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ADS-Bücher: Kritisch Ritalin: Ein folgen- Das Verschwinden der Mädchen von der Oh wie verführerisch Alternative Behandlung Alternative Sichtweisen bei ADS Fundsachen: ADS-Foren kritisch betrachtet Teil 1 |
Ich stelle vor: Babyflüsterer Literatur Rezension MfG Dörte Kinderkommission des Deutschen Bundestages warnt Nicht für jeden Zappelphilipp Pillen Die Kinderkommission des Deutschen Bundestages hat davor gewarnt, hyperaktive Kinder vorschnell mit Psychopharmaka zu behandeln: Vorher müsse abgeklärt werden, ob überhaupt hirnorganische Ursachen vorlägen. Auch schlechte Angewohnheiten wie stundenlanges Fernsehen könnten dazu führen, dass sich die Kinder danach als Zappelphilipp abreagieren.
1. "Als ich noch als Kind im Kinderwagen ausgefahren wurde, lag ich mit dem Gesicht zu meiner Mutter da drin. Irgend jemand kam dann auf die Idee, die Kinderwagen umzudrehen, so dass die Kinder heute oft nach vorn gucken, also von der Mutter weg. Das ist für die Babies ungünstig. Ausserdem gibt es Kinderwagen, die haben dann noch vorn eine durchsichtige Wand, so dass das Kind gut rausschauen kann. Das nenne ich Überstimulation und Reizüberflutung." 2. "Wenn man Keimzellen eines Menschen, der vor 100 000 Jahren lebte, heute klonen könnte, also diesen Menschen von einer Leihmutter austragen und in unserer heutigen Welt aufwachsen ließe, würde er sich völlig unauffällig und genauso wie ein heutiges Kind entwickeln. Genetisch hat sich nämlich bei uns Menschen in den letzten 100 000 Jahren rein gar nichts verändert. Alles, was uns heute von den damaligen Menschen unterscheidet, ist "Kultur" oder "Umwelt" oder "Lernen" und hat mit Genetik nichts zu tun." 3. "Dass Neugeborene bei Mensch und Tier wie automatisch nach den Brustwarzen der Mutter suchen, hat nichts mit einem genetischen Programm zu tun, wie man lange glaubte. Es hat vielmehr damit zu tun, dass die Babies ihrer Nase nachgehen: die Brustwarzen strömen nämlich denselben Duft aus wie das Fruchtwasser im Mutterleib, und den haben sich die Babies bereits vor der Geburt eingeprägt. Sie können ja noch nicht wissen, dass es an der Brust was zu essen gibt. Das merken sie dann erst, nachdem sie ihrer Nase gefolgt sind. Man hat schwangeren Hasenmüttern Zitronensäure ins Fruchtwasser gespritzt und diesen Duft dann der Mutter auf den Rücken gerieben. Die Hasenbabies sind dann nach ihrer Geburt sofort auf den Rücken der Mutter gekrochen, obwohl dort ja keine Zitzen sind." 4. "Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf. Was das Aufziehen von Kindern betrifft, waren die Indianer oder andere Ureinwohner wahrscheinlich kultivierter als wir heute." 5. (Man sieht das Foto eines Kindes, das stolz eine große Schlange um den Hals hängen hat, im Hintergrund der Vater des Kindes): "Die Angst vor Schlangen ist ein altes und starkes, genetisch bedingtes Verhaltensprogramm. Hier sehen Sie aber einen einfachen Beleg dafür, dass Erziehung und Identifikation mit dem Vater (der Vater tritt mit einer Schlangennummer im Varieté auf) ein solches Programm ausschalten kann. Erziehung kann die Genetik jederzeit überwinden." 6. "Wenn Sie mich nach der Behandlung Ihres Kindes fragen, muss ich sagen: Ich bin kein Kliniker, fragen Sie also lieber Ihren Arzt oder Apotheker." 7. (Auf die Frage, wie lange man ein Kind mit Ritalin behandeln sollte): "Zwei Wochen, eingebettet in eine familienbezogene Umstrukturierung der kindlichen Lebenswelt, dann den ersten Auslassversuch. Heute war eine Telefonaktion, da haben mir Eltern z.B. erzählt, dass ihr Sohn jetzt 15 ist und seit seinem 6. Lebensjahr ununterbrochen und ohne sorgfältige Überwachung Ritalin schluckt. Also da wird es sehr fatal, so darf es nicht gehen." (Auf die Nachfrage, ob man in den Schulferien z.B. mit Ritalin aussetzen sollte): "Ja natürlich! Die Kinder müssen doch lernen, dass sie aus sich selbst heraus in der Lage sind, ihr Verhalten zu steuern. Es darf doch auf Dauer nicht eine Pille sein, die das macht. Das entmündigt ein Kind, das schwächt sein Vertrauen in seine Selbststeuerungskraft." 8. (Auf die Frage, dass Ritalin seit mehreren Jahrzehnten im Einsatz sei und man nichts über Langzeitschäden wie Parkinson bisher erfahren habe): "Seit 1956 wird Methylphenidat weltweit gegeben. Um die Langzeitauswirkungen seither prüfen zu können, müssten Sie ca. 200 Leute untersuchen, die seither das Mittel genommen haben und mit einer sorgfältig ausgesuchten Kontrollgruppe vergleichen. Das ist methodisch praktisch unmöglich, das schaffen Sie in 20 Jahren nicht, das hat auch noch keiner versucht. Deshalb weiss man es einfach nicht, was bisher aus den Leuten geworden ist. Wenn man nichts hört, sagt das zunächst mal gar nichts." 9. "Wenn Sie die Medikation mit Methylphenidat vergleichen mit Psychotherapie, dann ist das Medikament immer stärker. Das bügelt einfach alles glatt, so stark ist es. Das wirkt bei jedem Menschen konzentrationssteigernd wie Speed und Kokain, nicht nur bei ADS. Die Piloten im Weltkrieg haben es bekommen, damit sie wie gut gelaunte Zombies konzentriert gegen den Feind fliegen konnten. Studenten nehmen es, um sich besser aufs Examen vorbereiten zu können. Wichtig für die starke Rauschwirkung ist, dass man es pulverisiert schnupft oder in Flüssigkeit aufgelöst intravenös spritzt. Wenn Sie es oral schlucken, wirkt es viel langsamer und schwächer." Liebe Grüße, Frauke
