Alternative Behandlungen bei ADD
| Autor: Iris Datum: 06.09.01 Hallo, ich habe da zusätzlich zu meinen anderen Beiträgen noch die Frage, ob jemand Erfahrungen mit Alternativen zu Ritalin gemacht hat. Gibt es Menschen, die die Afa- Alge überhaupt probiert haben, wo sich doch so viele scheinbar gut damit auskennen? Hat jemand Bachblüten, Schüßlersalze, homöopathische Medikamente probiert? Mich würde interessieren, ob und wie die angesprochenen Dinge bei ADD- Symptomen helfen. Liebe Grüße...Iris |
Autor: Lilli
Datum: 06.09.01
Hallo Iris,
ich las soeben deine Antwort bei "Alternative Sichtweisen
...". Und nun wundere ich mich. Dort hast du noch
propagiert, sich selbst so anzunehmen, wie man eben ist und nicht
mit Medikamenten manipulieren und hier suchst du nach
Alternativen. Auch die sanfte und die alternative Medizin ist
eine Manipulation. Obendrein sind deren Wirksamkeit und mögliche
Nebenwirkungen nicht wissenschaftlich untersucht. Bei Ritalin
weiß man wenigstens, dass es wirkt und welche Nebenwirkungen es
hat.
Aber nun zu deiner Frage nach echten Alternativen:
Ausdauersport, zum Beispiel Joggen, Powerwalking, Schwimmen,
Radfahren. Am besten zweimal täglich, ungefähr eine halbe
Stunde.
Wenn du wirklich Substanzen zu dir nehmen willst, dann probiere
Tee, Kaffee, Cola zur Anregung, Schokolade, Kakao zur Beruhigung.
Wähle deine Arbeit so, dass sie dir Anregung und Herausforderung
bietet und dich nicht in Routine erstickt.
Reg dich nicht über das Chaos zu Hause auf, sondern warte
geduldig auf einen "Anfall" von Energie, um dann
ruckzuck alles wieder auf Vordermann zu bringen.
Delegiere ungeliebte Routinearbeiten, zu denen du dich nur schwer
überwinden kannst. Notfalls gegen Bezahlung.
Geldgeschäfte und Termine behandle mit allerhöchster
Priorität. Erledige sie immer SOFORT, sonst könnte es zu Pannen
kommen.
Wohne ebenerdig mit Garten. Schon allein wegen der Kinder, die
den Auslauf brauchen.
Schiele nicht nach dem, was anderer Leute Kinder können, sondern
freue dich über die Fortschritte deiner eigenen.
Lass deine Kinder trödeln, wo es geht. Und hilf ihnen, indem du
mit zupackst, wenn es eilig ist.
Wenn die Kinder nerven, schimpf nicht mit ihnen. Schick sie
lieber nach draußen zum Spielen.
Freu dich, wenn sie total dreckig und zerrissen abends nach Hause
kommen, denn dann hatten sie einen spannenden Tag. Wenn du Glück
hast, erzählen sie dir sogar davon.
Reduziere die Regeln, die deine Kinder einhalten müssen auf
höchstens drei. Die setze aber unbedingt durch. Fang mit der
wichtigsten an.
Gib deinen Kindern Hausarbeit ab (Abwasch, Wäsche zusammenlegen,
Staubsaugen, ...), für die sie verantwortlich sind. So erleben
sie, dass sie für die Familie wichtig sind.
Wenn die Schule Druck macht, steck es weg und gib es nicht gleich
an die Kinder weiter.
Das sind meine Alternativen. Ich weiß nicht, ob sie für dich
gelten können, vielleicht teilweise. Nimm es als Anregung, um
dir deine eigenen zu suchen ...
