| ARCHIV: ADS:
Gibt´s das wirklich?
ADS-Bücher:
Kritisch
betrachtet
Ritalin:
Ein folgen-
schwerer
Irrtum
Aus der
Sicht unserer
Kinder
Das
Verschwinden der Mädchen
von der
Bildfläche
Gibt es ein
Bisschen ADS?
Exklusiv: Die HÜTHER-Studie
Das Anlage-Umwelt-
Problem
Oh wie
verführerisch
ist doch
das ADS!
Alternativen
bei ADS
Fragiles X-Syndrom
Alternative
Behandlung
bei ADD
Familie und
ADS
Alternative
Sichtweisen bei ADS
Fundsachen:
ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 1
Fundsachen:
ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 2
Quellensammlung
Böse Witze
|

Hirnschwund durch Methylphenidat?
Schlechte Studien der ADHS-Forschung
Auf welch
schwachen Füßen die Forschung zu ADHS oftmals steht,
macht der auch hier nicht unbekannte Dr. Baughman
u.a. an den Studien von Castellanos
et al. sowie Filipek et al. sehr
deutlich. Diese Forscher hatten MRI-Untersuchungen an
Hirnen von "ADHS-Patienten" vorgenommen und
signifikante Veränderungen im Vergleich zu "Nicht-ADHS-Hirnen"
gefunden. Baughman macht nun darauf
aufmerksam, dass 93 Prozent der ADHS-Untersuchungspersonen
eine langjährige Stimulantientherapie hinter sich hatten,
die Personen aus der Vergleichsgruppe dagegen nicht, so
dass die gefundenen Hirnveränderungen ebenso gut auf die
chronische Stimulantiengabe zurückführbar sein können
und keineswegs ein Marker für ADHS sind, wie diese
Forscher glauben machen.
Das
Interessante ist, dass in wissenschaftlichen
Zusammenfassungen dieser Forschungen auf diesen sehr
wichtigen Umstand (dass also in der Untersuchungsgruppe
chronischer Methylphenidatgebrauch überwog, in der
Vergleichsgruppe aber nicht) in keiner Weise hingewiesen
wurde. Er wurde einfach verschwiegen. Baughman
sieht deshalb in diesen Studien den doppelt
bestätigten Beleg dafür, dass chronische
Methylphenidatmedikation Hirnschwund verursacht, und dass
dieser Hirnschwund keineswegs ein Marker für ADHS ist,
wie die genannten Forscher behaupten.
Interessant
ist auch, dass Baughman wiederholt auf
diesen Umstand hinwies, aber seine Hinweise von den
Verantwortlichen stets fleißig ignoriert wurden.
Seine
Schlussfolgerungen decken sich mit den am Tierversuch
gewonnenen Erkenntnissen von Hüther et
al. Sie belegen, dass in der ADHS-Forschung oftmals
gravierende methodische Fehler begangen werden.
Am Beispiel von Untersuchungen von Biederman
et al. habe ich hier darauf hingewiesen, dass die
ständige Ignorierung von psychosozialen Milieufaktoren
in diesen Studien zu Schlussfolgerungen führt, die bei
Einbeziehung dieses Faktors ganz anders aussähen. Auch
Hüther stuft ja die meisten Ergebnisse der ADHS-Hirnforschung
nicht als Marker für ADHS, sondern lediglich als Begleit-
oder Folgeerscheinungen von Lernerfahrungen ein.
Die Dinge
verhalten sich also wohl ganz anders als gedacht.
Quelle:
http://www.adhdfraud.org/commentary/7-4-01-1.htm
Beachten
Sie bitte den Namen der url: Er bedeutet "ADHS-Betrug"!
H.-R. Schmidt
2.2.2002
Prof.
Dr. Hüther im Café Holunder
Ich habe Prof. Hüther die
folgenden Fragen gestellt:
1. Herr
Prof. Hüther, Sie haben darauf aufmerksam
gemacht, dass die Langzeitmedikation mit
Methylphenidat bei Kindern mit einem normalen
dopaminergen System möglicherweise zu Schäden
führen könnte. Ihre Kritiker halten Ihnen nun
vor, dass Sie Ihre Untersuchungen bei 5 Ratten
unzulässig verallgemeinern und die
Öffentlichkeit grundlos verunsichern. Wie sehen
Sie das?
2. Eine
Kernannahme des landläufigen ADHS-Modells
behauptet, verkürzt ausgedrückt, einen
genetisch bedingten Dopaminmangel als
Störungsursache. Sie geben zu bedenken, das
stattdessen ein Dopaminüberschuss vorliegen
könnte. Wie begründen Sie dies?
3.
Inzwischen wurde in zahlreichen Studien auch beim
Menschen nachgewiesen, dass Vernachlässigung,
Missbrauch und emotionale Verunsicherung während
der Kindheit nachhaltige Folgen für die weitere
Hirnentwicklung haben und an der späteren
Ausbildung psychischer Störungen entscheidend
beteiligt sind. Was bedeutet dies aus Ihrer Sicht
für das "konventionelle" Verständnis
von ADHS?
4. Ihr
entwicklungsbiologisches Modell geht davon aus,
dass es Kinder gibt, die bereits als Neugeborene
und während ihrer Kleinkindphase erheblich
wacher, aufgeweckter, neugieriger und leichter
stimulierbar sind als andere. Sehen Sie hierin
den Ausdruck normaler menschlicher Variabilität,
oder doch auch einer (vielleicht auch genetisch
bedingten) "mitgebrachten" Störung?
5.
Sie schreiben in Ihrem neuen Buch, dass
Psychotherapie bei ADHS darauf hinauslaufe, die
im Gehirn dieser Menschen durch ihre bisherigen
Nutzungsbedingungen verfestigten "Verschaltungen"
dadurch zu verändern, dass es dem Betreffenden
gelingt, in Zukunft anders als bisher auf all das
zu reagieren, was von innen und von außen
psychisch auf ihn einwirkt. Lässt sich diese
Modellvorstellung auf alle psychischen Störungen
gleichermaßen anwenden?
