabhängige und unheilbare Stoffwechselstörung des Gehirns, die mit Psychopharmaka behandelt werden muss, wie es bestürzte Eltern in der Presse und vielerlei wohlfeilen Elternratgebern lesen, wie es in einschlägigen Internetforen behauptet und von angeblich "Betroffenen" und einigen Fachleuten mit Nachdruck verbreitet wird? Was sollten Eltern wissen, wenn sie mit einem solchen "Verdacht auf ADHS" bei ihrem Kind konfrontiert werden? Lassen Sie uns deshalb folgende Fragen in aller Kürze kritisch hinterfragen:
Hier der vollständige Beitrag
Eine Studie von St. Sauver JL u.a. von der Majo-Clinic, USA, hat jetzt zeigen können, dass es zwei Hauptrisiko-Faktoren für ADHS bei einem Kind gibt: Ein Junge zu sein und Eltern mit schlechter Schulbildung zu haben. Eine gute Schul-/Ausbildung der Eltern verringerte das Risiko, später die Diagnose ADHS zu bekommen, schlechte Bildung vergrößerte es, besonders bei Jungen im Vergleich zu Mädchen. Wie passt dies nun zu den Behauptungen, ADHS sei genetisch bedingt und eine organische Hirnfunktionsstörung? Einem gestandenen Biologisten fällt die Antwort natürlich nicht schwer: Geringer Sozialstatus sei selbstverständlich genetisch bedingt und eine Komorbidität von ADHS, wird er sagen. Arme Leute seien genetisch minderwertig und hätten häufiger kranken Nachwuchs. Dass die Mädchen aus der Reihe tanzen liege daran, dass die Forscher die "Träumer" außer acht gelassen hätten. Dass solche Theorien schon mal bei den Nazis schreckliche Wirklichkeit geworden waren: Das habe damit natürlich rein gar nichts zu tun. Dass die Studie die kulturell-psychosoziale Bedingtheit der Diagnose ADHS belegt, könnte man ja eigentlich auch sagen. Aber das würde natürlich alles über den Haufen werfen und darf deshalb nicht sein. Preiser
Was macht man, wenn man als Arzt rein gar keine Zeit für Fortbildung hat, gleichzeitig aber ein Fortbildungszwang besteht, dessen Missachtung zum Zulassungsentzug führen kann? Na, ganz einfach: Erstmal beantwortet man ein paar Fragen am PC und beweist damit, dass man sich irgendwie fortgebildet hat. Außerdem gestaltet man diese wenigen Fragen dermaßen schlicht, dass praktisch keiner durchfällt (wobei sowieso keiner kontrollieren kann, wer die Fragen wirklich beantwortet). Kein Witz: So einfach macht es das Deutsche Ärzteblatt den Ärzten seit Kurzem. Der Arzt erwirbt cme-Punkte im Internet durch das Beantworten von 10 Fragen, nachdem er hoffentlich einen Arikel zum Thema gelesen hat. Zum Thema ADHS liefert Prof. Remschmidt gleich mal einen wirklich tiefschürfenden Einstand. Ein Witz: So sollen sich deutsche Ärzte also in Zukunft fortbilden, so qualifiziert und gründlich, fälschungssicher und vor allem zeitsparend. Wobei die Betonung auf zeitsparend liegt, denn in der gewonnenen Zeit kann der Arzt ja schon wieder mindestens 10 ansonsten unbehandelte ADHS-Kinder retten. Solcherart fortgebildeten Ärzten kann man sich in Zukunft doch wirklich blind anvertrauen, gell. Ist das nicht genial? Wie fröhlich solche Fortbildung Ärzte macht, sehen Sie im obigen Bild. Café Holunder sagt NEIN, setzt sich beim Thema ADHS für wirklich qualifierte Fortbildung unserer Ärzte ein und hat deshalb 5 bessere Testfragen zusammengestellt, die die fundierte ADHS-Kompetenz des Arztes wirklich sicher stellen. Wir haben sie ans Ärzteblatt geschickt, wo man uns eine baldige Übernahme zugesagt hat, weil ihre Beantwortung mehr als 50 Prozent schneller geht als diejenige der Remschmidt-Fragen: Frage 1: Frage 2: Frage 3: Frage 4: Frage 5: Ulli
