Fundsachen: ADS-FOREN KRITISCH BETRACHTET
TEIL 2
| Autor: Elisabeth
(himmelblau) Datum: 08.09.01 Als ich "neu" war, habe ich mich auch immer gewundert, warum immer wieder von Scientology die Rede war - und wurde dann von jenen, die länger dabei sind, aufgeklärt. Da ich nicht alles glaube, was mir erzählt wird, habe ich die Aussagen auch überprüft. Ich kann aus meiner eigenen Erfahrung bestätigen, dass ich in Add-Online bei Erscheinen von kritischen Beiträgen nach dem Muster "Add ist eine Droge - Hände weg davon!" durch Anklicken der vom jeweiligen Absender genannten Homepageseite immer direkt bei einer als solchen ausgewiesenen Scientology-Seite landete, oder - falls die Seite oder deren Betreiber nicht explizit als Scientologie-Seite ausgewiesen wurde - von ihr aus binnen eines Mausklicks direkt zu Scientology gelangte. In meinen diesbezüglichen Antworten (das Add-Online-Forum ist seit Beginn des Bestehens archiviert), habe ich das auch immer so angegeben, dass der Weg leicht nachvollziehbar und überprüfbar war. Es geschieht erst seit relativ kurzer Zeit, dass auch von Nicht-Scientologen-Seite vermehrt Kritik geäußert wird. (Aber selbst von dieser Seite wie z.B. im berüchtigten "Hamburger Abendblatt"-Artikel wird völlig kritiklos z.B: auf die Seite www.ritalin-kritik.de verwiesen, die eine offenkundige Scientologie-Seite ist - man braucht nur nachschauen unter Kontakt und findet dann: "Verantwortlich für diese Internet-Seite ist: Helmut Kaeding, gibt man in eine Suchmaschine "Helmut Kaeding" ein, blinkt einem bei den Ergebnissen "Scientology" gleich massenhaft entgegen, und er selbst betont auch stolz, Scientologe zu sein (siehe seine Webseite: http://sites.myhomepage.org/helmutkaeding/). Der Vorspann des Hamburger Abendblatts lautete: Hamburger Abendblatt: Ritalin: Wenn Tina es nimmt, ist sie ... "... sich. Selbst im Internet tobt der Streit www.ritalin-kritik.de. Im Abendblatt sprechen Betroffene. Seit ihrem siebten Lebensjahr nimmt ..." www.abendblatt.de/contents/ha/news/lokales/html/060801/1106RITA6.HTM - 14k - Im Archiv - Ähnliche Seiten (Dies sind die Reste die derzeit nur noch über die Google-Kurzzusammenfassung auffindbar sind - wer zweifelt, bitte gleich nachschauen, wird vermutlich auch von dort vielleicht bald verschwinden) Ich habe das damals selbst nachgelesen - im Archiv ist der archivierte Originalartikel jedoch nicht mehr zugänglich (die Seite wird vom Hamburger Abendblatt aktualisiert - warum wohl wird eine archivierte Seite aktualisiert??), und statt dessen findet man (nicht im Archiv, sondern beim aktuellen Link) jetzt die offenbar nachträglich ohne jegliche Erklärung selbst zensierte Version - der Satz "Selbst im Internet tobt der Streit" samt der von vielen bemängelten scientologischen Quellenangabe fehlt plötzlich: "Ritalin - umstritten, verteufelt, für viele die letzte Hoffnung.Experten diskutieren, Selbsthilfegruppen organisieren sich. Im Abendblatt sprechen Betroffene.Seit ihrem siebten Lebensjahr ..." ES IST DAHER KEIN WUNDER, DASS ADD-ler gerade IN BEZUG AUF SCIENTOLOGEN SEHR EMPFINDLICH sind. Im Gegensatz zu deren Vertretern, die sich gerne in Add-Foren und Zeitungsredaktionen "einschleichen" und sich nie offen als Scientologen zu erkennen geben, stammt die Motivation der postenden AddlerInnen aus eigener leidvoller Erfahrung und nicht aus irgendeinem religiösen oder sektenhaften Sendungsbewusstsein. Auch halten sich Addler im Normalfall von Scientology-Foren fern und versuchen nicht die dort befindlichen "Anhänger" von deren zweifelhaftem Weg abzubringen. Und wenn sie es täten, würden sie die Motive, warum sie es tun, offen klarlegen. Es geschieht erst seit kurzem und auch da erst sehr sehr selten, dass aus anderen Gründen als sektenhaftem (im ursprünglichen, nicht im übertragenen Sinn) Sendungseifer (Scientologen) oder purem Geschäftssinn (Hersteller künstlicher Vitaminpillen samt Link zur eigenen Firma etc.!) Kritik an Ritalin geübt wird. Wenn jene Vertreter, die den medizinischen Befürwortern von Ritalintherapie "Unwissenschaftlichkeit" vorwerfen, aber selbst derart katastrophal unseriös und unwissenschaftlich vorgehen, dass sie nicht einmal die Herkunft der Quellen prüfen, aus denen sie ihre Kritik speisen, darf man sich nicht wundern, wenn AddlerInnen dieser Fraktion nicht so ganz bereitwillig Glauben schenken, zumal die Argumente meist ideologische sind und selten mit objektiven und nachprüfbaren Zahlen untermauert werden. Einige PosterInnen hier sowie Dr. Schmidt sind da eine löbliche Ausnahme. (Die medizinischen Befürworter versuchen dies wenigstens und geben die Herkunft ihrer Aussagen korrekt an und sagen auch, wenn etwas nach dem derzeitigen Forschungsstand nicht feststellbar ist - (siehe z.B. die von mir wörtlich zitierte Aussage in meinem heutigen kritischen Beitrag zu Aufmerksamkeitstests und ADD). In dem Zusammenhang: Dr. Vogelsang wurde von mehreren Forum-Teilnehmern gebeten, die Quelle eines angeblichen Zitats des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft (Markl) zu nennen, um es nachlesen zu können. Er ist sie uns bis heute schuldig geblieben. |
Autor: Kim
Datum: 09.09.01
Hallo Elisabeth,
ich wundere mich darüber, daß du meinst, erst in letzter Zeit
würden Nicht-Scientologen Kritik an Ritalin äußern.