MfG,
Lilli
| Autor: Doris Datum: 06.09.01 Hallo Lilly, einige der Ideen sind gut, aber können es wirklich alle umsezten? Es wäre schön, wenn jeder sein Kind draußen spielen lassen könnte, aber oft haben ja die meisten Mietshäuser keine Gärten oder Wiesen und wenn, dann ist Spielen ja meist verboten ( es kann ja stören). Ist zwar traurig, aber leider Realität in diesem Land. Für ein eignes Haus haben leider nicht alle die notwendigen Mittel. Ein eignes Haus mit Garten ist natürlich ideal, ich bin selbst auf dem Land aufgewachsen, mit viel Wald knapp hinter dem Neubaugebiet. Das war ideal. Wir wohnen in Miete, 1.OG. Aber wir haben jeder ein eignes Gartenstück. Außerdem gibt es einen Wäscheplatz. Hier hängen allerdings nur wenige die Wäsche auf, weil die Jungs Fußball spielen. Die kümmert die Wäsche nicht. Welcher Berufstätige hat übrigens Zeit so viel Sport zu treiben? Denn die meisten sind doch leider sehr lange unterwegs und haben dann nicht mehr den Draht dafür, wenn es auch einige nötig hätten. Wer kann sich seine Arbeit schon so aussuchen, dass es nie langweilig wird. Mit der Zeit wird alles leider zur Routine. Es sei denn, man ist künstlerisch tätig und selbstständig. Da kann man sich alles einteilen und seine Ideen verwirklichen. Bei meinem Beruf geht es leider nicht so gut (Beamtin, Umweltbehörde), allerdings wird es selten langweilig, da es immer wieder Vorfälle gibt, die doch recht überraschend sind. Die Anregung das Chaos zu Hause in Ruhe abzuwarten, bis zum nächsten Energieanfall, ist gut, mache ich schon immer so. Allerdings verstehen das nur einige gute Freunde, die ähnlich handeln. Ich halte nicht für gut, Kindern die trödeln im Trott zu lassen und notfalls zu helfen. Wie sollen die dann selbstständig werden? Später ist auch niemand da, der mit zupackt. Ich lasse meine Tochter auch mal das ausbaden, was sie sich eingebrockt hat und die Strafe von der Schule ( HA nicht vollständig) erledigen. Das war eine Lehre, und nun weiß sie wo es langgeht. Ähnlich geht es mit dem Aufräumen des Zimmers, sie muss darin schlafen und spielen. Irgentwann kam der Punkt, da räumte sie von selbst auf. Heute macht sie es auf mein Anraten selbständig. Kinder und draußen spielen, klar werden die schmutzig, alles andere wäre unnormal. Deshalb sollte man auch immer strapazierfähige Kleidung anziehen. Die Anregung, Kindern Hausarbeiten zuzuweisen ist gut und bereitet zudem auf das Erwachsenleben vor. Es macht die Kinder selbstständig und selbstbewusst. Seit meine Tochter 3 ist, will sie beim Geschirr helfen, heute ist sie neun und hat noch nie etwas zerbrochen. Andere Arbeiten erledigt sie auch gerne. Deine Ideen sind teilweise sehr gut. Doris |
Autor: Lilli
Datum: 09.09.01
Liebe Doris,
schön, daß du ansatzweise verstehen konntest, was ich meinte.
Mir ist natürlich klar, dass nicht jeder in der Lage ist, das
umzusetzen, was ich vorschlage. Darum habe ich auch betont, dass
das mein Weg ist, der nicht für alle ist. Ich will hier
niemandem was aufdrängen. Nur, die Frage nach Alternativen kam,
und ich habe geschrieben, was ich mache ...
Ich freue mich aber trotzdem darüber, dass du verstehen kannst,
was ich meine.
Es ist bestimmt nicht einfach, das so umzusetzen, und
wahrscheinlich auch nicht für jeden richtig. ADS ist im
Einzelfall so verschieden, darum sind die Wege, damit klar zu
kommen, genauso verschieden.