"Durch Früherkennung
besonders gefährdeter Kinder und die Einleitung
geeigneter präventiver Maßnahmen muß sich die
Ausbildung einer ADHS-Symptomatik verhindern lassen". Sprechstunde für Schrei-Babys hat sich bewährtSeit zehn Jahren bestehende Münchner Beratungseinrichtung konnte in 89 Prozent aller Fälle weiterhelfenMÜNCHEN (ras). Frühkindliche Probleme bei der Nahrungsaufnahme, bei den Schrei- und Schlafgewohnheiten treten weit häufiger auf als angenommen wird. Nach den jetzt zehnjährigen Erfahrungen der "Münchner Sprechstunde für Schreibabys" durchläuft jedes vierte bis fünfte Kind Schreiphasen im Kleinkindalter. Dabei werden die betroffenen Eltern von ihrem Umfeld, aber auch von den behandelnden Ärzten häufig im Stich gelassen. Oft werden sie lediglich mit Durchhalteparolen beschwichtigt. Zwar stellt man auch in der Münchner Modelleinrichtung im Kinderzentrum fest, daß Schreiprobleme in den ersten Monaten häufig harmlos sind und sich meist auswachsen. Aber bei etwa vier Prozent der Schreibabys sind jedoch das anhaltende Schreien und die chronische Unruhe Vorboten einer leidvollen Biographie. Oft fallen diese Kinder später mit massiven Verhaltens- und Aufmerksamkeitsstörungen auf. Besonders sensibilisiert sollten die Ärzte dann sein, wenn das anhaltende Schreien in Kombination mit anderen Verhaltensauffälligkeiten auftritt, sagt Professor Mechthild Papousek, Leiterin der "Münchner Sprechstunde für Schreibabys." Bei etwa 40 Prozent der betroffenen Kinder müsse bei dieser Kombination mit dem Auftreten eines Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHD) gerechnet werden. Angesichts der Komplexität des Störungsbildes sieht Papousek "eklatante Lücken" im Versorgungsnetz. Keine Berufsgruppe sei derzeit für diese speziellen Probleme im Säuglingsalter ohne weitere Zusatzqualifikation fachlich gewappnet. Zudem fehlten bundesweit interdisziplinäre Beratungsstellen für das Säuglings- und Kleinkinderalter mit einem qualifizierten Angebot von Eltern-Säuglings-Behandlungen. Deshalb erstaunt es nicht, daß in den vergangenen zehn Jahren 2100 Familien das spezielle Beratungs- und Behandlungsangebot im Kinderzentrum wahrgenommen haben. Die Ergebnisse sind ermutigend. Mit einem vergleichsweise geringen Aufwand von durchschnittlich 3,9 Terminen konnte 89 Prozent der Kinder weitergeholfen werden. 45 Prozent der Kinder wurden vollständig therapiert, bei weiteren 44 Prozent wurde immerhin erreicht, daß sich die Kinder in ihrem Sozialverhalten und der Beziehungsbindung stabilisieren konnten. Für ausgesprochen problematisch hält es Papousek, daß die Diagnose "Frühkindliche Regulationsstörung" bisher nicht im anerkannten Diagnose-Klassifizierungssystem (ICD 10) berücksichtigt worden ist. Dementsprechend stehen den Ärzten weder in der GOÄ noch im EBM entsprechende Leistungslegenden zur Verfügung. Diese seien jedoch zusätzlich zum Forcieren der Weiterbildung längst überfällig, da ansonsten weder eine rechtzeitige Behandlung noch eine frühe Diagnostik sichergestellt werden könnten. Quelle: Ärzte-Zeitung vom 18.1.2002
Hallo, noch eine Randbemerkung zum Hüther-Vortrag in Köln. Ich habe die folgende Beobachtung im Publikum gemacht, die ich auch immer wieder in den einschägigen Internet-Foren wiederfinde: Im Publikum gab es 3 Hauptgruppen:
Den Zustimmern war alles nicht neu, sie waren informiert, sie folgtem dem Vortrag mit Kopfnicken und klatschten am Schluss am längsten. Sie bildeten mindestens die Hälfte des Publikums (im Internet melden sie sich praktisch nie). Die Nachdenklichen wirkten sehr interessiert, manchmal skeptisch, manchmal zögernd zustimmend, insgesamt aufgeschlossen-abwägend. Sie bildeten etwa ein Viertel des Publikums. Sie klatschten am Schluss mittellang und verließen den Saal mit neugierigem Fragezeichen im Blick (im Internet melden sie sich manchmal, werden dann aber schnell "belehrt" bzw. verschreckt). Die Rigiden schienen überhaupt nicht zugehört zu haben. Sie outeten sich am Schluss in der Diskussion als "Betroffene" und stellten die üblichen "Standardfragen" ("macht Ritalin süchtig", "macht Ritalin Parkinson", "warum zahlt meine Krankenkasse meine ADS-Ärztin nicht" etc.), die entweder mit Hüthers Vortrag wenig zu tun hatten, oder die sie ihrem Therapeuten oder Arzt stellen müssten (was wieder sehr deutlich machte, wie schlecht sich diese Betroffenen von ihren Ärzten/Therapeuten beraten fühlen). Einige dieser Rigiden waren anfangs wohl gekommen, um Hüther "Dampf zu machen", aber davon war dann überhaupt nichts zu bemerken, keinerlei Kritik an seinen Thesen. Sehr schade, denn diese Leute werden dann wieder im Internet ins Blaue hinein meckern. Sie klatschten am Schluss nur kurz und verließen den Saal, wie sie ihn betreten hatten: Verstört (im Internet findet man sie sehr häufig). Ulli "Aufklärung tut nötig" "Überfällig,
dass sich die Presse der Agitation der Scientologen in
und um ADHS bzw. die Ritalintherapie annimmt und z.B. auf
die Machenschaften von Herrn Kaeding hinweist.