Ich kenne viele Publikationen und ernstzunehmende Ärzte,
Neuropädiater, Psychotherapeuten, Psychologen, die den Einsatz
von Psychopharmaka im Kindesalter schon lange sehr kritisch
betrachten und die über das heutige Ausmaß dieser
Behandlungspraxis zutiefst besorgt sind. Und die sind nun
wirklich nicht einmal in der Nähe der Scientologen.
Ob nun die IT-Seite "Ritalin-Kritik" von den
Scientologen ins Netz gestellt wurde, ist mir persönlich völlig
gleichgültig, ich setze mich mit den Inhalten auseinander, wobei
ich mich im übrigen nicht nur auf Quellen im Internet verlasse.
Nein, ich denke eher, daß die "eingefleischten
ADS-ler" dies als sehr willkommene Möglichkeit nutzen, sich
gar nicht weiter mit der Kritik an Ritalin auseinandersetzen zu
müssen. Weil sie es gar nicht wollen.
Gruß von Kim
| Autor: Elisabeth
(himmelblau) Datum: 09.09.01 Hallo, Kim, meine Aussage bezog sich darauf, dass in den Foren erst seit sehr kurzer Zeit Kritik von Nicht-Scientologen-Seite an Ritalin geübt wird. Schließlich geht es im Ausgangsthread hier speziell um Add-Foren und nicht um die Welt allgemein. Und ich bin jetzt seit Ende 1999 im Internet. Erst im Frühjahr/Sommer 2001 war dort (zumindest im Add-Online-Forum) ernstzunehmende Kritik an Add und Ritalin auszumachen. Zuvor konnte ich tatsächlich - ich habe dies ausgeführt - so gut wie jeden "kritischen" Beitrag entweder auf Scientology oder auf eine Herstellerfirma eines "alternativen" Heilmittels (seien es Algen, seien es Vitaminpillen etc.) zurückführen. Wobei sich die alternativen "Heilmittelhersteller" auch oft im Dunstkreis von Scientology befanden. Und für mich spielt es sehr wohl eine Rolle, welche Absichten hinter Äußerungen stehen - denn eine Organisation, die Leute vor einer Abhängigkeit "retten" will, im Gegenzug diese Leute aber psychisch, physisch und materiell ausnutzt und sie von sich selbst abhängig macht, die auf Lügen und Vertuschen aufgebaut ist, ist einfach nicht glaubwürdig. Und es ist von daher psychologisch verständlich, wie Add-TeilnehmerInnen auf solche Kritik (zumal wenn sie in ähnlichen Pauschalisierungen daherkommt wie von Scientologenseite) reagieren und es ist sehr ungerecht, diese Entstehungsgeschichte nicht zu bedenken, und ihnen pauschal bestimmte negative Charakterzüge vorzuwerfen, wie du es tust. (Ich antworte dir heute auch noch auf deinen Beitrag vom anderen Thread - 18:56, daher beschließ ich diesen hier mal, weil das was ich sonst noch sagen möchte dorthin auch passt.) PS: auch ich verlasse mich nicht nur auf Quellen im Internet, ich habe seit ich mich begonnen habe, mit Add zu beschäftigen, etliche Bücher dazu gelesen und - vor allem - ich habe schon einige der angeblich "süchtigen" Leute persönlich kennengelernt. Kein einziger, keine einzige, egal ob sie Ritalin nahmen oder nicht, hat dabei dem Bild, das hier von dir gezeichnet wird, entsprochen. Dass ich hier Internetquellen angebe, hat damit zu tun, dass ich möchte, dass Interessierte eine Möglichkeit haben, das nachzulesen - schließlich kann man sich nicht gleich jedesmal ein Buch kaufen. (ich hatte die meisten Add-Bücher auch nur ausgeliehen). Liebe Grüße, Elisabeth (himmelblau) |
Autor: Hans-Reinhard Schmidt
Datum: 10.09.01
Hallo,
da wird doch als bestes Mittel in Zeiten verstärkter und
fundierter Kritik am ADS-Konstrukt (inkl. Ritalin) in anderen
Foren empfohlen: "Augen zu, und durch!"
Wenn es sich bei den "Kritikern" um irrationale Spinner
handelte (die gibt es ja auch), dann mag dieser Rat ja
verständlich wirken. Aber wenn wissenschaftlich fundierte Kritik
zur Nachdenklichkeit anregen sollte, muss ein solches Motto wie
der reine psychoneurotische Abwehrmechanismus erscheinen und in
die Irre führen.
Als ich heute Herrn Scharping im Fernsehen sah, dachte ich, diese
Foren sind auch nur noch "Selbstverteidigungsforen",
keine wirklichen Selbsterfahrungsgruppen. Man sollte darüber als
Link schreiben: "Zur Selbstverteidigungsgruppe".
Ich frage mich, ob "ADSler" noch lernfähig sind oder
nun bis ans Ende ihrer Ritalintage wiederholen werden, was sie
immer schon glaubten. Wenn nicht Kinder betroffen wären, könnte
einem das ja ziemlich egal sein.
