FUNDSACHEN: ADS-FOREN KRITISCH BETRACHTET
| Autor: Hans-Reinhard Schmidt Datum: 31.08.01 Liebe Gäste, ich möchte Sie einladen, hier mit mir darüber zu diskutieren, welchen Stellenwert "ADS-Foren" haben, denn was man da so liest, ist wirklich vielsagend, teils entlarvend und oft hinterfragenswert, kurz: es bedarf gründlicherer Überlegung, als sie dort stattfinden darf oder soll. ABER BITTE: Wir wollen hier niemanden bloßstellen oder der Lächerlichkeit preisgeben. Vielmehr soll kritisch darüber nachgedacht werden, welches Krankheitsbild von "ADS" und welcher psychosoziale, alltägliche Umgang damit sich in diesen Foren widerspiegeln. Als kleines Eingangsbeispiel stelle ich beispielweise fest: Die Leute suchen sich heutzutage einen Arzt, der ihnen die Diagnose liefert, die sie sich selbst ausgedacht haben. Sie glauben, aufgrund von populärwissenschaftlicher Literatur einem Arzt überlegen zu sein. Sie haben sowieso kein Vertrauen in Ärzte. Sie haben (uneingestandene) Angst, der Arzt könnte ein guter, kritischer und sorgfältiger Arzt sein und ihnen sagen, dass ihre Probleme vielleicht auch ganz andere (unbequemere) Ursachen haben. Da fühlt man sich nach einigen Portionen Cordula Neuhaus offenbar gewappnet und geschützt. Oder was sagen Sie? Haben Sie nicht auch bei Ihren Streifzügen durchs ADS-Internet schon Momente erlebt, die Sie ins Lachen, Grübeln, Nachdenken oder Verzweifeln stürzten? Ihr Dipl.-Psych. H.-R. Schmidt |
Autor: Hans-Reinhard Schmidt
Datum: 31.08.01
Immer mehr Eltern und "Betroffene" suchen mit Hilfe der
Foren gezielt nach "ADS-Spezialisten", die ihnen die
vorgefasste Diagnose ADS bestätigen sollen. Tun die Fachleute
dies nicht, gelten sie als unfähige, ignorante oder
uninformierte Ärzte oder Therapeuten, und man sucht sich einen
anderen, bis man die Diagnose "hat", die man wollte.
Nun ist die Suche nach Spezialisten zunächst einmal allgemein
völlig normal. Nicht jeder Arzt kann mit jedem Störungsbild
gleich gut umgehen. Nur: Ein echter Spezialist kann eine Störung
auch ausschließen. Das macht ja gerade den Spezialisten aus,
dass er genau differenzieren kann.
Was ADS-Spezialisten aus der Sicht von Forenteilnehmern
anbelangt, scheint aber nur der ein "ADS-Spezialist" zu
sein (dessen Adresse dann im Forum weitergereicht wird), der die
Diagnose ADS sehr schnell und sehr häufig stellt. Ich kenne
solche "Spezialisten", die dies nicht selten mehr aus
ökonomischen denn aus fachlichen Gründen -teils innerlich
widerstrebend- tun.
Ich finde, Patienten sollten zu echten Spezialisten gehen, und
das sind solche, die ADS-kritisch (nicht unbedingt ablehnend)
sind, die ADS auch ausschließen können.
Oder wie sehen Sie dies?
Mit Gruß, H.-R. Schmidt
| Autor: Antje Datum: 31.08.01 Hallo Herr Schmidt Da möchte ich nun doch noch etwas dazu sagen auch wenn Sie mich nun gleich wieder löschen. Sie "sagten" aus IHRER Sicht wäre es so (wie oben beschrieben). Nun sage ich Ihnen mal MEINE Sicht. Die Menschen aus den Foren fragen nicht nach einem Spezialisten aus denen von Ihnen genannten Gründen. SONDERN weil sie nicht zum xten mal an einen Arzt geraten wollen für den es ADS nicht gibt. Wenn dieser Arzt (der sich mit ADS und anderen Dingen auskennt) dann kein ADS diagnostiziert, sondern eine andere Ursache erkennen kann. Wird sich jeder damit zufrieden geben--aber wie gesagt nur dann wenn er sich damit auch wirklich auskennt--- Das ist meine Sicht und nun -------wer hat jetzt Recht????????------- Gruß Antje |
Autor: Hans-Reinhard Schmidt
Datum: 31.08.01
Hallo Antje,
warum sollte ich diesen Beitrag löschen? Weil Sie so viele
Fragezeichen hinter ein Wort setzen? Normalerweise lösche ich
Beiträge erst ab 9 Fragezeichen, Sie haben aber nur 8 gemacht.
Nichts für ungut!
Zu Ihrem Beitrag: Wie beurteilen denn Patienten aus Ihrer
Erfahrung, ob sich ein Arzt oder Therapeut mit ADS auskennt oder
nicht? Das wäre eine interessante Frage, finde ich. Denn so, wie
ich viele Postings in den Foren lese, beurteilen Patienten dies
oft damit, ob der Arzt z.B. "von ADS was hält oder
nicht" (zit.), und das sagt ja gar nichts darüber aus, wie
gut der Arzt sich wirklich auskennt. Ein Arzt (und sonst
jedermann auch) kann ja "nichts von ADS halten", gerade
weil er sich gut damit auskennt. Natürlich kann es auch sein,
dass er darüber gar nichts weiss. Aber wie soll man das
auseinanderhalten als Patient?
Die Fachleute (ich gehöre ja auch dazu), die sich seit Jahren
mit dem Thema intensiv befassen und nicht viel von
"ADS" halten, werden sehr schnell als
"Nicht-Fachmann" verunglimpft, gemieden und gewechselt.
Ich selbst bin ja hierfür auch für Sie das beste Beispiel. Auch
Sie spielen ja dieses Spiel mit mir schon längere Zeit, das ich
aus dem Eingangszitat herauslese, oder?
Mit Gruß
Mit Gruß, H.-R. Schmidt
| Autor: Antje Datum: 31.08.01 Hallo Herr Schmidt Welches Spiel spiele ich mit??????--Stop-- nicht zuviele Fragezeichen setzen, ich will ja noch drin bleiben. ;-) Zu Ihrer Frage_tja ich geb zu ist nicht so einfach zu beantworten_, ich versuchs halt mal so. Ein Arzt der von ADS nichts hält, wird es somit auch nie diagnostizieren. Sollte sich dann eines Tages herausstellen ADS gibt es--weil die Forschung es nun 100% bewiesen hat-- ist dieser Arzt dann ein guter Arzt ??? Umgekehrt gilt das ganze natürlich auch. Und nun ??? Bringt uns das jetzt weiter? Mit Gruß Antje |
Autor: Hans-Reinhard Schmidt
Datum: 01.09.01
Hallo Antje,
ein Arzt, der gegenwärtig nichts von ADS hält, wird bei kranken
Kindern andere, längst bewährte Diagnosen stellen, die genauso
zur richtigen Therapie führen. Er braucht die Diagnose
"ADS" (=genetische, vererbbare
Hirnstoffelwechselstörung plus Ritalin) meist gar nicht und wird
trotzdem helfen können. Ihre Alternative stellt sich deshalb aus
meiner Sicht so gar nicht. Sie gehen einfach immer davon aus,
dass es eine eigenständige "Krankheit" ADS nosologisch
gäbe. Und das bezweifele ich (und andere) nach wie vor. Sorry!
Mit Gruß, H.-R. Schmidt
| Autor: Antje Datum: 01.09.01 Hallo Herr Schmidt Wenn ein Arzt nun nichts von (z.B.) Krebs hält und aus diesem Grund (z.B.) keine Chemotherapie verordnet. Wie soll dann dem Patienten geholfen werden, mit Familientherapie??? Ich kann leider die Aussage von Ihnen das man ADS als Diagnose nicht braucht nicht ganz nachvollziehen. Wenn es ADS gibt muss man auch ADS behandeln. PS. Sie brauchen sich nicht entschuldigen, jeder hat ein Recht auf seine Meinung. Mit Gruß Antje |
Autor: Lutz
Datum: 11.09.01
Herr Schmidt.
Sie bezeichnen Sich als Fachmann, der andere Diagosne stellt.
Soweit mir bekannt, sind Sie aber kein Arzt, können
somit auch keine medizinische Diagnose stellen.
Da ist mir schon klar, warum Sie zu anderen "Diagnosen"
kommen.
Lutz
P.S.
Sie möchten über den Wert von ADS-Foren reden? Gern.
Reden sie auch über den Wert solcher ADS-Foren, die
die Existenz von ADS grundsätzlich bestreiten und
den Menschen dafür Lichtbrillen, verseuchte Algen,
Phosphatmangeldiäten und dergleichen verscherbeln
wollen?
Ganz zu schweigen von den Foren, die von Scientologen
bis unter die Halskrause durchsetzt sind?
| Autor: Kim Datum: 11.09.01 Hallo Lutz, du hast zwar nicht mich angesprochen, doch ich möchte dich etwas fragen: sag mir bitte, was an der Diagnose von "ADS" medizinisch ist? Die Testverfahren (IQ; Aufmerksamkeit, Konzentration) gehören naturgemäß in den Aufgabenbereich eines Psychologen, die Verhaltensbeobachtung und Auswertung entsprechender Fragebögen auch. Allein das EEG und eine allgemeine körperliche Untersuchung müßte ein Arzt machen. Von "medizinischer" Diagnose könntest du doch nur dann sprechen, wenn der Hirnstoffwechsel untersucht werden würde, aber das ist ja eben nicht der Fall. Und ob es sich im Einzelfall oder auch insgesamt bei "ADS" um eine solche Hirnstoffwechselstörung handelt, bleibt doch völlig un"diagnostiziert" . Gruß von Kim |
Autor: Elisabeth
(himmelblau)
Datum: 11.09.01
Hallo, Kim,
ein IQ-Test steht bei den Testverfahren zu Add ganz sicher nicht
an erster Stelle. Er wird auch nicht gemacht, um Add
nachzuweisen, sondern um mangelnde Intelligenz als Ursache für
Schulschwierigkeiten auszuschließen. (Deshalb ist er in vielen
Fällen gar nicht nötig - Add-Kinder bekommen von Lehrern oft zu
hören "Er könnte ja, wenn er nur wollte" und dgl. -
weil ihre Leistungen in den seltensten Fällen konstant sind, und
sie in "guten Momenten" sogar oft zu
überdurchschnittlichen Leistungen fähig sind. Da das
Intelligenzspektrum bei Add-Kindern dem der Nicht-Addler
entspricht (sie sind weder gescheiter noch dümmer), reicht es,
einen Intelligenztest bei Verdacht darauf, dass die Intelligenz
möglicherweise gemindert sein könnte, zu machen. Bei Verdacht
muss man allerdings nicht nur die Intelligenz kontrollieren -
(dass dies so oft geschieht, liegt vermutlich an der Tatsache,
dass sovielen AddlerInnen mit der Sonderschule gedroht wird und
ein hoher Intelligenzwert von den Eltern als Gegenargument
genutzt werden kann, es hat aber selten direkt mit dem Add-Test
zu tun) - sondern auch eine Reihe von anderen Dingen, die
eindeutig in den medizinischen Bereich fallen. Die
Diagnoserichtlinien findest du unter
http://www.psychologie-online.ch/add mehrfach und ausführlichst
erläutert.
Und was Konzentrationstests betrifft, sind sie keinesfalls das
entscheidende Kriterium, sondern sie werden zusätzlich gemacht,
um das Bild abzurunden und die meisten davon (mit Ausnahme von
CPT oder T.O.V.A) sind für Addler nicht aussagekräftig - denn
diese erbringen meist entweder sehr gute oder sehr schlechte
Leistungen bei solchen Tests (die Gründe habe ich in einem
eigenen Thread zu Konzentrationstests erläutert) und liegen
selten im mittleren Bereich.
lg, Elisabeth (himmelblau)
| Autor: Hans-Reinhard Schmidt Datum: 11.09.01 Aber Elisabeth, auf einmal so unpräzise? "...eine Reihe von anderen Dingen, die eindeutig in den medizinischen Bereich fallen", schreiben Sie. Was für "Dinge" denn? Es ist doch gar keine Frage, dass Psychologen in Kooperation mit einem Arzt diese Diagnostik machen (dürfen). Mit Gruß, H.-R. Schmidt |
Autor: Elisabeth
(himmelblau)
Datum: 12.09.01
Wenn dies in Kooperation mit einem Arzt geschieht, ist das sicher
okay. Das hab ich aber auch an keiner Stelle bestritten.
Warum ich bei fehlender Kooperation mit einem Arzt dagegen bin,
dass von Psychologen Add oder Nicht-Add diagnostiziert wird, kann
ich Ihnen auch sagen:
Ich kenne Leute, die zu einem Psychologen gegangen sind mit
Verdacht auf Add, es wurden Tests mit ihnen gemacht, und das
Ergebnis - "kein Add". Dagegen wäre an und für sich
nichts zu sagen. Wogegen aber etwas zu sagen ist, ist die
Begründung: In so gut wie allen Fällen derer, die sich von
einem Psychologen auf Add testen ließen und bei denen vom
Psychologen "kein Add" diagnostiziert wurde, lautete
sie in etwa so: "Ihre Werte im Konzentrationstest sind viel
zu gut, Sie haben ganz bestimmt kein Add."
| Autor: Hans-Reinhard Schmidt Datum: 12.09.01 Liebe Elisabeth, und eine solche Psychologen-Diagnose wäre dann aus meiner Sicht genau so richtig oder falsch wie jede auch irgendwie anders zustandekommende Diagnose. Es gibt einfach keine valide, objektive und hinreichend zuverlässige Messmethode für ADS. |
Autor: Elisabeth
(himmelblau)
Datum: 12.09.01
Sie, Herr Dipl.-Psych. Schmidt, hätten die Möglichkeit, als
Psychologe an der ADD-professional-Mailingliste teilzunehmen -
dort sind ÄrztInnen, PsychologInnen und PsychotherapeutInnen in
einem Pool versammelt. (Auf die Existenz dieser Liste sind Sie
schon vor langem aufmerksam gemacht worden.) Statt dessen ziehen
Sie es vor, Ihre fachlichen Fragen mit Laien zu erörtern.
"Ärztinnen und Ärzte, Psychologen und Psychologinnen,
welche sich beruflich mit der ADHS befassen und an einem
fachlichen Austausch mit Kollegen und Kolleginnen interessiert
sind, können an einer geschlossen Mailingliste und einem
passwortgeschützten webbasierten Forum teilnehmen."
mfg, Elisabeth (himmelblau)
| Autor: Hans-Reinhard Schmidt Datum: 12.09.01 Liebe Elisabeth, ich gehe lieber "unters Volk", als mich in akademische Hinterstübchen zu verziehen. Ich finde es wichtig, dass gerade "Laien" sich ein umfassendes Bild machen können, und dazu gehört, dass sie mehr erfahren sollten als das, was sonst in den gängigen Foren bereitgehalten wird. Nicht zuletzt lernt man so ja auch sehr interessante ZeitgenossInnen wie Sie kennen, liebe Elisabeth! Mit Gruß, H.-R. Schmidt |
Autor: Lut
Datum: 12.09.01
Ist es ist nicht vielmehr so, Herr Schmidt, daß Sie gerade
deshalb nicht in die
"akademischen Hinterstübchen" gehen, weil Sie dort mit
ihrer Argumentationsweise
und ihren vorgegeben Fachkenntnissen nicht bestehen würden?
In der Diskussion mit Laien könnne sie natürlich ganz anders
auftreten, indem
Sie sich als Fachmann - auch mit Berufsbezeichnung - ausgeben und
mit ein paar
Fachausdrücken und angeblichen Patientengeschichten auftrumpfen.
Den Wahrheits-
gehalt ihrer Geschichten, vor allem der Patientengeschichten,
können wir hier
natürlich nicht prüfen. Und da sie sie aus rechtlichen Gründen
auch nicht belegen
dürfen, bleiben sie stets unwiedersprochen.
Aus dem Forum von psychologie-on,ine, an dem auch Mediziner und
andere
PSychologen teilnehmen, haben Sie sich hingegen zurückgezogen,
weil ihren
dortigen Einwürfe dort stets mit fachlich fundierten Aussagen
wiedersprochen
wurde und ihre Aussagen (meist) wiederlegt wurden.
Lutz
| Autor: Kim Datum: 12.09.01 Hallo Lutz, du hast zwar nicht mich angesprochen, doch dein Hinweis auf das Forum von Psychologie-online veranlaßt mich, dich noch einmal anzusprechen. Wie du vielleicht weißt, beteilige ich mich ab und zu in diesem von dir genannten Forum. Und daher weiß ich auch, daß du dich dort beklagt hast, daß "Kritiker" einer Diskussion ausweichen würden. Nun, ich tue es i.a. nicht, aber ich möchte dich im Gegenzug darauf hinweisen, daß ich dir hier in diesem Forum eine ganz konkrete Frage gestellt habe, aber leider darauf keine Antwort erhalten habe. Also bitte ich dich, mir diese Antwort zu geben, Oder entziehst etwa DU dich einer Diskussion? Gruß von Kim |
Autor: Kim
Datum: 11.09.01
Hallo Elisabeth,
mir sind die Diagnoserichtlinien schon klar, auch daß der IQ wie
auch das EEG und die körperliche Untersuchung zum Zwecke der
Differentialdiagnostik (also zum Ausschluß anderer Erkrankungen)
eingesetzt werden.
Ich wollte mit der Aufzählung auch nur deutlich machen, welche
Teile der Diagnostik ganz eindeutig in den psychologischen und
welche in den ärztlichen Bereich gehören.
Dennoch bleibt meine Frage an Lutz und nun auch an dich: Was an
der Diagnose ist "medizinisch"? Schließlich sprach
Lutz von einer "medizinischen Diagnose", und (um es
ganz deutlich zu machen): es geht um die DIAGNOSE, daß man zur
Verschreibung von Ritalin einen Arzt benötigt, das ist mir klar.
Ich möchte es gern genau von euch wissen: Welche
"medizinischen" Methoden werden wie dazu benutzt, um zu
einer "medizinischen Diagnose" von ADS zu gelangen ?
