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ADS:
Gibt´s das wirklich?
ADS-Bücher:
Kritisch
betrachtet
Ritalin:
Ein folgen-
schwerer
Irrtum
Aus der
Sicht unserer
Kinder
Das
Verschwinden der Mädchen
von der
Bildfläche
Gibt es ein
Bisschen ADS?
Exklusiv:
Die HÜTHER-Studie
Das Anlage-Umwelt-
Problem
Oh wie
verführerisch
ist doch
das ADS!
Alternativen
bei ADS
Fragiles X-Syndrom
Alternative
Behandlung
bei ADD
Familie und
ADS
Alternative
Sichtweisen bei ADS
Fundsachen:
ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 1
Fundsachen:
ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 2
Quellensammlung
Böse Witze
Jacob Cartoons
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Liebe
Gäste,
machen Sie
es sich bitte wieder bequem, genießen Sie einen Kaffee,
einen Espresso oder was immer Sie mögen, und studieren
Sie weiter sorgfältig die neuen kritischen Beiträge zum
Thema "ADHS". Wir beginnen unsere 35. Seite mit
einer bemerkenswerten Studie von Lydia Furman, Cleveland,
Ohio, USA, in der das Wesentliche zum gegenwärtigen
wissenschaftlichen Stand zu "ADHS"
zusammengefasst wird. Wir finden, diese Studie sagt
Entscheidendes aus und grenzt sich deutlich ab vom
populären, wohlgefälligen schulmedizinischen
Einheitssermon der unkritischen und oftmals
unwissenschaftlichen Veröffentlichungen zu "ADHS".
Wer von Ihnen sich wirklich umfassend über "ADHS"
informieren will, darf an dieser Studie nicht achtlos
vorübergehen. Wir sind gespannt darauf, ob und wie dies
von den ADHS-Selbsthilfeorganisationen aufgenommen wird,
von den medizinischen Schulorganisationen ganz zu
schweigen. Unsere Prognose: sie werden es wieder einmal
ganz einfach ignorieren. Aber Sie, lieber nachdenklicher
Gast, doch hoffentlich nicht!
Dipl.-Psych.
H.-R. Schmidt
September 2008
Lydia Furman:
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS):
Bestätigen neue Forschungen die alten Konzepte?
Ziel dieser Studie ist es, die
Begründungen zu prüfen, die dafür oder dagegen
sprechen, ADHS als eine gültige Störungseinheit gemäß
dem DSM IV (Diagnostisches Statistisches Manual, 4.
Ausgabe) zu klassifizieren. Hierzu wurden Studien
ausgewertet, wie sie auf PubMed veröffentlicht werden,
wobei sich die Auswahl auf von Fachleuten überprüfte
Studien, zusammenfassende Studien, Konsenserklärungen,
"White Papers" und Ergebnisse professioneller
Tagungen konzentrierte. Dabei wurden Daten zu
Forschungsergebnissen und der wissenschaftlichen
Gültigkeit ihrer Aussagen gesammelt .
Wir fanden, dass die
Forschungsergebnisse zur genetischen oder
neuroanatomischen Ursache für ADHS ungenügend sind.
Untersuchungen zeigen, dass Defizite der
Exekutivfunktionen ADHS nicht erklären können. Die
psychometrischen Eigenschaften der weithin verwendeten
Ratingskalen genügen nicht den Standards, die zur
Messung einer Störung erfüllt sein müssen.
Schlussfolgerungen: Es ist
unwahrscheinlich, dass eine eigenständige Störung ADHS
existiert. Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und
Impulsivität sind Symptome vieler verschiedener
behandelbarer medizinischer, emotionaler und
psychosozialer Einflüsse, die Kinder betreffen können.
Furman L.M.
Division of General Academic Pediatrics, Rainbow Babies
and Children's Hospital, Cleveland, Ohio 44106, USA>
Attention-deficit hyperactivity disorder (ADHD): does new
research support old concepts?
J Child Neurol.2008 Jul;23(7):775-84
ADHS im Internet: Was taugt das?
Café
Holunder macht den Test
In der bunten
Internetvielfalt tummeln sich eine Menge Seiten von Laien
und/oder Organisationen und (immer noch einigen) Foren
zum Thema ADHS. Café
Holunder kennt sie alle und hat sie geprüft. Wir
starten hier eine Testreihe, in der wir solche Seiten
wissenschaftlich und qualitativ unter die Lupe nehmen.
Wir prüfen die
Seiten nach 3 qualitativen Hauptkriterien:
- Wird die Seite von
Laien oder Fachleuten gemacht (laut Impressum)?
Wenn von Laien: Wie wirken Fachleute mit?
- Welche Auffassung
von ADHS wird wie vertreten?
- Wie "lebt"
die Webseite?
Erläuterungen:
Grundsätzlich setzen wir voraus: Es gibt keinen
wissenschaftlichen Nachweis dafür, dass "ADHS"
als eigenständiges Krankheitsbild existiert. Dass ADHS
genetisch verursacht, vererbbar oder unheilbar sei, ist
wissenschaftlich nicht belegt, ebenso, wie Methylphenidat
("Ritalin") genau wirkt und welche
Langzeitwirkungen es auf das in Entwicklung begriffene
kindliche Gehirn hat (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9).
Zu 1:
Als Fachleute stufen wir alle Absolventen einschlägiger
Hochschulabschlüsse ein (Mediziner, Psychologen,
Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Heilpädagogen, aber
auch spezialisierte Heilpraktikter u. vergl.), die in der
Forschung oder therapeutisch mit Kindern und/oder
Erwachsenen tätig sind. Andere sind Laien, wobei wir zu
prüfen versuchen, inwieweit die Fachleute oder Laien im
Einzelfall wirklich in einem umfassenden Sinne kompetent
für ADHS sind. Nicht selten sind hier Laien zwar
belesener, aber nicht unbedingt kompetenter als Fachleute.
Wir schätzen die allgemeine fachliche Kompetenz der
Seite ein.
Die jeweils begründete Einschätzung ergibt folgende
Punkte:
Ungenügend: 0 Punkte
Ausreichend: 1 Punkt
Gut: 2 Punkte
Zu 2:
Dies ist unser Hauptkriterium. Wir prüfen hier,
ob und wie ADHS als eigenständiges medizinisches
Krankheitsbild vertreten und als genetisch bedingte,
vererbbare, unheilbare Hirnfunktionsstörung propagiert
wird. Oder ob auch andere Auffassungen gewürdigt werden,
vor allem solche, die verursachende milieubedingte
Einflüsse sowie die psychosoziale kindliche Entwicklung
und die Neuroplastizität des in Entwicklung begriffenen
kindlichen Gehirns berücksichtigen. Es wird geprüft,
inwieweit der Einsatz von Psychopharmaka ("Ritalin")
als erstrangig oder nachrangig zu anderen Therapien
propagiert wird.