Unverständlich aber, dass dann für eine Veranstaltung
geworben wird, die zweifelos in einem anderen Extrem der
Esoterik bzw. Heilpraktierlehre (oder -leere) angesiedelt
zu sein scheint und u.a. einem Herrn Hüther und obskuren
anderen "Berufenen" ein Forum gibt. Leider wird
die Schulmedizin in Sachen ADHS offenbar immer noch als
völlig obsolet angesehen. Insofern muss man dem Tenor
des Artikels zustimmen, dass die "Szene"
zerstritten auftritt bzw. für den Laien erscheint.
Aufklärung tut also weiterhin nötig. Wir werden auch
weiterhin in einer vorderen Front dranbleiben..." Während
man dem ersten Satz dieses Zitats vorbehaltlos zustimmt,
sträuben sich einem danach natürlich die Haare zu Berge.
Mit dieser ganz typischen selbstherrlichen Arroganz
schadet sich die Schulmedizin schon seit vielen Jahren
selbst, offensichtlich ohne es zu bemerken. Schuld sind
natürlich Andere. Die "Szene" tritt keineswegs
zerstritten auf, wie der engagierte Kollege Winkler
behauptet. Vielmehr gebärden sich die Herren Winkler und
ihre traditionelle Schulmedizin rigide und uneinsichtig,
wenn es darum geht, ihre wissenschaftlich ganz
unbegründete Machtposition zu hinterfragen.
Selbsthinterfragen war in der Schulmedizin noch nie
besonders gefragt, aber gerade deshalb um so nötiger,
gerade in Sachen ADHS. Der ADHS-Diskurs steht auch für
eine selbstkritische Revision unserer gegenwärtigen
Schulmedizin. Traurig, dass sie diese Chance wieder
einmal zu verpassen scheint. Da passen Fachleute wie
Hüther, die ein integratives Modell anbieten, natürlich
gar nicht ins traurig-alberne Machtspiel. Zur
spezifischen Methylphenidat-Wirkung Erst kürzlich habe ich wieder von einer Mutter gehört, deren Kinderarzt ihr empfahl, beim unruhigen Söhnchen einfach mal Ritalin auszuprobieren, und wenn es wirke, sei die Diagnose "ADHS" damit bestätigt. Dieser Irrglaube steckt in sehr vielen Elternköpfen (und Ärzteköpfen wohl auch noch), das habe ich immer wieder festgestellt. Die meisten Eltern glauben, um Ritalin geben zu können, bedürfe es der Diagnose "ADHS", und wenn das Mittel wirkt, wäre klar, dass ihr Kind an "ADHS" leidet. Ein fataler Zirkelschluss. In einem früheren Beitrag habe ich mich mit diesem Problem bereits auseinander gesetzt. Seriöse wissenschaftliche Studien zur spezifischen Wirkung von Methylphenidat bei "ADHS" sind aus verständlichen Gründen sehr selten. Schließlich kann man keinen gesunden Kindern zu wissenschaftlichen Zwecken Ritalin geben (obwohl genau dieser Großfeldversuch derzeit weltweit unkontrolliert läuft!). Deshalb ist die Studie von Klein RG u.a. so kostbar und aufschlussreich. Diese
Autoren haben die Hypothese überprüft, derzufolge
Stimulanzien bei antisozialen Verhaltensstörungen
("conduct disorder", das sind aggressive,
gewalttätige, kriminelle oder zerstörerische Kinder)
nicht hilfreich seien. Man geht gewöhnlich davon aus,
dass Methylphenidat, das bei Kindern mit "ADHS"
wirkt, auf die Symptomatik solcher antisozialer
Verhaltensstörungen keinen hilfreichen Einfluss hat.
Methylphenidat soll also ganz spezifisch auf die "ADHS"-Symptomatik
wirken. Methylphenidat hat demnach auch eine eindeutige Wirkung auf die Symptome einer gewöhnlichen Verhaltensstörung, und nicht nur auf die Symptomatik von "ADHS". Dies zeigt sehr deutlich, dass Methylphenidat unspezifisch wirkt und seine Wirkung keinen diagnostischen Rückschluss erlaubt. Sonst müsste man ja gemäß der bisherigen "ADHS"-Logik folgern, diese Untersuchung hätte bestätigt, dass die Wirkung von Methylphenidat die Diagnose einer antisozialen Verhaltensstörung begründe. Und das sagt ja sicher keiner. Aber wenn es um "ADHS" geht... Oder
allgemein: Eltern, bei deren Kind Methylphenidat
symptomdämpfend wirkt, können nicht schon deshalb davon
ausgehen, dass "ADHS" vorliegt. Es kann auch
eine Verhaltensstörung sein, für die das Medikament gar
nicht gedacht (und vielleicht langfristig auch
hirnschädigend) ist. Noch allgemeiner: Methylphenidat
wirkt immer, egal ob einer was hat oder nicht. So ist das
eben mit einem Psychopharmakum.