Mein Motto ist stattdessen: "Augen auf, und abwägen!"
Mit Gruß, Ihr H.-R. Schmidt
| Autor: Petra Datum: 11.09.01 Hallo Herr Schmidt, ich glaube das sich "Augen zu und durch" in der Hauptsache darauf bezieht, was Eltern in Zeiten der Reportkritik ( falsch wiedergegebene Aussagen und negative Darstellungen als Quotenfang?) durchmachen müssen - und vor allem was die Kids durchmachen müssen. Gruß Petra |
Autor: Corina Frank
Datum: 27.09.01
Sehr geehter Hr. Schmidt,
ich lese zum erstenmal in diesem Forum und bin doch etwas
amüsiert, wobei diese Thema dafür viel zu ernst ist. Ich würde
Ihnen wirklich gerne zustimmen und finde Ihre Argumentation auch
gut, nur leider habe ich selbst einen Sohn, der betroffen ist und
sehe täglich die Praxis. Wir haben sehr früh festgestellt, das
mit unserem Sohn etwas nicht stimmt, b.z.w. das er anders ist,
haben früh mit Therapien angefangen (Ergo., Logo.), das über
fünf Jahre. Irgendwann sind wir dann in der
Kinder-Jugendpsychiatrie mit unserem Kind gelandet, da
diagnostezierte man ratz-fatz eine gestörte Eltern-Kind-Störung
(obwohl uns dieser Oberarzt gerade mal 45min. gesehen hat!). Ein
Konzentrationtraining in der Gruppe scheiterte nach dreimal,
daraufhin sollte unser Kind stationär aufgenommen werden! Das
war für mich der Anlaß, dort alle Therapien abzubrechen, denn
ohne ein Verdacht auf irgendetwas, werde ich mein Kind nicht
einweisen lassen, dies würde doch ein viel größeren Einschnitt
in seine soziale Intergration in Familie/Schule/Freunde
darstellen . Wir sind dann zu einem anderen Arzt gegangen, der
sich sehr viel Zeit für uns genommen hat, dort stellte man dann
ADS/H fest und er bekommt seit den Sommerferien Medikinet. Ich
bin kein Verfechter dieser Medikamente und stehe diesem auch sehr
kritisch gegenüber, aber die Praxis zeigt mir etwas anders, tja
und das sind Fakten und kein theoretisches Gefahsel!
Verhaltenstherapie, Gruppentherapie, Familientherapie etc.,
natürlich auch diese Berufsgruppen wollen leben und ihr Geld
verdienen! Unterstützend sicherlich keine Frage, aber das dies
das Allheilmittel bei ADS sein soll.....? Übrigens haben wir
noch eine Tochter, bei ihr gibt es keine Probleme, aber rein
theoretisch müsste sie doch auch...., denn sie hat die gleichen
Eltern wie mein Sohn?!
Das mußte ich mal loswerden, ich denke alle die ihen Kindern
Ritalin geben, würden gerne darauf verzichten, wenn es eine
Alternative geben würde, die so hilft, wie dieses Medikament!
Gruß C.Frank
| Autor: Hans-Reinhard Schmidt Datum: 27.09.01 Herzlich willkommen im Cafe´! Es ist ein alter Irrtum, zu glauben, Geschwister hätten in ihrer Familie die selbe psychologische Umwelt. Das stimmt deshalb nicht, weil sie unterschiedliche psychologische Bedingungen vorfinden: sie sind z.B. ein Mädchen oder ein Junge, das erste oder das zweite Kind, eins passt psychologisch besser zum Vater, das andere zur Mutter, der Altersunterschied zwischen ihnen ist bedeutsam, familiäre Ereignisse wirken je nach ihrem Lebensalter unterschiedlich auf sie ein, usw., usw. Ich habe das hier schon mehrmals ausführlicher erläutert (wenn sie sich dafür stärker interessieren, empfehle ich Ihnen das Buch "Familienkonstellationen" von W. Toman, Beck-Verlag, 6. Aufl.). Zu Ihrem eigenen Kind kann ich mich natürlich nicht äußern, dazu müsste ich es selbst sehen. Alles, was Sie darüber schreiben, kann ich nur zur Kenntnis nehmen, es kann aus meiner Sicht so stimmen, es kann aber auch anders sein. Viele Eltern schließen aus der Beobachtung, dass Medikinet oder Ritalin wirkt (und es wirkt ja bei 70 Prozent ALLER Kinder, ob sie ADS haben oder nicht!), dass ihr Kind ADS hat. Das ist aber sehr oft ein Irrtum. Das Kind bekommt dann ein Psychopharmakum, ohne dass eine Hirnstoffwechselstörung überhaupt vorliegt, und davor wird ja bereits gewarnt (s. oben die HÜTHER-Studie). Mit Gruß, H.-R. Schmidt |
Autor: Hans-Reinhard Schmidt
Datum: 17.09.01
Hallo,
an anderer Stelle heisst es:
"Die Gefahren von Ritalin bei Nicht-Vorliegen von ADS sind
gering. Es sind die bekannten kurzfristigen Nebenwirkungen wie
Kopfschmerz oder Bauchschmerzen, vielleicht Schlafstörungen. Da
die positiven Effekte nicht auftreten, wird man die Therapie ja
kaum ueber Monate fortführen. Selbst dann sehe ich bisher keine
Hinweise auf mögliche Schädigungen. Aber nochals : Das wird
weder das Kind noch die Eltern wollen, weil bei Nicht-ADSlern die
Effekte von Ritalin nicht doll sind bzw. vom Kind die Unruhe als
unangehnehm erlebt werden würde."