Die jeweils begründete Einschätzung ergibt folgende
Punkte:
Ungenügend: 0 Punkte
Ausreichend: 3 Punkte
Gut: 6 Punkte
Zu 3:
Hier schätzen wir ein, wie die Seite ansonsten
so "rüberkommt", also so etwas wie die
Anmutung oder das Ambiente. Wie ist die Seitengestaltung
und Handhabung? Wie aktuell ist das Forum oder das
Gästebuch? Welcher Umgangsstil herrscht? Wie vielfältig
sind Links auf andere Seiten? Verfolgt die Seite Werbe-
und/oder kommerzielle Zwecke? Wird die Seite von der
Pharmaindustrie gesponsert?
Die jeweils begründete Einschätzung ergibt folgende
Punkte:
Ungenügend: 0 Punkte
Ausreichend: 1 Punkt
Gut: 2 Punkte
Die Gesamtbewertung kann demnach zwischen 0 und 10
Punkten variieren:
Ungenügend:
0 - 2 Punkte: Mangelhafte, einseitige und dem
wissenschaftlichen Stand zu ADHS nicht entsprechende,
leblose Webseite zu ADHS
Mangelhaft:
3 - 5 Punkte: Dem wissenschaftlichen Stand zu ADHS
zweifelhaft entsprechende Webseite, die alternative
Auffassungen berücksichtigt
Befriedigend
4 - 7 Punkte: Dem wissenschaftlichen Stand zu ADHS
nahekommende, lebhafte Seite, die alternative Sichtweisen
deutlich berücksichtigt
Empfehlenswert
8 - 10 Punkte: Dem wissenschaftlichen Stand zu ADHS
entsprechende, kritische und lebhafte Seite.
In Kürze lesen Sie hier den
ersten Test!
_____________________
1) Furman, L.M. Attention-deficit hyperactivity
disorder (ADHD): does new research support old concepts?
Division of General Academic Pediatrics, Rainbow Babies
and Children's Hospital, Cleveland, Ohio 44106, USA>
J Child Neurol.2008 Jul;23(7):775-84
2) Wallis
D, Russell HF, Muenke M. Genetics
of Attention Deficit/Hyperactivity Disorder. Texas
Institute for Genomic Medicine, Medical Genetics Branch,
National Human Genome Research Institute, National
Institutes of Health, and Shriners Hospitals for Children-Philadelphia:
J Pediatr Psychol. 2008 Jun 3
3) Riedesser, P.: Einige Argumente zur ADHS-Kontroverse
in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. In: Marianne
Leuzinger-Bohleber/Yvonne Brandl/Gerald Hüther (Hrsg.):
ADHS Frühprävention statt Medikalisierung.
Theorie, Forschung, Kontroversen. Verlag Vandenhoeck
& Ruprecht, 2006, S. 111 ff.
4) Furman
L. What is attention-deficit
hyperactivity disorder (ADHD)? Department of Pediatrics,
Case Western Reserve University School of Medicine,
Rainbow Babies and Children's Hospital, Cleveland, OH
44106, USA. J
Child Neurol2005 Dec;20(12):994-1002.
5) Banaschewski
T, Hollis C, Oosterlaan J, Roeyers H, Rubia K, Willcutt E,
Taylor E. Towards an understanding of unique and
shared pathways in the psychopathophysiology of ADHD.
Child and Adolescent Psychiatry, University of Göttingen,
von-Siebold-Str. 5, D-37075 Göttingen, Germany. Dev Sci.2005
Mar;8(2):132-40.
6) Moll GH, Hause S, Rüther E, Rothenberger A,
Huether G. Early methylphenidate administration to young
rats causes a persistent reduction in the density of
striatal dopamine transporters. Department of Child and
Adolescent Psychiatry, University of Göttingen, Germany.
J Child Adolesc Psychopharmacol.2001 Spring;11(1):15-24.
7) Brandon
CL, Steiner H.: Repeated
methylphenidate treatment in adolescent rats alters gene
regulation in the striatum.
Eur J Neurosci. 2003 Sep;18(6):1584-92
8) Bolanos
CA, Barrot M, Berton O,
Wallace-Black D, Nestler EJ.: Methylphenidate treatment
during pre- and periadolescence alters behavioral
responses to emotional stimuli at adulthood. Biol
Psychiatry. 2003 Dec 15;54(12):1317-29.
9) Gatley SJ, Volkow ND,
Gifford AN, Fowler JS, Dewey SL, Ding YS, Logan J.
Dopamine-transporter occupancy after intravenous doses of
cocaine and methylphenidate in mice and humans. Medical
Department, Brookhaven National Laboratory, Upton, NY
11973, USA Psychopharmacology (Berl) 1999 Sep 1;146(1):93-100.
Bundespsychotherapeutenkammer:
ADHS-Medikamente
viel zu oft verschrieben
Fast jedes zweite "ADHS-Kind"
bekommt ausschließlich Psychopharmaka ohne
Psychotherapie. Die diagnostischen und therapeutischen
Leitlinien werden oft nicht eingehalten:
Aerzteblatt
ADHS
im Internet: Was taugt das?
Café
Holunder macht den Test

Das
Forum mit dem blinden Fleck
Zur Orientierung:
Das umfangreiche ADHS-Forum ADS/Hyperaktivitaet gehört
zu den ältesten im Intenet. Es hat bisher allerlei
Anfeindungen wacker überlebt, obwohl es schon einige
sehr heftige Gewitterstürme gegeben hat. Das letzte
dieser Zerwürfnisse führte zum Auszug eines harten
Kerns von Forumsmitgliedern im Gefolge von Sabine Hinky,
die sich mit der Forumseignerin Dagmar Dietz überworfen
hatte (Sabine Hinky`s hierfür extra gegründetes
Ersatzforum Hasenwiese hat inzwischen schon
wieder das Zeitliche gesegnet, ihr absonderliches Forum drugstore,
das sie extra als Kritik zum Café Holunder
aufgemacht hatte, ebenfalls). Also ziemlich viel nutzlose
Hyperaktivitaet!
Testkriterien siehe weiter oben auf dieser Seite.
1. Wird die
Seite von Laien oder Fachleuten gemacht (laut Impressum)?
Wenn von Laien: Wie wirken Fachleute mit?
Die umfangreiche Webseite scheint
kein offizielles Impressum zu haben. Vielleicht ist es
irgendwo in den Forumstiefen versteckt, wir haben
jedenfalls keines gefunden. Ein Impressum muss aber
leicht zu finden sein. Wir fanden nur den Hinweis, dass
die Seite von einer Frankfurter ADHS-Selbsthilfegruppe
gestaltet werde, nebst einer E-Mail-Adresse.