Liebe Gäste, Zitat vom 22.08.01 in schularzt.de:Herr Kollege Helmut Bonney, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie (und Kinder- und Jugendarzt) aus Heidelberg schreibt in dem Buch Systemische Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie: "Jüngste
Forschungen über Effekte von Methylphenidat am sich
entwickelnden Gehirn belegen im Tierversuch, dass die
frühe Anwendung dieses Stimulanz eine bleibende
Verminderung der Dopamintransporterdichte im Striatum um
50% verursacht Hier das Abstract aus Medline: J Child
Adolesc Psychopharmacol 2001, Spring;11(1):15-24: Early methylphenidate
administration to young rats causes a persistent
reduction in the density of striatal dopamine
transporters. Methylphenidate is widely and effectively used for the treatment of attention deficit hyperactivity disorder during early childhood and adolescence, but until now possible effects of this treatment on brain development and the maturation of monoaminergic systems have not been investigated systematically. This experimental animal study describes the effects of methylphenidate administration (2 mg/kg/day) for 2 weeks to very young (prepubertal) and somewhat older (postpubertal) rats on the densities of dopamine, serotonin, and norepinephrine transporters in the striatum and in the midbrain. As shown by ligand-binding-assays, the K(D) values of all three transporters were unaffected by this treatment. No alterations were found for the Bmax values of [3H]-paroxetine and [3H]-nisoxetine binding, but the density of dopamine transporters (Bmax values of [3H]-GBR binding) in the striatum (but not in the midbrain) was significantly reduced after early methylphenidate administration (by 25% at day 45), and this decline reached almost 50% at adulthood (day 70), that is, long after termination of the treatment. This is the first empirical demonstration of long-lasting changes in the development of the central dopaminergic system caused by the administration of methylphenidate during early juvenile life. Ohne jetzt in Panik zu verfallen, denke ich, wir sollten gut über die Ergebnisse dieser Tierversuche, die sich natürlich nicht ohne Weiteres auf Menschen übertragen lassen, nachdenken und bestätigende oder widersprechende Anschlussstudien abwarten! Mich überraschen sie nicht so sehr, weil ich aufmerksam die Forschungsergebnisse zu Ecstasy und anderen Amphetaminen registriert habe, die auch zunehmend auf bleibende Veränderungen in Neurotransmitter-Systemen bei chronischem Konsum hinweisen. Nur werden diese Erkenntnisse drogenpolitisch eingesetzt, z. B. um Jugendlichen zu signalisieren "Lasst die Finger von diesem gefährlichen Zeug!" Die Aachener Kinder- und Jugendpsychiater Prof. Beate Herpertz-Dahlmann und ihre Oberärztin Ina Grzella wiesen übrigens in Diskussionen schon häufiger darauf hin, dass bei Methylphenidat ähnliche Veränderungen im dopaminergen System zu erwarten seien. Ich werde auch weiterhin Methylphenidat verordnen, aber - wie bisher - nur wenn andere Möglichkeiten ausgeschöpft sind und krisenhafte Zuspitzungen drohen. Auch eingedenk nicht auszuschließender Langzeitwirkungen!
Frage: Herr Dibblpsüch, Sie wurden neulich mutterseelenallein im vorderen Wagen der Straßenbahnlinie 23 in Hamburg gesehen, während der bekannte Seientologe Hubbelbart und weitere 124 Menschen im hinteren Wagen fuhren. Gestehen Sie, was haben Sie mit diesen Leuten zu tun? Schnott: Also, das ist ganz einfach: Ich kenne keinen dieser 124 Leute. Frage: Na, das beruhigt! Aber Sie sind doch ein Freund von Prof. Verhütherli, nicht wahr? Das macht Sie sehr verdächtig. Was hat es bei ihm mit dem Hubbelbart auf sich? Schnott: Was seinen Hubbelbart betrifft: das ist Geschmacksache! Ich selber bin ja kein Bartträger. Frage: Aha! Prof. Verhütherli behauptet ja, dass das Mondamintransportersystem bei unruhigen Rindern durch die Gabe von grünen Affen-Alpen aus USA zum Schrumpfen kommt. Der Versuch wurde ja inzwischen an unruhigen mami-mäusen und daffy-daggies wiederholt. Notorische Stänkerer wie der Rinderarzt Dr. Filgus (alias Otto Bäuren) behaupten nun aber unter frenetischem Beifall ihres Kuhstalls, dass sie selbst unter ihrem geschrumpften Mondaminsystem keineswegs leiden und dass hinter allem bloß dieser Hubbelbart steckt. Schnott: Das enthebt sich meiner Unkenntnis. Ich empfehle Beethovenblüten-Therapie zur Verhinderung des Mondaminschrumpfungssyndroms (MSS) bei Rindern und Tierärzten. Auch mit Milka-Schokolade habe ich gute Erfolge, denn die kommt von glücklichen Kühen. Wenn man sie gegeben hat, muss man Rindern und Tierärzten hinterher allerdings immer vom Kleckern sehr sehr sorgfältig den Hubbelbart abwischen. Frage: Sehr sehr aufschlussreich! Wenn man sich im Kuhstall so umhört, sollen ja immmer die Älteren schuld sein, wenn die Rinder unruhig sind. Was sagen Sie dagegen? Schnott: Das ist ungerecht gegenüber den Kälbern. Auch die wollen mal schuld sein! Man muss ihnen in seinem eigenen Kuhstall nur so lange mit Macht zusetzen, bis sie endlich nachgeben und einsehen, MSS zu haben und dann sogar noch ganz stolz ein Buch darüber schreiben. Es geht aber in Wirklichkeit gar nicht um Schuld, es geht vielmehr um den Hubbelbart in uns selbst. Frage: Wie dürfen wir dies missverstehen? Schnott: Wie immer. Frage: Danke! Herr Dibblpsüch, welche alten Nativen ausser Milka und grünen Affen-Alpen sowie Beethovenblüten empfehlen Sie uns sonst noch beim MSS? Schnott:
Heiliger Streit mit dem Papst, Otto, Dick & Doof,
Hubbelbart, Popeye, dem Bundeskanzler, den Drogen- und
Sektenbeauftragten und dem Froschkönig hilft unseren
paranoiden Rindern sicher. Das muss intensiviert werden,
denn sonst haben unsere Politiker ja nichts mehr zum
Lachen. Wir brauchen glückliche Politiker, nicht nur
glückliche Kühe. Im Übrigen muss man nur die Kühe im
Kuhstall selber fragen. Sie sagen zu allem ganz deutlich:
Ulli Starker Tobak: RITALIN UND KRIMINALITÄT Das ist
sehr spannender Lesestoff! Der bekannte
Kriminalhauptkommissar Wimmer schaut hinter die Kulissen!
