Dipl.-Psych.
Hans-Reinhard Schmidt
Hat mein Kind ADHS?
- Ein kritischer
Leitfaden für Eltern
Verunsicherte Eltern
Eltern unruhiger, unaufmerksamer oder besonders lebhafter Kinder
hören heute immer öfter Ratschläge wie : "Lass ihn doch
mal auf ADHS testen." Oder: "Meiner war auch so, aber
seit wir endlich die Diagnose ADHS haben und er Ritalin nimmt,
ist es viel besser in der Schule mit ihm geworden." Oder:
"Ich kann einen Arzt empfehlen, der bei ADHS kompetent ist
und Ritalin verschreibt. Geh doch auch mal zu ihm (aber rasch,
denn er hat sehr lange Wartezeiten!)".
ADHS, das Kürzel für "Aufmerksamkeits-Defizitstörung mit (oder ohne) Hyperaktivität", ist mittlerweile zur am häufigsten gestellten kinderpsychiatrischen Diagnose geworden. In den USA stieg die Zahl der als angeblich behandlungsbedürftig eingestuften Kinder von 1 Million im Jahr 1990 auf über 10 Millionen Kinder im Jahr 2000. In Deutschland rechnet man derzeit mit bis zu 400 000 angeblich behandlungsbedürftigen Kindern. Kein anderes Medikament verzeichnete denn auch derartige Zuwachsraten wie Methylphenidat (Handelsnamen z.B. Ritalin oder Medikinet). Weltweit nehmen derzeit jeden Tag ca. 10 Millionen Kinder solche auf das meist noch in Entwicklung begriffene Gehirn wirkende Psychopharmaka ein.
Was hat es aber bei kritischer Betrachtung mit diesem Phänomen "ADHS" wirklich auf sich? Handelt es sich tatsächlich um eine medizinisch-neuropsychologische Krankheit, um eine genetisch bedingte, vererbbare, ursächlich erziehungsunabhängige und unheilbare Stoffwechselstörung des Gehirns, die mit Psychopharmaka behandelt werden muss, wie es bestürzte Eltern in der Presse und vielerlei wohlfeilen Elternratgebern lesen, wie es in einschlägigen Internetforen behauptet und von angeblich "Betroffenen" und einigen Fachleuten mit Nachdruck verbreitet wird? Was sollten Eltern wissen, wenn sie mit einem solchen "Verdacht auf ADHS" bei ihrem Kind konfrontiert werden? Lassen Sie uns deshalb folgende Fragen kritisch hinterfragen:
Gibt es "ADHS" überhaupt?
Eines ist natürlich unstrittig: Es gibt übermäßig aktive,
unruhige, impulsive und unkonzentrierte Kinder. Die grundlegende
Frage ist allerdings, ob diese Kinder an einer Krankheit "ADHS"
leiden oder ob ihre Auffälligkeiten nicht doch sehr unspezifisch
sind, d.h. viele unterschiedliche Ursachen haben können. Es
stellt sich die Frage nach der wissenschaftlich belegbaren
Existenz einer von anderen Störungen abgrenzbaren und
spezifischen Krankheit namens "ADHS".
Um es kurz zu machen: Der gegenwärtige Forschungsstand stützt nicht die Behauptung, bei "ADHS"-Kindern handele es sich um eine homogene Gruppe mit einer gemeinsamen und spezifischen neurobiologischen Störung. Es gibt keine spezifischen kognitiven, metabolischen oder neurologischen Marker für "ADHS", weshalb es auch keinen medizinischen Test für die Diagnose gibt. Es gibt auch keinerlei spezifische psychologische "ADHS"-Testverfahren. Die Diagnose besteht stattdessen in einer schlichten und stark kulturell-subjektiven Verhaltenseinschätzung. Es gibt sogar seit 30 Jahren offenkundige Schwierigkeiten, die Störung überhaupt eindeutig zu definieren.
Ist "ADHS" eine
Hirnfunktionsstörung?
Es gibt keinen eindeutigen wissenschaftlichen Beleg dafür, dass
"ADHS" eine krankhafte Hirnfunktionsstörung ist. Man
hat zwar bei Kindern mit der Diagnose "ADHS" vielerlei
Veränderungen im Gehirn gefunden. Aber die Forscher bewegten
sich bislang vergleichsweise so, als wenn sie die Gehirne von
Verliebten untersuchten, alle möglichen erstaunlichen Veränderungen
feststellten und dann als Ursache dieser Veränderungen eine
Krankheit namens "Liebeswahn" festmachen würden.