Kritische Thesen zur psychiatrischen Diagnose AD(H)S Vorgetragen am 12.7.2004 auf einer Sitzung der PsychoSozialenArbeitsgemeinschaft Bielefeld (ein freiwilliger Zusammenschluss von MitarbeiterInnen der Psychosozialen Szene von Psychiatrischen Krankenhäusern über Beratungsstellen bis zu städtischen Ämtern)
Helga Rühling: ADS Hilfen für unruhige Kinder. Rowohlt, Reinbek 2003
Hallo! Seit meine Freundin (übrigens bald meine Frau) das erste Mal etwas intensiver (als mir lieb war) mit ADS konfrontiert wurde, ein ehemaliger Bekannter von mir ist ADSler, hat sie eigentlich nur noch darauf hin gearbeitet ADS auch haben zu "müssen". Einige Symptome / Hinweise darauf waren ja auch vorhanden. Die innere Unruhe, Stimmungsschwankungen, etc... Was mich aber schon sehr verwundert und irritiert hat war die Intensität mit der sie selbst auf ADS "hingearbeitet" hat. Die Zeit und Energie welche sie investiert hat um zu recherchieren, nachzuforschen, sich zu belesen. Was mir aber richtig Sorgen gemacht hat -und immer noch macht-, ist die Tatsache, daß sie gar kein Gegenargument, keinen Hinweis in eine andere Richtung mehr anerkennt. Das ging und geht soweit, daß sie gar nicht mehr akzeptiert das andere auch eine Meinung haben. Ich meine damit nicht das sie die Meinung anderer (auch meine) anerkennen soll, sondern nur das sie registrieren soll, dass es auch andere Meinungen / Einstellungen zu diesem Thema gibt. Egal ob richtig oder falsch. Aber nicht mal das tut sie. War ja auch
alles so einfach zu erklären auf einmal. Wenn sie was
vergessen hat, mal nicht zugehört hat, unkonzentriert
war oder so. "Das ist nun mal bei ADSlern so",
habe ich dann zu hören gekriegt. Obwohl eine
dahingehende Diagnose zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht
stand! Aber zurück. Wie gesagt, Anett hat sehr intensiv
an "ihrer" ADS gearbeitet. Sie hat dann mehrere
Arzttermine bei unterschiedlichsten Ärzten gemacht, wo
ihre "Wunschdiagnose" jedoch nicht bestätigt
wurde. Das war natürlich nicht zufriedenstellend. Also
hat sie sich (heimlich) von eben diesem besagten Erstens kam ich mir vor wie ins 17. Jahrhundert zurückversetzt und zweitens war es natürlich auch ein ganz absoluter Vertrauensbruch. (Deswegen habe ich auch diesem Bekannten, der selbstverständlich immer nur das Beste wollte, auch die Freundschaft unwiderruflich gekündigt.) Auf jeden Fall hat sich Anett danach angeblich besser gefühlt, war nach eigener Aussage "besser drauf". Was ich aber weder bestätigen noch widerlegen kann, da ich sie ja zu diesem Zeitpunkt nicht gesehen habe. Wie gesagt, das wurde ja heimlich getan, während ich auf Montage in Österreich war. Auf jeden Fall war das für sie der letzte und ultimative Beweis für ADS. Anett hat dann, ich weiß nicht wie, in 90 Kilometer Entfernung eine Ärztin ausgemacht, eine angebliche Spezialistin für solche Fälle.(Erst später habe ich erfahren das diese Ärztin selber ADS-Patientin ist und sich von ihrem Bruder, ebenfalls Arzt, behandeln läßt). Dort sind wir zweimal gewesen. Ich habe
sie jedesmal begleitet, wollte und will ja auch wissen