Wer kann sich schon ein Eigenheim leisten. Und ein Haus am
Waldrand ist nahezu unerschwinglich. Außer - man macht Abstriche
am Komfort. Bloß, wer ist schon bereit Ofenheizung und
womöglich Plumpsklo in Kauf zu nehmen??? Ich habe im 8. Stock im
Hochhaus gewohnt, bis die Kinder kamen, dann mußte ich da raus.
Damals wußte ich noch nicht mal, warum. Das war eher ein
Gefühl, aber ein drängendes.
Ausdauersport - hat man die Zeit nicht oder nimmt man sie nicht?
Was spricht dagegen, 15 km zur Arbeit mit dem Fahrrad
zurückzulegen? Das Wetter nur selten, denn es gibt nur wenige
Tage im Jahr, an denen man tatsächlich NICHT mit dem Fahrrad
vorankommt. Das Unfallrisiko - ok, das ist ein echtes Argument.
Das muß jeder abwägen.Ansonten könnte man noch morgens und
abends eine halbe Stunde strammes Spazierengehen einplanen,
dafür guckt man eben eine halbe Stunde weniger in den Fernseher
oder die Zeitung. Ist das wirklich nicht drin?
Für dich persönlich sieht das schon schwieriger aus, weil du
nicht so fit bist, wie die meisten von uns. Aber, wo ein Wille
ist, ist auch ein Weg. Und den Willen muß man nur mal
aufbringen, dann geht es von selbst weiter, weil man merkt, daß
es einem guttut. Ich habe selbst ein Handicap und darf mich nicht
überanstrengen, worunter ich sehr leide. Ich schätze, dir geht
es genauso.
Aber noch ein weiterer Gedanke, der vielleicht manchen zum
Nachdenken anregt:
Warum wollen wir alle beliebt sein, bzw. wünschen uns das für
unsere Kinder? Das ist m.E. eine amerikanische Unart, die wir
wirklich nicht nachmachen sollten. Können wir nicht damit leben,
dass es Einzelgänger gibt, dass wir vielleicht von Natur aus
Einzelgänger sind, und dass unserer Kinder nach uns schlagen?
Was ist so schlimm daran, nicht bei allen beliebt zu sein? Es
geht doch sowieso nicht, dass man von allen gemocht wird, Und
wenn doch, zu welchem Preis? Es kostet unsere Identiät, die wir
verleugnen müsen. Ich finde das zu teuer. Ich habe lieber eine
oder zwei Freundinnen, und das genügt mir.
Warum sollen unsere Kinder denn etwas sein, was sie von Natur aus
NIE sein können, nämlich beliebt? Wir Eltern lieben sie, die
Familie schützt sie und sie sind geborgen, und aus diesem Kreis
heraus können sie Freunde suchen, nicht so früh wie andere,
aber irgendwann dann doch.
ADS bedingt eine verzögerte Entwicklung, auch auf dem Gebiet der
Freunschaft. Das ist nicht schlimm, wenn man Vertrauen hat, dass
diese Entwicklung irgendwann bestimmt stattfinden wird, anstatt
nach anderen zu schielen und sich zu sorgen, dass die eigenen
Kinder damit zu spät dran sind.
Nun gut, wir sind offenbar nicht so schwer betroffen, wie viele
andere, darum habe ich leicht reden. Aber vielleicht sind wir
genauso betroffen und gehen nur lockerer damit um? Ich weiß es
nicht ...