Bei keiner der bisher bei ADHS-Diagnostizierten gefundenen Veränderungen ist wissenschaftlich belegt, dass sie "ADHS" verursachen oder dass sie wirklich spezifisch für "ADHS" sind und nicht auch bei vielen anderen Störungen oder Verhaltensprägungen oder ganz normalen Charaktereigenschaften vorkommen. All diese unspezifischen Hirnveränderungen können nämlich auch lediglich Abbildungen bzw. Niederschläge von lebensgeschichtlichen Erfahrungen bzw. psychosozialen Umwelteinflüssen sein. Sie müssen keineswegs "angeboren", sondern sie können genauso gut durch Lebenserfahrungen erworben sein.
Das menschliche Gehirn ist viel plastischer und in seiner Entwicklung von Erfahrung viel abhängiger, als die ADHS-Forschung bisher zur Kenntnis nimmt. Hirnbesonderheiten können körperlich-genetisch bedingt sein, sie können aber auch genauso erfahrungsabhängig sein oder aus einer Mischung beider Komponenten bestehen. Die ADHS-Forschung berücksichtigt bisher nur die eine Seite der Medaille, nämlich die biologisch-genetische. Man kann diese Forschungsrichtung deshalb zu Recht als "biologistisch" bezeichnen. Die starke Beeinflussung der Hirnentwicklung durch Lernerfahrung und Umwelteinflüsse gerade bei Kindern wird völlig ausgeblendet.
Hirnbesonderheiten müssen außerdem keineswegs immer irgendwelchen Krankheitswert haben. Wenn man zum Beispiel die Hirne von langjährigen Londoner Taxifahrern nach ihrem Tode untersucht, findet man veränderte Hirnstrukturen. Waren diese Fahrer also krank? Nein, denn die Hirnveränderungen haben sich bei ihnen im Laufe vieler Jahre Fahrpraxis als Anpassung an die chaotische Londoner City herausgebildet.
Die konventionelle ADHS-Forschung
leitet aus dem gleichzeitigen Auftreten von Hirnbesonderheiten
und Verhalten eine unerlaubte einseitig-ursächliche Beziehung
ab, derzufolge die angeblich krankhafte Hirnbesonderheit das
angeblich krankhafte Verhalten bedinge. Es kann aber auch
umgekehrt sein. Oder es kann beides durch etwas Drittes, bisher
vollkommen Unbekanntes bestimmt sein. Oder es kann sich weder um
krankhafte Hirnbesonderheiten noch um krankhaftes Verhalten
handeln. Dass "ADHS" eine Hirnfunktionsstörung sein
soll, umschreibt also nur eine bisher unbewiesene und derzeit
beliebte Forschungshypothese, keineswegs eine wissenschaftliche
Tatsache.
Ist "ADHS" genetisch
bedingt?
Die Mehrzahl aller bisher durchgeführten Genstudien zu ADHS
blieb ergebnislos. Die Forschung hat zwar bei 4 Genen gewisse
genetische Beteiligungen am "ADHS"-Verhalten gefunden.
Aber diese Beteiligungen sind einerseits schwach, andererseits
unspezifisch. Der Zusammenhang dieser Gene mit dem Verhalten ist
unklar. Auf keinen Fall gibt es so etwas wie ein spezifisches
"ADHS-Gen".
Im Übrigen sind diese Forschungsergebnisse nicht aufregend, denn an allem menschlichen Verhalten sind unsere Gene irgendwie beteiligt, also auch an normalem Verhalten. Die wie auch immer funktionierende Beteiligung eines oder mehrerer Gene an einem bestimmten Verhalten beweist deshalb nicht dessen Krankhaftigkeit. Dabei weiss man noch fast nichts darüber, wie Gene an komplizierten und durch Lernerfahrungen stark mitgeprägten menschlichen Verhaltenskomplexen überhaupt beteiligt sind. Bei anerkannten psychiatrischen Störungen wie der Schizophrenie hat man nach vielen Jahrzehnten genetischer Forschung keine klaren Erkenntnisse gewonnen. Man kann deshalb die genetische Forschung bei einem so unscharfen Störungsbild wie "ADHS" bereits jetzt als Sackgasse bezeichnen. Die Behauptung, "ADHS" sei klar genetisch bedingt, ist also unzulässig. Auch sie stellt nur eine Forschungshypothese und keine Tatsache dar.
Ist "ADHS" erziehungsunabhängig?