Dazu ist zu sagen, dass diese Aussage -gelinde ausgedrückt-
fahrlässig ist. Es wird der hohe Prozentsatz wahrscheinlicher
Falschdiagnosen völlig ignoriert. Die "typischen"
ADS-Symptome sind vieldeutig, andere Störungen mit derselben
Symptomatik (vor allem psychologische) werden von Kinderärzten
häufig nicht sorgfältig genug ausgeschlossen. Und dem Ritalin
ist es egal, ob eine Hyperaktivität auf einer
Hirnstoffwechselanomalie oder auf einer Neurose basiert: es
dämpft sie bei Kindern in jedem Fall mehr oder minder intensiv
(wobei die Wirkung eben nicht vom Vorliegen von ADS abhängt).
Man wird also die Therapie durchaus über Monate hinziehen, auch
wenn die Diagnose falsch war, was aber keiner merkt. Die einzig
objektive Diagnose mit SPECT-Analyse findet ja nirgends statt.
Ritalin wirkt unspezifisch.(s. hierzu auch unser Thema:
"Ritalin, ein folgenschwerer Irrglaube")
Gerade vor solcher Falsch-Medikation warnt HÜTHER ausdrücklich.
Mit Gruß, H.-R. Schmidt
| Autor: Winfried007 Datum: 19.09.01 Liebe Leute, in einem Forum läuft eine Umfrage zu folgender Fragestellung: Wie lange hat es bei Ihnen und/oder Ihrem KIND gedauert, bis Sie mit Ihren Problemen die richtige Diagnose gestellt bekommen haben? Da fragt man sich: Was soll das denn sein, die "richtige" Diagnose"??? Sicher die Diagnose ADS, woll? Aber wieso soll die "richtig" sein? Woher soll der Befragte wissen, ob diese Diagnose richtig ist, angesichts der hohen Zahl von Falschdiagnosen auf diesem Gebiet? Ich würde die Frage so formulieren: Wie lange hat es gedauert, bis jemand auf die Idee kam, bei Ihnen oder Ihrem Kind könnte ADS vorliegen (unabhängig davon, ob es vorliegt oder nicht)? |
Autor: Hans-Reinhard Schmidt
Datum: 22.09.01
Hallo,
was mir immer sehr unangenehm auffällt ist, wie oft Mütter
Fragen in den Foren stellen, die eindeutig nur ein Arzt oder
Psychologe beantworten sollte. Z.B. Probleme bei der Medikation
mit Ritalin (Über- oder Unterdosierung, Rebounds,
Diagnosestellung etc.) werden an Laien und selbsternannte
Fachleute gestellt und dann auch fleißig beantwortet. Wo bleibt
da die unbedingt erforderliche enge ärztliche Begleitung bei der
Ritalin-Medikation von kleinen Kindern?
H.-R. Schmidt
| Autor: Petra Datum: 22.09.01 Hallo, ja diese Fragen werden in der Tat oft gestellt. Aber ich bin (fast) sicher das man 1.auch den Arzt fragt 2. eh darauf hingewiesen wird das das nur ein Arzt beurteilen kann 3. erfahrungsaustausch sucht.... Das ist doch kein Verbrechen. Niemand der darauf antwortet behauptet doch es besser als ein Arzt zu wissen oder genauso gut. Jeder sagt seine Meinung und dazu sind Foren doch gedacht oder? Gruß Petra |
Autor: Kim
Datum: 22.09.01
>
> Das ist doch kein Verbrechen. Niemand der darauf antwortet
> behauptet doch es besser als ein Arzt zu wissen oder genauso
> gut. Jeder sagt seine Meinung und dazu sind Foren doch
gedacht
> oder?
>
Hallo Petra,
wieder einmal sehe ich das nicht so "harmlos" wie du.
Es wird durchaus indirekt behauptet, dies oder jenes besser als
der Arzt zu wissen.
Z.B. wollte ein Arzt das Ritalin nach 2 Jahren langsam absetzen,
weil er damit gute Erfahrungen gemacht hat, so berichtete eine
Mutter. Daraufhin hagelt es von "Warnungen" davor, als
Antworten in dem Forum, und zwar von Laien.
Ein anderes Beispiel: da wird ein Mädchen diagnostiziert und es
ergibt sich: "wohl kein ADS". Was passiert im Forum?
Alle bezweifeln die Kompetenz der Diagnose. Also
"glauben" diese Antworter doch, es nach eigener
Einschätzung besser als ein Arzt zu "wissen".
Drittes Beispiel: da wird berichtet, daß jemand die Diagnosen
"Borderline" und "narzißtische Störung"
erhalten habe und die einhellige Meinung der Antwortenden geht
dahingehend, daß es sich dabei wohl um Fehldiagnosen handelt und
in Wirklichkeit ADS dahintersteckt.
Ich finde das alles höchst bedenklich, sowohl was die
"Ferndiagnosen" angeht, wie auch die Ratschläge zu
Behandlung und Dosierung von Ritalin.
Versteh mich nicht falsch, ich bin nicht sehr überzeugt von der
Kompetenz vieler Ärzte, aber ganz und gar nicht überzeugt bin
ich von der "Kompetenz" der Forenteilnehmer, die alles
nur noch durch die "ADS-Brille" sehen.