6. Die
Diagnose ADHS scheint immer mehr zu einem
Sammeltopf für alle möglichen Störungsbilder
bei Kindern, Jugendlichen und (immer mehr)
Erwachsenen geworden zu sein. Wie sehen Sie das?
7. Ist das
landläufige ADHS-Modell aus Ihrer Sicht bereits
überholt? Sollte man es vielleicht verändern
oder aufgeben, wie seinerzeit das MCD-Konzept?
Hier seine Antworten (Teil1):
Sehr
geehrter Herr Schmidt, danke für die Fragen für das
online-Interview. Ich schicke Ihnen beiliegend
erst einmal einen Text, der bereits einige dieser
Fragen beantwortet. Am Montag oder Dienstag
könnte ich mich daranmachen, den Rest, der dann
noch übrig ist, auch noch zu beantworten.
Mit
freundlichen Grüßen,
Gerald Hüther
3.2.2002
Nachbemerkungen
zu meinem
Beitrag: G. Hüther, Kritische Anmerkungen zu den
bei ADHD-Kindern beobachteten neurobiologischen
Veränderungen und den vermuteten Wirkungen von
Psychostimulanzien (Ritalin).
Analytische Kinder- und Jugendlichen
Psychotherapie, Heft 112, XXXII. Jg., 4/2000, 471-486.
Die
Erstveröffentlichung dieses Beitrages (Analytische
Kinder- und Jugendpsychotherapie, Heft 112) hat
bei einigen, von der Richtigkeit der bisherigen
Vorstellungen überzeugten Befürwortern des
Einsatzes von Psychostimulanzien zur Therapie von
ADHD gewisse Irritationen ausgelöst. Dabei sind
auch verschiedene Einwände vorgetragen worden,
auf die an dieser Stelle noch einmal kurz
eingegangen werden soll.
Die Mehrzahl
dieser Einwände beginnt mit dem Hinweis auf die
mangelnde klinische Kompetenz des Autors. Einem
Neurobiologen wird offenbar die Fähigkeit
abgesprochen, die Plausibilität einer vorwiegend
von Klinikern entwickelten und vertretenen
neurobiologischen Modellvorstellung aus
neurobiologischer Sicht bewerten zu können. Die
in dieser Argumentation offenbarte Haltung ist
bemerkenswert. Gerade weil ich als Neurobiologe
die Implikation der in diesem Beitrag
entwickelten Vorstellungen für die klinische
Praxis nicht beurteilen kann, habe ich die
Zusammenarbeit mit erfahrenen Kinder- und
Jugendpsychiatern und Therapeuten gesucht. Aus
einer solchen Zusammenarbeit ist inzwischen auch
ein Buch entstanden, in dem nun auch die
klinischen Aspekte dieser neuen
Modellvorstellungen ausführlich dargestellt sind
(G. Hüther und B. Bonney: Neues vom
Zappelphilipp, Walter-Verlag 2002).
Ein weiterer,
ebenso häufig vorgetragener Kritikpunkt bezieht
sich auf die Art der Zeitschrift, in der dieser
Aufsatz veröffentlicht worden ist. Deren
Leserschaft, so heißt es, sei nicht in der Lage,
die hier beschriebenen neurobiologischen
Zusammenhänge hinreichend kritisch zu bewerten.
Vorausgesetzt, diese Unterstellung sei zutreffend,
gilt das Gleiche dann nicht auch für die anderen,
bisher vertretenen und an diese Leserschaft
herangetragenen Vorstellungen? Wer ihnen das
Recht oder die Kompetenz absprechen will, zwei
alternative Modellvorstellungen auf der Grundlage
ihrer bisherigen praktischen Erfahrungen
miteinander vergleichen zu können, sollte so
mutig sein, das auch zu begründen.
Der dritte Vorwurf
zielt auf eine durch das Bekanntwerden dieses
Beitrages ausgelöste Verunsicherung der ohnehin
schon schwer belasteten Eltern von "ADHD-Kindern".
Der Hinweis auf mögliche unerwünschte und nicht
genau absehbare Spätfolgen der Verabreichung von
Psychostimulantien während der Phase der
Hirnentwicklung unterminiere in
verantwortungsloser Weise die
Kooperationsbereitschaft und den
Behandlungserfolg. Wo die Fähigkeit zur
Übernahme von Verantwortung beginnt und wo sie
endet, habe ich an anderer Stelle ausführlich
herauszuarbeiten versucht (G. Hüther:
Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn,
Vandenhoeck & Ruprecht, 2001).
Auch wenn es
unbequem ist und bisweilen sogar Angst macht,
ohne immer neue Verunsicherungen, ohne die
kritische Hinterfragung bisher für richtig
gehaltener Vorstellungen, ohne die Erschütterung
einmal entwickelter Überzeugungen kann sich
nichts weiterentwickeln. Das gilt auch für
unsere Vorstellungen über die Ursachen
bestimmter Erkrankungen. Auch sie müssen offen
sein, müssen sich durch neues Wissen und neue
Erkenntnisse erweitern und wenn sie allzu
starr geworden sind gelegentlich sogar
erschüttern lassen. Kritische Anmerkungen zu den
bisher scheinbar bewährten Vorstellungen über
die neurobiologischen Ursachen von ADHD und zu
den bisher bekannten Auswirkungen der
Verabreichung von Psychostimulantien sollten
daher nicht nur erlaubt, sondern erwünscht sein.
Sie sind die Voraussetzung für das
Zustandekommen eines konstruktiven Dialogs. Je
offener und je sachlicher dieser Dialog geführt
wird, um so besser läßt sich entscheiden, ob
die bisherigen Vorstellungen ausreichen, um die
beobachteten Phänomene zu erklären oder ob sie
allmählich durch ein neues, ebenso vorläufiges
aber passenderes Modell ersetzt werden müssen.