Die "ADHS"-Forschung hat sich bisher in tausenden von Studien fast ausschließlich mit der Suche nach organisch-genetischen Ursachen sowie mit der medikamentösen Behandlung beschäftigt, ohne überzeugend fündig zu werden. Eben weil die Identifikation beweisbarer Ursachen bisher nicht gelungen ist, hat man sich mit Präventionsfragen fast überthaupt noch nicht befasst. Es gibt fast keinerlei Berichte über kontrollierte Effekte psychotherapeutischer Behandlungen, die etwas über die Entwicklung dieser Kinder von Geburt an aussagen. Man weiss auch noch fast gar nichts über die mittel- und langfristigen Verhaltensweisen und Besonderheiten von Familien mit "ADHS"-Kindern. Hier liegen große Aufgaben vor uns, und langsam kommt dieser wissenschaftliche Zug ins Laufen. In Deutschland z.B. wird an der sog. "Profilstudie" des BV-AÜK und der Charité Berlin gearbeitet. Ich bin fest überzeugt, dass die bessere Erforschung psychotherapeutischer Behandlungsmöglichkeiten die heute noch dominierende medikamentöse Behandlung in Zukunft weitgehend ersetzen oder stark zurückdrängen wird, so dass man eines Tages nur noch ca. 15 Prozent der heute medikamentös behandelten Kinder weiterhin medikamentös unterstützend und auch zeitlich begrenzter behandeln wird. Eine der ganz wenigen prospektiven Studien, die sich mit der frühen Vorbeugung gegen die "ADHS"-Symptomatik befassen, stammt von GC Rappaport u.a. 51 Kinder im Alter zwischen 2 bis 4;5 Jahren, die unter Unaufmerksamkeit, Sprachstörungen und/oder motorischen Entwicklungsstörungen mit und ohne Hyperaktivität litten, wurden im Alter von 8 bis 10 Jahren nachuntersucht, nachdem sie nicht-medikamentös mit Beschäftigungs- und Sprachtherapie behandelt worden waren. 20 dieser 51 Kinder hatten die Diagnose "ADHD", und 8 von diesen 20 hatten Geschwister mit ebenfalls einer "ADHD"-Geschichte. Diese Kinder konnten mit ihren unbehandelten Geschwistern als Kontrollgruppe verglichen werde. Es zeigte sich bei ihnen im Schulalter ein bedeutsamer Rückgang der "ADHD"- Problematik. Die Autoren stellen fest, dass ihre Stichprobe noch zu klein für Verallgemeinerungen ist und regen Überprüfungen an größeren Gruppen an. Ich sage: Nur zu! H.-R. Schmidt
Gut gesagt... Was man damit nicht erreicht und wohl auch nicht erreichen will, ist die eigentlich zwingend notwendige Veränderung der Verhältnisse, unter denen unsere Kinder heute aufwachsen müssen. Überall dort, wo Erwachsene die Anhäufung materieller Güter, das eigene Wohlergehen und die individuelle Bedürfnisbefriedigung zur wichtigsten Richtschnur ihrer Lebensgestaltung zu machen beginnen, kann sich irgendwann nur noch das entfalten, was durch Konkurrenz, Erfolgsdruck, Neid und Habgier hervorgebracht wird. Alles andere verkümmert. Auch Kinder verkümmern." (Quelle: G. Hüther u. H. Bonney: "Neues vom Zappelphillipp", S. 143. Walter 2002)
Russell Barkley, R. Barkley, einer der Nestoren der ADHS-Forschung, vertritt seit einiger Zeit eine neue Sicht von ADHS: Nicht mehr ein Aufmerksamkeitsdefizit, sondern ein Mangel an Selbstkontrolle mache die Grundstörung bei ADHS aus. In einem Interview mit frontline, das ich hier ausschnittweise (teils etwas frei) übersetze, erläutert er seine Position. Anschließend kommentiere ich dies aus meiner Sicht der Dinge. Frage: "Ihr Konzept der Selbstkontrolle (bei ADHS) unterscheidet sich von der Sicht anderer Fachleute. Wie sind Sie auf Selbstkontrolle gekommen? Barkley: Nun, ich habe begonnen, die Selbstkontrolle bei ADHD-Kindern zu untersuchen, weil wir bemerkten, dass die Aufmerksamkeitsprobleme der Kinder nichts mit ihrer Umweltwahrnehmung zu tun hatten. Es war mehr ein Problem, bei irgendetwas nicht so lange durchhalten zu können wie andere. Und sie konnten den Ablenkungen um sich herum nicht so gut wie andere widerstehen, besonders wenn sie es mit langweiligen und sehr eintönigen Aufgaben zu tun hatten. Das hat uns dazu gebracht anzunehmen, dass sie Probleme mit ihrer Verhaltenskontrolle haben, nicht mit ihrer Umweltwahrnehmung. Das würde bedeuten, dass das Problem darin liegt, wie sie den output ihres Gehirns -ihr Verhalten- organisieren, und nicht darin, wie sie den input, der mit ihrer Wahrnehmung ins Gehirn gelangt, verarbeiten. Wir fanden, dass sich die ADHD-Kinder Dingen, die sie in ihrer momentanen Situation vorfinden, durchaus aufmerksam zuwenden können, so dass es wirklich kein Aufmerksamkeitsproblem bei ihnen ist. Worauf sie sich aber nicht konzentrieren können, das ist das, was danach kommt, was jeweils als nächstes getan werden muss, um auf die jeweilige Zukunft des momentanen Verhaltens vorbereitet zu sein. Sie halten nicht inne, um an die Folgen dessen zu denken, was momentan abläuft. Sie haben also kein Aufmerksamkeitsproblem; sie haben stattdessen ein Problem mit ihren Intentionen. Damit meine ich Verhaltensweisen, die wir einsetzen, um auf das vorbereitet zu sein, was vor uns liegt: unsere Ziele; unsere Pläne; die Erkenntnis, besser weiter zu arbeiten; das Beachten des Beispiels anderer Menschen, damit man vorbereitet ist, wenn eine Situation eintritt. Das ist es, was ADHD-Kinder nicht tun. Frage: Es gibt 6000 Studien, hunderte von doppelblinden Untersuchungen, und trotzdem besteht immer noch Uneinigkeit (über ADHD). Wieso? Barkley: Es gibt teilweise deshalb Uneinigkeit über ADHD, weil wir Medikamente