Gruß von Kim
| Autor: Elisabeth
(himmelblau) Datum: 12.09.01 Hi, Kim ich wusste bis vor kurzem nicht, dass du Psychologin bist. Aber auch du hättest daher die Möglichkeit, an der ADD-professional-Mailingliste teilzunehmen - dort sind ÄrztInnen, PsychologInnen und PsychotherapeutInnen in einem Pool versammelt. Dort wirst du weit fundiertere Antworten auf deine Fragen bekommen - ich frage mich, was dich bewegt, solche fachlichen Fragen lieber mit Laien als mit Fachleuten (und dort sind Ärzte wie Psychologen und Psychotherapeuten vertreten, es wäre doch also wohl eine sehr geeignete Anlaufstelle für Psychologen mit medizinischem Interesse) zu erörtern. "Ärztinnen und Ärzte, Psychologen und Psychologinnen, welche sich beruflich mit der ADHS befassen und an einem fachlichen Austausch mit Kollegen und Kolleginnen interessiert sind, können an einer geschlossen Mailingliste und einem passwortgeschützten webbasierten Forum teilnehmen." Nachdem Ärzte sich heutzutage in ihrer Ausbildung zum Glück auch schon mit der Psyche und dem "ganzen Menschen" befassen (auch wenn es noch nicht umfassend genug ist, sicher umfassender als sich Psychologen im Vergleich dazu mit rein somatischen/neurologischen Problemen befassen) sehe ich diese Trennung nicht allzu streng. Wenn aber Ärzte, die sich jahrelang mit Add beschäftigt haben, und Psychologen, die das erst seit kurzem und sehr einseitig tun, nicht kooperieren, sondern unterschiedliche Sichtweisen vertreten, bevorzuge ich jene der Ärzte. Ein Kinderarzt wie Ryffel ist erst nach zahlreichen Erfahrungen mit verzweifelten Eltern, die jahrelang versucht haben, nur um Himmels willen ihrem Kind keine Psychopharmaka zu geben, und aufgrund der zahlreichen und augenscheinlichen Erfolge bei Ritalintherapie zum Ritalinbefürworter (bei diagnostiziertem Add und schwerem Leidensdruck) geworden. Auch sind mir zahlreiche Einzelfallberichte von Eltern, deren Kinder nichtmedikamentöse Therapien ohne Erfolg praktiziert haben, bekannt. (Betrachtet man auch die selbst betroffenen Erwachsenen so wird man eine noch weit höhere Anzahl nichtwirksamer ritalinfreier Psychotherapien finden). Selbst hier in diesem Forum lese ich nur sehr vereinzelt von Erfolgen nichtmedikamentöser Therapie bei diagnostiziertem Add. Also wo sind all die Leute mit der erfolgreichen nichtmedikamentösen Therapie? Dass sie aus Add-Foren hinausgedrängt werden, stimmt zwar so pauschal sicher nicht - aber dann gibt es ja sicher andere Foren (Gesundheitsforen u.ä. wo ich diese Leute finde - und zwar nicht die "theoretisierenden", sondern die mit den positiven Erfahrungen. Es reicht ja schon die Angabe eines Links.) Die generell "ritalinablehnenden" Psychologen sind derartig einseitig, dass sie selbst von der WHO anerkannte Krankheitsbilder leugnen. Zudem ist es ihnen offenbar ziemlich egal, dass "ihre" Therapien für ein Gros der Betroffenen, denen derzeit durch die Ritalintherapie geholfen werden kann, gar nicht zugänglich wären. Herr Dipl.-Psych. Schmidt hat einen diesbezüglichen Artikel einer PsychotherapeutInnen-Standesvertretung mehr oder weniger als Nonsense abgetan. Sollte das stimmen, ist das auch nicht unbedingt dazu geeignet, mein Vertrauen in eine psychotherapeutische Behandlung zu steigern. mfg, Elisabeth (himmelblau) |
Autor: Kim
Datum: 12.09.01
Hallo Elisabeth!
> ... ich frage mich, was dich bewegt, solche
> fachlichen Fragen lieber mit Laien als mit Fachleuten zu
erörtern.
Ich wollte nicht als Psychologin fachliche Fragen erörtern,
sondern es ging mir nur darum, von DIR zu erfahren, was an den
Diagnosen von "ADS" medizinisch sei, denn schließlich
hast du dich ja so geäußert. Ich wollte nur ganz genau wissen,
was du darunter verstehst.
(Ich wollte auch keinen Link auf Veröffentlichungen zu dem
Thema.)
> Nachdem Ärzte sich heutzutage in ihrer Ausbildung zum
Glück
> auch schon mit der Psyche und dem "ganzen
Menschen" befassen
> (auch wenn es noch nicht umfassend genug ist, sicher
> umfassender als sich Psychologen im Vergleich dazu mit rein
> somatischen/neurologischen Problemen befassen) sehe ich
diese
> Trennung nicht allzu streng.
Wie gelangst du zu solchen Meinungen? (Ich persönlich kenne mehr
Psychologen, die sich mit somatischen Problemen befassen als ich
Ärzte kenne, die sich mit psychischen Problemen befassen.)
Daß eine ganzheitliche Sicht des Menschen das einzig Richtige
ist, da stimme ich mit dir überein. Gerade deswegen finde ich es
so schlimm daß das Konzept des "ADS" auf eine
körperliche Ursache reduziert wird.
> Wenn aber Ärzte, die sich
> jahrelang mit Add beschäftigt haben, und Psychologen, die
das
> erst seit kurzem und sehr einseitig tun, nicht kooperieren,
> sondern unterschiedliche Sichtweisen vertreten, bevorzuge
ich
> jene der Ärzte.
Warum?
Und warum glaubst du, daß Fachleute, die das "genetisch
bedingte, neuro-biologisch verursachte ADS" anzweifeln und
Ritalin-kritisch sind, sich erst seit kurzem damit beschäftigen?
Kann es sein, daß du da diejenigen bevorzugst, die DIR am
ehesten in den Kram passen, aus welchen Gründen auch immer das
so sein mag?
Gruß von Kim
| Autor: Elisabeth
(himmelblau) Datum: 12.09.01 Hallo Kim! Ich bin in dem Zusammenhang nicht wichtig. Die Frage was an den Diagnosekriterien von "ADS" medizinisch sei, wird am besten von Medizinern beantwortet werden können - und ich bin keine, ich habe dir aber einen Link genannt, auf dem die aktuellsten und wichtigsten Arbeiten im medizinischen Bereich vorgestellt werden - du könntest dich sogar zu den Abstracts durchklinken, wenn du dir die Mühe machst. (Ich habe mir die Mühe in dem Fall nicht gemacht, denn ich für mich persönlich bin von dem, was ich bisher gelesen habe und den Berichten Betroffener, die ich teilweise auch schon persönlich kennengelernt habe, überzeugt, zumal eine Ritalingabe nur bei schwerem Leidensdruck erfolgen soll - für mich reicht es, sorgfältig abzuwägen, ob ein solcher schwerer Leidensdruck besteht und ob die Vorteile einer Ritalinbehandlung diese in solchen Fällen rechtfertigen - wobei man sicher immer die jeweiligen individuellen Gegebenheiten berücksichtigen muss, was aber bei einer Diagnose, die den Richtlinien entspricht, ohnehin geschieht. Wenn es "schwarze Schafe" gibt, die sich nicht an die Diagnoserichtlinien halten, sollte man gegen diese vorgehen, aber nicht gegen die Betroffenen und bei diesen totale Verunsicherung auslösen. Zudem ist die beste Methode immer das Vorangehen mit gutem Beispiel. Die ganze Diskussion hier wäre unnötig, würden die Therapieerfolge durch nichtmedikamentöse Therapien bekanntgemacht - mehr als eine Handvoll positiver Einzelschicksale, bei denen nicht mal immer klar war, ob tatsächlich "Add" diagnostiziert worden war und ob überhaupt eine Ritalinempfehlung ausgesprochen wurde (nur ein Teil der "Addler" leidet derart unter dem Add, dass dies empfohlen wird) sind mir aber bis jetzt nicht bekannt geworden, während ich im Gegenzug sowohl von anderen als auch aus eigenem Erleben sehr viel von in bezug auf Add völlig wirkungslosen nichtmedikamentösen Therapien berichten kann. Wenn man Erfolge vorzuweisen hat, kehrt man die doch gewöhnlich nicht unter die Decke. Auch die Methoden, die von den Pauschal-"Ritalin ist eine Droge"-Kritikern angewandt werden, sprechen doch für sich. (geschildert in "Wie man Addler ins schlechte Licht rückt" - wurde von Herrn Dipl. Schmidt aber umbenannt, mit Stichwort "Fernsehsendung" findest dus vielleicht) Sowas hätten diese gar nicht nötig, könnten sie mit ihrer Arbeit überzeugen. Zu solchen Meinungen gelange ich unter anderem durch einen Blick in die Vorlesungsverzeichnisse der 80er und 90er Jahre der hiesigen Universität (unter "Medizin" und "Psychologie" - Psychologie z.B. besteht da fast nur aus Statistik und Testverfahren - und vermutlich sind das die Ärzte und Psychologen von heute, wobei die schon eine relativ moderne Ausbildung genossen haben (bei denen davor ist alles nochmal so krass.). Natürlich kann das ein besonders krasses Beispiel sein, aber im deutschen Sprachraum findet man normalerweise schon zumindest in grobem Zügen ähnliche Inhalte in den Studienfächern. Auch wenn eine körperliche Ursache besteht, heißt das nicht, dass man nicht den Menschen als Ganzen betrachten kann. (Wenn jemand z.B. taub oder blind ist kann das angeboren oder erworben sein - wenn man ihn als ganzen Menschen betrachtet, mit all den Schwierigkeiten, die er hat, wird es im großen und ganzen relativ unerheblich sein, ob seine Störung angeboren oder erworben ist). Ganz im Gegenteil: Wenn du dir unvoreingenommen die Seiten von Piero Rossi und Martin Winkler ansiehst, wirst du feststellen, dass da der Mensch samt allen seinen Lebensumständen im Mittelpunkt steht. Das Konzept "Add" ermöglicht es manchen sogar, ohne Medikamente zurechtzukommen, weil sie erkennen, woher ihre Störung stammt und sie praktikable Ratschläge erhalten, wie sie mit ihr besser umgehen können. (Das Wort "erkennen" nimm jetzt bitte nicht wörtlich, es ist hier nicht im Sinne eines wissenschaftlichen Beweises gemeint.) Was glaubst du, welch negatives Selbstbild ein Mensch, der nichts von seinem Add weiß und gänzlich falsche Strategien entwickelt, die immer wieder zum Scheitern führen, mit der Zeit entwickelt? Er reagiert immer wieder auf eine bestimmte, nicht zielführende Weise, ohne zu wissen, warum er das eigentlich tut, sofern ihm überhaupt klar wird, dass er dies tut (was sehr oft nicht der Fall ist). Konzepte, die auf Add-Bedürfnisse eingehen, enthalten daher nicht bloß Ratschläge, die für alle anderen Menschen genauso gut wären - für die meisten aller anderen Menschen wäre z.B. eine große Belohnung am Ende einer erledigten Aufgabe weit motivierender als eine Vielzahl von "kleinen" Belohnungen für einzelne Teilschritte, auch wenn die Gesamtsumme der kleinen Belohnungen deutlich unter der der großen Belohnung liegt. (Addler wirst du aber mit letzterem viel besser motivieren können und sie werden dann auch insgesamt weit bessere Leistungen erbringen können - und nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene! Dies nur ein Beispiel. Die Aussicht auf eine "Beförderung" oder "Gehaltserhöhung" in 1-2 Jahren z.B. ist also nichts, womit man einen Addler oder er sich selbst motivieren könnte.) Und bitte lies genau, was ich geschrieben habe: > Wenn aber Ärzte, die sich > jahrelang mit Add beschäftigt haben, und Psychologen, die das > erst seit kurzem und sehr einseitig tun, nicht kooperieren, > sondern unterschiedliche Sichtweisen vertreten, bevorzuge ich > jene der Ärzte. Hier steht n i c h t, dass alle Ärzte sich schon lange und alle Psychologen sich erst seit kurzem mit Add beschäftigen. Aber Herr Dipl.-Psych. Schmidt hat selbst geschrieben, dass er sich mit dem "Phänomen" Add erst seit ca. einem halben Jahr beschäftigt. Psychologen, die das seit über 20 Jahren tun, wie etwa Dr. Wolff (er ist Psychologe und kein Arzt) kommen auch zu ganz anderen Ergebnissen. Klar passen mir die Ärzte am ehesten in den Kram: Denn bei ihnen kann man sich entscheiden, ob man ja zu Ritalin oder nein zu Ritalin sagt - in seinem eigenen Fall oder dem der Kinder. Niemand wird dazu gezwungen. Wenn es Kindern nicht hilft oder sie sich entscheiden, es nicht mehr nehmen zu wollen, wird es abgesetzt und damit hat sich die Sache. (Abgesehen davon, dass Rattenversuche nicht auf Menschen übertragbar und somit blanker Unsinn sind, hätte - wenn schon denn schon - zuvor festgestellt werden müssen, ob die verwendeten Ratten nach den geltenden Kriterien als "aufmerksamkeitsinkonsistent" etc. eingestuft worden wären - die Mühe, sie über einen längeren Zeitraum in mindestens zwei verschiedenen Lebensbereichen (Familie, Schule, Freunde, Arbeit ...) zu beobachten und dann die 3-5% "geeigneten Kandidaten" auszuwählen und festzustellen ob mindestens 6 der 9 Kriterien zutreffen, haben sich die Tester aber sicher nicht gemacht.*g* Was sie somit herausgefunden haben, ist etwas, was kein seriöser Add-Diagnostiker abstreitet: dass Ritalin, wenn der Ausgangszustand ein ungestörter Hirnstoffwechsel ist, bei dem alles im Gleichgewicht ist, schädlich ist, denn dann bringt es das Gleichgewicht ja künstlich durcheinander. Zudem gehen nach Erfahrungen bei Menschen bei Absetzen des Mittels sämtliche Nebenwirkungen und Veränderungen wieder zurück - ob das bei den Ratten der Fall war, wurde aber gar nicht erst getestet. Auch der Schluss: Wenn etwas für Ratten schädlich ist, ist es das erst recht für Menschen, muss keineswegs zutreffen. Wie viele Tiere gibt es, die irgendetwas was für Menschen giftig ist, recht locker wegstecken können? Und nach welchen Kriterien wurde die "Ritalindosis" der Ratten bemessen? (all diese Fragen sind natürlich ironisch gemeint, und ich erwarte keine Antwort, ich bin wie viele andere auch, der Ansicht dass Tierversuche sinnlos sind.) Psychologen wie Herr Dipl.-Psych. Schmidt bestreiten aber überhaupt die Existenz von Add. Und damit lassen sie einem nicht die Freiheit zu entscheiden, sondern "zwangsbeglücken" Betroffene mit einer Nichtbehandlung. Ich sage deshalb ausdrücklich Nichtbehandlung und nicht mit einer "psychologischen" Behandlung, weil selbst bei gleich hoher Wirksamkeit (die vorliegenden Fakten sprechen eher dagegen, dass die Wirksamkeit gleich hoch ist) eine solche psychologische oder psychotherapeutische Behandlung nur einem Bruchteil jener zugänglich ist, denen derzeit durch Ritalin geholfen werden kann. Und ich finde nunmal nicht, dass ein gesundes Kind, das in der Lage wäre, durchschnittliche, gute oder sehr gute Leistungen zu erbringen, zu seinem Anderssein stehen und als Konsequenz davon in die Sonderschule abgeschoben werden soll - das ist nämlich das Schicksal, das unbehandelten Add-Kindern mit schwerem Leidensdruck blüht - wobei ein solcher Schulwechsel in den meisten Fällen keinerlei Wirkung zeigt, außer der, dass die Regelschule das Kind losgeworden ist (Denn nur dann wenn in der Sonderschule speziell auf die Add-Gegebenheiten eingegangen wird, kann eine Besserung erzielt werden) und das Kind sich als Versager fühlt. Das ist ein fatalistischer Standpunkt, der dann Sinn macht, wenn es für eine Krankheit oder sonst etwas nach dem derzeitigen Kenntnisstand keine Hoffnung gibt. Im Fall von Add konnte aber nachweislich schon etlichen aus dieser Misere herausgeholfen werden und es besteht sehr große Hoffnung. Ein Weg, auf dem die "Ritalinkritiker" also auch etwas erreichen könnten in ihrem Sinn nach "drogenfreier Schule", wäre, sich mal das Schulsystem und die Versetzungs- und Abschiebepraxis etc. unter die Lupe zu nehmen und statt Warnbriefen à la "Ritalin ist eine Droge" - "Eltern stellen ihre Kinder ruhig" an die Eltern und die Öffentlichkeit Briefe an Erziehungsminister, Schuldirektoren, Lehrer etc. zu schreiben. Warum wohl müssen so viele AddlerInnen von der HEBO abgewiesen werden? Es würde ein Bedarf an Dutzenden solcher Schulen bestehen - oder eben nach einer generellen Reform der Praktiken der herkömmlichen Regelschulen. Die "härtesten" Fälle von Add wird man wohl auch dann noch mit Ritalin behandeln müssen - aber sehr viele jener Fälle, bei denen die Eltern nach jahrelangem Leidensweg sich erst dann zu Ritalin durchringen, wenn das das letzte Mittel ist, um ihrem Kind die Sonderschule und sozialen Abstieg zu ersparen (und ein Mittel, das das oft tatsächlich ermöglichen kann), würden dann mehr Geduld für eine ritalinfreie Therapie aufbringen können. lg, Elisabeth (himmelblau) PS: ich werde vermutlich nicht mehr antworten können in nächster Zeit. Ich schreibe noch in einem eigenen Thread warum. |
Autor: Kim
Datum: 12.09.01
Elisabeth (himmelblau) schrieb:
>
> Ich bin in dem Zusammenhang nicht wichtig.
Hallo Elisabeth,
doch, genau DU warst für mich wichtig, weil DU von medizinischer
Diagnose gesprochen hast und ich von DIR wissen wollte, was DU
darunter verstehst.
Schade, daß ich keine Antwort darauf bekommen habe.
Du sprichst immer von ADD-lern, diagnostizierten ADD-lern und
zählst dich ja auch dazu.
Wie (mit welchen medizinischen Methoden) ist denn bei dir
persönlich das ADD festgestellt worden?
Oder leitest du das nur aus der Tatsache ab, daß die bisherigen
Psychotherapien dir nicht so geholfen haben, während es dir
jetzt mit Ritalin gut oder besser geht?
> Konzepte, die auf
> Add-Bedürfnisse eingehen, enthalten daher nicht bloß
> Ratschläge, die für alle anderen Menschen genauso gut
wären -
> für die meisten aller anderen Menschen wäre z.B. eine
große
> Belohnung am Ende einer erledigten Aufgabe weit
motivierender
> als eine Vielzahl von "kleinen" Belohnungen für
einzelne
> Teilschritte, auch wenn die Gesamtsumme der kleinen
Belohnungen
> deutlich unter der der großen Belohnung liegt. (Addler
wirst du
> aber mit letzterem viel besser motivieren können und sie
werden
> dann auch insgesamt weit bessere Leistungen erbringen
können -
> und nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene! Dies nur ein
> Beispiel. Die Aussicht auf eine "Beförderung"
oder
> "Gehaltserhöhung" in 1-2 Jahren z.B. ist also
nichts, womit man
> einen Addler oder er sich selbst motivieren könnte.)
Genau das gilt für die allermeisten Menschen, wie kommst du nur
darauf, daß das eine spezielle Eigenart von "ADD-lern"
sein sollte.
> Aber Herr Dipl.-Psych. Schmidt hat selbst geschrieben, dass
er
> sich mit dem "Phänomen" Add erst seit ca. einem
halben Jahr
> beschäftigt.
> Psychologen, die das seit über 20 Jahren tun, wie etwa Dr.
> Wolff (er ist Psychologe und kein Arzt) kommen auch zu ganz
> anderen Ergebnissen.
Entschuldige, ich meine gelesen zu haben, daß Herr Schmidt ein
halbes Jahr sich im INTERNET mit den Foren beschäftigt, mit
"ADS" wird er sich doch wohl schon etliche Jahre
befaßt haben. (Aber das kann er ja auch selbst noch
richtigstellen.)