was mit ihr los ist. Beim ersten Arztbesuch galt es einen
Fragebogen auszufüllen (Schon mal Schlüsselbund
vergessen? Schon mal in einen andern Raum gegangen und
dann nicht mehr gewußt warum?), Blutentnahme, röntgen,
fertig. 20 Minuten, Diagnose sehr Danach gab es nur noch eine kurze (telefonische!) Rücksprache, dann kam ein Ritalinrezept mit einem beigefügten Einnahmeplan. Per Post!! Ja, und seitdem nimmt sie nun Ritalin. Nächste Woche Freitag sind die dann alle. Ich bin mal gespannt, ob ich dann irgendein Statement von ihr zu hören kriege wie es weitergeht! Wenn ich sie selber darauf anspreche endet das jedes Mal entweder im Streit oder es wird von vornherein abgeblockt (siehe oben)! Ich bin jetzt ziemlich ratlos und
hilflos. Zumal ich den Eindruck habe, daß es ihr nicht
wirklich besser geht! Im Gegenteil! (Aber vielleicht will
ich das ja auch bloß so sehen, weil ich doch so eine
gänzlich andere Meinung habe!) Manchmal ist Anett
richtig teilnahmslos, fast schom apathisch. Sitzt dann
einfach da, geweitete Pupillen, jede Frage muß ich zwei-
dreimal stellen. Aber selbst dann ist nicht sicher das
ich auch eine Antwort kriege. Ist das eigentlich normal?
Oder mache ich mir hier unbegründete Sorgen? Oder hängt
das Eine mit dem Anderen gar nicht zusammen? Na ja, ich
lasse das jetzt einfach mal so hier im Raum stehen.
Vielleicht sollte ich mir auch mal Ritalin verpassen
lassen um das besser zu verstehen. Habe nämlich letztens
auch meinen Geldbeutel im Auto vergessen. Und im
Supermarkt war ich auch schon und habe nicht alles
mitgebracht! Und Ich merke aber gerade das mein "Alter
Ego" Zynismus durchkommt. Und deshalb mache ich
jetzt wirklich Schluß für heute!
In diesen Tagen haben AJ Bobb u.a. alle über 100 Forschungsstudien der letzten 13 Jahre (1991-2004) zur Genetik der ADHS kritisch gesichtet, darunter 3 genomweite Assoziationsstudien mit 94 Polymorphismen und 33 Kandidatengenen. Sie zitieren zunächst Smalley (1997), der ADHS für eine sehr "komplexe" (?!) Störung mit vielfältiger, aber jeweils schwacher genetischer Beteiligung hält, und fassen dann zusammen, dass es nur für vier Gene einigermaßen gesicherte, aber nur bescheidene Beteiligungen gebe. 36 % aller Studien konnten Zusammenhänge finden, 47 % aber nicht, die restlichen 17 % zeigten nur "Trends", wobei man diese 17 % statistisch nicht gesicherten Studien aus meiner Sicht durchaus zu den erfolglosen 47 % addieren darf. Damit sind dann 64 % aller Genstudien zu ADHS in den letzten 13 Jahren ergebnislos geblieben. Aber auch bei den "positiven" Ergebnissen bestünde nach wie vor das Problem einer nur bescheidenen bzw. vergleichsweise schwachen Beteiligung dieser Gene an "ADHS", betonen die Autoren. Behauptungen einer angeblich gesicherten genetischen Verursachung bzw. Bedingtheit von "ADHS" sollte man nun also endlich nicht mehr verbreiten. Dörte