Im Fall unserer
Modellvorstellungen über ADHD hängt der Ausgang
dieses Dialogs ganz entscheidend davon ab, ob
sich die Ausbildung einer ADHD-Symptomatik durch
gezielte präventive Maßnahmen verhindern läßt
und wenn das prinzipiell möglich ist
wie besonders gefährdete Kinder früher
als bisher erkannt und vor fatalen
Fehlentwicklungen bewahrt werden können. Das
hier vorgestellte neue Modell beschreibt die
Ausformung einer ADHD-Symptomatik als
zwangsläufige Folge ungünstiger
Entwicklungsbedingungen von Kindern, die mit
einer besonderen (genetisch bedingten oder
erworbenen) Vulnerabilität ausgestattet sind.
Die Möglichkeiten zur Früherkennung derartiger
Prädispositionen und das Spektrum präventiver
Maßnahmen zur Vermeidung entsprechender
Fehlentwicklungen sind an anderer Stelle
ausführlich beschrieben (Hüther und Bonney:
Neues vom Zappelphilipp, Walter-Verlag 2002).
Im Gegensatz dazu
bietet das bisher für die Erklärung der
Ausbildung einer ADHD-Symptomatik zugrunde
gelegte Modell nur wenig Anhaltspunkte für
präventive Interventionen. Es beschränkt sich
im wesentlichen auf die Begründung kurativer
Maßnahmen. Dieser Umstand erklärt nicht nur die
o.g. Reaktionen, sondern auch die Art und
Richtung der Einwände und Fragen, die von den
Anhängern dieses Modells vorgebracht (oder
bezeichnenderweise auch nicht vorgebracht) werden.
Keine
Stellungnahmen oder Einwände gibt es
beispielsweise zum Konzept der nutzungsbedingten
Plastizität, also zur Formbarkeit (und
Verformbarkeit) der Ausreifung neuronaler
Netzwerke, insbesondere im frontalen Kortex,
durch Erziehung und Sozialisation. Auch die
Modulation der Ausformung dopaminerger
mesolimbischer und mesokortikaler Projektionen
durch die jeweils vorgefundenen
Entwicklungsbedingungen und damit auch
durch psychopharmakologische Behandlungen
während der Phase der Hirnentwicklung
wird widerspruchslos akzeptiert. Bedenken werden
erst an Stellen laut, wo bisherige Begründungen
für den erfolgreichen Einsatz der Methylphenidat-Behandlung
infrage gestellt werden:
- Es wird
bestritten, dass es durch derartige
Behandlungen zu einer Unterdrückung des
Auswachsens nigrostriataler dopaminerger
Projektionen kommen kann, und dass bei
Kindern mit einer bis dahin normal
ausgereiften nigrostriatalen dopaminergen
Innervation ein Defizit der Dichte
dopaminerger Afferenzen im Striatum
erzeugt wird, das die spätere
Manifestation eines Morbus Parkinson
begünstigen kann. Zur Begründung wird
darauf verwiesen, dass bisher noch keine
derartigen Fälle aufgetreten seien. Das
ist richtig, aber wie groß ist die
Gruppe der heute über 50jährigen, die
während ihrer frühen Kindheit mit
Methylphenidat behandelt worden ist und
in der eine solche Symptomatik als
Frühmanifestation eines Morbus Parkinson
statistisch häufiger als in einer nicht
medikamentös behandelten
Vergleichsgruppe beobachtet werden
könnte? Bis hier ausreichende Fallzahlen
erreicht sind, müssen wir uns wohl noch
einige Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte
gedulden.
Sehr nachdrücklich wird auch immer
wieder darauf hingewiesen, dass die all
diesen Befürchtungen zugrundeliegenden
tierexperimentellen Untersuchungen nur an
sehr wenigen Tieren durchgeführt worden
sind. Wenn sich bereits bei einer
Gruppengröße von N = 5 statistisch
signifikante Effekte nachweisen lassen,
so ist das genau genommen bedenklicher,
als wenn der gleiche P-Wert erst bei N =
50 erreicht würde. Der Effekt bei diesen
Versuchstieren muss also sehr robust sein,
wenn die Behandlung bereits bei so
kleinen Fallzahlen zu einer signifikanten
Verringerung der Dopamin-Transporterdichte
im Striatum führt.
- Es wird
intensiv nach Argumenten gesucht, die
belegen sollen, dass im Gehirn von "ADHD-Kindern"
doch ein Defizit dopaminerger Aktivität
(und nicht eine zu starke Ausformung
dopaminerger Projektionen) vorliegt. Die
aussagekräftigsten Hinweise auf
Veränderungen der dopaminergen
Innervationsdichte sind vom Einsatz
bildgebender Verfahren zu erwarten. Neben
der mit diesen Verfahren bei ADHD-Patienten
beobachteten verstärkten Dichte von
Dopamintransportern im Striatum wurde
inzwischen auch eine verstärkte
Akkumulation von [18 F]-DOPA im Striatum
von ADHD-Patienten festgestellt (Ernst M.
et al., 1999). Die damit nachgewiesene
Erhöhung der Dichte von nun schon zwei
verschiedenen, unabhängigen Makern
dopaminerger Präsynapsen kann eigentlich
noch als Ausdruck einer verstärkten
dopaminergen Innervationsdichte im
Striatum von ADHD-Patienten interpretiert
werden. Ob es in anderen Hirnregionen,
insbesondere in limbischen und kortikalen
Bereichen ebenfalls zu einer Verstärkung
oder aber zu einer Verminderung der
dopaminergen Innervationsdichte bei
"ADHD-Kindern" gekommen ist,
bleibt nach wie vor unklar.
- Der letzte
Einwand gegen das hier vorgestellte
Konzept bezieht sich auf den Vorschlag,
die therapeutische Wirkung von
Psychostimulantien als Folge der durch
diese Substanzen induzierten, partiellen
Entspeicherung dopaminerger Präsynapsen
zu erklären. Hier wird geltend gemacht,
Methylphenidat sei lediglich ein
Wiederaufnahmehemmer und kein echter
Releaser (Entspeicherer) oder die Wirkung
auf die dopaminergen Präsynapsen hänge
von der Höhe der Dosierung und der Art
der Anflutung ab (orale vs. intravenöse
Gabe). Auch von einer durch die initiale
Dopaminfreisetzung verursachten
Stimulation sei bei den Kindern nach der
Einnahme der Tabletten nichts zu bemerken.