Und wenn du meinst, daß jemand nach Jahren zu anderen
Ergebnissen kommt, wie erklärst du dir dann die Aussage der
Hamburger Ärztin Dr.Flehmig, die sich seit Jahrzehnten mit
auffälligen Kindern beschäftigt, und die "Ritalin"
als "Kinder-Kokain" bezeichnet und die momentane
Verschreibungspraxis als Katastrophe?
> Wenn es Kindern nicht hilft oder sie sich entscheiden, es
nicht
> mehr nehmen zu wollen, wird es abgesetzt und damit hat sich
die
> Sache.
Glaubst du wirklich, ein Eingriff in den kindlichen, sich
entwickelnden Hirnstoffwechsel würde so ganz ohne Folgen
bleiben? Meinst du, schwere Psychopharmaka sind so vollkommen
harmlos?
> Was sie somit herausgefunden haben, ist etwas, was kein
> seriöser Add-Diagnostiker abstreitet: dass Ritalin, wenn
der
> Ausgangszustand ein ungestörter Hirnstoffwechsel ist, bei
dem
> alles im Gleichgewicht ist, schädlich ist, denn dann bringt
es
> das Gleichgewicht ja künstlich durcheinander.
Woher weißt du denn z.B., ob DEIN Hirnstoffwechsel gestört ist,
oder ob das bei dem Kind XY, das Ritalin kriegen soll, so ist?
Da ist wieder die Frage nach der Diagnostik, solange der
Hirnstoffwechsel nicht untersucht wird, kannst du nicht wissen,
wie der bei dir ist.
>
> Psychologen wie Herr Dipl.-Psych. Schmidt bestreiten aber
> überhaupt die Existenz von Add. Und damit lassen sie einem
> nicht die Freiheit zu entscheiden, sondern
"zwangsbeglücken"
> Betroffene mit einer Nichtbehandlung.
Sag mal, geht es hier um die "freie Entscheidung", sich
ein ADD zuzulegen oder nicht, (so wie ich mich frei entscheiden
kann, meine Haare rot oder blau zu färben), oder um die freie
Entscheidung, welche Psychopharmaka ich schlucke oder meinen
Kindern gebe? Oder geht es hier nicht vielmehr um die wichtigen
Fragen, was "ADD" eigentlich ist, wie es diagnostiziert
und behandelt wird und wie gefährlich Ritalin ist.
> PS: ich werde vermutlich nicht mehr antworten können in
> nächster Zeit. Ich schreibe noch in einem eigenen Thread
> warum.
Es ist okay, wenn du nicht antwortest, aber vielleicht liest du
es ja dennoch.
Gruß von Kim
| Autor: Elisabeth
(himmelblau) Datum: 13.09.01 Hallo, Kim, nein ich zähle mich nicht zu den diagnostizierten Addlern, das kann ich auch gar nicht, weil ichs bis jetzt noch nie geschafft hab, mich aufzuraffen, und um eine Diagnose und Behandlung zu kümmern. (Um das zu verstehen, müsstest du auch die Hintergründe kennen - in meinem weiten Umfeld (in der Stadt und etliche zig-Kilometer darüber hinaus) wird genau die Meinung vertreten, die von dir und Herrn Dipl.-Psych. Schmidt propagiert wird - dass es Add nicht gäbe, insbesondere bei Erwachsenen nicht (bei Kindern beginnt allmählich ein Umdenken.). Und ich habe nicht das Geld um weite Bahnreisen zu unternehmen, bis ich auf irgendjemanden stoße, der es diagnostizieren kann - zumal mir zwei bis drei Berichte von Leuten bekannt sind, denen genau das widerfahren ist, was ich geschildert habe - sie haben weite Reisen zu irgendjemandem übernommen, dem zumindest die Existenz des Krankheitsbildes "Add" bekannt war, der sie dann aber mit der Begründung, sie hätten im Konzentrationstest zu gut abgeschnitten, als "nicht-betroffen" eingestuft hat. Hingegen kenne ich in meinem Umfeld keinen einzigen Fall eines diagnostizierten erwachsenen Addlers, der seine Diagnose hier erhalten hätte. Mir geht es nicht mit Ritalin besser, aber ich kenne Erfahrungsberichte von Leuten, denen mit Hilfe von Ritalin entscheidend geholfen werden konnte. Und zwar auch von diesen persönlich. Wie Add diagnostiziert wird, dazu gibt es Diagnoserichtlinien, die ich dir auch genannt habe (dazu gehört z.B. auch dass man das Ergebnis eines Konzentrationstests keinesfalls als ausschlaggebendes Kriterium für die Diagnose heranzieht - was Herr Dipl.-Psych. Schmidt als ebensogutes Verfahren wie eine Diagnostik die den Diagnoserichtlinien entspricht und weit umfassender und sorgfältiger ist, bezeichnet hat. Ich zähle mich zu den Addlern, weil ich mich in den Schilderungen sowohl der Symptome als auch der typischen Begebenheiten wiedererkennen kann, auch die, die mit mir persönlichen Kontakt hatten, vermuten, dass ich Add habe - von mir aus ist es also bloß eine Vermutung, ich habe keine Diagnose - aber diese Vermutung hat mir geholfen, mein Leben nach Jahren wieder in den Griff zu bekommen, auch wenn es mitunter ausgesprochen schwerfällt. (Ich habe mit 33 Jahren ein völlig neues Studium angefangen, nachdem ich Jahre davor überhaupt nichts weitergebracht hatte - obwohl ich den ersten Abschnitt meines ursprünglichen Studiums mit recht gutem Erfolg abgeschlossen hab. Ich hab in all der Zeit dazwischen auch nie einen richtigen Job gehabt, abgesehen von Ferialjobs und Jobs zum Finanzieren des Lebensunterhalts auf Werkvertragsbasis u.ä. und ich schaffs bis heute nicht, meinen Haushalt auf die Reihe zu kriegen. Ich krieg gerade noch mit aller Kraft das Notwendigste für Arbeit/Studium auf die Reihe, je mehr ich da gefordert bin, desto ärger sieht dann mein Zimmer/Schreibtisch aus, und oft bring ich dann nicht mal die Energie auf, meine Post zu öffnen. Falls ich gerade eine sehr negative Phase hab (es gibt keine Auslöser dafür, die kommen und gehen - krieg ich auch mitunter tagsüber sowenig weiter, dass ich ganze Nächte dafür verwenden muss - und auch da denk ich, dass auf Dauer Ritalin samt Nebenwirkungen gesünder ist als Schlafmangel. (Wobei ich andererseits Schlafmangel als Ursache meiner Probleme ausschließen kann - denn die treten in Phasen, wo ich ausreichend schlaf, genauso auf.) Und meine Probleme wurden in der Phase nach dem ersten Studienabschnitt so gravierend - hier hab ich nur einen kleinen Teil aufgezählt -, dass ich zunächst medikamentös, dann therapeutisch behandelt wurde - und ich hatte in jede der Therapien (insbesondere in die psychologisch/psychotherapeutischen - nach 9 Monaten ärztlichem Herumprobieren mit Antidepressiva an mir hab ich dem ein Ende gesetzt, weil es - bis auf eine kleine Ausnahme - nicht gewirkt hat und die Nebenwirkungen teils beträchtlich waren) sehr große Hoffnungen gesetzt und auch sehr bereitwillig versucht mitzutun. In einigen Teilbereichen (leider nicht denen, auf die es mir angekommen ist), hat es auch was gebracht. Und dann treffe ich, seit ich von Add erfahren habe, auf etliche Frauen, denen so ziemlich dasselbe in grün widerfahren ist - und es ist offensichtlich, dass die Bereiche, in denen sich alle vorangegangenen Therapien als völlig wirkungslos erwiesen haben, genau dem entsprechen, was als die "typischen Add-Probleme" charakterisiert werden. Diese Probleme habe ich durchaus in einer Therapie schon damals dezidiert angeführt - was aber gemacht wurde, war - um ein Beispiel zu nennen - genau das, was man im Fall von Add keinesfalls machen sollte - nämlich versuchen, Leute unter Druck zu setzen und ihnen "mangelnde Mitarbeitsbereitschaft" vorzuwerfen. Jeder der was von Add versteht, weiß, dass diese Leute mitarbeiten wollen, es aber nicht können. Ich habe durchaus auch positive Therapieerfahrungen - Therapien, die mich weitergebracht haben, und die ich voll und ganz als positiv empfunden habe (Psychodrama-Gruppentherapie etwa) - aber auch die haben in bezug auf Add-Symptome keine Änderung bewirkt. Die allermeisten Menschen würden sich bedanken, wenn sie sich anstelle einer saftigen Gehaltserhöhung mit einem kleinen Lob nach jedem erledigten Teilschritt zufriedengeben sollten. (Wohlgemerkt: nicht zusätzlich, sondern stattdessen - genau das ist ein Charakteristikum von Add, dass einem das Hier und Jetzt viel mehr bedeutet, auch wenn man sich dabei bei den Prioritäten ordentlich verschätzt - also z.B. das Geschirr abwäscht und darüber einen wichtigen Termin vergisst etc.) Ja, das soll Herr Dipl.-Psych. Schmidt bitte richtigstellen, falls er es anders geschrieben hat. Wie erklärst du dir, dass Dr. Flehmig mit ihrer Meinung ziemlich allein in der Ärzteschaft dasteht? Eine Katastrophe wäre eine Verschreibungspraxis wenn deutlich über 5% aller Kinder und Jugendlichen (a l l e r, nicht bloß jener die einen Arzt oder Psychologen aufsuchen) Ritalin verschrieben bekämen - denn dann läge das deutlich über den empirischen Erfahrungswerten, wie oft behandlungsbedürftige Add in der Bevölkerung vertreten ist. (Dass ein einzelner Arzt bei über 5% seiner Patienten Ritalin verschreibt, ist aber keine Katastrophe, dann nämlich nicht, wenn die nach erfolglosen Therapien bei anderen Ärzten, die von Add nichts halten, zu ihm gewechselt sind - wenn ein Teil der Ärzte sich weigert, Add zu diagnostizieren, ist es eine logische Folge, dass die verbleibenden mehr Add diagnostizieren werden, weil die unzufriedenen Add-Patienten zu ihnen abwandern. (Das heißt nicht, dass jeder der abwandert tatsächlich Add hat, aber der Prozentsatz wird naturgemäß ein anderer sein, wenn Leute mit vielen Verdachtsanzeichen auf Add bei einem Arzt zusammenkommen). Ich bin ein Gegner des Einsatzes von Ritalin bei Kleinkindern (von dem wird aber auch vom Gros der Ärzte ausdrücklich abgeraten), bei Schulkindern überwiegen m.E. die Vorteile hinsichtlich des Wohlbefindens, Selbstvertrauens, Verbleibenkönnens in der gewohnten Umgebung und Verhinderung eines unnötigen sozialen Abstiegs bei weitem die möglichen Nachteile - dass nach sovielen Jahren noch nie irgendetwas in der Richtung bekanntgeworden ist, auch dass die Nebenwirkungen binnen kürzester Zeit verschwinden, falls sie auftreten, wenn Ritalin abgesetzt wird, spricht für sich, und es läuft auch eine Langzeituntersuchung in Göttingen zur Zeit. (Sollte da Erschreckendes festgestellt worden sein, hätten die wohl sofort Alarm geschlagen.) Es gibt auch sehr traurige - empirisch belegte - Bilanzen darüber welche Schicksale unbehandelten Addlern oft blühen. Ein erwachsener Addler hat einmal gesagt, ihm würde es überhaupt nichts ausmachen, sollte sich irgendwann einmal herausstellen, dass z.B. durch Ritalin die Lebenserwartung um 4 Jahre verkürzt wird (es gibt überhaupt keine Anzeichen dafür, dass dies sein könnte), wenn er an all die "wiedergewonnenen" Jahre und die neue Lebensqualität denkt. Die vielen Selbstmedikamentationsversuche (Kettenrauchen, Kaffeetrinken in Unmaßen, nächtelang nicht schlafen können, manche greifen auch zu Alkohol oder gar Drogen etc.) sind mit Sicherheit mindestens vergleichbar schädlich. Ich bin überzeugt davon, dass Rauchen weit schädlicher ist, und diese Schädlichkeit ist auch nachgewiesen - dennoch ist es z.B. bei uns sogar ab 16 gestattet. Auch finde ich es weitaus schädlicher ständig wechselnde Kombinationen an Antidepressiva durchzuprobieren (wohlgemerkt, auf ärztlichen Rat!), weil keines wirkt - als durchgängig bei einem erprobten Mittel zu bleiben. Und hier ist die Antiritalin-Lobby für mich einfach unglaubwürdig, weil ersteres weit öfter vorkommt als Ritalin verschrieben wird, gewettert wird aber nur gegen Ritalin. Auch bei Verdacht auf Depression wird der Hirnstoffwechsel so gut wie nie untersucht! In bezug auf Ritalin glaube ich das, es wird im Erklärungsmodell schlüssig dargestellt (ist es denn harmloser wenn über lange Zeit ein Ungleichgewichtszustand im Körper herrscht als wenn versucht wird, den auszugleichen?), und ich kenne bisher keinen einzigen Fall der geeignet wäre, deine Befürchtungen zu untermauern, obwohl es das Mittel schon 60 Jahren gibt. Viele Antidepressiva sind erst seit weit kürzerer Zeit im Einsatz. Auch bei Narkolepsie konnte eine eindeutige Ursache sehr lange Zeit nicht festgestellt werden, obwohl es das Krankheitsbild seit Jahrzehnten gab ebenso wie auch eine geeignete Behandlung dafür, die keine Heilung, aber erhebliche Linderung bringt. Und sehr viele Narkolepsiepatienten litten durch Fehldiagnosen und Falschzuschreibungen ("der faule Sack") unendliches Leid. (Übrigens: ich habe zwar keine Add-Diagnose, aber die Narkolepsie-Diagnose stammt von jemandem aus meinem engsten Umkreis). Jene Ärzte, die die erfolgreichste, bewährte Therapie damals anwandten (die zu einem großen Teil auf Medikamenten basiert), handelten in deinen Augen sicher auch verantwortungslos. Eindeutig medizinisch feststellbar ist Narkolepsie erst seit 1999, das ist auch nicht sonderlich lange her. ADD ist ein von der WHO anerkanntes Krankheitsbild, und somit gibt es, auch wenn es manchen nicht in den Kram passt, die Diagnose. Ob man die vorgeschlagene Behandlung einschlägt oder nicht, ist tatsächlich freie Entscheidung. Eltern dürfen das in einem gewissen Maß auch für ihre Kinder entscheiden - außer sie verweigern eine lebensnotwendige Behandlung, dann kann das Jugendamt einschreiten. Im selben Sinn könntest du wohl auch das Jugendamt verständigen, wenn Eltern ihre Kinder einer gesundheitsschädigenden oder gar lebensgefährlichen Behandlung aussetzten. Dann wäre aber wohl auch der Staatsanwalt angesagt. Da du behauptest, dass dies der Fall ist, stünde dir diese Möglichkeit ja offen, das Jugendamt zu informieren und beim Staatsanwalt Anzeige zu erstatten. Habs leider nicht über mich gebracht, nicht zu antworten. Noch sitz ich ja hier - obwohl eigentlich grad meine Steuererklärung dran ist. Das wird aber jetzt wirklich das letzte sein, was ich hier schreibe. lg, Elisabeth |
Autor: Hans-Reinhard Schmidt
Datum: 13.09.01
Liebe Elisabeth,
dass ich Konzentrationstests zum Einsatz in der gegenwärtigen
ADD-Diagnostik empfohlen hätte, stimmt nicht. Ich habe vielmehr
gesagt, dass es derzeit keinerlei zuverlässigen Test für ADD
gibt, auch keinen Konzentrationstest. Ich habe ferner gesagt,
wenn man schon Tests heranziehen will, dann wäre es theoretisch
besser, sich nur auf Konzentrationstests zu beziehen (da gibt es
in der Psychologie eine ganze Menge davon), weil es
"Hyperaktivitätstests" gar keine gibt. Inwieweit diese
gängigen psychologischen Konzentrationstests die theoretischen
Annahmen von ADD messen, muss dann aber erst einmal empirisch
erforscht werden. Facit: Es gibt derzeit keine zuverlässigen,
validen und objektiven Tests für sowas wie ADD.
Und dass ich etwas richtigstellen soll, was ich vielleicht gar
nicht so geschrieben habe, ist zuviel verlangt!
Mit Gruß, H.-R. Schmidt
| Autor: AngelikaSt Datum: 27.09.01 Hallo! Stimmt so nicht, ich weiß, dass der 2 D Test angewendet wird! Wenn das kein Konzentrationstest ist! Grüße Angelika St |
Autor: Hans-Reinhard Schmidt
Datum: 27.09.01
Hallo,
der Test d2 (ich nehme an, den meinen Sie?) misst eben nicht die
angeblich ADS-typische Aufmerksamkeitsstörung (mit Hyper- und
Hypofokussieren bzw. verkürzter Aufmerksamkeitsspanne). Er
liefert nur eine Momentaufnahme der Konzentration, die über ADS
nicht viel aussagen kann. Das können Sie in praktisch jedem
Lehrbuch so nachlesen. Döpfner, Frölich und Lehmkuhl schreiben
z.B. in ihrem Buch "Hyperkinetische Störungen":
"Einen psychologischen Test für ADS gibt es nicht".
Diese Autoren halten denn auch solche Tests wie den d2 für wenig
sinnvoll. Die ADS-Diagnose ist fast ausschließlich eine
"klinische" (eine, die auf der persönlichen Erfahrung
des Untersuchers beruht, was immer das bei ADS heissen mag).
Objektive, zuverlässige und valide Tests und Verfahren gibt es
dazu nicht. Auch die einzig objektive Grundlage der Störung,
nämlich die angenommene Hirnstoffwechselstörung, wird ja
nirgends diagnostiziert. U.a. gerade darauf begründe ich ja
meine Zweifel an vielen solchen Diagnosen.