Wenn Sie unter Migräne leiden, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass Sie auch noch unter anderen Störungen leiden, zum Beispiel unter einer Depression, unter gestörtem Sozialverhalten, Schlafstörungen oder unter Panikattacken. Man spricht dann von Komorbiditäten, also von häufig gemeinsam auftretenden Störungen. Wenn Sie allerdings Fieber haben, haben Sie sicher auch noch andere Störungen, ohne dass man hier von Komorbiditäten spricht. Der Unterschied zwischen beiden Beispielen liegt natürlich darin, dass Migräne als eigenständiger Störungskomplex, Fieber aber nur als zunächst unspezifisches Symptom gilt. Wie die möglichen Beziehungen zwischen Komorbiditäten jeweils sind, weiss man nicht immer genau. Es ergeben sich häufig undurchschaubare, komplizierte Überlappungen unterschiedlicher Störungsbilder, Krankheiten bzw. Syndrome, die differentialdiagnostisch schwer abgrenzbar erscheinen. Es ist möglich, dass gemeinsam auftretende Störungen eine gemeinsame Ursache haben, die man entweder kennt oder nicht. Es kann aber auch sein, dass sie unterschiedliche Ursachen haben, die ihrerseits wieder in Beziehung stehen. Es kann außerdem sein, dass es sich gar nicht um voneinander abgrenzbare, spezifische Krankheiten handelt, sondern nur um Symptome einer gemeinsamen Grunderkrankung. Ob die Panikattacken Folge oder Ursache der Migräne sind oder beides von etwas Drittem (Unbekannten) ausgelöst wird, bleibt offen. Schließlich können gemeinsam auftretende Krankheiten auch in keinerlei Beziehung zueinander stehen, wenn man sich z.B. beim Fußballspielen eine Sehne zerrt und unter Birkenpollenallergie leidet. Wenn es um klassische medizinisch-körperliche Krankheiten geht, ist es schon schwierig genug, Komorbiditäten relativ eindeutig zu erklären. Wenn man eine Virusgrippe hat, sind Fieber, Appetitlosigkeit, Kopfschmerz etc. in der Regel Symptome dieser Erkrankung, aber für sich allein betrachtet keine eigenständigen Krankheiten. Sie sind als Symptome auch bei vielen anderen Krankheiten vorhanden, so dass sie allein keine eindeutige Diagnose der Grunderkrankung erlauben. Es sind unspezifische und mehrdeutige Symptome. Ob sie für Grippe oder Blutkrebs stehen, muss immer gesondert untersucht werden. Wenn es aber um psychiatrische Störungen geht, die sich nicht objektiv "körperlich" diagnostizieren lassen, befindet man sich endgültig in einem ziemlich verwirrenden Spiegelkabinett. Hier kommt es ganz besonders auf die Spezifität einzelner Symptome und Syndrome an. Diese Störungen müssen mindestens ein oder mehrere Kardinalsymptome aufweisen, die spezifisch und nicht vieldeutig sind (z.B. "Stimmen-Hören" oder charakteristische Denkstörungen bei der Schizophrenie). Leider begibt sich die Schulmedizin nicht selten auf den nosologischen Irrweg, irgendein unspezifisches Symptom herauszupicken oder fantasievolles Syndrom zusammenzustellen und zu einer neuen medizinischen Grunderkrankung zu erklären (sozusagen eine Krankheit per definitionem oder durch Abstimmung in einem nicht-repräsentativen Gremium zu erfinden) und danach alle möglichen "komorbiden" Störungen in (ursächlichem) Zusammenhang mit ihr zu sehen. Je unspezifischer die erfundene Grundkrankheit ist, umso mehr "Betroffene" finden sich unter ihrem Label ein und um so mehr Komorbiditäten wird man zu ihr finden, was den scheinbar ernsthaften Charakter der angeblichen Grundkrankheit nur noch zu betonen und die Krankheitserfindung zu rechtfertigen scheint. Das Konstrukt "ADHS" ist ein mittlerweile schon klassisches Beispiel. Hier artet das Ganze inzwischen zu fast lächerlichen Uferlosigkeiten aus, so dass nahezu alles, was ein Mensch an psychischen Problemen haben kann und was sich mehr oder weniger mit