Forumseignerin scheint eine Lehrerin namens Dagmar Dietz
zu sein, die man aber erst etwas näher genießen lernt,
wenn man ausführlich auf der Seite stöbert. Sie kennt
sich offensichtlich in der gegenwärtigen
schulmedizinischen ADHS-Lesart ganz gut aus, vertritt
aber nirgendwo wissenschaftlich wirklich anerkannte
Positionen. Auch sonst ist nicht ersichtlich, ob oder wie
Fachleute verantwortlich mitwirken. Wir stufen die Seite
deshalb als von Laien gemacht und betrieben ein, ohne
erkenntliche fachliche Unterstützung oder Mitwirkung.
Das verwundert unter dem Strich auch nicht, nennt sich
die gesamte Seite doch "Selbsthilfegruppe".
Aber auch eine solche auf dem Selbsthilfegedanken
aufbauende Internetseite darf aus unserer Sicht nicht auf
die qualifizierende Mitwirkung von Fachleuten verzichten.
Dazu ist das Thema zu ernst. Ausschließlich die
subjektive Meinung von "Betroffenen" zu
verbreiten und als wissenschaftlichen Standard
darzustellen ist hier völlig ungenügend.
Bewertung: 0 Punkte
2. Welche Auffassung von ADHS
wird wie vertreten?
Hier sind offensichtlich ausschliesslich
Ansichten erlaubt, die ADHS als genetisch verursachte,
vererbbare und unheilbare Hirnstoffwechselstörung
predigen. Davon abweichende Meinungen werden konsequent
ausgemerzt. Erzieherische, psychologische oder
psychosoziale Ursachen von ADHS werden konsequent
verleugnet, obwohl dem unvoreingenommenen Leser in sehr
vielen Postings selbige nur so um die Ohren fliegen. In
vielen der sehr persönlich gehaltenen Postings liest man
von derartig krassen, chronischen Erziehungsfehlern und
psychischen Störungen auf der Seite der Eltern, dass es
einen ganz ratlos macht, mit welcher Borniertheit genau
diese Störungen als unerheblich für eine ADHS-Ursache
behauptet werden. Da helfen auch nicht einige Aufsätze,
die einen wissenschaftlichen Unterbau liefern sollen,
sind sie denn ganz einseitig ausgewählt und inhaltlich
von einer derartigen fehlerhaften Schwarz-Weiss-Malerei,
dass es nur ratloses Kopfschütteln auslösen kann (z.B.
die fettgeschriebene Unterstellung, eine systemische
Familientherapie würde Umweltfaktoren ausblenden). Es
verwundert denn auch nicht, wenn Psychostimulanzien
permanent als erstrangige, ausschließliche "Therapie"
propagiert werden, ganz entgegen den ärztlichen
Leitlinien. Teils erschreckend beschriebene
Nebenwirkungen der Medikamentierung werden als angebliche
Falschdosierungen verharmlost. Das vertretene Fachwissen
wirkt wie aus einschlägiger populärwissenschaftlicher
Literatur angelesen. Überhaupt geht es meistens nur
darum, das Kind medikamentös "richtig einzustellen",
wobei schon allein diese Wortwahl die mechanistisch-biologistische
Einstellung zum eigenen Kind entlarvt. Den Gipfel der
einseitig-laienhaften ADHS-Darstellung liefert der
übergeordnete Warnhinweis, dass eine Diskussion über
die "Existenz" (?) von ADHS nicht erwünscht
sei, denn ADHS sei längst erwiesen. Basta!
Bewertung: 0 Punkte
3. Wie "lebt" die
Webseite?
Die Seite wird vergleichsweise gut besucht und
wirkt von der Besucherseite her aktuell. Von der
orthodoxen ADHS-Ansicht abweichende, kritischere Postings
werden gelöscht. Kommerzielle Ziele werden nicht
vorrangig verfolgt, es handelt sich um ein vorwiegend als
Selbsthilfegruppe im Rahmen des Bundesverbandes BV-AH e.V.
gemachtes Angebot. Sponsoring von Seiten der
Pharmaindustrie gibt es nicht, obwohl auch Pharmawerbung
eingeblendet wird. Die Forumseignerin propagiert zwar das
Buch ihres eigenen Sohnes, was man aber nicht im
kommerziellen, sondern eher in einem psychologischen
Sinne verstehen kann. Beim gründlichen Lesen kommt der
Verdacht auf, dass die Forumseignerin ihr ganz
persönliches familiäres Erfahrungsfeld mithilfe des
Konstrukts ADHS rechtfertigt und verallgemeinert Ihre
eigenen Postings stimmen oft sehr nachdenklich, wenn sie
z.B. mitteilt, dass es rückblickend vielleicht besser
gewesen wäre, ihren eigenen Sohn in die Psychiatrie
einzuweisen, damit er nicht so hätte ausweichen können.
ADHS , oder autoritäre Erziehung?
Die Gäste dieses Forums werden in einseitiger,
biologistisch-mechanischer Weise über ADHS belehrt.
Kritik daran ist verboten. Psychopharmaka sind stets
erste und unkritische Wahl. Bei Erziehungsproblemen und
möglichen psychischen Ursachen für ADHS beim Kind oder
den Eltern wird Eltern (und damit den Kindern) nicht
geholfen.
Bewertung: 1 Punkt
Gesamtbewertung: 1
von maximal 10 Punkten.
Diese ADHS-Webseite ist eine mangelhafte, fachlich
einseitige und dem wissenschaftlichen Stand zu ADHS nicht
entsprechende Webseite. Eltern ist von diesem Forum
abzuraten, weil es entgegen den aerztlichen Leitlinien
Psychopharmaka vorrangig propagiert, psychosoziale
Ursachen für ADHS ignoriert und psychotherapeutische
Hilfen als nachrangig geringschätzt. In dieser Hinsicht
leidet dieses Forum unter einem starken blinden Fleck.
Aus einem Du wird
ein Es
Matthias Wenke, der
im Café Holunder u.a. durch seine "Entdeckung"
der Tränendrüsen-Sekretions-Dysfunktion (TDSD) bekannt ist, hat auf dem 6.
ADHS-Kongress in Schwerin einen Eröffnungsvortrag
gehalten, der sehr eindrucksvoll herausarbeitet, wie bei
"ADHS" aus einer empathischen, sinnhaft-verstehenden
Beziehungsaufnahme eine "objektivierende",
distanzierende, klinische Sicht wird, die kindliches
Verhalten als fremd und rätselhaft erscheinen lässt.
Ritalin erscheint dann folgerichtig als scheinbare
Rätsellösung.