H.-R. Schmidt
| Autor: Elisabeth
(himmelblau) Datum: 31.08.01 Natürlich kann ein echter Arzt eine Störung ausschließen - wenn er sich damit befasst hat. Allerdings sind viele Ärzte nicht bereit, sich überhaupt auf eine Diskussion einzulassen und sind steif und fest der Meinung, dass es Add z.B. bei bestimmten Gruppen (Erwachsenen, Frauen, Jugendlichen über 16 etc.) nicht gäbe oder generell nicht gäbe. (Sie selbst vertreten immerhin den modifizierten Standpunkt, dass Add zu häufig zu Unrecht diagnostiziert werde, was einschließt, dass es auch Fälle gibt, wo es zu Recht diagnostiziert wird.) Auch wenn ich meine, die Grippe zu haben oder ein Magengeschwür, teile ich diese Vermutung dem Arzt mit und gehe nicht hin und sage: "Nun raten Sie mal, was ich habe, Sie werden es schon herausfinden." Natürlich irre mich vielleicht, und das wird der Arzt (hoffentlich) in der Regel sehr wohl herausfinden. Wenn mir aber der Arzt darauf entgegnet: "Magengeschwüre gibt es nicht", und mich dann gar nicht mehr in dieser Richtung untersucht, werde ich mir wohl einen anderen Arzt suchen. Was passiert in unserer Gesellschaft? Es gibt für die mündigen PatientInnen die "Götter in Weiß" nicht mehr. PatientInnen sind in der Lage, sich mit Informationen zu versorgen, zu denen sie früher keinen Zugang hatten und können sich effizienter gegen überzogene Autoritätsansprüche und Behandlungsfehler wehren. Sie lassen eine Behandlung nicht mehr einfach über sich ergehen und stellen unbequeme Fragen. Mündigen ÄrztInnen und PsychologInnen macht dies nichts aus, aber Unmündige sehen dann allein schon darin eine "Krankheit", dass der Patient dem Arzt/Psychologen nicht einfach bedingungslos vertraut. (Dass er auch keinerlei Grund dazu hat, dies generell zu tun, dazu gibts einerseits genug Beispiele in den Medien wie auch im Bekanntenkreis, andererseits genügt ein Blick auf die Fach-Ausbildung und das, was darin fehlt bzw. jahrelang gefehlt hat.) So wie der Papst immer recht hat, passt es aber auch gewissen Ärzten nicht ins Weltbild, dass ein Patient einmal etwas wissen könnte, was sie nicht wissen. Das war übrigens früher auch nicht anders, und man braucht nur einmal den Boom der Psychosomatik vor einigen Jahren zu betrachten und wie schnell da Beschwerden als "psychosomatisch bedingt" im Sinn von "die Psyche verursacht somatische Beschwerden, die auch wieder durch die Psyche geheilt werden können" bezeichnet wurden. Es wäre interessant, einmal zu erheben, wieviele Fälle, die an psychosomatischen Kliniken landen wegen arger Beschwerden und scheinbar rein psychischer Ursachen, später als etwas Gänzlich anderes eingestuft werden. Es gab z.B. durchaus die Tendenz, Menschen mit seltenen schweren chronischen Erkrankungen, die nicht korrekt diagnostiziert wurden, weil man die Menschen nicht ganz ernst nahm und entsprechende Untersuchungen gar nicht erst anstellte, oder gar nicht an diese seltenen Krankheiten dachte, an solche Einrichtungen zu verweisen. Auch die verschiedenen Erreger, deren Existenz lange bestritten wurde, die z.B. bestimmte Formen der Depression oder ein Magengeschwür verursachen können, fallen hier herunter. (Natürlich hängt es vom psychischen Zustand ab, ob es zum Ausbruch der Krankheit kommt - aber die Menschen bekamen zu hören, sie könnten sie durch rein psychologische Maßnahmen in den Griff bekommen.) Seltsamerweise werden hierzu anscheinend nie retrospektive Nachforschungen angestellt. Tatsache ist, dass der Patient, der vom einen Arzt abgekanzelt wird mit der Diagnose "Add gibt es nicht", beim anderen sehr wohl in Hinblick auf Add untersucht wird, was noch lange nicht heißt, dass die Diagnose "Add" auch gestellt wird. Aber nur beim zweiten hat er überhaupt die Chance, dass sie gestellt wird. (Denn die Alternative, nämlich das fälschliche Abstempeln mit einer "gängigeren" Krankheit, weil der Arzt Vorurteile hat, haben etliche von uns leidvoll erfahren - leidvoll, weil die Behandlung dann ungefähr so wirkungsvoll war, wie wenn man jemandem mit einem gebrochenen Arm stattdessen den Fuß eingipst.) Tatsache ist, dass es eine ganze Reihe von Menschen gibt, denen durch eben diese Diagnose beträchtlich geholfen werden konnte und die sich in dem Krankheitsbild "Add" wiedererkennen. (Ein Konstrukt ist unsere ganze Wahrnehmung, dass was als "purpur" bezeichnet wird, ist auch in England etwas anderes als bei uns, insofern finde ich dieses Argument nicht ganz schlüssig.) Es gibt unter Psychologen weit schwammigere gebräuchliche Begriffe wie z.B. "depressiv", "schizophren", "Persönlichkeitsstörung", "vegetative Labilität" etc. Bei jenen wird seltsamerweise nie darauf gepocht, dass es sich um ein Konstrukt handelt, das es eigentlich nicht gibt. |
Autor: Dr.H.G.Vogelsang
Datum: 02.09.01
Weiter unten habe ich das Statement von Prof. Friedrich
gepostet, dessen Klinik 2.500 Kinder/Jahr versorgt. Eine
Düsseldorfer Praxis für Kinderpsychiatrie versorgt mit zwei (!)
Ärzten ebenfalls 2.500 Kinder/Jahr.
Wieviel Sorgfalt kann menschenmöglich aufgewendet werden?
Draußen aber brandet immer wilder das Leben: Chaotische
Schulverhältnisse, steigender Elektro-Smog, Coca Cola, Handy's,
broken Homes,Arbeitslosigkeit, und das alles mit dem erklärten
Ziel, Deutschland nach der Vereinigung zu schwächen - das ist
Politik vor allem der USA seit mindestens hundert Jahren.
Daß nicht genetische Gründe die Ritalin-Schwemme rechtfertigen
können, ist so evident, daß man niemand, der dergleichen
behauptet, zuhören sollte, weder einem Professor noch einem
einfachen Kinderarzt.
Dr. Vogelsang.
| Autor: Sabine Datum: 27.09.01 Sehr geehrter Herr Schmidt, für uns stellte sich die Suche nach der Ursache für die Schwierigkeiten unseres Sohnes so dar, dass wir jahrelang Therapien gemacht haben wegen motorischer Schwierigkeiten und wegen der Legasthenie. Niemand hat uns darauf hingewiesen, dass er evtl. ein ADS haben könnte. Dass es so etwas gibt, erfährt man dann zufällig über andere Betroffene! Es hat sicherlich auch alles weitergeholfen, aber irgendwie so richtig bergauf ging es nie. Die Ursache war eben nicht festgestellt. Wie soll man denn eine Arzt finden, von dem man weiß, dass er ADS ohne Hyperaktivität diagnostizieren kann? Davon scheint es recht wenig zu geben. Jedenfalls bei uns in der Provinz. Wir waren bei zwei Psychologen mit ihm, einmal mit 4tägiger stationärer Aufnahme. Diese Psychologen konnten nur uns die Schuld geben - unterschiedlicher Erziehungsstil etc. - Schuldzuweisungen sind ja ein schönes Mittel, um nicht erklären zu müssen, dass man selber nicht weiter weiß! Im Schlußgespräch wurden wir gefragt, warum unser Sohn bei seiner Intelligenz nur durchschnittliche Leistungen in der Realschule bringt. Ja, um das zu erfahren (u. a.), hatten wir ihn in die Klinik gegeben! Also geht man zu dem Arzt, von dem man von anderen gehört hat, dass er so eine Diagnose stellen kann. Zweifel bleiben natürlich, aber die zwei Psychologen hatten ja keine Erklärung (nur Schuldzuweisungen) für sein Verhalten. Mit freundlichem Gruß Sabine K. |
Autor: Hans-Reinhard Schmidt
Datum: 27.09.01
Hallo,
ich kann zu Ihrem eigenen "Fall" natürlich nichts
sagen, dazu müsste ich Ihre Familie und Ihr Kind persönlich
kennen.
Grundsätzlich möchte ich aber sagen, dass man mit der Diagnose
ADS keinerlei wirkliche Ursache gefunden hat. Man hat dem Ganzen
nur ein anderes Etikett aufgeklebt, das die Berechtigung erteilt,
dem Kind ein Psychopharmakum zu verordnen. Das hätte man
allerdings auch ohne das zweifelhafte Etikett ADS tun können,
wenn es Sinn macht.
Wenn Erziehungs- und Familienprobleme festgestellt werden, ist
das keine Schuldzuweisung. Es ist nur die Feststellung einer sehr
häufigen und vielfach nachgewiesenen Ursache für
Verhaltensstörungen beim Kind, allerdings eine, die vielen
Eltern nicht gefällt, weil sie ja bedeutet, dass man am eigenen
Verhalten etwas Grundsätzliches ändern müsste. Das ist
natürlich schwierig und vielleicht auch schwer zu erkennen. In
dieser Situation "rettet" das Etikett ADS plus Ritalin
viele Eltern. Nun sind es nicht mehr die belastenden
Familienprobleme, nun ist es eine neutrale medizinische
"Krankheit", gegen die es sogar ein Wundermittel gibt.
Es ist ungefähr so, wie wenn man sich z.B. dermaßen über den
eigenen Ehepartner aufgeregt hat, dass man plötzlich starke
Kopfschmerzen bekommt. Wenn man nun zum Hausarzt geht, möchte
man lieber nicht erzählen, was der Hintergrund ist, dazu hätte
der Arzt gar keine Zeit, das würde ja vielleicht Stunden dauern
und es würde nur alles in einem selbst wieder aufwühlen. Also
lässt man sich ein paar Kopfschmerztabletten verschreiben. Wenn
sie helfen, gut, der Kopfschmerz ist weg - aber der Ärger mit
dem Ehepartner ist noch da!
Mit Gruß, H.-R. Schmidt
| Autor: Lisbeth Datum: 31.08.01 (Zitat): "Es sollte Bedenken auslösen, dass in vielen Internet-Chatrooms (sogar noch mehr als beim CHADD) eine gewisse Einheitsstimmung existiert, die hinsichtlich ADS und Ritalin die Rigidität eines Kultes annimmt. Wenn jemand in diesen Teilen des Cyberspace Fragen hinsichtlich der Integrität der ADS-Diagnose stellt oder den Wert von Ritalin erfragen will, wird er schnell herausgefordert, als unwillkommen provoziert oder wird kurzerhand hinausgeworfen. Auf solchen Seiten wird die ganze Welt durch die Brille das ADS gesehen und Teilnehmer tauschen Gedanken aus, als wäre ihr gesamtes Leben eingebettet in die Selbstsicht als ADSler. Daher wird jedes Stellen einer Frage als Angriff gewertet und wird mit Antworten wie "Du hast keine Ahnung" abgetan. Besucher werden sogar "geflamed", erhalten Stapel von verletzenden, anonymen Schreibern -was den schärfsten Überfall der Net-Society darstellt." (Zitatende) (Quelle: hypies.com 1.7.2001, Michael) Liebe Grüße, Lisbeth Machen wir es besser! |
Autor: Elisabeth
Datum: 01.09.01
Es ist also themenbezogen, wenn - ohne die Quelle näher zu
spezifizieren - jemand behauptet:
(Zitat): "Es sollte Bedenken auslösen, dass in vielen
Internet-Chatrooms (sogar noch mehr als beim
CHADD) eine gewisse Einheitsstimmung existiert, die hinsichtlich
ADS und Ritalin die Rigidität eines Kultes annimmt.
Wenn jemand in diesen Teilen des Cyberspace Fragen hinsichtlich
der Integrität der ADS-Diagnose
stellt oder den Wert von Ritalin erfragen will, wird er schnell
herausgefordert, als unwillkommen
provoziert oder wird kurzerhand hinausgeworfen.";
aber es ist n i c h t themenbezogen,
wenn jemand, der nicht (zudem noch ohne die Quelle anzugeben) aus
dritter Hand zitiert, sondern dies selber ganz anders erlebt und
sagt, dass ihm derartiges noch nie widerfahren ist beim Chatten
über Add, auch wenn er eine ritalinkritische Haltung eingenommen
hat, dies seinen Entfahrungen entsprechend hier äußert.
Ich trage nun hier auch nichts zum Thema bei, indem ich ebenso
darauf hinweise, dass mir in den Chatrooms von #add-de, #hypies
und #zappelphilipp derartiges noch nie widerfahren ist, obwohl
ich früher besonders in #add-de über mehrere Monate hinweg
mindestens ein bis zweimal die Woche gechattet habe und durchaus
miterleben konnte, wie Besucher und "Neue" behandelt
werden. Natürlich ist es ein Unterschied, wenn jemand reinplatzt
und sagt: "ihr habt doch alle nicht alle Tassen im Schrank,
ihr mit eurem eingebildeten add, dass es gar nicht gibt"
(ist so zum glück dort zumindest, wenn ich dort war, noch nie
passiert) oder ob jemand in einem neutralen oder freundlichen
tonfall bedenken äußert. Wir wollen in den Chatrooms niemanden
bekehren und tun das auch nicht, wenn jemand fragt, wie wirkt
Ritalin, erhält er realistische Antworten von denen, die es
nehmen, wie es bei ihnen wirkt (wobei auch die aufgetretenen und
auftretenden Schwierigkeiten nicht verschwiegen werden), aber
natürlich darf sich niemand wundern, wenn er von Leuten, die an
sich selbst eine positive Wirkung erfahren (und bringen Sie bitte
nicht wieder dieses dämliche Alkoholbeispiel - ich kenne etliche
Leute, denen Alkohol absolut null hilft, und die sich auch nicht
besser fühlen dadurch, wenn sie Probleme haben) nicht sehr
willkommen geheißen wird, wenn er ihnen dann z.B. großartig
erörtert, welche Behandlungsmöglichkeiten statt der
fragwürdigen Ritalintherapie für sie viel zielführender
wären, obwohl sie genau wegen der Verfolgung solcher
Möglichkeiten jahrelang keinen Fleck von der Stelle gekommen
sind.
Vor allem würd mich interessieren, woher die zitierten
Informationen stammen, denn zumindest in den von mir erwähnten
Chatrooms geht es eigentlich nur sehr selten um das Thema Ritalin
(gerade, wenn jemand dazu gezielt eine Frage stellt), weit eher
geht es um "allgemeinen Klatsch" unter alten Bekannten
(und nicht jeder, der dort drin ist, nimmt Ritalin und es wird
auch gar nicht sonderlich gefragt danach und akzeptiert, wenn
jemand für sich entschieden hat, es nicht zu nehmen, solange er
diesen Standpunkt nicht allen anderen aufzudrängen versucht.)
Wobei ich den "Klatsch" jetzt keineswegs abwertend
verstanden will, denn es macht mir selber recht großen Spaß,
weil dort viele nette Leute sind, von denen mir einige schon sehr
gute Ratschläge in verschiedenster Hinsicht (Computerprobleme,
persönliche Probleme) gegeben haben.
Aber offenbar darf man eigene persönliche Erfahrungen, die nicht
mit Ihrer Meinung übereinstimmen, hier nicht bringen, ohne sich
gleich den Vorwurf, nicht beim Thema zu sein, einzuhandeln.
A sagt: Thema X sehe ich so, ich habe da was drüber gelesen, und
zitiert.
B sagt: Ich sehe Thema X ganz anders, ich habe es persönlich so
erlebt, und zitiert aus seinen eigenen Erfahrungen.
Warum ist A beim Thema und B nicht?
Oder haben Sie vielleicht hier jemandem unrecht getan?
| Autor: Frauke Datum: 01.09.01 Hallo, wenns auch ärgert, hier nochmal meine Ansicht: wenn ich in den Foren lese, ist es oft sehr auffällig, welche psychologischen oder erziehrischen Probleme die Leute haben, das aber nicht selbst erkennen und schnell zu ADS flüchten, weil man dabei solche Probleme ja gar nicht erkennen muss. Ich will denjenigen, bei denen es anders ist, nicht treffen, aber ich glaube, die meisten flüchten wirklich. Sie sagen dann immer sehr schnell, die erzieherischen Probleme sind erst die Folge von ADS. Aber warum sind sie sich da immer so sicher? Sehr oft ist es genau umgekehrt, aber das kann man selsbt nicht sehen. Das soll kein Schuldvorwurf an Eltern sein, es ist menschlich, aber wahr. Und wir müssen es zugeben. Liebe Grüße, Frauke |
Autor: Elisabeth
Datum: 01.09.01
Hallo, Frauke,
mit "wenn ich in den Foren lese", bin ich nicht sehr
glücklich, diese Aussage ist sehr allgemein und du solltest sie
zumindest mit ein bis zwei Beispielen belegen, damit auch klar
ist, was du eigentlich meinst.
Aus meinen Kontakten mit Erwachsenen weiß ich, dass die meisten
eine jahrelange Karriere mit therapeutischer Behandlung
verschiedenster Art (die nichts oder wenig gebracht hat) hinter
sich haben, und deswegen so sicher sind, dass die Ursachen ihrer
Probleme woanders liegen,
weil sie in der Hinsicht lang genug Selbsterforschung betrieben
haben, um das beurteilen zu können;
außerdem erkennen sie sich in den Schilderungen ihrer
LeidensgenossInnen wieder und von denen haben etliche Hilfe durch
die Diagnose "Add" bekommen.
Und es ist keineswegs so, dass man sich in allem und jedem
wiedererkennt (ich habe schon in verschiedensten Gruppen
herumgesurft mit sehr verwandten Problemen, wo ich aber nie auf
Schilderungen stieß, wo ich sagen konnte: "ja, genauso ist
es bei mir auch" oder "exakt dasselbe widerfährt mir
auch immer wieder") und auch die in der Fachliteratur
beschriebenen add-typischen Depressionsphasen - wobei die
Depression ganz spezielle Merkmale hat und z.B. auf
niedrigdosierte trizyklische Antidepressiva sehr gut anspricht,
während die "gängigen" weit höheren Dosierungen bei
der Diagnose "Depression" keine Wirkung oder bloß
unangenehme Nebenwirkungen zeigen) entspricht weit eher dem, was
ich selbst erlebe und erlebt habe.
Auch liefert die Diagnose Add plausible Antworten auf Fragen, auf
die behandelnde Therapeuten früher bloß die Schultern zuckten,
z.B. warum man "absackt" und trotz Anstrengung es nicht
schafft, ein gewohntes Leistungsniveau (das einem früher keine
Schwierigkeiten machte) aufrechtzuerhalten. In der Regel wurden
dann angebliche Ursachen gesucht und seltsame Konstrukte
hergestellt, wie es dazu kommen konnte. Diese Konstrukte haben
nicht standgehalten, insbesondere haben sie weder das Fortdauern
der Beschwerden auch in Phasen, wo es einem eigentlich recht gut
geht, erklärt, noch, warum man sich von den Schwierigkeiten
trotz depressiven Phasen oder Depressionen dennoch so gut wie nie
endgültig unterkriegen lässt - und genau das ist bei fast allen
Addlern der Fall.("Stehaufmännchen"-Eigenschaft)
Auch von den Eltern landen die meisten erst mal bei mehreren
verschiedenen (!) Psychologen oder Familienberatern u. ähnlichen
Einrichtungen (zumindest dann, wenn noch kein Add-Fall in der
Familie bekannt ist), und erst wenn das keine Hilfe bringt,
landen sie dann beim Arzt. Ist etwa ein Elternteil selbst von Add
betroffen wird er beim Auftauchen von Problemen eher diese
Möglichkeit in Betracht ziehen (es gibt empirische
Untersuchungen, aus denen eine erbliche Veranlagung hervorgeht -
natürlich gibt es bei Zwillingen nicht sehr viele Paare, die als
Kind getrennt und adoptiert wurden und noch dazu mit Add
diagnostiziert; und man kann immer damit argumentieren, wenn von
30 Zwillingspaaren bei z.B. 23 trotz unterschiedlicher Umgebung
und Erziehungsstile b e i d e Geschwister irgendwann im Lauf
ihrer Kindheit eine Add-Diagnose bekamen, dass 30 eine zu kleine
Anzahl wäre), die Frage ist allerdings, wie wahrscheinlich es
ist, dass ich bei zufällig gefundenen 30 Zwillingsindividuen mit
ADD-Symptomen nach Nachforschungen feststelle, dass bei 23 der
entsprechenden Zwillingsgeschwister dieselben Krankheitssymptome
aufgetreten sind, ohne dass Vererbung eine Rolle spielte dabei.