den vieldeutigen "ADHS"-Symptomen überlappt, als komorbid zu "ADHS" betrachtet wird: "ADHS" als erfundene bewusst unspezifische Grundkrankheit, und in ihrem Fahrwasser Depressionen, Magersucht, Persönlichkeitsstörungen, Essstörungen, Autismus, Legasthenie, Eheprobleme usw. usw. Dass all diese Störungen eigene Krankheitsbilder mit eigener Lebens- und Psychodynamik, eigener biografischer Entwicklung mit spezifischen Kardinalsymptomen sein könnten, wird schlichtweg ignoriert, weil bei ihnen allen Verhaltensweisen vorkommen, die angeblich spezifisch für "ADHS" seien. Alles kommt undifferenziert in den Sammeltopf "ADHS". Weil sich Methylphenidat immer mehr im Sinne eines Gehirndopings als Universalstimulanz fürs Volk erweist (Stichwort "Cognitive Enhancer"), liegt der Verdacht nahe, dass man zur Verschleierung dieser Realität immer stärker pseudomedizinische Indikationen erfinden wird. Für Betroffene (vor allem für Kinder und Jugendliche) hat das Ganze meist verheerende Folgen. Betroffene äußern sich z.B. bestürzt darüber, ihr autistisches Kind habe nun obendrein auch noch "ADHS", als ob man mit der Diagnose "Autismus" nicht schon genug gestraft wäre. Oder essgestörte junge Frauen haben angeblich als Grundstörung "ADHS", weshalb eine Methylphenidatbehandlung hilfreich sei und die psychodynamische Ursache ihrer Störung keine weitere Beachtung verdiene, usw. Bereits 2001 haben Kaplan BJ u.a. auf die Fragwürdigkeit der Komorbidität bei "ADHS" aufmerksam gemacht. Sie betonen, dass es im letzten Jahrzehnt einen gewaltigen Anstieg der Studien gegeben habe, die eine starke Überschneidung der Symptome/Syndrome bei kindlichen Entwicklungsstörungen aufgezeigt haben und dies mit Komorbiditäten erklärt hätten. Die Autoren kritisieren den Terminus Komorbidität deshalb, weil bei all diesen symptomatischen Überlappungen die Annahme eigenständiger Grunderkrankungen unbegründet sei. Man dürfe psychiatrische Krankheiten nicht als Realitäten begreifen. Bei 179 untersuchten Schulkindern fanden die Autoren, dass die Hälfte der Kinder mit mindestens zwei verschiedenen Diagnosen erfassbar war, besonders die mit "ADHS" diagnostizierten Kinder. Angesichts einer dermaßen großen Diagnoseunsicherheit plädieren die Autoren dafür, das Konstrukt der Komorbidität für unangemessen zu betrachten. Bei "ADHS"
lassen sich die vieldeutigen und unspezifischen
Kardinalsymptome differentialdiagnostisch nicht
zuverlässig nur einer spezifischen und abgrenzbaren
Grundkrankheit "ADHS" zuordnen, weshalb die
Diagnose denn auch "klinisch", d.h. sehr
willkürlich bleiben muss. Und weil "ADHS" als
Grundkrankheit nicht abgrenzbar ist, ist es auch
unmöglich, Komorbiditäten zu definieren. H.-R. Schmidt
Emilia P.: Ich muss mich zunächst entschuldigen, dass ich den letzten Termin nicht einhalten konnte. Aber mein Sohnemann hatte mein Citalopram geschluckt und ich habe deshalb Lexotamil genommen, worauf ich so schwindelig war, dass ich beim nächsten Verkehrskreisel geschlagene 3 Stunden im Kreis gefahren bin, bevor ich meinen Sohn von unserem Dachgiebel herunterholen konnte. Mein Mann konnte auch nicht helfen, weil er gerade seine einsetzende Ritalinwirkung ausnutzen und das wöchentliche Kreuzworträtsel in der Bäckerblume lösen musste. Dr. van den Haag: Na, besser als durchdrehen! Und