anwenden, um die Krankheit zu behandeln, und die Menschen dies beunruhigend finden. Aber es gibt auch Beunruhigung, weil ADHD als (genetisch-biologische) Krankheit eine tiefsitzende Überzeugung verletzt, die die Menschen über das Verhalten von Kindern haben. Wir sind alle mit der fast unbewussten Vorstellung aufgewachsen, dass kindliche Verhaltensstörungen weitgehend zurückzuführen seien auf die Art und Weise, wie sie von ihren Eltern und Lehrern erzogen werden. Dass es ein Problem der Kindererziehung sei, wenn ein Kind außer Kontrolle ist, stört und nicht gehorcht. Wir verdanken es FREUD und WATSON und anderen, die unser Alltagswissen prägen, uns glauben zu machen, dass Verhaltensprobleme erlernt seien. Und nun kommt diese Krankheit ADHD daher, die kindliches Verhalten sehr stark stört, und hat nichts zu tun mit Lernen oder elterlichen Erziehungsfehlern. Damit werden diese tiefsitzenden Überzeugungen über missratene Kinder und ihre Verhaltensstörungen natürlich verletzt. Und solange es diesen Konflikt gibt zwischen Wissenschaftlern, die sagen, die Krankheit sei überwiegend genetisch und biologisch bedingt, und der Öffentlichkeit, die sagt, soziale Ursachen seien ausschlaggebend, wird es weiter heftige Kontroversen geben. Unter den Wissenschaftlern, die ihre Karriere dieser Krankheit gewidmet haben, gibt es keine Kontroverse. Es gibt keine wissenschaftlichen Treffen, auf denen irgendeine Kontroverse über diese Krankheit erwähnt würde, über ihre Gültigkeit als Krankheit, über den Nutzen der Stimulanzbehandlung mit Mitteln wie Ritalin. Da gibt es einfach keine Kontroverse. Die Wissenschaft spricht für sich selbst." MEIN KOMMENTAR: Erstaunlich ist aber wieder die krasse Leugnung von psychosozialen Lern- und Erfahrungsfaktoren in der Entwicklung von Verhaltensstörungen. Ich gehe davon aus, dass Barkley diese Faktoren nicht generell leugnet, sondern nur bei seinem bisherigen und neuen ADHD-Konzept. Eine generelle Leugnung würde ihn ja als Wissenschaftler völlig unseriös machen. Das kann heute niemand mehr generell leugnen. Es handelt sich dabei keineswegs um "Alltagswissen", dass uns Blender wie Freud und Watson eingeredet hätten, sondern um von der Wissenschaft vielfach belegtes Wissen, das nicht zuletzt deshalb zu Alltagswissen wurde. Nun wäre ja gar nichts gegen die These einer lern- und erfahrungsunabhängigen, genetisch-biologisch verursachten Störung ADHS einzuwenden, wenn Barkley sie wissenschaftlich belegen könnte. Das kann er aber nicht, weshalb es eben eine These und keine Wahrheit ist und bleibt. Es gibt zwar eine Menge wissenschaftlicher Belege über die Mitwirkung bzw. über das Einhergehen (nicht Verursachung) biologisch-genetischer Faktoren bei "ADHS", aber noch praktisch keinerlei Belege für die Erfahrungsunabhängigkeit, die Barkley behauptet. Aus dem Umstand, dass sich die ADHS-Forschung bisher praktisch überhaupt nicht um die Verifizierung solcher Umweltfaktoren gekümmert hat (was an der einseitig biologistischen Orientierung der amerikanischen Psychiatrie und Psychotherapie á la Barkley liegt), kann nicht auf deren Unwirksamkeit geschlossen werden. (Wie wenig sich die amerikanische Öffentlichkeit oftmals für psychologische Fragestellungen interessiert, wurde in der jüngeren Vergangenheit deutlich, wenn Jugendliche in ihrer Schule Amok liefen: die Öffentlichkeit fragte sich dann jeweils, woher die Kids die Waffen hatten und ob man die Waffengesetze verschärfen müsse, nicht aber, warum diese Kids sich Waffen besorgt haben). So extrem, wie Barkley den Faktor Erfahrung leugnet, leugnet heute kein "Erfahrungsanhänger" mehr genetische Faktoren. In Deutschland ist solch eine Position, wie sie Barkley in diesem Punkt vertritt, gottlob nirgends mehr zu finden. Sie würde ja jegliches sozialpolitisch-sozialpsychologische Engagement für unsere Kinder zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen für überflüssig erklären; eine völlig verantwortungslose Position. Dass Begriffe wie "Selbstkontrolle", "Selbstbeherrschung", "Selbstdisziplin", "Selbstwertgefühl", "emotionale Intelligenz" "Motivverzicht", "Motivaufschub", Triebverzicht", "Selbstreflektion" usw., die wohl alle mit Barkleys "self-control" zu tun haben, in der Psychologie bereits eine längere Forschungstradition haben und sich sein Konzept wieder mal genauso durch Erfahrung, zumindest durch das Zusammenspiel von "Genetik" und Erfahrung begründen liesse, scheint ihn nicht weiter zu berühren. Bei Aussagen wie "das Beachten des Beispiels anderer Menschen..." springt mir das Wort "Bindungsforschung" praktisch ins Gesicht! Überhaupt lenkt die "output"-Orientierung seines neuen Konzepts viel stärker auf den Resonanzboden dieses outputs, eben die "Umwelt" hin, als es das frühere "input"-Konzept nahelegte. Aber wer sagt das! Für Barkley sind ja nur Forscher oder Kliniker relevant, die ihre gesamte bisherige, jahrzehntelange Karriere dem Phänomen ADHS gewidmet haben, so wie er selbst. Alle anderen sind gar keine Fachleute. Er hat ja der berühmten "Konsens-Konferenz" zu ADHS 1998 auch vorgeworfen, gar keine wissenschaftliche, sondern eine politische Konferenz gewesen zu sein (was sicher teilweise zutrifft; gleichwohl fand er die Konferenz vernünftig), weil so viele dieser "Nichtfachleute" eingeladen gewesen seien. Man kann nur hoffen, Barkley betrachtet nicht nur diejenigen als echte Fachleute, die seiner Meinung sind. Wenn sich allerdings nur diese Art von Fachleuten zu Konferenzen trifft, gibt es natürlich keinerlei Kontroversen über ADHS. Aber ist das dann noch kritische Wissenschaft? Da ich schon weiss, dass ich meine weitere Karriere nicht allein "ADHS" bzw. "SDS" widmen möchte, schweige ich aber jetzt lieber. Mit Gruß, H.-R. Schmidt