Auch sind Adoptivkinder generell überdurchschnittlich häufig
von Add betroffen (und gerade bei Eltern, die ein Kind eigens
adoptieren, ist zu vermuten, dass sie dem Kind in der Regel sehr
gute Bedingungen zum Aufwachsen bieten werden und und das wird ja
auch strengstens geprüft, und daher relativ gefeit vor schweren
pädagogischen Schnitzern und Erziehungsfehlern sind.).
Ein anderes Beispiel:
Narkolepsie ist seit 1999 - im Gegensatz zu Add - tatsächlich
objektiv nachweisbar. Als Hauptsymptom gilt eine ständige
bleierne Müdigkeit tagsüber (trotz ausreichend Schlaf in der
Nacht) sowie eine plötzliche Einschlafneigung in den
unmöglichsten Situationen, die man nicht oder kaum unterdrücken
kann (es kann z.B. sein, dass jemand während des Gesprächs
wegnickt, in einer Vorlesung, obwohl er sie interessant findet,
einschläft, ja, selbst der Kopf, der beim Essen in die
Suppenschüssel fällt, kann vorkommen.) Ein weiteres Symptom
(das auftreten kann, aber nicht muss) sind Kataplexien - das
heißt, dass die muskuläre Spannung plötzlich total nachlässt
(wie es beim Schlafen normal ist) und man bei vollem Bewusstsein
keine Kontrolle über den Körper hat und z.B. zu Boden fällt.
(Dies geschieht vor allem wenn man emotional aufgewühlt ist,
egal in welche Richtung, wenn man wütend ist, kann es genauso
passieren wie wenn man über etwas Lustiges lachen muss; es
dauert nur ganz kurz, wenns vorüber ist, kann man wieder
aufstehen). Ein weiteres Symptom sind Halluzinationen verbunden
mit Bewegungsstarre vor dem Einschlafen oder nach dem Aufwachen.
Auch das kann, muss aber nicht auftreten.
Typisch ist es außerdem für die Narkolepsie, dass sie meistens
erst im Alter zwischen 20 und 40 ausbricht.
Sehr oft besteht am Anfang nur ein Symptom und es kommen später
dann welche von den anderen hinzu.
Es ist also sehr häufig, dass jahrelang nur die ausgeprägte
Müdigkeit und evtl. die plötzliche Einschlafneigung besteht.
Was glaubst du, was sich diese Leute früher alles anhören
mussten - überleg mal, sie schlafen unter Umständen am
Arbeitsplatz ein, sie schlafen beim angeregten Gespräch mit
Bekannten ein, sie schlafen vielleicht im Ehebett neben ihrer
Frau weg.
Offenbar haben sie massiv Probleme und kommen mit irgendwas nicht
zurecht. Welche Ratschläge erhalten sie? Reiß dich zusammen!
Na, wohl zuviel ferngeschaut!
Du brauchst mal dringend Erholung etc. Der Partner, die Partnerin
denkt, er hat wohl das Interesse an ihm, ihr verloren. Die
Kollegen titulieren ihn vielleicht hinter vorgehaltener Hand
"Faulpelz".
Ich kenne nun zufällig so jemanden persönlich, der sich
ähnliche Dinge bis zum Jahr 2001 anhören musste. Er hat wegen
ständiger extrem starker Müdigkeit (nicht bloß
Abgeschlagensein) - wie er mir heuer erstmals mitgeteilt hat -
vor über v i e r Jahren erstmals einen Arzt aufgesucht, wurde
aber damals nicht sonderlich ernstgenommen und erhielt
Ratschläge, die sich auch nicht sehr von jenen oben
beschriebenen unterschieden. Mittlerweile ist wegen der oben
geschilderten Probleme seine langjährige Partnerschaft in
Brüche gegangen, er hat seine Arbeit aufgeben müssen und er
wäre beinahe in die Frührente gezwungen worden (er ist noch
unter 30!) etc. Erst nachdem gehäufte Anfälle von Kataplexien
hinzugekommen sind, wurde heuer die Diagnose gestellt - 4 Jahre
nachdem er seine Beschwerden erstmals einem Arzt geschildert hat.
Aufgrund der nicht mehr aufzuhalten gewesenen Trennung von seiner
langjährigen Partnerin und seinen Kindern (wobei er sich sicher
ist, dass es dazu nicht gekommen wäre, wenn er schon damals,
1997, korrekt diagnostiziert worden wäre) ist er stark depressiv
und suizidgefährdet (er gibt immer wieder solche Äußerungen
von sich), nachdem er im Rahmen einer Studie - bei der auch mit
Placebos operiert wurde - abermals von Ärzten nur als
"Versuchskaninchen" wie er sagt, behandelt wurde, hat
er jedes Vertrauen in Ärzte wie auch Therapeuten verloren.
(Bisher hat er noch kein Medikament bekommen, das ihm hilft,
obwohl es verschiedene wirksame Medikamente gibt, die die
Symptome sehr lindern können, und aufgrund des
verlorengegangenen Vertrauens sucht er nun nicht einmal einen
Arzt seiner Wahl auf. Zudem will er auch nicht
"lebenslänglich" Medikamente nehmen, aus Angst vor
"Drogenabhängigkeit". Denn die Medikamente, die gegen
Narkolepsie eingesetzt werden, fallen ebenfalls unter das BTM.
Narkolepsie ist eine ziemlich seltene (2 von 1000, glaub ich -
wobei man aber von einer höheren "Dunkelziffer"
ausgeht, weil viele Betroffene zwar leiden, aber noch nicht
gemerkt haben, woran sie wirklich leiden) genetisch bedingte
Krankheit, die sich durch eine Schlaflaboranalyse in Kombination
mit einem bestimmten Gen-Test eindeutig nachweisen lässt. (Nur
am Rande: Viele der Betroffenen galten als Kind als hyperaktiv,
ein Hinweiszeichen auf mögliche Narkolepsie ist z.B. wenn im
Schlaf motorische Bewegungen von Tätigkeiten, die man tagsüber
macht, weiterausgeführt werden.)
Vermutlich hättest du auch meinem Bekannten - der zudem auch nie
daran gedacht hat, eine Therapie zu machen - gesagt, wie schnell
er sich in die Diagnose Narkolepsie flüchte, wenn er dir
gegenüber z.B. 1997 geäußert hätte, er habe vielleicht
Narkolepsie. Denn die Diagnose war damals zwar nicht objektiv
nachweisbar, aber bereits seit Jahren hinlänglich bekannt. (Ob
sie als nicht-nachweisbares Konstrukt galt, weiß ich nicht.)
Hätte er selbst sie damals schon gekannt und sich z.B. in den
Schilderungen von Narkoleptikern wiedergefunden - und wäre er
bei Ärzten mit Fachwissen in bezug auf Narkolepsie gelandet und
nicht bei Psychologen, die versucht hätten, ihm eine
medikamentöse Behandlung auszureden, weil es ja für Müdigkeit
wirklich genug andere Ursachen gibt und man da wirklich nicht
auch noch Narkolepsie braucht dafür, wäre sein Leben, seine
Partnerschaft, seine berufliche Entwicklung vermutlich um einiges
positiver verlaufen - er würde nicht generell jegliche
Behandlung, weil "jetzt alles ohnehin keinen Sinn mehr hat
ohne meine Familie" ablehnen - und er würde heute gelernt
haben mit seiner Krankheit zurechtzukommen, statt sich von ihr
erschlagen zu fühlen.
| Autor: Frauke Datum: 02.09.01 Liebe Elisabeth, was du schreibst, ist beeindruckend und sicher richtig. Natürlich gibt es Menschen, deren Krankheit oft jahrelang missverstanden oder gar nicht gesehen wird. Ich finde trotzdem, dass man einen Unterschied machen muss zwischen ADD und z.B. Narkolepsie (oder MS, da kenne ich jemanden, bei dem es auch so war, dass jahrelang nicht erkannt wurde, was es ist): ADD wird ja bei bis zu 25 Prozent der Kinder behauptet. Dass es eine Hirnstoffelwechselstörung so häufig geben soll, ist unglaubhaft. Ausserdem meinte ich Kinder, keine Erwachsenen. Du sprichst ja von Erwachsenen. Soweit ich weiss, hat man die Dopamintheorie bei Kindern noch gar nicht geprüft. Stattdessen ist das Symptombild bei ADD eben, wie du ja selbst schreibst, so uneinheitlich und ungenau in der Diagnostik, dass es eben leicht für Anderes stehen kann. Ich kenne einige Kinder aus dem Bekanntenkreis, die haben keine Odyssee hinter sich, wie du sie bei Erwachsenen beschreibst, sondernb da ging das ganz Schnell mit der Diagnose ADD und Ritalin. Und diese Fälle nehmen zu, und nur die meine ich. Bei Kindern und ihren Familien kann man eben mit Psychotherapie doch sehr viel machen, ohne vorschnelle ADD-Diagnose. Also solche Eltern me4inte ich in meinem posting. Liebe Grüße von Frauke |
Autor: Elisabeth
Datum: 02.09.01
Hallo, Frauke!
Zunächst mal zum Zitieren (sonst vergess ichs); das
Drüberziehen mit der CopyundPastetaste über
einen Beitrag in einem Forum und das Kopieren des Beitrags oder
größerer Teile daraus in ein anderes
verstößt gegen die Netiquette, erst recht, wenn man den Namen
dazu angibt. (Das gilt insbesondere
für Foren, die psychologische Themen behandeln.)
Mit Beispielen meinte ich, dass du in anonymisierter Form (ein
kopierter Beitrag aus einem anderen
Forum ist deswegen nicht anonym, weil man aus der Schilderung -
Namen, Daten, Fakten - und der
Schreibweise Rückschlüsse auf den Autor ziehen kann; und der
hat vielleicht nichts dagegen, dass
innerhalb seiner selbstgewählten "Community" sein
Beitrag erscheint - aber etwas dagegen, dass dieser
Beitrag Kreise zieht und z.B. dann irgendwann bei den
Scientologen erörtert wird, weil er mit dieser
Ecke nichts zu tun haben will.) ein konkretes Beispiel samt den
wesentlichen Fakten nennst. Juristisch
verboten ist es m.E. nicht, sofern ein solcher zitierter Beitrag
aber den Kriterien des Urheberrechts
entspricht, könnte der Verfasser auf dieser Schiene dagegen
vorgehen. (Was er in der Regel nicht tun
wird, da dies einen - riskanten - Prozess bedeuten würde.)
Es ist also nur insofern "erlaubt", als es juristisch
de facto nicht verfolgt wird, gilt aber als grober
Verstoß gegen die Netiquette.
Anders ist es bei Zitierregeln für Literatur. Zitiert man
wissenschaftliche Behauptungen, so sollte man
nach Möglichkeit immer die Quelle anführen. So würden mich
z.B. die 25% interessieren - möglich,
dass du einmal auf diese Schätzung gestoßen bist, aber dann ist
es sehr tendenziös, zu behaupten, dass
dies die "gängige" Meinung wäre. Ich habe mich vor
ca. einem Jahr sehr intensiv mit Add beschäftigt,
und habe sehr viel darüber gelesen - die Schätzungen die ich
von daher in Erinnerung habe, reichten
ziemlich durchgehend von 4 bis 10 Prozent, mit Tendenz eher zu
den 4 %, zumindest was die
(medikamentös) behandlungsbedürftigen Add-Fälle betrifft.
Und, ich habe das schon mehrfach erwähnt, mein Zugang zu Add war
über die andere Seite, ich bin
zuerst mit jenen Erwachsenen in Kontakt gekommen, bei denen als
Kind eben so vorgegangen wurde
wie es jetzt hier wieder propagiert wird: man hat ausschließlich
auf psychologischer Ebene und bei der
Erziehung nach Ursachen gesucht, und in den seltenen Fällen, wo
medizinisch korrekt auf Add oder
Zappelphilippsyndrom hingewiesen wurde, entweder eine
medikamentöse Behandlung trotzdem nicht
für nötig gehalten oder sie ab dem Erreichen des Jugendalters
verweigert, bei den Frauen ist es noch
dazu ziemlich durchgängig so, dass selbst wenn sie selbst den
Verdacht hatten, mit der Meinung "Add
bei Frauen gibt es nicht" konfrontiert wurden. Und alle
diese berichten durchgehend dasselbe: entweder
gar keine Behandlung (weil sie ihnen nicht gewährt oder nicht
für nötig erachtet wurde), eine - trotz
Erfolgs! - mit Erreichen des Jugend-/Erwachsenenalters
abgebrochene Behandlung - oder jahrelange
Behandlungen in völlig falsche Richtungen mit wenig oder kaum
Erfolg, bei gleichzeitigem Anwachsen
der Schwierigkeiten und immer größerer Verzweiflung. Und fast
alle von diesen haben es geschafft,
wieder herauszukommen (das sind aber die, die ich hier treffe,
wieviele gibts denen dasselbe
widerfahren ist und die nicht das Glück haben, übers Internet
leicht Zugang zu den Infos zu bekommen,
sondern die ihr Schicksal als unabwendbar betrachten und nach wie
vor verzweifelt sind?).
Es gibt eine Reihe von Hinweisen auf Add, es gibt keinen einzigen
hundertprozentig sicheren Beweis;
denn all die typischen Gemeinsamkeiten, die sich mit bildgebenden
Verfahren feststellen lassen z.B.
könnten auch durch andere Ursachen erklärt werden, wenngleich
es äußert wahrscheinlich ist, dass
hier eine typische gemeinsame Ursache eine Rolle spielt. Auch die
Dopaminthese ist keineswegs das A
und O - das einzige, was mit Sicherheit feststeht, ist, dass
Dopamin und unbedingt auch noch ein paar
andere Neurotransmitter eine Rolle spielen bei dem Ganzen, wobei
nicht einmal die Frage, ob Mangel
oder Überschuss (vermutlich ist es etwas noch Komplizierteres)
geklärt ist und es Thesen in beide
Richtungen gegeben hat.
Ich habe übrigens nirgends hier geschrieben, dass das
Symptombild "so uneinheitlich" ist, dass Add
leicht für was anderes stehen kann. Wohl aber muss bei der
Diagnose genauestens ausgeschlossen
werden, dass etwas anderes hinter den Symptomen steht.
Wenn du rein nach den Fakten vorgehst, ist eine Verknüpfung von
6 aus 9 Kriterien (wie nach den
Richtlinien für ADD gefordert) mit Sicherheit genauer als eine
Verknüpfung von 2 Kriterien (im Fall
von Narkolepsie ist das Schlaflaboranalyse verknüpft mit einer
Genuntersuchung - wobei 98% der
Narkolepsiepatienten ein besonderes Genmerkmal aufweisen - das
aber auch 20% der Menschen sonst
aufweisen und trotzdem kommt es nicht bei 20% der Menschen zu
Narkolepsie, auch das ist also nicht
ganz so einfach, und dennoch ist der Sprachgebrauch der, dass man
Narkolepsie eindeutig nachweisen
kann.) Als Anzeichen ist aber wie gesagt ein sehr unspezifsches
am Anfang "extrem stark ausgeprägte
Müdigkeit", denk doch nur das Beispiel weiter, wenns keinen
genetischen Nachweis für Narkolepsie
gäbe - an "wissenschaftlicher Beweisbarkeit" stünden
die Narkoleptiker dann noch weit schlechter da
als die Addler.
Ich wollte nur klarstellen, dass auch gutgemeinte Ratschläge
nicht immer gut für die Betroffenen sein
müssen, insbesondere der, dass eine Psychotherapie ausreicht und
eine medikamentöse Therapie nicht
nötig und überflüssig oder gar schädlich sei. Seltsamerweise
kennen alle die, die sich darüber aufregen,
dass Kindern Ritalin verschrieben wird, diese Kinder immer nur
"im Bekanntenkreis". Ich habe noch nie
einen Ritalin-Gegner hier kennengelernt, der solches aus eigener
persönlicher Schilderung erlebt hat,
dessen Kind leichtfertig Ritalin hätte verschrieben werden
sollen und der sich dann geweigert hat.
Wenn das so häufig, wie du behauptest, der Fall ist, wo sind
dann diese Leute, die ja glaubwürdiger
wären?
Es ist auch immer wieder typisch, dass Add-Kinder von den
Kritikern bloß mit "lebhaft, schwierig"
umschrieben werden, wider besseres Wissen, denn die Kriterien
für Add gehen weit darüber hinaus -
die hypoaktiven fallen z.B. auch hier nahezu völlig unter den
Tisch - und die Probleme aufgrund des
Add haben nicht die Eltern und Lehrer, sondern hat in erster
Linie das Kind selbst. Das mangelnde
Selbstvertrauen, etwa Aussagen wie "ich bin irgendwie
anders", "in meinem Kopf stimmt etwas nicht"
ist keineswegs Folge der medikamentösen Behandlung - dazu kenn
ich genug Aussagen von
Erwachsenen, die als - unbehandeltes Kind - oder vor allem ganz
besonders dann Jahre später ganz
ähnliche Gedanken hatten. Und gerade, falls es sich wirklich um
Add handeln sollte, kannst du mit
"Psychotherapie" im Sinn von analytisch ausgerichteter
Psychotherapie gar nichts ausrichten - das
Hauptkriterium für Add, das wird leider durch tendenziöse
Zeitungsberichte immer wieder
verschwiegen, ist die Aufmerksamkeitsinkonsistenz und das
Hauptproblem besteht im
Nichtherausfilternkönnen der wichtigen Inhalte von den
unwichtigen. Ein Add-Kind lebt immer im "Hier
und Jetzt". Daher sind Addler auch in ihrem sozialen Lernen
oft ein paar Jahre hintennach - weil sie aus
Erfahrungen im wahrsten Sinn des Wortes nicht so lernen können
wie andere, weil sie das Wichtige gar
nicht gleich wahrnehmen oder vergessen. Und weil sie daher gar
nicht in der Lage sind, allen an sie
gestellten Erwartungen zu entsprechen, selbst wenn sie sich
bemühen. Ich habe von Müttern und
Vätern auch gehört, dass eine psychologische Therapie erst dann
Erfolge zeigte, als auch die
medikamentöse Behandlung stattfand. Bei jenen, die an
Rechtschreibschwäche litten, gibt es auch
signifikante Erfolge ihrer Rechtschreibung (während dasselbe
Training vorher keine Wirkung zeigte).
Hierzu findet sich ein Artikel auf www.psychologie-online.ch/add.
Ich wäre sehr dafür, dass man gegen jene Ärzte vorgeht, die
25% ihrer Klienten und mehr Ritalin
verschreiben (wobei man aber ausschließen muss, dass der Grund
ist, dass tatsächlich alle "echte"
Addler bei diesen Zuflucht suchen, weil die 10 andern Ärzte in
der Umgebung Add nicht behandeln);
ebenso wie gegen jene, die aus Prinzip nie Ritalin verschreiben.
Derzeit aber wird ersteres lautstark eingefordert, während von
letzterem keine Rede ist, obwohl diese -
wenn sich nicht alles innerhalb des letzten Jahres gewendet hat -
die große Mehrheit darstellen.