der Sohn will eben mal hoch hinaus. Wenn ich mein Seroxat nicht nehme, erkenne ich solche Verkehrskreisel erst gar nicht und fahre meist einfach grade drüber weg. Aber was kann ich heute sonst noch für Sie tun, liebe Emily? Emilia P.: Emilia bitte! Also ich vertrage das Melleril nach Neurocil plus Truxal einfach nicht. Meine Angst und Depris sind dann zwar ein bissel besser, aber ich fühle mich so schrecklich tonnenschwer wie ein Elefant, so dass ich gar nicht mehr aus dem Haus gehe, weil ich, wenn mich der Hauswirt sieht, als Elefant gegen meinen Mietvertrag verstoße, wo Haustiere ausdrücklich verboten sind. Dr. van den Haag: Aber meine liebe Othilie! Das bilden Sie sich doch nur ein. Sie sind doch kein Elefant, das wissen Sie doch genau! Emilia P.: Emilia bitte! Ja schon, aber weiß das mein Hauswirt auch? Dr. van den Haag: (Rülps) Haben Sie denn auch Atomoxetin schon mal probiert? Bei mir hilft es jedenfalls hervorragend, ich bin dann immer überzeugt, ein guter Arzt zu sein, harharhar! Emilia P.: Der Name ist mir zu unheimlich, da habe ich es lieber mit Strattera versucht. In Kombination mit Imipramin und Prozac nebst einer Prise Bromaxepan fühle ich mich zwar immer noch als Elefant, kann aber wie Walt Disney´s Dumbo immerhin mit meinen Riesenohren wunderschön fliegen. Aber nach 45 Minuten kriege ich dann dermaßen Höhenangst, dass ich eine Dreifachpackung Praxiten nachschieben muss, um die Ohren halbwegs wieder anlegen und landen zu können. Wenn ich dann gelandet bin, krieg ich aber solche Panikattacken, Schüttelfrost und Rededrang, dass ich 4-5 Seroxat nehme, bevor ich mich mit Baldrian aufs Riesenohr legen muss. Von Schlafen dann aber keinerlei Rede, ich träume dann die schrecklichsten Dinge, wie z.B. dass mein Vater seinen Rüssel nach mir ausstreckt und der Tierarzt mir den Stoßzahn zieht. Dr. van den Haag: Liebe Amalie, wirklich schrecklich, das nimmt mich ja glatt richtig mit, lassen Sie uns mal gleich einige Valium schlucken. Emilia P.: Ich heiße Emilia! Wieso können Sie sich das nicht endlich merken, du alter Sack? Wieso nehme ich eigentlich jahrelang alle möglichen Medikamente und lerne dann doch immer nur solche beknackten Typen wie dich kennen? Wie nennt man diese Krankheit? Elefantose? Dr. van den Haag: Genau, Erika, als alter Sack stehe ich nur noch auf Tolvon mit Prozac, und nach 20 Minuten dann noch Truxal. Das wirkt, sage ich dir. Evelyn, da fühlst du dich wie ein Elefant im Porzellanladen. Genau das Richtige für einen guten Arzt. Hier, greif zu, Trevilor, Ritalin SR, Imipramin, Seroxat, Lexotamil, Prozac, Melleril, Valium, Neurocil, Haribo, Hanuta, BicMac, alles Ärztemuster. Hau alles rein, Ellenor, und du wirst GESUND! (40 Minuten später): Ulli
Kassandra Zeitzeugen
(19) "Innerhalb von 10 Jahren (1992-2002) hat die Verordnung von Methylphenidat in Deutschland eine Steigerung um rund das 20fache erfahren. Daraus kann der Schluss gezogen werden, dass eine entsprechend große Zunahme von Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörungen bei Kindern erfolgt ist oder aber sich (auch) die Behandlungs- und Verordnungsgewohnheiten geändert haben. Es ist bedenklich, daß die enorme Zuwachsrate der Pharmakotherapie des ADHS wenig wahrgenommen, die soziogenen Faktoren in der Pathogenese kaum diskutiert und