Dieses
Buch der drei Darmstädter Hochschulprofessoren für
Sozialmedizin bzw. Heilpädagogik Amft, Gerspach und
Mattner sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Es
hinterfragt alles, was Sie bisher über ADS zu wissen
glaubten, aus nüchterner wissenschaftlicher Sicht. Die
drei Beiträge der Autoren ergänzen sich zu einem
wirklich kritischen, fundierten und ausgewogenen
Gesamtbild über ADS/HKS/MCD. Sie werden hier viele
meiner Positionen wiederfinden. (Zitat) 1. Es gibt Kinder mit ZNS-bedingten Aufmerksamkeitsproblemen. 2. Ein Rückschluss von Aufmerksamkeitsproblemen auf deren Ursache ist unzulässig. 3. Nur wenn eine cerebrale Dysfunktion objektiv nachgewiesen werden kann, ist die Bildung einer kausalen Hypothese zwischen cerebraler Dysfunktion und Aufmerksamkeitsproblemen zulässig. Alles andere ist Spekulation. 4. Cerebrale Dysfunktionen führen nicht zwangsläufig zu Verhaltens- und Entwicklungsproblemen. Im Gegenteil: Ca. 75% der Kinder mit nachweislicher cerebraler Dysfunktion weisen psychiatrisch keine Auffälligkeiten auf. 5. Normal ist, dass Kinder leichte cerebrale Dysfunktionen gut kompensieren können. Nur ca. 25% der Kinder mit nachweislicher cerebraler Dysfunktion weisen psychiatrische Auffälligkeiten auf, wobei dies im Einzelfall einen kausalen Zusammenhang noch nicht begründet, weil diese Störungen auch andere Ursachen besitzen können. 6. Zu fragen ist vielmehr, ob nicht in erster Linie psychosoziale Faktoren als ursächlich dafür angesehen werden müssen, dass es einem kleinem Teil der Kinder nicht gelingt, ihre cerebrale Dysfunktion zu kompensieren. 7. Wird bei einem Kind mit Aufmerksamkeitsproblemen eine cerebrale Dysfunktion objektiv nachgewiesen, so beweist dies noch nicht eine Kausalität zwischen cerebraler Dysfunktion und Aufmerksamkeitsproblemen. Denn diese Aufmerksamkeitsprobleme können auf anderen Ursachen basieren (Zitatende). Ich weise besonders auf den Punkt 6 hin, den ich immer schon für ganz wichtig gehalten habe. Aber machen Sie sich bitte Ihr eigenes Bild. Mit Gruß, H.-R. Schmidt
Einladung
zum 2. Freitagsgespräch Prof. Dr. Manfred Gerspach, Fachhochschule Darmstadt, spricht und diskutiert zum Thema: Zappelphilipp
& Co: Ort: Heinrich-Meng-Institut
des Erftkreises Veranstalter:
Erftkreis, Heinrich-Meng-Institut, Dipl.-Psych.
H.-R. Schmidt Lesen Sie auch noch einmal unter Artikel 2000 (Gerspach) ADS und Psychotherapie von Werner Hauser In
nahezu allen hergebrachten ADS-Internetseiten und
populären ADS-Ratgebern finden Sie den mehr oder weniger
dringenden Rat, eine Medikation bei ADS nicht ohne
begleitende Verhaltenstherapie und Elterntraining
durchzuführen. Wenn Sie dies als fachlicher Laie lesen,
gehen Sie sicher davon aus, dass dieser Rat überall
deshalb so kategorisch gegeben wird, weil ihn
wissenschaftliche Forschungsergebnisse begründen. Verhaltenstherapie und Elterntrainings sind zwar allgemein bewährte und in ihrer Wirksamkeit wissenschaftlich recht gut belegte Verfahren. Sie zu empfehlen ist also allgemein vollkommen berechtigt. Dass aber ausschließlich diese Methoden bei "ADS" indiziert sein sollen, alle anderen nicht, bedarf besonderer Begründung. Wenn es eindeutige Forschungsergebnisse gäbe, die belegen, dass Verhaltenstherapie bei ADS wirksamer ist als Familientherapie oder Kinderpsychotherapie oder Ergotherapie oder Autogenes Training oder Grüne Algen oder Homöopathie oder gar keine Therapie oder... (die Reihe ließe sich noch sehr weit fortsetzen), dann wäre der Rat zur Verhaltenstherapie berechtigt. Aber: Solche Forschungsergebnisse gibt es nicht. Wenn man also wissenschaftlich gar nicht begründen kann, warum eine bestimmte Psychotherapiemethode angezeigt sein soll, andere aber nicht, fragen Sie sich natürlich, wie die Autoren dazu kommen, diesen Rat dennoch zu geben. Nun, die Antwort ist einfach: Weil sie es aufgrund ihrer Theorie von ADS so glauben! Sie glauben nämlich, ADS sei eine genetisch bedingte, vererbbare Hirnstoffwechselstörung, die von der Umwelt, der Erziehung und der Erfahrung völlig unabhängig ist. Wenn ich sage, sie glauben dies, will ich zum Ausdruck bringen, dass dies wissenschaftlich in keiner Weise hinreichend belegt ist. Aber wenn man dies so glaubt, scheint Verhaltenstherapie die geeignete Methode zu sein, weil dabei z.B. die elterliche Erziehung eines Kindes keine Rolle spielt, die Familie mit ihrer ganz eigenen Dynamik keine Rolle spielt, die sonstige Umwelt des Kindes (Kindergarten, Schule, Wohnumfeld) keine Rolle spielt. Nur das angeblich kranke Kind ist Ansatzpunkt der Therapie. Seine angebliche hirnorganische Krankheit lässt sich zwar nicht heilen, aber mit Medikamenten und mit Trainingsmethoden mildern. Die Eltern und die sonstige Umwelt können erzieherisch eigentlich gar nichts falsch gemacht haben, sie werden ein bisschen unterstützt, nicht mehr "gleich in die Luft" zu gehen. So fügt sich die Empfehlung zur Verhaltenstherapie nahtlos ins