Lesen Sie den Vortrag hier
Psychostimulanzien meist
überflüssig
Unaufmerksame, hyperaktive und
impulsive Kinder teilen sich weniger über Worte als
über ihr Verhalten anderen Menschen mit. Deshalb bleiben
ihre Botschaften oft unerhört und rufen bei anderen
Unverständnis und Hilflosigkeit hervor. Das Buch
eröffnet über beziehungs- und familiendynamische
Kenntnisse einen Zugang zur Innenwelt der Kinder mit ADHS.
Zehn detaillierte Fallgeschichten beschreiben die
bedürfnisangepasste, familientherapeutische
Behandlungsarbeit. Anhand einer Studie an 93 nach diesem
Modell behandelten Kindern wird gezeigt, dass eine
medikamentöse Therapie mit Psychostimulanzien in der
Regel überflüssig ist. Das Behandlungskonzept wird
zudem ausführlich in einem praktischen Teil begründet.
Das Buch wendet sich an alle Berufsgruppen, die mit
Kindern und Jugendlichen zu tun haben: Therapeuten,
Psychologen, Lehrer, Erzieher und andere in sozialen
Berufen Beschäftigte. Auch interessierten Laien sowie
betroffenen Eltern oder Jugendlichen ist diese Lektüre
zu empfehlen.
Mit Beiträgen von Terje Neraal, Elke Rosenstock-Heinz,
Anna Maria Sant Unione, Anne Sparenborg-Nolte, Helmut
Wagner und Matthias Wildermuth
Psychosozial
Francois Golon
ADHS: Die
Dopamin-Theorie ist überholt
Trotz tausender Forschungsstudien ist
nach wie vor nicht bekannt, welche
Transmitterverhältnisse bei angeblichen "ADHSlern"
im Gehirn vorliegen sollen. Der französische Forscher Francois
Gonon vom Nationalen Forschungsinstitut der
Universität Bordeaux hat in einer aktuellen Studie die
sog. Dopaminmangel-Theorie kritisch untersucht und sagt
im Abstract dazu Folgendes:
Obwohl Psychostimulanzien die
Kernsymptome von ADHS lindern, bestätigen neuere
Untersuchungen, dass ihre Langzeit-Heilungserfolge bei
Kindern gleich Null sind. Psychostimulanzien erhöhen das
extrazelluläre Dopamin, wobei zahlreiche
Überblicksstudien behaupten, sie würden dadurch einen
genetisch bedingten Dopaminmangel ausgleichen. Diese sog.
Dopaminmangel-Theorie basiert aber auf einer zu stark
vereinfachenden Dopamin-Belohnungstheorie. Ich stelle die
Richtigkeit dieser Theorie für ADHS in Frage und betone
die Schwäche der bisherigen neurochemischen, genetischen,
neuropharmakologischen und bildgebenden Befunde, die
diese Theorie belegen sollen.
Als Resultat stelle ich heraus,
dass man diese Theorie nicht mehr in den Vordergrund
einer Behandlungsbegründung von ADHS mit
Psychostimulanzien rücken sollte.
Abstract
ADHS:
Keine Einigkeit bei Dreieinigkeit
Dieser Tage ziehen wieder die Heiligen
3 Könige von Tür zu Tür und wünschen ein gutes Neues
Jahr. Aufmerksamkeitsdefizit, Impulsivität,
Hyperaktivität: das sind die bekannten 3 Heiligen aus
dem ADHS-Land. Wir haben uns schon öfter darüber
ausgelassen, wie vieldeutig und unscharf diese
angeblichen Kernsymptome definiert und gemessen werden,
wie unzuverlässig und willkürlich die auf sie
gründende ADHS-Diagnose daherkommt. Ganz zu schweigen
von der völlig ungeklärten Frage, was dabei wirklich zu
messen versucht wird: unspezifisches, situatives
Verhalten oder eine veritable medizinische Krankheit?
Aber eine weitere Frage bleibt bisher vollkommen
unbeantwortet: Wer hat sich eigentlich diese
syndromatische Dreieinigkeit ausgedacht? Warum gerade diese
Verhaltensweisen, warum gerade deren drei? Und besteht
überhaupt Einigkeit über diese Dreieinigkeit?
Keineswegs! Nicht einmal die Kernfrage, ob diese 3
Symptome wirklich ein Syndrom bilden oder für ganz
unterschiedliche Störungen bzw. Krankheiten stehen, ist
klar. Überwiegend unterscheidet man einfach zwischen
ADHS mit oder ohne Hyperaktivtät als sogenannte Subtypen.
Ein Aufmerksamkeitsdefizit soll also immer dabei sein,
Hyperaktivität kommt beim kombinierten Subtyp hinzu.
Hyperaktivität alleine scheint gar nicht erst
vorzukommen. Oder doch? Und wo bleibt die Impulsivität?
Ist sie wirklich ein eigenes Symptom oder nicht nur ein
Aspekt der Hyperaktivität?
Diamond
bezweifelt schon länger, dass ADHS ohne
Hyperaktivität überhaupt ein Subtyp von ADHS ist.
Es sei vielmehr eine andere Störung als ADHS, sowohl
hinsichtlich der Ätiologie, der typischen
Verhaltensweisen, der Komorbiditäten und der
medikamentösen Behandlung. Adams u.a. greifen dies erneut auf und regen entsprechende
weitere Forschungen an.
Das sogenannte Träumerchen hat demnach
gar keine ADHS, es hat irgendwas anderes! Ist also wieder
eine neue Krankheit "entdeckt"?
50 Jahre ADHS - und
kein bisschen weise!
Alpha
04.01.2009
Hier wieder unsere beliebte
Sprechstunde mit dem mit allen Wassern gewaschenen ADHS-Fachmann:
Frag´ Dr. van den Haag!
Heute: Heute schon gedrischelt?
Frau P aus W (Betroffene):
Lieber Herr Dr. van der Frag, ich habe therapeutisch nun
alles gemacht, was Sie gesagt haben: Ich lag auf der
Couch (und der süße Analytiker händchenhaltend neben
mir), ich hab mich kognitiv verhaltenstherapiert, ich
habe Globuli und Algen in Mengen verschluckt, ich habe
Ritalin, Strattera, Amphetaminsaft genommen, hab´s mit
Optimind versucht, Familientherapie absolviert, 2 Stunden
Frau Neuhaus zugehört (das war das Schlimmste!), mein
Haus auf elektromagnetische Störfelder abgesucht,
jahrelang verbiestert im Dietz-Forum gepostet, bei TOKOL
einen Stammtisch gegründet (bestand zwar nur aus mir und
meinem Mann, aber gegessen und getrunken haben wir immer
köstlich), meine Schwiegereltern rausgeschmissen, weil
die sich nicht auf ADHS testen lassen wollten - aber
nichts hat geholfen! Was kann ich denn noch tun, um
himmelswillen!