deshalb Möglichkeiten der Prävention vernachlässigt werden. In diesem Beitrag wird ein integratives pathogenetisches Modell mit besonderer Berücksichtigung beeinflußbarer psychosozialer Faktoren vorgestellt." So der international renommierte Prof. Dr. Hans Georg Schlack, Pädiater und Leiter des Kinderneurologischen Zentrums Bonn, der nach 26 Jahren außerordentlich erfolgreicher und höchst kompetenter Arbeit kürzlich in den Ruhestand verabschiedet wurde. Wir haben seine unkomplizierte, unabhängige, fachlich höchst kompetente und dem Alltag unserer Kinder doch so nahe Arbeit immer sehr geschätzt. Die ganz besondere Betonung psychosozialer Einflüsse bei den Krankheiten und Verhaltensauffälligkeiten von Kindern hat ihn unter den deutschen Ärzten immer sehr positiv herausgehoben. Seine Kritik des therapeutischen Wildwuchses und des unreflektierten Störungssuchens bei Kindern sind von nachhaltiger Bedeutung. Wir danken Herrn Prof. Schlack auch von hier aus für die jahrezehntelange kindgerechte Zusammenarbeit sehr herzlich! Sein Nachfolger wird übrigens Dr. Helmut Hollmann sein, den wir in der Zusammenarbeit mit dem SPZ des Brühler Heinrich-Meng-Instituts bereits fachlich und persönlich sehr schätzen gelernt haben und der nun nach einem Zwischenstopp in Berlin wieder ins Rheinland zu seiner Familie zurückkehrt. Café Holunder
Klaus
Lage hat 1000mal berührt, und 1000mal ist
nichts passiert. Seit Und kein Gast ging mehr so aus dem Café heraus, wie er hineingegangen war. Angeregt, nachdenklich und ermutigt die einen. Beunruhigt, aufgewühlt und wütend die anderen. Und es scheint so, als sollte es noch längere Zeit so bleiben, bis einmal die Geschmäcker für unsere Holundertorte, die Liköre, den Kaffee, die Pistazienpralinen und all die anderen Feinheiten nicht mehr so unterschiedlich sein werden. und es allen gleich gut schmeckt. Aber dann
wird das Café Holunder schließen, denn Einheitsgeschmack
bietet jedes beliebige andere Café auch. Inzwischen
allen Gästen ein entspanntes Weihnachtsfest und einen
glatten Rutsch ins Neue Jahr!
Eine Alltagsbeobachtung im Supermarkt (oder sonstwo): Das Kind im Einkaufswagen erbärmlich und aus voller Seele schreiend, die Mutter mit versteinertem oder krebsrotem Gesicht, vielleicht sogar mit dem Kind schimpfend, es anschreiend oder im Extremfall schlagend . . Die Umgebenden werfen der geplagten Mutter vorwurfsvolle Blicke zu oder machen abfällige Bemerkungen, weil sie sich und ihr Kind offensichtlich nicht unter Kontrolle hat. Zwei Menschen - und zumindest ansatzweise auch die Umgebenden - außer Affektkontrolle. Ein angeblich charakteristisches Merkmal von "ADHS" ist die mangelhafte Selbstkontrolle, besonders diejenige der Affekte und Emotionen und der sog. exekutiven Funktionen. Für den amerikanischen ADHS-Guru R.A. Barkley sind Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsdefizite denn auch nicht die Kernsymptome bei "ADHS", sondern lediglich die Folge der (angeblich frontokortikal und genetisch bedingt) gestörten Impuls- und Selbstkontrolle. Allerdings ist nirgends wissenschaftlich belegt, dass dieser Mangel an Selbstkontrolle angeboren oder genetisch bedingt ist. Im Gegenteil, es gibt immer mehr neuropsychologische Erkenntnisse darüber, dass er umweltbedingt-erziehungsabhängig ist. Was die