Das behaupten heute auch eingefleischte "ADHS"-Anhänger
nicht mehr. Sie räumen Erziehungseinflüssen mittlerweile
immerhin einen modulierenden Einfluss in dem Sinne ein, dass
diese Einflüsse im günstigsten Fall das Krankheitsbild mildern,
aber angeblich nicht beseitigen können. Angeblich aber könnten
solche Einflüsse keinesfalls "ADHS" verursachen. Auch
für diese Tatsachenbehauptungen fehlen die wissenschaftlichen
Belege. Die "ADHS"-Forschung hat sich mit diesen Fragen
bisher so wenig beschäftigt, dass solche Aussagen völlig
verantwortungslos erscheinen, weil sie die vielfältigen
psychotherapeutisch-psychoedukativen Hilfsmöglichkeiten für
Familien und Kinder blockieren und stattdessen allzu rasch auf
die isolierte medikamentöse Behandlung einer angeblich
organischen Störung abzielen.
Aus der klinischen
Verhaltensforschung bei Kindern weiss man allgemein schon lange,
dass Erziehungs- und Umwelteinflüsse einen sehr starken, wenn
nicht gar ausschlaggebenden Einfluss auf Verhaltensstörungen
haben. Die Vermutung, dass es bei "ADHS" ebenso ist,
liegt deshalb nahe, zumal viele Kliniker und Eltern bereits
diesbezügliche Erfahrungen berichten können.
Ist "ADHS" vererbbar?
Angesichts der Unklarheit genetischer Ursachen stützt sich die
Behauptung einer Vererbbarkeit meistens auf Familien- und
Zwillingsstudien. Aus familiären Verhaltenshäufungen kann man
aber kaum eindeutige Schlüsse auf Vererbung versus
Umwelteinfluss ziehen, weil sich in einer Familie genetisch-vererbte
Faktoren und psychosoziale Umwelteinflüsse untrennbar vermengen.
Auch was Zwillingsstudien betrifft, sind die Aussagen keineswegs unumstritten, denn auch eineiige, gemeinsam aufwachsende Zwillinge teilen dieselbe psychosoziale Umwelt bei durchaus unterscheidbaren psychologischen Erfahrungen (auch Zwillinge haben voneinander unterscheidbare Geschwisterrollen), so dass auch hier die Aussagen über Vererbung versus Umwelt schwierig sind. Auch getrennt aufwachsende eineiige Zwillinge wachsen oft in sehr ähnlichen psychosozialen Kontexten auf, so dass Verhaltensgemeinsamkeiten auch bei ihnen auf die gemeinsamen Umwelteinflüsse zurückgehen können.
Im Übrigen sagt auch die Häufung
eines bestimmten Verhaltens bei Zwillingen noch nichts über
dessen Krankhaftigkeit aus. Wenn beide Kinder z.B. rote Haare
haben, sagt das wohl etwas über Vererbung, aber nichts über
eine Störung. Auch die Tatsachenbehauptung einer Vererbung von
"ADHS" ist also nicht eindeutig belegt und aus
denselben Gründen verantwortungslos wie die Behauptung ihrer
Erziehungsunabhängigkeit.
Ist "ADHS" unheilbar?
Da es, wie erwähnt, keinerlei medizinisch-organischen Marker für
"ADHS" gibt, ist diese Behauptung medizinisch-organisch
auch gar nicht belegbar. Wenn man "ADHS" aber als
Verhaltensstörung betrachtet, ist sie durchaus heilbar, denn
immer dann, wenn das gestörte Verhalten verschwunden ist und
keine Verschiebungen des gestörten Verhaltens stattgefunden
haben, läge "Heilung" vor. Und dass dies möglich ist,
belegen inzwischen vielfältige therapeutische Erfahrungen von
Klinikern und Eltern. Die traditionelle "ADHS"-Forschung
hat sich mit dieser Frage bisher so wenig befasst, dass die
Behauptung einer Unheilbarkeit nicht belegbar ist.
Dass allerdings Psychopharmaka
"ADHS" nicht heilen, sondern Wahrnehmung und Verhalten
lediglich kurzfristig künstlich verändern bzw. dämpfen,
versteht sich von selbst. Bei Absetzen des Medikaments stellt
sich das "gestörte" Verhalten unverändert wieder ein.
Die früher vorherrschende ausschließlich medikamentöse
Behandlung, die heute bereits als ärztlicher Kunstfehler gelten
muss, hat wohl aus dieser Beobachtung den Mythos einer
Unheilbarkeit abgeleitet. Heute kann man aber davon ausgehen,
dass "ADHS" psychotherapeutisch-psychoedukativ im
selben hohen Maße heilbar ist wie alle anderen kindlichen
Verhaltensstörungen auch.
Wie wirkt Ritalin?
