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Liebe Gäste, Studie der Universität Göttingen
bestätigt:
Nachdem Sie diese Alltagsbeobachtungen, nach denen sich Menschen im Merkmal "Lächeln" unterscheiden lassen, gesammelt haben, teilen Sie die Menschen in unterschiedliche "Lächel-Kategorien" ein, z.B. Normale Lächler, starke Lächler, unpassend Lächelnde, Nicht-Lächler, usw. Und dann fangen Sie an, darüber zu grübeln, was diese Menschen sonst noch tun, wie das miteinander zusammenhängen mag und wie es zu erklären ist. Sie stellen die Theorie auf, dass sozial unangepasstes oder provozierendes Lächeln eine Störung, ja sogar eine medizinische Krankheit sei (PPL: Psychopathologisches Lächeln). Vielleicht haben Sie sogar ein bisher ungenutztes Medikament bereitliegen, das die Gesichtsmuskulatur erschlaffen und unpassendes Lächeln verschwinden lässt. Und nun erforschen Sie in vielen (guten und überwiegend schlechten) Studien alle möglichen und unmöglichen Unterschiede zwischen diesen pathologischen Lächlern und den Normalos, mit und ohne Ihr Medikament. Und wenn Sie Unterschiede finden, glauben Sie, Ihre Theorie, PPL sei eine Störung oder Krankheit, werde dadurch bestätigt. So ähnlich ist man bisher bei "ADHS" vorgegangen, und demselben Trugschluss unterliegt die "ADHS"-Forschung von Anfang an. Aus allgemein verbreiteten Verhaltensunterschieden lassen sich aber nicht ohne Weiteres Schlüsse auf Störungen oder Krankheiten ziehen, schon gar nicht lässt sich die Frage, ob es sich bei PPL oder "ADHS" um spezifische, von anderen Störungen abgrenzbare Störungen oder Krankheiten handelt, damit beantworten. Dass es "ADHS" gibt, lässt sich mit Studien, die Verhaltensunterschiede inklusive ihrer hirnphysiologischen oder biologischen Korrelate messen, allein eben nicht belegen. Aber geglaubt wird das offensichtlich andauernd. Wenn sich Menschen mit "ADHS" von Menschen "ohne" irgendwie unterscheiden, muss es "ADHS" doch geben, so lautet dieser Trugschluss. Diese verquere Logik behauptet, auf die Spitze getrieben, dass Menschen mit krummer Nase minderwertig seien. Und vor solcher Pseudologik sei gewarnt. Ob es "ADHS" als eigenständiges Syndrom oder als eigenständige Krankheit gibt, lässt sich aber nur herausfinden, wenn man Vergleiche mit anderen Störungen oder Krankheiten anstellt. Man muss also "ADHSler" nicht mit Normalos, sondern mit anderen Störungen oder Krankheiten vergleichen (differentielle Validität). Erstaunlicherweise (oder auch nicht) ist das bisher fast gar nicht geschehen. Den offenkundig gewaltigen Überschneidungsgrad mit vielen anderen Störungsbildern betrachtet man lieber als sog. Komorbiditäten, obwohl der Schluss naheläge, dass es sich um ganz unterschiedliche Störungen mit ähnlichem oder gleichem Symptomenbild handeln könnte. Oder dass aus einer bestimmten Symptomatik beliebig viele angeblich unterschiedliche Krankheiten mit allerdings gleicher Symptomatik erfunden werden. Die Unsitte hat inzwischen zu solchen Absurditäten geführt, dass derzeit kaum noch jemand eine LRS, eine feinmotorische Entwicklungsstörung oder eine psychoreaktive Verhaltensstörung allein hat nein, "ADHS" ist als allumfassende Grundstörung (wie nach Art einer kostenlosen Dreingabe) immer mit dabei. "Ohne" geht gar nicht mehr. Eine Mutter drückt dies so aus: "Nicht nur, dass unser Sohn eine Wahrnehmungsstörung hat, jetzt hat er auch noch ADHS! Ein Unglück kommt wirklich selten allein, aber warum gerade bei uns?" Wir haben uns hier über die nicht nur einäugige, sondern zusätzlich kurzsichtige ADHS-Forschung immer schon sehr gewundert und uns z.B. gefragt, ob "ADHS" nicht zumindest teilweise eine Neurose sei. Oder ob es nicht eine Wiederkehr des längst ad acta gelegten MCD-Konstrukts ist. Das Gerede über Komorbiditäten war Thema. Oder welche Forschung denn bisher belegt habe, dass "ADHS" eine eigenständige Störung sei. Umso erfreulicher ist nun das Ergebnis einer aktuellen Studie aus der Kinder- und Jugendlichenpsychiatrie der Universität Göttingen. Banaschewski u.a. stellen fest, dass die bisherige Forschung genau diese Frage, ob es "ADHS" als von anderen unterscheidbare spezifische Störung überhaupt gibt, im Unklaren lasse. Aus ihrer Forschungsübersicht bisheriger Vergleiche von "ADHS" mit anderen neuropsychologischen, neurobiologischen und genetischen Korrelaten ziehen sie den ernüchternden Schluss, dass es bisher keine ADHS-Spezifität gibt. Noch Fragen, Kienzle? Zeitzeugen
(20) HÖR ZU!