Was auch immer hier für Argumente
angeführt werden, sie ändern nichts an
der Tatsache, dass Methylphenidat
in den USA von Jugendlichen inzwischen
häufig in Wasser aufgelöst und
intravenös injiziert eine
ähnliche Wirkung hervorruft wie Kokain,
und dass die orale Verabreichung von D-Amphetamin,
einem anerkannten Dopamin-Releaser,
ebenso gut wie oral eingenommenes
Methylphenidat die ADHD-Symptomatik
unterdrückt. Aus diesen Gründen ist
davon auszugehen, dass Methylphenidat
zumindest prinzipiell ähnliche
Veränderungen der Dopaminfreisetzung
bewirkt wie Kokain und D-Amphetamin. In
allen drei Fällen läßt sich der
Wirkungsmechanismus vielleicht am besten
verstehen, indem man ihn mit dem
vergleicht, was passiert, wenn bei einer
Toilettenspülung die Auslaufdichtung
nicht mehr richtig schließt: Alle drei
Psychostimulantien binden an die
präsynaptisch lokalisierten
Dopamintransporter, blockieren die
Wiederaufnahme von extrazellulärem
Dopamin und bewirken einen sog. "reversed-transport",
d.h. intrazellulär gespeichertes Dopamin
wird anstatt von außen nach innen nun
von innen nach außen transportiert. Der
dadurch erzeugte "Abfluss" des
präsynaptisch bereitgehaltenen Dopamins
führt zwangsläufig dazu, dass die
"Bedienung der Toilettenspülung"
(Impuls-getriggerte Stimulation der
Dopaminausschüttung durch neuartige
aufregende Reize) nicht mehr den
gewohnten Effekt (Antriebssteigerung)
hervorrufen kann. Der durch diese
Substanzen ausgelöste kontinuierliche
"Abfluss" von präsynaptischem
Dopamin wird nach oraler Einnahme
möglicherweise tatsächlich nicht
verhaltensrelevant wirksam, wohl aber die
fortan unzureichende Fähigkeit zur
Dopaminfreisetzung durch neue, aufregende
externe Stimuli. Nach intravenöser
Injektion dieser Substanzen kommt es
jedoch zu einer so massiven und
plötzlichen Steigerung der Impuls-unabhängigen
Dopaminfreisetzung, dass diese dann
tatsächlich als Kick empfunden wird.
Besonders interessant sind die
Vorhersagen, die sich auf der Grundlage
dieses "WC-Wasserspülungsmodells"
für die Wirkungen der chronischen
Verabreichung von Methylphenidat (Depot-
und Retard-Präparate) machen lassen: Die
Präsynapsen werden die "Wasserzufuhr"
(die präsynaptische Maschinerie zur
Dopaminproduktion) allmählich so weit
verstärken, bis der "Vorratsbehälter"
(die präsynaptischen Dopaminspeicher)
trotz des ständig "undichten
Abflusses" (die in ihrer Effizienz
veränderten Dopamintransporter) wieder
voll läuft. Retard- und Depot-Präparate,
so wäre zu vermuten, müßten ihre
therapeutische Wirksamkeit also nach
einigen Tagen verlieren. Das wäre
ärgerlich für die Hersteller, aber sehr
unterstützend für die hier
vorgetragenen Modellvorstellungen. Der
Ausgang dieses gegenwärtig laufenden
Großversuches (klinische Testung
derartiger Präparate) ist daher spannend.
Höchst fragwürdig ist nur, dass es sich
auch in diesem Fall bei den "Versuchskaninchen"
wieder um Kinder handelt.
Prof. Dr. Dr.
habil. G. Hüther, Göttingen
|
DER
LIEBE GOTT HAT ADHS
Ulli (der sich das fast
gedacht hätte).
6.2.2002
Hallo,
das
Bundesgesundheitsministerium plant eine Änderung der
Verordnungsmöglichkeiten für
Methylphenidat in dem Sinne, dass nur noch dafür
besonders qualifizierte Fachärzte verschreiben dürfen.
Ich habe Frau Caspers-Merk, der Drogenbeauftragten der
Bundesregierung, deshalb heute diesen Brief geschrieben. Bitte
kopieren Sie ihn (ohne meinen Namen unten, fügen Sie
stattdessen ihren eigenen Absender hinzu), klicken Sie
anschließend auf diese Adresse, fügen
Sie den Brief dann in die E-Mail-Box ein und senden ihn
ab. Er geht direkt an Frau Caspers-Merk:
Sehr geehrte Frau Caspers-Merk,
Ihre Pläne, die
Verordnung von Methylphenidat an Kinder und Jugendliche
in Deutschland dadurch zu qualifizieren, dass nur noch
bestimmte, dafür besonders qualifizierte Fachärzte
verordnen dürfen, begrüßen wir ausdrücklich! Damit
käme man dem Ziel näher., die immer mehr ausufernde
Psychopharmakabehandlung unserer Kinder und Jugendlichen
besser zu kontrollieren und verantwortungsbewusster zu
praktizieren.
Von den ungewissen
Langzeitfolgen dieser Medikationen einmal ganz abgesehen
sind wir auch deshalb in großer Sorge, weil der
diagnostische Sammeltopf "ADHS=Methylphenidatgabe"
immer stärker dazu führt, die überwiegend psychosozial
bedingten Ursachen für die Probleme unserer Kinder zu
übersehen und unverbessert zu lassen. Das einseitig
biologisch-genetisch definierte Krankheitskonstrukt
"ADHS", das es so wahrscheinlich gar nicht gibt,
verführt dazu allzu sehr. Obwohl ADHS als
Krankheitsentität definiert wird, existiert trotz
intensiver, jahrzehntelanger Forschung nach wie vor kein
eindeutiger Marker dafür. Die Diagnose ist eine rein
klinische, weshalb aus unserer Überzeugung die
Zusammenarbeit des Facharztes mit einem besonders
qualifizierten Klinischen Psychologen vorgeschrieben
werden sollte. Weder ein Arzt noch ein Psychologe kann
allein diese sehr schwierige (bis unmögliche) Diagnose
einigermaßen valide treffen, ganz abgesehen von den
notwendigen psychologischen Testuntersuchungen, für
deren Abnahme Ärzte nicht ausgebildet sind. Um
innerfamiliäre, bislang meist übersehene
psychodynamische Störungsursachen ausfindig zu machen,
sind Klinische Psychologen ebenfalls unverzichtbar.