Das heißt, dass die Gefahr besteht, dass aus weltanschaulichen
Gründen immer mehr Ärzte sich
gezwungen fühlen, in die Gruppe der
"Nicht-Ritalin-Verschreiber" abzuwandern (weil sie
sonst einer
Hetzkampagne ausgesetzt sind, oder weil sie andere Maßnahmen zu
befürchten haben) und jene, die
wirklich Ritalin bräuchten, dieses nicht mehr erhalten. Und
über die negativen Folgen bei
unbehandeltem Ads gibts genug wissenschaftliche Belege, was hier
auch schon mehrfach zitiert wurde.
Außerdem müssten die "generellen Gegner" die
gesellschaftlichen Bedingungen schaffen, dass dann
zumindest die von ihnen propagierten Maßnahmen allen
gleichermaßen zugänglich sind.
Einem Add-Betroffenen(und da genügt ein einziger) mit dem
Hinweis, dass es zu viele Add-Diagnosen
gibt, ein hilfreiches Medikament wegzunehmen ohne im Gegenzug
dafür zu sorgen, dass ihm eine
adäquate Lösungsmöglichkeit geboten wird - was ein
Überprüfen des Erfolgs miteinschließt - ist
schlicht und einfach unmenschlich und zeugt nur davon, dass
diejenigen, die das fordern, nicht den
geringsten Schimmer haben, wie schwerwiegend und gravierend die
Probleme jener Eltern und Kinder
sind, die sich für eine Ritalinbehandlung entschieden haben.
Was außerdem dringend anzuraten wäre, wäre eine
aussagekräftige Erhebung des Therapeuten- und
Arztweges, der hinter solchen Eltern liegt. Für die Eltern, die
ich persönlich kennengelernt habe, trifft es
nicht zu, dass ihren Kindern leichtfertig Ritalin verschrieben
wird und auch aus dem, was ich in den
Gruppen so lese, habe ich diesen Eindruck nicht. Es gibt aber
Mailinglisten speziell für Eltern von
Add-Kindern, warum trittst du nicht einer bei und erkundigst dich
direkt an der Quelle?
Liebe Grüße, Elisabeth (himmelblau)
| Autor: Esther Datum: 03.09.01 Hallo Elisabeth (himmelblau) Du hast geschrieben, ich ziehe das jetzt mal aus dem Zusammenhang heraus: "Ich habe noch nie einen Ritalin-Gegner hier kennengelernt, der solches aus eigener persönlicher Schilderung erlebt hat, dessen Kind leichtfertig Ritalin hätte verschrieben werden sollen und der sich dann geweigert hat. Wenn das so häufig, wie du behauptest, der Fall ist, wo sind dann diese Leute, die ja glaubwürdiger wären? " Dazu: Es gibt sie! Und wieso sie sich in den Foren nicht gerne "outen"? Ganz einfach, weil sie da ziemlich fertig gemacht werden! Ich habe mir in den Foren schon viel anhören müssen wegen meiner "Gesinnung". Und glaube mir, das war zum Teil sehr beleidigend und es wurde, wenn auch ohne Nennung meines Namens in fast allen Foren breit getreten. Glaubst Du, das viele Eltern (Mütter) diese Kraft haben, es an sich abprallen lassen zu können? Liebe Grüße, Esther |
Autor: Hans-Reinhard Schmidt
Datum: 03.09.01
Hallo Esther,
genau so ist es. In den einschlägigen Foren versammelt sich auf
Dauer wirklich eine nur ganz einseitige
"ADSler"-Auswahl. Wer sich unter sie einreiht, wird
freundlich aufgenommen. Aber wehe den kritischen Eltern und
Fachleuten! Die findet man in diesen Foren rasch nicht mehr, weil
sie sofort weggebissen werden. Aber es gibt sie, ich kenne viele
aus meiner Praxis. Sie kommen zu mir, weil sie wissen, dass ich
auch nicht leichtfertig mit der Diagnose bin.
Wer sich ausschließlich in den einschlägigen Foren aufhält,
kriegt dann schnell ein falsches Gesamtbild. Deshalb muss man
Eltern eigentlich warnen, sich ihr Bild ausschließlich aus
diesen Foren zu bilden. Sie werden einfach nicht wirklich
umfassend informiert.
Mit Gruß, H.-R. Schmidt
| Autor: Kim Datum: 04.09.01 Hallo Herr Schmidt, Hallo Esther, genau so ist es! Ich würde sogar noch einen Schritt weiter gehen, denn Eltern werden nicht nur "nicht umfassend informiert", sondern ich sehe sogar eine ernste Gefahr in der Einseitigkeit der gängigen Foren. Es entsteht nämlich auf der einen Seite der Sog, beim eigenen Kind und bei sich selbst ADS "hinein"- zu- sehen und auf der anderen Seite wird die Hemmschwelle, dann Ritalin zu geben, entscheidend vermindert. Und auch die gegenseitige Versorgung mit "geeigneten" Ärzten halte ich für äußerst problematisch. Ich habe das quasi auch selbst so erlebt . Da ich mich schon seit Jahren mit HKS (wie es damals noch hieß) beschäftigt habe und auch mit Ritalin, hatte ich dazu eine fundierte Meinung. Als ich vor knapp einem Jahr mich im Internet darüber austauschen wollte, war ich nicht nur erstaunt, sondern geradezu geschockt, als ich die Ansichten und die Ritalin-Akzeptanz hier im Netz erlebte. Und es gab durchaus Momente, in denen ich mich fragte, ob meine bisherige Meinung dazu vielleicht falsch sei, ob nicht Ritalin doch harmloser sei, als ich bislang dachte. (Nach dem Motto: Wenn es so viele Kinder bedenkenlos verabreicht kriegen, kann es doch nicht so schlimm sein, wie ich es aus anderen Quellen und im Gespräch mit Ärzten bisher gedacht hatte.) Nun lasse ich mich nicht ganz so leicht verunsichern und vor allem habe ich das Treiben in den Foren eine Weile beobachtet. Da ist mir dann doch ziemlich bald aufgegangen, wie sehr dort auf Linientreue geachtet wird und wie gemein und persönlich verletzend mit anderen Meinungen umgegangen wird. (Als es mir dann mal zu fies wurde, habe ich begonnen, mich hin und wieder einzuschalten. Du erinnerst dich, Esther? :-)) Der Text von den hypies trifft die Situation in den ADS-Foren schon sehr genau und die ADS-Brille hat riesengroße Scheuklappen. Warum das so ist, kann ich mir eigentlich nur so erklären, daß die eigene (unbewußte) Unsicherheit über das eigene Tun und die eigene Einstellung so groß ist, daß es immer wieder der gegenseitigen Versicherung bedarf. Daß dabei aber viele (es gibt einige Ausnahmen!) anscheinend gar nicht mehr selbständig denken, sondern nur immer die gleichen Aussagen fast sektiererisch nachbeten, das erschüttert mich manchesmal. Hingegen die "Kunst", bei Abweichlern den "Splitter im Auge" zu entdecken, ohne den "Balken im eigenen Auge" auch nur andeutungsweise wahrzunehmen, das belustigt mich dann auch wieder. Gruß von Kim |
Autor: Elisabeth
Datum: 03.09.01
Hallo, Esther,
ich hab in Add Online-Forum ein paar Beiträge jetzt im Archiv
gelesen (weiß aber nicht, ob das du bist, eine Ester, die ihre
Kinder homöopathisch behandeln lässt - bei jener hab ich
jedenfalls nicht das Gefühl, dass sie "hinausgebissen
wurde", es gibt eine Unzahl Beiträge von ihr; allerdings
hab ich so auf die Schnelle jetzt keinen gefunden über den
Besuch beim Arzt, der Add diagnostiziert und die Gabe von Ritalin
angeraten hat.)
Wär nett, wenn du mir den Beitrag nennen könntest (zumindest
ungefähr Monat und Jahr, dann find ich ihn schon). Außerdem
bildet sich ein Forum aus der Gesamtheit aller Teilnehmer, das
heißt, wenn dich einer mal, wie dus nennt,
"hinauszubeißen" versucht, entspricht das nicht
unbedingt der Meinung all der anderen im Forum. Ich hab
jedenfalls die Erfahrung gemacht, dass, sofern Eltern nicht in
vorwurfsvollem Ton den andern "Drogenkonsum" vorwerfen
oder ähnliches, sondern einfach schildern, dass sie in ihrem
Fall mit anderen Möglichkeiten auskommen, durchaus nicht
"hinausgebissen" werden, wenngleich ihnen vielleicht
nicht immer Glauben geschenkt wird. (Schließlich gabs auch schon
welche, deren Kind gar keine Diagnose auf Add hatte und die es
eigenmächtig mit Vitaminpillen, Algen oder was auch immer
"behandelten" (falls es einen Vitamin- oder
Mineralstoffmangel hatte, ists auch durchaus möglich, dass es
ihm dann besser geht.) - und auf solche Leute reagieren Addler
tatsächlich allergisch, ich hab auch schon in einer Mailliste
erlebt, dass sie die "Wunderprodukte" der eigenen Firma
an den Mann/die Frau bringen wollten.
In bestimmten Fällen gibts auch Alternativen zu Ritalin bzw.
medikamentöser Behandlung (das hab ich auch schon mehrfach
angeführt, z.B. Biofeedbacktherapie, Johanniskraut), allerdings
helfen diese in der Regel nur bei leichteren Fällen oder sind
teuer, aufwendig und sehr schwer zugänglich, bei Homöopathie
halt ichs durchaus für möglich, dass sie hilft - meines Wissens
gibts dazu in bezug auf Add keine Studien (weder dafür noch
dagegen) und Homöopathie scheint auch bei so manchem anderen zu
wirken - ich werd dich daher sicher nicht hinausbeißen, wenn du
sagst "meinem Kind hat Homöopathie geholfen",
allerdings werd ich möglicherweise nicht sehr freundlich
reagieren, wenn du sagst, "meinem Kind hat Homöopathie
geholfen, also könnt ihr euch alle das Ritalin ersparen."
(So argumentieren nämlich nicht einmal die Ritalinbefürworter
in bezug auf Ritalin, die sagen auch, dass Ritalin in 20% der
Fälle nicht hilft und erklären es nicht zum Allheilmittel, sie
sagen auch in der Regel dazu, dass man selbst sehr viel an
aktiver Mitarbeit leisten muss, um von der Wirkung des Ritalins
überhaupt profitieren zu können, und es kommt auch niemand auf
die Idee, dass alle exakt dieselbe Dosis nehmen müssen, weil ja
die Dosis x bei einem selber so gut gewirkt hat, sondern
überlassen das den Betroffenen und deren Ärtzen.)
In der Mailingliste, in der ich eine Zeitlang aktiv war, gabs
übrigens auch ADDler, die kein Ritalin nahmen oder es nur
zeitweise nahmen oder bewusst eine Ritalinpause einlegten, von
denen wurde deswegen auch niemand "hinausgebissen", sie
waren auch nicht weniger akzeptiert als andere. AddlerInnen sind
aber sehr sensibel und haben feine Antennen für das, was
zwischen den Zeilen steht. Und der Ton macht bekanntlich die
Musik. Jene Esther (von der ich nicht weiß ob das du bist) war
in den Beiträgen, die ich jetzt gelesen hab, immer offen und
freundlich, ich denke, dass sie daher auch akzeptiert wurde.
Manche "Gegner" stolpern aber wie ein Elefant in den
Porzellanladen, um "Bekehrungsversuche" zu starten, und
seltsamerweise sind wirklich die meisten davon Leute, die bloß
irgendwo über Add gelesen haben, aber darüber hinaus in keiner
Weise selbst betroffen sind oder sich selbst betroffen fühlen.
M.E. kann man mit "Gegenerfahrungen" nur dann
operieren, wenn der Ausgangspunkt derselbe ist - das heißt, das
erste was klargestellt sein muss, ist, dass eine Add-Diagnose +
eine Empfehlung zu Ritalin vorgelegen hat. (Denn es gibt sehr
vieles, was Add ähnelt, und es gibt eine ganze Reihe von
Add-Fällen, bei denen es nicht so stark ausgeprägt ist, dass
eine medikamentöse Behandlung überhaupt erforderlich ist.)
Nur dann kann man sinnigerweise überhaupt Vergleiche anstellen
und die Behauptung prüfen, dass Ritalin bei allen Betroffenen
durch etwas anderes sinnvoll ersetzt werden kann, und an solchen
Vergleichen sind AddlerInnen in der Regel durchaus interessiert.
lg, Elisabeth
| Autor: Esther-Herzdame- Datum: 04.09.01 Hallo Elisabeth ja, ich bin diejenige welche. Ich hatte bei meinem Posting hier vergessen das Herzdame dazuzuschreiben. Ich will hier eigentlich auch keine alten Kamellen auftischen, sondern lediglich Deinen einen Satz komentieren. Es ging schon sehr heiß her wegen meiner Meinung. Ich kann damit leben, bin ich doch stark genug damit umzugehen. Im Forum haben sich leider damals wenige getraut mir den "Rücken zu stärken", aber ich bekam sehr viele Privatmails. Weißt Du, unsere Geschichte mag etwas ungewöhnlich sein, mir wurde vorgeworfen von "Du liebst Deine Kinder nicht" - über "Du lügst". Dabei wollte ich immer nur von meinen (MEINEN!!) Erfahrungen berichten. Niemals (denke ich zumindest) wurde ich unhöflich, grob oder belehrend. Wenn jemand seinem Kind Ritalin gibt, war das für mich immer okay. ICH wollte es für mein Kind nicht! Inzwischen schreibe ich sehr wenig in Foren, lese hauptsächlich nur noch. Ich empfinde es leider so, das die Foren sehr einseitig sind...hier wird Leuten vorgeworfen, das alles nur angelesen wäre...ja, bei wem ist das denn nicht so? Ich bin nach wie vor der Meinung, das jeder seinen eigenen Weg finden und ihn auch gehen muß. Wie wird oft gesagt? Die Mutter weiß, was für ihr Kind gut ist, sie hat das Gefühl/Intuition dafür! Sie soll doch darauf achten. Dieses Recht nehme ich auch für mich in Anspruch. Aus meiner Abneigung gegenüber Ritalin habe ich niemals ein Geheimnis gemacht. Ich schreibe auch immer offen, das heißt, ich gebe meine wahre Indentität preis. Ich will und wollte hier niemals jemanden verurteilen auch wenn ich meine Meinung sehr stark vertrete. Um es kurz zu machen: Wir haben 3 (DREI!) Gutachten. Aber nicht, weil wir es so wollten, sondern das Jugendamt. Und in jedem stand, das Dominik ADS hat und es ohne Ritalin nicht schaffen kann. Näheres möchte ich im Moment nicht dazu schreiben. Vielleicht später einmal. (Ich hoffe auf Dein Verständnis) Liebe Grüße, Esther |
Autor: Dr.H.G.Vogelsang
Datum: 02.09.01 21:13
So ist es, Frauke!
Vor Ritalin waren es andere Drogen: Valium, sogar Neuroleptika.
Letzteres habe ich nie verstanden, sondern halte es für
gewissenlos. Es ist besser, wenn man als Arzt in solchen Fällen
erklärt, daß man nichts verschreiben will - auch wenn die
Mutter dann eine Tür weitergeht und somit der Schein weg ist.
Gottlob bietet die Homöopathie oft einen guten Ausweg. Man
sollte einfach einmal Chamomilla C30 einige Globuli geben - was
soll passieren mit potenzierter Chamille? Oft wird man erstaunt
hören, daß das Kind erstmals ruhig schläft. In meiner
homöopathischen Anfangszeit habe ich selbst nicht an meine
Verordnungen geglaubt - aber es wirkte, wie im Lehrbuch
verheißen.
Nicht immer!
Dr. Vogelsang.
| Autor: Konrad Datum: 01.09.01 21:34 Hallo Herr Schmidt, interessant zu hören das es ADS Ihrer Meinung nach wohl eine Modediagnose ist . Was sagen Sie dazu das es Forschungsberichte gibt, sogar Bildgebende Verfahren PET die ADS nachweisen können. Informieren Sie sich doch einfach mal beim Friedrich-Baur-Institut der LMU, in München. Die sagen nämlich etwas anderes aus. Welche Therapieform machen Sie den ? Die unterschiedlichsten Therapieformen sind untereinander soweit mir bekannt zerstritten, ob Freud recht hat,Adler,Jung,Berne,Gendlin,Hallowell etc.und wie sie alle heißen ,nie einer wird die gleiche Meinung haben.Selbst bei der gleichen Therapierichtung. Wichtig für dem Patienten ist doch wohl nicht was der Therapeut/Arzt sagt ! Sondern wie er mit dem Therapeuten klarkommt und ob er demjenigen vertrauen kann. Wie Sie schon sagten kann Angst aufkommen wenn Therapeut über seine Ziele schießt. Als Patient hat man soweit mir bekannt ein Selbstbestimmungsrecht das kein Arzt oder Therapeut einen nehmen kann.Das Recht auf freie Arztwahl inbegriffen. Übrigens werden die meisten Diagnosen von Fachärzten gemacht was ADS angeht. So wie sich Ihre Kritik anhört, klingt es für mich wie gekränkter Stolz, weil Patienten abspringen, die eine andere Therapieform und Arztbehandlung wählen. Wenn man das Vertrauen in Arzt oder Therapeuten verloren hat und sich neue und Verständnisvollere Alternativen auftun, dann wird man doch nicht bei einem Arzt bleiben der einen nicht bestmöglich behandeln kann? Irgendwie klingt das für mich eher wie gekränkter Stolz. Sie werden doch auch nicht bei Schilddrüsenkrebs zu einem Arzt gehen der nur Prostatakrebs behandeln kann. Oder einen Orthopäden eine Herzoperation machen lassen. So ist es halt mit ADS auch. Das wäre halt nur zu akzeptieren. Oder zuzugeben das man das nicht kann.Nobody is perfect. |
Autor: Dr.H.G.Vogelsang
Datum: 02.09.01 21:32
Die Forschungsberichte sollten hier gepostet werden, die
angeblich ADD objektivieren können. Es dürften in jedem Fall
nur sehr wenige Kinder verbleiben, bei denen ausgewiesene
Spezialisten sich an dieses Rauschgift herantrauen dürfen.
Professor Friedrich, Ärztlicher Direktor der Kinder- und
Jugendpsychiatrischen Klinik der Universität Wien, stellt fest:
"Wir sehen in unserer Klinik etwa 2.500 Kinder pro Jahr.
Höchstens 20 haben das echte ADD, also weniger als zehn
Promille, während 15% nur nervös im Sinne des
"Zappelphilipp" sind. Somit besteht der Verdacht, daß
die meisten Kinder das Leiden nicht haben, mit dem die Verordnung
von Ritalin begründet wird."
Bisher haben Psychiatrische Forschungsberichte meist suggeriert,
sie hätten etwas nachgewiesen, der Tatsachengehalt nach
kritischer Prüfung ist oft klein, Null und leider oft eine
Widerlegung der Schlußfolgerung der Arbeit. Das merkt man aber
infolge kunstvoller Schreibe erst, wenn man sich intensiv mit der
Arbeit befaßt. Den meisten ÄrztInnen fehlt dazu die Zeit - und
das wird ganz gezielt ausgenutzt.
Ein Beispiel: immer wieder erscheinen Arbeiten, bei der sog.
Schizophrenie -die es lt. WHO ebenfalls nicht gibt, weil sie
ebenfalls undefinierbar ist- seien Substanzdefekte im Gehirn
bildgebend nachgewiesen worden. Dann stellt sich aber heraus,
daß alle Untersuchten schon mit Psychopharmaka behandelt waren,
und daß diese Substanzdefekte erzeugen, weiß man schon lange.