Diese Auffälligkeit bei Kindern ist altbekannt. Die kleinen Störenfriede - zumeist Jungen - sind denn auch in bester Gesellschaft etwa mit Mozart und Hermann Hesse, denen ein ähnlich ungezügeltes Verhalten nachgesagt wurde. Vorschnelle Diagnose Häufig, so beklagen Experten, erfolge die Diagnose ADHS zudem im Eilverfahren. Weil Kinderärzte oft wenig Zeit haben, genervte Eltern auf schnelle Lösungen drängen und Kinderpsychiater noch immer Mangelware sind. Weitere Erschwernis bei der Diagnostik: ,,Ob ein Kind nun behandelt werden sollte oder nicht, ist sehr schwer zu klären", sagt Sozialpädagoge Hannes Brandau von der Uni-Kinderklinik in Graz: ,,Die Grenze ist völlig fließend." Auch die Frage, ob der Nachwuchs einfach nur extrem lebhaft ist, laßt sich seriös offenbar kaum beantworten. ,,Es gibt bei diesem psychischen Problem kein krank oder gesund", meint auch der Kölner ADHS-Forscher Döpfner. Denn die Ursachen für das Zappelphilipp-Phänomen liegen noch weitgehend im Dunkeln. Zwar spricht vieles dafür, daß bei der Mehrzahl der Kinder eine genetische Disposition zugrunde liegt. Doch ob und wie stark die Gene zum Ausdruck kommen, hängt wiederum von der Umwelt der Kleinen ab. Daneben steht eine Vielzahl weiterer Risikofaktoren, etwa Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen. ,,Als abwegig gilt mittlerweile die Vorstellung, daß Besonderheiten im Gehirn die Ursache für ADHS sind", sagt der Göttinger Neurobiologe Prof. GeraId Hüther. Bewegung und klare
RegeIn Als noch erfolgreicher erwiesen sich sogar psychologische Hilfen für Eltern und Lehrer. Denn die kleinen Nervensägen provozieren häufig geradezu Erziehungsfehler klare Regeln indes mildem die Probleme ab. Ebenfalls nützlich: Musik-, Kunst- oder Ergotherapien. Da die unruhigen Kinder meist auch motorische Defizite haben, gilt inzwischen Bewegung als wichtige Maßnahme, etwa in speziellen psychomotorischen Spiel-oder Sportgruppen. Erst wenn all dies nicht hilft, ist der Einsatz von Medikamenten sinnvoll. Sie verbessern in schweren Fällen denn auch die Chance, daß begleitende Hilfsangebote überhaupt greifen können. Pillen allein sind aber keine probate Lösung. Denn zum einen haben Medikamente wie ,,Ritalin" oder das jüngst zugelassene ,,Strattera" auch Nebenwirkungen - von Kopfweh bis zum Leberschaden. ,,Zum anderen lernt das Kind, daß es nur gemocht und zu Geburtstagen eingeladen wird, wenn es Tabletten nimmt", sagt Helmut Bonney. Stattdessen aber sollte es lernen und erleben, "dass es seine chaotischen Impulse selbst steuern kann und sobald wie möglich auch ohne Arzneien auskommt." Tipps für Eltern Meiden Sie besser Ärzte und Selbsthilfegruppen, die eine schnelle oder gar alleinige Verordnung von Medikamenten propagieren. Quelle: HÖRZU 17/2005, S. 118 ff. Mfg, Dörte
"Viele Schulmediziner
akzeptieren ADHS mittlerweile als Krankheit. Andere
Fachleute bezweifeln dagegen, dass alle ADHS-Kinder unter
der gleichen Störung leiden. ADHS ist keine
Krankheit, sondern eine Art Sammeltopf für ganz
unterschiedliche Verhaltensstörungen, meint
beispielsweise Hans-Reinhard Schmidt, Psychologe in
Bornheim bei Bonn. Seiner Erfahrung nach diagnostizieren
Ärzte ADHS häufig bei Kindern, die eigentlich unter
anderen Problemen leiden. Ein Teil hat
Entwicklungsverzögerungen oder Wahrnehmungsstörungen,
zum Beispiel Legasthenie, Dyskalkulie, Probleme mit dem
Gehör oder dem Gesichtssinn oder psychomotorische
Störungen. Die andere Gruppe ADHS-Kinder sind meist
klassisch verhaltensgestörte Kinder, die zum Beispiel
unter Erziehungsfehlern oder seelischer Vernachlässigung
leiden. Und natürlich gibt es Kinder, auf die beides
zutrifft. Werner
Prof. Dr.