Sicher sind Foren dazu gedacht, gegenseitig die Erfahrungen und
Meinungen auszutauschen, aber sie sind sicher nicht gedacht, um
medizinische Ratschläge zu geben, was Diagnosen sowie Behandlung
und Dosierung von Ritalin (im Einzelfall) angeht. Und dennoch tun
es einige sehr eifrig. Da aber weder Kenntnis der genauen
Situation vorliegt, noch es sich bei diesen Personen um wirkliche
"Fachleute" handelt, ist mein harmlosestes Wort dafür
"verantwortungslos".
Gruß von Kim
| Autor: Petra Datum: 22.09.01 Hallo Kim, wenn ich mich recht erinner ( hab ein schwaches Gedächtnis) ;-) ging es darum das gefragt wird wegen Höhe einer Dosierung, Rebounds,Diagnosestellung etc. Und ich finde wirklich nichts dabei dazu seine Erfahrungen mitzuteilen. Anders würde es sich verhalten wenn ich unterstelle das die Fragenden sich auf meine Meinug verlassen und nichts weiteres zur Klärung unternehmen....denn das wäre gefährlich. Ich setze aber voraus, das jemand sich in einem Forum informiert und beim Arzt die Entscheidungen trifft. Ich habe z.B. auch meiner Freundin gesagt "NEIN, kein Ritalin ohne vorheriges EEG und Blutuntersuchung" und das obwohl ihr kein Arzt dazu riet....Hingehen und es machen lassen muss nun aber sie mit dem Kind... Bezüglich dem Absetzen von Ritalin nach 2 Jahren ( ich weiss welchen thread du meinst) habe ich noch eine ganz andere Meinung...Wenn das Kind es nach 2 Jahren nicht mehr braucht...wieso hat es es 2 Jahre gebraucht? Es ist berichtet ( und ich glaube da gibst du mir Recht?) das die Pubertät für ADSler nicht eben eine einfache Angelegenheit ist, dann "plötzlich" kein Medikament mehr zu brauchen das vorher unumgänglich war, ist schwer zu verstehen...Treotzdem denk ich kann man ( so man dem Arzt vertraut) es probieren... Man sagt aber oft auch das Kids ab 14 kein Rita mehr nehmen sollen, auf Grund dieser Ausage nach 2 Jahren aufzuhören fände ich schwachsinnig mit Verlaub. So, hoffe das ergibt noch irgendwie Sinn, bin hundemüde. Gruß Petra |
Autor: Kim
Datum: 23.09.01
Hallo Petra!
>
> wenn ich mich recht erinner ( hab ein schwaches Gedächtnis)
;-)
> ging es darum das gefragt wird wegen Höhe einer Dosierung,
> Rebounds,Diagnosestellung etc.
> Und ich finde wirklich nichts dabei dazu seine Erfahrungen
> mitzuteilen.
Nein, ich finde auch nichts dabei, seine Erfahrungen mitzuteilen,
aber ich finde wohl etwas dabei, irgendwelche Empfehlungen zu
geben, wenn man den speziellen Fall nicht wirklich kennt.
>
> Bezüglich dem Absetzen von Ritalin nach 2 Jahren ( ich
weiss
> welchen thread du meinst) habe ich noch eine ganz andere
> Meinung...Wenn das Kind es nach 2 Jahren nicht mehr
> braucht...wieso hat es es 2 Jahre gebraucht?
Daran kannst du sehen, wie kompliziert solche Dinge und
Entscheidungen sind. Aber wie siehst du das denn in deinem
eigenen Fall? Muß dein Sohn lebenslang Ritalin nehmen? Oder
wirst du nicht auch nach einiger Zeit einen Absetzversuch machen?
Und wenn, wann, nach wieviel Jahren?
Ich denke, solche Entscheidungen sind nur unter genauer Kenntnis
des jeweiligen Falles zu treffen, deswegen sollte man sich mit
konkreten Empfehlungen in Internetforen zurückhalten.
>
> Es ist berichtet ( und ich glaube da gibst du mir Recht?)
das
> die Pubertät für ADSler nicht eben eine einfache
Angelegenheit
> ist, dann "plötzlich" kein Medikament mehr zu
brauchen das
> vorher unumgänglich war, ist schwer zu verstehen...
Ich gebe dir (bedingt) recht, insofern, als ich denke, daß die
Pubertät für JEDES Kind oder Heranwachsenden eine schwierige
Zeit ist, in der viele Veränderungen geschehen.
Es gibt aber auch die Theorie oder die Beobachtung, daß
"ADS" sich in der Pubertät "bessert". Und
wieder einmal gilt doch, das kann nur im Einzelfall betrachtet
werden.
> Man sagt aber oft auch das Kids ab 14 kein Rita mehr nehmen
> sollen, auf Grund dieser Ausage nach 2 Jahren aufzuhören
fände
> ich schwachsinnig mit Verlaub.
Weißt du, das Problem ist doch, daß man eigentlich gar nicht
viel weiß und die einen vertreten diese Meinung und die anderen
jene. Und man kommt immer wieder an den Punkt, das in Beziehung
zu setzen mit dem theoretischen Konzept von "ADS", das
der einzelne hat. Und ich muß sagen, es wäre für die Praxis
mit all diesen Entscheidungen viel hilfreicher, man würde
"ADS" nur als "Erscheinung" betrachten, als
"klinisches Bild",und nicht als Ausdruck einer
Hirnstoffwechselstörung (was ja auch bislang überhaupt nicht
bewiesen ist, auch wenn in den Foren das immer wieder behauptet
wird) . Genau so (also ohne ursächliche Zuordnung) wurden ja
auch die Diagnoserichtlinien "vereinbart". Der Blick
wäre damit wieder offen für verschiedene Bedingungsfaktoren des
Erscheinungsbildes "ADS" und dann könnte man je nach
individueller Gegebenheit sehen, ob überhaupt, wann und wielange
jemand Medikamente braucht.