Dr. van den Haag: Mir hat´s allerdings
erheblich geholfen, dank Ihrer Honorare konnte ich meiner
Frau dieses Weihnachten endlich den Nerz schenken... Aber
Spass beiseite: Ihnen hilft nur noch meine selbst
erfundene Emoflex!
Frau P aus W (Betroffene): Emoflex? Interessant,
das ist doch so eine Krampfadernbinde! Und das hilft?
Dr. van den Haag (aufspringend):
Unsinn! Das ist keine Krampfaderbinde, sondern
eine sensationelle neue Psychotherapie, DIE
Neuropsychotherapie der Zukunft, der Stein der Weisen!
Frau P aus W (Betroffene): Ja sagen Sie
bloß! Sag´an! Hört, hört! Erklären Sie doch mal,
worum es dabei geht!
Dr. van den Haag (im Zimmer herumlaufend
und heftig gestikulierend): Auf der
Grundlage der Synchronisation der Regulationsdynamik nach
JFW Drischel wird eine Innensicht von sterotyp
wiederkehrenden psychischen Blockaden genutzt, um schnell
und dauerhaft spürbare Erfolge zu erzielen. Auf
Grundlage der Synchronisation der Regulationsdynamik
asynchroner Emotionen übertragen wir aber nur ein sehr
allgemeines Verarbeitungsprinzip von Erfahrungen der
Traumschlafphase (REM-Schlaf) auf die Bearbeitungsebene
psychischer bzw. medizinischer Krisen als Werkzeug zur
Selbsterfahrung mit den durch die Konfrontation mit
diesen Patienten ausgelösten emotionalen Turbulenzen im
Sinne von "Fehlübersetzungen" eines
emotionalen "mehrdimensionalen Bildes" mit
verschiedenen Assoziationsketten in eine Notfallhandlung.
Ähnlich wie sich z.B. Übersetzungfehler in der
Literatur (beispielsweise Teilen der Bibel) immer
fortsetzen bzw. nicht in Frage gestellt werden ergeben
sich daraus scheinbar in sich logische "Fehlschlüsse"
bzw. neue Folgeübersetzungsfehler.
Frau P aus W (Betroffene): Wau, Herr Dr.
van der Plag, ich bin überwältigt. Ich verstehe rein
gar nichts, aber es klingt sehr vielsagend! Damit wird
man in Zukunft sicher viel Geld verdienen können, oder?
Erzählen Sie mehr, Herr Dr. van der Lüg!
Dr. van den Haag: Neuropsychotherapie
ist eine Vermittlung von besseren "Neuübersetzungen",
scheinbar unbeeinflussbar beginnt im ungünstigen Fall
ein gedankliches oder handlungsmässiges "Programm",
das man sich wie fallende Dominosteine vorstellen kann.
Stellen wir uns vor, jeder von uns hätte wie die
Knopfreihe eines Mantels die Schieberegler eines
Mischpults vor dem Bauch. Jeder dieser Regler
stünde für etwas, was viel oder wenig sein könnte. So
kann es passieren, daß wir jemanden unseren Zorn spüren
lassen, der ihn garnicht verdient hat. Es geht dabei
darum den Schalter zu finden, der ausgelöst durch einen
Trigger das Notfallprogramm in Gang setzt. Wenn es einem
die Patienten gestatten, erlauben sie uns einen Einblick
in ihre "Kopfkino". Eine wirkliche dauerhafte
Veränderung ist aber nur dann möglich, wenn diese
Programme bzw. Auslöser durch "Freiwinken" aus
der "Schutzhülle" befreit sind. Dies
bezeichnen wir im folgenden Analog zu Bezeichnungen der
Traumatherapie als "Blase". Wir gehen davon aus,
dass quasi alle Wahrnehmungen, Empfindungen,
Körperreaktionen und auch komplexe Verhaltensmuster oder
Persönlichkeitskonzepte der Blasenlogik unterliegen
können.
Frau P aus W (Betroffene): Jetzt hören
Sie aber mal auf mit dem Unfug, Herr Dr. Pfannkuchen,
meine Blase kann jedenfalls nicht logisch denken. Seit
wann sind Sie auch Urologe? Langsam wird mir klar, warum
bisher keine Therapie geholfen hat: ICH BIN BEIM FALSCHEN
ARZT!
Dr. van den Haag (sehr laut): Frau
P aus W! Ihnen fehlt die nötige Arztgläubigkeit. Merken
Sie sich, wenn sich ein Arzt eine neue Psychotherapie
ausdenkt, dann sollen Sie die nicht verstehen, sondern
haben diese zu akzeptieren und -vor allem - zu bezahlen!!!
Frau P aus W (Betroffene): Jajaja! Aber
ich probiere jetzt doch erstmal eine Krampfaderbinde.
Ulli 1/2009
ADHS
im Internet: Was taugt das?
Café
Holunder macht den Test (2)

In Wiesbaden gibt es seit ca. 10 Jahren
ein Institut namens Optimind, das ADHS im Schilde
führt und vom Ärzteehepaar Aust-Claus und Claus
betrieben wird. Zum Team gehört auch die
Diplompsychologin Hammer. Wir haben uns den Webauftritt
dieses Instituts einmal näher angeschaut (zu den
Kriterien unseres Tests s.o. auf dieser Seite)..
- Wird die
Seite von Laien oder Fachleuten gemacht (laut
Impressum)? Wenn von Laien: Wie wirken Fachleute
mit?
Das Institut und damit auch
die Webseite wird ausschließlich von Fachleuten
unterhalten. Die beiden Ärzte sind Fachärzte
für Kinder- und Jugendmedizin sowie Neurologie
und Psychiatrie. Frau Aust-Claus ist außerdem
Familientherapeutin, Frau Hammer
Diplompsychologin. Das Team praktiziert seit
vielen Jahren mit Patienten und verfügt deshalb
sicher über viel klinische Erfahrung. Ausserdem
hat das Team mehrere populärwissenschaftliche
Bücher zum Thema veröffentlicht, so dass
insgesamt an der fachlichen Grundqualifikation
der Webseite keine Zweifel aufkommen. Bewertung:
Gut (2 Punkte)
- Welche Auffassung von ADHS
wird wie vertreten?