Psychoanalyse und die Bindungstheorie schon wussten, wird immer mehr von der Neuropsychologie und der Hirnforschung bestätigt: Beziehungen, Bindungen und psychosoziale Lernerfahrungen formen und steuern die Hirnentwicklung von Anfang an sogar schon vorgeburtlich intrauterin. G. Hüthers Hirnforschungen und sein "ADHS"-Modell verdeutlichen dies aufs Trefflichste. Wir haben bereits mehrmals Beiträge zur Frühprävention kindlicher Verhaltensstörungen wie "ADHS" gebracht, z.B. unter Babyflüsterer, Schreibabies, ADHS-Vorbeugung, Das Baby beim Psychoanalytiker. Heute möchte ich ein weiteres originelles Puzzlesteinchen zum Thema Frühprävention vorstellen, nämlich die sogenannte "mütterliche Affektspiegelung". Dieses ursprünglich von Gergely und Watson 1996 entwickelte Konzept beschreibt, wie Erwachsene die Emotionen eines Säuglings oder Kleinkindes im Sinne einer frühen Selbstkontroll-Unterstützung des Kindes beeinflussen können. Solange die Ich-Funktionen, sprich die Selbstkontrolle, beim Kind noch nicht entwickelt sind, muss der Erwachsene (wie gesagt, nicht nur die Mutter!) diese Kontrolle sozusagen vormachen oder stellvertretend übernehmen, damit die Emotionen des Kindes unter Kontrolle kommen und das Kind nicht hemmungslos überschwemmen. Das Konzept beansprucht, den Schlüssel zum Verständnis des Zusammenhangs zwischen frühen Erfahrungen und späterer Anfälligkeit für psychosozialen Stress zu liefern. Konkret wird die Alltagsbeobachtung erfolgreicher Mütter herangezogen. Das sind diejenigen Mütter, die es von Hause aus schaffen, die Erregungen ihres emotional aufgewühlten Kindes zum friedlichen Abklingen zu bringen und das Kind zu trösten, und zwar so: Zunächst ahmt die Mutter die emotionalen Laute des Kindes annähernd nach und klinkt sich damit sozusagen in den emotionalen Zustand des Kindes ein. Dies geschieht natürlich nicht in verhöhnender oder äffisch-demütigender Weise, sondern wirklich ernsthaft mitfühlend. Also ein Ausdruck von Empathie (Affektspiegelung). Gleichzeitig unterscheidet sich aber die mütterliche Emotionsäußerung von derjenigen des Kindes dadurch, dass sie nur eine "Als-ob"-Version liefert. Zum Beispiel übertreibt die Mutter ihren Ausdruck bewusst etwas, oder sie zieht ihn leicht ins Warmherzig-Humorvolle, unterfüttert ihn mit Lautmalereien und Worten. Die Mutter spiegelt also einerseits den kindlichen Affekt, und sie variiert ihn andererseits in Richtung "harmlos", "ist ja nicht so schlimm", "wird ja wieder gut", "Mama ist ganz ruhig". Ausschlaggebend ist: Die Mutter lässt sich von der Emotion des Kindes nicht überwältigen und hinreissen, sondern sie bleibt einfühlsam und gelassen und stellt somit ein Modell für Selbstkontrolle dar, an dem das Kind sich orientieren und in seiner eigenen Selbstkontrolle wachsen kann. Und auch das hilft stark, "ADHS" (und vieles mehr) zu vermeiden. Um auf die eingangs geschilderte Beobachtung im Supermarkt zurück zu kommen: Wie wäre es, wenn die Mutter schon am Eingang vorgeschlagen hätte, dass sie heute mal sagen würde, was sie kaufen will, und das Kind müsse dann den jeweiligen Artikel immer suchen. Mutter fährt dazu das Kind durch die Ladenregale und hilft ein wenig. Spaß total! Zu vertiefen im Buch des
Monats: H.-R. Schmidt |
Jugend- ADS-Disk bke Bundeskonferenz für Erziehungs- |