Gruß von Kim
| Autor: Petra Datum: 23.09.01 Hallo Kim, nur kurz:-) das mit dem Rechtgeben bezog sich darauf das es berichtet wird... Die Pubertät ist für alle eine "Strafe" egal welches Kind - stimmt. Was meinen Sohn betrifft und ich denke du möchtest eine ehrliche Antwort?, wird er das Ritalin/Medikinet nicht länger nehmen als unbedingt notwendig um einen einigermassen positiven Platz in dieser unserer Gesellschaft einzunehmen ( wobei ich in seinen Augen positiv meine). Gruß Petra |
Autor: Dörte
Datum: 28.09.01
Hey,
ADD wird jetzt schon als Waffe im Rosenkrieg benutzt! Eine Frau,
die ich kenne, hat in ihrem Prozess bei der Scheidung gesagt, der
Vater könnte die Kinder nicht kriegen, weil er
"diagnostizierte ADS" hätte. Der Richter hat gaaaaanz
große Augen gemacht und hat gleich ein psychiatrisches
Gutwachten in Auftrag gegeben. Na, alles Gute, sage ich!
Dörte
| Autor: Hans-Reinhard Schmidt Datum: 30.09.01 Hallo, es ist interessant, welches Familienbild die ADS-Foren häufig vermitteln. Drei Hauptrollen tauchen immer wieder auf: 1. der "betroffene" Sohn 2. die überzeugte ADS-Mutter 3. der ADS-ablehnende Vater ("Hilfe, mein Mann glaubt nicht an Ritalin!") Es ist die alte Geschichte von ihren Söhnen zu nahen Müttern und randständigen oder abwesenden Vätern, die man in der Klinischen Psychologie bei verhaltensgestörten Jungen immer wieder findet. Es wäre mal hochinteressant, diese Familiendynamik in ADS-Familien genauer zu analysieren. Wie erleben das die Söhne , dass sie unter dem Einfluss der Mutter Ritalin nehmen müssen, und der Vater lehnt es ab, setzt sich aber nicht durch? Welche Auswirkungen hat das auf die Identitätsentwicklung der Söhne? In einer gestörten Familiendynamik spielt "ADS" wahrscheinlich oft eine wichtige symptomatische Rolle. In Abwandlung eines hier unter "Wer hört schon zu" zu findenden Bonmots von Ludwig Fels kann man das so ausdrücken. "Wenn wir ADS nicht hätten, müssten wir über unsere Beziehung nachdenken!" H.-R. Schmidt |
Autor: Ulli
Datum: 24.10.01
Schönen Tag,
nun ist es endlich soweit: Auch hier im Café wird es nun eine
Selbsthilfegruppe geben!!! Allerdings gibt es einige
Aufnahmebedingungen, und die wären:
1. Bist du bereit, zu glauben, dass ADD eine körperliche
Krankheit ist, von der dein Kind lebenslänglich befallen ist,
die es geerbt hat und vererben wird und die auf einer
Hirnstoffwechselstörung beruht?
2. Bist du bereit, alle anderen möglichen Ursachen für die
Probleme deines Kindes tapfer auszublenden?
3. Bist du bereit, dich von fachlichen Laien (Hausfrauen,
Journalisten etc.) in deinem Glauben bestärken und in allen
Fragen beraten zu lassen, die eigentlich nur ein(e)
Fachmann(frau) (Arzt, Psychiater, Psychologe) beantworten sollte?
4. Bist du bereit, andere Teilnehmer, die gegen diese Regeln
verstoßen, aggressiv zu vertreiben und sie als Scientologen,
Afa-Jünger, Stänkerer oder Neurotiker zu bezeichnen?
5. Bist du bereit, Ritalin zu geben, damit dein Kind später mal
weder in den Knast noch in den Drogenentzug muss?
6. Bist du bereit, jede Frage nach Erziehungsfehlern als
bösartige Schuldzuschreibung umgehend und heftig
zurückzuweisen?
7. Bist du bereit, über dein Kind ständig wie über einen
Kranken zu reden, dich ausschließlich auf Fragen nach der
Behandlung deines Kindes zu konzentrieren und dich ansonsten als
Opfer der bösen Gesellschaft und deines anstrengenden Kindes zu
betrachten?
8. Bist du bereit, Ritalin als ausschließliches
Behandlungsmittel einzusetzen, Verhaltenstherapie zwar zu suchen,
aber (weil du sie nicht findest) nicht durchzuführen und alle
anderen, besonders aber die psychoanalytisch orientierten
Methoden zu vermeiden wie der Teufel das Weihwasser?
9. Bist du bereit, jeden Arzt, Psychiater oder Psychologen, der
nicht zu einer ADD-Diagnose bereit ist, als inkompetent zu
bezeichnen?
Wenn du alle diese Fragen mit JA beantworten kannst, dann klicke
bitte sofort HIER:
</HTML> http://www.psychometrix.de/bah.htm
Autor: Kim |
Autor: Petra
Datum: 25.10.01
Hallo Kim,
kann es sein das Du Satire und Ironie aber nur dann magst, wenn
sie von den "richtigen" Leuten kommt????
Nämlich von denen, denen Du sowieso nicht widersprichst, da sie
eh Deine Meinung zu vertreten scheinen?
Kritisieren ist einfach, Kritik wegzustecken nicht...