Hier wird pauschal der
Begriff "ADS für alle Formen von ADS"
verwendet, also auch für ADHS, was etwas
irritiert. Im Vordergrund der Betrachtung scheint
die Aufmerksamkeitsstörung und die Impulsivität
zu stehen, motorische Unruhe komme "oft"
hinzu. Dass in der Fachwelt umstritten ist, ob
ADS ohne Hyperaktivität überhaupt zu ADHS
gehört oder nicht vielmehr eine eigenständige,
andere Störung darstellt, bleibt
unberücksichtigt. Max, der Zappelphilipp und
Jule, die Träumerin werden als die üblichen
populären Gender-Prototypen behauptet, obwohl
wissenschaftlich keineswegs klar ist, ob es sich
jeweils wirklich um so etwas wie ADHS handelt und
ob die depressiven Jungen dabei nicht weiterhin
übersehen werden. Ansonsten wird ADS als breites
Spektrum aus Biologie, Umwelt und Erfahrung
betrachtet und nicht einfach auf ein
Transmitterproblem reduziert. Überhaupt fehlen
die sonst üblichen notorischen Auslassungen
über die angebliche Genetik, Unheilbarkeit oder
hirnfunktionelle Ursache von ADHS. Auch die
Medikation spielt offenbar keine Hauptrolle,
sondern wird ausdrücklich nur auf "schwere"
Fälle begrenzt. Die aufgeführten Symptomlisten
für angeblich betroffene Kinder und Erwachsene
stellen ein willkürliches und wissenschaftlich
nicht belegtes Sammelsurium an unspezifischen,
nicht operationalisierten, teils ubiquitären
Verhaltenweisen oder stilen dar, die
offenbar nach dem üblichen Motto: Möglichst
viele Menschen sollen sich wiederfinden zusammengestellt
wurden. Sie treffen auf Menschen zu, die man auch
als normal, neurotisch, psychotisch,
entwicklungsgestört, persönlichkeitsgestört
oder wahrnehmungsgestört bezeichnet. Aber für
das alles steht offenbar auch hier der Sammeltopf
ADS. Das Institut bietet
Elterntrainings und Fortbildungen für Fachleute.
Ein bundesweites Netzwerk an Fachleuten, die die
Fortbildung bereits absolviert haben, wird
vorgehalten. Eine Ausbildung zum "ADS-Coach"
kostet 1070 Euro, auch sonst gibt es viele
kostenpflichtige Seminare im Angebot. Ob man bei
der Ausbildung zum ADS-Coach auch durchfallen
oder abgewiesen werden kann, oder ob einfach
jeder zahlende Teilnehmer dankend sein Zertifikat
erhält, wird nicht erwähnt. Wir gehen davon aus,
dass man einfach eine Teilnahmebescheinigung
erhält, was den Standards einer seriösen
Zusatzausbildung nicht entspricht.
Eine Besonderheit
stellt die Evaluation des Elterntrainings
angeblich durch die Johann Wolfgang von Goethe-Universität
Frankfurt am Main dar. Das kommt
beeindruckend daher, entpuppt sich aber als ganz
schlichter Prä-Post-Vergleich anhand von
subjektiven Elterneinschätzungen. Es ist
natürlich lobenswert, dass überhaupt ein
solcher Vergleich durchgeführt wurde. Nur,
wissenschaftlichen Aussagewert hat er natürlich
kaum, außer, dass die Eltern mit dem Kurs nicht
unzufrieden waren. Damit Eltern nach solchen
Kursen Negativurteile abgeben, muss man als
Kursleiter aber schon betrunken gewesen sein,
ansonsten sind zahlende Eltern meistens angetan.
Für ein valides Prüfergebnis muss man
natürlich ausserfamiliäre Personen (Lehrer,
Erzieherinnen, Fachleute etc.) befragen und eine
Kontrollgruppe mit vergleichbaren untrainierten
Menschen sowie Teilnehmern eines anderen
Trainingsprogramms heranziehen.
Bewertung: Ausreichend (3 Punkte)
- Wie "lebt" die
Webseite?
Ganz im Vordergrund steht die kommerzielle
Vermarktung von ADHS in Form von Fortbildungen
("Akademie"), Elterntrainings, Büchern
etc. Dafür gibt es sonderbarerweise einen "Shop"
mit Warenkorb, in den man die Bestellung z.B.
eines Elterntraining legen kann, so, wie wenn man
eine Kaffeekanne oder eine Microwelle kaufen
würde. Die Produkte des Shops werden dabei nur
sehr oberflächlich beschrieben. Das Forum der
Seite ist halbtot und wird nicht gut besucht.
Auch unter dem Menupunkt "News" ist der
letzte Eintrag 2 Jahre alt und sollte deshalb
besser "Oldies" heissen. Pharma- oder
sonstiges Sponsoring ist nicht zu bemerken, auch
keine Werbung. Der wiederholte stolze Hinweis auf
die Validierung des Elterntrainings durch die Johann
Wolfgang von Goethe-Universität Frankfurt
wirkt angesichts des sehr bescheidenen
Untersuchungsdesigns etwas lächerlich. Die
gesamte Seite dient dem kommerziellen Anbieten
von ADHS-"Produkten". Ein gutes
Geschäft mit einem schwachen Konstrukt.
Bewertung: Ungenügend (0 Punkte)
Gesamtbewertung: Mangelhaft (5
von erreichbaren 10 Punkten). Dem
wissenschaftlichen Stand zu ADHS zweifelhaft
entsprechende Webseite, die alternative Auffassungen
ansatzweise berücksichtigt. ADHS wird zwar nicht auf
eine rein hirnbiologisch-genetische Krankheit reduziert,
die Medikation steht nicht im Vordergrund, aber man
gewinnt den Eindruck, dass das schwache Konstrukt ADS
kommerziell arg ausgebeutet wird.
© Cafe Holunder 2009
Gibt´s ADHS in Mexiko?
Auf der intensiven und dennoch bisher
wenig erfolgreichen Suche nach einer genetischen Ursache
oder wenigstens spezifischen Beteiligung von
ADHS wurde wiederholt über schwache
Zusammenhänge zwischen ADHS und zwei
unterschiedlichen genetischen Markern berichtet. Dabei
handelt es sich um Zusammenhänge zwischen dem Gen des
humanen Dopamintransporters DAT1 sowie der 7R-Variante
des DRD4-Gens. Angeblich tragen etwa die Hälfte der ADHS-Kinder
diese Variante.
M.L. Gabriela u.a. fanden nun in einer Gruppe mexikanischer
ADHS-Patienten keinerlei Zusammenhänge
zwischen ADHS und diesen genetischen Markern.
Allerdings gab es solche Zusammenhänge mit anderen
Diagnosen, nämlich mit Angststörungen und Depressionen.
Was sagt uns das alles nun?