Die unter das Betäubungsmittelgesetz fallenden
Methylphenidat-Psychopharmaka, die bei der Diagnose "ADHS"
häufig verschrieben werden, wirken auf bisher noch nicht vollständig
bekannte Weise auf das noch in Entwicklung begriffene kindliche
Gehirn. Wie alle Amphetamine hält Ritalin® wach, schärft die
Sinne und die Aufmerksamkeit, verbessert die Selbstkontrolle und
macht ruhig und gefasst, und zwar nicht nur bei "ADHS",
sondern allgemein. Die Behauptung, die Wirkung von Ritalin®
beweise das Vorliegen von "ADHS", ist deshalb falsch.
In entsprechender Dosierung wirkt es suchterzeugend wie das ihm
sehr ähnliche Kokain. Medikamentös korrekt verabreicht scheint
aber keine Suchtgefährdung im engeren Sinne zu bestehen.
Pharmakologisch betrachtet bewirken Amphetamine eine Veränderung
von Wahrnehmung und Erleben. Methylphenidat scheint auch bei
Erwachsenen bei vielen ganz unterschiedlichen psychischen
Problemen subjektive Erleichterung zu erzeugen, indem es in
milder und zeitlich verzögerter Ausprägung einen ähnlichen
"Kick" auslöst wie z.B. Kokain.
Es gibt derzeit zwei entgegengesetzte Theorien über die
spezifische Wirkung: Die Schulmedizin behauptet, Ritalin®
gleiche einen Dopaminmangel im Gehirn aus, der überhaupt ursächlich
für "ADHS" sei (Dopamin ist einer von mehreren
Botenstoffen im Gehirn). Die andere These geht aber von einem
Dopaminüberschuss aus, den das Medikament vorübergehend
reduziere . Wenn ein Kind aber gar nicht an einem solchen Überschuss
leide und dennoch Ritalin erhalte, könne dies nach dieser
Auffassung zu Hirnschäden bis zu späterem Parkinson führen. Im
Tierversuch wurden Hirnveränderungen durch Methylphenidat
bereits belegt. Diese These hat kürzlich in der Öffentlichkeit
für viel Aufregung gesorgt; ihre empirische Bestätigung steht
aber noch ebenso aus wie diejenige der Schulmedizin.
Trotz tausender Studien zur Medikamentenwirkung werden die Nebenwirkungen erst in letzter Zeit intensiver untersucht. Dabei zeigen sich besorgniserregende Befunde: Moll, Hüther u.a. machten 2002 den Anfang und fanden im Tierversuch heraus, dass Methylphenidat dauerhafte Hirnveränderungen bzw. -schädigungen erzeugt. Ihre Befunde wurden inzwischen mehrfach repliziert. Die Befunde neuer kritischer Tierstudien kommen aus renommierten USA-Hochschulinstituten. In 4 Studien konnten die Forscher bei Übertragung der Befunde auf den Menschen die Vermutungen begründen, dass
Ritalin bei Kindern zu Depressionen und Stressanfälligkeit im Erwachsenenalter führt
Ritalin bei Kindern hirnmolekulare Veränderungen im Striatum bewirkt
Ritalin bei Kindern neuronale Veränderungen im Erwachsenenalter im Sinne einer erhöhten Suchtneigung verursacht
Ritalin bei Kindern zu bleibenden und dramatischen dopaminergen Hirnveränderungen im Erwachsenenalter führt.
Eine neue Studie der University of Texas , USA, mit vorläufig nur 12 Kindern, die mit Methylphenidat behandelt wurden, hat ein Besorgnis erregendes Ergebnis erbracht, das in größeren Gruppen überprüft werden muss: Bei allen 12 Kindern wurden schon nach dreimonatiger normaldosierter Einnahme von Methylphenidat Chromosomenbrüche festgestellt. Bluttests, die sonst zur Feststellung eines Krebsrisikos eingesetzt werden, zeigten dies. Die Forscher sprechen von einem dreifach höheren Risiko, an Krebs zu erkranken. Sie bringen ihr Erstaunen zum Ausdruck, dass bislang so wenige solcher Studien über Nebenwirkungen durchgeführt wurden, obwohl bereits 1996 bei Mäusen Leberkrebs nach Einnahme von Methylphenidat festgestellt worden war. Wie das Deutsche Ärzteblatt in diesen Tagen berichtet, hat es 2004 in USA 14 tote Kinder im Zusammenhang mit dem Stimulanz Adderall gegeben. Das Medikament, mit dem auch "ADHS" behandelt wird, wurde deshalb in Kanada (nicht in den USA!) vorerst verboten.