MfG,
Lilli
| Autor: Hans-Reinhard Schmidt Datum: 10.09.01 Liebe Lilli, Ihr Plädoyer für den Mut zur "Unbeliebtheit" hat mich sehr berührt. Ich schließe mich Ihnen in diesem Punkt voll und ganz an. Ich finde, da spricht ein echt tapferer Mensch aus Ihnen! Etwas schade finde ich es natürlich, wenn Sie dies alles nur für "ADSler" gelten lassen würden. Ich finde, es sollte für alle Menschen und alle Kinder gelten (Sie wissen ja sicher schon, dass es für mich sowieso keine "ADSler" gibt). Mit herzlichem Gruß, H.-R. Schmidt |
| Autor: Lilli Datum: 13.09.01 Hallo, "Tapfer" - irgendetwas stört mich an diesem Wort. Tapfer setzt voraus, dass man einen Kampf auszufechten hat. Gegen wen? Natürlich gilt für alle Menschen, dass sie so beliebt oder unbeliebt sein dürfen, wie sie es möchten. Nur stellt sich diese Frage für ADSler erheblich häufiger. Dass es für Sie kein "ADS" gibt, ist nicht zu übersehen. Es ist aber unwesentlich, wie wir "das Kind" nennen. Wir unterhalten uns hier über den Umgang mit Problemen wie Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, mangelnde Selbststeuerung, etc. Ich nenne das ADS und Sie bevorzugen es, immer die lange Liste zu nehmen. Ich habe kein Problem mit Ihrer Nomenklatur, ich hoffe, umgekehrt ist es genauso. MfG, Lilli |
Autor: Hans-Reinhard Schmidt
Datum: 13.09.01
Liebe Lilli,
leider ist es umgekehrt nicht genauso. Ich finde die Nomenklatur
schon sehr wichtig, weil dahinter ja ein bestimmtes
Krankheitsbild steckt inkl. der sich daraus ableitenden
Behandlungsmethoden und Stigmatisierung des Betroffenen. Es macht
für Betroffene z.B. einen sehr großen Unterschied, wie ich
"das Kind" nenne. Ein Junge mit ADD-Diagnose sagte z.B.
zu mir auf meine Frage, was das denn aus seiner Sicht für eine
Krankheit sei: "Bei mir stimmt´s hier oben nicht
ganz". Dieses Kind geht also mit der aus meiner Sicht
völlig unbegründeten und tief beunruhigenden Vorstellung durchs
Leben, eine Art "Hirnschaden" zu haben.
Mit Gruß, H.-R. Schmidt
| Autor: Antje Datum: 13.09.01 Hallo Lilli, hallo Herr Schmidt Ich denke in diesem Falle haben Sie/Du Beide irgendwie Recht. Ich versuche mal zu erklären wie ich das meine. Es ist richtig das eine "Krankheit" auch einen Namen bekommt, aber sein Kind drüber aufzuklären halte ich auch nicht für unbedingt richtig oder wichtig. Sicher spielt hierbei natürlich auch das Alter des Kindes eine Rolle und wie man einem Kind etwas sagt. Ich habe z.B.meiner Tochter wegen der bevorstehenden VT erklärt, dass sie doch Probleme hat im Umgang mit anderen Kindern (und auch die anderen Schwierigkeiten) und das diese nette Frau ihr helfen möchte. Dies hat meiner Tochter eigentlich als Erklärung schon gereicht, sie sieht das ich sie und ihre Probleme ernst nehme und bekommt trotzdem keinen "Stempel" aufgedrückt. Ich hoffe das ich das was ich sagen wollte verständlich "rüber" gebracht habe. Liebe Grüße Antje |
Autor: Hans-Reinhard Schmidt
Datum: 13.09.01
Mit einer Psychotherapie tut man sich natürlich leichter, sie
beinhaltet ja die Überzeugung, dass sich damit die
"Probleme" beheben lassen. Aber wie sieht es mit ADD
aus? Auch wenn man die Kinder nicht darüber aufklärt, dass das
eine genetisch bedingte, nicht heilbare und vererbare
Hirnstoffwechselstörung sein soll: Wenn man selbst davon
überzeugt ist, wird das auf jeden Fall das Bild vom eigenen Kind
und damit die Beziehung zu ihm färben. Die Kinder spüren das
dann, ohne es sich erklären zu können. Sie versuchen sich in
jedem Fall, sich "einen Reim" darauf zu machen, warum
sie täglich Pillen schlucken müssen.