Wir möchten Sie deshalb
dringend bitten, die deutschen Psychologen, vertreten
durch den Berufsverband Deutscher Psychologinnen und
Psychologen (BDP), in Ihre Planungen mit einzubeziehen.
Mit freundlichem Gruß,
Dipl.-Psych. Hans-Reinhard
Schmidt
Psychologischer Psychotherapeut
Leiter der Abt. Erziehungsberatung und Familientherapie
Heinrich-Meng-Institut in Brühl bei Köln
6.2.2002
In diesen tollen
Tagen wird geschunkelt und getanzt und
die große Trumm geschlagen! Wussten Sie
aber schon, dass wir Karnevalsjecken
dabei ganz frühe, intrauterine
Erfahrungen wiederholen?
Psychologenquatsch, werden Sie sofort
sagen. Mag ja sein, aber es ist schon
eine interessante These, dass wir
Menschen bei rhythmischen, musikalischen
Bewegungen etwas wiederholen, was wir
alle schon vor unserer Geburt erlebt
haben und was sich uns ganz tief im Hirn
eingeprägt hat: das wohlige Schaukeln im
Fruchtwasser, im Hintergrund das
rhythmische Dröhnen des mütterlichen
Herzschlags. Wenn unsere schwangere
Mutter ein Karnevalsjeck war, geriet ihr
Fruchtwasser natürlich in besonders
heftige Schwankungen, ihr Herzschlag in
besonders beschleunigte Turbulenzen. Das
hat uns dann natürlich besonders
geprägt, so dass wir ein besonders
fanatischer Karnevalsjeck wurden. Die
Psychiater nennen dies heute zwar ADS und
wollen uns als Kranke hinstellen und uns
mit Psychopharmaka kurieren, aber wir
sagen:
Et
jiet nix Jesünders als jeck zu sin!
Helau und
Alaaf,
Preiser
7.2.2002
|
|
Autogenes Training für impulsive
und unruhige Kinder
Hallo
liebe Gäste,
wie in einem interessanten Artikel von ARNOLD
über "Alternative Behandlungsmethoden" bei
"ADHD bei Erwachsenen" (womit nicht-medikamentöse
Therapien gemeint sind) zu lesen ist, hat sich Meditation
in zwei Studien als eindeutig wirksam erwiesen. Als ich
das las, fiel mir wieder ein, dass ich beim deutschen
Nestor des "Autogenen Trainings für Kinder"
Prof. Dr. Gerd Biermann, mein ehemaliger
Chef und einer meiner Lehrer, dieses Autogene
Training für Kinder gelernt habe. Das Autogene
Training von J.H. Schultz, das bereits
seit über 80 Jahren bekannt und bewährt ist, ist ja
eine Variante der Meditation, deren Wirksamkeit als
nachgewiesen gelten kann. Biermann hat
diese Methode für Kinder und Jugendliche
weiterentwickelt.
Ich war
aber lange Jahre davon abgekommen, weil sich die meisten
Probleme im Zusammenhang mit ADS, deretwegen sich Eltern
an unser Institut wandten, mit Familientherapie sehr
erfolgreich und in kürzerer Zeit behandeln liessen. Wir
haben aber in letzter Zeit die Erfahrung gemacht, dass
bei einem kleineren Teil unserer inzwischen veränderten
Klientel Erziehungsberatung und Familientherapie bei
"ADHS" aus verschiedenen Gründen nicht immer
erfolgreich ist.
Die Abt. Erziehungsberatung und
Familientherapie des Heinrich-Meng-Instituts des
Erftkreises (Leiter: Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt) bietet
deshalb ein
Autogenes
Training für Kinder
in der Kleingruppe, mit
begleitender Elternberatung
an. Das Training wird wissenschaftlich begleitet und
evaluiert werden. Wenn Sie mit Ihrem Kind (9-13 Jahre)
teilnehmen möchten, können Sie sich ab sofort gern anmelden. Das Training ist
kostenfrei.
Der Start ist im Mai 2002 in 50321 Brühl und/oder 50127
Bergheim.
Anmeldeschluss: 3.4.2002
Literatur:
Arnold LE (Department of Psychiatry, Ohio State
University, Columbus, Ohio, USA):
Alternative treatments for adults with attention-deficit
hyperactivity disorder (ADHD).
Ann N Y Acad Sci 2001
Jun; 931:310-41
Biermann G: Autogenes Training bei
Kindern und Jugendlichen. Ernst Reinhardt 1975.
Schultz, JH: Das Autogene Training.
Thieme 1932 (11. Auflg.)
H.-R. Schmidt
10.2.2002
Die Beatles waren Ritalin-Gegner!
Auf ihrer
berühmten Platte "Sgt. Pepper" besingen die BEATLES
eine "Lovely Rita". Wie die Beatlesforschung
nun aufgedeckt hat, bedeutet der Text: "Lovely Rita,
meter maid..." nicht, wie bislang geglaubt, dass
eine Kontrolleurin namens Rita besungen wird, sondern die
durch chronischen Methylphenidatgebrauch
wachstumsgestörte junge Frau Amely S, genannt "Rita"
(!!!). Sie war nur so groß wie eine Parkuhr ("parking
meter"), eben 1 Meter. Die Beatles wollten mit
diesem song vor den Nebenwirkungen bekannter
Psychopharmaka warnen.