mult. Jug Ear (Bild) von der Huge-Spoon-University,
California (USA) hatte eine wissenschaftliche Inspiration,
als ihm kürzlich ein ernsthaft an ADHS erkrankter
kleiner Junge auf die exploratorische Frage, ob er schon
mal Probleme mit den Ohren gehabt habe, antwortete:
"Ja Doc, jedesmal, wenn ich den Pullover überziehe!"
Als Jug näher nachschaute, bemerkte er, dass der Junge
abstehende Ohren hatte. Ulli Internationaler
"Kongress überAktive Kinder" ADHS ein
Konstrukt? 24.-26.
Juni 2005 in Salzburg Das Kongressprogramm ist sehr breit gefächert - Referenten aus der systemischen Familientherapie beleuchten das Milieu und die familiären Hintergründe (Für wen zappelt Philipp?). Psychologen,
Ärzte und Pädagogen (Dr. Prekop, Dr. Leibovici-Mühlberger,
Dr. Becker und Dr. Kaschnitz) befassen sich mit
seelischen Hintergründen und Therapiemöglichkeiten aus
schulmedizinischer und ganzheitlicher Sicht. Die Brücke zur Schule schlägt Günter Schricker, der seit 30 Jahre als Lehrer in der Schulverwaltung, Lehrerbildung und Supervision tätig ist. Besonders
haben wir uns über die Zusage von Univ.Prof.Dr. Gerald
Hüther aus Göttingen gefreut, der neurobiologische
Grundlagenforschung betreibt und Einflüsse
psychosozialer Faktoren und psychopharmakologischer
Behandlungen auf die Hirnentwicklung untersucht.
Dass D-Amphetamin (Dexedrin) den Zigarettenkonsum erhöht, ist bereits bekannt. Aber obwohl Methylphenidat (z.B. Ritalin®) zu den meistverschriebenen Substanzen bei ADHS zählt und allgemein sehr ähnliche Wirkungen wie Dexedrin zeigt, ist sein Zusammenhang mit dem Zigarettenkonsum bisher erstaunlicherweeise nicht genau erforscht (obwohl ADHSler ja von Hause aus sowieso schon mehr rauchen). Rush, Chr. u.a. konnten nun in einer neuen Studie bestätigen, dass auch Methylphenidat bei gesunden Personen den Zigarettenkonsum eindeutig erhöht. Nachdem die Versuchspersonen (Raucher ohne ADHS, die nicht den Wunsch hatten, mit Rauchen aufzuhören) im halbblinden Versuch MPH bzw. ein Placebo bekommen hatten, rauchten sie als Folge der MPH-Gabe und in linearer Abhängigkeit von der Dosis die nächsten 4 Stunden mehr Zigaretten gieriger als sonst, aßen weniger und nahmen weniger Kalorien zu sich. Wie das die üblichen Ritalin-Propagandisten mit ihrer Behauptung vereinbaren, es verhalte sich alles in Wirklichkeit genau umgekehrt - MPH wäre nicht suchtfördernd, ja geradezu suchteindämmend - würde ich gerne mal wissen. Gerd B.