H.-R. Schmidt
| Autor: Doris Datum: 13.09.01 Ich gebe Ihnen zum Teil Recht. Ein Kind darf nicht mit der Überzeugung groß werden, dass es einen Schaden hat. Dies verängstigt zum einen die Kinder, zum anderen wird damit kein Anreiz gesetzt an sich selbst zu arbeiten. Denn das ist auf jeden Fall wichtig: ADS mit Ritalinbehandlung entbindet keinesfalls, dass das Kind an sich selbst arbeitet und sich seiner Probleme bewusst wird. Auch die Eltern müssen sich sehr bemühen und sich mit in Frage stellen. Es gilt also nicht:"Mein Kind hat ADS und kann halt nicht anders." Mit der Diagnose, die natürlich auch abklären muss, ob familiäre Probleme zum Verhalten geführt haben, kann man den Umgang mit dem Kind neu erlernen bzw. anders gestalten. Dazu gehört auch, dass man als Mutter/Vater an sich arbeitet. Zu einer Behandlung gehört auf jeden Fall eine VT oder Ergo (falls motorische Probleme bestehen), auch muss die Schule mit einbezogen werden im Umgang mit dem Kind. Wenn es optimal läuft, dann gibt es auch ein Elterntraining, aber so etwas ist viel zu selten. Schädlich ist bestimmt auch nicht eine Familientherapie. Wenn solche Maßnahmen möglichst frühzeitig angegangen werden, dann kann eventuell auch eine Medikamentengabe vermieden werden oder verkürzt werden. Das einzige, in dem wir differieren ist die Anerkennung von ADS und der Medikamentengabe. Ansonsten bin ich der Ansicht, dass es ein vielfältiges Konzept geben muss, um den Kindern zu helfen, die Probleme zu überwinden. Deshalb bin ich auch mehr als entsetzt, wenn Ärzte meinen, dass eine begleitende Therapie wegen Ritalin nicht notwendig ist. Denn von alleine kommen Änderungen nicht zu stande. Ziel einer Behandlung von ADS mit Ritalin ist es, dass mit den begleitenden Therapien eine Medikamentengabe mit der Zeit nicht mehr notwendig ist, da die richtigen Strategien für Verhalten und Konzentration erlernt wurden. In sofern glaube ich, dass wir da gar nicht so weit auseinanderliegen. Sie gehen von einem Kind mit vielfältigen Problemen aus, ich nenne für mein Kind ADS. Sie haben sicherlich Erfolge mit ihren Patienten, meine Tochter hat mit dem umfangreichen Konzept schon enorme Erfolge erzielt. Diese Erfolge waren übrigens in der alleinigen Therapie bei einer Psychologin (4 Jahre) ausgeblieben. Doris |
Autor: Hans-Reinhard Schmidt
Datum: 07.09.01
Hallo Iris,
die beste Alternative zu Ritalin ist nach wie vor Psychotherapie
in unterschiedlichen Anwendungsformen. Der Dipl.-Psych.
Krowatschek, der in dem besagten REPORT-Beitrag vorgestellt
wurde, sagt z.B. über sein Verhaltenstraining in der Schule:
(Zit.) "Für den schulischen Bereich hat der
schulpsychologische Dienst in Marburg ein Konzentrationstraining
entwickelt, das vor allem Kindern Spaß machen soll und sich
besonders für die schnell und flüchtig (impulsiv) arbeitenden
Kinder eignet. Dabei wird von vornherein Wert darauf gelegt, dass
es sich um ein Training (in Anlehnung an den Sport) und nicht um
eine Therapie handelt. Das Training ist eine Kurzintervention und
dauert nur wenige Stunden. Den Kindern soll nämlich nicht
vermittelt werden, dass sie in irgendeiner Form krank sind und
daher eine Therapie benötigen. Eingehend erläutert wird es in
den Publikationen Dieter Krowatscheks.