Ulli
10.2.2002LES
SCHWEIZER
SONNTAGSZEITUNG
ENTZUGSERSCHEINUNGEN
Ein Kommentar von Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt
Das bereits lange überfällige Tätigwerden
der Bundesregierung in Sachen Methylphenidat-Medikation
bei unseren Kindern in Deutschland (Prof. Dr. Hüther hat
übrigens die Bundesbeauftragte bei dieser
Gesetzesinitiative beraten) löst bei Ärzten,
Funktionären und "Betroffenen" einen seltsamen
Sturm im Wasserglas aus. Anstatt der geplanten
Qualitätsentwicklung aus Verantwortung für unsere
Kinder zuzustimmen, entbrennt sofort der übliche Kampf
um Pfründe, Claims, liebgewonnene Gewohnheiten und
Einfluss.
Ärzte fürchten um finanzielle Einbußen, wenn sie aus
dem Kreis zugelassener Facharztgruppen ausgeschlossen
werden. "Betroffene" fürchten, ihr bewährtes
Psychopharmakum nicht mehr so einfach wie bisher (d.h.
auch ohne qualifizierte Diagnose) zu bekommen. ADS-Funktionäre,
die nicht selten gleichzeitig "Betroffene" zu
sein behaupten und nun sowohl als Funktionär als auch
als z.B. "betroffene Mutter" auftreten und auf
die Tränendrüse drücken (Vorsitzende von Vereinen,
Betreiber von einschlägigen Internetforen, Leiter von
sog. "Selbsthilfegruppen", etc.) sehen ihre
Position schwinden.
Aber bei nüchterner Betrachtung muss man diese Reform
natürlich begrüßen und unterstützen, und zwar
mindestens aus den folgenden 3 Gründen:
1. Die Eingrenzung der
Medikationsberechtigung auf bestimmte Facharztgruppen
hilft, den Methylphenidatverbrauch insgesamt einzudämmen
auf die wirklich indizierten Fälle (ca. 0,5 -1 Prozent).
Niemand kann bei uns die notorischen "amerikanischen
Verhältnisse" wünschen.
2. Spezialisierte Fachärzte werden die
ADS-Diagnose wesentlich sorgfältiger treffen. Die große
Zahl von Kindern, die derzeit Methylphenidat einnehmen,
ohne eine Hirnfunktionsstörung zu haben, wird endlich
reduziert.
3. Das große Gebiet sog. "alternativer"
Therapien (Psychotherapie in allen möglichen Varianten)
wird endlich intensiver genutzt und erforscht werden. (Randbemerkung:
In Wirklichkeit sind Psychotherapien bei
Verhaltensstörungen wie "ADHS" seit Langem die
Methode der 1. Wahl, die Medikation mit Psychopharmaka
müsste eigentlich als alternative Therapie bezeichnet
werden). Der Fokus würde sich weg von der derzeitigen
einseitigen genetisch-medizinischen Sichtweise, hin zu
einer viel stärker umwelt- und psychosozial-orientierten
Entwicklung verschieben. Das könnte für die
Öffentlichkeit natürlich teurer werden, weil viel mehr
Geld in die "Infrastruktur" unserer Kinder
gesteckt werden muss, wenn deutlicher wird, dass ADHS
keine genetisch bedingte, sondern eine psychosozial
bedingte "Krankheit" ist.
Das traditionelle ADHS-Konstrukt ist für unsere Kinder,
verdammt noch mal, viel zu billig (wissenschaftlich und
vor allem finanziell)!
Mit Gruß, Ihr H.-R. Schmidt
11.2.2002
Prof. Dr. Hüther
Teil 2
Liebe Gäste,
hier weitere Ausführungen von Prof. Hüther
zu meinen Fragen an ihn (s.o.). Übrigens ist sein neues
Buch: "Neues vom Zappelphilipp" (gemeinsam mit Bonney)
in diesen Tagen im Handel erhältlich. Im Gegensatz zu
Anderen, die mit der verqueren Begründung, man könne
sich sonst kein eigenes Urteil bilden, davon abraten,
dieses Buch zu lesen, rate ich Ihnen dringend zu. Denn
natürlich nur so können Sie sich ein eigenes Urteil
bilden!
Mit Gruß, Ihr H.-R. Schmidt
13.2.2002
Lieber Herr
Schmidt, als Hirnforscher habe ich mich mehr als
20 Jahre intensiv mit dem Einfluß früher
Entwicklungsbedingungen auf die Ausreifung einzelner
Transmittersysteme (auch des dopaminergen Systems) und
neuronaler Verschaltungsmuster im Gehirn befasst. Auf
diesem Gebiet sind in den letzten 10 Jahren entscheidende,
neue Erkenntnisse gewonnen worden, insbesondere über die
Bedeutung sicherer emotionaler Bindungen, über die
Auswirkungen von Angst und Streß, über die strukturelle
Verankerung früher Erfahrungen sowie über die
Ausformung und die Funktion monoaminerger Systeme.
Im Licht dieser neuen
Erkenntnisse erscheinen die bisher vertretenen
Auffassungen über die neurobiologischen Ursachen von
ADHS, über die akuten Wirkungen und die langfristigen
Folgen der psychopharmakologischen Behandlung von "ADHS-Kindern"
mit Methylphenidat als veraltete und mit dem
gegenwärtigen Erkenntnisstand nicht vereinbare
Modellvorstellungen.
Das alte Modell macht für
die ADHD-Symptomatik ein genetisch bedingtes "Dopamindefizit"
(unzureichende Ausbildung oder Aktivität des
dopaminergen Systems) verantwortlich. Methylphenidat (RitalinÒ
) stimuliert die Dopaminfreisetzung. Durch diese "Normalisierung"
der Aktivität des dopaminergen Systems kommt es bei der
Mehrzahl der betroffenen Kinder auch zu einer Besserung
der Symptomatik (verbesserte Impulskontrolle und
Aufmerksamkeit, verminderte Unruhe, besser
kontrollierbare Aktivität). Diese bisher
zugrundegelegten Vorstellungen müssen meiner Ansicht
nach durch ein anderes, besser mit dem inzwischen
erreichten Erkenntnisstand vereinbares Modell ersetzt
werden.