Auf diese gute Frage gibt es wieder
einmal ganz unterschiedliche Antworten:
- Es gibt in Mexiko kein ADHS
- Es gibt in Mexiko kein genetisch
bedingtes ADHS
- In Mexiko wird die Diagnose ADHS
anders gestellt als anderswo
- Es gibt die besagten genetischen
Zusammenhänge bei ADHS gar nicht, sondern bei
Angststörungen und Depressionen
- Es gibt unspezifische
Zusammenhänge zwischen diesen genetischen
Markern und allen möglichen seelischen
Störungen
- Bei jedem 2. Kind ist ADHS
genetisch bedingt
- Bei jedem 2. Kind ist ADHS nicht
genetisch bedingt
- Es gibt sowohl genetisch als auch
nicht genetisch bedingtes ADHS
- Angststörung und Depression sind
auch nur ADHS (laut DSM IV)
- Angststörung und Depression
schließen ADHS aus (laut ICD 10)
- Die besagten genetischen Marker
haben gar nichts mit Verhaltensauffälligkeiten
zu tun
Welche dieser (und vieler weiterer)
Antworten bevorzugen Sie?
10
Jahre später:
MTA: Die große Ernüchterung
Das amerikanische
National Institute of Mental Health NIMH veröffentlichte
bereits 1999 die ersten Ergebnisse seiner sogenannte MTA-Studie
(Multimodal Treatment Study of Children with Attention
Deficit Hyperactivity Disorder). Die führenden ADHS-Therapien
sollten damit überprüft werden. Die MTA-Studie ist wohl
die größte Forschungsstudie, die es in der
Kinderpsychiatrie bisher gegeben hat. An ihr nahmen 579
Schulkinder im Alter von 7 bis 9 Jahren teil. Verglichen
wurde über einen Zeitraum von 14 Monaten der Einfluss
- einer optimierten medikamentösen
Therapie,
- einer Verhaltenstherapie,
- einer Kombination aus optimierter
medikamentöser (Methylphenidat-) Therapie und
Verhaltenstherapie sowie
- einer Standardtherapie (gewöhnliche
Grundversorgung).
Nach Auffassung der Autoren zeigte sich damals
eine klare Überlegenheit der Pharmakotherapie über eine
Verhaltenstherapie und Grundversorgung. Man ging sogar so
weit, zu folgern, dass eine Methylphenidat-Behandlung im
Kindesalter späteren Drogenmissbrauch und Delinquenz im
Jugend- und Erwachsenenalter verhindern könne. .
Als im Jahre 2007 eine Folgestudie nach 36
Monaten erschien, zeigten sich zur Verwunderung der
Forscher aber keinerlei Unterschiede mehr zwischen den
unterschiedlich behandelten Gruppen. Egal, was zur
Anwendung gekommen war, die Kinder zeigten alle
gleichermaßen deutliche Verbesserungen, sogar die nur im
Sinne einer Grundversorgung behandelten. Auch späterer
Drogenmissbrauch bzw. Kriminalität ließen sich bei ADHS-Kindern
nicht über das Maß hinaus verringern, das bei Nicht-ADHSlern
erwartet werden kann
Nun bestätigen die Forscher nach 6 und 8 Jahren
späterer Nachuntersuchung der Versuchspersonen: Es gibt
keinerlei Langzeitunterschiede der behandelten (bzw. im
Sinne einer Grundversorgung nur unspezifisch behandelten)
Gruppen, egal, ob mit oder ohne Psychopharmaka, nur
Verhaltenstherapie oder Grundversorung!
Die übliche Rede von Ritalin als Goldstandard
einer ADHS-Behandlung ist einer Ernüchterung gewichen.
Angesichts der erheblichen Nebenwirkungen (z.B.
Wachstumsstörung) der Psychopharmaka sollte der
Goldstandard nun endgültig in einer Psychotherapie
liegen.
Molina, B.S u.a.: MTA at 8 Years: Prospective Follow-up of
Children Treated for Combined-Type ADHD in a Multisite
Study. J Am Acad Child Adolesc Psychiatry.2009 Mar 23.
Keine Klarheit über ADHS-Ursache
Widersprüchliche Datenlage
zu ADHS und Dopamin
Die letzten 10 Jahre galt ziemlich unumstritten, dass
eine erhöhte Dopamintransporterdichte (DAT) im Gehirn
von ADHSlern die biologische Ursache dieser angeblichen
Krankheit sei. Dougherty u.a. hatten 1999 in einer Studie
mit 6 ADHS-Patienten eine um 70 % erhöhte
Transporterdichte gefunden (Dougherty 1999). Einige
weitere Studien konnten dies später mit anderen Methoden
teilweise bestätigen (Krause 2000). Die
Dopamintransporter sorgen dafür, dass der Botenstoff
Dopamin aus dem synaptischen Spalt zwischen zwei
Nervenzellen immer wieder zurückgeholt wird. Wenn DAT
also erhöht sei, werde zuviel Dopamin
zurücktransportiert, sodass im synaptischen Spalt ein
dauernder Dopaminmangel herrscht, nahm man an. ADHS also
als eine Dopaminmangelkrankheit. Auch Hüther und Bonney
sehen 2002 noch eine Bestätigung dieser Theorie der
erhöhten Transporterdichte, folgern daraus aber nicht
einen Dopaminmangel, sondern vielmehr einen Überschuss (Hüther
2002).
Die Dopaminmangel-Theorie ist derzeit immer noch am
populärsten und liegt anderen ADHS-Theorien mal mehr,
mal weniger zugrunde. Ein solcher Dopaminmangel bei ADHS
wurde bis heute aber nirgends nachgewiesen. Der
französische Forscher Francois Gonon vom Nationalen
Forschungsinstitut der Universität Bordeaux hat in einer
aktuellen Studie diese Theorie kritisch untersucht und
sagt im Abstract dazu Folgendes:
Psychostimulanzien erhöhen das extrazelluläre
Dopamin, wobei zahlreiche Überblicksstudien behaupten,
sie würden dadurch einen genetisch bedingten
Dopaminmangel ausgleichen. Diese sog. Dopaminmangel-Theorie
basiert aber auf einer zu stark vereinfachenden Dopamin-Belohnungstheorie.
Ich stelle die Richtigkeit dieser Theorie für ADHS in
Frage und betone die Schwäche der bisherigen
neurochemischen, genetischen, neuropharmakologischen und
bildgebenden Befunde, die diese Theorie belegen sollen.
Als Resultat stelle ich heraus, dass man diese Theorie
nicht mehr in den Vordergrund einer
Behandlungsbegründung von ADHS mit Psychostimulanzien
rücken sollte (Gonon 2009).
Auch die Sache mit der erhöhten Transporterdichte hat
sich in letzter Zeit in weiteren Studien nicht
bestätigen lassen. Bisherige Studien krankten oft daran,
dass nicht klar war, ob die gefundenen Hirnveränderungen
nicht etwa nur die Folge von früherer Medikation waren.