Was die Nebenwirkungen der Amphetamine und ihrer Derivate betrifft, weiß man ja immer noch viel zu wenig im Verhältnis zu ihrer massenhaften und unkritischen Anwendung bei Kindern und immer mehr Erwachsenen. Mechan-Mayne u.a. haben nun in einer neuen Studie mit Menschenaffen gezeigt, dass eine Amphetaminbehandlung, wie sie ähnlich auch bei Erwachsenen mit ADHS angewendet wird, die dopaminergen Nervenendigungen im Striatum zerstört. Ausserdem hatte die Amphetaminkonzentration im Plasma, die bei den Primaten nervenschädigend wirkte, eine Höhe, wie sie andernorts auch bei mit Amphetaminen behandelten ADHS-Kindern berichtet wird. Es sind also dringend weitere Forschungen nötig, um die Neurotoxizität einer Amphetaminbehandlung bei Erwachsenen und Kindern genauer zu prüfen. Preiser Siehe auch: Ritalin verändert das Gehirn
Schweizer
Forscher um Heiner Frei konnten in einer neuen methodisch
anspruchsvollen Studie (doppelblind, placebokontrolliert,
Kontrollgruppe) die Wirksamkeit einer homöopathischen
Behandlung mit Verum bei 62 mit "ADHS"
diagnostizierten Kindern belegen. Kinder und ihre Eltern
wurden nicht nur zu verschiedenen
Untersuchungszeitpunkten, sondern auch zur Untersuchung
der Langzeiteffekte nach Abschluss der Studie mit
Fragebogen (Conner´s Global Index CGI) sowie mit
neuropsychologischen Tests untersucht. Die Diagnosen
waren gemäß den DSM IV-Forschungskriterien getroffen
worden. Die Kinder wurden in zwei Gruppen unterteilt und
kreuzweise abwechselnd jeweils 6 Wochen lang
homöopathisch oder mit Placebo behandelt. Es zeigten
sich signifikante und anhaltende Verbesserungen der
homöopathisch behandelten Kinder im Verhalten und in
Wahrnehmungsbereichen im Vergleich zu Placebo. Literatur: Heiner Frei
u.a.: Homeopathic treatment of children with attention
deficit hyperactivity disorder: a randomised, double
blind, placebo controlled crossover trial. European
Journal of Pediatrics 27.7.2005, Springer-Verlag.
Ulli
Eine neue englisch-schweizerische
Metaanalyse der Wirkung der Homöopathie, die in der
renommierten Wissenschaftszeitschrift Lancet
nachzulesen ist, fährt schweres Geschütz auf:
Homöopathie sei nicht wirkungsvoller als Placebo,
folgern die Wissenschaftler aus ihrer Analyse von 110
bisher einschlägigen Studien. Professor Egger aus dem
Forscherteam erklärt: "Unsere Studie demonstriert
deutlich den Zusammenhang und die kumulativen Effekte
verschiedener Quellen der Voreingenommenheit. Wir geben
zu, dass es unmöglich ist, das Ausbleiben eines Effekts
zu beweisen, doch wir konnten zeigen, dass die Wirkungen,
die in placebokontrollierten Studien zur Homöopathie
gefunden wurden, mit der Placebo-Hypothese vereinbar sind.
ZEITZEUGEN (21) Trauer um Simon Wiesenthal
Mit seiner Arbeit hat Wiesenthal dazu beigetragen, mehr als 1.100 Nazi-Kriegsverbrecher vor Gericht zu bringen. Sein größter Fang war der "Endlöser" Adolf Eichmann, der den Massenmord an den Juden organisiert hat. Eichmann wurde 1961 in Argentinien aufgespürt und dann in Israel zum Tode verurteilt. Daneben waren der 1963 in Wien ausfindig gemachte Karl Silberbauer, der die seinerzeit 14-jährige Anne Frank in Amsterdam verhaftet hatte, 1967 die Aufspürung des KZ-Kommandanten von Treblinka, Franz Stangl, und 1987 die Festnahme des ehemaligen Ghetto-Kommandanten von Przemysl, Josef Schwammberger, in Südamerika, die spektakulärsten von Wiesenthal aufgedeckten Fälle. Bei all dem stand das Motto, "Recht, nicht Rache" im Mittelpunkt des Wirkens von Wiesenthal - unter diesem Titel hat er 1988 auch seine Lebenserinnerungen veröffentlicht. Sein wohl wichtigstes Vermächtnis ist das 1977 in Los Angeles gegründete Simon Wiesenthal Center mit zahlreichen Außenstellen, das sich nicht nur mit der Verfolgung von Nazi-Kriegsverbrechern beschäftigt, sondern auch an den Holocaust erinnert und gesellschaftliche Probleme wie Rassismus, Antisemitismus und Terrorismus bekämpft. Der Leiter des Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem, Zuroff, kündigte an: "Wir setzen den Kampf mit derselben Entschlossenheit fort, getreu seinem spirituellen Testament." Auch das umfangreiche Archiv Wiesenthals über den Holocaust soll weiter genutzt werden. Verschiedene Organisationen wollen ein "Wiener Wiesenthal Institut für Holocaust-Studien" errichten. Café Holunder trauert um Simon Wiesenthal. Sein Leid, seine Humanität und sein Wunsch nach Gerechtigkeit treiben uns um. Unsere Kinder und Kindeskinder sollen es weitertragen. Es gibt keine Wahrheit ohne Gerechtigkeit. Ein warmherziger, imposanter und meistgehasster Österreicher bleibt in unseren Herzen. Café
Holunder |
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