Dieses Modell
unterscheidet sich von dem alten Modell in folgenden
Kernpunkten:
- Es gibt Kinder, die
aus unterschiedlichen Gründen und z.T. schon
unmittelbar nach der Geburt besonders empfindlich
sind und auf Störungen ihres inneren
Gleichgewichtes besonders intensiv reagieren (unruhige,
reizoffene, schwer zu beruhigende Kinder).
- Durch die
überdurchschnittlich häufige Stimulation ihres
antriebssteuernden dopaminergen Systems kommt es
bei diesen Kindern zu einer Stimulation des
Wachstums dieses Systems. Es wird dadurch
stärker und intensiver ausgebildet, als das
normalerweise der Fall ist (dopaminerge
Hyperinnervation).
- Die Ausformung
komplexer neuronaler Verschaltungen insbesondere
im Frontalhirn wird durch die "Überstimulation"
und die damit einhergehende vermehrte
Dopaminausschüttung behindert ("Frontalhirndefizit").
- Das daraus
resultierende Nutzungsmuster (unzureichende
Aufmerksamkeitsfokussierung, mangelnde
Impulskontrolle, Hyperaktivität) wird durch
ungünstige weitere Entwicklungsbedingungen
stabilisiert (frühe Bindungsstörungen,
mangelnde Selbstwirksamkeitserfahrungen,
Überforderung, Angst, Stress, psychosoziale
Konflikte etc.). Dadurch kommt es zu weiteren,
sekundären Veränderungen der Hirnreifung (nutzungsabhängige
Plastizität).
- Methylphenidat hemmt
die Wiederaufnahme von Dopamin und erzeugt einen
kontinuierlichen "Ausfluss" des in den
dopaminergen Nervenenden gespeicherten Dopamins.
Die Stimulation dieses Systems durch neuartige,
aufregende Reize bleibt nun "ohne Effekt"
(durch neue Stimuli ist nun keine verstärkte
Dopaminausschüttung mehr auslösbar). Das Kind
kann sich besser konzentrieren, ist weniger durch
äußere Reize ablenkbar und durch innere Impulse
"angetrieben"). Im Frontalhirn können
neue Nutzungsmuster ausgebildet und stabilisiert
werden.
- Durch die
Methylphenidatbehandlung während der Phase der
Hirnentwicklung (vor der Pubertät) wird die
weitere Ausreifung und Ausformung der
dopaminergen Innervation unterdrückt. Wenn
Kinder ein zu stark ausgebildetes dopaminerges
System besitzen, würde es auf diese Weise "zurückgestutzt".
Bei Kindern mit einem normal entwickelten
dopaminergen System jedoch, würde eine
unzureichende weitere Ausformung dieses Systems
erzeugt. Als Spätfolge dieses Defizits kann es
zu einer erhöhten Gefahr der Ausbildung eines
Parkinson-Syndroms im höheren Lebensalter kommen.
Auf der Grundlage dieses
Modells lassen sich folgende Schlußfolgerungen ableiten:
- Durch Früherkennung
besonders gefährdeter Kinder und die Einleitung
geeigneter präventiver Maßnahmen muß sich die
Ausbildung einer ADHS-Symptomatik verhindern
lassen.
- Die Verabreichung von
Methylphenidat ist eine sorgfältig abzuwägende
Notlösung, die erst dann eingesetzt werden
sollte, wenn alle anderen Therapieansätze
ausgeschöpft und unwirksam geblieben sind. Das
Medikament sollte auch nur dann verordnet werden,
wenn mit ausreichender Sicherheit von einer
überstarken Ausformung des dopaminergen Systems
im Gehirn dieser Kinder ausgegangen werden kann.
Mit freundlichem Gruß,
Ihr
Prof. Dr. Gerald Hüther, Göttingen
13.2.2002
Die unendliche Geschichte:
Schlechte
Studien der ADHS-Forschung
Vielleicht haben Sie schon
mal was von der bekannten MTA-Studie (Multimodal
Treatment Study) der NIMH (USA) gehört. Sie wird immer
wieder gern unkritisch zitiert, wenn es darum geht, den
Erfolg verschiedener Behandlungsmethoden bei "ADHS"
zu belegen.
In dieser Studie wurden 4 Gruppen miteinander verglichen:
nur medikamentös behandelte ADS-Kinder, nur mit
Verhaltenstherapie (á la Barkley) behandelte ADS-Kinder,
medikamentös und verhaltenstherapeutisch behandelte ADS-Kinder,
sowie eine vierte Gruppe mit "allgemeinen"
Kindern ohne Behandlungen.
Diese relativ aufwendige
Studie, die anfangs mit über 4500 Versuchspersonen
anfing, ist ein Paradebeispiel für eine wissenschaftlich
schlechte Untersuchung. Weder gab es eine echte
Kontrollgruppe, in der entweder Placebo-Bedingungen oder
ein echtes Nicht-Behandeln gegeben war, noch wurde ein
doppelblinder Versuchsplan durchgeführt ("doppelblind"
bedeutet, dass weder die Versuchspersonen noch die
wissenschaftlichen Auswerter wissen, mit welchen
Versuchspersonen aus welchen Versuchsgruppen sie es zu
tun haben). Diese beiden Hauptkriterien (echte
Kontrollgruppen und doppelblinder Versuchsplan) werden
international vorausgesetzt, wenn eine Studie
wissenschaftlichen Anspruch erheben will. Stattdessen
wussten sowohl die Versuchspersonen als auch die
Wissenschaftler, wer zu welcher Gruppe gehörte, was eine
Vielzahl von unkontrollierten Fehlerquellen und
Beeinflussungsmöglichkeiten in die jeweils gewünschten
Richtungen nach sich zieht.