Die psychologischen Folgen einer
"ADHS"-Diagnose bei Kindern mit ihren Implikationen für
die Eltern-Kind-Beziehungen sowie die psychologischen
Auswirkungen einer medikamentösen Langzeitbehandlung sind sehr
ernst zu nehmen, aber noch völlig unerforscht. Die
psychosozialen Implikationen einer Ritalinbehandlung von Kindern
dürfen nicht länger ausgeblendet bleiben. Kinder nehmen Ritalin
in der Regel widerwillig, weil sie sich zu Recht gegen die
stigmatisierende Zuschreibung einer damit angeblich verbundenen
Krankheit wehren. Viele Kinder fühlen sich unter
Ritalineinwirkung nicht mehr wie "sie selbst". Oder sie
erleben die Medikamentierung als Strafe für "schlechtes"
Verhalten. Die Auswirkungen einer medikamentösen Behandlung
kindlicher Verhaltensschwierigkeiten auf Selbstwertgefühl und
psychosoziale Entwicklung der Kinder sind sicher erheblich,
werden aber bisher wissenschaftlich völlig ignoriert.
Festzuhalten bleibt, dass Ritalin "ADHS" nicht heilt.
Eine ausschließlich medikamentöse Behandlung von Kindern gilt
heute bereits als Kunstfehler und ist nicht vertretbar. Die
Langzeitfolgen einer Methylphenidatbehandlung auf das Gehirn von
Kindern sind derzeit (trotz abertausender ADHS-Studien) immer
noch nicht erforscht, obwohl diese Mittel bereits seit fast 50
Jahren im Einsatz sind und im Tierversuch bereits bleibende
Hirnveränderungen festgestellt wurden. Methylphenidat hat teils
schwerwiegende Nebenwirkungen und langfristig möglicherweise
hirnschädigende Folgen.
Was verbirgt sich hinter "ADHS"?
Es gibt mehrere ernst zu nehmende Thesen dazu, was es mit "ADHS"
auf sich haben könnte:
Zum Einen scheint es sich um eine Wiederbelebung der
wissenschaftlich eigentlich längst beerdigten Auffassungen über
die sogenannten minimalen frühkindlichen Hirnschäden (MCD) zu
handeln. Wenn man diese früheren MCD-Konzepte mit den heutigen
ADHS-Konzepten vergleicht, fallen viele Gemeinsamkeiten ins Auge.
Deshalb kann die wissenschaftliche Kritik, die seinerzeit zur
Aufgabe des MCD-Konstrukts geführt hat, prinzipiell auch für
das "ADHS"-Konstrukt gelten und zu seiner Aufgabe führen.
Zum Zweiten kann es sich um einen Sammeltopf unterschiedlicher
psychoreaktiver Verhaltensstörungen mit ähnlicher Symptomatik
handeln, wobei eine besondere kindliche Sensibilität bzw.
Vulnerabilität gegeben sein kann (aber keineswegs muss), auf die
die psychosoziale Umwelt aber nicht angemessen eingeht.
Zum Dritten kann es sich um die Reaktion unserer Kinder auf eine reizüberflutende, hektische und wenig kindgerechte Umwelt im Sinne einer "Schnellfeuer-Kultur" und Beschleunigungsgesellschaft (DeGrandpre) handeln, für die die Kinder mit der Einnahme von Psychostimulanzien und mit einer "Krankheit" bezahlen, die genau in dieses Gesellschaftsbild passt: ADHS.
Dazu passt zum Vierten die Auffassung einer erfundenen, also von interessierter Seite ausgedachten Krankheit (Blech), derzufolge jeder Mensch ein Kranker ist, der es nur noch nicht wisse. Als typisches Beispiel gilt das "Sisi-Syndrom": Dieses Syndrom tauchte erstmals 1998 auf, bis es 2003 als Erfindung der Pharmaindustrie entlarvt wurde. Die betroffenen Patienten galten als depressiv und überspielten ihre Krankheit angeblich dadurch, dass sie sich als besonders lebensbejahend gaben. Das Syndrom wurde nach der Kaiserin Elisabeth ("Sisi") benannt, weil das Verhalten auf sie vollkommen zuträfe. Die Patienten sollten mit Psychopharmaka behandelt werden. Einige Psychiater propagierten dieses Syndrom werbewirksam öffentlich und behaupteten, in Deutschland seien drei Millionen Menschen am "Sisi-Syndrom" erkrankt.
Was sollten Eltern beachten?
10 Regeln bei "ADHS"-Verdacht
***
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