Das Konzentrationstraining kann im Unterricht, im Rahmen von
Tages- oder Wochenplanarbeit in kleinen Blöcken praktiziert
werden. Es kann aber auch als Förderangebot in Form von kleinen
Kursen stattfinden. Grundgedanke des Konzentrationstrainings ist
es, den Arbeitsstil eines Kindes zu verändern. Durch die
Vermittlung von Denkstrategien kann das Kind lernen, seine
Aufmerksamkeit besser zu steuern und zu strukturieren. Ein
reflexiver Arbeitsstil soll eingeübt werden. Unser
Trainingsvorschlag orientiert sich an der Methode der verbalen
Selbstinstruktion nach Meichenbaum und Goodman. Sie ist
wissenschaftlich vielfach überprüft worden und eignet sich
besonders gut zum Einsatz bei konzentrationsgestörten Kindern.
Dabei geht man von der Überlegung aus, dass diese Kinder
verlernt haben, Strategien zu bilden bzw. nachzudenken. Sie
sprechen nicht mehr innerlich.
Unterstützt wird das Training durch Entspannungsverfahren, durch
Übungen zur Förderung aller Sinnesorgane, dem Training des
Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit sowie durch
Methoden aus der Verhaltensmodifikation.
Erfahrungen
Das Konzentrationstraining des schulpsychologischen Dienstes
wurde in den letzten Jahren bei über 5000 Kindern und
Jugendlichen mit unterschiedlichen Trainern im Rahmen des
Unterrichts und in Gruppentrainings durchgeführt und untersucht,
welche Effekte sich bei Kindern und Jugendlichen einstellten:
Die Mehrzahl der Kinder erzielte nach dem Konzentrationstraining
in einem Intelligenzverfahren einen signifikanten Zugewinn, den
wir als eine Verbesserung im Bereich der Wahrnehmungsgenauigkeit
und der Bearbeitungsgüte interpretieren.
Zusätzlich wurden die Kinder, ihre beteiligten Mütter/Väter
und Lehrkräfte befragt und vor und nach dem Training in einer
30-minütigen Hausaufgabensituation gefilmt.
In der Schule verbesserte sich das instabile Leistungsverhalten
der Kinder nach dem Konzentrationstraining erheblich. Das
Selbstkonzept der Kinder veränderte sich: Sie trauten sich mehr
zu. Sie konnten nun länger ohne Störungen mitarbeiten. Die
Auswertung der Hausaufgabenvideos, die nach dem
Konzentrationstraining aufgenommen wurden, ergab, dass die
Mütter/Väter die Kinder nun häufiger verstärkten, mehr lobten
und liebevoller mit ihnen umgingen. Die Mütter berieten die
Kinder sachlicher und steuerten sie effektiver. Die Kinder selbst
verbalisierten bei den Hausaufgaben häufiger. Sie konnten die
Aufgabenstellung besser erläutern und arbeiteten insgesamt
selbstständiger.
Zur Frage der Medikation
Bei allen Trainingsansätzen für den schulischen Bereich konnte
stets auf Medikation verzichtet werden, weil diese
Trainingsansätze darauf ausgerichtet sind, die Selbstkontrolle
der aufmerksamkeitsgestörten Kinder zu verbessern." (Zit.)
Quelle: www.krowatschek.de
| Autor: Astrid Datum: 11.09.01 Hallo Herr Schmidt, kann man Ihre Ausführungen zu diesem Konzentrationstraining irgendwo nachlesen? Ich finde das interessant für die meisten Kinder, auch für die, die mit Sicherheit kein ADS haben. Meinen Sohn z. B. würde ich nicht als aufmerksamkeitsgestört ansehen, aber seine Konzentrationsfähigkeit könnte schon besser ausgeprägt sein, auch um besser mit seiner Legasthenie zurecht zu kommen. Überhaupt beklagen sich ja oft die Lehrer über mangelnde Konzentration. Leider wird in den Grundschulen zu wenig dafür getan, diese Fähigkeit besser auszubilden. Ich würde es sehr befürworten, Konzentrationstraining im Rahmen von Förderstunden anzubieten. Viele Grüße, Astrid |