Substanzdefekte bei Spontanverläufen, ohne Psychopharmaka also,
können gar nicht nachgeweisen werden, weil Spontanverläufe
nicht zugelassen werden.
Ich zitiere Prof. Gaebel, Direktor der Universitätspsychiatrie
Düsseldorf: "Die Qualitätskontrolle in der Psychiatrie
steht erst ganz am Anfang." Das sagte er vor etwa drei
Jahren.
Dr. Vogelsang.
| Autor: Konrad Datum: 03.09.01 06:24 Hallo, diese Schlußfolgerung ist etwas löchrig. Zu anderen Themenbereichen der Psychatrie gibt es nämlich soweit mir bekannt auch keine Forschungsberichte die ADS wiederlegen können. Siehe Urteil in den USA. Erklären Sie wieso Ritalin bei vielen Menschen nicht wirkt oder aber beruhigend ! Bevor Sie Zitate brigen von Ärzten anderer Kliniken. Nur mit Gegenbeweisen können SIe eindeutig sagen ADS gibt es oder gibt es nicht. Ritalin wirkt bei ADS oder wirkt nicht. Droge hin oder her. Die Anidepressiva die oft verschrieben werden, oder z.B. Valium haben auch Ihre Nebenwirkungen. Selbst Belladonna hat Nebenwirkungen und kann als Droge eingestuft werden. Diese Theorien sind etwas löchrig, wenn aus Fingerhut, Fliegenpilzen Drogen erstellt werden. Es kommt immer auf die Dosierung an. Der Mißbrauch entsteht rein nur durch Mißbrauch der Dosierung. Alles andere ist irrelevant, und nicht beweisbar. |
Autor: Dr.H.G.Vogelsang
Datum: 02.09.01 21:45
Für alle, die eigene Kinder haben oder Kinder kennen, ist die
Sache doch sonnenklar: Wenn man mit ihnen nicht zurechtkommt, ist
die Versuchung, die Erwachsenenüberlegenheit auszunutzen,
riesengroß. Das erzeugt oft Schuldgefühle. Wenn dann ein Arzt
sagt: "Sie sind unschuldig, das Kind hat ADS und braucht
Ritalin", ist man die Schuld los wie ein Soldat, der nur
seinen Befehl ausführt.
Und die Person, die den Krankenschein bringt, ist nicht das Kind,
sondern der Erziehungsberechtigte.
"Wes Brot ich esse, des Lied ich singe."
Und nun kommt der Fluch der Politik, daß Ärzte heute nicht mehr
ohne Weiteres finanziell unabhängig sind. Es schrieb vor einiger
Zeit ein Arzt im Deutschen Ärzteblatt: "Wer heute seine
Praxis nach rein ethischen Gesichtspunkten führt, geht
bankrott."
Da ist was dran, obwohl es nur deswegen stimmt, weil viele Ärzte
sich danach verhalten. Würden wir alle unserem Gewissen folgen,
könnten wir alle den meisten Müttern das Ritalin für ihr Kind
verweigern.
Eins ist sicher: die Ritalin-Verschreiber verdienen ihr Geld
schneller und leichter als die Psychotherapeuten. Und das weiß
die Pharma-Industrie.
"Primum nil nocere" ist seit grauer Vorzeit die
heiligste Regel des Arztes. Was kann eine biologistische
Psychiatrie mit dem Begriff der Heiligkeit anfangen?
Dr. Vogelsang.
| Autor: Hans-Reinhard Schmidt Datum: 03.09.01 13:27 Lieber Herr Vogelsang, ich kann nur unterstreichen, was Sie ausführen. In den Internetforen fällt mir oft eine sehr unkritische, verharmlosende Einstellung gegenüber Methylphenidaten auf. Ohne diese Substanzen aus irrationalen, ideologischen Gründen verteufeln zu wollen, wie es z.B. ritalin-kritik.de tut, wird oft so argumentiert, dass das Mittel eben wirkt, und damit hat es sich dann. Das macht sich auch am Begriff "Droge" deutlich, der bei Ritalin in den Foren streng abgelehnt wird, weil Ritalin angeblich keine Droge sei. Natürlich hat der Begriff Droge einen negativen, gefährlichen Beigeschmack und klingt heute sofort nach "Drogensucht". Aber nichtsdestotrotz ist Ritalin natürlich eine Droge. Jede Substanz, die a) psychotrop wirkt b) süchtig machen kann, und c) unter das BTM fällt, gilt definitionsgemäß als Droge. Mit Gruß, H.-R. Schmidt |
Autor: Katharina
Datum: 10.09.01 15:06
Da gab es vor einiger Zeit einen Beitrag, in dem angeblich der
Präsident der Max-Planck-Gesellschaft zitiert wurde. Ich habe
verlangt, dass mir das Zitat zugeschickt wird - ich glaube
längst nicht alles, was ich schwarz auf weiß zu sehen bekomme.
Und siehe da: alles löst sich in Luft auf.
http://www.myphorum.de/forum/read.php?f=2593&i=368&t=313
Das Zitat wurde angeblich einem Interview in den Salzburger
Nachrichten entnommen - wer wissen will, was WIRKLICH in der
Zeitung stand, lese selbst nach:
http://www.salzburg.com/sn/2001/01/10/wissenschaft-15210.html
Ach, Herr Dr. Vogelsang - machen Sie doch nicht uns und sich
selbst das Leben unnötig schwer, indem Sie falsch zitieren bzw.
Aussagen irgendwelchen Prominenten unterschieben.... Das ist
unredlich und so unnötig wie ein Kropf.
Mit freundlichen Grüßen
Katharina Meyer
| Autor: Lutz Datum: 11.09.01 12:36 Hallo Katharina, das wird er sicher nicht so schnell lassen. Übnerall wo er auftritt,verbreitet er die selben Halb- oder Unwahrheiten, zitiert aus dem Zusammenhang gerissen und vermengt völlig unterschieldiche Fakten, um darsu den Anschein neuer "Wahrheiten" zu erwecken. Hrr Volgesang ist ein (nicht mal besonders geschickter) Demagoge, der sich entweder vor anderer Leute und Organisationen dubioser Karren spannen läßt, oder es einfach nicht lassen kann, in einer derart unredlichen Weise auf sich aufmerksam machen zu müssen. Lutz P.S. Ich habe das Zitat nun auch im Original gelesen. Vogelsang zietiert hier nicht etwas zusammenhanglos saber wörtlich. Vielmehr formuliert er die Aussage des Wissenschaftlers nach seinem eigenen Gutdünken um. Währen Markl wortwörtlich sagt: "Wir sollten es schaffen, die Weltbevölkerung in den nächsten Jahrhunderten wieder auf ein bis zwei Milliarden Menschen absinken zu lassen" und von einer "sanfte(n) Landung der überhitzten Populations- konjunktur der Menschheit in diesem Jahrhundert" spricht, macht Voglsang daraus die Forderung nach Ausrottung von Milliarden von Mensschen. Dies ist schon eine kriminell verleumderische Verzerrung der Aussagen Markls. Man sollte Herrn Markl darüber informieren, um ihm die Gelegenheit zu geben, über rechtlichen Maßnahmen nachzudenken. |
Autor: Elisabeth
(himmelblau)
Datum: 11.09.01 13:27
Wenn eine Seite von der Richtigkeit und Aussagekräftigkeit ihrer
eigenen Argumente überzeugt ist, wozu hat sie dann derartige
Vorgehensweisen nötig?
1. warum erfahren wir noch immer nicht das
vollständige Zitat des Präs. der Max-Planck-Gesellschaft sowie
die Quelle, der
es entnommen wurde?
(nachzulesen in entsprechenden Reaktionen und ausbleibenden
Reaktionen von und zu Herrn Dr. Vogelsang)
2. offenbar halten Fernsehredaktionen es für nötig,
das Bild der AddlerInnen und ihrer Familien und Ärzte durch
bewusstes Herausschneiden von Äußerungen aus dem Zusammenhang
total zu verzerren, um einen denkbar schlechten Eindruck zu
erwecken, sodass es fast schon Betrug gleichkommt:
"Und dann fand ich einen Beitrag, der mich wirklich
erschreckt hat:
http://f17.parsimony.net/forum29914/messages/4201.htm
Hier schreibt eine der Mütter aus dem Report-Fernsehbericht von
neulich, was sie und ihre Ärztin tatsächlich vor der Kamera
gesagt haben und was im Schneideraum daraus wurde."
(Nachzulesen u.a. im angegebenen Link, die Textstelle hier ist
aus Lillis Beitrag: Re: Hetzjagd - aber wer denn nun
wirklich?" entnommen)
3. kritische Medienberichte wie etwa der des "Hamburger
Abendblattes" sind schlecht recherchiert und geben zunächst
sogar offen eine Scientologenseite als Quelle an - darauf
aufmerksam gemacht, verschwindet diese Quellenangabe im Internet
aus dem Text - und nicht nur aus dem laufenden, sondern selbst
aus dem Archiv!
(nachzulesen im Thread über Scientology)
nochmals:
Wenn eine Seite von der Richtigkeit und Aussagekräftigkeit ihrer
eigenen Argumente überzeugt ist, wozu hat sie dann derartige
Vorgehensweisen nötig?
| Autor: Lutz Datum: 11.09.01 13:31 Das Originalzitat von HErrn Prof. Markl in den Salzburger Nachrichten vom 10.Januar 2001 habe ich weiter unten bereits gepostet. Hier noch einmal: Wir sollten es schaffen, die Weltbevölkerung in den nächsten Jahrhunderten wieder auf ein bis zwei Milliarden Menschen absinken zu lassen", meinte Markl in einem Interview mit der "Frankfurter Rundschau" (Dienstag). In der ersten Ausgabe der neuen wöchentlichen Beilage "Mensch-Technik-Umwelt" sagte Markl, er hoffe auf eine "sanfte Landung der überhitzten Populationskonjunktur der Menschheit in diesem Jahrhundert". Diese Worte sind weitab von dem Zita, wie es Herr Vogelsang wiedergibt. Um nicht zu sagen, das angebliche "Zitat", welches Herr Vogelsang anführt, stellt eine verleumderischen Verdrehung der Aussage dar. Ich werde den Beitrag von Herrn Vogelsang an die Pressestelle und das Justitiariat der Max-Planck- Gesellschaft zur Kenntnisnahme weiterleiten. Sollen diese das für sich bewerten und dagegen vorgehen, wenn sie es für nötig halten. Lutz |
Autor: Axel
Datum: 02.09.01 23:09
Hallo, Herr Schmidt,
Genau genommen gehöre ich auch zu den
"Selbstdiagnostikern". Mein Arzt hat sich die
Begründung für die Selbstdiagnonse angehört und mir relativ
schnell zugestimmt. Mittlerweile testen wir auch eine
Ritalin-Behandlung aus. Ich war zunächst erstaunt über die
"zügige" Behandlungsmethode. Der Grund liegt doch wohl
eindeutig in der "Zwei-Klassen-Medizin", in der man als
normaler Kassenpatient erst eine differenzierte Diagnose erhält,
wenn man bereits auf dem Dach eines Hochhauses gestanden hat.
Nun, daß ist sicher nicht kurzfristig zu ändern. Für mich und
für viele andere geht es darum, die persönlichen Probleme zu
lösen. So einfach, wie Sie es sich vorstellen, habe ich es mir
nicht gemacht. Ich hatte mich bereits vor einigen Monaten anhand
eines Berichtes über hyperaktive Kinder
"wiedererkannt" und zwar sehr eindeutig. Da meine
Kindheit nun etwas zurückliegt, hoffte ich lediglich, dass meine
Kinder es nicht erben würden.
In einem weiteren Bericht war die Rede davon, daß die Probleme
auch im Erwachsenenalter bestehen können. Wieder fand ich mich
wieder, aber ich war davon überzeugt, daß ich dies durch meine
Fachkompetenz ausgleichen könnte. Nach anderthalb Berufsjahren
(im Wunschberuf!) hat sich dies trotz vieler Bemühungen leider
nicht bestätigt: Je mehr Routine in eine Aufgabe kommt, desto
schwieriger wird sie für mich. Die Disorganistion und die
Flüchtigkeitsfehler machen die Früchte guter Einfälle
zunichte. Ich kompensiere das alles durch Mehrarbeit und
zerstöre dadurch mein Familienleben. Die Aufgaben zuhause kann
ich nicht mehr erledigen.
Dennoch springe ich nicht vom Dach eines Hochhauses, also bekomme
ich auch keine Therapie, wie Sie sie für angemessen halten
würden, da ich ja nur ein Kasssenpatient bin. Wenn Ritalin in
Verbindung mit anderen Maßnahmen (mehr Sport, Anwendung von
Organisationshilfen etc.) mir helfen sollte, dann sind für mich
die Risiken und Nebenwirkungen kleiner als wenn ich alles beim
alten ließe. Ich würde die Arbeit, die ich liebend gern weiter
ausüben würde, aufs Spiel setzen oder meine Familie
vernachlässigen.
mfG
Axel
| Autor: Hans-Reinhard Schmidt Datum: 03.09.01 10:03 Lieber Axel, herzlich willkommen! Ich kann und will mich natürlich nicht zu Ihnen und Ihren persönlichen Problemen, wie Sie sie schildern, äußern. Was genau Ihr Problem ist, weiss ich nicht, aber was ADD anbelangt, 1. ist es möglicherweise gerade ein Beleg für die Vieldeutigkeit bzw. Unspezifität des "Krankheitsbildes", dass sich so viele darin spontan wiedererkennen. Das lese ich in vielen Forenbeiträgen (z.B. in etwa so: "Ich hörte Frau Neuhaus sprechen und dachte, sie spricht über mein Kind!"), und es macht mich misstrauisch. Meine Oma las jeden Tag ihr Horoskop in der Zeitung und fand sich darin immer wieder. 2. Als Kassenpatient erhalten Sie durchaus auch alternative Therapien. Wenn Sie z.B. eine Psychotherapie anstreben, übernimmt Ihre Kasse auf Antrag die Kosten. Mit Gruß, H.-R. Schmidt |
Autor: Elisabeth
Datum: 03.09.01 10:41
Ich weiß zumindest für Österreich, dass das so nicht stimmt,
es wird ein Teil ersetzt (jahrelang wurde gar nichts ersetzt),
und in manchen Bundesländern gab es seit kurzem Anspruch auf
Gratispsychotherapie - meines Wissens war der Antrag z.B. in Wien
derart groß, dass es diesen Anspruch entweder mittlerweile so
nicht mehr gibt oder er nicht durchsetzbar ist. Zudem ist es um
den Datenschutz gerade in diesem äußerst sensiblen Bereich
nicht besonders gut bestellt.
Auch weiß ich von Bekannten aus Deutschland, die eine Therapie
machen, dass sie von den Kassen nur für einen sehr begrenzten
Zeitraum bewilligt wird und sie in der Regel nicht verlängert
werden kann. Sehr wahrscheinlich kommt es auch in Deutschland
hier auf die jeweilige Kasse und das jeweilige Bundesland an.
Warum finden sich ADS-ler gerade in den ADS-Schilderungen wieder,
nicht aber in den zahlreichen
"verwandten" Diagnosen rundherum, insbesondere in
denen, auf denen ihre vorhergehende erfolglose Behandlung
basierte? Möglicherweise, weil die ADS-Schilderungen zutreffen,
die anderen aber nicht, zumindest nicht als primäre Ursache?
Sagen Sie mir z.B. was in meinem Fall anstelle von ADS für Sie
als Erklärung in Frage kommt - ich würde mich freuen darüber,
wenn Sie irgendeine Ursache finden, die ich bisher übersehen
oder mit der ich mich noch nicht auseinandergesetzt habe.
(Ich habe hier schon mehrmals auf meine persönliche Erfahrungen
hingewiesen - zuletzt gestern - Sie haben auf diese Teile meiner
Beiträge jedoch nie geantwortet.)
Elisabeth
PS: ich lese nicht jeden Tag mein Horoskop in der Zeitung, aber
die wenigen Male, wo ichs gemacht hab,
hab ich mich nie darin gefunden, zumal in einem Zeitungshoroskop
auch meist gar nicht von irgendwelchen Eigenschaften die Rede
ist, sondern Ratschläge gegeben werden à la: "Sie haben im
Moment finanzielle Schwierigkeiten. Eine neue Bekanntschaft wird
ihnen zwischen 3. und 7. August begegnen. Heute abend haben Sie
einen wichtigen Termin, auf den Sie sich gut vorbereiten
sollten."
Finanziell gut gehts mir nie - ich leb auch dementsprechend
bescheiden, echte gravierende finanzielle Schwierigkeiten hab ich
trotzdem bis jetzt zum Glück keine gehabt, neue Bekanntschaften
begegnen mir eher selten (u. schon gar nicht zwischen 3. und 7.
August) und wichtige Termine am Abend hab ich auch nie.
Trotzdem les ich ab und zu Zeitungshoroskope, das ist ein
Gesellschaftsspiel und ihre Oma hat es sicher auch nicht ernst
genommen.
| Autor: Hans-Reinhard Schmidt Datum: 03.09.01 11:55 Liebe Elisabeth, nach dem "neuen" Psychotherapiegesetz PTG ist in Deutschland Psychotherapie eine Kassenleistung geworden. Ansonsten möchte ich nochmal betonen, dass ich hier zu keinem persönlichen Schicksal oder Krankheitsbild Stellung nehme. So teilweise unseriös wie in anderen Foren soll hier eben keine "Krankenbehandlung" Platz greifen. Ich bitte um Verständnis. Das bringt manchmal auch mit sich, dass Sie aus Ihrer persönlichen Situation oder Erfahrung heraus diskutieren, ich aber immer sehr allgemein bleibe. Ich kann deshalb zu Ihrem interessanten Beitrag wieder mal nur sagen: Ausnahmen bestätigen die Regel, Einzelschicksale passen oft nicht in Verallgemeinerungen. Deshalb können die Verallgemeinerungen bzw. Resumees durchaus zutreffen. (Meine Oma fand sich auch in solchen Sätzen wie Ihren durchaus wieder; es liegt ja wohl auch nicht am Horoskop, sondern an demjenigen, der es liest). Mit Gruß, H.-R. Schmidt |
Autor: Elisabeth
Datum: 03.09.01 12:12
Ich habe keineswegs um eine Behandlung oder ausführliche
Erörterung meiner Erfahrungen gebeten, sondern bloß um die
Nennung möglicher anderer Ursachen, die bei der Schilderung
meiner Symptome plausibler sind und eher in Frage kommen als Add.
(Dies ist doch ihre These, dass man das ADD nicht braucht,
sondern andere Erklärungen hiezu ausreichen. Und diese
ausreichenden Erklärungen möchte ich von Ihnen haben, nichts
weiter.)