Volkow u.a. fanden in einer neueren Studie mit nie
medizierten ADHS-Patienten, die sie mit Gesunden
verglichen, denn auch keinerlei Hinweis auf eine solche
erhöhte Transporterdichte. Ganz im Gegenteil zeigte sich
überraschenderweise ein umgekehrter Trend: die Gesunden
hatten dichtere Dopamintransporter als die ADHSler (Volkow
2007). In einer Übersicht über 12 andere Studien
verschiedener Forscher mit größeren Versuchsgruppen und
verfeinerter Methodik zeigen Swanson und Volkow ein
insgesamt widersprüchliches Bild: In 2 Studien zeigte
sich eine Tendenz zu niedrigerer Transporterdichte bei
ADHS, in einer weiteren eine sogar bedeutsam niedrigere,
in 4 anderen kein Unterschied, und in 5 Studien eine
Tendenz zum Anstieg, davon aber nur in einer einzigen (nämlich
derjenigen von Dougherty aus 1999) ein starker. Die
Mehrheit der Studien konnte also keine bedeutsam erhöhte
Transporterdichte bei ADHS finden, wie sie Dougherty vor
nunmehr 10 Jahren in seiner kleinen Studie ohne eine
Kontrollgruppe und mit fraglicher früherer
Medikationsfolge seiner Versuchspersonen gesehen hatte.
Swanson und Volkow betrachten deshalb die Theorie der
erhöhten Transporterdichte bei ADHS als überholt und
wundern sich, dass sie nach wie vor in der Literatur als
belegt hingestellt wird. Sie sehen stattdessen die
Theorie bestätigt, derzufolge Stimulanzien bloße
Dopamin-Agonisten sind, also Substanzen, die die Wirkung
von Dopamin im Gehirn lediglich nachmachen, ohne dass
irgendeine Anomalie im Gehirn vorliegt (Swanson u. Volkow
2009).
Trotz tausender Forschungsstudien ist also nach wie vor
nicht bekannt, welche Transmitterverhältnisse bei
angeblichen "ADHSlern" im Gehirn vorliegen
sollen und welche diesbezügliche biologische Ursache
"ADHS" haben könnte.
Literatur:
Dougherty, D.D., Bonab, A.A., Spencer, T.J.,
Rauch, S.L., Madras, B.K., Fischman, A.J.:
Dopamine transporter density in patients with attention
deficit hyperactivity disorder. Lancet. 1999 Dec 18-25;354(9196):2132-3.
Gonon, F.: The dopaminergic hypothesis of
attention-deficit/hyperactivity disorder needs re-examining.
Trends Neurosci. 2009 Jan;32(1):2-8.
Hüther G. , Bonney, H.: Neues vom
Zappelphilipp. Walter 2002.
Krause, K.-H., Dresel, St., Krause, J.:
Neurobiologie der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung.
Psycho 26, 2000
Swanson, J.M., Volkow, N.D.:
Psychopharmacology: concepts and opinions about the use
of stimulant medications. J Child Psychol Psychiatry.
2009 Jan; 50(1-2):180-93.
Volkow, N.D., Wang, G.J., Newcorn,
J., Fowler, J.S., Telang, F., Solanto, M.V., Logan, J.,
Wong, C., Ma, Y., Swanson, J.M., Schulz, K., Pradhan, K.:
Brain dopamine transporter levels in treatment and drug
naïve adults with ADHD. Neuroimage. 2007 Feb 1;34(3):1182
90.
Der Zappelhitler
Der Struwwelpeter ist das erfolgreichste
Buch der Kindergeschichte. Der Frankfurter Nervenarzt
Heinrich Hoffmann hat 1844 für seinen kleinen 3jährigen
Sohn kein rechtes Weihnachtsgeschenk gefunden und deshalb
selber fast 12 kindliche Moritaten ersonnen und
gezeichnet, darunter auch die Geschichte vom
Zappelphilipp. Der Struwwelpeter musste inzwischen schon
für eine Menge anderer Zwecke herhalten: Viele Parodien,
Burlesken oder Schmähfabeln wurden aus ihm gemacht. Bald
schon gab es einen Tierstruwwelpeter, eine Struwwelliese
und in neuerer Zeit sogar einen Struwwelskinhead.
Dabei ist der Name "Struwwelpeter" keine
Hoffmann´sche Erfindung, denn schon 80 Jahre vorher
hatte man den nicht selten verwahrlost daherkommenen
Studenten Wolfgang Goethe so bezeichnet. Café Holunder
hat den armen Zappelphilipp auch bereits mehrmals für
seine schnöden Zwecke eingespannt. Es wurde z.B.
zweifelsfrei bewiesen, dass Hitler an ADHS litt http://www.ads-kritik.de/ADS-Kritik21.htm
Aber eine der dreistesten Adaptionen des Zappelphilipp
ist diejenige in ADHS-Kreisen, derzufolge Hoffmann die
Krankheit ADHS beschrieben habe. In ADHS-Kreisen wird
doch tatsächlich nicht selten diese Überzeugung als
Beleg dafür behauptet, dass es ADHS schon immer gegeben
habe, es sich also nicht um eine moderne Erfindung
handeln könne. Dabei hat Hoffmann nur den pädagogischen
Zeigefinger erheben wollen, um seinen Sohn nicht nur
spannend zu unterhalten, sondern auch ein "Musterkind"
aus ihm zu machen, was ihm hoffentlich nicht gelungen ist.
Die sehr originelle Neuauflage als Reprint eines
britischen Struwwelpeters aus 1941 möchte ich Ihnen zur
erbaulichen kleinen Lektüre empfehlen: Struwwelhitler
als witzige englische Antwort auf Hitlers Weltkrieg, mit
einem Vorwort keines Geringeren als des bekannten Hitler-Biografen
Joachim Fest, erschienen im Autorenhaus-Verlag Berlin
2009. Es sind die englischen Originaltexte der Brüder
Philipp (!) und Rober Spence, die das Büchlein unter dem
Pseudonym "Dr. Schrecklichkeit" verfassten,
neben einer gelungenen deutschen Übersetzung angeführt.
Als Beispiel hier eine Szene:
Schaut,
das ungezogn´e Kind
schaukelt immer mehr geschwind.
und jetzt kippt er, meiner Seel´,
Adolf plärrt aus vollster Kehl,
packt das Tischtuch feste an,
alles wird noch schlimmer dann:
Unten auf dem Boden stapeln
Gläser, Messer, Löffeln, Gabeln.
Tante B. war starr vor Wut,
als sie sah, das ging nicht gut!
Onkel Sam schaut grimmig aus:
"Adolf, du bist uns ein Graus!"
Tante B. steht für Britannia, Onkel Sam ist natürlich
Amerika. Eines wird wieder mal ganz klar: Mit Ritalin
wäre der 2. Weltkrieg verhindert worden!
Werner 2009
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