Das sind aber nur die
Hauptschwachstellen, es gibt noch viel mehr Anlässe für
Methodenkritik, sei es, dass eine veraltete "Barkley-Verhaltenstherapie"
zur Anwendung kam, die keinerlei Umwelt- oder
Familienfaktoren einbezog, sei es, dass nicht erklärt
wird, wie die in der Hauptuntersuchung einbezogenen
Versuchspersonenauswahlen aus der Gesamtstichprobe
zustande kamen, sei es, dass die meisten
wissenschaftlichen Auswerter Methylphenidat-Befürworter
waren und ihre Voreinstellung als mögliche Fehlerquelle
nicht kontrolliert wurde...
Das Tollste ist aber
Folgendes: Immerhin bei einer Teiluntersuchung waren die
wissenschaftlichen Beobachter "blind", d.h.,
sie beobachteten Kinder aus allen Versuchsgruppen in der
Schule ziemlich ausführlich, ohne zu wissen, welcher
Gruppe sie jeweils angehörten. Ihr Ergebnis versprach
also einigermaßen wissenschaftlichen Standard. Und siehe
da: sie fanden keinerlei Unterschied zwischen allen
Versuchsgruppen, egal also, ob ein Kind Ritalin oder
nicht erhalten hatte, allein verhaltenstherapeutisch oder
kombiniert mit Ritalin behandelt worden war. Und was Sie,
liebe Gäste, vielleicht wieder nicht wundern wird:
Dieses im Vergleich zu allen anderen Ergebnissen der
Studie halbwegs zuverlässige wissenschaftliche Ergebnis
wird in allen Zusammenfassungen und Zitierungen dieser
Studie durchweg unterschlagen.
Aber wen (außer mich)
stört das schon ?
Mit Gruß, H.-R. Schmidt
17.2.2002
MTA Cooperative Group. (1999a). A 14-Month randomized
clinical trial of treatment strategies for attention-deficit/hyperactivity
disorder. Archives of General Psychiatry, 56, 1073-1086.
MTA
Cooperative Group. (1999b). Moderators and mediators of
treatment response for children with attention-deficit/hyperactivity
disorder: the multimodal treatment study of children with
attention-deficit hyperactivity disorder. Archives
of General Psychiatry, 56, 1088-1096.
Kurz, aber gut!
Besonders häufig flippen
Mütter aus bei Unordnung, Dreck, frechen Antworten,
ständigen Unterbrechungen, Trödeln und
Geschwisterstreitigkeiten. Legen Sie sich in diesen
Fällen ein dickeres Fell zu. Ihr Kind benimmt sich
vielleicht gerade wieder mal unmöglich, es ist aber
trotzdem völlig normal.
Flippen Sie möglichst
nicht aus bei Ungeschicklichkeiten, etwa wenn Ihr Kind
versehentlich ein Glas umwirft oder mit vollem Tablett
stolpert. Ich verlasse in solchen Fällen das Terrain
oder schließe die Augen und bitte darum: »Gib mir
Bescheid, wenn du das wieder in Ordnung gebracht hast.«
Fühlen Sie sich bloß
nicht allein für die Harmonie in der Familie zuständig!
Uberlassen Sie friedensstiftende Maßnahmen auch mal
Ihrem Kind und Ihrem Partner.
Noch etwas: Nicht nur in
den USA, auch hier zu Lande wächst die Zahl der Ritalin-Kinder
rasant. Immer rascher kommt es zur Diagnose
Hyperaktivität; dabei handelt es sich selten um kranke,
sondern häufig einfach um ungezogene Kinder. Diese
Möglichkeit sollte man in Betracht ziehen, bevor man
seinem Kind Medikamente verschreiben lässt.
Neuerdings stilisieren
manche Eltern ihren Nachwuchs auch zu so genannten
»Indigo-Kindern": damit werden die »Kinder eines
neuen Zeitalters« bezeichnet, die angeblich eine
besondere, nämlich blaue Aura haben und die daher ein
bisschen anders sind als andere Kinder.
Sie sind tatsächlich
andersallerdings auf Grund mangelnder Erziehung.
Erheblich aggressiver, lauter, unruhiger, frecher,
rücksichtloser und egoistischer. Da Indigo-Kinder jedoch
angeblich besonders begabt und feinfühlig sein sollen,
darf man es ihnen aber nicht übel nehmen, wenn sie
ständig unangenehm auffallen
Bevor man solchem Unsinn
aufsitzt, ist es vielleicht doch besser, es mit einem
energischen »Damit ist jetzt Schluss!« zu versuchen,
wenn das Kind gerade wieder Mist gebaut hat. Das
vertragen auch »besonders begabte und feinfühlige«
Kinder.
(Aus: Xenia Frenkel:
Eltern for family 3/2002, S. 89 ff.)
MfG Dörte
18.2.2002
HÜTHER AM TELEFON...
Liebe Gäste,
in
der Rubrik
ZEITZEUGEN möchte ich Ihnen in
lockeren Abständen speziell für unser Thema ADS
interessante ZeitgenossInnen vorstellen. Natürlich alles
Menschen, die nicht den üblichen ADS-mainstream
vertreten. Den Anfang macht
Ein sehr interessanter Pädagoge
Karl Gebauer ist
Rektor der Leineberg-Grundschule in Göttingen. Er leitet
regelmäßig Fortbildungsseminare und ist Verfasser
zahlreicher Fachartikel zum Thema Pädagogik und
Erziehung. Zusammen mit Gerald Hüther hat
er das Buch "Kinder brauchen Wurzeln"
herausgegeben.
Immer
mehr Lehrerinnen und Lehrer klagen über die hohe
Belastung durch ihre tägliche Arbeit. Hinter diesen
Klagen über Erschöpfung, Resignation, Nervosität und
schwindende Motivation verbirgt sich sehr
Unterschiedliches. Dennoch gibt es einen Stressfaktor,
der deutlich aus dem Meer der Möglichkeiten herausragt.
Stress im
Schulalltag
Panorama
Literatur
Literatur
|
SPRECHSTUNDE
PsychoMetriX
Heinrich-Meng
Jugend-
Beratung
Impressum
Ihr Beitrag
Kunst im Café


bke Bundeskonferenz
für Erziehungs-
beratung:
|