Was den Ersatz der Therapie durch die Krankenkassen und die
Realität - offenbar ist die in Deutschland auch nicht anders als
von mir für Österreich geschildert, eher sogar ärger -
betrifft, empfehle ich Ihnen die aktuellen Artikel
Psychotherapie I (2001),
Psychotherapie II (2001)
und Psychotherapie III (2001)
von Sonnenschein
man findet sie unter dem Punkt "Politik und
Psychotherapie",
hier der Link zum Teil I:
http://psychotherapie.de/psychotherapie/gesundheitspolitik/01022601.html
| Autor: Hans-Reinhard Schmidt Datum: 03.09.01 14:05 Liebe Elisabeth, das ist für heute mein letztes posting an Sie, weil ich leider keine Zeit mehr habe: Die im link genannte Zeitschrift lese ich im Original regelmäßig, trotzdem danke für Ihre Mühe. Dass die Regelsätze in der Psychotherapieerstattung derzeit zu niedrig sind, ist richtig, aber ein anderes Thema. Ich kenne sehr viele freie Therapeuten, in meinem Institut wird teilweise selbst mit den Kassen abgerechnet: Mir ist noch kein Fall bekannt geworden, wo ein Patient "wegen AOK" oder so abgewiesen wurde. Wird man mal bei einem Therapeuten nicht gleich fündig, findet man rasch einen neuen. Ganz so wie in der (auch standespolitisch motivierten) Zeitschrift ist die Wirklichkeit nicht. Sie hat sich im Gegenteil durch das PTG sehr verbessert. Und sonst: Sie werden mich nicht dazu bringen, irgendwelche Ferndiagnosen zu Ihren Symptomen vorzuschlagen oder irgendwelche anderen Krankheiten zu benennen, die Ihren Symptomen neben ADD entsprächen. So etwas mache ich grundsätzlich nicht. Dazu müsste ich sehr ausführlich mit Ihnen sprechen und Sie psychologisch gründlich untersuchen, und das wollen wir ja beide nicht. Mit Gruß, H.-R. Schmidt |
Autor: Elisabeth
Datum: 03.09.01 15:17
Sehr geehrter Herr Dipl.-Psych. Schmidt!
Natürlich glaube ich nicht alles, was in der Zeitung steht, und
dass die von mir in meinem letzten
Beitrag hier zitierten Links einem Organ einer
berufsständepolitisch motivierten Interessensgruppe
entnommen sind, wird bei der Lektüre auch klar. (ich empfehle
trotzdem, nachzulesen)
Dennoch frage ich mich, wie man die Behauptung, dass 65% (!!!!!)
keinen Therapieplatz finden,
so einfach abtun kann; wo es sich um aktuelle Artikel (die letzte
Ergänzung stammt von Ende Juni
2001) handelt. Die behaupteten Missstände wären ja leicht
nachprüfbar.
Besteht die Vertretung der Psychotherapeuten denn aus notorischen
Lügnern?
Und falls dies so ist, warum sollte ich dann obiges nicht
glauben, dies hier aber schon:
Zudem besteht in den Kassenärztlichen Vereinigungen, die für
die Honorarverteilung bei Ärzten und Psychotherapeuten
verantwortlich sind, ein systemimmanenter Konflikt zwischen
Organmedizinern und Psychotherapeuten. 50 bis 60 Prozent der
Patienten einer Allgemeinarztpraxis, so belegen wissenschaftliche
Studien, kommen wegen psychosomatischer Beschwerden - häufig
langjährig und regelmäßig. Aus der (sehr bescheidenen)
Annahme, dass Psychotherapeuten mit einer effektiven Behandlung
auch nur der Hälfte dieser Patienten helfen könnten, ihre
psychosomatischen und psychischen Probleme dauerhaft zu
überwinden,
Warum ist die Annahme, dass eine psychotherapeutische Behandlung
in 50% der Fälle von Patienten
mit langjährig anhaltenden psychosomatischen Beschwerden
dauerhaft erfolgreich ist, bescheiden?
M.E. ist sie sehr hoch gegriffen. Bei - allerdings umstrittenen -
Untersuchungen bzgl. des "Erfolgs" von
Psychotherapie konnte man kaum einen wesentlichen
Erfolgsunterschied ausmachen, wenn man
unbehandelte Gruppen (weder Medikamente, noch Psychotherapie) mit
psychotherapeutisch
behandelten nach ein paar Jahren verglich.
Elisabeth (himmelblau)
PS: anbei einige Originalzitate
Der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten e.V. (bvvp)
veröffentlichte am 24.02.2001 eine Pressemitteilung, in der
festgestellt wird, "dass es nach wie vor in Deutschland auch
in sog. überversorgten (gesperrten) Gebieten unzweifelhaft noch
psychotherapeutische Unterversorgung besteht.
Insgesamt finden ca. 65% der behandlungsbedürftigen und
-motivierten Patienten keinen Therapieplatz."
aus Teil 3:
Nachtrag am 27.06.2001:
Absoluter Tiefpunkt erreicht: Psychotherapie kostenlos
Ein Psychotherapeutenverband meldete am 27.06.2001: "Der
absolute Tiefpunkt ist in Sachsen erreicht, wo die
Psychotherapeuten nicht-genehmigungspflichtige
Leistungen im 4. Quartal 2000 kostenlos erbracht haben."
Ein Kassenhonorar in Höhe von 0,00 DM für 50 Minuten
Psychotherapie?
Das ist tatsächlich deutsche Realität: Nachdem die
mitgliederstarke AOK Berlin im 1. Quartal 2000 noch groteske 1,74
DM für 50 Minuten nicht-genehmigungspflichtige Psychotherapie
zahlte, haben die sächsischen Ortskrankenkassen (AOK),
Betriebskrankenkassen (BKK) und Innungskrankenkassen (IKK) im 4.
Quartal für die nicht-genehmigungspflichtige Psychotherapie gar
nichts mehr bezahlt.
| Autor: Elisabeth Datum: 03.09.01 15:35 Warum nicht? Sie stellen doch auch - ohne sich ausführlich mit jedem einzelnen der betroffenen Individuen zu beschäftigen - die kollektive Ferndiagnose, dass beim weitaus überwiegenden Großteil der ADDler die Diagnose ADD falsch ist und die Symptome durch andere Erklärungen vollständig erklärt werden können. Dann müssen Sie doch auch Ideen haben, durch w e l c h e andere Erklärungen die Symptome ebenso schlüssig erklärt werden können. (Das heißt ja noch lange nicht, dass alle auf mich zutreffen, ich empfinde das also nicht als Ferndiagnose). Ich schildere Ihnen hier einen Symptomkomplex sozusagen, der nicht unbedingt etwas mit meiner Person gemeinsam haben muss. Sie können diese Frage also auch unabhängig von meiner Person beantworten. Ich werde dann nur gegebenenfalls anmerken, falls mir irgendetwas nicht schlüssig erscheint. Betrachten Sie mich einfach als eine zufällig gezogene Stichprobe aus dem Pool der "falschen" ADDler. (Denn wenn es solche gibt, gehöre ich vermutlich dazu). Nicht schlüssig erscheint mir z.B. der hier immer wieder auftauchende Hinweis auf übermäßigen Fernsehkonsum - wer sich ernsthaft mit Add beschäftigt, wird genauso auf Fälle stoßen, in denen die Betreffenden gar nicht oder nur sehr selten fernsehen. (Ich hab als Kind weit mehr gelesen als ferngesehen, und ich hatte die Natur vor meiner Haustür.) |
Autor: Axel
Datum: 03.09.01 18:28
Lieber Herr Schmidt,
Danke für Ihre Antwort.
Ich werde es ggf. langfristig auch auf anderen Ebenen versuchen.
In einem Fall aus dem Bekanntenkreis war jemand als
"suizidgefährdet" eingestuft und hatte
Schwierigkeiten, die Therapie verlängert zu bekommen. (Es hat
letztendlich glücklicherweise geklappt).
Meine Probleme sind zugegebenermaßen weniger drastisch, daher
rechne ich mir keine großen Chancen aus. Aber es frustriert
ungemein, wenn man nicht in der Lage ist, sein Potential
auszunutzen. Da sie unmißverständlich klar gemacht haben, daß
Sie keinen Einzelfall analysieren, akzeptiere ich dies und führe
diesen Aspekt jetzt nicht weiter aus.
Die Verallgemeinerungsmöglichkeiten des ADD beschäftigen mich
auch. Dennoch sehe den bisherigen Verlauf als eine Chance, meiner
Familie und damit auch mir selbst das Leben wesentlich zu
erleichtern.
Ich werde mich weiterhin kritisch mit dem Thema
auseinandersetzen, aber kurzfristig bei meiner Entscheidung,
Ritalin zu nehmen und Begleitmaßnahmen durchzuziehen, bleiben.
mfG
Axel
| Autor: Hans-Reinhard Schmidt Datum: 04.09.01 09:03 Hallo, in anderen Foren gibt es teilweise empörte Reaktionen auf den Bericht in der Sendung REPORT gestern in der ARD. Kein Wunder, wurden doch einige Punkte, die auch hier im Cafe´immer wieder herausgestellt werden, kritisch angemerkt: Vor allem der leichtfertige Umgang mit der Diagnose ADS und der Verordnung von Methylphenidaten wurde herausgehoben: Eine Kinderärztin verkündete ganz stolz, dass die Diagnose bei ihr nur 3 Minuten brauche und sie täglich 4 neue ADSler sehe. Eine Mutter berichtete von der Fehldiagnose ADS bei ihrem Kind, das sich in der Schule nur gelangweilt hatte (vielleicht ein hochbegabtes Kind, aber eben kein ADSler). Diese beiden Beispiele sind aus meiner Erfahrung keine Einzelfälle. Ein Psychologe schätzte in der Sendung die Zahl von Fehldiagnosen bei ADS auf ca. 80 Prozent (damit liegt er mit mir gleichauf: ich habe hier an anderer Stelle mehrmals von einer sehr ähnlichen Falschdiagnose-Rate berichtet. Man lese auch das Zitat von Herrn Vogelsang hier weiter unten, wonach in Wien auch "nur" 1 Prozent der Patienten vermutlich organisch bedingte Störungen im Sinne von ADS aufweisen). Es wurde auch betont, dass in der kinderärztlichen Praxis meist aufgrund von zweifelhaften Fragebögen, und keineswegs mithilfe der wirklich objektiven SPECT-Untersuchung diagnostiziert wird. Besonders bezeichnend fand ich eine Stelle im gestrigen Film, wo die "Instant-Kinderärztin" eine Videoaufzeichnung kommentiert und aus der Beobachtung, dass ein Junge seinen Kopf auf die Hand stützt und ein klein wenig die Beine unter dem Stuhl bewegt, auf ADS schließt. Da musste ich laut lachen! Nun darf man aber auch nicht glauben, dass eine ADS-Diagnose nur deshalb stimmen muss, weil es bis zu ihrem Finden tage- oder gar wochenlang gedauert hat. Die Dauer bis zur Diagnose allein sagt auch noch nicht viel über die Validität der Diagnose, allein deshalb, weil es keinen einheitlichen oder unstrittigen ADS-Test gibt. Ich bin davon überzeugt, dass heute noch der Hauptfaktor bei der Diagnosefindung die Überzeugung darstellt, dass es ADS gibt. Wer davon überzeugt ist, wird die Diagnose stellen, wer nicht, nicht. Er wird andere Diagnosen finden, mit denen genauso gut geholfen werden kann. Die besorgniserregende Zunahme der Ritalin-Verschreibungen wurde erwähnt und hinterfragt. Dabei wurde eher nebenbei deutlich, dass Ritalin durchaus auch bei "gesunden" Kindern (die also kein "ADS" haben) "beruhigend" wirken kann. Die Wirkung von Ritalin beweist eben nicht die Richtigkeit der Diagnose. Der Schulpsychologe Krowatschek machte mit seinen Verhaltenstrainings deutlich, dass es Alternativen ohne Medikation für unruhige Kinder gibt. Eine weitere Alternative sehen Sie in meinem posting "Familie und ADS", das ich bald fortsetze. Insgesamt ein recht guter Beitrag, finde ich. Mit Gruß, H.-R. Schmidt |
Autor: Esther-Herzdame-
Datum: 04.09.01 16:24
Hallo Herr Schmidt,
da Sie auch in den anderen Foren lesen, haben Sie sicherlich auch
meinen Beitrag auf den Report gelesen, deshalb möchte ich das
alles hier nicht nocheinmal schreiben.
Auch ich fand den Bericht gut, mußte allerdings beim Schauen
daran denken, was im Forum sicherlich "los sein
würde". Ich kann das nicht verstehen.
Es ist gut, wenn man eine eigene Meinung zu einem Theam hat, das
ist keine Frage. Was mich an der ganzen Sache stört ist, dass
alles so "verbohrt" wirkt. (Ich betone wirkt, denn ich
maße mir kein Urteil an!)
Es gibt nun mal Tatsachen vor denen man doch die Augen nicht
einfach verschließen kann!
Seit ich mich mit dem Thema gefasse "laufen" mir immer
mehr Familien über den Weg in denen Kinder mit ADS
leben....Tendenz steigend. Und wenn ich an das Video im Report
denke, von dem Jungen der mit den Beinen zappelte...zeigt das nur
allzudeutlich, das immer mehr vermeintliche Symptome in das ADS
gepackt werden!
Wenn ich alles so lese...man, dann hätte ich ja auch ADS! Oder
wenn ich mich mit dem Thema Psychosen ect. beschäfige...auch das
hätte ich alles!
(Ich hoffe ich kann damit ausdrücken, was ich meine)
Ich frage mich immer wieder folgendes: Eine Generation wächst
heran die Ritalin bekommt...diese Kinder werden eines Tages auch
Kinder bekommen...die wiederum Kinder...ect. Da im Moment die
Tendenz zum Ritalin zu greifen da ist, wie wird das in 10 oder 20
Jahren sein? Welche Auswirkungen wird das auf die nachfolgenden
Generationen haben? Ist ADS wirklich vererblich, wie es gesagt
wird...werden wir dann irgendwann nur noch Menschen mit ADS
haben?
Vielleicht ist das alles etwas weit hergeholt, aber ich mache mir
da schon so meine Gedanken.
Wobei ich, wohlgemerkt, von denen ausgehe, bei denen Ritalin
nicht wirklich notwendig wäre. (Aussage laut Report: bei 8 von
10 Kindern).
Es ist sehr schwierig bei dieser enormen Flut von Informationen
einen Überblick zu behalten.
Eine absolute Wahrheit gibt es meiner Meinung nach nicht!
Ich verurteile sicherlich keine Eltern die ihren Kindern Ritalin
geben, das ist allein deren Entscheidung. Wenn Menschen
ausschließlich der Schulmedizin zugetan sind, ist das auch in
Ordnung. Ich persönlich sehe alles etwas anders und finde es
manchmal schade, das es so viele Menschen gibt, die alles was mit
Natur ect. zu tun hat (als unwirksam!) ablehnen. Aber ich würde
niemals versuchen jemanden zu bekehren. Jeder lebe sein Leben so,
wie er es für richtig erachtet.
Liebe Grüße,
Esther
| Autor: Petra Datum: 04.09.01 17:48 Hallo Herr Schmidt, hallo Esther, das die 3 Minuten Ärztin eine Katastrophe ist, darüber herrscht wohl Einigkeit? Das Fehldiagnosen immer wieder vorkommen ( leider) und nicht nur bei ADS, bestreitet doch wohl auch niemand? Trotzdem hat mich die Einseitigkeit dieses Berichtes erschreckt. Auch die "Vorführminute" des Schulpsychologen, war doch kene ehrliche Alternative. Verhaltenstherapien etc. sind in meinen Augen das sowieso anzuwendende Mittel und Medikamente, erst das letzte ...Aber in einem Bericht Eltern ganz allgemein anzuprnagern sie wollten ihre Kinder ruhigstellen... das fand ich einfach nicht gut. Kritischer Umgang mit ADS + der Behandlung ist kein Fehler und ich denke auch nicht das es stimmt, dass das in anderen Foren nicht möglich ist. Esther wenn Du ein natürliches Mittel weißt( mir wurde von Heilpraktikern gesagt, es gäbe keines) , das den ADS Kindern hilft und zwar wirklich und massiv, dann lass es doch auch andere wissen. Ob sie es anwenden ist dann ebenso IHRE Entscheidung, wie die Ritalin zu geben oder nicht. Ich mag kene Einseitigkeit. Weder wenn man etwas in den Himmel lobt noch wenn man es zur Hölle schickt. Gruß Petra |
Autor: Hans-Reinhard Schmidt
Datum: 05.09.01 11:59
Hallo Petra,
Fehldiagnosen kommen bei ADS nicht "immer wieder" vor,
sondern (wie auch in der Sendung gesagt), sie kommen sehr
wahrscheinlich extrem häufig vor (ca. in 80 Prozent).
DIe Therapie von Herrn Krowatschek ist durchaus eine Alternative.
Die Erfolge damit sind gut. Mit Familientherapie und
Kinderpsychotherapie als Alternative machen wir auch gute
Erfahrungen.
Kritik in anderen Foren ist nicht erlaubt, wenn sie ans
Wesentliche (wie z.B. diese beiden Punkte) sowie an die
Kernfrage, ob es die Krankheit ADS als sinnvolle nosologische
Einheit gibt oder ob es sie braucht, herangeht. Wenn Sie das dort
ernsthaft anzweifeln (und das ist ja angesichts der
Forschungslage durchaus notwendig), werden Sie Ihr blaues Wunder
erleben! Ich spreche aus Erfahrung.
Oder zeigen Sie mir mal ein anderes Forum, wo über solche
Kernfragen sachlich diskutiert wird.
Mit Gruß, H.-R. Schmidt
| Autor: Frauke Datum: 06.09.01 15:24 Hallo zusammen, die Warnung in der HÜTHER-Studie vor den möglichen Langzeitfolgen von Ritalin bei hirngesunden Kindern wird in einem anderen Forum doch tatsächlich damit abgetan, dass man das so wenig wisse wie, ob man im Lotto gewinnt oder nicht. Das erschreckt mich, wie da mit Kindern umgegangen wird. Wenn ich nicht im Lotto gewinne, schade ich meinem Kind nicht gesundheitlich. Grüße von Frauke |
Autor: Hans-Reinhard Schmidt
Datum: 12.09.01 13:20
Sehr geehrter Herr Schmidt,
vielen Dank für Ihre Zuschrift auf unseren Bericht in REPORT
Mainz vom
03.09.2001 über "Hyperaktive Kinder".
Ihre positive Reaktion bestätigt unsere Recherchen zu einem sehr
komplexen
Thema. Unser Anliegen war es , deutlich zu machen, dass es sehr
schwer
ist, ADS zu diagnostizieren. Die Recherchen haben ergeben, dass
bei diesen
Diagnosen offenbar Fehler gemacht werden und auch gesunde Kinder
Medikamente bekommen. Diese Verschreibungspraxis haben wir vor
dem
Hintergrund stark ansteigender Verschreibungszahlen von
Psychopharmaka für
Kinder hinterfragt. Leider war es uns nicht möglich, in der
Kürze der Zeit
alle Aspekte auszuleuchten, wofür Sie hoffentlich Verständnis
haben.
Wir begreifen es bei REPORT Mainz als unsere Aufgabe,
gesellschaftliche
Entwicklungen kritisch zu hinterfragen, um einen
Diskussionsprozess
anzustossen. An den Reaktionen merken wir, dass dies uns
zumindest bei
einem Teil unserer Zuschauer gelungen zu sein scheint.
Wir hoffen, Sie schauen weiter bei REPORT Mainz rein!
Mit freundlichen Grüßen
Sebastian Bösel
REPORT Mainz
Autor: Elisabeth
(himmelblau) |