biologistische ADS-Konzept ein. Aber wieder: Weit gefehlt! Denn Verhaltenstherapie leugnet ja die Umwelt, die Lernerfahrungen eines Kindes in seiner Familie keineswegs! Woran sie ansetzt, sind ja ganz individuelle Lernerfahrungen. Wie passt dies nun aber zusammen mit der (sowieso durch nichts begründbaren) Überzeugung, ADS sei erfahrungsunabhängig? Sollen nur sekundäre, ADS-reaktive Erfahrungen wegtrainiert werden? Wie dem auch sei, wissenschaftlich lässt sich der ausschließliche Rat zur Verhaltenstherapie nicht begründen. Die gegenwärtige Praxis sieht ja so aus, dass die meisten Langzeitmedikationen bei Kindern keinerlei Psychotherapie einschließen. Ritalin tut es auch ganz allein. Wie Prof. Dr. Hüther sagt: "Das Medikament bügelt alles flach." Selbst in der berühmten MTA-Studie hat Barkley seine eigene Verhaltenstherapiemethode im Vergleich mit Ritalin besiegt. Ich fände es zusammenfassend ehrlicher, wenn die überzeugten ADSler raten würden, Ritalin zu geben, und sonst gar nichts. Wenn sie weiterhin Verhaltenstherapie empfehlen, wiedersprechen sie sich darin, dass ADS erfahrungsunabhängig sei. Der Einwand, bei der Verhaltenstherapie würden nur die als Folge von ADS gelernten Verhaltensweisen behandelt, nicht ADS selbst, ist wissenschaftlich durch nichts belegt. Wenn man bedenkt, dass ca. 80 Prozent der gegenwärtig als ADS diagnostizierten Kinder nur verhaltensgestört sind (also gar kein ADS haben), ist der allgemeine Rat zur Psychotherapie natürlich erstrangig. Seriös wäre also der Rat, jede bewährte und wissenschaftlich anerkannte Psychotherapie (ob Familientherapie, Heilpädagogik, Spieltherapie, Ergotherapie, Verhaltenstherapie...) erst einmal ohne Medikation ernsthaft durchzuführen. Manchmal (viel, viel seltener, als behauptet) bleibt nichts Anderes übrig als eine Medikation. Aber der Rat hierzu sollte sehr viel stärker hintanstehen. 9.3.2002
WOW, ein
Zittern geht durch die Vom SPIEGEL über den FOCUS rollt eine ADS-kritische Hütherwelle durch den gesamten deutschen Blätterwald. Die Reaktionen sind wie gehabt:
Ist es nicht immer wieder verblüffend, wie schwer es den Menschen fällt, einfach etwas nachdenklich zu werden und ihre althergebrachten Überzeugungen ein wenig zu hinterfragen ("upzudaten" in neudeutsch)? Da müssen starke verdrängte Schuldgefühle am Werke sein. Ulli
http://f17.parsimony.net/forum29914/messages/6048.htm MfG Dörte
Eine sehr erfreuliche Entwicklung: Herr
Hüther (Göttingen) und Herr Bonney (Heidelberg) werden
im Rahmen ihres systemischen Seminars Heidelberg
Fortbildungen zum Themenkomplex ADHS anbieten, die vom
Feinsten sind. Die ideale Verbindung von Hirnforschung
und Psychiatrie/Psychotherapie, die beide verkörpern,
verspricht wirkliche Weiterbildung in
einem klinisch-wissenschaftlichen Bereich, in dem seit
Jahren immer die gleichen einseitigen
organopathologischen Positionen wiederkäut werden.
Psychotherapeutischer Fortschritt ist angesagt, damit
unseren Kindern und Familien wirklich umfassend geholfen
werden kann. Prof. Dr. Hartmut Amft, Sozialmediziner an der Fachhochschule Darmstadt: Ist ADS eine Krankheit? Genau genommen, leben wir Menschen ständig in einem Aufmerksamkeitsdefizit, aber wir merken es nicht. In jeder Sekunde ist im menschlichen Organismus ein Informationsquantum von 10 hoch 7 bis 10 hoch 9 bit zu verarbeiten, wobei nur ein minimaler Bruchteil ins Bewusstsein gelangt (vgl. Garcia 1983, 133). Um handlungsfühig zu sein, müssen wir unsere Aufmerksamkeit fokussieren. Ahnlich wie ein punktstrahlender Bühnenscheinwerfer nur ein kleines Feld beleuchtet und alles andere im Dunkeln lässt, erfasst unser Bewusstsein immer nur einen winzigen Teil der Informationsmenge, ein Hunderttausendstel oder gar nur ein Zehnmilliardstel. Wenn wir beispielsweise starke Zahnschmerzen haben, können wir uns meist auf nichts anderes konzentrieren. Und wenn wir ein spannendes Buch lesen, nehmen wir von der übrigen Welt nichts mehr wahr. ADS ist die Abkürzung für "Attention Deficit Syndrome" und eine amerikanische Erfindung. "Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom" ist lediglich eine "Eindeutschung". M.E. ist in keinem der deutschen Lehrbücher der Kinder- und Jugendpsychiatrie...ein Krankheitsbild namens ADS zu finden. ADS als Diagnose ist auch nicht aufgeführt im derzeit gültigen Klassifikationssystem der Weltgesundheitsorganisation, also der lCD 10 der WHO... Es ist natürlich nicht so,
dass es keine erziehungsschwierigen, lernunwilligen,
zappeligen und unruhigen Kinder in Deutschland gegeben
hätte. Die deutsche Kinderpsychiatrie hat aber nie von
dem "Syndrom des erziehungsschwierigen Kindes"
gesprochen. Warum nicht? Nicht, dass die deutsche
Psychiatrie besonders kinderfreundlich gewesen wäre. Der
Grund ist auch nicht, dass die Psychiatrie meinte, ein
erziehungsschwieriges Verhalten könne nicht als
Krankheit angesehen werden, weil dieses in der Regel das
Resultat eines nicht gelingenden Erziehungsprozesses sei.
Nein, der Mainstream der deutschen Kinderpsychiatrie war
vielmehr bis in die 80-er Jahre hinein der Ansicht, dass,
wenn ein Kind bei der Erziehung Schwierigkeiten macht,
das Hirn des Kindes nicht richtig funktioniere... RATTEN SIND KEINE MENSCHEN Einige
Bemerkungen zu den verschiedenen Stellungnahmen gegen den
Hüther-Artikel. Kim |
Jugend- bke Bundeskonferenz
für Erziehungs- |