Das diese "Regeln" eine Snspielung auf angebliches
Verhalten in "echten" SHGs sein sollten, das hat (
hoffentlich) jeder erkannt. Eigentlich stellte es nichts weiter
dar, als eine Aufreihung von Vorurteilen anderen Gruppen
gegenüber. Gewürzt mit etwas Sarkasmus.
Ich konnte mich auch amüsieren darüber, wenn auch vielleicht
aus anderen Gründen.
Wir sollten nicht immer nur Toleranz predigen, sondern sie auch
mal ausüben und nicht nur von "anderen" verlangen.
Gruß Petra
| Autor: Hans-Reinhard
Schmidt Datum: 04.12.01 Hallo, dass "ADS" so umstritten und zweifelhaft ist, veranlasst offenbar viele Eltern weniger zum kritischen Nachdenken, als dazu, sich umso entschlossener allen Kritikern entgegenzuwerfen nach dem Motto: "Wir kämpfen für unsere Kinder!" Je stärker die Kritik, umso stärker ihr Abwehrverhalten und Beharren auf alten Positionen, um so stärker können sie kämpfen. Das scheint ihnen ein gutes Gefühl zu geben, sind sie doch damit Helden, die ihre Kinder gegen "Verderber" verteidigen. In den Foren finden sie genügend andere Helden, die ihnen zureden, ihre starre Überzeugung beizubehalten. Ich nenne dies eine paranoide Position. |
Autor: Petra
Datum: 04.12.01
Hallo Herr Schmidt :-)
*heiligenscheinanzieh* :-))
Also es gibt bestimmt Eltern die auch Helden sind. Aber ich
glaube nicht das sich Eltern die für ihre und auch andere Kinder
"kämpfen" sch als Helden fühlen (wollen).
Ich persönlich halte es einfach so, das ich so ich überzeugt
von etwas bin und die Möglichkeit habe, mich einsetze wen jemand
Hilfe braucht. Das hat nichts mit ADS oder sonst was zu tun.
Wenn also dieses Verhalten paranoid ist;-) was ist dann das
andere..das: " wir müssen die Kinder vor diesen Eltern
schützen"Verhalten ? Ebenso paranoid oder heldenhaft?
Ein wenig Natur steckt eben doch auch noch im Menschen und so
werden viele Eltern ihre "Küken" verteidigen - komme
was da wolle.
Ich bin übrigens ( abgesehen von offensichtlich schwerem
Fehlverhalten) der Meinung das Eltern in erster Linie die Pflicht
haben zu ihren Kindern zu halten und ihnen erst hinterher wen sei
mit ihnen alleine sind zu sagen wen sie vielelcht anders darüber
denken.
Aber ich bin durchaus bereit in dieser paranoiden, schizophrenen
Situation zu leben - nur Held bin ich mit Sicherheit keiner.
Gruß Petra *heilgenscheinganzschnellwegleg
Autor: Ulli |
Autor: Ein Randalierer
Datum: 30.10.01
Sehr geehrter Herr Uli,
im Gegensatz zu Ihnen verfolge ich seit ca. 8 Jahren die von
Ihnen sogenannte ADS-Szene auch im Internet sehr kritisch. Der
Name Schmidt und der seines Gefolgsmannes Uli ist dagegen aus der
geschichtlichen Sicht des Internetes erst vor sehr kurzer Zeit
aufgetaucht. Dabei habe ich oft ironisch, spitz, provokativ,
manchmal auch beleidigend, auf Beiträge wie den genannten
reagiert. Also bereits zu einer Zeit, wo ich vermute, ein Herr
Uli kannte das Internet noch nicht, so wie ich denke, auch heute
beschränken sich seine Kenntnisse auf das WEB. Auch ist es für
mich fraglich, ob Sie zu dieser Zeit bereits nur in Ansätzen von
ADD gehört haben.
Es ist daher sicher nicht verwunderlich wenn man seine Bemrkungen
etwas weiter streut, dass sich auch Herr Schmidt etwas anhören
musste, nur er konnte es nicht verstehen, denn Randalierer
schmeißt er vor die Tür! Sein Gefolgsmann jedoch macht aus dem
Randalierer nun einen "Helden", weil es nun mal so in
sein Konzept passt.
Wenn Sie sich heute einen Beitrag von mir auf die Fahne
schreiben, dann zeugt das in meinen Augen nur, wie in diesem
Beitrag auch deutlich gesagt, für Ihr Unvermögen. Wenn ich dann
von Ihnen ein Bravo zu hören bekomme, dann macht mich das
"stolz" und läßt mich hoffen, dass Sie etwas in sich
gehen, Ihren Horizont erweitern und Ihre Defizite abbauen werden.
Nur das ist sicher verlorene Liebesmühe!
Hans
| Autor: Lilli Datum: 31.10.01 Lieber Ulli, ich habe die Beiträge von Hans gelesen. Wenn ich ihn richtig verstanden habe, lehnt er ADS nicht ab. Er kritisiert nur, daß viele Eltern sich auf ihre Selbstdiagnose verlassen und nicht offen sind für andere möglichen Diagnosen. Das ist doch etwas anderes, als Herr Schmidt meint, oder? MfG, Lilli |
Autor: Frauke
Datum: 11.12.01
Guten Abend zusammen,
folgender weiser Satz lässt doch aufhorchen:
>Provokativ gesagt : Ein Mensch der sicher ist dass er ADHS
hat hat kein ADHS<
Es handelt sich also doch bei vielen diagnostizierten ADSlern um
eine Einbildung? Wer also zweifelt, ADS zu haben, hat es? Oder
auch nicht? Und die Diagnostiker: Wenn sie glauben, ihr Patient
habe ADS, dann hat er es gar nicht,m und umgekehrt?
Also eine korrekte Falschdiagnose? Oder: ADSler sind so
gestrickt, dass Sie umso stärker ADS haben, je weniger sie davon
überzeugt sind?
Eins scheint sicher: Die Forschung steht hier noch gaaaaanz am
Angang!
Frauke
| Autor: Petra Datum: 12.12.01 Hallo Frauke, is doch ganz einfach... Du zitierst:>Provokativ gesagt : Ein Mensch der sicher ist dass er ADHS hat hat kein ADHS< So weit, so gut , so klar....doch dann interpretierst Du ihn und ich weiss nicht ob er Dir da noch zustimmen wird;-) Er sprach nur von dem BETROFFENEN...nicht vom Therapeuten und anderen.... Schau es gibt Menschen die der Evotlutionstheorie folgen und sagen der Mensch stammt vom Affen ab... Andere glauben an die SChöpfungsgeschichte und bestreiten diese Möglichkeit.... Welche der beiden Gruppen sind dann keine Menschen - und kann man sie dann so behandeln? NEIN. Also;-))) Gruß Petra |
Autor: Frauke
Datum: 12.12.01
Tut mir leid, Petra, ich verstehe nur Bahnhof. Was willst du
sagen? Wer heute noch an die Schöpfungsgeschichte glaubt, glaubt
auch an ADS? Meinst du es so etwa? Wie verstehst du denn den
zitierten Satz?
Jedenfalls lebt im falschen Jahrhundert, wer heute noch an die
Schöpfungsgeschichte glaubt. Die Evolutionstheorie sagt ja
nicht, dass der Mensch "vom Affen" abstammt, sondern
dass sich die heutige Formenvielfalt aller Lebewesen (auch der
Mensch) stammesgeschichtlich entwickelt hat und weiter entwickelt
(also nicht von einem Moment auf den anderen da war und so
bleibt, wie die Schöpfungsgeschichte sagt).
FG Frauke
| Autor: Ulli Datum: 12.12.01 Hi, ich verstehe den Satz so: Alle "Betroffenen", die an ihre Diagnose ADS glauben, sind in Wirklichkeit kerngesund oder haben irgendeine andere Krankheit. Und da hat er vollkommen Recht, der Autor. So sehen wir das hier schon lange! Ulli |
Autor: Hans-Reinhard Schmidt
Datum: 12.12.01
Hallo,
zu dieser hochgeistigen Diskussion möchte ich anmerken, dass mir
mal jemand geschrieben hat, er habe selbst
"ADS-Anteile". Das ist nicht nur wissenschaftlich sehr
interessant (denn von graduellen Abstufungen bei ADS habe ich
noch nichts gehört, was aber nichts heissen muss), es wirft auch
im Zusammenhang mit dem hier zur Diskussion stehenden Satz die
Kernfrage auf, ob Menschen mit "ADS-Anteilen" nun
besonders leichtes, besonders schweres oder gar kein ADS haben.
Sind sie aufgrund ihrer "ADS-Anteile" und der damit
einhergehenden mittelprächtigen Worry- und Skeptizism-Neigung
nun in der Lage, sich realistisch selbst zu beurteilen oder
übersehen sie stattdessen eine möglicherweise extreme
ADS-Ausprägung, aus der dann aber wieder zu schließen wäre,
dass sie gar kein ADS (also auch keine Anteile davon) haben...
Eigentlich können demzufolge nur Leute wie ich ADS haben. Man
müsste mir also zwangsweise Ritalin verabreichen...
Frauke hat Recht mit ihrer Beurteilung des gegenwärtigen
Forschungsstandes!
H.-R. Schmidt
Autor: Ulli |
Autor: Hans-Reinhard
Schmidt
Datum: 06.12.01
Da diskutieren die Leute über IQ-Tests bei der ADS-Diagnostik
und kriegen von "Fachleuten" einerseits gesagt, dass so
ein Test grundsätzlich immer wichtig sei, andererseits, dass ein
selbständiger Fachmann ihn aus Kostenerstattungsgründen
(Stundenlohn ca. DM 15.-) nicht macht, weil er davon nicht leben
kann. Und was sagt uns das nun?
Erstens, dass hier offensichtlich nicht selten Fachlichkeit
hinter Ökonomie zurücktreten muss, wenn man als
"Betroffener" zu einem Selbständigen (gleich, ob Arzt
oder Psychologe) in die Praxis geht und einen IQ-Test möchte;
Zweitens, dass man wohl privat zahlen müsste (mehrere
Hunderter), damit der Selbständige einen IQ-Test machen kann.
Drittens, dass wieder mal nicht darüber informiert wird, was die
"Konkurrenz" in diesem Fall fachlich anzubieten hat: In
den über 1000 deutschen Erziehungs- und Familienberatungsstellen
erhalten Eltern KOSTENFREI jeden sinnvollen psychologischen Test.
Die Fachlichkeit steht hier an erster Stelle, denn der Service
ist kostenfrei (die Beratungsstellen werden aus öffentlichen
Mitteln bezahlt; nach dem Kinder- u. Jugendhilfegesetz muss jeder
Jugendhilfeträger eine solche Beratungs- und Behandlungsstelle
vorhalten; in jeder Stelle arbeitet mindestens ein Klinischer
Psychologe bzw. Psychologischer Psychotherapeut, die Mitarbeit
eines Arztes ist auch gegeben).
Viertens und Letztens: Bei allen "ADS"-Fragen und
Untersuchungen sind Erziehungsberatungsstellen erste Wahl, nicht
nur finanziell!
H.-R.Schmidt